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FAQ (frequently asked question) zum Tod Jesu

Häufig gestellte Fragen - und mögliche Antworten der katholischen Kirche

In der FAQ-Abteilung unserer Site haben wir Fragen und Antworten zusammengestellt, die durch Anfragen (vor allem per eMail) entstanden sind - also, so hoffen wir, aus dem Leben gegriffen.

Hast Du noch eine Frage, die Du hier nicht findest? Dann maile mir! Wenn Du willst, wird Deine Anfrage gerne auch vertraulich behandelt.

Ich empfehle zu diesem Thema auch die Katechese auf dieser Seite "gelitten, gestorben - und auferstanden" von Benedikt.

Warum musste Jesus eigentlich sterben?

Die Antwort der Christen lautet: "Er ist für unsere Sünden gestorben - um uns mit Gott zu versöhnen." Allerdings stellt sich sofort die nächste Frage: Hätte es nicht auch genügt, wenn Gott selbst etwas versöhnlicher gewesen wäre? Musste erst jemand sterben?

Das klingt so, als wenn Gott ein Problem mit dem Verhalten der Menschen hatte und dann seine Wut an seinem Sohn ausgelassen hat. Dabei ist es genau umgekehrt: Der Mensch hat ein Problem mit Gott gehabt. Wie aber kann Gott den Menschen wieder dazu bringen, ihn zu lieben, ohne dessen Freiheit zu beschränken? Ganz einfach: Indem er zeigt, dass ER den Menschen liebt. Gott selbst nimmt das auf sich, was der Mensch mit seiner Loslösung und Verachtung Gott gegenüber eigentlich verdient hat: Den Tod.

Ist Gott da nicht ein bißchen zu streng: Die Sünde mit dem Tod zu bestrafen?

Es ist ja gar nicht Gott, der diese Strafe verhängt. Es ist die natürliche Konsequenz der Tat.
Wenn jemand sich weigert, etwas zu trinken, dann verdurstet er. Das ist keine "Strafe", sondern die natürliche Konsequenz der Verweigerung, die lebenserhaltende Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Das gleiche gilt für die Sünde: Wer möchte, dass Gott, der unser Leben erschaffen hat und erhält, lieber nicht existiert, der wird sterben. Er verweigert sich dem Leben selbst. Das ist nicht "streng", es liegt schlicht in der "Natur der Sünde".

Was kann ich denn tun, um die Sünde wieder wettzumachen?

Genau genommen: Nichts. Denn mit der Abwendung von der Quelle des Lebens fehlt uns auch jede Kraft, uns wieder Gott zuzuwenden. Und selbst, wenn wir für einen einfachen Akt der Umkehr ("Sorry, Gott, das mit dem Apfel war ein Versehen, lass uns nicht mehr darüber reden!") genügend Kraft hätten; wir würden es gar nicht wollen.

Vielleicht ist Dir das schon einmal passiert: Du hast einen derben Fehler gemacht und einen Menschen ganz tief verletzt - nicht aus Versehen, sondern aus Böswilligkeit. Faszinierenderweise ist eine natürliche Reaktion, diesem Menschen jetzt aus dem Weg zu gehen: Du willst nicht an Deine eigene Schuld erinnert werden. Ganz im Gegenteil: Wir erfinden in Gedanken (und auch manchmal in lautstarken Worten) unzählige Gründe, warum der andere in Wirklichkeit selber schuld ist: "Er hätte mich ja daran hindern können" - "Warum hat er auch nichts gesagt?" - "Das ist er selber schuld, warum lässt er es überhaupt so weit kommen?" - "Das geschieht im ganz recht, jetzt weiß er wenigstens, wie das so ist, abhängig zu sein" - usw. Wir haben eine gute Beziehung zerstört und verfangen uns zunehmend im Haß gegenüber dem, der vollkommen unschuldig ist.

Die Sünde ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Teufelskreis. Je weniger wir Gott im Sinn habe, umso schlechter werden wir - und umso weniger Kraft haben wir, das wenige Gute noch zu tun. Uns aber Gott wieder voll und ganz zu zuwenden, überfordert uns geschwächte Menschen restlos.

Da hilft alles nichts mehr: Gott muss uns Menschen schon selbst retten - wir sind dazu nicht mehr in der Lage.

Unsere Erlösung ist der Tod Jesu? Wie das?

Wenn jemand mir etwas stiehlt, erwischt wird und vor Gericht kommt, dann wird er nicht nur deshalb frei gesprochen, weil ich im verzeihe. Die ganze Sache ist erst dann erledigt, wenn der Dieb die geklauten Dinge wieder zurück gibt - und die entsprechende Strafe absitzt. (Dazu hat Peter auf dieser Site ausführlich Stellung genommen - in einem "Ablassbrief").

Das Verhältnis zwischen Gott und dem sündigen Menschen ist erst dann wieder in Ordnung, wenn der Mensch die Konsequenzen seiner Tat auch erträgt. Das ist allerdings zuviel für den Menschen: Er müsste sich selbst als Opfer darbringen, ganz und gar, um wieder gerechtfertigt vor Gott zu stehen. Wir haben schon gehört, dass der sündige Mensch dazu nicht in der Lage ist.

Deshalb zeigt Gott, was wahre Liebe ist: Anstatt den Menschen zu vernichten oder ihn einfach seiner eigenen Wünsche zu überlassen, bringt Gott selbst das Opfer da, das den Menschen auch innerlich befreit: Gott wird Mensch und tut das, was der Mensch tun sollte: Er bringt sich dar, trägt die Konsequenzen der Gottlosigkeit und versöhnt uns so mit Gott.

Und was habe ich davon, wenn ein anderer (wie z.B. Jesus) stirbt?

Zunächst erst einmal habe ich nichts davon. Was ein anderer tut, hat vor Gott nur Bedeutung für ihn selbst. (Ich komme ja auch nicht in die Hölle, weil ein anderer etwas Schlimmes getan hat).
Allerdings - und jetzt kommt der eigentliche, große Clou - sagt Gott, nach dem Tode Jesu: "Meine geliebten Sünder, die Folge Eurer Tat hat mein Sohn für Euch getragen. Wer jetzt zu mir zurückkehren will, braucht nicht mehr selbst zu sterben - das hat mein Sohn schon getan. Er braucht nur zu sagen: Ich will sein wie Jesus; nämlich ein Kind Gottes und befreit von aller Schuld." - Damit hat Gott einen genialen Schachzug eingebaut: Die Stellvertretung. Weil er Gott ist, kann er das.

Natürlich muss der Mensch auch etwas tun, so ganz ohne sein Zutun läuft das nicht. Immerhin will Gott ja die Freiheit des Menschen wahren und das bedeutet, dass der Mensch nicht ohne seine Zustimmung erlöst werden soll. Die Zustimmung, die Tat Jesu als eine stellvertretende Tat anzunehmen, geschieht in einer kleinen Feier: Der Tauffeier.