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Das Priestertum der Frau

Es gibt viele aktuelle, kirchenkritische Fragen, die im Grunde nicht zum Kern unseres Glaubens gehören - aber aufs heißeste die kirchlichen Gemüter erhitzt. Mit Sicherheit gehört dazu die Frage, warum Frauen nicht Priester werden können.

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Die Tradition der Kirche

Die Frage wird von der Kirche scheinbar ganz primitiv beantwortet: „Weil dies in der Tradition der Kirche nicht vorgesehen ist."
Jau! Ich kann mir den Aufschrei vorstellen, wenn Du dieses liest: Das klingt so, als wenn jemand sagt: „Es ist so, weil es nun einmal so ist." Und die Reaktion eines kritisch denkenden Menschen darauf ist vorhersehbar: „Wer so denkt, ist ja wohl ein Traditionalist erster Güte...! Muss denn alles, was einmal so war, für immer so bleiben?!"
Um diese Begründung wirklich zu verstehen, müssen wir uns vor Augen halten, dass das Traditionsargument in der Kirche ein anderes ist als in einem Schützenverein. Wer sich dort auf eine Tradition beruft, meint wirklich nichts anderes als: „Das haben wir immer so gemacht, also bleibt es dabei!" In der Kirche meint Tradition aber etwas anderes: Tradiert - also überliefert - werden nicht nur menschliche Bräuche, sondern hinter all dem das, was Jesus seiner Kirche mitgegeben hat. Um einen etwas tieferen Blick in das Traditionsverständnis der Kirche zu werfen, empfehle ich die Katechese „Auf, lasst uns die Kirche ändern!"

Das, was Jesus seiner Kirche mitgegeben hat, ist das Fundament unseres Glaubens. Das können wir nicht einfach ändern, denn wir sind nicht Gott. Allerdings gibt es in den Traditionen der Kirche auch viele menschliche Beimischungen: Gewohnheiten, die aus einer Zeit heraus entstanden sind - also nicht göttlichen Ursprungs, sondern zeitbedingt. Sogar in der Bibel finden sich solche Zusätze zuhauf - immerhin ist die Bibel in einer bestimmten Zeit von Menschen geschrieben worden, die im Horizont ihrer Zeit gedacht und geglaubt haben.

Die Entscheidungen, ob einzelne Glaubenssätze zeitbedingte menschliche Zutaten sind oder ewigen Wahrheitswert beanspruchen können, beschäftigt die Kirche über die Jahrhunderte hinweg in einem fort. Das nennen wir „Theologie" - und es ist gut, dass wir uns damit auseinandersetzen. Denn nur so verstehen und reinigen wir den Glauben der Kirche im Laufe der Zeit immer besser und tiefer. Wenn der Streit darüber allerdings die Einheit der Kirche bedroht, kann ein Konzil oder der Papst klarstellen, wo die Grenze zwischen endgültiger Wahrheit und möglicher menschlicher Vielfalt liegt.

Wie in der o.g. Katechese ausführlicher beschrieben, ist eine solche unfehlbare Entscheidung keine Beschneidung der Glaubensfreiheit, sondern der Grund, weshalb wir überhaupt glauben können: Denn erst im Zusammenspiel von Bibel, Tradition und Lehramt können wir von der „geistgewirkten Weitergabe des Evangeliums" sprechen - ohne diese drei wüssten wir von Jesus und seiner Botschaft nichts Verlässliches.

Eucharistie mit Kaviar und Kir Royal ?!

Faszinierenderweise gehören zu diesem Fundament der Kirche, dem „depositum fidei", nicht nur die zentralen Glaubens- und Moralfragen, sondern z.T. auch die konkrete Gestalt der Kirche.
Besonders deutlich wird das bei der Form der Sakramente (z.B. Brot und Wein bei der Eucharistie oder das Wasser bei der Taufe): So leid es mir auch tut, liebe modernen Jesus-Freaks: Die Eucharistie kann man nicht mit Kaviar und Kir Royal feiern (und auch nicht, wer's lieber mag, mit Curry-Wurst und Cola). Der einzige Grund dafür ist, dass Jesus durch sein Tun bestimmt hat, wie er in seiner Kirche das Heil vermitteln will. Natürlich gibt es lange Überlegungen über die „archetypische Bedeutung" von Brot und Wein, über die elementare Symbolik von Wasser - usw. Aber warum Jesus das Abendmahl nicht mit Brot und Wasser und die Taufe durch übergießen mit Wein (oder noch besser: Durch Untertauchen in Weinfässern...!) eingesetzt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kirche hat immer geglaubt, dass wir daran nichts ändern können, auch wenn wir nicht wirklich „begründen", sondern allenfalls „nachvollziehen" können, warum gerade Brot und Wein die Form ist, in der Jesus uns nahe sein will. Es gibt keinen triftigen Grund, nicht auch Traubensaft oder gesäuertes Brot zu nehmen (wie ja auch in den Kirchen des Protestantismus z.T. üblich) - aber in der katholischen Kirche bleiben wir dennoch der Praxis Jesu treu.

Die Form der Sakramente ist die freie Wahl Jesu gewesen; Er hat festgelegt, durch welche Zeichen er den Menschen über irdisches Leben hinaus im Dienst der Kirche nahe sein will. Das gilt für die Feier der Eucharistie und der Taufe genauso wie für die Krankensalbung (Öl), die Firmung (Chrisam), die Beichte (Lossprechung und evtl. Handauflegung), die Eheschließung (Das Ja-Wort der Eheleute) - und auch für die Weihe zum Diakon, Priester und Bischof (Handauflegung und Gebet).

Deshalb - und das ist schon die ganze Begründung - kann die Kirche keine Frauen zu Priestern weihen, weil sie sich an die Vorgabe Jesu gebunden weiß. Sie kann auch nicht die Form der anderen Sakramente ändern - auch wenn z.B. das Abendmahl mit Kir Royal, Cola oder Traubensaft kein Widerspruch in sich wäre: Die Kirche hat nicht das Recht dazu.

Natürlich fragen sich Theologen, ob denn die Tatsache, dass Jesus keine Frauen zum Priester eingesetzt hat (der Auffassung der Kirche entsprechend fand diese Einsetzung am Gründonnerstag im Abendmahlssaal statt - und da ist nur der Kreis der Zwölf Apostel anwesend), eine zufällige Tatsache war - oder aber eine verbindliche Vorgabe, die auch noch für heute gilt.

Spätestens seit 1994 ist diese Frage geklärt: Denn damals hat der Papst in einem Schreiben mit höchster Lehrautorität entschieden, dass die Kirche kein Recht hat, Frauen zum Priester zu weihen. Diese Entscheidung gilt „für alle Zeiten". Und, wie oben bereits gesagt, ist diese Entscheidung nicht nur ein Recht des Papstes, sondern seine Pflicht und sein Dienst im Heiligen Geist.

Ist das denn nicht diskriminierend?

Allerdings regt sich keiner darüber auf, dass die Kirche keinen Kir Royal als Abendmahlsbestandteil zulässt - ich kenne auch keinen, der deshalb von der „Diskriminierung der kohlensäurehaltigen Getränke" spricht. Vermutlich deshalb, weil Kir Royal „kein Recht" darauf hat, zum Blute Christi gewandelt zu werden.
Etwas anderes wäre es, wenn dieses Sakrament in seinem „Adressaten-Kreis" eingeengt würde: Wenn zum Beispiel zum Abendmahl nur dunkelhäutige oder kleinwüchsige Christen zugelassen werden, ist das eine Diskriminierung der restlichen Kirchenmitglieder. Eine solche - diskriminierende - Bestimmung hieße, Menschen aufgrund eines bestimmten Merkmales von der Gemeinschaft und Begegnung mit Gott auszuschließen. Das wäre tatsächlich nicht in Ordnung.

Beim Sakrament der Weihe scheint dies auf den ersten Blick der Fall zu sein: Da wird ja nicht nur ein Material wie Wein oder Wasser gewählt, dass nur „Vermittler" des Heils ist, sondern der Kreis der Empfänger des Sakramentes wird eingeschränkt. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wird somit von der Wirkung dieses Sakramentes ausgeschlossen! (So antwortete einmal ein Schüler auf die Frage, wieviele Sakramente es gibt: "Sieben für Jungs und sechs für Mädchen!")

Aber: Das ist ein Trugschluss. Denn beim Weihekandidaten handelt es sich tatsächlich nur um das „Material", durch das Jesus sein Heil vermitteln will. Der Empfänger der Weihe persönlich hat nichts von diesem Sakrament - er wird dadurch weder heiliger, noch tiefer in seinem Glauben bestärkt. Das Sakrament der Weihe ist ein Sakrament für andere - durch den Geweihten.

Es mag vielleicht seltsam klingen, aber in seiner tieferen Zielsetzung ist der Weihekandidat durchaus mit der „Materie" der anderen Sakramente gleichzusetzen. Und genauso wenig, wie Kir Royal ein Recht auf Wandlung hat, hat die Frau ein Recht auf Weihe. Wohlgemerkt: Das ist keine Diskriminierung, denn weder hat der geweihte Mann - in Hinblick auf sein Heil - einen Vorteil durch seine Weihe, noch hat die nichtgeweihte Frau einen Nachteil - im Hinblick auf ihr Heil.

Aber im Leben der Kirche kommt die Frau dadurch zu kurz!

Ich gebe zu: Auch wenn „im Hinblick auf das Heil" nicht von Diskriminierung die Rede sein kann - im Leben der Kirche ist der Priester durch sein Amt doch privilegiert. Und als Priester, Bischof oder Papst hat man doch ganz andere Möglichkeiten, das Leben der Kirche zu gestalten. Wenn das den Frauen verschlossen bleibt, dann fehlt der Kirche etwas - und die Frauen werden in ihren Möglichkeiten beschnitten.

Es stimmt, dass sich am Verhältnis von katholischer Kirche und von Frauen dringend etwas ändern muss. Auch der Papst, der im Jahre 1995 im „Brief an die Frauen" Sensationelles über die Frauenbewegung sagte, drängt die Kirche dazu. „Fragt man Frauen, worum es ihnen wirklich geht" - so schreibt beispielsweise der Psychoanalytiker Manfred Lütz -, „dann sind es zumeist gar nicht die spezifisch priesterliche Funktionen, die sie einfordern. Sie sind es einfach leid, in der Kirche mit ihren weiblichen Erfahrungen nicht genügend ernst genommen zu werden und kaum auf irgendwelche Entwicklungen wirksamen Einfluss zu haben, da letztlich überall Männer, vor allem Priester, den Ton angeben." Dem stimme ich voll und ganz zu - auch aus eigener Erfahrung.

Wer daran etwas ändern will, muss aber nicht unbedingt selbst Priester oder Bischof - oder Papst - werden. Natürlich haben Priester, Bischöfe und Päpste in der Kirche eine besondere Stellung, aber das, was eigentlich das Amt des Geweihten ausmacht, hat nur dienende Funktion. Die Überfrachtung des Priesters mit allen Möglichen Aufgaben und Verantwortungen liegt weder in seinem Interesse noch im Interesse der Kirche und der Frauen in der Kirche. Was not tut, ist eine Reduzierung des Priesterbildes auf seine Wesensaufgabe. Was der Priester darüber hinaus noch an Verantwortung wahrnimmt, ist auch den Laien und Ordensleuten, den Männer und Frauen der Kirche gleichermaßen zugänglich. Muss der Finanzchef des Bistums unbedingt ein Priester sein?!?

So schlägt Manfred Lütz in seinem lesenswerten Buch „Der blockierte Riese" vor, die entscheidenden Posten im Generalvikariat mit Frauen zu besetzen. Dagegen spricht kein Dogma, keine Anordnung des Papstes und kein Paragraph im Kirchenrecht. Warum eigentlich fordern die Frauenbewegungen in der Kirche nicht diese Art der Einflussnahme? Und was für den Finanzchef oder den Leiter der Seelsorge-Abteilung gilt, lässt sich auch gut auf die Ebenen der Gemeinden übertragen.
Warum soll der Personalchef eines Bistums nicht eine Frau sein? Was wäre wohl, wenn sich die Frauen über das Macho-mäßige Gehabe eines Pfarrers bei seinem vorgesetzten Personalchef - einer Frau - beschweren würden? Diese könnte dann den rückständigen Priester mit den Worten des Papstes ermahnen: „Sämtliche Gründe für die Unterordnung der Frau gegenüber dem Mann müssen im Sinne einer gegenseitigen Unterordnung beider, in der Ehrfurcht vor Christus gedeutet werden."

Und das ist nicht nur ein Gedankenspiel - theoretisch und irreal. In vielen historischen Epochen, Zeitabschnitten und einzelnen Begebenheiten haben Frauen immer wieder verschiedene Möglichkeiten großer Einflussnahme genutzt - ohne sich deshalb um die Weihe bemüht zu haben. Denkt nur an Katharina von Siena, Theresa von Avila, die machtvolle Hildegard von Bingen oder Mutter Teresa, an die Kaiserin Marie-Therese, Elisabeth von Thüringen oder Königin Theophane...

Fazit

Es steht - spätestens seit der Entscheidung des Papstes 1994 - fest, dass das Sakrament der Priesterweihe nur Männern gültig gespendet werden kann. Wer darin allerdings eine Diskriminerung der Frau sieht, sollte daran denken, dass das die Priesterweihe dem Geweihten nichts "bringt" - der männliche Priester ist lediglich die Form, die Christus gewählt hat, um in seiner Kirche sakramental erfahrbar zu bleiben.

Dass damit auch ein zur Zeit geringer Einfluss der Frau auf das Leben der Kirche einhergeht, muss nicht sein. In der Geschichte der Kirche gab es Zeiten, in denen die Frauen weit aus größeren Einfluss auf das Leben der Kirche hatten. Der Umgang mit den Lebens- und Glaubenserfahrungen der Frauen muss sich vielmehr auf einer anderen Ebene ändern: Nicht im Bereich des Amtes, sondern der Amtsstuben, der kirchlich Be-amteten liegt einiges im Argen. Die Frauen, die dort um einen größeren Einfluss kämpfen, haben vor allem den jetzigen Papst auf ihrer Seite.

Möchtest Du Kritik üben, etwas fragen oder ergänzen? Schreib mir! Diese Katechese hat Peter geschrieben.