Predigten zu Abitur- und Schulentlassung
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Abitur- und Schulentlassung

Im Frühjahr werden die Aufgaben verteilt: Wer hat was zum Schulende zu organisieren? Der Abschlussball, die Abi-Zeitung, Tag X oder Abi-Show oder was auch immer. Natürlich gehört auch ein Abschlussgottesdienst dazu... aber wer will den vorbereiten?

Das ist DIE Gelegenheit, Deinen Glauben zu zeigen und dazu zu stehen. Erkläre Dich bereit dazu - und wenn Dir Material zum Gottesdienst fehlt, bediene Dich hier.

Erster Vorschlag: Der Sturm auf dem See
Begrüßung

Ganz herzlich möchte ich Euch Abiturientinnen und all die anderen begrüßen.
Für Euch, liebe Abiturientinnen, ist der Schulalltag, so wie ihr ihn nun seit Jahren kennt, mit dem heutigen Tag beendet. In den letzen Wochen, Monaten – vielleicht sogar schon länger – habt ihr wohl alle einmal gedacht, dass so langsam die Zeit dafür auch reif ist, und dass es gut so ist.
Mit dem heutigen Tag ist es soweit: Der bisherige Schulalltag gehört der Vergangenheit an.
Aber Euch bleibt im Moment kaum Zeit, um zurückzublicken und den Schulalltag über viele Jahre in Erinnerung zurück zu rufen: ...
Den Schulalltag mit all seinen schönen Seiten,
mit den interessanten, heiteren, auch lustigen Stunden ...
mit wertvollen Gemeinschaftserfahrungen im Klassenverband, auf Fahrten oder Exkursionen ...
aber auch den Schulalltag mit hitzigen Debatten und Auseinadersetzungen, bis hin zu den Tränen nach einer fünf in Deutsch oder Mathe oder langweiligen und uninteressanten Unterrichtsstunden ...
Für all das bleibt Euch im Moment kaum Zeit. – Sie wird aber noch kommen.

Das Abitur, auf das ihr lange und intensiv hingearbeitet habt, liegt unmittelbar vor euch.
Da ist die Anspannung groß: Man sieht das auch an den großen Kuscheltieren, die da plötzlich wieder auftauchen. – So einen großen Teddybären und ein nicht weniger kleinen Plüschhasen habe ich noch gestern bei zweien von euch im Lernzentrum gesehen.
Manch eine ist in diesen Tagen bis an ihre Grenzen gegangen ... Und dann ist man schon mal nervös oder gereizt ...
Da kann auch der Eindruck entstehen, dass andere wenig Verständnis für die momentane Belastung haben und dass auch Lehrer scheinbar keine Rücksicht nehmen. – Ich sage scheinbar, weil natürlich auch Lehrer an Grenzen stoßen und eine staatliche Prüfung, wie das Abitur, die persönlichen Umstände im Prinzip nicht berücksichtigen kann.

So soll diese Stunde zumindest eine Gelegenheit bieten, gegen allen Stress jetzt einfach einmal inne zu halten, durchzuatmen und sich zumindest einer Sache erneut bewusst zu werden:

Ihr seid Euren Weg bis heute nicht alleine gegangen.
Auf der einen Seite haben Euch Eltern, Freunde und Lehrer begleitet.
Auf der anderen Seite - und auch in anderer Weise - war und ist auch Gott weiterhin der Lebensbegleiter eines jeden von uns.

Gott hält sich sehr oft geheimnisvoll zurück. ... Das hat einen Grund: Er will sich niemandem aufdrängen und jedem die freie Entscheidung lassen. - Vertraut man sich diesem vornehm zurückhaltenden Gott allerdings an, dann wird er zu einem Weg-Begleiter, der alles andere in den Schatten stellt.

So ist es gut und recht, wenn Ihr jetzt einmal an all diejenigen denkt, die Euch bis heute, bis zu diesem Tag begleitet haben.
Dann wird es auch leichter, zuversichtlich nach vorne schaut; denn, ich wiederhole: Da ihr Euren Weg bis heute nicht alleine gegangen seid, werdet ihr ihn auch durch die Abiturprüfungen nicht alleine gehen müssen.

Viele sind jetzt bei euch: Und auch Gott, der Herr, wird sich jetzt nicht zurückziehen. So wollen wir gemeinsam das Herz Gott zuwenden und zu ihm beten:

Psalm 1 (Schülerin)

Bußakt

Allmächtiger Gott: Keiner von uns ist seinen Weg bis heute alleine gegangen; und keiner von uns wird ihn in Zukunft alleine gehen müssen.
Um wieder neu und vorbehaltlos mit dir verbunden zu sein, wollen wir auch um Vergebung bitten. – Um Vergebung, weil wir Deine helfende Hand, gut gemeinten Rat, verständnisvolle Worte oder auch zutreffende Zurechtweisungen nicht immer zugelassen, sogar zurückgewiesen haben.
Bestärke uns darin, Deine Wegbegleitung zu wünschen und zuzulassen.
Herr, erbarme Dich - Herr, erbarme Dich
Christus, erbarme Dich - Christus, erbarme Dich
Herr, erbarme Dich - Herr, erbarme Dich
Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach. Er führe uns durch diese stürmische Zeit bis hin zur Erfüllung durch das Ewige Leben. Durch Christus, unseren Herrn Amen

Tagesgebet

Gott, unser Vater. Wir sind als deine Gemeinde versammelt und rufen dich an: Öffne unser Ohr, damit wir hören und verstehen, was du uns heute sagen willst. Gib uns ein gläubiges Herz, damit unser Beten dir gefällt und unser Leben vor dir bestehen kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung: Koh 3,1-11

(1) Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: (2) eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, (3) eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, (4) eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; (5) eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, (6) eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, (7) eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, (8) eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. (9) Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, daß er sich anstrengt? (10) Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. (11) Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne daß der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.

Evangelium: Der Sturm auf dem See: Mk 4,35-41

(35) Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. (36) Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn. (37) Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so daß es sich mit Wasser zu füllen begann. (38) Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen? (39) Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein. (40) Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? (41) Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, daß ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

Predigt

Manch eine von Euch, liebe Abiturientinnen, oder mancher von Ihnen, liebe Kollegen, erinnert sich vielleicht noch gut, wie vor Jahren eine Schar quicklebendiger Kinder hier eingeschult wurden; gleichsam ein Boot im MGJ bestieg und die ersten Paddel- und Ruderversuche unternahm.

"Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit."1 Diese neun Jahre - wenn man glatt durchkam - war für alle eine Zeit, wo es viel zu lachen, aber auch manches zu beweinen gab.

Euch wurden Stunden geschenkt, wo ihr tanzen konntet. Aber es gab auch Augenblicke, wo ihr zu klagen hattet.

Ihr habt Vertrauen auch bei Euren Lehrern gesucht; Euch dann aber schrittweise aus der Umarmung gelöst, um auf eigenen Beinen zu stehen. So wie es eine Zeit zum Umarmen gab und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, so gab es Zeiten zum Reden und dann wieder Zeiten zum Schweigen.

Mit kindlichen Erwartungen, wie man sie im Alter von 10 Jahren hat, und vielleicht auch mit dem ein oder anderen respektvollen Blick auf die Oberstufenschüler habt ihr hier Euren Weg begonnen. ... Jetzt seid ihr die Großen. Fast ein Jahrzehnt sitzt ihr nun gemeinsam im gleichen Boot. ... Wenn Ihr in etwa zwei Monaten, so hoffen wir, glücklich ans Ziel kommt, zum Abschuß eurer Schullaufbahn, was ist dann?

Der Prediger im Alten Testament fragt: "Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, daß er sich anstrengt?" und er fügt hinzu - "Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht." Was hat er davon?

Da war auch die Rede von der Hetzte durchs Leben bis zum Abitur - und daraufhin die Frage: "Was dann?"

Sicher, der Tag hat 1440 Minuten. Das ist genug Zeit, für viele Entschlüsse; reichlich Zeit, jeden Augenblick und im Augenblick zu leben; auch ausreichend Zeit, um weiter voranzukommen und immer wieder neu anzufangen.

Aber der Prediger im Alten Testament geht weiter; er geht an die Wurzel. Über die Zeit hinaus verweist er auf die Ewigkeit; über unser Stückwerk auf die Vollendung. Er erklärt: "Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt."


Liebe Schülerinnen und liebe Kollegen: Der Bericht vom Sturm auf dem See, mit den 12 Apostel und dem Herrn im Boot, wie sie gemeinsam gegen den Sturm ankämpfen, bis auf ein Machtwort Jesu tiefe Stille eintritt: Er ist mehr als die Beschreibung von Menschen, die in Zeiten der Not und Bedrängnis, wie der Freude und des Erfolgs als Gemeinschaft zusammenwachsen und alles gemeinsam miteinander teilen können.

Das gemeinsame Bemühen, Herr über den Sturm zu werden und sich dann darüber freuen zu können: Das ist mit dem Bericht vom Sturm auf dem See ganz sicher auch mit gemeint. Aber das ist bei weitem nicht alles.

Jesus Christus ist wahrhaft Erlöser und damit nicht nur Herr über den Wind und den Sturm. Auch über die Unbeständigkeit und Unruhe unseres Herzens befiehlt er mit Macht. Die Zeit für das Säen und die Zeit für die Ernte, die Zeit für den Krieg und Zeit für den Frieden sowie alle anderen Zeiten: Die verankert er in der Ewigkeit.

So lade ich Euch bzw. Sie ein, diesen Sturm auf dem See mit den Aposteln und dem Herrn im Boot einmal etwas näher zu betrachten.


Im 44. Psalm richtet David eine erstaunliche Aufforderung an Gott, nämlich: "Wach auf, warum schläfst du, o Herr?" (44,24). In ähnlicher Weise wenden sich ja auch Apostel in ihrer Bedrängnis an den Herrn: "Meister, kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen?"

Sind das nicht seltsam auffordernde Fragen: "Wach auf, warum schläfst du, o Herr?" und "Kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen?"! - Denn hier ist die Frage erlaubt: Wäre das Boot denn untergegangen, wenn die Apostel den Meister nicht rechtzeitig aufgeweckt hätten? - Übertragen wir das einmal auf uns: Müssen wir Gott erst aufwecken, damit er unsere Situation, unsere Wünsche und augenblicklichen Sorgen begreift?

Schon die Berichte vom 12-Jährigen im Tempel, und auch die vielen Ereignisse seines weiteren Lebens zeigen, wie außerordentlich aufgeweckt dieser Jesus aus Nazareth ist. Seine Geistesgegenwart, seine Schlagfertigkeit, aber auch das ungebrochene Interesse für einen jeden: Da kommt er müde von der Wanderung am Jakobsbrunnen an und schenkt der Samariterin Zeit für ein bewegendes Gespräch, das ihr Leben verwandelt; oder die Kinder, die er zu sich kommen läßt, obwohl ihm die Wanderung erneut zu schaffen gemacht hat. All das beweist eine ungewöhnliche Wachheit, eine Aufmerksamkeit und ein Interesse für wirklich jedermann.

Und dennoch schläft Jesus bei einem Sturm, der lebensbedrohliche Stärke angenommen hat. - Für diesen Schlaf gibt es nur eine Erklärung: Dieser Schlaf ist ein Provokation.

Hier provoziert der Herr auch uns. - Mitten in der Drangsal, wo wir zu kämpfen und zu strampeln haben: Da holt er sich ein Kissen, reckt die Glieder und legt sich einfach schlafen. Damals überließ er die Apostel der Gewalt des Sturmes und der Macht der Wellen - heute überläßt er uns der Anspannung vor dem Abitur; dem Druck der Arbeit oder dem Streß in der Familie.

Eine Provokation, die nicht nur die Frage aufwirft, ob denn das Boot mit dem schlafenden Herrn darauf wirklich untergegangen wäre. Hier wird eine noch viel interessantere Frage aufgeworfen, nämlich: Wer schläft hier eigentlich?, bzw.: Wer weckt eigentlich wen auf?

Sind es wirklich die Apostel, die den Meister aufwecken? ... Ist es hier nicht vielleicht genau umgekehrt, daß in Wirklichkeit die Apostel schlafen, und der Herr sie mit dem Sturm - und uns durch den Streß, den wir haben - endlich aufwecken möchte?

Im Evangelium finden wir jedenfalls noch viele Beispiele dafür, daß Unruhe, Aufregung und Anspannung in Jesu Umgebung nicht auf ihn übergehen. Geschrei und Nervosität begegnet er in souveräner Gelassenheit.

Denken wir nur an die Ehebrecherin, die man unter Empörung zu ihm bringt. Gelassen bückt sich der Herr und schreibt in den Sand. Eine einzige Bemerkung und die pharisäerhaften Ankläger gehen beschämt nach Hause. Schließlich, alleine mit der Frau, kann er ihr sagen: "Auch ich verurteile dich nicht. Geh, und sündige fortan nicht mehr."

Dieser Jesus aus Nazareth lebte offenbar aus einer unerhört tiefen Ruhe und inneren Gelassenheit. ... In ihm sind die Worte des 131. Psalms Wirklichkeit geworden: "Herr, mein Herz ist nicht stolz, nicht hochmütig blicken meine Augen. ... Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir. Israel, harre auf den Herrn von nun an bis in Ewigkeit!" (Ps 131).

Jesu Gelassenheit ist nicht jenes bekannte, manchmal auch aufgesetzte "cool - sein". Echtes "cool - Sein" hat durchaus seine Berechtigung. Jedem von uns ist ein cooler Typ viel sympathischer als eine aufgebrachte Gans. Aber nur "cool - sein", das ist eben nicht alles.

Als Mensch ist Gottes Sohn gelassen; zugleich aber beseelt und getrieben von einer heiligen Unruhe. Aus einer heiligen Unruhe heraus erklärt er (Markusevangelium): "Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert."2 Oder (Lukasevangelium): "Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; wie froh wäre ich, es würde schon brennen!" (Lk 12,49). Die Feuerzungen des Pfingstfestes zeigen, wozu Menschen in der Lage sind, sofern sie den Sturm der göttlichen Gnade zulassen.

Aus seiner Gelassenheit heraus schöpft der Herr eine erstaunliche Kraft für sein Leben der Hingabe und des Dienens.

Jesus Christus ist immer hellwach, voller Anteilnahme und Interesse für die Anliegen der Menschen und für das, was Gott sein Vater will. Jesus wird umgetrieben von der Unruhe Gottes zum Heil der Menschen. Gleichzeitig ruht er in Gott; denn der Geist Gottes ruht auf ihm.

So ist es dann auch mit jedem, der Jesus nachfolgt und sich wie er von Gott ganz erfüllen läßt. Da bricht in einem ein unersättlicher Hunger und Durst nach Gerechtigkeit auf (vgl. Mt 5,6); gleichzeitig aber werden Hunger und Durst gestillt und man erfährt eine bisher unbekannte Ruhe und Gelassenheit.

"Ich bin das Brot des Lebens;" sagt der Herr, "wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben." - Diese Speise führt nicht zum trägen Mittagsschlaf: Sie schenkt ewig andauernde Lebendigkeit. Gott sättigt, ohne zu übersättigen.


Von Zeit zu Zeit sollten wir deshalb Bilanz ziehen; Rechenschaft ablegen und uns besinnen: Als einzelne, als Familie, als Gemeinschaft.

Eine erste Besinnung könnte von dem Stichwort "Unruhe" ausgehen. Was fällt mir dazu ein? Was macht mich unruhig und raubt mir den Frieden?
Mein Notendurchschnitt; meine Klausuren; mein Gehalt; meine Beförderung; meine Gesundheit, mein Wohlergehen?

Alles legitime, aber keine absoluten, keine letzten Werte. - Was ist das für ein Lebensgefühl, das uns allzu oft erfüllt, uns umtreibt und beunruhigt? - Steht dieses Lebensgefühl nicht ganz im Gegensatz zu dem, was der Herr uns sagt: "Macht euch ... keine Sorgen, und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles braucht. Euch ... muß es zuerst um sein Reich und seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben." (Mt 6, 31-33).

Was können, was müßten, was sollten wir tun, um die nötige Distanz zu schaffen und im rechten Gottvertrauen zu wachsen? Dann entdecken wir auch unsere Gemeinschaft wieder neu.


Eine zweite Besinnung könnte von dem Stichwort "Ruhe" ausgehen.

"Zur Ruhe kommen" - was hilft mir; was hilft uns dabei? Welche Möglichkeiten haben wir, wirklich zur Ruhe zu kommen? - Bleibt nicht vielleicht das Kind, das sich ganz der Mutter anvertraut (vgl. oben: Ps. 131), auch für uns Erwachsene weiterhin gültiger Maßstab, der uns die Worte Jesu verstehen läßt: "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen."

Der Sturm auf dem See: Das ist die ausschließliche Sorge um das eigene Überleben und Wohlergehen. Diese Sorge - letztlich Egoismus - stiftet Unruhe.

Da kann kein Vertrauen wachsen. Die Apostel versinken in der Ichbezogenheit, im Trachten nach dem eigenen Wohl. Die anderen sind nur dafür da, das eigene Überleben zu sichern. So erkennen sie nicht mehr, daß der Herr eigentlich hellwach ist. Für sie ist er eingeschlafen.

Damit ist die Gemeinschaft mit Gott aber auch untereinander empfindlich gestört. Sie ist aus ihrem Denken und Empfinden weitgehend verdrängt. Der Herr hat sich von ihnen verabschiedet; sich schlafen gelegt. Und wo ihre Gemeinschaft nur noch aus dem gemeinsamen Kampf ums Überleben besteht, da hat sie als reine Zweckgemeinschaft keine wirkliche Zukunft.

So ist der Bericht über den Sturm auf dem See mehr als die Beschreibung von Menschen, die sowohl in Zeiten der Freude und des Erfolgs als auch in Zeiten der Not und Bedrängnis als Gemeinschaft irgendwie zusammenhalten.

Sicher kommen wir der Sache näher, wenn wir diesen Bericht als Aufforderung verstehen, alles miteinander nun wirklich zu teilen. - Aber auch das würde diesem Bericht noch nicht entsprechen. Denn alles miteinander wirklich zu teilen: Das schaffen wir doch gar nicht. Das halten wir doch gar nicht durch.

"Wer weckt hier eigentlich wen auf?", so haben wir gefragt. - Die Antwort ist klar: Als die Apostel mitten auf dem See sind, da läßt sie Gott von einem Sturm kräftig wachrütteln und nachdem es ganz still geworden war, fragt sie der Herr: "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"

Ohne Glaube, Grundlage der Gemeinschaft mit Gott, gibt es auch unter den Menschen keine dauerhafte Gemeinschaft. Die Erfahrung lehrt, dass wir Menschen das am Ende einfach nicht schaffen. Wir schlafen doch wieder ein, und suchen doch wieder nur unseren Vorteil. - Und am Ende haben wir wieder Angst: Angst vor dem Nächsten; dann auch vor Gott und vor uns selbst.

Gemeinschaft hat viel mit Liebe, mit Nächstenliebe zu tun. Und diese verlangt nach Ewigkeit.

Uns Menschen aber ist es nicht gegeben, in all dem, was seine Zeit hat, in dem Geborenwerden und dem Sterben, in dem Pflanzen und dem Ernten, aus eigener Kraft jene Ewigkeit zu finden, die Gott in sie hineingelegt hat.

Dennoch wünschen wir sie; und in dem Maß wünschen wir sie immer mehr, wie wir uns Gott zuwenden und seine Möglichkeiten wahrnehmen, die durch ihn dann auch wir haben. Er schenkt Gemeinschaft, die von Dauer und kompromißlos ehrlich ist. Unser Stückwerk vermag er zu vollenden; die Zeit des Krieges und die Zeit des Friedens in die tiefere und für immer erfüllende Ewigkeit zu überführen.

Von daher macht es dann wieder Sinn, genauso zu beten, wie die Apostel: "Kümmert es dich nicht, daß wir zugrunde gehen?" - 'Kümmert es dich nicht, dass der Abstand zwischen uns und dir immer noch viel zu groß ist?'

Die alttestamentlichen Psalmen sind großartige Anleitung um zu beten. Somit hat es einen tiefen Sinn, wenn der 44. Psalm dem Beter diese Worte in den Mund legt: "Wach auf, warum schläfst du, o Herr?"

Damit ist nicht mehr das Beten eines Menschen gemeint, der glaubt, Gott würde schlafen. Damit ist vielmehr das Gebet eines Menschen gemeint, der erfahren hat, dass Gott weit mehr schenkt, als man es anfänglich vorstellen und erträumen konnte. - Das ist das Gebet eines Menschen der Gott auf Knien darum bittet, dass doch alle Menschen diese Erfahrung machen.

Ich komme zum Schluß: Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard (1813-1855) war nicht nur einer der größten Denker des 19.Jahrhunderts. Er war auch ein großer Christ. Immer wieder betonte er, man müsse mit ganzem Herzen ("Entweder-Oder") in die Nachfolge Jesu eintreten.

Aus diesem Grund war er auch ein erbitterter Kritiker der dänischen Staatskirche. Er warf ihr vor, satt und verbürgerlicht zu sein und nur noch eine "Professorenreligion" zu verkündigen.

Kierkegaard ist es wichtig, die Gegenwart Gottes im Leben zu fühlen. So schreibt er:

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen ...
Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, daß Beten nicht bloß Schweigen sei, sondern Hören.
So ist es: beten heißt nicht, sich selber reden zu hören, beten heißt, still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.

Fürbitten

Es gibt fünf Fürbitten.

Nach jeder Fürbitte stellen jeweils eine der Abiturientinnen ein Licht auf den Altar als Zeichen der Glaubens an die Verbundenheit mit Gott und untereinander.

Pr.: Ohne Gott hat unser Tun kein Bestand. Unser leben ist dann wie ein Haus, das auf Sand gebaut ist. So wenden wir uns an ihn, Gott unseren Vater, ohne dessen Nähe wir nicht leben können.

Wir bitten Dich Herr: Hilf uns die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, dass wir die gewünschte Erfüllung finden und die erhaltene Freude weiter schenken können. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns
Wir bitten Dich Herr: Lass unser Herz ohne Furcht sein; nimm uns die Angst vor der Ungewissheit. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns
Wir bitten Dich Herr: Halte uns vor Augen, wieviel wir den Menschen zu verdanken haben, die uns bis hierher begleitet haben. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.
Wir bitten Dich Herr: Gib diesen jungen Menschen die Kraft, immer selbstkritisch zu sein und gut gemeinte Ratschläge anzunehmen. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.
Wir bitten Dich Herr: Nimm dich besonders der verstorbenen Lehrer und Schüler unserer Schule an und schenke ihnen deinen ewigen Frieden. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.

Pr.: Gott, dein Erbarmen übertrifft alles, was wir von dir erwarten und anderen erweisen. Hilf uns, dass wir dich nachahmen und uns gemeinschaftlich über deine Lebe erfreuen. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Zweiter Gottesdienst
Geschichte: Beppo, der Straßenkehrer

Beppo, der Straßenkehrer, tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wußte, es war eine sehr notwendige Arbeit. Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.
Schritt - Atemzug - Besenstrich. ..... Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt - Atemzug - Besenstrich.
Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei dem Mädchen Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.
»Siehst du, Momo«, sagte er dann zum Beispiel, »es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.« - Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: »Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. - So darf man es nicht machen.«
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: »Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.« - Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: »Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.« - Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: »Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.«
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: »Das ist wichtig.«

Begrüßung

Für Euch, liebe Abiturientinnen, ist nun tatsächlich der letzte Schultag gekommen. Wir freuen uns mit Euch, dass ihr es geschafft habt. Wir sind auch ein wenig stolz auf Euch.
Wir: Das sind Eure Eltern und Geschwister, Eure Verwandte und Freunde; auch Eure Lehrer. Sie und euch alle möchte ich ganz herzlich begrüßen.

Die Geschichte von Beppo, dem Straßenkehrer, ist euch vom Schulalltag wohl bekannt: Schritt für Schritt, Stunde für Stunde, von Klassenarbeit zu Klassenarbeit; Zwischennoten, Halbjahres- und Versetzungszeugnis. Und jetzt ist es geschafft.

Gemeinsam wollen wir dies nun feiern und uns dabei auch auf Gott, unseren Herrn besinnen, dem wir das alles verdanken.

Wir wollen uns bereiten für diese Feier, indem wir zuerst Gott und damit auch unserem Nächsten um Vergebung bitten.

Vergebungsbitte

Bitten wir Gott, den Herrn, um Vergebung für das Leid, das wir einander antun; daß wir einander vernach1ässigen und vergessen; daß wir einander nicht verstehen und nicht ertragen; daß wir Böses reden und oft von Groll und Bitterkeit erfüllt sind; daß wir nicht vergessen können. Lasset uns beten um Verzeihung für alle Sünden, die die Menschen in ihrer Ohnmacht gegeneinander begehen.
Tagesgebet
Gott. Dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt. Es macht das Leben reich, es stiftet Frieden und Versöhnung. Gib, daß wir es nicht achtlos überhören. Mach uns aufnahmebereit. Bring dein Wort in uns zu hundertfältiger Frucht. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Buch Jesaja (55,8-11)

(8) Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn. (9) So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. (10) Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, (11) so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.
Wort des lebendigen Gottes

Evangelium: Johannes 13,1-17

(1) Es war vor dem Paschafest. Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. (2) Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. (3) Jesus, der wußte, daß ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und daß er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, (4) stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. (5) Dann goß er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. (6) Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? (7) Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. (8) Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. (9) Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. (10) Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. (11) Er wußte nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. (12) Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? (13) Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. (14) Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen. (15) Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. (16) Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr, und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. (17) Selig seid ihr, wenn ihr das wißt und danach handelt.

Predigt

Nach dem ökumenischen Abschlußgottesdienst an eurem letzten Unterrichtstag kam Stephanie auch im Namen anderer mit der Bitte auf mich zu, in der heutigen Abschlußmesse bitte etwas kürzer und nicht so "komplex" zu predigen. Ich habe mir das sehr zu Herzen genommen.

Nicht so komplex: Das heißt auch anschaulicher. Deshalb dieses Bild: Wir sehen einen völlig erstaunten und überraschten, ja fassungslosen Petrus. Er kann es einfach nicht begreifen - noch nicht; am Ende schon -: Er, der Herr und Meister, will auch ihm als Letzem die Füße wäscht.

Versetzen wir uns einmal in das Geschehen: Die Apostel waren bis vor kurzem noch auf der Straße. Sie sind müde und abgekämpft; verschwitzt und barfüßig in ihren Sandalen. - Gewöhnlich geht vor dem Festmahl ein Sklave von einem zum andern und wäscht die Füße. Diesmal verrichtet Christus selbst diesen Dienst.

Als der Herr sich schließlich vor ihm zur Fußwaschung niederknien will, da spricht Petrus aus, was irgendwie wohl alle gedacht haben: Ihre Verwunderung steht ihnen ja noch ins Gesicht geschrieben.

Petrus weigert sich. Er will nicht, dass Jesus ihm die Füße wäscht. Erst auf den gewichtigen Hinweis hin, dass das "Füßewaschen" zur Gemeinschaft mit Jesus notwendig dazu gehört, lässt Petrus sich umstimmen. - Dieser Hinweis Jesu: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keine Gemeinschaft mehr mit mir" lässt die Bedeutung dieser Fußwaschung erahnen.


Um was geht es hier eigentlich?

Petrus sieht den Herrn und Meister zu seinen Füßen knien. Es sind Füße, die nicht immer gradlinig ihren Weg gegangen sind. Füße, mit denen Petrus wahrscheinlich auch manchen Fußtritt ausgeteilt hat. - Ganz so lieb und artig war Petrus ja allemal nicht. Erinnern wir uns an das Ohr, das er bei der Gefangennahme Jesu einem Knecht abgerissen hat!

Die Füße des Petrus sind wirklich schmutzig: Die irdischen Wege haben auf ihnen auch unangenehme Spuren hinterlassen!

Das weiß Petrus genau und er ahnt womöglich schon, worauf der Herr schließlich hinaus will: "Wenn ich, der Meister und Herr, euch die Füße gewaschen habe, müßt auch ihr einander die Füße waschen." - Petrus spürt, wenn er jetzt seine Füße waschen lässt, dann muss er später Gleiches tun: Anderen die Füße waschen.


Anderen die Füße waschen, das ist nicht das "Privileg" bestimmter sozialer Berufe. Das ist Aufgabe aller. Ob ihr, liebe Abiturientinnen, einmal als Rechtsanwältin oder Ärztin, als Designerin oder Software-Spezialisten, als Stewardeß oder Journalistin Karriere macht: Wirklich Erfüllung im Leben erfährt nur, wer bereit ist anderen die Füße zu waschen; wer bereit ist, anderen zu helfen; anderen zu dienen.

Euch werden mit dem Abiturzeugnis überdurchschnittliche Fähigkeiten bescheinigt. Ob ihr es wollt oder nicht: Ihr gehört zur Elite. - Ihr habt mehr Talente mitbekommen und in diesen Jahren entfalten können, als der Durchschnitt unserer Gesellschaft.

Diese Talente werden euch aber nur dann zur wirklichen Freude, sie werden euch nur dann erfüllen, wenn ihr sie in den Dienst aller stellt.
Wer nur den eigenen Vorteil sucht, dem werden seine Talente am Ende nichts nützen; der wird leer ausgehen, vereinsamen und am Ende mit seinen Talenten in eine Widersprüchlichkeit geraten, die er nicht mehr zu entwirren vermag.


Deshalb läßt Jesus Christus sich sehr weit herab. Deshalb nimmt er sich dieser armen und schmutzigen Füße, und damit all dem Niedrigen und Bedürftigen im Menschen an.

Mit diesem Beispiel erklärt er dir und mir: Du sollst dem Nächsten die Füße nicht nur mit ein paar Tropfen Wasser besprengen - du sollst sie ihm richtig und gründlich waschen.

Um an unseren Talenten lebenslang - und darüber hinaus - Freude zu haben, gibt es nur diesen einen Weg: Christus nachahmen; ihm folgen, denn er ist Weg, Wahrheit und Leben.


Gott und den Nächsten liebe ich nur dann, wenn ich mich bücke! - Echte, krisenfeste Liebe beginnt, wo ich vom hohen Roß herunter steige und den anderen ernst nehmen; wo ich nicht mehr aus Eitelkeit handle; wo ich Menschen in Schutz nehmen.

So manche liegen am Boden. Wer sich ihrer annimmt, und dazu muß man sich bücken, und ihrem Leid nicht aus dem Weg geht, der begegnet damit auch Gott.

Ist unsere Welt nicht auch deshalb so gottlos, weil viele sich nicht mehr bücken wollen. - Dadurch verlieren sie am Ende auch ihr eigenes Leben und die Freude daran.


Eure vielfältigen Talente habt ihr von Gott empfangen, um Liebe zu schenken und zu empfangen: Letztlich, um Gottes Liebe allen erfahrbar zu machen. Guter Wille alleine genügt dafür nicht. Auch ein frommer Glaube reicht nicht aus.

Guter Wille und Glaube müssen sich vielmehr mit Sachkompetenz, mit Einfallsreichtum, mit Phantasie und Kreativität verbinden. Dann aber sind wir tatsächlich

in der Lage, diese uns und unseren Talenten anvertraute Welt durch und durch menschlich zu gestalten und damit auch wieder mehr zum Aufenthaltsort Gottes werden zu lassen.


Eigentlich gehört dazu noch ein zweites. Etwas was nicht weniger wichtig ist. Aber da ich mich ja kurz fassen und nicht zu komplex predigen soll, nur ein kurzer Hinweis darauf.


Um anderen die Füße waschen zu können, muss man sich die Füße waschen lassen. Und das ist meist noch viel schwerer.

Petrus leistet Widerstand, denn: Wenn er zulässt, dass der Herr ihm die Füße wäscht, dann gesteht er damit vor sich und den anderen, dass er sich die Füße selber gar nicht waschen kann. Er gesteht damit ein, dass er bei allem gutem Willen doch noch weit hinter dem zurückbleibt, worum der Herr ihn bittet.

"Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege", spricht Gott durch seinen Propheten. "So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken."

Gott bittet uns um mehr, als hier einmal und dort einmal um ein Almosen. Er bittet darum, das "Füße waschen" zu einer beständig Lebenshaltung werden zu lassen. Diesem Anspruch können wir aus eigener Kraft nicht entsprechen. - Deshalb müssen auch wir uns die Füße waschen lassen.


Wer sich die Füße waschen lässt, der gibt zu, daß Hilfe braucht.
Wir tun meist so, als wären wir stabil und heil. Wir spielen die Rolle des Starken, voreinander und vor Gott. Wir tun so, als hätten wir niemanden nötig, der uns die Füße wäscht. - Wenn wir uns da nicht ändern, dann sind wir am Ende nicht in der Lage, anderen wirklich die Füße zu waschen.

Petrus hat diesen Schritt machen können. So wünsche ich Euch und uns allen, dass auch wir diesen doppelten Schritt immer wieder gehen können: sich die Füße waschen lassen und anderen die Füße zu waschen.

Fürbitten

Pr.: Im fürbittenden Gebet tragen wir gemeinsam unsere Zukunft mit unseren Anliegen und Vorstellungen vor Gottes Angesicht.
Wir bitten Dich Herr: Hilf uns die richtigen Entscheidungen im Leben zu treffen, dass wir die gewünschte Erfüllung finden und die erhaltene Freude weiter schenken können. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns
Wir bitten Dich Herr: Lass unser Herz ohne Furcht sein; nimm uns die Angst vor der Ungewissheit. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns
Wir bitten Dich Herr: Halte uns vor Augen, wieviel wir den Menschen zu verdanken haben, die uns bis hierher begleitet haben. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.
Wir bitten Dich Herr: Gib diesen jungen Menschen die Kraft, immer selbstkritisch zu sein und gut gemeinte Ratschläge anzunehmen. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.
Wir bitten Dich Herr: Nimm dich besonders der verstorbenen Lehrer und Schüler unserer Schule an und schenke ihnen deinen ewigen Frieden. – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.
Pr.: Gott, unser Vater, stärke uns und alle, für die wir dich bitten, im Glauben an dein Wort. Durch Christus unseren Herrn.

Dritter Vorschlag
Einstieg / Vergebungsbitte

Es ist gut, sinnvoll und sehr angebracht, zu Beginn einer religiösen Feier still zu werden und sich zu sammeln.
„Herr, sammle die Gedanken, und schick uns deinen Geist." So heißt es in einem Lied. Schick uns deinen Geist, „der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt."

Mit Gottes Geist still werden und sich sammeln: Das führt dazu, dass wir uns innerlich lösen; dass manch eine innere Anspannung dem Vertrauen und einer gottgegründeten und von IHM auch so gewollten Zuversicht weicht. So nimmt man auch Gott wieder wahr: Man kann ihn hören und ihm folgen.

Dann ist es nicht mehr schwer, sich auf der einen Seite über all das zu freuen, was gut ist an uns: Nicht mehr aus falschem Ehrgeiz, sondern dankbar Gott und den Mitmenschen gegenüber;
und auf der anderen Seite ist es dann auch nicht mehr schwer, all das, was nicht gut ist an uns, all das, was uns bedrückt / belastet, was uns nicht gelungen ist oder wo wir versagt haben, genauso einfach vor Gott zu bringen mit der Bitte um Vergebung.

Dazu möchte ich Euch einladen: ...
Denkt jetzt an Eure Stärken, worin ihr gut seid, was euch gelungen ist – und dankt Gott dafür, dass er Euch all dies geschenkt und ermöglicht hat. ...
Denkt jetzt auch an Eure Schwächen, wo ihr versagt habt, gar schuldig geworden seid: bittet Gott, all dies genauso anzunehmen, wie Eure Dankbarkeit – und er wird Eure Schuld an sich und Euch abnehmen.
Beten wir gemeinsam das Schuldbekenntnis: GL 353,4 // Kyrie ...
Tagesgebet
Gott, unser Vater. Wir sind als deine Gemeinde versammelt und rufen dich an: Öffne unser Ohr, damit wir hören und verstehen, was du uns heute sagen willst. Gib uns ein gläubiges Herz, damit unser Beten dir gefällt und unser Leben vor dir bestehen kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Buch Genesis (12,1-9)

(1) Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. (2) Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. (3) Ich will segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. (4) Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte, und mit ihm ging auch Lot. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran fortzog. (5) Abram nahm seine Frau Sarai mit, seinen Neffen Lot und alle ihre Habe, die sie erworben hatten, und die Knechte und Mägde, die sie in Haran gewonnen hatten. Sie wanderten nach Kanaan aus und kamen dort an. (6) Abram zog durch das Land bis zur Stätte von Sichem, bis zur Orakeleiche. Die Kanaaniter waren damals im Land. (7) Der Herr erschien Abram und sprach: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Dort baute er dem Herrn, der ihm erschienen war, einen Altar. (8) Von da brach er auf zum Bergland östlich von Bet-El und schlug sein Zelt so auf, daß er Bet-El im Westen und Ai im Osten hatte. Dort baute er dem Herrn einen Altar und rief den Namen des Herrn an. (9) Dann zog Abram immer weiter, dem Negeb zu.

Evangelium: Matthäus 14,22-33

(22) Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. (23) Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg. (24) Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. (25) In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. (26) Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. (27) Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! (28) Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, daß ich auf dem Wasser zu dir komme. (29) Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. (30) Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! (31) Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (32) Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. (33) Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Predigt

Noch habt ihr Euer Abitur nicht in der Tasche: Deshalb kann ich Euch noch nicht als „liebe Abiturientinnen", sondern ich muss Euch noch mit „liebe Schülerinnen" anreden. Also:

Liebe Schülerinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Ich sage bewusst „wir" und meine damit Schüler wie Lehrer. Ich sage bewusst „wir"; denn wir haben gemeinsam über Jahre, und in den letzten Monaten recht intensiv, auf das Abitur hingearbeitet, das nun unmittelbar bevorsteht. Das spürt man auch in der Anspannung, die jetzt einfach da ist.
Ihr, die Schülerinnen, habt zu kämpften mit dem Lernstoff, den Aufzeichnungen und Ringbuchmappen und vielleicht auch mit der Nervosität – und man muss sich da schon mal sagen: „Bleib cool – vor allem jetzt ganz ruhig – nur keine Panik".
Auch für uns Lehrer ist das Abitur immer etwas besonderes und auch als Lehrer setzt man sich jetzt besonders ein. Man versucht, zum Wohl der Schüler, alles aus ihnen herauszuholen; überlegt hin und her, ob die Aufgabe auch so formuliert ist, dass sie weder über- noch unterfordert und der Schülerin alle Möglichkeiten bietet, ihr Wissen und ihre Fähigkeit unter Beweis zu stellen. ....
Gemeinsam verbindet uns jetzt die Hoffnung, dass es keine böse Überraschungen gibt und alle Prüfungen – und überhaupt das gesamte Abitur – so verläuft, wie man es mit einer guten Portion Nüchternheit und gesundem Einschätzungsvermögen erwarten und erhoffen kann.

Da ist es gut, wenn wir uns an Eurem letzten Schultag noch einmal an diesem Ort versammeln, und gemeinsam an das denken, was jetzt noch vor uns liegt. An diesem Ort, wo der Herr besonders zugegen ist; wo er uns noch einmal besonders stärken und Mut machen möchte.
Davon handeln ja auch die Schriftlesungen, die wir gerade gehört haben. Biblische Erzählungen und Berichte, die auch mit unserem Leben zu tun haben. Sie sind und bleiben aktuell, und Gott möchte durch sie zu allen Zeiten uns Menschen wichtiges sagen. Gleich mehr dazu.

Für eine gute Besinnung ist es wichtig, nicht nur an das zu denken, was vor einem liegt. Wer seine Besinnung darauf beschränkt, wird leicht „kurzsichtig". Der übersieht vieles und nimmt nicht richtig wahr, was einen alles für die Zukunft zuversichtlich stimmen kann.

So möchte ich Euren Blick zuerst einmal in die Vergangenheit lenken. ... Denkt einmal zurück, an die letzen Jahre. ... Wenn Ihr wollt: Schließt Eure Augen und geht noch einmal in Gedanken Euren damals gewohnten Weg in die Klasse fünf nach ... sucht Euren alten Platz auf; nehmt den kleinen Stuhl zurück und setzt Euch mitten hinein in die Schar der Fünfklässler ....
Damals: Ja, wie war das. ... Da kamt ihr, klein und süß, mit großen Augen, mit Respekt vor den vielen Lehrern und auch mit viel Respekt vor den großen und erwachsenen Damen aus der Klasse 12 und 13. Heute seid Ihr es selber, die großen und erwachsenen Damen.
Neuen Jahre liegen dazwischen. Das ist schon ein längerer Lebensabschnitt. Der geht nun zu Ende.
Ihr seid diesen Weg gegangen; Ihr habt vieles auf diesem Weg gelernt und erlebt: Ihr habt Euch prächtig dabei entfaltet: Aus der „Kleinen" und „Süßen" der Klasse fünf ist eine junge und erwachsene Frau geworden. Es ist Euer Weg, der Euch manchen Erfolg beschert hat; auf dem ihr zugleich manche Träne vergossen habt. Das alles liegt hinter Euch.

Die meisten von Euch sind gläubige Menschen.
Wenn ihr es recht bedenkt: Ihr seid diesen Weg nicht alleine gegangen.
Wenn ihr es recht bedenkt: Vieles war nicht nur Euer Verdienst.
Wenn ihr es recht bedenkt: Nicht nur Eltern und Lehrern, Gott selber war Euch in all den Jahren vor allem ein wohlwollender Gott und Vater.

Wenn man in dieser Weise zurückschaut, dann kann man mit Zuversicht nach vorne schauen. Diese Art von Rückschau öffnet Perspektiven: Hat Gott sich nicht sehr großzügig im Leben einer jeden Einzelnen von Euch erwiesen? – Hat er es nicht?
Und wenn er sich so großzügig erwiesen hat, dann wird er es auch in Zukunft tun; Ihr – und wir alle – wir müssen ihn nur hineinnehmen in unser Leben. Wir müssen regelmäßig bedenken, dass wir alles, was wir sind und haben, zuerst einmal ihm verdanken, und dann auch diesem Glauben entsprechend leben.
Auch als Lehrer lernt man ja beständig – etwa: bei Schülern nachzufragen, ob sie auch alles verstanden haben. Erlaubt mir deshalb, hier noch einmal nachzufragen: Habt Ihr verstanden, was das heißt, dass wir alles, was wir sind und haben, zuerst einmal Gott verdanken, und dann auch entsprechend diesem Glauben und dieser existentiellen Beziehung, die da besteht, unser Leben gestalten?

Religionsunterricht in der Schule ist nicht unbedingt das wichtigste Fach: Aber das, worum es da geht: Das ist das Wichtigste; das ist lebensentscheidend; das entscheidet über Leben und Tod. – Und deshalb meine Nachfrage: Habt Ihr verstanden, was das heißt, dass wir alles, was wir sind und haben, zuerst einmal Gott verdanken und deshalb ganz und umfassend gemäß dieser existentiellen Beziehung leben?

Vor diesem Hintergrund werden die beiden Schrifttexte ganz aktuell:
Der Herr sprach zu Abram – noch heißt er nicht Abraham, diesen Namen gibt ihm Gott erst später, weil er Gott vertraut, ihm uneingeschränkt geglaubt hatte ... Der Herr sprach also zu Abram: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde."

Gott sagt ihm nicht, "zieh in das Land, in dem Milch und Honig fließt"; er verspricht keine glänzende Karriere, kein leichtes Leben;
er sagt auch nicht: "in das Land Kanaan", er nennt keinen Namen,
er sagt nicht: "... geh an die Albertus Magnus Universität in Köln", oder "... geh in das Lehramt" oder " in die freie Wirtschaft" nein, es bleibt einfach bei dem: "geh in ein Land, das ich dir zeigen will" ...
das heißt doch: "Lass dich überraschen", .... "brich erst einmal auf, und dann werden wir gemeinsam gehen."

Der Weg ist nicht vorgezeichnet für Abraham.
Es mag ja sein, dass einige von Euch bereits ganz konkrete Perspektiven haben. Aber auch dann muss man offen bleiben können für Überraschungen ...
"... in ein Land, das ich dir zeigen will", sagt Gott, und nicht: "in das Land, das du dir vorstellst."
Bei aller Planung sollten wir Menschen immer ganz offen bleiben für Gottes Pläne mit uns. Gottes Pläne sind größer als unsere Vorstellungen. Es ist ein schönes Wagnis, sich darauf einzulassen und sich dem zu öffnen.

Da bleibt wohl immer ein Stück Ungewissheit, aber zugleich gibt Gott ein Versprechen: „in ein Land, das ich dir zeigen werde".
Das heißt doch: „Du wirst nicht orientierungslos bleiben". Es wird Wegzeichen geben, Landmarken, und es gibt ein Ziel!
Gott zieht sich nicht zurück aus Eurem Leben, auch wenn nun das wichtigste Unterrichtsfach, der Religionsunterricht, wegfällt ...
Hört auch in Zukunft auf Gottes Wort; erbittet seine Gnade, um die Zeichen und Wegmarkierungen zu erkennen, die er euch schicken wird.
Dann seid auch Ihr in der Lage sein, das Land zu finden, das Gott Euch zeigen will.

„Abram glaubte Gott." Viel mehr als seinen Glauben hatte er nicht, als er aufbrach. Keine Rückversicherung, nichts Konkretes in der Hand, keine Landkarte, keinen Reiseprospekt. ... Er hat sich von Gott tragen und führen lassen.


Die zweite Schriftlesung erzählt uns von Petrus. Nach dem ersten Schrecken über Jesus, der übe den See daherkommt, fasst Petrus Vertrauen. – Er weiß genau, dass er nicht gut schwimmen kann; und er weiß genau, dass ihn das Wasser gar nicht zu tragen vermag.
Als er aber erkennt, dass es der Herr ist, sagt er: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, daß ich auf dem Wasser zu dir komme." Darauf sagt ihm Jesus schlicht und einfach nur: „Komm!"

„Komm!" Das sagt er auch Dir und mir. Komm!"
Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. – Petrus geht über das Wasser. – Das ist heute nicht anders. Wie den Petrus läst er auch Dich über das Wasser gehen, wenn Du Dich genauso an ihn wendest.
Erst als Petrus nicht mehr auf den Herrn, sondern auf die Wellen schaut und sich über den Sturm Sorgen macht, beginnt er unterzugehen.
Führerschein: Wer von der Straße abkommt, soll bitte nicht den Baum fixieren, auf den er zufährt; sondern auf die Straße, und wie von selber folgen alle Bewegungen dieser Richtung ...
Das tut Petrus dann ja auch in letzter Sekunde: „Herr, rette mich!"
Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Damit möchte ich meine Predigt eigentlich schon beenden:
Seid nicht kleingläubig.

Vierter Vorschlag: Wir folgen unserem eigenen Stern
Begrüßung

Das Wort des Psalmisten passt gut in diese Stunde: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten."
Ihr habt mit mancherlei Tränen gesät. Die monatelange Vorbereitung und die vielen Prüfungen waren anstrengend. Von euch wurde viel verlangt. – Aber jetzt erntet Ihr mit Jubel. Man sieht Euch an, dass Ihr froh, dankbar und erleichtert seid. ... Ihr habt's geschafft; Ihr seid am Ziel.
So möchte ich Euch, liebe Abiturientinnen, wie auch Sie, die Angehörigen, und alle Lehrer ganz herzlich zu diesem Abschlussgottesdienst begrüßen.
Was bis vor zwei oder drei Wochen war, ist zwar nicht vergessen, aber es liegt nun endgültig hinter Euch. Gott sei es gedankt. ... An erster Stelle gratulieren wir Euch. ... Ihr habt den angenehmen Platz in der Mitte aller Aufmerksamkeit redlich verdient.
An zweiter Stelle gratulieren wir aber auch Euren Eltern und Angehörigen. Mit Euren abiturbedingten Höhen und Tiefen habt Ihr sie ja wiederholt ganz schön in Anspruch genommen. ... So verdienen auch sie jetzt „mit Jubel zu ernten". – Für uns Lehrer gilt wohl ähnliches.
Wir alle haben mit Euch gelernt und gearbeitet, ... gebangt, gehofft, getröstet und ermutigt – und jetzt freuen wir uns und wollen mit euch feiern.
Die Feier beginnt in der Schulkapelle. – Das ist nicht einfach fromme Tradition, Relikt aus besseren und religiös geprägten Zeiten ... sondern nüchterner Realismus: Es gäbe keine Welt ohne Gott. Niemand würde säen und niemand ernten.
Viele von Euch haben vor den Prüfungen gebetet, ein Kerzchen aufgestellt, und dem lieben Gott vielleicht auch manches versprochen. – Nach den bestanden Prüfungen wollen wir das Beten nicht wieder vergessen, und uns bei Gott bedanken.
Euer Leitgedanke „Wir folgen unserem eigenen Stern" geht auf den Weltjugendtag, genauer auf die Heiligen Drei Könige zurück. ... „Der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen." (Lk 2,10)
Aus Eurem Stern ist optisch zwar ein Mercedes-Stern geworden. Das ändert aber nichts an Eurer ursprünglichen Intention. Ihr wollt Eurem Stern folgen. Ihr wollt Euren unwiederholbaren und einmaligen Weg gehen.
Hier gilt ähnliches: Ohne Gott geht das gar nicht. ... Ohne das Gebet, die Freundschaft und den Umgang mit Gott, würde der eigene Stern zunehmend seine Licht, seine strahlende Kraft verlieren. Ohne Gott würde unser Stern zu einem Irrlicht werden. ... Ohne den Herrn findet niemand seinen Weg.
Bringen wir auch dieses Anliegen, diese nüchterne Wirklichkeit, vor Gott, den Herrn. – Vertrauen wir uns ihm an.
Wir erfahren seine Gegenwart, und dass er uns annimmt und liebt, wenn wir Gott um Gnade und Erbarmen für unsere Verfehlungen und um die Kraft zum rechten Tun bitten.

Kyrie

Herr Jesus Christus, du kennst unsere Stärken; unsere Ziele, Hoffnungen und Wünsche. Du kennst unserer Freude, aber auch unserer Not und unsere Schwäche.
Herr, erbarme dich (singen)
Du liebst uns bedingungslos und ohne Vorleistung. Du willst nicht, dass wir Dir zuerst etwas beweisen. – Zugleich bist Du nicht wie ein „alter Großvater", dem alles egal ist. Du kennst unsere Schuld und nimmst uns dennoch an.
Christus, erbarme dich (singen)
Du führst in das Land der Freiheit. Du befreist von jeder Ungerechtigkeit; von Neid, Eifersucht, triebhafter Sinnlichkeit, Stolz und Eitelkeit. – Stärke unseren Glauben daran und erneuere unsere Bereitschaft, danach zu leben und Deine Gerechtigkeit zu erstreiten.
Herr, erbarme dich (singen)
Pr.: Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben. AMEN

Lesung: Jesus Sirach 1,1-10

  1. Alle Weisheit stammt vom Herrn, und ewig ist sie bei ihm.
  2. Den Sand des Meeres, die Tropfen des Regens und die Tage der Vorzeit, wer hat sie gezählt?
  3. Die Höhe des Himmels, die Breite der Erde und die Tiefe des Meeres, wer hat sie gemessen?
  4. Früher als sie alle ist die Weisheit erschaffen, von Ewigkeit her die verständige Einsicht.
  5. Die Wurzel der Weisheit – wem wurde sie enthüllt, ihre Pläne – wer hat sie durchschaut?
  6. Nur einer ist weise, höchst ehrfurchtgebietend: der auf seinem Thron sitzt, der Herr.
  7. Er hat sie geschaffen, geschaut und gezählt, sie ausgegossen über all seine Werke.
  8. Den Menschen ist sie unterschiedlich zugeteilt; er spendet sie denen, die ihn fürchten.
    Wort des lebendigen Gottes

Psalm 23, 1-6: Der gute Hirt

(1) Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
(2) Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
KV: Laudate omnes gentes
(3) Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
(4) Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
KV: Laudate omnes gentes
(5) Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
(6) Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Evangelium: Joh 14, 1-6

(1) Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! (2) Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? (3) Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. (4) Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. (5) Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen? (6) Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Predigt

„Ich bin der Weg", „Ich bin die Wahrhet" und „Ich bin das Leben"
Das sind unerhörte Behauptungen!
Machen wir uns das einmal auf diese Weise klar: Da steht jemand mitten auf der „Kö" und lässt solche Sprüche los.
„Lauft nicht achtlos an mir vorbei", sagt er. "Bleibt stehen; denn: 'Ich bin die Wahrheit'".
Und dann erklärt er laut und vernehmlich: „Ihr sucht doch alle nach dem richtigen Weg. ... Kommt zu mir. Ich zeige ihn euch. 'Ich bin der Weg.' Ich bin der einzig richtige Weg."
Mit aller Seelenruhe behauptet dieser 'Prediger': „Ihr habt doch so viele Fragen, die Euch beschäftigen. ... Nicht nur ‚Lifestyle' oder ‚Beauty'; ... 'Wellness' oder ‚Welcher Partner passt zu mir?' ... Ihr habt doch noch so viele andere lebenswichtige Fragen Auf alle diese Fragen habe ich die richtige Antworten. ... Ich selber bin die Antwort; denn: ‚Ich bin das Leben'."

Nun: Wir sind hier nicht auf der Kö, sondern in der Kirche. Das ist sicher ein Unterschied. ...
Auf der Kö wären wir warscheinlich achtlos an diesem Spinner vorbei gegangen. Vielleicht würden wir aus Barmherizigkeit noch zum Handy greifen, die Feuerwehr oder Polizei anrufen, damit der armen Kerl in der Psychatrie versorgt wird.
Aber wie ist das hier, im Haus Gottes? Uns wurde gerade in aller Feierlichkeit diese unerhörte Behauptungen vorgetragen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben."
Ich möchte einmal liebevoll aber doch provozierend fragen: Wie habt Ihr diese Worte gerade gehört? Wie sie aufgenommen? Was habt ihr dabei gedacht?
Hast Du diese Worte gehört nach dem Motto: "Na ja, fromme Sprüche, kenn ich schon?"
Oder hast du sie wahrgenommen in der Haltung derer, die sagen: "Eigentlich glaub ich ja schon. Aber Vorsicht. Wenn der liebe Gott ans Eingemachte geht, wenn er den tiefsten Kern deiner Person anrührt, dann musst du womöglich etwas ändern; deinen Lebenstil korrigieren, etwas aufgeben, von dir etwas abverlangen. – Pass also auf, höre im entscheidenden Augenblick nicht so genau hin. Lass das mal für später, wenn du älter bist. Dann kann man ja auch wieder in die Kirche gehen. Haben doch andere vor mir genauso gemacht. – Jetzt gibt es einfach noch so vieles andere, was mir wichtiger ist."
Andere haben diese Worte dankbar und gläubig aufgenommen. Und sie sind sich des Anspruches durchaus bewußt, den Jesus Christus als Sohn Gottes hier erhebt.
"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Das ist ein hoher und fordender Anspruch. Zugleich ist es ein Anspruch, der zum Segen wird, wenn man sich diesem Anspruch stellt.
Der Herr sagt es indirekt: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich." Damit meint der Herr unter anderem: Wer an Gott glaubt, sich ihm anvertraut, der findet nicht nur ihn, Gott, den Herrn. ... Er findet darüber hinaus sich selber.
Das ist ein wichtiges Thema. Und es hat mit Eurem Motto zu tun: "Wir folgen unserem eigenen Stern."

Um sich diesem Thema zu nähern, möchte ich mit Euch einen ganz einfachen und kurzen Weg zurück in die Vergangeheit gehen.
Denkt doch einmal zurück an die Zeit, die ihr bereits Eurem Stern gefolgt seid. – Ich beschränke mich jetzt auf Eure Zeit hier am Gymnasium.
Erinnert Ihr Euch noch an die Klasse fünf und sechs? – Das waren die süssen Jahre. Da gab es zwar auch schon mal Ärger und Streit, aber auf das Ganze betrachtet war die Welt in Ordnung; und auch der liebe Gott hatte seinen festen Platz.
Dann kamen die etwas schwierigeren, die unbeständigen und wechselhaften Jahre: Da ward ihr wiederholt wie ein Kaktus, der aufbegehrt, alles anders machen will, seine Stacheln zeigt, und doch zugleich auf eine herzliche und hilfreiche Umarmung hofft – was angesichts der Stacheln dann ein echtes Kunststück ist.
Im Nachherein könnt Ihr diese Zeit viel besser als ich beschreiben.
Und dann haben die reifen Jahre begonnen, die dauern noch an und sind noch lange nicht zu Ende. Ihr habt euch neu sortiert, seid weiterhin dabei und nun, mit dem Abitur, in eine neue Orientierungsphase getreten.

Es ist schön, wenn man in der Rückschau die Hand Gotes und seine Gegenwart im eigenen Leben sehen und wahrnehmen kann. Wem das schwer fällt, dem rate ich:
Bitte und bete.
Bitte Gott um die Gnade, seine führende Hand, seine liebevolle Nähe wahrnehmen zu können. Denn "wer bittet, der empfängt, wer sucht, der findet, wer anklopft, dem wird geöffnet."
Warum ist das wichtig? ... Weil man den eigenen Stern nur dann sehen und ihm nur dann folgen kann, wen er nicht isoliert und alleine, sondern in seiner engen Verbundenheit mit Gott erkannt und wahrgenommen wird.

Es gibt hier nämlich am Ende nur diese zwie Alternativen, auf die sich alle anderen reduzieren ließen.
Erste, und zugleich trostlose Alternative: Der Mensch ist in letzter Hinsicht ein Zufallsprodukt. Er ist nicht eigentlich gewollt und geliebt, sondern zufällig und ohne Plan auf dieser Welt. – Dann hätte der Mensch am Ende auch keinen eigenen Stern.
So beliebig, austauschbar und willkürlich bei dieser Alternative der Mensch wäre, so beliebig, austauschbar und willkürlich wäre dann auch sein Stern.
Zweite Alternative: Der Mensch ist von Gott gewollt, geliebt und mit Absicht ins Dasein gerufen. Mit der Absicht nämlich, seinen eigenen Stern zu finden, ihm zu folgen, und am Ende seiner Reise, weil dieser Stern ihn nämlich zu Gott führt, bis in alle Ewigkeit, in Gottes Einmaligkeit aufgenommen, unübertreffbar glücklich zu sein

Mit dieser Alternative, so sinnvoll sie ist, haben einige Probleme.
Sie verstehen nicht, warum gerade das mein eigener Stern sein soll, den Gott mir vorgibt. Warum gerade das mein Stern sein soll, der u.a. die 10 Gebote berücksichtigt.
Warum kann kein anderer mein eigener Stern sein? Warum nicht der Stern, den ich mir selber aussuche, für den ich mich entscheiden, frei und selbstbewusst, autonom und unabhängig – und aus dem ich die Gebote herauslöse, die ich nicht nachvollziehen kann.
Antwort: Ein solcher Stern ist ein Irrlicht. Ein solcher Stern propagiert eine Freiheit und Selbstbestimmung, die den Menschen zerstört.
Freiheit und Selbstbestimmung setzen Bindung voraus: Die Bindung an die Wahrheit, vor allem an die Wahrheit über den Menschen.
Freiheit und Selbstbestimmung ohne diese Wahrheit führt in Anarchie und Chaos. Echte Spontaneität ist dann nicht mehr möglich, auch keine Kreativität mehr und und keine Entfaltung.

Mit Worten von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI möchte ich Euch sagen. "Habt keine Angst. Öffnet, ja stoßt die Türen weit auf für Cristus."
Ich zitiere Papst Benedikt XVI, der sich in seiner Antrittpredigt auf seinen Vorgänger bezog. Benedikt XVI sagte:
"Der Papst sprach zu den Starken, zu den Mächtigen der Welt, die Angst hatten, Christus könnte ihnen etwas von ihrer Macht wegnehmen, wenn sie ihn einlassen und die Freiheit zum Glauben geben würden.
Ja, er würde ihnen schon etwas wegnehmen: die Herrschaft der Korruption, der Rechtsbeugung, der Willkür. Aber er würde nichts wegnehmen von dem, was zur Freiheit des Menschen, zu seiner Würde, zum Aufbau einer rechten Gesellschaft gehört.
Und der Papst sprach zu den Menschen, besonders zu den jungen Menschen.
Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz herein lassen, uns ihm ganz öffnen, es könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben? Müssen wir dann nicht auf so vieles verzichten, was das Leben erst so richtig schön macht? Würden wir nicht eingeengt und unfrei?
Und wiederum wollte der Papst sagen: Nein. Wer Christus einläßt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht.
Erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist." (Predigt des Heiligen Vaters, Papst Benedkit XVI., auf dem Petersplatz, zur Amtseinführung am Sonntag, 24. April 2005)

Ich habe diesen Worten nichts hinzu zu fügen.

Euch, die Ihr zu Recht eurem eigenen Stern folgen möchtet, will ich mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung auch des eigenen Lebens zum Abschluss noch einmal mit Worten, die Papst Benedikt mit Papst Johannes Paul II. besonders an die Jugend gerichtet hat, sagen:
"Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Öffnet, ja stoßt die Türen weit auf für Cristus (Aprite, spalancate le porte per Cristo) – dann findet Ihr das wirkliche Leben." Und ich ergänze: Dann findet Ihr Euren eigenen Stern.
Amen

Fürbitten

Pr.: Herr Jesus Christus: Du nennst uns nicht Knechte, sondern Freunde. Darum beten wir voll Vertrauen:
Auch ein Weg von tausend Meilen beginnt immer mit einem ersten Schritt.
Herr Jesus Christus: Lasst uns jeden Tag neu aufbrechen und das Gute und das Wahre suchen. Stärke unser Vertrauen, dass Du die vielen ersten Schritte zu einem wunderbaren Weg zusammenfügen wirst.
Alle: Herr, stärke uns im Glauben
Aus Steinen, die im Weg liegen, kannt man auch etwas Schönes bauen.
Herr Jesus Christus: Gib uns Kraft in schweren Zeiten. Stärke unser Vertrauen, dass sich mit Dir am Ende immer alles zum Guten wenden wird.
Alle: Herr, stärke uns im Glauben
Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Willst Du aber weit gehen, geh mit anderen.
Herr Jesus Christus: Glücklich wird man nur mit anderen; nie allein. Befreie uns von der Versuchung, Mittelpunt sein zu wollen. Lass uns erkennen, wo Hilfe gebraucht wird und lass uns einfach und bescheiden bleiben. Denn nur so haben wir die Chance, in wirksamer Hilfsbereitschaft zum Segen für viele zu werden.
Alle: Herr, stärke uns im Glauben
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen." (Koh 3, 1-2)
Mitten im Abitur starb die Mutter von Caro. – Herr: Schenke ihr die ewige Freude bei Dir. Gib ihr zurück, was sie für Caro und [NN: ], für ihren Mann und für viele andere getan hat. – Lass auch uns aus dem Glauben leben, dass wir am Ende der Zeit mit allen Verstorbenen auferstehen, und in der Freude des Wiedersehens bis in alle Ewigkeit bei Dir sein werden.
Alle: Bestärke uns im Glauben
Pr.: Du, Herr, hast gesagt: „Wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet." (Mt 7,8) – Höre das Gebet deiner Gemeinde. Schenke ihr und der ganzen Welt deinen Frieden und Deine Gerechtigkeit. Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. – A: Amen.

Gabengebet

Vater im Himmel, in deinem Sohn ist der Welt das Licht aufgeleuchtet, dass unserem irdischen Leben den Weg weist. Lass uns in der Feier seines Opfers das göttliche Leben empfangen, damit wir selbst Licht werden für die Welt. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Besinnung nach der Kommunion: Auf dem Weg sein ...

Auf dem Weg sein, * woher weiß ich, ob es der richtige Weg ist? * Entscheidungen des Lebens als Kreuzungen * - * Entscheide ich mich richtig? * Zeigst du mir den Weg? * Wer wird mich begleiten? * Sind meine Freunde wahre Freunde? * Wohin wird mich mein Weg führen?
Gott, * öffne mir die Augen * und lass mich den Weg erkennen, * den du mir zeigst. * Öffne mir die Ohren * für die wirklich wichtigen Dinge * in meinem Leben. * Öffne meinen Mund, * damit ich immer wieder * ein Wort des Dankes sprechen kann.

Schlußgebet

Allmächtiger Gott, in dieser Feier hast du uns an deinem göttlichen Leben Anteil geschenkt. Laß uns niemals von dir getrennt werden, sondern bewahre uns in deiner Liebe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Fünfter Vorschlag
Eröffnung

Wir wollen diese Abschlussfeier beginnen: „Im Namen des Vaters ...
Es ist gut, sich in diesem schönen Augenblick auf Eurem Lebensweg zuerst an den zu wenden, dem wir das alles in besonderer Weise verdanken:
Jetzt gleich, die bevorstehende Abschlussfeier ...
Vor allem, die Entgegennahme der Zeugnisses, die euch viele Möglichkeiten für die Zukunft eröffnen.
Ja: Wir verdanken Gott unser Leben; wir verdanken ihm all das, was wir sind und haben, und auch das, was wir bislang erreichen konnten.
So möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen: Schüler, Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte – und die Kollegen. .... Wir wollen wir uns freuen über Ihn, den Herr, und ihm dankbar sein.
Aber wir sollten zu Beginn auch innehalten und einmal zurück blicken:
Wie ist das denn eigentlich ... ?
Wie ist das denn eigentlich mit meinem Leben ... und mit ihm?
Wo kommt er vor, in meinem Leben?
Welche Bedeutung hat er für mich?
Nehme ich ihn wahr?

Einstimmung

Zur Einstimmung habt Ihr Euch für einige Gedanken entschieden, die ihr uns vortragen wollte. .... Gedanken, die uns vor Augen führen, wie Gott nach dem Zeugnis der Hl. Schrift Menschen durch das Leben führt und sie begleitet. – Die Rede ist von Abraham.

Gott geht den Weg mit seinem Volk Geht Gott seinen Weg auch mit mir?
Abraham ist der Stammvater des Volkes Gottes. Er ist auch Stammvater unseres Glaubens.
Gott rief Abraham zu sich und gab ihm den Auftrag, alles zurück zu lassen und sich von ihm in ein fremdes Land führen zu lassen. Abraham vertraute Gott und folgte ihm auf diesen Weg.
So ließ Gott Abraham zu einem Volk werden und sein Segen war mit ihm. Und Gott rettete sein Volk immer wieder aus der Hand derer, die es unterdrückten. Er ging den Weg mit seinem Volk und führte es: tagsüber als Rauchsäule, nachts als Feuerssäule
Um für anhaltenden Frieden zu sorgen, gab Gott seinem Volk die 10 Gebote, mit deren Hilfe sie in der Lage sein sollten, sich gegen Unterdrückung und Knechtschaft zu wehren. Das will sagen: Wenn du dich an diese Weisungen hältst, wirst du in Frieden und Freiheit leben.
In Gottes Namen verkündeten Propheten diese frohe Botschaft, die die Menschen bis heute stärkt und ermutigt.
Zuletzt sandte Gott seinen Sohn, Jesus Christus, der den Weg der Menschen ging. Der den Weg mit den Menschen ging.

Kyrie

Es folgt nun das Kyrie; das „Herr, erbarme dich ..." – Vor jedem „Herr, erbarme dich ..." gibt es eine Frage. – Die Frage habt Ihr euch überlegt; sie geht auf euch zurück. – Ich rege an, nach jeder Frage einen kurzen Moment schweigend innezuhalten ... und erst dann den Herrn um seine Gnade, um sein Erbarmen zu bitten.

Auch wir sind auf dem Weg. * Auch wir brechen auf wie Abraham und machen uns jetzt auf einen neuen Weg.
Sind wir bereit wie Abraham uns von Gott ansprechen zu lassen?
Herr, erbarme dich! / A.: Herr, erbarme dich!
Suchen wir Ruhe und nehmen wir uns Zeit auf diesem Weg, um auf Gottes Wort zu hören?
Christus erbarme dich! / A.: Christus erbarme dich!
Lassen wir es zu, dass Gott uns auf unserem Weg begleitet?
Herr, erbarme dich! / A.: Herr, erbarme dich!

Pr.: Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er lasse uns die Sünden nach – all, das, was uns von ihm trennt, was zwischen ihm und uns steht – und er führe uns zum ewigen Leben. Amen

Lesung: Psalm 23

[Ein Psalm Davids.]

  1. Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
  2. Er läßt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
  3. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
  4. Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
  5. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
  6. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.
    Wort des lebendigen Gottes

Evangelium: Lukas 24,13-35

(13) Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. (14) Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. (15) Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. (16) Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie ihn nicht erkannten. (17) Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, (18) und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, daß du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? (19) Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. (20) Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. (21) Wir aber hatten gehofft, daß er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. (22) Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, (23) fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. (24) Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. (25) Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. (26) Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? (27) Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. (28) So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, (29) aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. (30) Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. (31) Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. (32) Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß? (33) Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. (34) Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. (35) Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Predigt

Im Unterschied zu den beiden, die da von Jerusalem nach Emmaus unterwegs waren, sind wir heute nicht traurig, sondern überaus glücklich und froh. Das unterscheidet uns von ihnen.
Ihr, die ihr eure Abschlussprüfung gemeistert habt, seid froh und überglücklich ... genauso eure Eltern oder Freunde. Sie haben ja wahrscheinlich nicht nur in irgendeiner Kirche ein Kerzchen dafür angezündet, dass alles gut läuft. Sie haben sicher auch viel Verständnis für die prüfungsgestressten Töchter und Freundinnen aufgebracht, Sie ermutigt, getröstet, vielleicht auch zusammen mit ihnen gelernt und dann dem Prüfungsergebnis entgegengefiebert.
Auch wir Lehrer freuen uns. An eurem Erfolg sind eure Lehrer ja nicht ganz unbeteiligt. Sie haben sich wiederholt und oft sehr darum bemüht, für euch ihr Bestes zu geben.

Zwei Jahre an dieser Schule liegen nun hinter euch. ... Vielleicht denkt ihr jetzt zurück an den Tag, an dem ihr euch hier angemeldet habt; an all das Überlegen vorher: Mache ich diese Ausbildung noch? Hier an dieser Schule oder einer anderen? Sollte ich nicht besser einen anderen Weg einschlagen? ...
Und dann die zwei Jahre hier an dieser Schule: Mit allen Höhen und Tiefen – mit interessanten Stunden und mit anderen, die einen nicht angesprochen haben ... an den Triumph in der einen Klausur die Ernüchterung in der folgenden ...
All das liegt hinter euch. – Ihr habt es geschafft. – Ihr könnt aufatmen und dürft stolz auf euch sein.

Sehr bald – vielleicht ist das bei einigen schon geschehen – werdet ihr neue Weichen stellen. Viele von Euch sind noch nicht am Ziel ihrer Ausbildung und erhofften Berufsqualifikation.
Ich will schon einen Blick in die Zukunft richten. Aber nur kurz – und ganz eng bezogen auf das heutige Evangelium.

Die beiden Emmaus waren traurig. Sie waren enttäuscht. Ihre Hoffnungen und Wünsche waren scheinbar auf Sand gebaut. Sie sind scheinbar nicht in Erfüllung gegangen. Deshalb brachen sie von Jerusalem nach Emmaus auf, um weit weg von Jerusalem, dem Ort scheinbarer Niederlage, neu zu beginnen – und alles bisher da gewesene zu vergessen.
Ihre Traurigkeit und unsere Freude: Das unterscheidet uns. Wir sagten es zu Beginn. ..... Auch wenn uns das unterscheidet, dann verbindet uns mit ihnen, mit den beiden Emmaus - Jüngern aber partielle Blindheit.
Ich behaupte das ganz schlicht, ganz einfach aber auch ganz direkt. – Wir Menschen – und ich möchte keinen davon ausschließen; auch nicht mich selber – wir sind leider viel zu oft zumindest teilweise blind. – Unsere Seele ist befallen vom grauen Star.
Ich bin kein Arzt: Aber aus Erzählungen und anderem weiß man: Wenn der graue Star die Augenlinse befällt, dann trübt die sich immer mehr ein. Anfangs sind nur kleine Flächen grau und trüb. Aber diese Flächen werden immer größer, verbinden sich ... Irgendwann bleiben nur noch einige Löcher durchsichtig, durch die man noch eine Zeit lang hindurch schauen kann – bis auch diese letzten „Gucklöcher" sich schließen und der graue Schleier des Augenstars der Sehfähigkeit endgültig ein Ende macht.
Unsere Seele ist befallen vom grauen Star; oder zumindest gefährdet. – Das ist keine Unterstellung oder Anschuldigung: Das ist eine Feststellung.
Deshalb bringen wir die neugeborenen Kinder zur Taufe: Damit dieser Schleier in diesem Bad – denn die Taufe ist ein wirkliches Bad – genommen wird. Deshalb bitten wir um die Sakramente: Sie sind Vorsorge und Arznei zugleich, die uns vor dem grauen Star der Seele bewahren.

Eines ist klar: Wenn man Gott in seinem Leben nicht mehr wahrnimmt, dann nimmt man auch die Realität nicht mehr wirklich wahr. Man kann zwar viele Einzelheiten weiterhin ganz genau analysieren und wahrnehmen – aber nicht mehr das Ganze: Das Ganze unseres Leben wird dann abgekoppelt vom Quell, vom Licht des Lebens.

Manchmal sind Schicksalsschläge wertvolle und heilsame Auslöser, Gott im eigenen Leben wieder wahr zu nehmen.

Aber der heutige Tag ist kein Schicksalsschlag: Er ist ein froher, ein schöner Tag. Da ist man geneigt zu singen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute ..."
Aber so ein Tag, kann ebenfalls ein guter und wertvoller Auslöser sein, Gott im eigenen Leben wieder richtig wahr zu nehmen.
Ihr habt die Schule abgeschlossen und ihr seid mit ihr im guten Sinn des Wortes fertig. Deshalb bekommt ihr ja keine Hausgaben mehr auf ... und Eure Eltern und Freunde haben nie ein Hausaufgabe von hier aus aufbekommen.
Aber von diesem Prinzip will ich eine Ausnahme machen. Es ist auch deshalb eine Ausnahme, weil es eine außergewöhnliche Hausaufgabe ist – die ist nämlich nicht innerhalb der nächsten Stunde oder Tage zu lösen: Es ist eine lebenslängliche Hausaufgabe. – Und die gebe ich deshalb auch Euren Eltern und Freunden auf – ja, ich gebe sie mir auch selber auf, und will mich bemühen, sie mein Leben lang vor Augen zu haben.
Und zudem ist es eine Hausaufgabe, die ihr selber formuliert habt.
Also ... nachdem ich es so spannend gemacht habe: Worin besteht denn diese Hausaufgabe. Beantwortet bitte für euch ganz persönlich täglich die drei Fragen, die ihr uns Beginn der Hl. Messe, beim Kyrie gestellt habt:
Sind wir / bin ich bereit wie Abraham mich von Gott ansprechen zu lassen?
Herr, erbarme dich! / A.: Herr, erbarme dich!
Suchen wir / such ich Ruhe und nehmen ich mir Zeit auf diesem Weg, um auf Gottes Wort zu hören?
Christus erbarme dich! / A.: Christus erbarme dich!
Lassen wir / lasse ich es zu, dass Gott mich auf meinem Weg begleitet?
Herr, erbarme dich! / A.: Herr, erbarme dich!
Das „Herr, erbarme dich" gehört dazu. Denn die Aufgabe können wir nur angehen, wenn wir dafür auf Gottes Erbarmen / auf seine helfende Gnade hoffen und vertrauen. – Aber, das ist ganz gewiss: Diese seine Hilfe wird er uns nie vorenthalten – sondern sie uns immer wieder neu gewähren.

Fürbitten

  • Pr.: Wir wollen zu Christus, dem Heiland aller Menschen beten:
    Antwort: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Guter Gott., ebne uns den Weg in die Zukunft und gib uns Kraft und Mut unsere Träume zu verwirklichen.
    A.: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Herr, bleibe bei uns auch in schwierigen Etappen unseres Weges.
    A.: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Gott, lass uns weniger egoistisch sein und öffne uns die Augen für wirklich wichtige Angelegenheiten und für die Not anderer Menschen.
    A.: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Für unsere: Freunde und Verwandten, für alle, die uns auf unserem Weg begleitet haben und für die, die wir auf unserem Lebensweg treffen werden, für die, die ein Stück des Weges mit uns gehen werden: gib ihnen deinen Segen.
    A.: Wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, du hast dein Volk immer wieder aus der Unterdrückung befreit. Wir bitten dich, steh den Menschen bei, die Opfer von Armut und Gewalttätigkeit sind. Schenke der Welt den Frieden!
Pr.: Unser Herr und Erlöser, du bringst uns Gottes Wort und brichst uns das Brot des Lebens. Wir bitten dich: Bleib bei uns – an diesem Tag und alle Zeit und in Ewigkeit.

Nach der Kommunion: ... als ich dich getragen habe

Eines Nachts hatte ein Mann einen Traum. Er träumte, er würde mit Christus am Strand entlang spazieren. Am Himmel über ihm erschienen Szenen aus seinem Leben. In jeder Szene bemerkte er zwei Paar Fußabdrücke im Sand, eines gehörte ihm, das andere dem Herrn.
Als die letzte Szene vor ihm erschien, schaute er zurück zu den Fußabdrücken und bemerkte, dass sehr oft auf dem Weg nur ein Paar Fußabdrücke im Sand zu sehen war. Er stellt ebenfalls fest, dass dies gerade während der Zeiten war, in denen es ihm am schlechtesten ging. Dies wunderte ihn natürlich, und er fragte den Herrn: "Herr, du sagtest mir einst, dass ich mich entscheiden sollte dir nachzufolgen; du würdest jeden Weg mit mir gehen. Aber ich stelle fest, dass während der beschwerlichen Zeiten meines Lebens nur ein Paar Fußabdrücke zu sehen ist. Ich verstehe nicht, warum! Wenn ich dich am meisten brauchte, hast du mich allein gelassen."
Der Herr antwortete: "Mein Freund, ich mag dich so sehr, dass ich dich niemals verlassen würde. Während der Zeiten, in denen es dir am schlechtesten ging, als du auf die Probe gestellt wurdest und gelitten hast dort, wo du nur ein Paar Fußabdrücke siehst , das waren die Zeiten, in denen ich dich getragen habe."