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Gottes Zeichen sehen

Das mag für nicht-religiöse Menschen das deutlichste Zeichen sein, dass die «Religiösen» offensichtlich verrückt sind: Dass diese immer wieder, immer öfter und manchmal sogar überall «Zeichen Gottes» sehen. Ist das eine beginnende Schizophrenie?

I. Die Wirklichkeit deuten, ist nicht religiös - sondern menschlich

Manche betont rationale Menschen legen Wert darauf, dass sie die Dinge nehmen, wie sie sind. Ganz un-emotional, betont sachlich, vielleicht naturwissenschaftlich geprägt, glauben diese Menschen, frei von jeder Wirklichkeitsinterpretation zu sein.

Für solche «Rationalisten» ist es ein Unding, nach dem Sinn der Wirklichkeit oder eines Ereignisses zu fragen - die Wirklichkeit ist für sie, wie sie ist. Einen tieferen Sinn gibt es nicht. Dinge geschehen. Tiere dienen einander als Nahrung - da ist keine Rede von «Gut» oder «Böse», das sind lediglich menschengemachte Kategorien. Das gilt auch für die Menschen, die zwar Ereignisse in «hilfreich» oder «weniger hilfreich» einteilen; aber letztlich halten sie das alles für subjektiv. Natürlich gilt: Solange Menschen den Dingen eine Bedeutung geben - und andere eine solche Bedeutung erkennen (wie bei einem Brief, einer Geheimsprache oder einem Codewort) - solange spielt sich das ja im subjektiven oder inter-subjektiven Raum ab. Kein Problem.

Was aber sollen Rationalisten von Menschen denken, die behaupten, die Wirklichkeit selbst hätte einen Sinn, eine Bedeutung? Und die dann hinter jedem Apfel, der vom Baum fällt, ein Zeichen Gottes sehen? Typisch religiöser Übereifer! Oder?

Nun, es gibt diesen religiösen Übereifer - dazu kommen wir gleich noch. Aber die Alternative ist eben nicht, die Dinge ohne jede Bedeutung «so zu nehmen, wie sie sind». Das geht nämlich gar nicht! Es ist ein menschliches Urvermögen, tiefer zu schauen als nur auf die einfache Feststellung, dass etwas geschehen ist. Wir fragen immer nach Grund, Ziel, Bedeutung und Sinn; selbst dann, wenn wir das nicht bewusst tun.

Wenn wir jemanden hören, der mit uns redet, fragen wir nicht nur nach dem Sinn der Worte, sondern auch, mit welcher Absicht er nun gerade diese Worte gewählt hat, warum er überhaupt mit mir spricht - und warum ausgerechnet jetzt, in dieser Lautstärke, diesem Ton und in dieser Umgebung.

Und oft genug ertappen wir uns dabei, dass wir auch die Ereignisse, die ein selbsternannter Rationalist als «absolut sinnfrei und rein zufällig» bezeichnen würde, ebenfalls hinterfragen: «Warum versteckt sich der Schlüssel ausgerechnet jetzt?» - «Warum ist das Wartezimmer immer genau dann rappelvoll, wenn ich es eilig habe?» - «Warum springt die Ampel ausgerechnet jetzt auf rot?» - «Warum muss das immer mir passieren? Warum immer ich?»

Manche Rationalisten glauben, dass sei evolutionär bedingt. Wenn wir ein Geräusch hören, müssen wir uns fragen, was dieses Geräusch bedeutet - sonst werden wir schnell vom Tiger gefressen und können uns überhaupt nichts mehr fragen.
Das ist aber keine wirkliche Erklärung: Denn wir verknüpfen nicht nur die Dinge miteinander (ein Knacken im Gebüsch bedeutet «Tiger», ein Duft in der Luft bedeutet «lecker Essen»), sondern wir fragen nach dem, was den Dingen zugrunde liegt. Wahrnehmungen verknüpfen können auch Tiere; Tiere fragen aber nicht, weshalb Menschen ihnen Futter geben oder worin der Sinn liegt, wenn sie von anderen Tieren gejagt werden.

In Wirklichkeit geben wir den Dingen keine Bedeutung - wir entdecken sie. Nicht nur bei den von anderen Menschen errungenen Kulturleistungen - sondern auch in der Tierwelt, im Pflanzenreich und in der unbelebten Natur.
Das ist keine religiöse Besonderheit. Sondern eine urmenschliche Eigenschaft.

II. Der Sinn des Lebens, des Universums und allem anderen

Wir religiösen Menschen sind also nicht die einzigen, die die Wirklichkeit interpretieren und auf einen verborgenen Sinn hin abklopfen. Das macht jeder Mensch; viele im Bewusstsein, dass es einen solchen Sinn nicht gibt und sie ihn nie finden werden - und dennoch halten sie unbewusst weiter danach Ausschau. Wir religiösen Menschen unterscheiden uns vor allem in zwei Dingen von diesen unglücklich Suchenden: Wir wissen, dass es diesen Sinn wirklich gibt - weil die Welt ein bewusstes und gewolltes Produkt eines Schöpfer ist. Und wir kennen den Sinn - weil wir den Schöpfer kennen.

Ursache und Wirkung werden manchmal verwechselt. Manche Atheisten glauben, wir Religiösen seien uns der ewigen Suche nach dem Sinn bewusst (=Ursache) und würden uns angesichts der bedrohlichen Sinnlosigkeit dieser Suche einen Schöpfer wünschen und ihn dann als wirklich glauben (=Wirkung). Selbstbetrug nennen sie das. - In Wirklichkeit glauben wir nicht deshalb an einen Schöpfer, weil wir es ohne Sinn nicht aushalten würden. Sondern weil wir wissen, dass es einen Schöpfer gibt (=Ursache), steht folgerichtig außer Zweifel, dass die Welt einen Sinn hat (=Wirkung).
Unsere Sehnsucht nach Sinn ist keine Ursache für unseren Gottglauben - aber schon ein Indiz für dessen Existenz: Die Fähigkeit, Sinn zu erkennen und zu erfassen (und dann auch danach zu suchen), setzt eine Art von Geist voraus, der nicht aus der Materie stammen kann.

«Wir kennen den Sinn das Lebens.» - Nun, das mag überheblich klingen (und oft genug widersprechen Atheisten lächelnd dieser Behauptung mit dem Hinweis, keiner kenne den Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Restes - es sei denn, er sei verrückt). Ja, manche betrachten eine solche Aussage als Eingriff in die persönliche Freiheit: Da den Sinn des Lebens ihrer Ansicht nach nur jeder für sich selbst festlegen kann, scheint die bloße Erwähnung eines universalen Sinns der Wirklichkeit schon übergriffig.

Aber wir Christen machen ja nicht einfach unseren persönlichen, subjektiv angenommen Sinn unseres Lebens zum Maßstab für andere. Vielmehr haben wir entdeckt, dass Gott selbst - der Schöpfer aller Dinge, des Universums und meines Lebens - mir mitteilt, was er sich bei der Erschaffung gedacht hat. Und die Antwort ist nicht kompliziert (und überhaupt nicht übergriffig): Er hat Freude am Sein. Ja: Er liebt die Welt und ihre Geschöpfe.

Der Sinn des Lebens besteht also nicht in der Erfüllung konkreter Aufgaben («Wir leben, um eine Aufgabe zu bewältigen!» - «Wir leben, um Gott zu amüsieren!» - «Wir leben, um die Welt ein Stückchen besser zu machen!»). Sondern wir leben, weil Gott Freude an uns hat. Und Er will, dass wir selbst diese Freude verspüren. Freude an unserem eigenen Sein, am Sein der anderen Menschen - und am Sein Gottes.

Deshalb haben wir auch so große Schwierigkeiten, einen Sinn in den Mängeln dieser Welt zu erkennen und uns der Frage nach dem Sinn des Leids (auch als «Theodizeefrage» bekannt) zu stellen. Böses ist für uns schlechthin sinnlos (aber nicht in der Bedeutung von «sinnfrei», so wie es ein Atheist bezeichnen würde, sondern eher im Sinne von «sinn-widrig»). Wir spüren: Sinn hat mit Anerkennung von Sein zu tun. Böses hat einfach weniger Sein.

Soweit würde ich also jedem Menschen, der in der Wirklichkeit einen Sinn und eine Bedeutung sieht, zustimmen. Jedes Mal, wenn wir Schönheit, Sinn und Zweckmäßigkeit in der Natur entdecken, ist das ein Zeichen für den, der hinter der Schöpfung steht, nämlich für Gott, der Schönheit, Sinn und Liebe in seinem eigenem Sein vereint.

«Dass die Sonne aufgeht, ist ein Zeichen dafür, dass Gott Dich liebt!» Das stimmt, aber nicht nur in diesem Augenblick, wenn wir es spüren. Im Grunde ist die Existenz der Sonne schon ein Zeichen, ja, die Existenz von überhaupt irgendetwas ist ein Zeichen. Aber wir dürfen uns auch gerne über ein Detail erfreuen, wie zum Beispiel einen wunderschönen Sonnenaufgang.
III. Jetzt übertreib mal nicht!

Vielleicht kennt jeder von uns einen Menschen, der unser Reden und Tun ständig «auf die Goldwaage legt». Der auch dort noch einen verborgenen Sinn in unseren Worten sucht, wo wir über den offensichtlichen Sinn hinaus gar keine Absichten gehabt haben. Solche Menschen sind anstrengend, sie hören «die Flöhe husten» und «das Gras wachsen».

Von solchen Menschen erbitten wir uns, dass sie in unser Reden und Tun nicht «irgendetwas hineininterpretieren», was überhaupt nicht in unserer Absicht lag. Solche Menschen entdecken keinen Sinn, sondern verteilen ihn. Überall. Auch dort, wo er nicht hingehört.

Übersensible Menschen gibt es auch im religiösen Bereich. Nur fallen sie dort nicht so auf, weil selbst für «normale Christen» (falls es so etwas gibt) die Deutung der Wirklichkeit als Geschenk, Zeichen oder auch Ermahnung Gottes zum Leben dazu gehört.

Dem will ich auch nicht grundsätzlich widersprechen. Ich möchte nur eine simple Unterscheidung anbringen, die allerdings das «Zeichen-Sehen» in einem neuen Licht erscheinen lässt. Ein hoffentlich klareres Bild.

Nehmen wir ein Beispiel: Mehrere Menschen sitzen zusammen in einem Raum, unterhalten sich und machen sich ihre jeweils eigenen Gedanken. Plötzlich fällt - ohne Ankündigung - das Kreuz, das an der Wand hängt, mit einem lauten Knall zu Boden. War das jetzt ein Zeichen? Und wenn ja, wofür? Und von wem?

Der eine, der vielleicht gerade im Gespräch gelogen hatte, wird es vielleicht als Ermahnung deuten: «Lüge nicht, mein Sohn!»; eine Andere, die sich fragte, wofür das Leben gut sein solle, sieht sich vielleicht ermahnt, wieder mehr auf Gott zu vertrauen; ein Dritter wird sich denken: «O mein Gott, wir alle sind verflucht!» und ein Vierter denkt sich vielleicht, dass das nur ein Zeichen dafür ist, dass es Gott nicht gibt.

Und - war es nun ein Zeichen Gottes? Hat Gott das Kreuz fallen lassen? Meine Antwort: Das Kreuz ist von der Wand gefallen, weil der Nagel es nicht mehr halten konnte. Nicht mehr, und nicht weniger.

Abgesehen davon, dass ich die gesamte Wirklichkeit als eine Selbstoffenbarung betrachte, stimme ich mit einem atheistischen Rationalisten darin überein: Das, was in der Welt so geschieht, hat keinen zusätzlichen, objektiv erweisbaren Sinn - es sei denn, (1) es wurde vom Menschen absichtsvoll verursacht (zum Beispiel eine Mail - die hat sehr wohl einen Sinn. Meistens.) oder (2) es handelt sich um einen direkten Eingriff Gottes, den wir normalerweise «Wunder» nennen.

Das gilt für herabfallende Kreuze genauso wie für größere Ereignisse. Das gilt für Positives (wie eine Heilung oder einen Lottogewinn) genauso wie für Leidvolles (wie eine Naturkatastrophe oder die Corona-Epidemie). Es ist, was es ist. Dinge geschehen.

Gott schickt nicht der ganzen Welt die Corona-Epidemie, um der deutschen Kirche zu zeigen, dass es Wichtigeres als den Synodalen Weg gibt. Gott lässt keine Menschen sterben, um andere an die Wichtigkeit eines jeden Atemzuges zu erinnern. Gott verursacht keine Erdbeben, um die Selbstzufriedenheit einiger weniger zu Fall zu bringen. Und. So. Weiter.

Aber mein Gedankengang wäre unvollständig (und zudem trostlos), wenn wir bei dem simplen «die Dinge sind, was sie sind» stehen bleiben würden. Dann wären wir nicht weit entfernt vom atheistischen Rationalisten, der jeden Sinn leugnet.

Nein, es gibt schon eine persönliche Botschaft Gottes. Aber die liegt nicht in den Dingen, nicht im Ereignis selbst, sondern in dem, was dieses Ereignis in den Betroffenen auslöst. Wer sich bei einer Sünde ertappt fühlt, darf sich ruhig von Gott ertappt fühlen. Wer sich nach einer guten Tat belohnt fühlt, darf dies auch gerne auf Gott zurückführen. Es gibt nicht die Botschaft im Ereignis - sondern viele Botschaften in den Herzen derjenigen, die sich berühren lassen.

Wenn also die Corona-Epidemie uns erkennen lässt, dass wir unser Leben ändern sollten, dann ist das unter Umständen wirklich eine Botschaft Gottes. Aber sie liegt nicht in der Epidemie - es wäre mehr als zynisch zu glauben, um dieser Erkenntnis willen hat Gott Tausende Menschen sterben lassen.

Die Botschaft geschieht im Betrachten imd Imterpretieren des Ereignisses. Dort spricht Gott.
Das ist die Unterscheidung, die mir wichtig ist. Gott hat es nicht nötig, mir Viren, Unglücke oder Lottomillionen zu schicken, um mir etwas mitzuteilen. Das kann er auch direkt. Aber Gott nutzt gerne die Wirklichkeit, uns im Blick darauf Botschaften ins Herz zu legen. Aber erst, wenn wir offen auf das schauen, was geschehen ist. Nicht schon in dem Augenblick, in dem es fernab jeder Wahrnehmung geschieht.

Ein schönes Beispiel hat mir mein Dogmatik-Professor in Augsburg erzählt. Ein junger Mann liest in einem Geschichtsbuch von einer Christenverfolgung und den damit verbundenen Einzelschicksalen - und bekehrt sich. Sind die Christen nun damals gestorben, damit sich der junge Mann heute zum Glauben bekehrt? Der Bericht hat für ihn wie ein Zeichen gewirkt!
Tatsächlich mag die Stimme Gottes durch dieses Ereignis zu dem jungen Mann gesprochen. Aber die Christenverfolgung damals fand nicht aus diesem Grund statt. Die Christen damals wurden verfolgt, weil es böse Menschen gab, die die Guten nicht leben lassen wollten.

IV. Die «Unterscheidung der Geister»

Es gibt nur einen objektiven Sinn in der Welt: Gott hat die Welt erschaffen, weil er sie liebt. Aus Freude am Sein und dem Seienden. Alles andere geschieht nicht objektiv feststellbar in den Dingen - sondern im Menschen. Wohlgemerkt: Nicht der Mensch gibt den Dingen einen Sinn, sondern er entdeckt in dem, was geschieht, eine Bedeutung. Wie kann er aber nun sicher sein, dass er sich diese Bedeutung nicht nur einbildet?

Nun, diese Schwierigkeit ist der Kirche von Anfang an bekannt - durch alle Zeiten, bis auf den heutigen Tag. Viele Seelsorger in der Geschichte der Kirche haben in der Hilfe zur richtigen Interpretation eine ihrer Hauptaufgaben gesehen. Es gibt sogar eine eigene Bezeichnung dafür: Die «Unterscheidung der Geister». Denn es geht nicht nur um die Deutung von Ereignissen, sondern auch um die Deutung der eigenen Gedanken.

Wenn ich die plötzliche Eingebung habe, den Raum zu verlassen - ist das ein von Gott geschenkter Impuls? Oder nur meine eigene Zwangsneurose? Es kann gut sein, dass ich bei der Rede eines Diktators spontan aufstehe und dadurch ein Zeichen der Rebellion für andere bin - obwohl ich vielleicht nur frische Luft brauchte. War das Verlangen nach frischer Luft von Gott geschickt? Oder: Wenn ich nachts Träume habe, die von einer bestimmten Person handeln - verbunden mit unbändiger Angst: Soll ich diese Person dann aufsuchen? Oder meiden? Oder hat das gar nichts zu bedeuten?
Ich sterbe fast vor Hunger, ich bete, und im gleichen Augenblick finde ich eine fremde Geldbörse, prall gefüllt mit Geldscheinen. Ist das ein Geschenk Gottes? Oder eine Prüfung? Eine Versuchung des Teufels?

Die kirchliche «Unterscheidung der Geister» geht überraschend nüchtern vor. Sie fragt nach der psychologischen Verfassung, in der ich mich befinde (bin ich ungeduldig und will jetzt unbedingt ein Zeichen?); sie bedenkt, ob jemand anderes das Zeichen genauso deuten würde (ich könnte meine beste Freundin fragen - oder meinen Beichtvater und geistlichen Begleiter). Zur Unterscheidung der Geister muss ich mich fragen, ob die Handlungen, zu denen ich mich gerufen fühle, moralisch in Ordnung sind. (Wer sich dazu berufen fühlt, Abtreibungskliniken in die Luft zu sprengen, sollte sich selbst in eine Psychiatrie einweisen lassen, anstatt den Beichtvater um Erlaubnis zu fragen).

Diese Unterscheidung ist wiederum nichts typisch Religiöses, sondern urmenschlich. Wir praktizieren sie in jedem Gespräch und in jeder Kommunikation. Wenn ich zum Beispiel die Worte meiner besten Freundin interpretiere, bedenke ich, was ich von ihr weiß. Ich kenne sie - und daher weiß ich, dass ein bestimmter Augenaufschlag kombiniert mit einer Geste nicht bedeutet: «Sofort enthaupten!» Auf diesen Gedanken würde ich niemals kommen - weil er unmoralisch, unvernünftig und unangebracht wäre. Es sei denn, mein Name ist Alice, ich bin im Wunderland und meine beste Freundin ist zufällig die dortige böse Königin.

Letztlich mündet alles in die Frage: Passt die Botschaft, die ich aus bestimmten Ereignissen als die Botschaft Gottes herauslese, wirklich zu Gott? Und zu mir? Oder ist sie unvereinbar mit dem christlichen Gottesbild? Und schädlich (weil sündig) für mich?

Es geht also nicht darum, mit esoterischen Geigerzählern den Gehalt einer übernatürlichen Botschaft live vor Ort zu messen; es geht auch nicht darum, per EEG und supranaturalen Mikrophonen die Realität von eingebildeten inneren Stimmen zu unterscheiden. Es geht schlicht um die Frage, ob die Deutung einer irdischen Realität vernünftig, moralisch und verantwortbar ist.

Die Unterscheidung der Geister und die Erkenntnis, ob Gott nun wirklich zu mir gesprochen hat, lässt sich nicht immer mit der nötigen Gewissheit durchführen. Unklare Botschaften, Zeichen und Hinweise sollten mich aber nicht unter Druck setzen: Wenn Gott mir etwas sagen will, dann hat er genug Mittel, sich unmissverständlich auszudrücken. Solange das nicht geschieht, darf ich die Wirklichkeit ruhig so nehmen, wie sie objektiv ist: Als Zeichen der Liebe Gottes.