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Dreifaltigkeit

„Und", fragt der Professor den Theologiestudenten am Ende einer schlechten Prüfung, „können sie denn wenigstens die Dreifaltigkeit erklären?" - Da strahlt der Student und meint: „Na, wenigstens das kann ich! Also, die Dreifaltigkeit kann man so erklären..." - Worauf der Professor ihn unterbricht: „Das tut mir leid, aber sie sind durchgefallen. Die Dreifaltigkeit kann niemand erklären."

Was ein running gag unter Theologiestudenten ist, birgt allerdings viel Wahrheit - und gleichzeitig eine bedrohliche Anfrage an den christlichen Glauben: Tatsächlich übersteigt der Glaube an einen dreifaltigen Gott unser Vorstellungs- und Denkvermögen (soweit die tiefere Wahrheit). Aber - und das ist das Bedrohliche - darf man denn etwas glauben, das jede Logik sprengt? Darf ich etwas für wahr halten, was eigentlich absurd ist?

 

 

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Diese Katechese ist auch als gedrucktes Heft (Nr. 053) erhältlich: Kostenlose Bestellung

Unser Glaube ist vernünftig

Bei der großen Aufregung um die Regensburger Vorlesung des Papstes im Herbst 2006 wurde immer wieder das beanstandete Zitat zum Islam erwähnt - aber den eigentlichen Inhalt der Vorlesung hat kaum einer wahrgenommen. In dieser Vorlesung betont Benedikt XVI, dass Gott in sich vernünftig ist. An sein vernünftiges Wesen ist Gott sogar so sehr gebunden, dass er nicht lügen kann, sondern dass er - zum Beispiel - an seine eigenen Verheißungen gebunden ist. Das unterscheidet uns Christen von den Moslems - zumindest von der muslimischen Theologie, die Gott für absolut frei hält und die Freiheit Gottes so weit fasst, dass er wirklich alles kann: Auch (wenn es IHM gefällt) lügen, betrügen und zur Gewalt aufrufen.

Wir Christen glauben an einen vernünftigen Gott.

Aber: Ist es denn nicht hochgradig unvernünftig, von Gott anzunehmen, dass er zwar nur ein Gott ist, aber trotzdem Vater, Sohn und Heiliger Geist? Drei Personen bedeutet in unserem Alltag auch drei Menschen. Ein Mensch - aber drei Personen - das ist schizophren. (Oder, wie ein Schüler meinte, trizophen)

So werfen einige Kritiker des christlichen Glaubens - zum Beispiel die Zeugen Jehovas oder auch Muslime - der Kirche vor, sie hätte drei Götter und wäre deshalb eigentlich eine polytheistische Religion. Die Zeugen Jehovas glauben beispielsweise, die Christen hätten den Tritheismus von den Babylonieren übernommen.
Grundsätzlich sollte aber jeder Religion zugestanden werden, dass man sie so versteht, wie ihre eigenen Lehrer und Autoritäten sie darlegen. Und der christliche Glaube hat sich immer als monotheistisch verstanden. Aber die Frage: „Wie soll das denn gehen - drei Personen und nur ein Gott?" müssen die Christen schon irgendwie beantworten. Und vor allem die Frage: „Wie kommt ein vernünftig denkender Mensch auf so etwas?!"
Jesus ist schuld

Wieso wir Christen auf die absurde Idee der Dreifaltigkeit gekommen sind, liegt nicht an den Theologen, Priestern, Päpsten oder Schriftgelehrten. Letztlich sind die ja alle bemüht, den Glauben auch zu vermitteln und weiterzugeben. Dabei ist eine so seltsame Lehre wie die von der Dreifaltigkeit Gottes nicht gerade förderlich - keiner, der den Glauben verbreiten will, würde sich so etwas ausdenken. Also: Wer, bitte, ist bloß darauf gekommen?

Tja, wir müssen uns eingestehen: Jesus ist schuld daran. Er hat von sich als Gott gesprochen, immer wieder göttliche Autorität beansprucht und sich an die Stelle des einen Jahwe-Gottes gestellt (dazu mehr in der Jesus-Christus-Katechese). Kein Wunder, dass die streng-monotheistischen Juden ihn schließlich ausmerzen wollten.
Aber Jesus war selbst ja auch ein Jude und tief verwurzelt in der jüdischen Tradition. Diese hat vieles in ihrer Geschichte durchgemacht - aber immer (!) daran festgehalten: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig!" (Dtn 6,4). Das galt auch für Jesus.

Jesus hätte nun sagen können: „Hallo, meine jüdischen Mitbrüder, ich bin es - Euer Gott!" Dann wäre uns viel Denkarbeit erspart geblieben. Denn dann ist es eben Jahwe persönlich, der eine-einzige Gott, der sich zwischenzeitlich auf der Erde aufhielt. Damit wäre die Einzigkeit Gottes und der Anspruch Jesu auf seine eigene Göttlichkeit logisch zu vereinbaren.

Aber Jesus hat das nicht getan. Es hat er von sich als Gott auf Erden gesprochen und gleichzeitig vom göttlichen Vater im Himmel.

Für so ein theologisches Himmelfahrtskommando (denn das war es auf jeden Fall - zu jeder Zeit im Judentum!) musste Jesus nun wirklich einen triftigen Grund haben. Warum sollte er so etwas Skurriles behaupten? - Vermutlich, weil es einfach der Wahrheit entsprach. („Ich bin gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen." - Joh 18,37)

Da waren es schon Drei...

Man könnte ein wenig entnervt nun weiterdenken: Ob wir von zwei Personen (Gottvater und Gottsohn) in einem Gott reden - oder von drei: Das logische Ärgernis bleibt das gleiche. Einer mehr oder weniger - was soll's... Deshalb ist der logische Schritt von der Anerkennung zweier Personen (Gottvater und Gottsohn) zur Trinität (Gott-Vater, -Sohn und Heiliger Geist) nicht mehr so groß.
Aber die Christen sind keine Philosophen. Die denken sich nicht einen Glauben logisch aus. Um an eine Dreier-Gottheit zu glauben, mussten sie schon auf die Verkündigung Jesu zurückgehen.

Für die Christen war aber die Annahme, dass nicht nur Jesus, sondern auch der Heilige Geist eine eigenständige Person neben dem Vater ist (aber es dennoch nur einen Gott gibt), nicht eine nachträgliche Erweiterung. Auch wenn in der Bibel vom Heiligen Geist nicht in dem Maße geredet wird, wie Jesus von sich selbst als Gott Zeugnis ablegt: Jesus muss wohl in dem, was nicht aufgeschrieben wurde, so deutlich vom Heiligen Geist als eigenständige Person gesprochen haben, dass von Anfang an klar war: Drei - oder keiner!

Für diesen Glauben sind die ersten Christen bereitwillig in den Tod gegangen (so auch der erste Märtyrer Stephanus - Apg 7,51 („Heiliger Geist") und Apg 7,55f („Jesus").

Eindeutig ist auch die trinitarische Formel am Ende des Matthäus-Evangeliums: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19)

Aber diese Katechese soll nicht den biblischen Befund nachzeichnen - und es geht auch nicht um die Göttlichkeit des Heiligen Geistes - sondern um die Frage, wie und warum wir die Dreifaltigkeit glauben sollen bzw. können.

Jesus - Gott - Vater - Heiliger Geist: Jetzt sind es schon vier!

Allgemeine Verwirrung liefert vor allem die unterschiedliche Bezeichnung Gott, Vater, Jesus, Sohn und Kinder Gottes: „Wenn Gott ein Vatergott ist, und wir seine Kinder - wer ist dann Jesus?" Vor allem der gutgemeinte Gedanke, dass alle Menschen Kinder Gottes seien - und Gott eben ein väterlicher Gott ist, setzt Jesus nun wirklich zwischen alle Stühle: „Wenn Jesus Gott ist, ist er dann auch ein Vater?" - „Wenn Jesus der Sohn Gottes ist - dann ist er doch auch nur ein Kind Gottes, so wie wir Menschen alle." - „Vielleicht ist er ein privilegierter Sohn? Dann ist er also auch ein privilegierter Mensch". - „Ist mit Jesus am Kreuz auch Gott gestorben?" - Chaos. Wie gesagt.

Der allgemeine Fehler, der uns Christen allerdings sprachlich auch immer wieder unterläuft, ist, die Väterlichkeit als eine Eigenschaft unserer gesamten Gottheit anzunehmen. „Das erste, was von Gott im Credo ausgesagt wird, ist seine Väterlichkeit" heißt es manchmal sogar. Wir haben also einen Gott, und dieser eine Gott ist eben ein väterlicher Typ.

So weit, so falsch.

Kein Wunder, dass da nachher keiner mehr durchblickt, wenn schon die Voraussetzungen so falsch gesetzt sind. Tatsächlich ist die „Väterlichkeit" keine Eigenschaft. Sondern Gott ist „Vater"! Eben in Person, nicht nur in Funktion. Gott ist in sich Vater - aber nicht identisch damit, denn er ist auch noch der Sohn und der Geist.
Wenn wir also von DER Gottheit der Christen reden, dann dürfen wir diese nicht allein mit dem Vater identifizieren, denn DER Gott der Christen beinhaltet eben die Person des Vater und des Sohnes und auch die des Heiligen Geistes.

„Vater" zu sein, ist also nicht DIE Eigenschaft des christlichen Gottes, sondern eine Person - neben den anderen, Sohn und Geist.

Gott ist familiär

Wir sollten also im gleichen Maße wie von „Gott, dem Vater" auch von „Gott, dem Sohn" und „Gott, dem Heiligen Geist" sprechen. Mal ehrlich: Das fällt uns schwer. Wir haben den Vater so sehr mit dem ganzen Wesen Gottes identifiziert, dass wir bei dessen Erwähnung immer sofort ein abgeschlossenen Bild von Gott vor Augen haben - und Jesus ist dann irgendwie draußen vor.
Besser wäre es, wenn wir - solange wir Gott in seinem Wesen beschreiben wollen - nicht vom „Vater" sprechen. Sondern vom „familiären Gott", oder - noch besser - vom „liebevollen Gott". Denn Gott ist in sich ein familiäres, lebendiges und liebevolles Geschehen.

Die Dreifaltigkeit lebt!

Im Gegensatz zu anderen monotheistischen Religionen oder Sondergruppen ist der christliche Gott ein Gott voller Leben. Jeder andere, einpersonale Gott ist ein seiner Ewigkeit irgendwie auch kalt und starr: So ein monolithischer Gott existiert so vor sich hin...

Der christliche Gott aber ist in sich Geschehen, Leben: Der Vater zeugt den Sohn, der Sohn verdankt sich dem Vater, beide hauchen den Geist, der Vater und Sohn in Liebe verbindet... das ist Leben und Liebe, nicht nur bloße Existenz.
Während in anderen Weltanschauungen der eine (einzige und einsame) Gott den Menschen erschaffen muss, um nicht vor lauter Einsamkeit und Unveränderlichkeit verrückt zu werden, ist der dreifaltige Gott mit sich selbst bestens zufrieden... die Erschaffung des Menschen ist eine Erweiterungen dieses göttlichen, vor Liebe überfließenden Lebens, nicht die Rettung der Existenz eines suizidalen Gottes.

Das Band der Liebe

Ist das nicht etwas eng - wenn sich drei Personen nur ein Wesen (ein Gott) teilen müssen? Das Gefühl der Enge verstärkt sich noch, wenn wir bedenken, dass diese drei Personen nach außen hin immer mit einer Stimme sprechen, nur einen Willen zeigen und nur gemeinsam agieren. Engt das nicht die Willensfreiheit der jeweiligen Personen ein?

So sagt Jesus in der Nacht vor seinem Tod auf dem Ölberg: "Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst!" (Joh 26, 39)

Ob diese „Enge" wie ein Käfig ist, hängt davon ab, was diese drei verbindet. Ist es nur das gemeinsame Schicksal („mitgefangen, mitgehangen"), dann wird sich wohl keiner der drei vergnügt damit abfinden. Wenn aber - und das ist ja unser Glaube - das Band, das die Drei verbindet, das Band der Liebe ist, dann ist Enge und Nähe und Einheit die Erfüllung der Liebe. Dann ist die gegenseitige Unterordnung nicht Folge der Liebe, sondern die Liebe selbst.

Man sollte sich niemals erdreisten, Liebe zu definieren. Aber eine Annäherung an das, was Liebe ist, wäre zum Beispiel: „Meine Freude ist es, wenn Du Dich freust." Das ist nicht notgedrungene Unterordnung als Beschneidung des eigenen Willens, sondern hier wird die Freiheit benutzt, um sich dem anderen in Liebe hinzugeben. DAS ist Liebe.

Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 8); das bedeutet nicht nur, dass Gott sich zu anderen „lieb verhält", sondern dass das innere Wesen Gottes - die Art, wie die Dreifaltigkeit gestrickt ist - Liebe ist.

Die Enge, die dazu führt, dass Gott zwar drei Personen ist, aber doch nur ein Wesen, ist keine drangvolle Enge. Sondern liebende Zärtlichkeit. Eng ist gemütlich.

Drei und eins...

Wenn wir betonen, dass Gott nur ein Gott ist, dann verschwimmt schnell die Eigenständigkeit der Personen - um das zu vermeiden hatten die Christen der ersten Jahrhunderte alle Hände voll zu tun.
Wir müssen uns aber auch vor dem anderen Extrem hüten - aus dem einen Gott drei Götter zu machen. Auch wenn die Fachbegriffe ähnlich klingen: Trinität (für Dreifaltgkeit) und Tritheismus (für drei Götter) oder Trias (für alle sonstigen Dreiheiten). Denn die Christen stehen so sehr in der Tradition der jüdischen Offenbarung, dass wir von der Selbstaussage Gottes nichts zurücknehmen: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen." (Dtn 6, 4-6).

Aber nicht nur, weil die Juden den Christen den Ein-Gott-Glauben mit in die Wiege gelegt haben, glauben die Christen an das seltsame Konstrukt „Ein Gott - Drei Personen". Sondern auch, weil Jesus selbst großen Wert darauf gelegt hat: „Ich und der Vater sind eins!" (Joh 10, 30).

Augustinus sagt hierzu (sinngemäß): „Das Wort Ich und der Vater sind eins bewahrt uns davor, nur an eine Person zu glauben, Ich und der Vater sind eins bewahrt uns davor, an drei Götter zu glauben."

Drei Personen - aber nur ein Wesen. Das wird manchmal mit dem „Genus"-Begriff erklärt: So wie es verschiedene Löwen gibt, aber eben nur eine Löwenart, sei es auch bei Gott. Es gibt verschiedene Menschen, aber nur eine Menschheit; verschiedene göttliche Personen, aber nur eine Gottheit.
Aber diese Erklärung hat die Kirche als Irrlehre verworfen. Gott ist tatsächlich auch zahlenmäßig nur einer; das ist Dogma. Es muss also immer noch heißen: „Drei Personen, aber nur ein Gott."

Es gibt dazu eine kleine Anekdote: Ein jüdischer Rabbi meinte, die Christen hätten mit dem Glauben an die Dreifaltigkeit wohl das Rechnen verlernt. „Dabei ist es doch ganz einfach: Eins plus eins plus eins macht Drei!" - „Ja," sagt darauf ein katholischer Priester, „aber sie vertun sich in der Rechenart: Eins mal eins mal eins ist eins!"

Diese Einheit ist also eine einmalige Sache, für die wir in dieser Welt kein wirkliches Beispiel finden. Aber - wohl eine Ähnlichkeit.

Der Mensch allein ist kein Ebenbild Gottes. Aber die Familie ist es!

Im ersten Schöpfungsbericht heißt es: „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." (Gen 1, 26f)

Dass Gott hier im Plural spricht, mag ein sogenannter pluralis deliberationis sein; aber die frühen christlichen Theologen haben darin einen tieferen und schöneren Sinn gesehen: Gott spricht im Plural, weil er in diesem Augenblick den Menschen als Abbild der Dreifaltigkeit schafft („nach unserem Abbild"): Als Mann und Frau. So, wie in Gott die Liebe die Personen verbindet, hat er auch den Menschen geschaffen: Als ein Wesen, dass sich in Liebe verbindet und zu einer neuen Einheit berufen ist: Zur Familie.

Das eigentliche Bild Gottes ist also weder der Mann, noch die Frau, sondern beide in Liebe verbunden.

Natürlich darf man nicht der Versuchung erliegen, die Dreifaltigkeit als „Vater, Mutter, Kind" zu deuten - auch wenn manche moderne Theologen dem Geist durchaus weibliche Eigenschaften zuordnen.

Offensichtlich hat Mohammed, der das Christentum nur flüchtig kennen lernte, eine solche Vorstellung von der christlichen Dreifaltigkeit: Dass dort „Gottvater, Gottmutter und Gottkind" vereint seien. Das lehnte er ab - nachvollziehbar. Bis auf den heutigen Tag gilt für die Muslime daher die Dreifaltigkeit als eines der größten Ärgernisse des christlichen Glaubens.

Die Ebenbildlichkeit besteht dagegen nicht darin, dass wir eine Kopie Gottes sind (oder, noch billiger: Dass wir in Gott eine Kopie des Menschen sehen). Sondern im Zusammenspiel von Freiheit, Liebe und Gehorsam - von Geist, Person und Einheit.

Vielleicht erkennen wir jetzt, warum die Christen immer die Familie als „Keimzelle der Gesellschaft" angesehen haben; die Sexualität so hoch schätzen, die Ehe unantastbar halten usw.: Wir bewahren unsere Würde nur, indem wir unsere Gottebenbildlichkeit schützen.

Aus diesem Gottesbild entspringt auch die ganze Fülle des christlichen Glaubens: Denn durch die Taufe sind wir Christus gleichgestaltet (also in die Dreifaltigkeit aufgenommen), durch die Eucharistie werden wir in der Christusförmigkeit erhalten, in der Ehe werden Mann und Frau zum Bild der Liebe Gottes („Mann und Frau und Frau und Mann / reichen an die Gottheit 'ran"); die Kirche ist die Teilhabe am Leib - damit an der Dreifaltigkeit, diese Teilhabe ist Himmel.
Insider-wissen

Nun mag die Korrektur unserer Gottesanrede mit „Vater" zwar theologisch gerechtfertigt sein, aber Jesus hat uns eben ein anderes Gebet gelehrt. „Wenn ihr betet, dann sprecht: Unser Vater" - und in der Kirche gilt: „lex orandi, lex credendi" - was wir beten, das glauben wir auch.

Auch das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. In Wirklichkeit waren die bisherigen Gedanken nur teilweise richtig: Solange wir unseren Glauben rechtfertigen und zu Nicht-Christen sprechen, ist es wichtig, Gott nicht ausschließlich mit dem Vater zu identifizieren, sondern den Sohn und den Geist mitzuerwähnen.

Aber für unsere christliche Existenz rückt der Vater in das Zentrum des Gebetes und der Liturgie (das Hochgebet in der Hl. Messe ist beispielsweise ausschließlich an den Vater gerichtet). Aus einem einfachen Grund: Wir treten in die göttliche Familie - in die Dreifaltigkeit - indem wir den Platz des Sohnes einnehmen.

In der Taufe werden wir „Kinder Gottes", so wie Jesus der Sohn Gottes ist. Wir werden auf den Tod und die Auferstehung Jesu getauft und damit „Christus gleichgestaltet". Nun können wir - wie Jesus - zum Vater reden; denn wir sind jetzt selbst „Söhne".

An dieser Stelle ist es sinnvoll, einen kleinen Ausflug in die sogenannte Reform der „inklusiven Sprache" zu machen. In den letzten Jahren wurden viele liturgische Texte daraufhin untersucht und korrigiert, ob sie nur männliche Adressaten haben (indem wir z.B. immer nur von den „Brüdern" sprechen und dabei die „Schwestern" vergessen).
Was für „Brüder und Schwestern" richtig sein mag, lässt sich nicht so ohne weiteres auf die „Söhne und Töchter" Gottes übertragen. Denn wir sind zunächst Kinder Gottes durch den Sohn Jesus Christus; wir treten an seine Stelle und werden ihm gleich - egal, ob wir Männer oder Frauen sind.
Wenn wir also das (zugegebenermaßen augenfällige) Ärgernis belassen, von uns als den „Söhnen Gottes" zu sprechen, erinnert uns das daran, dass wir alleine durch Christus und durch die Taufe auf ihn in die Dreifaltigkeit aufgenommen worden sind.

Hier schließt sich auch der Bogen zur Katechese über die Taufe und Eucharistie: Durch die Taufe wurden wir wie Christus, durch die Eucharistie bleiben wir es: Teil der Dreifaltigkeit, Kinder des Vaters.

Für die „Außenansicht" ist es also wichtig, von Gott nicht nur als Vater zu sprechen. Für unsere christliche „Innenansicht" ist es dagegen gerade die besondere Gnade, Gott „Vater" nennen zu dürfen.

Der Heilige Geist - Der V-Mann Gottes

Wenn wir also wie Christus werden und dann zum Vater beten - wo bleibt denn da der Geist? Warum vergessen wir ihn so oft?

Nun, der Geist ist derjenige, der bewirkt, dass wir wie Christus werden. Und weil er derjenige ist, der in uns wirkt, vergessen oder übersehen wir ihn leicht. Er ist uns so nahe, wie wir uns selbst oft nicht sind. So ähnlich, wie man die Kleidung, die man am Körper trägt, nach einer gewissen Zeit nicht mehr spürt, weil man sich daran gewöhnt hat (es sei denn, sie passt nicht).
Da der Heilige Geist aber sehr wohl „passt", d.h. sich ganz auf unser Wesen einstellt, auf unser Können und Nicht-Können, und zudem sehr höflich ist und nichts gegen unser Wollen unternimmt, ist er so eine Art „undercover agent". Zu dieser Rolle als V-Mann (Verbindungsgarant) lohnt sich eine eigene Katechese: Die zum Heiligen Geist.

Aber auch, wenn der Heilige Geist sich nicht so sehr daran stört, dass er oft vergessen wird, sollten wir ihm mehr Aufmerksamkeit schenken. Zwar ist gerade das „Unerkannte" seine Art der Nähe; zudem gibt es in der Dreifaltigkeit keinen Neid. Aber uns tut es gut, sich das Wirken das Geistes des öfteren vor Augen zu halten.

Denn sehr schnell beschleicht uns in Leidsituationen das Gefühl, von allen guten Geistern verlassen zu sein - auch von Gott und Seinem guten Geist. Dann klagen wir, dass wir Gott gar nicht mehr spüren. Dass sich eine Kälte in uns ausbreitet, dass wir Sein Licht nicht mehr sehen - und ähnliches.
Dann tut es gut, sich daran zu erinnern, dass der Geist Gottes großen Wert darauf legt, dass er nicht spürbar weht - sondern ganz leise und fast unhörbar. Und dann ist es auch ein hilfreicher Gedanke, dass wir die Kälte und geistige Windstille nur deshalb spüren, weil Gott uns immer noch einen Sinn für IHN gibt.

Ist das nicht unvernünftig?

Es gibt ein Dogma der katholischen Kirche, das besagt, dass die Dreifaltigkeit nicht „von alleine", d.h. ohne die Offenbarung Gottes erkannt werden kann.
Das meint: Auf die Idee, dass Gott Drei in Einem ist, kommt keiner von alleine. Und selbst, wenn wir erkannt haben, dass es drei Personen in Gott gibt, werden wir es niemals wirklich begreifen.
Okay - dass wir da nicht von alleine drauf kommen, lässt sich ja noch mit unserem gesunden Menschenverstand nachvollziehen. Das heißt ja nicht, dass es nicht vernünftig ist.

Ich komme auch nicht durch bloßes Nachdenken auf die Anzahl der Saturnmonde. Da muss ich schon hingucken. Aber wenn mir jemand sagt, der Saturn hätte 28 Monde, dann ist das - obwohl ich es glauben muss - nicht unvernünftig.

Aber wenn mir jemand sagt, dass ich die Dreifaltigkeit niemals verstehen werde, dann klingt das doch sehr nach einem „Denkverbot" oder zumindest einem Eingeständnis, dass wir etwas „Unvernünftiges" Glauben. Widerspricht das aber nicht dem Wesen Gottes - und dem Wesen des Menschen?

Glaube ich, obwohl etwas absurd ist? Oder muss ich etwas gerade deshalb glauben, WEIL es absurd ist? „Credo quia absurdum" ?

Nun, die „Vernünftigskeits-Annahme" für Gottes Wesen hat weiterhin Gültigkeit (wenn wir die aufgeben, können wir von Gott alles aussagen - auch, dass er existiert und gleichzeitig nicht existiert); aber das bedeutet nicht, dass wir alles mit unserer menschlichen Vernunft begreifen und erhellen können. Gott übersteigt die menschliche Vernunft - aber er ist nicht unvernünftig. Die Lehre der Dreifaltigkeit ist übervernünftig (supra rationes), aber nicht widervernünftig (contra rationem).

Was auf den ersten Blick wie Wortklauberei klingt, ist in Wirklichkeit etwas ganz Alltägliches. So haben wir uns daran gewöhnt, Liebe zu erkennen und zu leben, obwohl wir zugeben, dass keiner richtig definieren kann, was Liebe eigentlich ist. Ja, wir glauben sogar, dass derjenige, der glaubt zu wissen, was Liebe ist, davon eigentlich nichts verstanden hat.

Sogar in der Physik gibt es ein solches Phänomen: Das sog. Drei-Körper-Problem (dass es exakt DREI Körper sind, hat nichts mit der DREIfaltigkeit zu tun.. glaube ich jedenfalls).
Da gibt es also drei im Raum schwebende Körper, deren Verhalten sich nicht berechnen lässt. Man weiß sogar, dass sie sich nicht berechnen lassen können. Aber das hebt nicht die Physik aus den Angeln: Solange sich die drei Körper nicht gegen sichere Berechnungen verhalten, ist alles in Ordnung.
Die Dreifaltigkeit in der Bibel
Ist das biblisch?

Mit der Bibel kann man natürlich nicht beweisen, dass Gott tatsächlich Dreifaltigkeit ist - zumindest nicht dem gegenüber, der die Bibel nicht für Gottes Wort hält.
Dagegen gibt es allerdings kaum Christen, die zwar die Bibel akzeptieren, aber nicht an die Dreifaltigkeit glauben. Abgesehen von den Zeugen Jehovas, die in Jesus Christus eher eine Erscheinung des Erzengels Michael sehen (aber auf keinen Fall eine göttliche Person), sind sich hier die christlichen Konfessionen einig.
Dennoch möchte ich ein paar Bibelstellen zitieren, die auf die Dreifaltigkeit hindeuten. Besonders interessant ist es, dass es solche Stellen auch schon im Alten Testament gibt; dieses wird ja auch von den Juden und Muslimen als Heilige Schrift anerkannt. Allerdings handelt es sich hier nur um Vorausdeutungen auf die Dreifaltigkeit - als Argument, um Juden und Muslimen von der Dreifaltikeit zu überzeugen, reicht es dann doch nicht:

Gott spricht zu sich im Plural:

Gen 1, 26: Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.

Die ersten christlichen Theologen haben in diesem Plural ein Gespräch zwischen Gottvater und dem Sohn und dem Geist gesehen; es kann sich jedoch auch nur um eine Sprachfigur (Selbstgespräch) handeln.

Der Engel Gottes - der Jahwe-Engel - wird mit Gott identifiziert:

Gen 16, 6-16: Tu mit ihr, was du willst. Da behandelte Sarai sie so hart, daß ihr Hagar davonlief. Der Engel des Herrn fand Hagar an einer Quelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. Er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du? Sie antwortete: Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen. Da sprach der Engel des Herrn zu ihr: Geh zurück zu deiner Herrin, und ertrag ihre harte Behandlung! Der Engel des Herrn sprach zu ihr: Deine Nachkommen will ich so zahlreich machen, daß man sie nicht zählen kann. Weiter sprach der Engel des Herrn zu ihr: Du bist schwanger, du wirst einen Sohn gebären und ihn Ismael (Gott hört) nennen; denn der Herr hat auf dich gehört in deinem Leid. (...) Da nannte sie den Herrn, der zu ihr gesprochen hatte: El-Roï (Gott, der nach mir schaut). Sie sagte nämlich: Habe ich hier nicht nach dem geschaut, der nach mir schaut?

Dass der Engel des Herrn gleichzeitig Gott selbst sein soll, erklärten die frühen Theologen damit, dass hier zwei Personen Gott sind: Eine die sendet und eine, die gesandt wird. Nach Jes 9, 6 und Mal 3, 1 wird der Engel von den Vätern mit Jesus Christus identifiziert:

Gott erscheint als drei Männer:

Gen 18 (div. Verse): Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen. Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder (...) Sie fragten ihn: Wo ist deine Frau Sara? Dort im Zelt, sagte er. Da sprach der Herr: (...) Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und sagt: Soll ich wirklich noch Kinder bekommen, obwohl ich so alt bin? (...) Die Männer erhoben sich von ihrem Platz und schauten gegen Sodom. Abraham wollte mitgehen, um sie zu verabschieden.

Der Messias wird - andeutungsweise - als Gottessohn vorverkündigt:

Psalm 2, 7: Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. / Er sprach zu mir: «Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.

Die göttliche Weisheit

Bsp.: Spr 8, 12-31: Ich, die Weisheit, verweile bei der Klugheit, ich entdecke Erkenntnis und guten Rat. Gottesfurcht verlangt, Böses zu hassen. Hochmut und Hoffart, schlechte Taten und einen verlogenen Mund hasse ich. Bei mir ist Rat und Hilfe; ich bin die Einsicht, bei mir ist Macht. Durch mich regieren die Könige und entscheiden die Machthaber, wie es Recht ist; durch mich versehen die Herrscher ihr Amt, die Vornehmen und alle Verwalter des Rechts.
Ich liebe alle, die mich lieben, und wer mich sucht, der wird mich finden. (...) Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

In den Weisheitsbücher (Sprichwörter, Sirach, Weisheit) wird die göttliche Weisheit als eigene Person neben Jahwe dargestellt; sie ist von Ewigkeit her aus Gott hervorgegangen, wirkt bei der Erschaffung der Welt mit. Die Väter haben darin gerne einen Hinweis (im Lichte des Neuen Testamentes) auf Jesus Christus gesehen.

Der Taufbefehl bei Matthäus

Matthäus 28, 17f: Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Paulinischer Segenswunsch

2 Korinther 13,13: Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
Möchtest Du mir schreiben? Für diese Katechese ist Peter verantwortlich.