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Die Realität des Glaubens

Die Frage, ob Gott existiert, ist eigentlich keine zentrale Frage des Christentums. Sie ist überhaupt keine religiöse Frage; die Religion antwortet nicht auf die Frage nach der Existenz Gottes - sondern beschreibt Gott, empfiehlt und fördert eine Beziehung zu ihm. Gottes Existenz wird in der Religion also vorausgesetzt - wohl auch deshalb, weil für eine lebendige Beziehung zu Gott die Behauptung, er würde zumindest existieren, völlig unzureichend ist.

Mittlerweile befinden wir uns jedoch in einer Zeit, die wir getrost als "Naturwissenschaftliches Zeitalter" bezeichnen können. Und so ist die Frage nach der Existenz Gottes für Viele zur wesentlichen Frage geworden; sowohl für Skeptiker, die durch ein Fehlen von Beweisen aus den Naturwissenschaften ihre A-Religiösität rechtfertigen, als auch für Glaubende, die sich fragen, ob sie nur einer Illusion erliegen.

Glauben religiöse Menschen - neben der sichtbaren Wirklichkeit - an eine zusätzliche Realität? Wie hängen Naturwissenschaften und Religion zusammen? Sehen religiöse Menschen (im buchstäblichen Sinne) Gespenster? Haben sie Halluzinationen?

Früher glaubte man, Wissenschaft und Religion widersprächen sich; heute geht man von einem beziehungslosen Nebeneinander aus. Weder das eine noch das andere ist richtig: Denn Gott, die Religion, die Natur und die Naturgesetze sind alle Teil der einen Wirklichkeit.

 

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Wir können nicht anders, als Wirklichkeit zu interpretieren

Religiösen Menschen wird oft vorgeworfen, sie würden Ereignisse in ihrem Leben als Zeichen für eine größere Wirklichkeit interpretieren, dabei seien diese Gegebenheiten entweder nur Zufall oder ein Produkt von Naturgesetzlichkeiten. Man bezichtigt religiöse Menschen, anstatt die Dinge zu nehmen, wie sie sind - eben als Dinge ohne jede Bedeutung oder Botschaft -, in die Wirklichkeit scheinbare Bedeutungen hineinzuinterpretieren. Besser sei es - so wird oft vorgeschlagen - einfach zu leben und zu genießen, anstatt einen Sinn zu suchen und angeblich zu finden, den es doch gar nicht gibt.

Das Faszinierende ist allerdings, dass das gar nicht geht. Der Mensch ist Mensch, weil er alles, was er wahrnimmt, deutet. Ein Mensch, der lächelt, wird nicht nur als ein Muskel-Knochen-Paket wahrgenommen, dessen Mundwinkel durch eine vollkommen bedeutungslose Neuronenaktivität nach oben gezogen werden. Wir sehen kein Muskelspiel, sondern einen lächelnden Menschen. Wir sehen Leid, und nicht nur Abweichungen vom Normbefinden. Wir sehen Menschen in die Augen, und nicht nur in deren Lichtwahrnehmungsorgane.

Wir Menschen nehmen so automatisch eine immaterielle Realität in der materiellen Schicht wahr, dass wir uns dessen meist überhaupt nicht bewusst sind. So wird ein eingefleischter Leugner einer geistigen Realität diesen Satz lesen und gar nicht merken, dass er schon dadurch widerlegt ist: Er nimmt nicht nur schwarz-weiße Muster auf dem Papier (oder Monitor) wahr, sondern er sieht Buchstaben, die Worte und Sätze bilden und über die materiellen Möglichkeiten von Papier und Monitor weit hinaus einen geistigen Inhalt haben - in diesem Fall die Behauptung, es gäbe so etwas wie "Geistigkeit". Aber selbst, wenn er behauptet, dass es eine solche Wirklichkeit nicht gäbe, benutzt er die Materie (zum Beispiel die Luft als Schallträger, wenn er spricht), um Nicht-Materielles auszudrücken.

Ein Redner, der gegen die Existenz jedes Geistigen spricht, widerlegt sich schon durch diese Tätigkeit selbst: Er stellt Behauptungen auf. Er wird zudem auf die Reaktion seines Publikums warten, die wiederum geistiger Natur ist (zum Beispiel Zustimmung, Ablehnung, Ironie oder Langeweile) und die er nur erkennt, indem er Gesichtszüge, Gestik und Körperhaltungen der anwesenden Bioformen interpretiert. Das Aufstöbern von Realitäten in und hinter den Dingen, die wir wahrnehmen, ist unsere Natur. Die Behauptung, es gebe nur die materielle Oberfläche, aber darin keine immaterielle Wirklichkeit, ist im Grunde so absurd, dass es eigentlich eine philosophische Peinlichkeit ist, so etwas nur zu behaupten oder gar zu diskutieren.

Interpretation und Beweisbarkeit

Nun gibt es innerhalb der materiellen Ordnung Gesetzmäßigkeiten, die gelegentlich Voraussagen auf zukünftige Ereignisse möglichen machen. Von einem fallenden Apfel wissen wir zu Beispiel, dass er auch in naher Zukunft weiterfallen wird - und zwar in Richtung Erdmittelpunkt, bis er zum Beispiel durch die Erdoberfläche daran gehindert wird.

Mit dieser systematischen Durchdringung einer Wirklichkeitsebene kommen wir zu ziemlich sicheren Erkenntnissen (wir nennen diese Systematik zumeist "Naturwissenschaften"); niemals aber können wir mit der gleichen Sicherheit auf die Existenz einer tieferliegenden Wirklichkeit schließen. Ob der fallende Apfel ein Angriff des Baumes auf mich ist, ist ebenso eine Deutung wie die Vermutung, der Ball, der sich gerade auf mich zubewegt und der wenige Sekunden zuvor eine menschliche Hand verlassen hat, sei mir zugeworfen worden. Weder die eine noch die andere These lassen sich aus der materiellen Ebene heraus beweisen. Wer weiß - vielleicht ist der geworfene Ball doch nur ein Zufallswurf in meine Richtung? Und wer will auf der rein materiellen Ebene definitiv ausschließen, dass der Baum mich nicht doch mit Fallobst attackieren will? Keine physikalische Untersuchung kann eine dieser Thesen beweisen oder widerlegen. Sie sind schlicht keine physikalische Realität, obwohl sie eine physikalische Realität voraussetzen.

Sie sind Behauptungen über eine physikalische Wirklichkeit und zugleich über eine tieferliegende Realität: Das materielle Geschehen wird interpretiert auf eine tiefere Bedeutungsebene hin. Innerhalb einer Ebene (ob physikalisch oder geistig) können wir sauber argumentieren und Gesetzmäßigkeiten entdecken - und zum Beispiel zu der klaren Erkenntnis kommen, dass Bäume kein Obst willentlich fallen lassen, dass geworfene Bälle aber zumeist eine Aufforderung zum Fangen darstellen. Ja, wir können am Kontext des Ballwurfes (fand er im Stadion, in einer Turnhalle, im Klassenraum oder auf offener Straße statt?), an dessen Flugbahn und Geschwindigkeit eine ganze Menge weiterer Dinge erkennen (zum Beispiel, ob der Ball mich treffen oder gar verletzen sollte). Alles das ist - wie gesagt - zwar physikalisch-materiell fassbar, aber beinhaltet zugleich eine Bedeutungsebene, zu der wir nicht durch Verlängerung von Prozessen, sondern durch Interpretation Zugang finden.

Bis in tiefere Schichten

In unserem Alltag interpretieren wir alle unsere Wahrnehmungen auf ihre Bedeutung hin mit einer Geschwindigkeit und Routine, die uns kaum Raum lässt, uns dessen überhaupt bewusst zu werden. Ja, viele Interpretationen sind uns dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir zum Beispiel beim Hören einer Autohupe oder dem Rufen der Lautfolge, die wir als unseren "Namen" bezeichnen, spontan und unwillkürlich reagieren.
Das war nicht immer so: Was unser Name ist und was das Hupen im Straßenverkehr bedeutet, haben wir gelernt; das Wissen darum wurde uns nicht schon mit in die Wiege gelegt. Aber dass wir die Wirklichkeit interpretieren, ist uns tatsächlich in die Wiege gelegt - ja, sogar schon menschliche Eigenheit der Kinder im Mutterleib.
Seitdem lernen wir. Mittlerweile sind uns auch schon tiefere Schichten geläufig: So erkennen wir aus der Art und Weise, wie unser Name gerufen wird, ob uns Lob, Tadel oder Unheil droht. Wir interpretieren die Stimme anderer Menschen nicht nur als liebevoll oder aggressiv, sondern können auch einen liebevollen Tonfall bestimmter Menschen als nur vorgetäuscht und bösartig interpretieren. Auch das kann uns in Fleisch und Blut übergehen.
Je älter wir werden und je größer unsere Erfahrungen sind, umso tiefer können wir unsere Wahrnehmungen deuten ("War in der Traurigkeit meines Freundes schon ein Anflug von Resignation und Verzweiflung zu vernehmen? Sollte ich mir Sorgen machen?"). Für andere mögen bestimmte Interpretationen nicht mehr nachvollziehbar sein - weil sie grundsätzlich oder in diesem speziellen Fall keine Anzeichen für eine weitere, tiefere Bedeutung sehen. So, wie ein kleines Kind die Zeitung nicht liest - weil es die Buchstaben zwar sieht, aber nicht in ihrer Bedeutung wahrnimmt -, sondern lieber in lustige Fetzen zerreißt, die ganz toll durchs Wohnzimmer schweben.

Offensichtliche Fehlinterpretationen

Naturwissenschaftler machen Fehler; das ist kein Grund, an den Naturwissenschaften als solchen zu zweifeln. Es gehört zur Aufgabe und Methode der Naturwissenschaften, Hypothesen über Zusammenhänge aufzustellen, die sie erst anschließend nachweisen - oder aufgeben müssen. Manchmal dauert es Jahre oder sogar Jahrzehnte, bis eine Hypothese widerlegt ist; und oft gibt es in der Gemeinschaft der Naturwissenschaftler Parteiungen und Meinungsgruppen, die zum Teil sehr gegensätzliche Auffassungen vertreten.
Daher darf es uns auch nicht wundern, dass wir auch bei der Interpretation der Wirklichkeit Fehler machen. Das Entscheidende, worauf es ankommt, ist die Möglichkeit, Fehler als solche zu erkennen. Der Vorwurf, "Interpretationen seien Geschmackssache und kein klarer Erkenntnisweg" wäre erst dann berechtigt, wenn wir zwischen angemessenen und falschen Interpretationen prinzipiell nicht unterscheiden könnten. Aber dem ist nicht so: Natürlich kann jeder in einem Wolkengebilde im blauen Himmel Hasen, Gummienten, Heidi und den Ziegenpeter erkennen - die Frage, ob diese Wolken tatsächlich lebendige Objekte sind, lässt sich ohne weiteres klären. Und auch, wenn Schriftdeuter einen Text unterschiedlich verstehen oder zwei Schüler den Gesichtsausdruck des Lehrers unterschiedlich deuten - was richtig und was falsch ist, lässt sich sicher herausfinden. Und zwar nicht unbedingt nur mit naturwissenschaftlichen Methoden: Die können zwar helfen und entdecken, dass Wolken und Hasen und Gummienten ganz verschiedene chemische Zusammensetzungen besitzen; vielleicht kann es auch hilfreich bei der Interpretation eines Textes sein, wenn ein Chemiker das Alter des Papieres oder der Tinte bestimmt. Aber die Geisteswissenschaften haben schon ihre eigenen, ganz klaren Kriterien, nach denen eine Interpretation (zum Beispiel eines Romans oder eines Musikstückes) vernünftig (oder rational) zu belegen ist.

Versuch einfach, Deinen Deutschlehrer mit dem Hinweis, Text-Interpretationen seien unwissenschaftlich und letztlich beliebig, als emotionalen Spinner vom Unterricht auszuschließen... viel Erfolg.

Natürlich spielt bei der Eindeutigkeit der Interpretationen auch die Textsorte eine Rolle. Lyrik ist letztlich darauf angelegt, mit offenen Sprachbildern zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten nahezulegen; eine Gebrauchsanweisung der neuen Spülmaschine dagegen erlaubt normalerweise nur eine Interpretationsweise - nämlich die, die zur Reinigung des Geschirrs führt. Das gilt auch für die bildende Kunst: Ein Gemälde von Salvatore Dali will gegensätzliche Deutungen anregen und unbestimmt bleiben - die grandiosen Kunstwerke, die IKEA den zerlegten Möbeln beilegt, sind in ihrer Interpretation eindeutiger. (Auch nicht immer - das habe ich selbst schon erfahren müssen. Aber, wie gesagt: Es hat sich nachher als Fehlinterpretation erwiesen).

Bei meinem letzten Besuch der Atta-Höhle im Sauerland sprach die Höhlenführerin, wenn sie auf eine bestimmte Tropfsteinformation aufmerksam machen wollte, von so wundersamen Dingen wie Eisbären, Weihnachtsmännern, Hochzeitstorten und Märchenschlössern - allen Besuchern in der Gruppe war klar, welche Formation sie gerade meinte. Und dennoch geriet keiner in der Gruppe in Panik, weil jemand die bildhafte Interpretation, eine Kalkformation als Eisbären zu bezeichnen, für bare Münze genommen hätte.

Es gibt sogar eine eigene Wissenschaft, die sich mit dem Verstehen beschäftigt: Die Hermeneutik.

Information statt Sinn

Nun begegnen wir Christen einem Typus von Menschen, der - wenn er konsequent denken würde - im Alltag nicht überleben würde: Dem Materialisten. Ein solcher Menschentyp denkt, es gebe keine weitere tieferen Schichten von Sinn hinter der Materie. Natürlich behauptet ein solcher Mensch das nur, wenn jemand von Seele, Engel oder Gott spricht. Es wäre ja absurd, das auch auf alles andere zu übertragen: Auf Bücher, Zeitschriften, Hinweisschilder und so weiter. Bei diesen Dingen scheint auch einem Materialisten klar, dass sich dort Botschaften verbergen - aber eben vom Menschen hineingelegt. Der Mensch sei die Quelle von Informationen, die er in die Natur legt. Darüberhinaus gebe es keine Deutung.
Nun, das klingt schon ein wenig konstruiert. Wir deuten ja nicht nur Schrifttexte und Wolkenformationen; die allererste und alles entscheidende Deutung ist die des menschlichen Geistes im anderen Menschen; also eine unsichtbare Ebene, die nicht vom Menschen in einen Gegenstand hineingelegt wurde. Will ein Materialist auch diesen Erkenntnissen eine tiefere Ebene absprechen? Dann wäre alles, worauf ein Mensch sein Leben setzt (nämlich auf das Verstehen, Übereinstimmen und Kommunizieren mit anderen Menschen), eine hohle Illusion. Noch verrückter: Dann gilt die Behauptung, es gebe keinen wirklichen Sinn, auch für den, der diese Behauptung ausspricht. Dann wäre jede "Behauptung" nur eine mehr oder weniger sinnlose Lautfolge im Rauschen des Kosmos.

Es gibt dennoch Materialisten, die diesen Spagat versuchen, indem sie einen neuen Begriff einführen, der innerhalb der materiellen Ebene bleibt: Geist, Seele, Sinn und Bedeutung gibt es nicht, nichts hat eine tiefere Ebene. Alles, was wir in Büchern und Gesichtern anderer Menschen entdecken, sei nur Information.
Informationen gibt es auch innerhalb der Naturwissenschaften. Das heißt: Materielle Symbole deuten nicht auf tiefere Ebenen hin, sondern auf andere materielle Strukturen. Das gilt zum Beispiel für die DNS (der Erbsubstanz) oder für Kristallbildungen; Einzeller reagieren auf materielle Reize ebenso wie Pflanzen (auch das Sonnenlicht ist ein materielles Phänomen). Tiere reagieren auf Signale, die vor Gefahren warnen oder Nahrung ankündigen; sie reagieren ebenso auf sexuelle Reize, die gelegentlich vollkommen abstrakt sind. Was hindert uns also daran, die Reaktion von Menschen auf das Lachen eines Babys als materiellen "Mutterreflex" zu deuten - und die Schlägerei zwischen Männern angesichts einer schönen Frau als primitives Balzverhalten egoistischer Gene zu interpretieren?
Nun, ganz einfach: Weil wir nicht nur reagieren, sondern unsere und die Reaktionen der anderen verstehen und uns dazu verhalten wollen. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass Dinge passieren, weil Hormone ausgeschüttet worden sind, wir wollen den Sinn einer Handlung verstehen. Wir beantworten Warnrufe unserer Artgenossen nicht nur mit angeborenem Panikverhalten oder Nahrungsversprechen mit ungezügeltem Appetit. Wir fragen uns, ob Angstmacherei moralisch ist und ob die irreführende Werbung für falsche Ernährungsmethoden strafbar sei. Mit anderen Worten: Es ist so offensichtlich, dass wir uns als Menschen eben nicht nur in einer eindimensionalen Informationswelt befinden, sondern wir sind geistige Wesen mit seelischen Tiefendimensionen und einem Hunger nach Sinn.
Mag sein, dass der Hunger nach einem letzten Sinn niemals gestillt wird. Vielleicht gibt es keinen Gott und alles ist sinnlos. Aber dieser Hunger nach Sinn und Bedeutung existiert und hat keinen materiellen Ursprung; er ist der erste Hinweis auf eine tiefere Ebene, weil er selbst Teil dieser tieferen Ebene ist. Und damit ist er der erste Grund, Hoffnung zu haben, dass es doch eine positive Antwort gibt.

Offenheit und Autonomie

Natürlich kann auf der materiellen Ebene nur dann etwas einen Sinn enthalten, wenn eine tiefere geistige Ebene die stoffliche Welt verändern kann. Wenn der menschliche Geist etwas ausdrücken will, muss er Muskeln, Lunge, Luft und Kehlkopf steuern können. Wenn der menschliche Geist dazu in der Lage ist - und das ist er offensichtlich - dann heißt das nichts anderes, als dass die materielle Welt durch ihre eigenen Gesetze nicht restlos festgelegt ist. Wenn der menschliche Geist den Leib dazu bringen kann, nicht rechts, sondern links abzubiegen, dann ist also der Weg der Füße nicht allein durch Biologie, Chemie und Nervenbahnen bestimmt, sondern offen für eine Beeinflussung durch den menschlichen Geist.
Wie anders könnten Menschen Bücher schreiben, Lieder singen, Instrumente spielen und Kunstwerke malen? Was Christen von ihrem Gott glauben - nämlich dass er zart und vorsichtig die Geschicke der Welt lenkt -, das geschieht alltäglich, minütlich, sekündlich: Der Mensch ist nur deshalb Mensch, weil seine Seele sich der Materie als Ausdrucksmittel bedient.
Aber - und das ist wichtig - die Materie wird durch die Einflussnahme der Seele nicht ihrer eigenen Wirklichkeit und Gesetzmäßigkeit beraubt. Es geschehen nicht ständige Durchbrechungen der Naturgesetze, wenn ein Künstler eine Holzfigur schnitzt. Das Holz des Bildhauers bleibt Holz - und wird doch ein Kunstwerk. Der Leib des Menschen bleibt stofflich - und wird doch zum Ausdruck einer größeren Wirklichkeit. Die Welt bleibt eine in sich existierende Welt - und ist doch Gottes Schöpfung und Widerschein seines Wesens.
Die Materie ist offen und zugleich autonom. Sie ist autonom, weil sie eigene Gesetze hat und diesen gehorcht; sie ist offen, weil in ihrer Existenz Sinn, Bedeutung und Schönheit zum Ausdruck kommen kann.

Was ist nun "Glauben"?

Vielleicht können wir in der Wirklichkeit verschiedene Schichten unterscheiden - obwohl diese Schichten nicht wie Ebenen einer Tiefgarage deutlich voneinander getrennt sind, sondern eher wie die Farben des Regenbogens ineinander übergehen, ohne dass exakte Trennlinien erkennbar sind. Aber dennoch gibt es die verschiedenen Farben:
Die erste, oberste und deutlichste Schicht ist die der Materie, der sinnlichen Wahrnehmung; so wie auch Fotoapparate, Kameras oder Messgeräte die Welt wahrnehmen und in unzähligen Daten beschreiben. Auch wenn einige der Daten strittig sind und die Zusammenhänge nicht immer eindeutig, die materielle Oberfläche dieser Welt ist klar erfassbar.
Doch Menschen (und auch Tiere) sehen nicht nur Farben, Werte und Daten, sondern sie erkennen in dieser Welt ihresgleichen; sie reagieren zielgerichtet auf Signale und Symbole; sie deuten Spuren, Gerüche und Geräusche. Das kann keine Kamera und kein Messgeräte - aber eventuell die daran angeschlossenen Rechner, Computer oder Systeme. Allerdings nur, wenn sie (wiederum vom Menschen) entsprechend programmiert und geschaltet wurden.
Noch eine Ebene tiefer deuten gerade Menschen die Signale und Symbole (ob es sich dabei um das Lächeln eines menschlichen Gesichts handelt oder die Leuchtreklame am Times Square in New York) und befragen sie auf deren Aussagen und Absichten. Sollen wir (durch das Lächeln oder die Reklame) verführt werden? Oder nur erfreut, unterhalten oder sogar belohnt? Wir suchen nach einem Sinn - und sind damit schon jenseits des Materialismus. Aber noch nicht bei Gott.

Wir können noch weitere dieser "Zwischenebenen" unterscheiden, wenn wir wollen: Wir können nicht nur fragen, warum ein Mensch lächelt und welche Absicht er damit verbindet; wir können diese Absicht wiederum hinterfragen und sie als gut oder böse qualifizieren; noch eine Ebene tiefer können wir fragen, ob unsere Maßstäbe von Gut und Böse angemessen oder veraltet sind - und so weiter.

Wenn wir nun einen religiösen Menschen betrachten, stellen wir fest, dass er in Bezug auf Gott nichts wesentlich anderes tut. "Glauben" ist keine neue, abstrakte und dem Menschen fremde Tätigkeit. Der Mensch, der zu dem Schluss kommt, dass Gott existiert, hat nicht eine Grenze der Rationalität überschritten, sondern bleibt in dem, was er tut, ganz und gar Mensch. Wie beim Betrachten eines menschlichen Gesichtes schließt der religiöse Mensch auch außerhalb der von Menschen gestalteten Wirklichkeit von der (materiellen) Oberfläche auf eine darinliegende (geistige) Sinnebene.
Im Grunde ist der glaubende Mensch nur ehrlicher als die sogenannten Materialisten. Denn auch diese interpretieren die Wirklichkeit (immer und überall) - wenn auch als sinnlos und rein stofflich; während der Glaubende erkennt, dass vieles auf der materiellen Ebene sinnvoller Ausdruck einer tieferliegenden Ebene ist. Wir alle (!) suchen nach diesen Elementen, die nicht allein den Gesetzlichkeiten der Natur unterliegen, sondern zugleich Zeichen, Botschaften, Hinweise, klare Signale oder sogar Ansprache eines vernunftbegabten Geistes sind, der hinter allem steht. Auch wenn der eine oder andere behauptet, diese Suche sei erfolglos und vergeblich - sie halten dennoch danach Ausschau.

Again and again: Wir können gar nicht anders; wir interpretieren mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit in jedem Augenblick, in dem wir mit Menschen reden, ihnen ins Gesicht schauen, ihre Nachrichten lesen (in Brief, Handy oder Internet) oder ihre Produkte betrachten. Das tun wir aber auch, wenn wir auf die Natur schauen, unser Leben anschauen oder das Weltgeschehen betrachten.
Beispiele religiöser Wahrnehmung

Genausowenig, wie ich die Gesamtheit der menschlichen Wahrnehmung in wenigen Sätzen beschreiben kann, genausowenig kann ich die gesamte Wahrnehmung der tieferen Sinnebene durch einen Verliebten oder Glaubenden (beide haben in dieser Hinsicht große Ähnlichkeit) hier auflisten. Aber ein paar Beispiele kann ich geben:

Wunder

Immer wieder betonen Naturwissenschaftler, dass Wunder entweder doch natürlich erklärbar sind oder es sich um eben sehr unwahrscheinliche, aber letztlich nicht unmögliche Ereignisse handelt.
Für einen religiösen Menschen ist das sekundär; es geht nicht um die Frage nach der Verletzung einer naturgesetzlichen Oberfläche, sondern um die Botschaft: Ein Mensch war schwerkrank und jetzt ist er wieder gesund - Gebete wurden erhört und das Vertrauen in Gott nicht enttäuscht. Ein Sturm lässt ausgerechnet in dem Augenblick nach, in dem jemand sein Vertrauen auf Gott setzt; das Telefon klingelt und eine erlösende Nachricht wird verkündet, als ich gerade meinen Glauben aufgeben wollte; es fällt unwahrscheinlicherweise Schnee, als ich um ein Zeichen gebeten habe - und so weiter.
Natürlich sind das oft keine nachweisbaren Übernatürlichkeiten - obwohl es unzählige Ereignisse gibt, für die sich bislang keine plausible Erklärung findet. Aber ganz ohne einem Überraschungseffekt werden wir wohl kaum von Wunder sprechen.

Fügungen

Aber selbst, wenn alle Elemente vollkommen in der naturgesetzlichen Ordnung bleiben, ergeben sich Momente, die einen unverkennbaren Sinngehalt haben. Wir sprechen in diesem Fall von Fügung oder Vorsehung (lat. providentia).

Das setzt zwar voraus, dass die naturgesetzliche Ordnung offen ist für eine Einsteuerung (z.B. durch den menschlichen Geist oder durch Gott); dass diese Sinn mitteilende Instanz aber nicht selbst Teil der naturgesetzlichen Ordnung ist. Die Naturwissenschaft hat diese Offenheit inzwischen erkannt und beschrieben - durch die Quantenphysik. Allerdings kann die Naturwissenschaft nicht erkennen, ob diese Offenheit durch eine nicht-materielle Instanz genutzt wird.

Meist erkennen wir Fügungen durch sogenannte "Koinzidenzien", also für uns sinnhafte Zusammentreffen von offenbar unabhängigen Ereignissen: Gerade denke ich zum ersten Mal seit langem an meinen alten Schulfreund, da klingelt das Telefon und er meldet sich. Oder: Ich habe das Gefühl, dringend jemanden kontaktieren zu müssen. Kaum melde ich mich, erfahre ich, dass er ausgerechnet jetzt meine Hilfe braucht. Oder: Ich fahre zu einem bekannten Wallfahrtsort, ausgerechnet dort beginnen die Medikamente, die ich schon seit langem nehme, zu wirken und meine Krankheit verschwindet. Oder ich spiele mit dem Gedanken, meine Gitarre abzugeben, da meldet sich mein Nachbar und fragt, ob ich nicht eine gebrauchte Gitarre als Weihnachtsgeschenk für dessen Tochter habe. Oder...
Nichts davon ist naturwissenschaftlich auffällig - weder als Wunder noch als etwas extrem Unwahrscheinliches. Keine naturwissenschaftliche Überlegung bringt uns dazu, an eine Fügung zu glauben. Es ist der offensichtliche Sinn, der in den Ereignissen liegt. Bedeutungsvolle Ereignisse, die uns manchmal dermaßen hartnäckig verfolgen, dass sogar hartgesottene Materialisten beinahe den Verstand verlieren, anstatt an eine Sinnstiftung zu glauben.

Gebet und Gebetserhörungen

Ebenso erlebt der betende Mensch Antworten im Gebet, die Gott (oder die Heiligen oder ein Schutzengel) gewährt. Nicht nur Gedanken, die sich scheinbar zufällig in meinem Kopf tummeln, lassen plötzlich eine Bedeutung erahnen; ebenso können dies Ereignisse, Bibelstellen oder Worte, die mir von Menschen eigentlich in anderer Absicht geschenkt werden.
Wenn wir Fügungen - also die Einsteuerung von Sinn in diese Welt - akzeptieren, dann ist der Schritt nicht schwer, darin eine Möglichkeit zu sehen, mit der Quelle dieser Botschaften zu kommunizieren. Möge es Gott sein, Engel, Heilige (oder, für Nichtchristen: Das Schicksal, die "mit-mir-seiende Macht" oder die Midichlorianer): Die Mitteilung von Sinn mittels der materiellen Welt hat immer eine Antwort zum Ziel; Wunder und Fügungen haben eine Botschaft für den, der sie als solche wahrnimmt, die Beziehung herstellen möchte.

Kritik

Nun kann jemand, der Rettung im letzten Augenblick als das Eingreifen einer höheren Macht deutet, falsch liegen. Ebenso der, der die Geburt eine Kindes als Widerlegung des Materialismus erlebt; oder der, der nach einem Gebet mit einer (scheinbaren) Gebetserhörung konfrontiert wird. Wir können uns weigern, die Welt weiter auf ihren Sinn und ihre Botschaft zu befragen. Wir können uns einreden, es gebe zwar einen menschlichen Geist hinter dem Verhalten der menschlichen Körper, aber keinen göttlichen Geist hinter den Ereignissen dieser Welt.

Grundsätzliche Kritik

Kritiker, die zwar die Interpretationsfreude des Menschen nicht leugnen, darin aber keinen Erweis einer tiefere Sinnebene erkennen wollen, führen oft an...

  • ...dass es sich bei der menschlichen Interpretation der Wirklichkeit lediglich um einen von der Evolution hervorgebrachten Mechanismus handelt, der uns letztlich schützt. Wir hören Geräusche und deuten sie entweder als Gefahr ("Vorsicht, Raubtier im Gebüsch!"), wir sehen Gesten unserer Artgenossen und deuten sie als Hilferuf ("Ich bin verletzt! Hilfe!"), wir nehmen einen besonderen Geruch wahr und wissen, dass Mama uns gerade unsere Lieblingssuppe kocht ("Hurra! Erbsensuppe!") - und so weiter. Und, so vermuten die Evolutionstheoretiker: Weil wir uns ständig schützen, aufeinander achten und Hunger haben, interpretieren wir einfach in alles, was wir wahrnehmen, diese urmenschlichen Botschaften hinein.

    Das klingt einleuchtend, ist es aber nicht. Denn uns unterscheidet von den vormenschlichen Kommunikationssystemen unserer tierischen Vorfahren nicht nur die Komplexität der Kommunikation und der Sprache, sondern die Frage nach der Absicht Sinn dessen, was wir vermitteln. Wir nehmen nicht nur die Suppe wahr, die für uns gekocht wird, sondern freuen uns über die Bedeutung, die diese Suppe hat: Dass ich an meinem Geburtstag mein Lieblingsessen serviert bekomme (oder evtl. auch nicht). - Wir hören nicht nur Hilferufe anderer, sondern deuten dies als "Wichtigtuerei" oder Gelegenheit, uns als barmherzige Samariter zu profilieren. - Wir nehmen nicht nur die Gefahr im Gebüsch wahr, sondern überlegen auch, ob wir eventuell für unsere noch schlafende Frau bereit sind, unser Leben zu riskieren... und so weiter.

  • Oder sie behaupten, dass wir bei der angeblichen Interpretation von Wirklichkeit nur optischen Täuschungen erliegen. Unsere Wahrnehmung interpretiert nämlich schon die Wirklichkeit, bevor sie unserem Bewusstsein zugänglich gemacht wird. Auf einigen Bildern scheinen Farbenpunkte sich zu bewegen, auf anderen sind die Größenverhältnisse auf den Kopf gestellt, auf wieder anderen wirken gerade Linien krumm. Die Schaltung unserer Neuronen interpretiert die Wirklichkeit - einen Sinn hat das Ganze nicht.
    Das klingt wenig einleuchtend. Selbstverständlich gibt es optische Täuschungen - das wissen wir, weil diese durchschauen können. Menschen, die zwar in ihren Proportionen verzerrt wirken, bleiben für uns aber immer noch Menschen, die wir lieben oder mögen. Die Sinn-Ebene wird von diesen Dingen nicht berührt.

  • Schließlich leugnen Kritiker schlicht und einfach jede tiefere Bedeutung der Wirklichkeit gibt: Weil es keinen Gott gebe und alles einfach so sei, wie es nunmal ist. (Das ist übrigens die einfachste Gegenposition, und alles Einfache ist immer auch irgendwie einleuchtend.)

    Aber das ist mehr als inkonsequent. Wenn wir der Versuchung nachgeben, in dem, was mir mein Nachbar sagt, einen gewollten geistigen Inhalt zu erkennen (etwa dergestalt, dass er mich zu einem Grillfest einlädt), mit welcher Begründung will ich dann dem, was in meinem Leben geschieht, jeden weiteren Inhalt absprechen? Konsequent wäre es, entweder JEDEN Geist zu leugnen (die Welt ist nichts als funktionierende Materie, es gibt weder Sinn noch Geist noch Botschaft) und somit auch keine Einladungen zu Grillfesten und Freibier mehr zu erkennen - oder die Wirklichkeit bis auf ihren Grund angemessen zu interpretieren.

Berechtigte Kritik

Interpretation von Wirklichkeit ist aber nichts Willkürliches oder Unlogisches (das wird auch jeder Deutschlehrer bestätigten: Eine Interpretationsleistung kann man sogar benoten!); weshalb wir selbstverständlich berechtigte Kritik an unseren Interpretationen nicht nur zulassen müssen - sondern dazu verpflichtet sind, diese Kritik zu bedenken.
Berechtigte Kritik kann nur der üben, der zwar grundsätzlich die Interpretation der Wirklichkeit nachvollziehen kann, der aber in diesem oder jenem Fall die Sinnhaftigkeit bestreitet oder korrigieren will. Entweder...

  • ...weil er begrenzt die Zufälligkeit eines Ereignisses ausschließen kann (wie zum Beispiel bei einer Maschine). Die Reaktion eines Menschen ist nicht berechenbar und vorherbestimmt und grundsätzlich offen für Sinn; wenn aber eine Lampe zu leuchten beginnt, nachdem ich den Lichtschalter betätigt habe, dürfte diesem keine weitere Bedeutung zugemessen werden. (Auch wenn Catweazle darin den magischen "Elektrik-Trick" gesehen hat.)

    Natürlich gilt es hier, genau zu unterscheiden. Dass ein Auto zum Beispiel fährt und Menschen von A nach B bringt, braucht nicht unbedingt als göttliches Gnadengeschenk betrachtet zu werden. Anders sieht es aus, wenn dieses Auto im letzten Moment anspringt, obwohl es das schon seit Stunden verweigerte - und das noch dazu auf den Bahnschienen angesichts eines herannahenden Zuges.

  • Oder, weil der vermutete Sinn dem Wesen des Urhebers widerspricht (wenn z.B. ein Ereignis als Gottes Aufforderung zum Massenmord gedeutet wird - oder die AIDS-Krankheit als Strafe Gottes). Diesen Interpretationsrahmen kennen wir auch von der Deutung menschlicher Regungen: Weil wir jemanden kennen, schließen wir bestimmte Deutungen seiner Mimik, seiner Worte oder seines Verhaltens aus - und andere liegen besonders nahe. Je besser wir jemanden kennen, umso geringer wird die Gefahr von Missdeutungen und Missverständnissen.

  • Oder, weil die Interpretation offensichtlich an den Haaren herbeigezogen ist. Denn es gibt durchaus eine Objektivität und prüfbare Angemessenheit von Interpretationen. Wer zum Beispiel einen verpassten Bus als Hinweis auf den bevorstehenden Weltuntergang deutet, verlässt jede Interpretationslogik. Sinn und Sprache ist nicht denkbar ohne einen nachvollziehbaren Rahmen, in dem z.B. Symbole definiert werden. Wer außerhalb jeder Sinn-Symbol-Zuordnung "wild drauf los" interpretiert, macht sich lächerlich.

Fazit

Was haben wir durch diese Beschreibung der Wirklichkeit erreicht? Nun, wir haben Gott weder bewiesen noch mögliche Hinweise auf Gottes Existenz in den Rang von Beweisen erhoben. Im Gegenteil: Wir haben nur auf Phänomene hingewiesen, die sowieso schon bekannt waren.
Aber: Wenn wir "Beweise" als Folgerungen innerhalb einer Ebene definieren und "Interpretationen" als Folgerungen auf tierferliegende Ebenen, dann ist die Erkenntnis, dass wir Gottes Mitteilungen nicht beweisen können, nicht mehr dramatisch. Selbstverständlich können wir - naturwissenschaftlich - weder die Existenz Gottes, der Seele, der Liebe oder einer anderen geistigen Wirklichkeit beweisen, sondern immer nur durch Interpretation erschließen. Die eigentliche, wesentliche und für uns Menschen entscheidende Realität lässt sich überhaupt nicht beweisen, sondern nur durch Interpretation der Wirklichkeit erkennen. Wer das nicht wahrhaben will, hat einen mehr als eingeschränkten Begriff von Wirklichkeit.

Möchtest Du mir schreiben? Für diese Katechese ist Peter verantwortlich.