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Intelligent Design - Gott als Hypothese?
Richard Dawkins hat mit seinem neuen Buch Der Gotteswahn"
ein umfangreiches Werk vorgelegt. Bei seinen Bemühungen, sich
als Evolutionsbiologe gegen die Angriffe von Kreationisten zu erwehren,
zieht er alle Register und sammelt sie in seinem Werk "Gotteswahn".
In unserer
Buchbesprechung versuchen
wir, dem riesigen Sammelsurium gerecht zu werden.
Dabei geht schnell der eigentliche Streitpunkt unter: Ist die Evolutionslehre
wider-göttlich? Oder haben die Neo-Kreationisten mit der Einführung
des "Intelligent Design" die Biologie getauft?
Letztlich stellt sich die Frage, was Intelligent Design eigentlich
ist - und wie sie wissenschaftstheoretisch und schließlich
aus christlicher Sicht zu bewerten ist. Eigentlich keine so schwere
Aufgabe (wie die folgende Katechese zeigt). Die ideologische Überfrachtung
der Argumentationen auf beiden Seiten führt allerdings oft
dazu, dass die Sachlichkeit auf der Strecke bleibt.
Deswegen laden wir Dich herzlich ein, Dir mit den folgenden Gedanken
wieder einen - hoffentlich sachlichen - Überblick zu verschaffen.
Wenn es Dich interessiert, kannst Du in der grundsätzlichen
Katechese zur
Evolution und Schöpfung weitere Anregungen
finden.
auch als pdf-Datei erhältlich
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Grundsätzliches zu Intelligent Design"
Was ist das - Intelligent Design (ID)?
Eine gute Definition finden wir bei Wikipedia:
Intelligent Design (ID, deutsch etwa intelligenter Entwurf, intelligentes
Design) ist der Standpunkt der Neokreationisten, dass bestimmte Merkmale
des Universums und Lebens am besten durch eine intelligente Ursache
erklärt werden können und nicht durch einen Vorgang ohne solche
Leitung, wie die natürliche Selektion.
Oder, auf der Homepage von Ralf Isau (www.isau.de), wird Intelligent
Design folgendermaßen erklärt:
Intelligent Design (ID): nach der Intelligent-Design-Theorie
ist die Entstehung bestimmter komplexer Merkmale in der Natur durch
eine intelligente Ursache (Designer, Schöpfer) besser zu erklären
als durch zufällige Mutationen und natürliche Auslese (Selektion).
Natur und Wesen dieser Ursache sind dagegen nicht Gegenstand der ID-Forschung.
Damit haben wir ein einfach zu beschreibendes Problem: Wie können
wir erkennen, ob die Selektion (im Zusammenspiel mit der Mutation)
ein Phänomen besser erklärt als die Annahme eines intelligenten
Designers - also eines Schöpfers?
So stellt sich die Frage, was in der Biologie oder in den Naturwissenschaften
besser" bedeutet.
Ockhams Rasiermesser - Das Sparsamkeitsprinzip
In Carl Sagans guten Buch Contact" (das auch als sehr guter
Film in die Kinos kam - mit Jodie Foster und Matthew McConaughey) wird
das Ockhamsche Rasiermesser" erwähnt und sozusagen zum
Thema des Buches/Filmes erhoben: Ockhams Rasiermesser ist das Sparsamkeitsprinzip
in der Wissenschaft. Es besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen
Sachverhalt erklären, die einfachste zu bevorzugen ist.
Man kann das Rasiermesser" des Philosophen und Theologen Wilhelm
von Ockham (1285-1349) auch anders formulieren: Die Entitäten
dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden"
(lat. Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem oder sine necessitate).
Entitäten ist hier im Sinne von Vorbedingungen" gemeint.
Das klingt gut - führt aber schon in Contact" zu der
Frage: Ist es einfacher, an einen unglaublichen Zufall zu glauben - oder
an einen intelligenten Schöpfer?
Für einen religiösen Menschen, der in seinem Leben die
Existenz Gottes bereits als gegeben annimmt, ist es keine Vermehrung
von Entitäten", diesem Gott auch die Schöpfung der Welt
und die Erschaffung des Schnabeltieres und das Schafsleberegel zuzuschreiben.
Für einen Theisten scheint es viel seltsamer, dazu unglaubliche Zufälle
und Selektionstheorien anzunehmen. Ockhams Rasiermesser (als wissenschaftliches
Prinzip) verbietet solche Wahrscheinlichkeits-Verrenkungen.
Für einen Atheisten sieht es aber schon wieder ganz anders
aus. Zufälle gibt's, manchmal sogar ziemlich unglaubliche Dinge.
Das ist für ihn eine gegebene Tatsache. Die Annahme, ein bestimmtes
biologisches Tier oder Organ sei von Gott erschaffen, ist für ihn
nur eine unnötige Vermehrung der Entitäten".
Die Frage nach dem notwendigem Standpunkt, um die Notwendigkeit
der Entitäten" zu beurteilen, ist aber keineswegs so unentschieden,
wie es zunächst scheint. Denn: Die Naturwissenschaften sind
methodische Atheisten". Sie haben sich als Methode selbst
die Regel auferlegt, nicht von der Existenz und der Aktivität eines
Gottes auszugehen. Der berühmte Physiker Steven Weinberg hat es einmal
so formuliert: Die Physik nimmt zunächst an, dass es keinen
Gott gibt, und schaut, wie weit sie mit der Hypothese kommt."
Nun können wir auch Verstehen, dass Dawkins immer wieder nach den
Wahrscheinlichkeiten für die Existenz Gottes fragt (tatsächlich
fragt er nach der Wahrscheinlichkeit für die Entstehung Gottes
- aber das meint er nicht so. Das macht nämlich keinen Sinn.) Die
Behauptung, ein bestimmtes Design-Merkmal" sei besser durch
einen intelligenten Schöpfer zu erklären als durch Selektion,
übersetzt er in die Sprache der Evolutionisten: Die Annahme,
es gäbe einen Schöpfer, der dieses Merkmal intelligent designt
hat, ist viel wahrscheinlicher als die Annahme, das Merkmal sei allein
durch Selektion entstanden". Und wenn Dawkins - oder jeder andere
Wissenschaftler - diese Aussage prüfen will, dann muss er unweigerlich
bestimmen, wie wahrscheinlich es ist, dass Gott existiert.
Das macht aber - offenbar - keinen Sinn. Gott kann kein Gegenstand der
Naturwissenschaften sein, denn weder seine Existenz noch sein Handeln
lassen sich wahrscheinlichkeitstheoretisch einordnen.
Gott, der per definitonem "allwissend und allmächtig"
ist, wäre - auch nur als ganz, ganz vorsichtige Vermutung - der Tod
einer jeden Naturwissenschaft. Denn Gott erklärt alles. Eine all-erklärende
Hypothese - zudem nicht experimentell überprüfbar - ist für
jeden andere Theorie der Super-GAU.
Wohlgemerkt: Das gilt für alle Abwägungen innerhalb der Naturwissenschaften.
Persönlich kann jeder Mensch zu dem Schluss kommen, dieses oder jenes
Merkmal des Lebens sei von Gott in Handarbeit gefertigt worden. Aber er
kann daraus keine wissenschaftliche Theorie formen.
So lässt sich auch die Moral von Carl Sagans "Contact"
formulieren: Während die junge Wissenschaftlerin Eleanor Arroway
zunächst Gott für eine "unnötige Annahme" hält
und vom aufstrebenden Theologen Palmer Joss die Antwort erhält "aber
ich habe ihn erfahren!"; muss Eleanor Arroway am Ende des Filmes
das gleiche für die Begegnung mit den Außerirdischen eingestehen:
Sie weiß (!), dass diese Begegnung stattgefunden hat; aber sie kann
sie nicht beweisen. So hat sie eine persönliche Erfahrung gemacht,
die aber keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben kann.
Nicht-reduzierbare Komplexität
Isau schreibt dazu:
Weiterhin besagt die ID-Theorie: Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung
(biologischer) Strukturen durch zufällig wirkende Naturgesetze
nimmt exponentiell mit der Dichte ihrer Komplexität ab. Demnach
können insbesondere solche Strukturen nicht ohne intelligentes
Design entstanden sein, deren Einzelkomponenten erst durch ihr Zusammenwirken
funktionieren und zwar erst dann, wenn sie vollständig vorhanden
und in der richtigen Anordnung zueinander zusammengesetzt sind. ID-Theoretiker
sprechen im Zusammenhang mit solchen Strukturen von »nicht reduzierbarer
Komplexität«, »Synorganisation« oder »spezifizierter
Komplexität«.
Dawkins beschäftigt sich ausführlich mit diesem Punkt der ID-Debatte.
Es wird ja immerhin behauptet, ein bestimmtes komplexes Zusammenspiel
komplexer Strukturen (z.B. beim Schafsleberegel) muss in einem"
entstanden sein, weil das ganze System nicht funktionieren würde,
wenn nur ein kleines Teil fehlt. Es wäre unmöglich",
dass solche komplexen Strukturen nach und nach durch Selektion entstanden
sind.
Wiederum lässt sich diese Behauptung auf Wahrscheinlichkeiten reduzieren.
Natürlich kann man auch von unmöglich" sprechen,
dahinter steckt aber immer eine Wahrscheinlichkeit, die wir als zu gering
erachten.
Aber auch hier hilft uns die Gottes-Hypothese nicht weiter - denn wir
ersetzen eine sehr, sehr geringe Wahrscheinlichkeit (für die Entstehung
von Strukturen mit nicht-reduzierbarer Komplexität") durch
einen intelligenten Schöpfer" - dessen eigener Wahrscheinlichkeitswert
nicht fassbar ist.
Wiederum: Jeder Mensch ist frei, an diesen intelligenten Schöpfer
zu glauben. Und die nichtreduzierbar-komplexen Strukturen"
sind durchaus Argumente. Aber nur für den denkenden und schauenden
Menschen, nicht für die Biologie. In deren Methoden benimmt sich
die Gotteshypothese wie in der Mathematik die Division durch Null.
Schönheit und Information
Und noch einmal Ralf Isau:
Ein Forschungsschwerpunkt der ID-Wissenschaftler ist das Aufspüren
von Design-Signalen. Darunter werden Eigenschaften der belebten oder
unbelebten Welt verstanden, deren Entstehung durch geeignete Versuche
und Beobachtungen möglichst unzweideutig auf eine gestaltende Intelligenz
hindeuten. Dafür geeignet gelten insbesondere semantische Informationen,
Informationen also, deren Bedeutung nur durch Einsatz weiterer Intelligenz
verstanden werden kann. Die in der DNA codierten Proteine und Peptide
werden beispielsweise auf Grund biochemischer Prozesse zwar ohne Zuführung
weiterer Intelligenz synthetisiert, solche ist aber für das Verständnis
der Bedeutung des genetischen »Programmes« (analog zu einem
Computerprogramm) unabdingbar. Da semantische Information aber ohne
Verstehen nicht erstellt oder »programmiert« werden kann,
müssen entsprechende Beispiele in der Natur wie die DNA auf das
Wirken von Intelligenz zurückzuführen sein.
Nehmen wir einmal ein extremes Beispiel:
Wir nehmen einen schönen, rechteckigen Klotz reines Cäsium
137. Cäsium 137 ist radioaktiv und deshalb zerfällt der schöne
Klotz nach und nach. (Übrigens hat Cäsium eine Halbwertszeit
von 30 Jahren, wir brauchen für dieses Gedankenexperiment also viel
Geduld.)
Einmal angenommen, Cäsium 137 würde regelmäßig (oder
auch nur in einem dokumentierten Fall) auf eine solche Art zerfallen,
dass der Rest des noch nicht zerfallenen Cäsiums nach und nach die
Buchstaben JHWH (hebräisch für Jahweh" oder - für
die Zeugen Jehovas unter den Lesern - Jehova") bilden - vielleicht
sogar in hebräischen Originalschriftzeichen.
Wäre das ein Intelligent-Design-Merkmal? Es handelt sich - wie Isau
sagt - eindeutig um semantische Informationen.
Jein. Denn für den Chemiker gibt es keinen Grund, an dem Ergebnis
zu zweifeln - solange die Halbwertszeit eingehalten wird. Dass das Cäsium
nicht gleichmäßig zerfällt, ist eine Frage der statistischen
Verteilung. Für den Chemiker ergeben aber die Schriftzeichen keinen
Sinn; sie sind schlicht nicht Bestandteil seiner Forschung. Das entstandene
Muster ist nur zufällig. Zudem ist die Annahme, dass ein jenseitiger
Gott im radioaktiven Cäsium regelmäßig Autogramme gibt,
in ihrer Wahrscheinlichkeit nicht nachprüfbar, da auch die Annahme
eines Gottes durch die Chemie nicht in ihrer Plausibilität einschätzbar
ist.
Aber das JHWH" im Cäsium wäre natürlich schon
ein Intelligent-Design-Merkmal - für alle, die nicht rein naturwissenschaftliche
denken. Vor allem, wenn ein solches Muster nicht nur einmal entsteht (wie
zum Beispiel ein
Madonnenbild
auf einem Toastbrot), sondern regelmäßig. Ob jemand so etwas
glauben will, ist dabei keine Frage, ob er vernünftig" oder
unvernünftig" ist. Denn leider setzen wir vernünftig"
mit naturwissenschaftlich" gleich. Dann ist natürlich jeder
unvernünftig", der ein Design-Merkmal erkennt; genauso unvernünftig
ist aber auch der, der im Lächeln der Mona Lisa etwas Geheimnisvolles
erahnt.
Was für das JHWH-Phänomen im Cäsium gilt, lässt sich
genauso auch auf die anderen Design-Bereich übertragen: Schönheit,
Sinnhaftigkeit, Eleganz und Perfektion sind keine Begriffe der Naturwissenschaften,
zumindest keine, die messbar und bewertbar sind.
Rückschlüsse auf Intelligent Design"
nicht in, sondern aus den Naturwissenschaften
Damit haben wir - ohne das Vokabular eines R. Dawkins zu verwenden -
dem Intelligent Design den Zutritt zu den Naturwissenschaften verboten.
Dort - als wissenschaftliche Theorie - haben sie nichts zu suchen. Und
dementsprechend gehört die Lehre des Intelligent Design nicht in
den Biologie- und Physik-Unterricht, sondern in den Religionsunterricht
(oder auch in den Ethik-Unterricht unter Anthropologie").
Aber das schließt einen umgekehrten Weg nicht aus: Aus den Naturwissenschaften
können Journalisten, Filmer, Fotografen aber auch die Naturwissenschaftler
selbst gerne wunderbare Fälle veröffentlichen, die ihnen die
Augen geöffnet haben für die Existenz eines Schöpfers.
Solche Filme, Bildbände, Fotobücher, Erlebnisberichte
oder einfach nur Faktensammlungen gibt es zur Genüge. Sie sind oft
auf hohem Niveau geschrieben und sehr beeindruckend. Ich blättere
gerne darin (oder schau mir immer wieder entsprechende Filme gerne an
- vor allem beim Zahnarzt) und empfehle sie auch kritischen oder suchenden
Zeitgenossen, um die Evidenz (Offensichtlichkeit) eines Schöpfers
dezent zu vermitteln.
Aber wir dürfen niemals der Versuchung unterliegen, in diesen Werken
wissenschaftliche Abhandlungen über die Existenz Gottes zu sehen!
Wie R. Dawkins machen viele den Fehler, die methodische Beschränkung
seines Fachgebietes als die Grenzen der Wirklichkeit misszuverstehen.
Zwar unterläuft dieser Faux-Pas auch vielen angesehen Wissenschaftlern,
aber eigentlich sollte man erwarten, das die Diskutierenden (wie auch
die über diese Diskussion berichtenden Journalisten) wissen, welche
Voraussetzungen sich die Wissenschaftler für ihre Forschung selbst
gegeben haben.
So ist auch die Sammlung von
Hinweise auf die Existenz Gottes"
auf unserer Homepage zu verstehen. Alle dortigen Hinweise sind verschiedenen
Fachgebieten (auch den Naturwissenschaften) entnommen und nach bestem Wissen
und Gewissen geprüft worden. Den Schluss, darin einen Hinweis auf Gott
zu sehen, fügt aber immer nur der Leser hinzu - die Fachgebiete selbst
müssen dazu schweigen.
Die Religion lehrt uns, damit zufrieden zu sein,
dass wir die Welt nicht verstehen
R. Dawkins hat auf dem Buchdeckel seines Werkes "Gotteswahn"
ein Zitat setzen lassen: Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt
uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen."
Das mag - wie Dawkins und wir festgestellt haben - für einige Intelligent-Design-Fundamentalisten-Kreationisten
zutreffen. Wer Gott als Erklärungs-Hypothese in die Naturwissenschaft
einführt, hat ruck-zuck alles erklärt und kann mit dem Forschen
aufhören. Deshalb hat Steven Weinberg recht, wenn er sich auf den
methodischen Atheismus beruft. Wir forschen grundsätzlich
so, als gäbe es keinen Gott.
Aber das ist keine Errungenschaft der modernen Naturwissenschaften. Sondern
- man höre und staune - das ist eine Errungenschaft der Religion
selbst - vor allem des Christentums.
Denn in vorchristlichen Zeiten war die Welt voller Götter, Magie
und Geistern. Alles, was geschah, wurde mythologisch erklärt: Wenn
es donnert, war es der Donner-Gott, wenn es regnet, war es der Regen-Gott,
und wenn Bayern gewinnt, war es der Bayern-Gott. Mit diesem mythologischen
Denken hat nicht erst Galileo Galilei gebrochen - sondern bereits das
Judentum und in dessen Folge die Christen. Und zwar schon mit dem Schöpfungsbericht.
Wie das Beispiel mit dem Bayern-Gott zeigt, gibt es dieses
mythologische Denken allerdings auch heute noch - nicht nur auf dem Fußballfeld
in Bayern oder Schalke.
Denn im Schöpfungsbericht (in Genesis Kapitel 1) wird mit göttlicher
Autorität erklärt, dass die Welt nicht Gott ist. Es gibt nur
einen Gott, und die Welt ist nicht-göttlich. Am Himmel hängt
kein Sonnen-Gott und keine Mond-Göttin, sondern nur Funzeln"
(so übersetzt Manfred Lütz in seinem lesenswerten Buch Gott").
Damit, dass Gott sich selbst als jenseitig erklärt und die Welt radikal
entgöttlicht wurde, war der Weg frei für einen systematischen
Zugriff auf die Welt durch den Menschen.
Alle Zehn Geboten schützen den Menschen. Das gilt auch für
die ersten drei Gebote, die sich scheinbar nur auf den Schutz Gottes beziehen.
Aber in Wirklichkeit ist auch das erste Gebot - Du sollst keine
anderen Götter neben mir haben" - Schutz der Freiheit und Eigenständigkeit
des Menschen, der sich keiner dämonischen Welt mehr gegenüber
sieht, sondern lediglich Materie vor sich hat. Jetzt (erst jetzt!) wurde
die moderne Wissenschaft möglich.
Dawkins fragt sich, warum der eifersüchtige Jahweh ständig
auf diesem ersten Gebot herumreitet. Nun wird es klar: Damit Dawkins
Wissenschaft betreiben kann!
Intelligent Design: Ein katholisch längst verworfenes
Modell
Vielleicht fragst Du jetzt, ob dieser Text überhaupt eine Katechese
ist und ob ich den Anspruch erheben darf, hier die katholische Position
zu vertreten. Immerhin firmiert unsere Site unter dem Anspruch "garantiert
katholisch". Nun hat die Kirche aber keine offizielle Verlautbarung
zum Intelligent Design veröffentlicht. Zudem ist diese Fragestellung
doch eine ganz neue Entdeckung der Wissenschaft, oder?
Nein.
Das Problem, das dem Denken der ID-Vertreter zugrunde liegt, ist der
katholischen Kirche nicht neu. Denn die Frage, ob wir in Phänomenen
der Natur und der überprüfbaren Wirklichkeit Gottes Wirken nachweisen
können, ist schon viel älter. Sie hat sich der katholischen
Kirche bei jedem Wunder, jeder Marienerscheinung und jeder Heiligsprechung
gestellt. Ein wirklich altes Problem. Und eigentlich schon längst
gelöst.
Bei einer gut dokumentierten Heilung eines Kranken z.B. in Lourdes kann
die Medizin nie zu dem Ergebnis kommen: "Die Annahme, es gäbe
einen übernatürlichen Wunderheiler ist für die Erklärung
dieses Falles viel wahrscheinlicher als jede medizinische Erklärung".
Falls einmal ein Mediziner, der eine solche Heilung untersucht, zu dem
Ergebnis kommt: "Das war Gott!", so wird er von der katholischen
Kirche selbst (!) sofort zurückgepfiffen. "Das ist", so
wird es dann lauten, "seine private Meinung. Als Mediziner kann er
ledglich feststellen, dass er die Heilung medizinisch nicht erklären
kann."
Das ist mehr als eine Sprachregelung. Das ist die Achtung vor der Eigenständigkeit
der Naturwissenschaften - eine Erinnerungs an deren eigenen Prinzipien
und auch deren Grenzen.
Mehr als "wir können es nicht erklären" wird demnach
aus dem Munde eines Naturwissenschaftler redlicherweise nicht kommen können.
Vielleicht sogar mit einer zusätzlichen Einschränkung: "wir
können es zur Zeit noch nicht erklären". Aber das ist schon
wieder eine glaubensmäßige Vermutung.
Und - hält sich die Biologie zurück?
Ja. Das tut sie. Denn die Behauptung, etwas sei durch "Zufall"
entstanden, heißt nichts anderes, als keine beschreibbare Erklärung
zu haben. Diese Wahrscheinlichkeit des "Zufalls" kann durch
Mechanismen wie z.B. der Selektion reduziert werden. Und vielleicht kommen
dann einige Wissenschaftler zum Schluss, diese reduzierte Wahrscheinlichkeit
(Dawkins spricht von der sanften Steigung auf der Rückseite der Steilwand)
reiche aus, um ein Phänomen zu erklären. Manche meinen vielleicht,
es sei dann kein großes Wunder mehr nötig, aber doch ein bisschen
Begleitung durch Gott. Und andere sehen darin immer noch eine Lücke,
die nur durch Gott ausgefüllt werden kann.
Aber alle drei stellen diese Vermutungen außérhalb der Naturwissenschaften
an. Innerhalb der naturwissenschaftlichen Methode bleibt die Suche nach
neuen Hypothesen, Theorien und Mechanismen immer aktuell. Die Gotteshypothese
in der Wissenschaft wäre der Tod einer jeden Suche.
Möchtest Du mir schreiben? Für diese Katechese
ist
Peter verantwortlich.