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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 4. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2008)
Liebe Gemeinde!
Ich möchte heute ein paar erläuternde Worte zur Lesung sagen.
In der Gemeinde von Korinth berufen sich einzelne Personen und Gruppen
auf Autoritäten, die zueinander in Widerspruch stehen. Im Glauben
und Leben der Gemeinde ist eine Spaltung entstanden. Paulus ist davon
zuhöchst beunruhigt und greift mit seinem Brief in das gespannte
Geschehen ein.
Einige Mitglieder der Gemeinde berufen sich auf einen gewissen Apollos.
Dieser war wohl ein gebildeter Mann aus Alexandria (vgl. Apg 18,24ff),
der vor allem auf die eigene Einsicht baute und der als Nachfolger des
Paulus eine Zeit lang die Gemeinde geleitet hatte. Dem stand Kephas
gegenüber, vermutlich ist Petrus gemeint. Auf ihn beriefen sich
diejenigen Kreise, die man heute in die fundamentalistische Ecke rücken
würde. Drittens gab es eine Gruppe, die sich auf Paulus berief,
nicht zuletzt natürlich, weil er ja die Gemeinde gegründet
hatte.
Paulus lehnt jedoch jeden Personenkult ab. Er weiß, dass es in
der Natur des Menschen liegt, Cliquen zu bilden und sich von anderen
abzugrenzen. Darum spielt er auch nicht die einen gegen die anderen
aus, wie es unerleuchtete Seelsorger tun, die sich selber so sehr in
den Mittelpunkt stellen, dass es ihnen egal ist, wenn sich ganze Gruppen
der Gemeinde abwenden Hauptsache, sie bekommen von anderer Seite
genügend Beifall! Vielmehr baut Paulus ganz auf die Kraft der Gnade,
die wiederum aus der Verkündigung des Kreuzes Christi erwächst.
Der innerste Kern des Glaubens ist das Kreuz Jesu Christi, und dieser
Kern schmiedet die Gläubigen zusammen. Denn Jesus Christus war
es, der für alle das Kreuz getragen hat das kann man weder
von Paulus noch von Apollo oder Petrus sagen.
Die Gemeinde lebt nicht vom persönlichen Charme eines Verkünders
oder von seinen intellektuellen Vorzügen oder von sonst einer Eigenschaft,
die ihn auszeichnet. Sie lebt ganz und gar aus der Kraft der Gnade,
die Christus uns durch sein Kreuz erworben hat. Man kann nicht leugnen,
dass die unterschiedlichen Charaktere der Seelsorger die Gläubigen
in ganz unterschiedlicher Weise ansprechen oder eben auch abstoßen.
Was dem einen gefällt, findet der andere unmöglich. Was dem
einen hilft, ist für den anderen unverständlich oder verzichtbar.
Das ist nicht zu ändern, ist vielleicht auch gar nicht so
schlimm, wenn wir uns nur darauf besinnen, was Kirche eigentlich ist:
die im Herrn versammelte Gemeinschaft der Glaubenden. Denn dann könnten
wir besser verstehen, dass die unterschiedlichen Charakter in der Kirche
ein Reichtum sind und kein Übel.
In diesem Sinne sei uns die Mahnung des Apostels ein Ansporn: Im
Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig, und duldet
keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.
(1 Kor 1,10)
2. Predigtvorschlag
Es ist vor ein paar Tagen gewesen. Es ist Nachmittag.
Ich sitze an meinem Schreibtisch. Vor mir liegen die grau-grünen Formulare für meine Einkommensteuererklärung. "Wo ist denn jetzt wieder dieser Beleg hin?" denke ich bei mir. "Ach, da ist er ja. ... Läuft das jetzt unter Werbungskosten oder doch unter außergewöhnliche Belastungen?"
"Anlage N, Bruttoarbeitslohn, Pauschbeträge, Rechnungen, Quittungen, Bescheinigungen. Alles um des lieben Geldes wegen. Ach, ich kann es bald nicht mehr haben."
Ich schließe meine Akten und wende mich der nächsten Arbeit zu.
"Worüber predige ich nur am Sonntag? Was ist denn für ein Evangelium dran? Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich....
Das stimmt wirklich: Die Armen sind wirklich selig. Schließlich müssen die sich nicht mit so lästigen Dingen wie Einkommensteuererklärungen rumschlagen.
Aber Spaß beiseite. Warum sind denn ausgerechnet die Armen selig zu preisen, glücklich zu preisen. Armut, Elend, Not - das ist doch wohl kein Glück.
Selig, die arm sind vor Gott...
Es geht Jesus also nicht um die pure Armut, sondern um die Armut vor Gott. Es geht ihm darum, wie ich mit meinem Besitz umgehe. Vor Gott zählt nicht, wieviel ich besitze, sondern wie ich zu meinem Besitz stehe.
Selig, die arm sind vor Gott ...
Armsein vor Gott, das heißt mit Sicherheit nicht:
Prahlen mit meinem Besitz: 'Sieh her, Gott, das habe ich mir selber erworben, das gehört alles mir, dafür brauche ich dich nicht.'
Armsein vor Gott, das heißt mit Sicherheit nicht:
Den anderen und Gott aus den Augen zu verlieren, nach dem Motto: 'Ich hab' doch alles. Was brauche ich die anderen, was kümmert mich Gott? Und überhaupt, Geld regiert die Welt!'
Geld, Besitz, Vermögen - das ist ansich nichts schlechtes. Nur: Das Totenhemd hat keine Taschen, wie der Volksmund sehr weise sagt.
Geld, Besitz, Reichtum - das ist Vorläufiges, Vergängliches, das nehme ich im Tod nicht mit.
Ich darf dankbar sein für alles, was ich habe. Geld, Besitz, Vermögen, alles, was ich besitzen kann, sind Dinge dieser Welt. Und diese Welt hat Gott geschaffen. Er hat uns die Dinge dieser Welt anvertraut, damit wir mit ihnen leben können und Leben ermöglichen können, für uns selber und für die anderen.
Deshalb ist Gott daran interessiert, daß die Dinge dieser Welt, die Güter dieser Welt unter uns Menschen gerecht verteilt werden.
Wenn das Bundesverfassungsgericht die steuerliche Benachteiligung der Familien als verfassungswidrig anmahnt, dann ist das in meinen Augen ganz im Sinne Gottes.
Wenn der Papst, wie kürzlich in Mexiko und Amerika, sich gegen einen reinen Kapitalismus wendet, wenn er den Schuldenerlaß für die ärmsten Länder fordert, dann ist das nicht nur gefühlsduselige Mitmenschlichkeit, sondern ein Einfordern, ein Erinnern der Gebote Gottes.
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Wer wirklich arm vor Gott ist, egal ob er auf Erden viel besitzt oder nicht,
wer wirklich arm vor Gott ist, der bindet sich nicht überverhältnismäßig an die irdischen Dinge.
Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, wie ich mich an bestimmte Dinge binde.
Dann wiederhole ich eine Übung, die ich in der Priesterausbildung kennengelernt habe. Dann sage ich innerlich zu jedem Gegenstand, ja sogar zu lieben Menschen: 'Du bist nicht mein Gott."
Dann spüre ich, daß ich frei komme von den Bindungen an das Irdische, daß ich frei werde für das Himmlische. Frei für Gott.
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Wir Mensch sind dazu berufen, uns auf den Himmel vorzubereiten. Je mehr wir uns aber innerlich und äußerlich an die Dinge dieser Welt binden, desto mehr hindern uns diese Bindungen, zum Himmel aufzusteigen. Wir gleichen dann Adlern, die mit einer Kette am Boden gefesselt bleiben, statt sich majestätisch in die Lüfte zu schwingen."
Immer noch am Schreibtisch sitzend, schließe ich meine Preditnotizen ab. Ich denke daran, daß bald wieder Karneval ist. Die Sitzungen hier in Epe, die Närrischen Einlagen im Fernsehen...
Ich denke über die Narren nach:
"Gute Narren zeichnen sich dadurch aus, daß sie sich selbst, andere und diese Welt nicht allzuernst nehmen.
Sie haben genügend Abstand von der Welt, um sich über sie lustig machne zu können.
Letztlich ist es Aufgabe guter Narren, der Welt den Spiegel vorzuhalten und uns daran zu erinnern, daß wir nicht ewig sind, nicht die Wichtigsten, die Einzigen sind. Gute Narren weisen uns so über diese Welt und über uns selbst hinaus.
Ein wirklich guter Narr kann uns daran erinnern, was wir in den Seligpreisungen gehört haben:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Ich wünsche dem Karneval in unserer Gemeinde und unserer Stadt solche Narren.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn man bedenkt, dass wir in diesen Tagen den Gedenktag
der Opfer des Nationalsozialismus begangen haben, dann wirken
die Worte des heutigen Evangeliums nochmal anders: «Selig,
die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen
gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen
beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet
werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß
sein.» Das klingt zu einfach, zu glatt, nach dem Motto:
Je schlechter das Leben auf Erden, desto schöner wird's
im Himmel.
Es war nicht erst Karl Marx oder Ludwig Feuerbach, die dem
Christentum Vertröstung auf das Jenseits vorgeworfen
haben. Immer schon war ein Gedanke der Religionskritik, dass
der Glaube von den weltlichen Dingen zu sehr ablenkt, dass
die Christen - nur den Himmel vor Augen - vergessen, die Erde
zu verbessern. Karl Marx hat dann allerdings den eingängigen
Begriff gewählt: Opiums des Volkes. Die Religion bzw.
das Christentum sei mit seiner Vertröstung auf das Kommende
ein Rauschgift, das uns hier auf Erden lähmt.
Ein Vorwurf, der gerade die Christen unseres Jahrhunderts
tief getroffen und verunsichert hat. Um nun diesen Vorwurf
der Vertröstung zu entkräften, betonten sie, wie
wichtig, ja wie notwendig es sei, sich als Christ in allen
möglichen Bereichen der Gesellschaft hervorzutun: In
der Politik, in der sozialen Verantwortung, in der Moral und
in der Menschlichkeit. Mit diesen - manchmal überhöhten
Ansprüchen - konnte der Vorwurf, das Christentum sei
das «Opium des Volkes» zwar widerlegt werden.
Aber dafür entstand der Eindruck, wir müssten uns
den Himmel verdienen. Manchmal habe ich auch heute noch das
Gefühl, als wenn viele, die Religion sagen, nur noch
Menschlichkeit oder Gerechtigkeit meinen.
Beide Seiten haben allerdings ihren Pferdefuß.
Wer glaubt, gerade ohne Religion und ohne ihre Vertröstungen
besser zum politischen Handeln gerüstet zu sein, der
wird z.B. durch das Geschehen im Dritten Reich eines Besseren
belehrt. Ein Jude, der erst im letzten Augenblick Deutschland
verlassen hatte, schrieb nach dem Holocaust, dass er sich
gerade in Deutschland, dem Land des Humanismus und der Menschlichkeit,
in dem Land, in dem Goethe und Lessing und all die anderen
vielen großen freien Denker gelebt haben, besonders
sicher gefühlt hat.
Anscheinend lässt sich eben mit einer humanistischen,
nicht-religiösen Weltanschauung nicht nur freier verantwortete
Politik, sondern vor allem auch freier unverantwortete Politik
machen - wie die des Nazi-Regimes.
Auf der anderen Seite können wir auch nicht die Religion
dazu missbrauchen, uns hier auf Erden ein Paradies zu schaffen.
Alle Hoffnung, dass es, wenn sich alle Christen nur richtig
anstrengen würden, keinen Krieg mehr geben wird, sind
Illusionen. Solange wie es Menschen gibt, die sich bewusst
für Gott entscheiden, solange gibt es auch die anderen,
die sich bewusst von Gott abwenden. Nein, liebe Schwestern
und Brüder, das Paradies hier auf Erden wird es auch
mit einer noch so großen moralischen Anstrengung nicht
geben. Auch das hat uns die Erfahrung des 3. Reiches deutlich
vor Augen gehalten.
Das heutige Evangelium allerdings - richtig verstanden -
bewahrt uns vor dem einen wie vor dem anderen Missverständnis,
denn es spricht durchaus von unserer Verantwortung für
das Gelingen menschlichen Zusammenlebens. «Selig, die
keine Gewalt anwenden. Selig, die hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit. Selig die Frieden stiften.»
Selig sind die, die sich einsetzen für eine bessere Welt
hier auf Erden. Es ist unsere Aufgabe, den Menschen hier auf
Erden schon einen Vorgeschmack auf das zu geben, was uns im
Himmel erwartet. Wir werden nicht vertröstet, sondern
mit einer Aufgabe für jetzt und hier betraut: «Selig,
die Frieden stiften.»
Und wir können uns dieser Aufgabe stellen, wir sind
dazu befähigt, weil uns Gott uns Anteil an seinem Leben
verheißt («Wir werden sein Land erben, wir werden
Gott schauen, uns wird das Himmelreich gehören...»)
- und weil diese Verheißungen jetzt schon durch uns
Wirklichkeit werden. Es heißt nicht, dass wir einmal
selig sein werden. Vielmehr: «Selig seid ihr!»
Ja, es gibt eine Verheißung für uns, die kein
Humanismus und keine bloße Menschlichkeit geben kann.
Aber diese Verheißung macht uns nicht träge oder
blind für die Realität, sondern die beginnt jetzt
schon Wirklichkeit zu werden, wenn wir sie den Menschen bringen,
die unsere Hilfe bedürfen.
In den brutalen Wirren des Nationalsozialismus war der Glaube
eben kein Opium, das betäubt; ebenso wenig war er moralischer
Zeigefinger. Vielmehr hat der Glaube in den unmenschlichsten
Situationen zu den größten Wundern der Menschlichkeit
Kraft gegeben. Und da haben sich Himmel und Erde berührt.
Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
an diesem Wochenende kommen vier Dinge zusammen: Am 2. Februar
feiern wir Maria Lichtmess, oder besser: Das Fest der Darstellung
des Herrn, am 3. Februar den Heiligen Blasius, (am Sonntag
morgen die feierliche Aufnahme von 20 Messdienern und Messdienerinnen),
und dann noch den 4. Sonntag im Jahreskreis mit dem Evangelium
von den 8 Seligkeiten.
Bei all diesen Ereignissen findet sich allerdings ein roter
Faden, der sich durchzieht; sehen sie selbst:
Am Fest Darstellung des Herrn begegnet Jesus, noch als kleines
Kind, zum ersten Mal dem Volk Israel (deshalb wird dieses
Fest auch im Osten "Fest der Begegnung" genannt).
Wird Israel, das auserwählt Volk, seinen Herrn erkennen?
Gott, der so oft zu seinem Volk gesprochen hat, findet er
offene Ohren?
In den beiden Alten, Hanna und Simeon, findet er die Sehnsucht
nach Erlösung und die Bereitschaft, diese Erlösung
in dem kleinen Säugling zu erkennen. Da ist die Suche
nach der Wahrheit - und die Demut, diese Wahrheit in einem
kleinen Kind zu finden.
Dazu gehört schon eine ganze Portion von Gottesliebe.
Die Wahrheit nicht in philosophischen Traktaten zu suchen,
sondern (verlacht von den Philosophen) in einem kleinen Kind
- das ist Glaube und Liebe zugleich.
Am Ende des Gottesdienstes empfangen wir den Blasiussegen.
Die beiden gekreuzten Kerzen erinnern daran, das früher
die Ärzte bei Halskrankheiten zwei gekreuzte Kerzen an
den Hals gehalten haben, um den Hals zu wärmen und die
Schmerzen zu lindern. Darüber wird jetzt der Segen gesprochen.
Die Menschen tun das, was sie damals medizinisch verstanden
haben, (heute würde man sinnvollerweise anstelle der
Kerzen Halstabletten verteilen) und bitten dennoch zusätzlich
um Gottes Segen. Wir können viel - aber ohne den Segen
Gottes ist es zu nichts nütze. Den Blasiussegen empfangen
heißt, sich vor dem Wirken Gottes klein machen.
(20 Messdiener werden in ihren Dienst feierlich aufgenommen.
Damit symbolisieren sie, dass wir alle im Gottesdienst zum
Dienst gerufen sind. Wir dienen Gott, ob nun als Messdiener
am Altar oder als Christ in der Bank, mit unseren Gebeten,
unserem Singen und der Zeit, die wir für Gott opfern.
Unser Amt ist der Dienst; daran erinnern uns die Messdiener.)
Und im heutigen Evangelium knüpft Jesus die zukünftige
Herrlichkeit, die 8 Seligkeiten, an unser irdisches Leben.
Damit sind keine Bedingungen gemeint: "Erst, wenn ihr
arm seid, könnt ihr das Himmelreich erben" - oder
"Erst wenn ihr ein reines Herz habt, werdet ihr Gott
schauen". Nein, es sind keine Bedingungen, sondern der
Beginn der himmlischen Herrlichkeit liegt hier im irdischen
Leben: Glauben ist keine Überzeugung, sondern eine Art
zu leben; und dieses Leben, das hier auf der Erde beginnt,
setzt sich fort im Leben bei Gott nach unserem Tod.
Was, liebe Schwestern, ist nun der rote Faden, der sich durch
all diese Gedanken durchzieht?
Die Bereitschaft zur Demut - meiner Meinung nach. Zu erkennen,
dass nur der Demütige Gott finden wird. Hanna und Simeon
waren bereit, den Wunsch nach einem heldenhaften Erlöser
aufzugeben und sich dem Erlöser in Gestalt eines Kindes
zu beugen. Wir sind bereit, trotz unseres großen Wissens,
Gott um seinen Segen zu bitten und auch unsere Gesundheit
in seine Hände zu legen. Wir sind bereit, uns von Jesus
in den Dienst nehmen zu lassen, jederzeit in der Welt und
auch hier im Gottesdienst. Denn wir wissen, wer sich frei
macht in dieser Welt, der wird frei für die Herrlichkeit
der nächsten Welt.
Es gibt Menschen, die meinen, um an Größe zu gewinnen,
müssten sie sich selbst auf das Podest stellen. Wir Christen
wissen, dass wir dann unsere größte Größe
finden, wenn wir uns verbeugen. Vor unserem Nächsten
und vor Gott. Amen.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder in Glauben!
Die Lesungen des heutigen Sonntages verdeutlichen sehr gut,
was durch die Entscheidung des Deutschen Bundestages am Mittwoch
klar geworden ist.
Der Prophet Zefanja spricht davon, dass nur ein kleines Volk
mittendrin übrigbleibt, dass noch den Namen des Herrn
sucht, dass noch auf die Worte Gottes achtet. Nur noch ein
kleiner Haufen von dem ursprünglichem Volk.
Der Papst hat es kürzlich ähnlich bekannt: die
westliche Welt ist keine christliche mehr. Und auch in unserem
land ist es Mittwoch deutlich geworden: das menschliche Lebens
wird nicht mehr grundsätzlich geschützt. Das Embryonenschutzgesetz
wird nun aufgeweicht und es wird legitimiert, dass heranwachsende
Kinder, nichts anders sind Embryonen, dass unschuldige Kinder
getötet worden sind um Stammzellenkulturen herzustellen,
mit denen es nun auch deutschen Forschern erlaubt ist, zu
experimentieren. Um vielleicht irgendwann einmal Krankheiten
zu behandeln, sind gesunde Menschen umgebracht worden und
der Deutsche Bundestag, mehrheitlich mit sogenannten Christen
besetzt, erlaubt diese getöteten nun zu nutzen.
Es werden zwar Einschränkungen gemacht, doch letztlich
sind sie alle hinfällig angesichts der Grundsatzentscheidung,
die nun getroffen worden ist.
Ich will nur die meistdikutierte Einschrängung herausgreifen,
um es ihnen deutlich zu machen. Da wird ein Stichtag genannt,
Nur die bis z.B. letzten Mittwoch durch getötete Kinder
gewonnenen Stammzellen dürfen in D genutzt werden.
Im Ausland werden jeoch neue Stammzellenkulturen geschaffen,
da es dort solche inen Frist nicht gibt. Man wird nun bald
daruaf hinwiesen, dass aufgrund der ermutigenden entscheidung
des DBT der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
kostspielige Sonderforschungsbereiche eingerichtet wurden,
die nun wegen der immer schelchter werdenden Qualität
der Stammzelllinien brachliegen, Man würde - das wäre
die vorsichtige Variante - eine Änderung des Stichtages
vorschlagen. Und da man ja schon einmal für eine Stichtagsregelung
gestimmt hat, wird es nicht schwerfallen, auf diesem Weg nun
weiterzugehen.
Wenn damit de facto der import von embryonalen Stammzellen
akzeptiert wird, dann werden zwei weitere Argumente nicht
lange auf sich warten lassen. Zum einen wird man sagen, dass
es unredlich sei, um Ausland Embryonen töten zu lassen
und so zu tun, als hätte man damit gar nichts zu tun,
wenn man dennoch von den Früchten dieser Tötungen
profitiert. Es sei ehrlicher, redlicher, auch in D zu töten.
Diesem Argument träte schnell in wirtschaftliches zur
Seite: die Importkosten könnten durch Patente so hoch
werden, dass die Etablierung inländischer Zelllinien
die einzige Möglichkiet wäre, die Fortsetzung der
Forschungen in eiem finazierbaren Rahmen zu halten. Denn man
müsse ja unbedingt weitermachen, man wolle schließlich
Menschen helfen.
Einzelne Abgeordnete bezogen sich auch heute schon auf die
Bibel, die ihnen die Pflicht gebe, Krankheiten zu heilen.
Aber doch nicht, indem ich Menschen zuvor umbringe!
Auch wenn Theologen mitdiskutiert haben und zu unterschiedlichen
Meinungen gekommen sind, so sind sich die Kirchen doch darin
einige, dass diese nun getroffene Entscheidung nicht im Sinne
der Bibel, der Christen und unseres Gottes ist.
Was können wir tun?
Paulus im Brief an die Korinther: seht auf eure Berufung!
Ist sie auch noch so klein, Gott hat das Schwache erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen. Das Kreuz, zuvor Zeichen
der Erniedrigung und der Ohnmacht, hat Gott erwählt,
um daran alle Weisheit der Welt zuschanden zu machen. Das
hat die Welt damals nicht kapiert, und sie versteht diesen
Gedanken der absoluten Hingabe und Liebe auch heute noch nicht.
Die Welt versteht es nicht, dass jemand freiwillig sein Leben
hergibt, um anderen das Leben zu ermöglichen.
Da ist ein entscheidender Unterschied zu unserem Staat. Er
lässt andere töten, um unsere Krankheiten heilen
zu wollen, Christus lässt sich töten, um anderen,
uns das Leben zu schenken.
Das ist auch unser Weg, der Weg des Kreuzes Christi. Und wir
sollen es nicht verstecken, gerade dann nicht, wenn die Welt
Abstand nimmt von christlichen Werten. Gerade dann gilt es,
sich des Herrn zu rühmen.
Auch das Evangelium der Seligpreisungen fordert uns auf,
Christus zu folgen: barmherzig sein, ein reines Herz haben,
Frieden stiften, für Gerechtigkeit auch unter drohender
Verfolgung einsetzen. Konkreter kann die Bibel doch kaum werden.
Amen.
6. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Ich sehe in der augenblicklichen kirchlichen Großwetterlage vor
allem zwei gefährliche Trends. Zum einen eine gewisse Verzuckerung
des Lebens durch Abwendung von der harten Wirklichkeit und Hinwendung
zu den verschiedensten Symbolen für das, was als ideal empfunden
wird. Für zumindest einen Teil seines Lebens wird soll der Christ,
der in diesen Trend gezogen wird, in eine heile Welt eintauchen, indem
über alles Schlimme und Schreckliche ein Mantel gelegt und indem
das christlich-humane Lebensideal mit allerlei suggestiven Worten beschworen
wird. Es paßt in diesen Trend, daß die 1200jährige Bistumsgeschichte
schlechthin als Liebesgeschichte tituliert wird, als ob sie
nicht ebenso eine Geschichte des Unglaubens, der Rivalität, des Hasses
und sogar des blutigen Tötens gewesen wäre. Es paßt in
diesen Trend, daß mit einem immensen Öffentlichkeitsaufwand,
den man sonst anläßlich von Staatsbesuchen betreibt, eine Kerze
durchs Bistum getragen wird: das Symbol für Bischof Liudger, in dessen
Strahlenglanz wir offensichtlich die ganze Kirchengeschichte (und vermutlich
auch die derzeitigen Amtsträger und ihre unpopulären Verfügungen)
sehen sollen. Zu den vielen unsäglichen Worten, die dazu gemacht
werden, möchte ich nur die Bibelstelle in Erinnerung rufen: Meine
Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und
Wahrheit. (1 Joh 3,18)
Das ist der eine Trend. Der andere hängt sich an das allgemeine
Klagen und Jammern an und richtet dieses gegen die böse Gesellschaft.
Zu lange habe die Kirche mit den Mächtigen Hand in Hand gearbeitet
und dadurch eine Wirtschaftsordnung gestützt, in der die Besseren,
Schnelleren und Stärkeren gewinnen und die Armen und Schwachen verlieren.
Nun sei es an der Zeit, aus dieser unseligen Zusammenarbeit auszusteigen
und eine selige Gegenkultur zu bilden, in der endlich die wahren Werte
der Bergpredigt zur Geltung kommen, in der die Armen, die Trauernden und
die Verfolgten zu ihrem Recht kommen. Zwar weiß niemand zu sagen,
wie eine solche gettoisierte Kirche aussehen und evangeliumsgemäß
wirken könnte. Aber ein vages Idealbild von ihr genügt schon,
um kräftige Kritik an den bestehenden oder vermeintlichen Mißständen
zu üben. Überhaupt ist es diesem zweiten Trend gemäß
überaus beliebt geworden, das Evangelium und gerade auch die Bergpredigt
als Polemik gegen die böse Gesellschaft zu deuten und
von daher auszulegen. So hört man z.B.: Selig, die arm sind
vor Gott und stellt fest: Aber in unserer Gesellschaft
sind sie nicht selig. Also müssen wir aus dieser Gesellschaft aussteigen.
Die beiden Trends sind gleichsam die zwei Seiten ein und derselben Medaille,
sie entspringen derselben geistigen Quelle. An ihrem Ursprung sitzt eine
tiefe Frustration über das Leben und seine grausamen Härten,
darüber, daß es unmöglich ist, das verlorene Paradies
wiederherzustellen. Sofern man ein gläubiger Christ ist, versteht
man Jesus gleichfalls als jemanden, der unter diesem Zustand leidet, und
zugleich als denjenigen, der das Paradies in Form des Reiches Gottes neu
aufgerichtet habe. Wer eine solche Sichtweise hat, kann den Geist Gottes
nur dort am Werk sehen, wo eine ganz neue Lebensweise herrscht. Und darum
gibt es den doppelten Hang, zum einen zum Verklären und Verkleistern,
zum Kuscheln und Klönen bei Kerzenschein und Räucherstäbchen,
zum anderen aber zum Verteufeln und Verleumden, zum Jammern und Klagen
in endlosen Diskussionen, solange der Kaffee reicht.
Um es kurz zu sagen: Gründlicher kann man die Bergpredigt nicht
mißdeuten. Die Seligpreisungen Jesu sind kein Klagelied über
die Mißstände unserer heutigen Welt! Sie geben vielmehr Ausdruck
von Jesu eigener Lebenserfahrung: daß er inmitten von Armut und
Trauer Seligkeit spürte, Seligkeit infolge seiner Sanftmut, Gerechtigkeitsliebe,
Barmherzigkeit und Herzensreinsheit seiner Verbundenheit mit Gott,
seinem Vater. Er hat sich nicht zurückgezogen, als er merkte, daß
die große Masse sich bald von ihm abwandte, sondern seine Jünger
geschult, damit sie ihm helfen bei der Verkündigung der Frohen Botschaft.
Darum darf sich die Kirche nicht in irgendwelche Nischen und Kuschelecken
zurückziehen, und ebensowenig die einzelnen Gläubigen, sondern
wir müssen die Ärmel aufkrempeln und Hand anlegen: Sauerteig
sein, um so inmitten der Welt in Tat und Wahrheit Zeugnis
von der christliche Liebe zu geben.
Ist nicht der christliche Glaube auch deshalb für viele so unplausibel
geworden, weil die genannten Trends überhand genommen haben, so daß
man von außen meinen muß, die Christen seien wirklichkeitsfremde
Narren? Bei Kaffee und Kuchen läßt sich leicht lamentieren
über die Ungerechtigkeit in der Welt. Wo aber bleiben die Taten?
Als im 19. Jahrhundert der Wirtschaftsliberalismus noch weit stärker
als heute den Armen, vor allem den Arbeitern jede Chance nahm, da waren
es überzeugte Christen, die durch die Gründung von Vereinen,
Gewerkschaften und politischen Parteien den Staat durchsäuerten und
eine soziale Gesetzgebung erwirkten, auf der bis heute die Idee der sozialen
Marktwirtschaft beruht. Ich nenne nur die Namen Adolf Kolping und Bischof
v. Ketteler, die das Kolpingwerk bzw. die KAB gegründet haben. Sie
sind nicht ausgestiegen, sondern eingestiegen
und haben so aus ihrer christlichen Überzeugung dazu beigetragen,
daß sich die Gesellschaft nicht selbst zerstörte. Solche
Männer brauchen wir heute auch.
Fürbitten
Herr, unser Gott, Du hast uns in Deinen Dienst gerufen. Von
Dir und Deiner Liebe dürfen wir Zeugnis geben. Dich bitten
wir:
-
Erfülle uns mit Deinem Geist, damit wir den Menschen
mit Tatkraft und Mut zur Seite stehen können.
-
Stärke uns mit Deinem Geist, damit wir zur Dir und
zur Kirche stehen können.
-
Führe uns durch Deinen Geist, damit wir uns nicht
vom Ungeist der Zeit verwirren lassen.
-
Schenke Deinen Geist den Bischöfen und Priestern,
damit sie mit Liebe und Klarheit Deine Botschaft verkünden.
-
Gib Deinen Geist den Regierenden und Herrschenden, dass
sie Frieden und Freiheit verwirklichen können.
-
Tröste mit Deinem Geist die Leidenden, Verfolgten
und Traurigen.
-
Nimm unsere Verstorbenen auf in Dein Reich. Wir feiern
diesen Gottesdienst...
Gott, unser Vater, in Dir leben wir, in Dir glauben und hoffen
wir. Bewahre Deine Kirche in der Liebe und in der Wahrheit,
durch Christus, unseren Herrn.
Fürbitten 2. Vorschlag
Zu Jesus Christus rufen wir. Er hat die seliggepriesen, die arm sind vor Gott:
- Für unsere Kirche: Hilf ihr eine unermüdliche Kämpferin für die Sache Gottes in dieser Welt zu sein.
- Für unsere Politiker: Schenke ihnen das nötige Verantwortungsbewußtsein und die nötige Kompetenz, die Probleme unseres Landes zu lösen.
- Für alle, die sich übermäßig an diese Welt binden: Öffne ihnen Herz und Verstand für deine Gegenwart unter uns.
- Für alle, die in diesen Tagen Karneval feiern (Sa: vor allem für die hiesige Kolpingfamilie): Hilf ihnen, uns auf angemessene Weise den Spiegel vorzuhalten, wo es nötig ist.
- Für unsere Toten: Nimm sie auf in das Himmelreich, daß du uns verheißen hast.
Das erbitten wir von dir, Vater, durch deinen Sohn im Heiligen Geist.
Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 295, 1 + 3
Kyrie: 495, 4
Gloria: 476
2. Lesung: 1 Kor 1, 26-31
Zwischengesang: 302, 1 + 2 (nach der Melodie von 468)
Evangelium: Mt 5, 1 - 12a
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 480
Sanctus: 481
Agnus Dei: 482
Danksagung: 261, 1 + 3 (direkt nach dem Austeilen)
Schluss: 302, 3 + 4 (nach der Melodie von 468)