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Die Auferstehung Jesu - Zentrum unseres Glaubens

Die Auferstehung Jesu ist mit Sicherheit das unwahrscheinlichste aller Wunder Jesu. Und ausgerechnet daran soll unser ganzer Glaube hängen? – Eine Heilung eines kranken Menschen – das kommt vor, zwar nicht immer so schnell und so vollständig, wie in der Bibel als Wunder berichtet. Ein Sturm, der plötzlich aufhört zu stürmen; ein Krug voll Wasser, das zu Wein wird; ein Mensch, der über einen See läuft – von mir aus. Aber von den Toten auferstehen?!

Aber an diesem Wunder hängt unser Glaube: Alles ist hinfällig, wenn die Auferstehung ein großer Betrug sein sollte, eine Symbolgeschichte oder ein Falschbericht. Umso wichtiger ist es, sich darüber zu verständigen.

Aber genau davon – von einer angemessenen Verständigung (mit Angehörigen anderer Konfessionen und Religionen genauso wie auch mit vielen Katholiken) – sind wir weit entfernt. Nicht, weil wir verschiedener Auffassung über das sind, was damals geschehen ist. Sondern wir weil wir häufig falsch verstehen, was denn mit »Auferstehung« gemeint ist. Ebensowenig ist klar, was wir meinen, wenn wir jemand als »tot« bezeichnen. Gerade das Zentrum unseres Glaubens ist sprachlich ziemlich verdunkelt!

Zeit für den Versuch, etwas Ordnung in die Begriffe zu bringen.

Diese Katechese ist auch als gedrucktes Heft (Nr. 003) erhältlich: Kostenlose Bestellung

I. Die theologische Bedeutung der Auferstehung Jesu
1. Vorbemerkung: Begriffe sortieren

Wenn wir unsere Sprache benutzen, wissen wir, was wir damit ausdrücken wollen – und denken wenig darüber nach, ob andere (vor allem andere Menschen aus anderen Kulturen oder anderen geschichtlichen Epochen) denn dasselbe meinen, wenn sie das gleiche Wort verwenden. Gerade das ist aber hier nicht der Fall.

So heißt es zum Beispiel, dass die Auferstehung Jesu vor allem deshalb ein göttliches Wunder ist, weil jemand, der tot ist, nicht mehr wirken kann. Andere zum Leben erwecken – das mag angehen. Aber wenn man selber nicht mehr existiert, kann man auch keine Wunder mehr vollbringen.

Stillschweigend gehen wir in diesem Gedanken davon aus, dass »Tot-sein« gleichbedeutend ist mit »nicht-existieren«. Und »Auferstehung« meint dann, dass jemand, der aufgehört hat, »da zu sein«, genau das wieder ist: Er ist »zurück«. In diesem verflachtem, modernem Sinn ist »Tod« nichts anderes als »Nicht-sein« und »Leben nach dem Tod« gleichbedeutend mit »Auferstehung«. Mit einem solchen Begriffschaos können allerdings wir weder den biblischen Berichten noch der Wirklichkeit gerecht werden.

a. Wir definieren »Tod«. – Der Gedanke, ein Mensch, der gestorben ist, sei nicht mehr existent, war für die meisten Menschen frühere Zeiten vollkommen abwegig. Ein Verstorbener ist im Himmel, in der Unterwelt, im Nirwana, ein Schatten oder ein substanzloser Geist oder hat sich zu den Vätern versammelt. Aber die Idee, ein Mensch würde mit dem Tod einfach so verschwinden, ist eindeutig eine moderne Vorstellung. Über Jahrhunderte war klar, dass »Tod« nichts anderes als der Augenblick ist, in dem sich Leib und Seele trennen. Dass die Seele weiter existiert, war für fast alle Menschen vollkommen außer Frage. Nur die Vorstellung, wie die Seele existiert (und wo), ist von Kultur zu Kultur und Epoche zu Epoche unterschiedlich. Mit der überlieferten und allgemeinen Auffassung definieren wir also: Tod ist die Trennung von Leib und Seele. (Der Tod, das ist nicht irgendetwas, das zur Trennung von Leib und Seele führt oder sich daran anschließt). Die Seele existiert (natürlich) anschließend weiter.

b. Wir definieren »Auferstehung«. – Das Christentum hat also mit dem Glauben an die Auferstehung nicht das Weiterleben der Seele verkündet. Das wäre für die damaligen Menschen nichts Neues gewesen; das war eher eine Alltagsweisheit. Das absolut Überraschende und schwer zu Glaubende ist also nicht das Weiterleben (im Englischen: The »Afterlive«), sondern die Wiedervereinigung mit dem Leib. Das meint Auferstehung!

Eine seltene Ausnahme bildeten zur Zeit Jesu die Sadduzäer, die weder an Auferstehung noch an ein Weiterleben der Seele glaubten (Mt 22,23). Aber sie waren schon damals eine Sondergruppe – und eine kleine Minderheit.

Das lässt auch den »ungläubigen Thomas« anders dastehen. Er dürfte nicht bezweifelt haben, dass die Apostel nach dem Tod Jesu eine Begegnung mit den Herrn hatten. Aber doch nicht als (leiblich) Auferstandenen! An eine leibliche Auferstehung glaubt Thomas erst, wenn er die Wunden Jesu berührt. Damit wird dem Leser deutlich gemacht, dass dem Thomas eben nicht von einer Jesus-Vision erzählt wurde (die kann man durch Berührung weder widerlegen noch bestätigen). Vielmehr muss die Begegnung der Jünger mit Jesus wohl ziemlich handfest gewesen sein.

Tatsächlich glaubten die Apostel bei der ersten Erscheinung an einen Geist (so, wie sie Jesus auf dem Wasser schon für einen Geist gehalten haben – Mt 14, 26). Auch als er sie mit Worten vom Gegenteil überzeugen sucht (»Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.« – Lk 24, 39), fruchtet es zunächst nichts. Erst, als er vor ihren Augen einen Fisch ist, begreifen sie die Auferstehungswirklichkeit – Lk 24, 42f). Die Apostel waren also gar nicht soviel gläubiger wie Thomas.

c. Wir definieren »Leben«. – Wichtig ist infolge dieser Begriffsklärung, »Leben« und »lebendig« immer im genauen Gegensinn von »tot« zu verstehen. Ein menschlicher Geist ohne Leib ist in dieser Welt nicht »lebendig«, sondern tot. Mag er auch noch soviel (übernatürliche oder okkulte) Kommunikation betreiben – er bleibt in dieser Welt tot. Wenn dagegen von jemanden berichtet wird, er »sei nicht (mehr) tot, sondern lebe!«, dann schließt das eine leibliche Existenz ein. Eine geistige Erscheinung eines Verstorbenen neben dessen Leichnam würde nicht zur Behauptung führen, der Verstorbene sei nicht tot. Denn der Leichnam bleibt unbeseelt, seelenlos oder eben leblos. Vielmehr würde man nach einer solchen Erscheinung sagen, dass der Verstorbene zwar in einer anderen Welt lebt und existiert und (für einen Moment) in dieser Welt sichtbar war; ohne Leib bleibt er jedoch in dieser Welt »tot«.

So gibt es immer wieder amüsante Dialoge in Spielfilmen, die im Jenseits spielen oder Verstorbenen in Auseinandersetzung mit dieser Welt darstellen (z.B. in »Ghost – Nachrichten von Sam« oder auch in Harry Potter mit den Gespenstern und Geistern, allen voran Peeves und der »kopflose Nick«), in denen die Verstorbenen daran erinnert werden müssen, dass sie doch schon tot sind: »Du kannst das nicht. Du bist tot. Schon vergessen?» bishin zur bedingt tröstlichen Aussage »Hab keine Angst, du kannst nicht mehr sterben. Du bist doch schon tot.«

Natürlich ist unser Sprachgebrauch nicht immer eindeutig. Auch nicht in der Bibel – vor allem, wenn wir verschiedene biblische Bücher betrachten, die mehr als 1000 Jahren Entstehungszeit trennt. Aber für die Menschen zur Zeit Jesu bis in die Neuzeit wäre die Reduzierung der Begriffe eine Reduzierung der Wirklichkeit gewesen: Eine Existenz nach dem Tod ist das eine; Auferstehung etwas ganz anderes.

Mit dieser wichtigen Unterscheidung haben wir ein mächtiges Werkzeug, uns der Grundlage unseres Glaubens – der Auferstehung Jesu – zu nähern.

2. Die leibliche Auferstehung: Kern unseres Glaubens

a. Auferstehung ist der Kern des Glaubensbekentnisses. – Es gibt eine Hierarchie der Wahrheiten: Nicht alles in unserem Glauben ist gleich wichtig und gleich zentral. Zwar hängt vieles von dem, was wir glauben, mit anderem eng zusammen – aber letztlich hängt alles an einem einzigen Ereignis: Der Auferstehung Jesu. Diese Botschaft benennt Paulus in seinem Brief an die Römer ganz konkret: »Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.« (Röm 8, 11)

Einen solchen Glauben an die Auferstehung hat es in Israel nicht überall gegeben. Wir haben es schon erwähnt: Noch im Neuen Testament begegnen uns ja die Sadduzäer, die nicht an eine Auferstehung glaubten. Jesus antwortet ihnen: »Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes« (Mk 12, 27).

Auch innerhalb der christlichen Gemeinden gab es von Anfang an Stimmen, die die Auferstehung (der Toten) in Frage stellen. So schreibt Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: »Wie können einige von euch sagen: eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung und euer Glaube sinnlos.« (1 Kor 15, 12-14). Jesus bindet diesen Glauben an die Auferstehung an seine eigene Person: »Ich bin die Auferstehung und das Leben« (Joh 11, 25). Dass er dies wirklich ist, zeigt er nicht zuletzt durch seine Begegnungen mit den Jüngern nach seiner Auferstehung. Und – darauf legen die Berichte in den Evangelien großen Wert – der auferstandene Herr begegnet uns hier als erfahrbar, greifbar, wirklich. Leibhaftig.

Es sind sich fast alle Theologen einig, dass im Satz »Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tag auferstanden nach der Schrift« (Großes Glaubensbekenntnis) der Kern des gesamten christlichen Glaubens enthalten ist. Ja, viele – wie bspw. Walter Kasper – grenzen diesen Kern sogar ein auf das »auferstanden am dritten Tag«. Vielleicht sind die drei Verse aus dem ersten Korintherbrief »Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.« (1 Kor 15, 3-5) ein erstes Glaubensbekenntnis. Es geht auch noch kürzer: Vielleicht ist sogar schon der bei Lukas überlieferte Zuruf der eigentliche Kern des Credo: »Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen!« (Lk 24, 34).

b. Gute Gründe, nicht an die Auferstehung zu glauben. – Das ausgerechnet die Auferstehung Kern und Keimzelle des Glaubens gewesen sein soll, überrascht. Denn nicht nur heutige Christen und Katholiken haben damit große Schwierigkeiten.

Umfragen zufolge glauben Katholiken(!), dass Jesus zwar Wunder gewirkt hat (ca. 82 %), immerhin noch mehr als die Hälfte, dass er Tote zum Leben erweckt hat (52 %). Aber an die leibliche Auferstehung Jesu glauben nur noch wenig mehr als ein Drittel (39 %), deutlich weniger, als beispielsweise die Himmelfahrt Jesu akzeptieren (51 %).

Während wir neuzeitliche Menschen heute eher mit dem »Leben nach dem Tod« hadern und eine Wiedervereinigung mit dem Leib erst gar nicht in Betracht ziehen, war nur letzteres zu biblischen Zeiten eine offene Frage und für andere Religionen eine Albernheit. Paulus berichtet beispielsweise aus Athen: »Als sie (die Athener) von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören. So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.« (Apg 17, 32). Die Vermutung, für uns heute sei die Auferstehung zwar kaum akzeptabel, in der damaligen Welt hätte eine solche Behauptung aber im Grunde jeder zugestimmt, ist völlig abwegig. Die Motive, warum wir – und warum die Griechen oder die Juden – die Botschaft der leiblichen Auferstehung beargwöhnten, sind allerdings andere. Dass bereits in der Bibel die Betrugshypothese angesprochen wird, bestätigt, dass auch die Juden ein Auferstehung von den Toten nicht so einfach akzeptierten: »Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. (…) So kommt es, dass dieses Gerücht bei den Juden bis heute verbreitet ist.« (Mt 28, 13-15).

Die Schwierigkeiten, an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben, bestand in früheren Zeit nicht darin, dass Juden und Griechen das für unmöglich gehalten hätten. Der Gedanke »wer tot ist, der ist tot und kann nichts mehr tun, auch nicht auferstehen« ist eher für uns moderne Menschen eine Hürde für den Auferstehungsglauben. Juden und Griechen haben ja an die Weiterexistenz der Seele geglaubt. Vor allem die Griechen hätten keine Schwierigkeiten gehabt, eine Rückkehr der Seele in ihren alten Leib für möglich zu halten. Aber – so wäre die Frage gewesen – warum sollte jemand (ob Gott oder Mensch) so etwas völlig Abwegiges tun? Die Griechen haben schlicht keinen Sinn darin gesehen. Möglich? Schon. Aber völlig unsinnig.

Für die Juden stellt sich die Sache ein wenig anders dar. Nicht, dass sie Möglichkeit der leiblichen Auferstehung für sinnlos gehalten hätten. Im Gegenteil: Darin bestand die Verheißung für das Volk Israel (an die nur die Sadduzäer nicht glaubten). Denn eine verstorbene Seele war allerhöchstens noch der Schatten ihrer selbst und nicht in der Lage, wieder Besitz vom Leib zu ergreifen. Gott dagegen könnte ihr dies natürlich ermöglichen. Keine Frage. Nur: Es war schlicht kein Grund zu denken, warum Gott diese Verheißung vorzeitig erfüllen sollen. Wenn Auferstehung, dann für alle. Aber nicht nur für einen. Das hieße ja, der eine sei jemand Besonderes gewesen. Vielleicht sogar ... hm... der Messias, den wir getötet haben?

Die vorzeitige, singuläre Auferstehung ist für die ersten Christen, die ja ursprünglich Juden waren, die Machtbezeugung und der Erweis für Jesu Göttlichkeit. Nicht, weil »so etwas« nur ein Gott kann – sondern weil Gott »so etwas« nicht einem ordinärem Menschen zuteil werden lassen würde. Zumindest nicht vor der Zeit. Und nicht einem allein.

So heißt es im Osterlied »Das Grab ist leer«: »Nun sieht man seiner Gottheit Macht (…) verbürgt ist nun die Göttlichkeit von Jesu Werk und Wort«.

Für Juden ein Ärgernis. Für Griechen eine Torheit. Für uns neuzeitliche Menschen eine Unmöglichkeit. Im Ergebnis (der Ablehnung der Auferstehung) unterscheiden wir uns also nicht.

Und dennoch – oder vielleicht deshalb? – beginnt die Erfolgsgeschichte des Christentums mit der nach wie vor unglaublichen Botschaft von der leiblichen Auferstehung des Herrn und der damit verbundenen Verheißung an uns alle. Jede moderne PR-Abteilung hätte empfohlen, erst einmal mit etwas weniger Verstörendem zu werben. Daran haben die frühen Christen offensichtlich nicht gedacht. Und dennoch verbreitete sich diese Botschaft rasend schnell und nachhaltig. Wie erklärt sich dieser Erfolg des Christentums gegen alle Wahrscheinlichkeit?

c. Auferstehung heißt Erlösung. – Wenn Gott die Welt erlösen wollte, dann mit dem Ziel, den Menschen in die Liebesgemeinschaft mit Ihm zurückzuführen. Dies setzt zwar den Kreuzes- und Erlösungstod Christi voraus, um die alte Schuld zu sühnen und auszuräumen, findet aber darin noch nicht das Ende. Vielmehr ist erst die Auferstehung die Vollendung der Erlösung, »denn Christus hat uns durch seinen Tod von der Sünde befreit; durch seine Auferstehung aber hat er uns die herrlichen Güter, welche wir durch die Sünden verloren hatten, wieder zugesellt.« (Catechismus Romanus, I, 6-12). Und bei Paulus heißt es: »Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.« (Röm 4, 25)

Wollte Gott den Menschen nicht wiederherstellen, nicht wieder – gereinigt und geheiligt – zum Gegenüber seiner Liebe machen, sondern lediglich das Übel und die Sünde wegschaffen, so wäre Auslöschung des Menschen konsequenter gewesen. Aber Gott wollte nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt (Joh 10, 10): Er wollte in dem gefallenen, gott-abgewandten Menschen wieder das Geschöpf finden, das er als gut und liebenswert (wert seiner göttlichen Liebe) geschaffen hatte. Dazu bedurfte es zunächst der Erlösung in seinem Sohn durch das Kreuz. Damit war zwar der erste und entscheidende Schritt getan, – aber nicht der letzte und nicht der eigentliche. Erlösung, so wie Gott sie in seiner Liebe im Sinn gehabt hat, wurde erst vollkommen durch die Eröffnung einer neuen Heilschance, einer neuen, heilen, ja heiligen Wirklichkeit.

So erklärt sich auch die unterschiedliche Gewichtung des Karfreitags und des Ostersonntags in einigen evangelischen Gemeinschaften und in der katholischen Liturgie: Bei vielen evangelischen Theologen ist mit dem Kreuzesopfer alles getan und geschehen, was zum Heil notwendig ist: Die Sünden der Menschen sind getilgt. Alles, was danach kommt, ist nichts anderes als die Entfaltung dieses Ereignisses, denn der erlöste Mensch ist nach evangelischer Auffassung auch wiederhergestellt. Er kann ja zu seinem Heil nichts weiter beitragen.

Nach katholischer Auffassung eröffnet sich aber erst mit der Auferstehung Jesu eine neue Wirklichkeit, die der Erlöste nun ergreifen kann. Er wird in eine neue Seinsweise hineingerufen, die er mehr und mehr zu verwirklichen aufgerufen ist. Die Tilgung der Schuld am Kreuz ist die Voraussetzung, das Offenbarwerden der neuen Schöpfung zeigt sich erst im Auferstandenen. Deshalb ist der Höhepunkt des gesamten liturgischen Jahres die Feier der Osternacht.

Nur weil Gott den Menschen zur Herrlichkeit der wiederhergestellten Schöpfung führen wollte, war das Kreuz notwendig. Deshalb ist die Erlösung am Kreuz nur von Ostern, von der Auferstehung her begründbar. Nicht das Kreuz ist das Eigentliche (und die Auferstehung eine liebevolle Zugabe), sondern die Kreuzeshingabe ist nur geschehen um der neuen Schöpfung willen.

3. Auferstehung des Fleisches

Schon die antike Philosophie kannte den Begriff der Seele und deren Fortexistenz nach dem Tod des Menschen. Platon sah im irdischen Körper eine Art Gefängnis der Seele. Im Tod wird dann endlich die Seele aus diesem Kerker befreit und ist frei. Nach christlicher Vorstellung ist der Tod nichts Befreiendes und der Verlust des Leibes ein Unglück. Dem Leib wird somit eine unvergleichlich hohe Würde zuerkannt. Paulus spricht davon, dass der Leib der Tempel des Heiligen Geistes sei. Unser Leib – nicht nur unser Geist!

Die Hochachtung, die wir durch Aufbahrung und Beerdigungspraxis dem Leib eines Toten zollen, rührt letztlich von dieser Überzeugung her. Und das frühere Verbot der Kirche, eine Einäscherung vornehmen zu lassen, hat den Grund gehabt, dass damit damals ausgedrückt werden sollte: Ich glaube nicht an die Auferstehung des Fleisches. – Heute ist eine Einäscherung des Leichnams erlaubt, wenn es eben kein Zeichen des Unglaubens ist.

Eine Einäscherung des verstorbenen Leibes ist nicht unbedingt ein Widerspruch zum Auferstehungsglauben. Wilhelm Breuning schreibt dazu: »Gott liebt mehr als die Moleküle, die sich im Augenblick des Todes im Leib befinden. Er liebt einen Leib, der gezeichnet ist von der ganzen Mühsal, aber auch der rastlosen Sehnsucht einer Pilgerschaft, der im Lauf dieser Pilgerschaft viele Spuren in einer Welt hinterlassen hat, die durch diese Spuren menschlicher geworden ist … Auferweckung des Leibes heißt, dass von all dem Gott nichts verloren gegangen ist, weil er den Menschen liebt. Alle Tränen hat er gesammelt, und kein Lächeln ist ihm weggehuscht. Auferweckung des Leibes heißt, dass der Mensch bei Gott nicht nur seinen letzten Augenblick wiederfindet, sondern seine ganze Geschichte.« (Lesebuch zum Erwachsenenkatechismus, 586)

a. Auferstehung des Fleisches: Kernsatz der Erlösung. – Nach der Definition des heiligen Paulus ist derjenige ein Christ, welcher an die Auferstehung des Fleisches glaubt, und nach Johannes ist es der, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist (1 Joh 4, 2). Der Christ heute lebt – nach meiner eigenen Erfahrung – nicht aus dem Glauben an die Auferstehung des Fleisches. Er glaubt mehr an die Unsterblichkeit des Seele (wenn überhaupt) als an die Auferstehung der Leiber. »Eine rein geistige Unsterblichkeit muss uns gleichgültig lassen« sagt R. Guardini, und so sieht es auch aus, wenn wir an die primitiven Naturreligionen denken, die an ein entkräftetes, blutloses Dasein nach dem Tode glauben. Wer von uns Christen glaubt an die Unsterblichkeit, ohne ein seltsames Misstrauen, ohne den Verdacht von Langeweile und Unerfülltheit, ohne eine gewisse Besorgnis? Das ist der Preis dafür, dass wir uns von einem handfesten Realismus der Auferstehung des Fleisches entfernt haben. »Ohne Auferstehung wären wir die Beklagenswertesten unter allen Menschen!« (1 Kor 15, 19)

b. Der neue Leib. – Allem Anschein nach befindet sich die Materie, so wie wir sie kennen, in einem abgesunkenen Zustand; die Sünde hat uns schwerfälliger gemacht, gehemmter. Der Leib gehorcht nicht immer unserem Willen (»Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach«), er hindert uns oft am Guten oder verleitet uns zum Bösen. Der auferstandene Christus dagegen macht sich nach Gutdünken sichtbar und unsichtbar, er geht durch verschlossene Türen und doch kann man ihn berühren, er isst, ja, er hat sogar noch die Wunden der Kreuzigung.

Dieser Leib bleibt ein Leib und nicht nur eine »Visualisierung der Seele«. Allerdings sprechen wir von einem »verklärten Leib« oder (wie Paulus) von einem »vergeistigten Leib«. Das Charakteristische des verklärten Leibes ist, dass er das gefügige Werkzeug des Geistes geworden ist. Er hat aufgehört, beschränkt zu sein, nur an einen Ort gebunden zu sein. Der Leib ist zu dem geworden, was er im Eigentlichen ist: Ein unmittelbarer Ausdruck der Seele und Mittel zur restlosen Gemeinschaft.

Gott verheißt uns Menschen, uns in den verherrlichten Leib Christi »hineinzugeben« bzw. »nehmen zu lassen«, in dem wir selbst »Leib Christi« werden. So ist der Leib Christi Vorbild und Ziel unseres Lebens. Wir können diese einmalige Verbindung von Gott und Schöpfung aber nicht selbst machen, sondern können uns nur in diese herrliche Vereinigung hineinnehmen lassen. Nur wer das an sich geschehen lässt (in der Taufe – und in allen anderen Sakramenten, die die Taufgnade erneuern, allen voran die Eucharistie), wird zum Leben in Gott gelangen. Unser jetziges Mühen und Streben ist aber nichts anderes, als ein Hineinwachsen in diesen Leib Christi, zusammen mit allen anderen Gliedern dieses Leibes. Daher wird die katholische Kirche bildhaft als mystischer Leib Christi bezeichnet.

So wenig das Fleisch, wenn es sich selbst überlassen ist, zu irgend etwas gut ist, so sehr wird es, vom Geist belebt, fähig, dem göttlichen Werk zu dienen. Gegenwärtig trennt uns der Leib mehr, als er uns Kontakt ermöglicht: Er macht uns undurchschaubar, denn er erlaubt uns, unsere Gedanken zu verbergen oder zu verstellen. Der auferweckte Leib aber ist Prinzip uneingeschränkter Gemeinschaft. Hier findet sich wieder, was oben bereits gesagt wurde: In der Auferstehung vollendet sich die Erlösung, in dem uns Gott auf wunderbare Weise hineinnimmt in seine liebende Gemeinschaft.

Wir sollten daher nicht auf das Vergehen der Materie warten, sondern auf ihre ihre Befreiung: ihre Himmelfahrt. Wir erwarten die Verklärung unseres Leibes.

c. Das leere Grab. – Die einfache und schlichte Konsequenz aus dem bisher Gesagten ist das leere Grab. Denn Christus erhält keinen absolut neuen Leib – die Schöpfung wird nicht neu erfunden –, sondern er ergreift in neuer Weise Besitz von seinem Leib. Mit dem leeren Grab steht und fällt die Würde unseres Leibes und die Hoffnung auf die Erlösung in unserem Fleisch.

Was für Schwierigkeiten haben aber die Philosophen und Theologen, die Kritiker und die Zweifler mit dem leeren Grab! Angefangen mit der bereits erwähnten Betrugshypothese, über Verwechslungs- und Scheintodtheorien, Theorien von Suggestion und Halluzination (die heute kaum noch vertreten werden), bis hin zur Deutung der Auferstehung als »Zeichen für die Unzerstörbarkeit des Lebens und der Liebe« und der Auferstehung »als Symbol für das Weitergehen der Sache Jesu« (die heute in allen möglichen Schattierung zunehmend Auftrieb erhalten – siehe Schulbücher!), werden immer wieder Möglichkeiten gesucht, das leeren Grab zu leugnen, ohne den Glauben zu verlieren.

Natürlich geht der Glaube an die Auferstehung zwar nicht allein vom leeren Grab aus, denn dieses ist auch anders zu erklären. Der Glaube an die Auferstehung begründet sich in den Erscheinungen des Herrn und seinen Begegnungen mit den Aposteln und den Frauen. Aber eine Auferstehung bei gleichzeitig vollem Grab würde den Leib Christi aus dem Credo der Kirche streichen – und damit fällt sowohl der gesamte Christusglaube als auch die entscheidende Hoffnung, die wir haben. Eine rein geistige Erlösung am Leib vorbei würde dem Wesen des Menschen nicht entsprechen.

Die Erlösung auch des Leibes ist – u.a. – das, was unseren katholischen Glauben von allen anderen Religionen unterscheidet. Sie ist Voraussetzung dafür, dass wir am Erlösungswerk Christi teilhaben und mitwirken können, sie ist Bedingung für die Wirklichkeit der Kirche als Leib Christi. Sie trifft ins Zentrum des Katholischen.

Manche Theologie-Professoren legen wert darauf, dass ihre Studenten nur von einer Auferweckung Jesu sprechen und nicht von seiner Auferstehung. Sie gehen davon aus, dass Jesus in seinem Tod selbst nichts mehr wirken konnte (wir hatten diese These schon am Anfang dieser Katechese erwähnt) und er deshalb von seinem göttlichen Vater erweckt werden musste.

Das steht in völligem Widerspruch zur Tradition der Kirche und dem Glaubensbekenntnis, denn in der Zeit zwischen Tod und Auferstehung ist der Sohn sehr aktiv: Er besucht die »Gerechten des Alten Bundes« in der Hölle, befreit sie und führt sie in die himmlischen Herrlichkeit. Im Credo bezeichnen wir das modern als »hinabgefahren in das Reich des Todes«, früher war von der »Höllenfahrt Jesu« die Rede. Von einer mangelnden Aktivität Jesu kann also nicht die Rede sein.

Vielmehr ist die zweite göttliche Person endgültig Mensch geworden und hat sich unwiederbringlich mit dem menschlichen Leib und der menschlichen Seele verbunden. Die Einheit von Leib und Seele wurde zwar durch den Tod Jesu zerrissen; aber nicht die Verbindung von Gott zum Leib und zur Seele.

Hier zeigen sie die fatalen Auswirkungen des allgegenwärtigen Missverstehens von »Tod« als »nicht-Existenz«. Aber es wäre absolut absurd, mit dem Tod Jesu am Kreuz gleichzeitig die Nicht-Existenz des göttlichen Sohnes anzunehmen, der am Ostertag womöglich von Gottvater wieder in Sein gerufen werden müsste! Selbstverständlich hat Gott nicht vorübergehend aufgehört zu existieren! (Das gilt auch für Jesus.) Hier zeigt sich, dass die modernen Begriffe von Tod und Auferstehung nicht nur ungenau sind, sondern zu logischen Widersprüchen führen, wenn wir sie auf Tod und Auferstehung Jesu anwenden.

Vielmehr gilt, dass es durchaus angemessen ist, von der Auferstehung Jesu zu sprechen. Aber auch von einer Auferweckung kann man reden, denn der tote (also seelenlose Leib) wurde durch die Wiedervereinigung mit der menschlichen Seele Jesu wiederbelebt und auferweckt. Auf die Frage, wer denn nun die Auferstehung gewirkt habe – Jesus selbst, oder nur der Vater (und wieder mal redet keiner vom Heiligen Geist!) – antwortet die Theologie: Nach außen hin wirkt der dreifaltige Gott immer in der Einheit aller drei Personen.

Anstatt mit dem Finger auf den Vater zu zeigen und »Er war's!« zu rufen, müssen wir also auf den dreieinigen Gott zeigen und »Sie waren's!« sagen. (Man verzeihe mir diese Anspielung auf ein völlig unpassendes Zitat aus dem »Leben des Brian«.)
II. Die Historizität der Auferstehung – Ein Indizienbeweis

nach: «Der Fall Jesu», Lee Strobel, Asslar 2001, S. 281 – 293
Die Auferstehung Jesu ist das Zentrum unseres Glaubens. Dass habe ich nun schon ein paar Mal erwähnt und zu begründen versucht. Nun stellt sich aber wie bei jedem histprischen Ereignisse die Frage, ob wir dieses auch entsprechend belegen können. Manche Theologen lehnen eine solche Diskussion ab und verlagern die Auferstehung vollständig in das Reich des Glaubens. Das hat seine Berechtigung: Die Auferstehung selbst ist ein »metahistorisches Ereignis« und kann historisch gar nicht erwiesen werden. Aber dieses Ereignis hat durchaus eine geschichtliche Komponente! (So wie Menschwerdung Gottes metahistorisch ist, die Geburt Jesu in Bethlehem jedoch historisch). Deshalb ist die Frage, ob wir uns sicher sein können, dass Jesus wirklich von den Toten erstanden ist, durchaus berechtigt.

Die Antwort: »Wir können uns der Auferstehung Jesu sicherer sein als bei so manchem anderen Ereignis der Weltgeschichte!« mag überraschen. Aber der folgende Indizienbeweis spricht für sich.

1. Die Überzeugung der Jünger und Bekehrung der Skeptiker

Als Jesus gekreuzigt wurde, waren seine Jün­ger entmutigt und niedergeschlagen. Sie hatten den Glauben daran verloren, dass Jesus der Sohn Gottes sei, weil sie glaubten, dass jeder, der gekreuzigt wurde, von Gott verflucht war. Außerdem hatte man ihnen beigebracht, dass Gott seinen Messias nicht den Tod erleiden lassen würde. So zerstreuten sie sich. Die Jesus-Bewegung war im Keim erstickt. Doch nur kurze Zeit später sehen wir, wie dieselben Jünger ihre Berufe aufgeben, sich wieder versammeln und eine sehr konkrete Botschaft verbreiten – dass Jesus der Messias Gottes war, der am Kreuz starb, ins Leben zurückkehrte und von ihnen gesehen wurde. Nun mag man diese Bereitschaft mit einem sogenannten Sekundärgewinn erklären: Vielleicht glaubten die Apostel selbst nicht an ihre Botschaft, aber sie erzählten munter von der Auferstehungsbotschaft, weil sie dadurch berühmt wurden, beliebt und geehrt. Die Wirklichkeit sah allerdings anders aus: Die Apostel waren bereit, den Rest ihres Lebens damit zu verbringen, das zu verkündigen, ohne dass es sich, menschlich gesehen, für sie auszahlte. Sie hatten oft nichts zu essen, mussten im Freien schlafen, wurden ausgelacht, geschla­gen und ins Gefängnis gesteckt. Und am Ende wurden die meisten von ihnen auf qualvolle Weise umgebracht.

Und wofür das alles? Für ihre guten Absichten? Nein, sondern weil sie absolut davon überzeugt waren, dass sie Jesus nach seiner Auferstehung von den Toten lebend gesehen hatten. Es ist nicht er­klärbar, wie diese Gruppe erwachsener Männer zu dieser Überzeu­gung gelangt sein konnte, ohne dass sie dem auferstandenen Christus begegnet war. Es gibt keine andere adäquate Erklärungsmöglichkeit.

Ein weiteres Indiz sind die verstockten Skeptiker, die vor seiner Kreuzigung nicht an Jesus glaubten, dann aber plötzlich eine Kehrtwendung machten und nach dem Tod Jesu den christlichen Glauben annahmen. Zu den Skeptikern gehörten zum Beispiel die »Brüder Jesu«, die während des öffentlichen Auftretens Jesus noch als verrückt ansah und nach Hause holen wollte (Mk 3, 21). Vor allem beeindruckt jedoch die Bekehrung des Paulus, der als Saulus von Tarsus die Christen im Namen der jüdischen Obrigkeit verfolgte und namentlich für die Steinigung des Stephanus verantwortlich war. Als Pharisäer bekämpfte Saulus alles, was die Traditionen des jüdischen Volkes gefährdete. Für ihn war diese neue Bewegung, das soge­nannte Christentum, wohl der Gipfel der Illoyalität. Er lieferte die Christen zur Hinrichtung aus, wann immer er die Gelegenheit dazu hatte. Aber plötzlich entspannte sich sein Verhältnis zu den Christen nicht nur, sondern er trat ihrer Bewegung bei! Wie konnte das ge­schehen? Nun, im Brief an die Galater beschreibt er selbst, was ihn dazu gebracht hat, eine Wendung um hundertachtzig Grad vorzunehmen und zum Hauptbefürworter des christlichen Glaubens zu werden. Er schreibt eigenhändig, dass er den auferstandenen Christus gesehen und die­ser ihn in seine Nachfolge gerufen hat (Gal 1, 16).

Als Paulus den Zweiten Brief an die Korinther schrieb, was niemand in Frage stellt, erinnert er die Korinther daran, dass er bei seinem Besuch bei ihnen Wunder vollbracht hatte. Er wäre sicher nicht so verrückt, so etwas zu schreiben, wenn es nicht der Wahrheit entspräche. Es geht also nicht einfach nur da­rum, dass Paulus seine Meinung geändert hat. Wir müssen eine Erklärung für diesen Sinneswandel finden, der so völlig gegen seine Erziehung sprach. Wir müssen erklären, wie er den auferstandenen Christus bei einem öffentlichen Ereignis sah, das andere Menschen beobachteten, auch wenn sie es nicht verstanden. Und sie müssen er­klären, wie er Wunder vollbringen konnte, um seine Behauptung, ein Apostel zu sein, zu untermauern.

2. Veränderungen in wesentlichen sozialen Strukturen

Lee Strobel zitiert in seinem Buch »Der Fall Jesus« Professor Moreland, der darauf hinweist, dass zur Zeit Jesu die Juden bereits seit 700 Jahren von den Babyloniern, Assyrern und Persern und jetzt von den Römern und Griechen verfolgt wurden. Viele Juden waren in alle Himmelsrichtungen zerstreut und lebten als Gefangene in diesen an­deren Nationen. Während aber die Hetiter, Peri­siter, Ammoniter, Perser, Babylonier und andere Volksstämme durch Gefangenschaft und Angleichung mit den Herrschervölkern schließlich ihre nationale Identität verloren, passierte dasselbe eben nicht den Juden. Warum? Weil die religiösen und sozialen Strukturen, die den Juden ihre nationale Identität gaben, ihnen so unglaublich wichtig waren. Die Juden gaben diese Strukturen an ihre Kinder weiter, feierten sie an jedem Sabbat in der Synagoge und verstärkten sie durch ihre Ri­tuale. Sie wussten, dass es bald keine Juden mehr geben würde, wenn sie dies nicht tun würden, und sie waren davon überzeugt, dass ihnen das Gesetz und die Religion von Gott anvertraut waren.

Und dann kam da ein Rabbi namens Jesus aus einer unteren so­zialen Schicht. Er lehrte drei Jahre lang, sammelte Anhänger aus der Unter- und Mittelschicht um sich, bekam Probleme mit den Behör­den und war einer von 30.000 anderen jüdischen Männern, die zu dieser Zeit gekreuzigt wurden. Aber nur fünf Wochen nach seiner Kreuzigung folgen ihm über 10.000 Juden (so Moreland) und behaupten, dass er der Begründer einer neuen Re­ligion ist. Und vor allem: Sie sind bereit, alle Struk­turen aufzugeben oder zu verändern, deren soziologische und theo­logische Bedeutung ihnen schon mit der Muttermilch eingegeben wurde. Den Juden waren ihre Traditionen sehr wichtig. Sie lebten zu einer Zeit, in der etwas als umso besser galt, je älter es war. Je weiter zurück man etwas verfolgen konnte, desto wahrscheinlicher war es, dass es wahr war. Neue Ideen hatten damals genau die gegenteilige Wirkung im Vergleich zu heute. Professor Moreland schließt seine Ausführungen: »Glauben Sie mir, diese Veränderungen an den jüdi­schen Strukturen waren nicht einfach kleinere Veränderungen, die wir beiläufig vornehmen – sie waren absolut monumental. Das war so etwas wie ein soziales Erdbeben! Und Erdbeben ereignen sich nicht ohne Grund.«

3. Eucharistie, Taufe und die Entstehung der Kirche

Alle Religionen haben ihre Rituale und Feierlichkeiten; dass auch die Christen zum Beispiel Eucharistie und Taufe feierten, ist also an sich nicht verwunderlich. Aber das Seltsame daran ist, dass diese ersten Nachfolger Jesu sich nicht versammelten, um seine Lehren oder seinen wunderbaren Charakter zu feiern. Sie kamen dagegen regelmäßig zu einem besonde­ren Essen zusammen, und das aus einem einzigen Grund: Sie woll­ten sich damit daran erinnern, dass Jesus öffentlich, auf groteske und demütigende Weise hingerichtet worden war.

Moreland: »Versuchen Sie, es in moderne Begriffe zu übersetzen. Wenn eine Gruppe von Menschen für John F. Kennedy schwärmt, dann trifft sie sich vielleicht regelmäßig, um sich an seine Konfrontation mit Russ­land, seine Verkündigung der Bürgerrechte und seine charismatische Persönlichkeit zu erinnern. Aber sie werden wohl kaum die Tatsache feiern, dass ihn Lee Harvey Oswald umgebracht hat!«

Aber genau das entspricht dem, was diese ersten Christen getan haben. Sie erkannten, dass der Tod Jesu ein nötiger Schritt zu einem viel größeren Sieg war. Sein Tod war nicht das letzte Wort. Das letzte Wort war, dass er den Tod für uns alle besiegte, indem er von den Toten auferstand. Sie feierten seinen Tod, weil sie davon überzeugt waren, dass sie ihn nach der Auferstehung lebend gesehen hatten.

Ähnliches gilt für die Taufe. Mit der Taufe feierte man den Tod Jesu, genau wie das Abendmahl. Im Eintauchen in das Wasser wird der Tod Jesu gefeiert und im Auftauchen aus dem Was­ser wird die Tatsache gefeiert, dass Jesus zu neuem Leben aufer­weckt wurde. Die Annahme, es handelte sich dabei um die Übernahme eines Mysterienkultes ist abwegig. Zum einen gibt es keine Hinweise darauf, dass irgendein Myste­rienkult vor der Zeit des Neuen Testamentes an sterbende und von den Toten auferstehende Götter glaubte. Wenn es in dieser Richtung irgendwelche Anleihen gab, dann übernahmen die Mysterienkulte etwas vom Christentum. Zum anderen stammt die Taufpraxis aus dem jüdischen Brauchtum. Die Juden waren strikt dagegen, ihre religiösen Praktiken durch ir­gendwelches heidnische oder griechische Gedankengut beeinflussen zu lassen. Und drittens lassen sich diese beiden Sakramente in die Anfänge der frühesten christlichen Gemeinschaft zurückdatieren. Das heißt, sie waren vorhanden, bevor andere Religionen das christ­liche Verständnis vom Tod Jesu unterwandern konnten.

Das fünfte und letzte Indiz, das Lee Strobel in seinem Gespräch mit Moreland vorbringt, bezieht sich auf die unglaubliche Dynamik, die zur Entstehung und vor allem zur Verbreitung der jungen christlichen Kirche führte. »Wenn eine größere ge­sellschaftliche Veränderung stattfindet, halten Historiker immer nach Ereignissen Ausschau, die diese Veränderung erklären können… Beschäftigen wir uns mit der »Geburt« der christ­lichen Kirche: Ohne Frage entstand sie bereits kurz nach dem Tod Jesu und breitete sich innerhalb von etwa 20 Jahren so rapide aus, dass sie sogar den Kaiserpalast in Rom erreichte. Und mehr noch: Ihre Entwicklung übertraf eine Reihe anderer konkurrierender Ideo­logien und überrannte schließlich das gesamte Römische Reich.» Moreland fährt fort: »Wenn Sie damals als Marsmensch einen Blick auf das erste Jahr­hundert geworfen hätten, hätten Sie dann eher dem Christentum oder dem Römischen Reich eine Überlebenschance gegeben? Ver­mutlich hätten Sie keine müde Mark auf eine bunt zusammengewür­felte Gruppe von Leuten gesetzt, deren Hauptbotschaft es war, dass ein gekreuzigter Handwerker aus einem obskuren Dorf über den Tod triumphiert hatte. Und doch war diese Bewegung so erfolgreich, dass wir unsere Kinder heute Peter und Paul nennen, und unsere Hunde Caesar und Nero!«

Lee Strobel wendet zu Recht ein, dass dieses letzte Indiz nicht der überzeugendste Punkt sei. Aber Indizienbeweise verlassen sich nicht auf die Stärke eines einzelnen Faktes. Es ist vielmehr das gesammelte Gewicht mehrerer Fakten, das schließlich einen Schluss erlaubt. Und für Moreland war die Schlussfolgerung klar: »Wenn jemand diese Indizienbeweise auswertet und dann das Urteil fällt, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, ist das sein gutes Recht. Aber dann muss er eine alternative Erklärung fin­den… Und mir ist noch keine bessere Er­klärung als die Auferstehung begegnet.«

III. Alternative Deutungen der Auferstehung Jesu
1. H. S. Reimarus: Der Betrug der Jünger

Der erste Kritiker des Auferstehungsglaubens in der Neuzeit ist Hermann Samuel Reimarus (1694-1768). Reimarus bezweifelt radikal die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Evangelisten und Apostel und unterstellt ihnen glatten Betrug. Allerdings steht er damit in einer Tradition von Skeptikern, die bereits bis in die biblische Zeit zurückgeht – denn das Gerücht, der Leichnam Jesu sei nicht auferstanden, sondern von den Jüngern (oder sonst wem) entfernt und versteckt worden, wird bereits im Evangelium selbst erwähnt:

»Noch während die Frauen unterwegs waren, kamen einige von den Wächtern in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern alles, was geschehen war. Diese fassten gemeinsam mit den Ältesten den Beschluss, die Soldaten zu bestechen. Sie gaben ihnen viel Geld und sagten: Erzählt den Leuten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen. Falls der Statthalter davon hört, werden wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen, dass ihr nichts zu befürchten habt. Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte. So kommt es, dass dieses Gerücht bei den Juden bis heute verbreitet ist.« (Mt 28, 11-15)

Reimarus schreibt:

»Wir haben schon bemerkt, dass einige der damaligen Juden eine zwiefache Zukunft des Messias geglaubt, da er erst in armseliger Gestalt und leidend erscheinen, nachmals aber bald herrlich und herrschend in den Wolken des Himmels wiederkommen würde. Dieses kam den Aposteln vortrefflich zustatten, und sie sahen, dass sie noch nicht verloren Spiel hätten … In ihren verschlossenen Türen, da sie noch einmütig beieinander waren, hatten sie die beste Zeit, zu überlegen und miteinander zu verabreden, wie sie diese Meinung (der zweiten Zukunft des Messias) zu ihrem Vorteil anwenden könnten; und dazu war vor allen Dingen nötig, den Körper Jesu bald wegzuschaffen, damit sie vorgeben könnten, er sei auferstanden und gen Himmel gefahren, um von dannen nächstens mit großer Pracht und Herrlichkeit wiederzukommen.
Es war ihnen ein leichtes, solche Entwendung des Körpers ins Werk zu richten. Er lag in Josephs Garten, in einem daranschließenden Felsen begraben; der Herr und der Gärtner litten, dass die Apostel bei Tage und bei Nacht das Grab besuchten … Kurz, alle Umstände geben, sie haben dies Unternehmen in der Tat ausgeführt und nachmals zum Grundstein ihres neuen Lehrgebäu­des gelegt. Es scheint wohl, dass sie damit nicht lange gesäumet, sondern den Leichnam bald nach vierundzwanzig Stunden, ehe er vollends in die Verwesung getreten, beiseite geschaffet haben, und dass sie, als dieses geschehen und kund worden, als voller Verwunderung und unwissend von irgendeiner Auferstehung, sich auch dahin begeben und die leere Stätte beschauet. Allein, noch war es zu frühe, dies öffentlich zu sagen und zu behaupten. Sie warteten damit ganze fünfzig Tage, um hernach, wenn es nicht mehr Zeit wäre, nach dem Körper zu forschen, oder von ihnen zu fordern, dass sie den auferstandenen Jesum öffentlich zeigen sollten, desto dreister zu sagen. dass sie ihn hier und da gesehen, dass er bei ihnen gewesen, mit ihnen gesprochen und gegessen hätte, und endlich von ihnen geschieden und gen Himmel gefahren sei, um bald herrlicher wiederzukommen.« (H. S. Reimarus)

Ich möchte nicht den Anspruch erheben, diese (und auch die folgenden Ansätze) zu widerlegen – aber doch zumindest zu hinterfragen. Gegen Reimarus spricht (wie schon von Lee Strobel ausgeführt) die Bereitschaft der Apostel und der Jünger, für ihren Glauben zu leiden und zu sterben. Welchen Sinn macht denn ein Betrug und eine erfundene Geschichte, wenn man dafür hingerichtet wird? Wenn man eine Geschichte nicht wirklich glaubt, weil man sie erfunden hat: Warum dann dafür sterben?

2. H. Braun und R. Hoppe: Auferstehung als sprachliche Ausdrucksform

Nun gibt es zahlreiche Versuche, die leibliche Auferstehung Jesu so zu deuten, dass das Ärgernis, dass ein solcher Glaube hervorruft, abgemildert oder gar aufgehoben wird. Sowohl Herbert Braun (1903-1991, evgl.) als auch Rudolf Hoppe (kath.) gehen nicht davon aus, dass Jesus tatsächlich von den Toten erstanden ist – sie halten die Rede von der Auferstehung als eine (angeblich damals verbreitete) Metapher, mit der die Evangelisten Wahres über Jesus ausdrücken wollten. Braun schreibt:

»Es liegt auf der Hand, dass der Entwicklungsweg dieser vielfach verschlungenen [Auferstehungs-]Tradition von uns historisch im einzelnen nicht genau und verlässlich nachgezeich­net werden kann. Wir werden uns diese ganze in sich nicht widerspruchsfreie Vorstellungswelt der alten Christen nach der weltanschaulichen Seite hin heute kaum zu eigen machen können. Und dies um so weniger, als wir wissen, ähnliche Dinge wurden in der Antike von Naturgottheiten, Heroen, großen Philosophen und bedeutenden Herrschern berichtet …Original christlich ist nicht der Um­stand, dass diese Vorstellungswelt von Auferstehung und Auffahrt auf Jesus an­gewendet wird. Bedeutsam ist vielmehr, dass diese Vorstellungswelt auf Jesus angewendet wird. Der Glaube an die Auferstehung ist eine altchristliche Aus­drucksform, und zwar eine umweltbedingte Ausdrucksform, für die Autorität, die – Jesus über jene Menschen gewonnen hat. Wir heute werden diese Ausdrucksform nicht als für uns verbindlich empfinden können. Die mit dieser Ausdrucksform gemeinte Autorität Jesu kann für uns aber sehr wohl verbindlich werden.« (H. Braun)

Brauns Theorie verliert sehr schnell an Plausibilität, wenn wir die Behauptung überprüfen, Auferstehung und »ähnliche Dinge« würden auch von großen Philosophen und bedeutenden Herrschern berichtet. Solche Beispiele sind leider nicht aufzufinden. Wichtiger ist aber, dass ein solches Verständnis den biblischen Autoren und ersten Christen ebenso fremd gewesen ist. Sonst hätten die neuttestamentlichen Zeitgenossen nicht mit solchem Unglauben, Unverständnis und Häme reagiert. Und Paulus hätte sich sicher nicht soviel Mühe gemacht, diese Metapher als Realität zu erweisen.

Rudolf Hoppe sieht es ähnlich: Die Rede von der Auferstehung ist Ausdruck für den Glauben an das Heilshandeln Gottes. Dabei ist der Glaube an das Heilshandeln Gottes zwar real – aber nicht die Auferstehung selbst. Immerhin schreibt Hoppe den Erscheinungen des Auferstandenen eine gewisse Realität zu. Hoppe schreibt:

»Auferstehung ist die Zentralaussage des christlichen Glaubens über das Heilshandeln Gottes am gekreuzigten Jesus von Nazaret. Begriffe und Gedanke wurden aber nicht erst in neutestamentlicher Zeit entworfen, sondern gehen auf das vorchristliche Judentum zurück […] Was hat die Christen dazu gebracht, davon zu sprechen, Jesus sei nicht im Tode geblieben? Man kann das nicht einfach mit den Mitteln der Gegenständlichkeit ausdrücken, denn nicht nur das, was wir mit unseren Augen sehen oder mit den Händen greifen, ist »wirklich« und »wahr«. Die Jünger kamen – das lässt sich auch historisch sicher sagen – nach dem Karfreitag wieder zusammen und bezeugten den gekreuzigten Jesus als bei Gott Lebenden. Aber sie hatten den von Gott eingesetzten Heilsbringer auch als lebendig erfahren. Erscheinungen hatten ihnen den toten Jesus lebendig vor Augen geführt und damit ihren Glauben neu begründet. […] Diese Erfahrung, die die Jünger mit dem Gekreuzigten gemacht hatten, konnten sie dann sprachlich mit Begriffen deuten, die ihnen das Judentum vorgegeben hatte, z.B. mit dem Begriff »Auferstehung«. Wenn Gott also am toten Jesus gehandelt hat, so der Osterglaube, dann wird er auch an uns lebensstiftend handeln, ja er wird die Welt umwandeln, um in allem und über alles der Herr zu sein (vgl. 1 Kor 15, 28).« (Rudolf Hoppe)

Hoppe erliegt dem gleichen Fehler der neuzeitlichen Menschen wie im Folgenden Hans Grass: Beide glauben, »Auferstehung« als etwas nicht-leibliches denken zu können. Hätten beide Recht, hätte das Christentum gegenüber Juden und Christen nicht Neues geboten – und keine Verfolgung erlitten.

3. Hans Grass: Auferstehung zu neuer Leiblichkeit

Die Auflösung der Auferstehung in die Leiblosigkeit formuliert Hans Grass besonders treffend: Ihm zufolge ist Jesus zwar auferstanden – wie auch wir im Tode auferstehen werden –, aber sein Leib blieb im Grabe liegen. Denn Auferstehung meine, so Grass, dass wir einen neuen, vergeistigten Leib erhalten; für diesen Leib ist eine Umwandlung des alten Leibes nicht notwendig. Grass schreibt:

»Für den Theologen, vor allem auch für den Dogmatiker, ergibt sich aber aus der Tatsache, dass sich die Historizität des leeren Grabes nicht zwingend erweisen lässt, die Aufgabe, das Problem der Auferstehung zu durchdenken auch unter der Voraussetzung, dass das Grab möglicherweise nicht leer gewesen ist. … Er hat mit der kritischsten Möglichkeit zu rechnen und von daher zu fragen, ob damit dem christlichen Osterglauben an den auferstandenen und lebendigen Herrn jeder Boden entzogen ist. Das ist m. E. nicht der Fall. Die Auferstehungstheologie des Paulus weist hier auf den richtigen Weg in der Art, wie er 1 Kor 15, 33 ff. das totaliter-aliter der Auf­erstehungsleiblichkeit und 2 Kor 5, 1 den von Gott im Himmel bereiteten Leib, herausstellt. Es besteht zwar personhafte Identität zwischen dem irdischen und dem eschatologischen Ich, aber es besteht nicht notwendig eine Kontinuität zwi­schen irdischem und himmlischem Leib, so dass dieser durch Verwandlung aus den Elementen jenes entstanden sein muss. Was wäre das auch, wenn wir an unsere Auferstehung denken, für eine seltsame Vorstellung, die freilich im Judentum weit verbreitet ist und die auch tief in der Kirche eingewurzelt ist, dass Gott die Elemente der längst vergangenen Leiblichkeit wieder aus Staub und Asche zusammensammeln und zur Gestaltung der neuen Leiblichkeit benutzen sollte. […] Zugespitzt könnte man formulieren: Wir glauben nicht an das leere Grab, sondern an den auferstandenen Herrn.« (Hans Grass)

Somit kehren wir an den Anfang unserer Katechese zurück: Hans Grass zeigt, dass die Auflösung der Begriffe von Tod, Auferstehung und ewigem Leben keine reine Alltagsverwirrung ist, sondern zu einem Problem auch in der etablierten Theologie geworden ist: Hätte Hans Grass recht, dann bestünde die christliche Botschaft darin, dass sie dem jüdischen Glauben an eine Fortexistenz der Seele als Schattendasein lediglich hinzufügt, dass diese Schattenexistenz auch irgendwie leiblich ist und gar nicht so schlecht. Auferstehung meint nun also nur ein Fortleben nach dem Tod, weil »Leib« eben auch seelisch-geistig sein könne.

Dagegen ist die christliche Botschaft – ja, unser ganzer christlicher Glaube! – durchdrungen von einer umfassenden Hoffnung: Wir werden auferstehen mit unserem Leib und mit unserer Geschichte. Wir werden uns wiedersehen und in den Armen liegen (in echten, leiblichen Armen). Mit uns wird auch die ganze Schöpfung erlöst, verwandelt und verklärt. Vor allem aber werden wir uns alle in Gott erkennen und in Gott alles, was auch er liebt. Auch uns selbst: Mit Leib und Seele.

Möchtest Du mir schreiben? Für diese Katechese ist Peter verantwortlich.