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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 5. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Im heutigen Evangelium hören wir eine der tröstlichsten
Worte, die Jesu uns hinterlassen hat: "Ihr seid das Salz
der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!" Dahinter steckt
keine verborgene Botschaft: "Also, benehmt Euch auch
so!" - es ist einfach eine großartige Verheißung,
die Jesus seinen Aposteln, seinen Jüngern und damit einem
jedem vermacht.
"So soll Euer Licht vor den Menschen leuchten, damit
sie Eure guten Werke sehen" wird nämlich nicht durch
den Aufruf Jesu ergänzt: "Also, tut mal kräftig
Gutes!" - Es ist die feste Überzeugung Jesu, dass
wir schon dadurch leuchten, schon dadurch leuchten, indem
wir einfach Christen sind. Die guten Werke, von denen
er spricht, sind keine großartigen Zusätze, zu
denen wir Christen uns aufraffen:
Einfach auf Gott zu vertrauen - das ist ein Gutes Werk, das
leuchtet. In der Not zu Gott zu beten - das strahlt aus. Sich
seiner Schuld vor Gott bewusst sein - das zieht Kreise. Zu
wissen, dass in Jesus unsere Schuld ein Ende hat - das ist
heller als jede Dunkelheit.
Dass Jesus uns diesen Mut macht, ist leider nötig. Denn
oft genug glauben wir, dass unser Christsein allein nichts
bringt. Wir trauen den von Jesus gepriesenen Guten Werken
nicht wirklich; und so wird unser Salz schal und unser Licht
verborgen:
Einfach an Gott zu glauben - so denken wir - reicht
doch nicht aus. Wir suchen nach schlagkräftigen Argumenten,
nach genialen Begründungen. Und da wir sie nicht parat
haben, verstecken wir unseren Glauben.
Einfach Gott um Verzeihung zu bitten - so denken wir
- wird uns doch nur als Heuchelei ausgelegt. Wir glauben ja
selbst nicht unbedingt an die Kraft der Beichte, an das Glück
der Vergebung und daran, dass Jesus für unsere Sünden
gelitten hat. Also verbergen wir unsere Schuld, bis wir selbst
nicht mehr daran glauben - und das Salz der Vergebung wird
schal. Wer braucht es noch? Es taugt nichts mehr und wird
vergessen.
Einfach zum Gottesdienst zu gehen, weil wir Gott mögen,
- so denken wir - wird uns doch nur als "Frömmelei"
ausgelegt, als hirnloses Verhaftetsein in seltsamen Traditionen.
Der Spott und die Verlockungen, frei von Verpflichtungen zu
sein, treffen uns - und so gehen wir halt seltener und irgendwann
nicht mehr. Schließlich ist unsere Treue zum Sakrament
"im Eimer" - wo sie niemandem mehr leuchten kann.
Stellen sie sich vor, ein Nicht-Christ, ein Nicht-glaubender,
gibt Ihnen eine Chance und sagt: "Okay, Du hast viel
von Deinem Glauben erzählt. Ich möchte Dich einmal
begleiten und sehen, was Dein Glaube so zu bieten hat."
- Was würden sie mit Ihm unternehmen?
Vermutlich zu einem Mega-Ereignis gehen. Katholikentag. Weltjugendtag.
Zu einem besonders peppigen Gottesdienst. Ein Festhochamt
- mit Kirchenchor. Oder zu den Schwestern der Mutter Theresa
- Nächstenliebe erfahren. Nach Taize. Einem gut besuchten
Jugendgottesdienst.
Kämen Sie auf die Idee, einen solchen, ehrlich suchenden
Menschen in einen unserer stillen Freitagabendmessen
mitzunehmen? Zur sonntäglichen Andacht, zur Anbetung?
Paulus schreibt: "Als ich zu Euch kam, Brüder,
kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit
vorzutragen... ich hatte mich entschlossen, nicht zu wissen
außer Jesus Christus." - Paulus weiß - genauso
wie die Schwestern von Mutter Theresa - dass wir Gott nicht
in der äußeren Gestaltung finden. Sind wir
von der Strahlkraft einer stillen Andacht überzeugt?
Wissen wir die Leuchtkraft einer schlichten Hl. Messe zu schätzen?
Oder glauben wir, dass wir gestalten müssen, um zu gewinnen?
Glauben Sie mir - die wenigsten Menschen haben sich durch
eine kluge Predigt, einem genialen Argument oder einem perfekten
Christen bekehren lassen. Andre Frossard zum Beispiel, ein
überzeugter Atheist und mit sich selbst zufrieden, erfährt
seine Bekehrung, indem er rein zufällig eine Kirche betritt,
in der nichts anderes geschieht als eine Anbetung. Nach zwei
Minuten, so sagt Andre, war er Christ. Nicht, weil er von
der Gestaltung so begeistert war, sondern weil Gott in angerührt
hat - ohne unser zutun. Nach dem Gottesdienst sagt er seinem
Freund: Ich bin katholisch", und fügt hinzu:
apostolisch, römisch". Einfach so. (Buch:
"Gott existiert - ich bin ihm begegnet")
Liebe Schwestern und Brüder, wir sind Licht der Welt
- weil Gott in uns leuchtet. Wir leuchten nicht durch die
Klugheit unserer Predigt, durch ein vorbildliches Leben, nicht
durch die Schönheit unseres Gesanges, nicht durch die
Gestaltung unserer Kirche oder Gottesdienste. Alles das ist
Ausdruck unseres Glaubens - aber nicht der Grund, warum wir
glauben.
Seien wir einfach nur Gott nah; nehmen wir seine Einladungen
und Aufforderungen an. Bemühen wir uns um ihn und seine
Liebe. Und unser Licht wird heller strahlen als jede Leuchtreklame.
Amen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn wir weg wollen von dem «erhobenen Zeigefinger»,
von dessem Missbrauch ich letzen Sonntag gesprochen habe,
dann passt das heutige Evangelium sehr gut. Jesus hält
den Menschen in der Bergpredigt keine Gardinenpredigt: Es
heißt nicht: «Ihr sollt das Salz der Erde sein»,
«Seid das Licht der Welt!». Jesus stellt nur fest:
«Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der
Welt!»
Wenn wir glauben und uns im Glauben an Jesus Christus halten
- vor allem an das, was er in der Bergpredigt gesagt hat -
dann sind wir das Licht der Welt. Allein weil wir die Zusage
haben, Kinder Gottes zu sein, schaut die Welt auf uns. Mit
aufmerksamen und oft kritischen Augen, missbilligend, aber
auch staunend über unser gutes Verhältnis zu Gott.
Nun gibt es aber doch Christen, die genau damit nicht fertig
werden. Es gibt Christen, die alles andere sein wollen, nur
nicht «Licht für die Welt». Die es nicht
haben können, dass andere, die noch auf der Suche nach
der Wahrheit sind, auf uns schauen. Die jeden Anspruch leugnen,
selbst das Licht der Wahrheit erkannt zu haben.
Sie reden zwar davon, es sei ein Zeichen von Toleranz und
Bescheidenheit, sich nicht als Hüter der Wahrheit aufzuspielen.
Aber letztlich ist es ja nicht ihr Leistung, die Wahrheit
gepachtet zu haben, sondern ein Geschenk Jesu. Kein Mensch
kann den Anspruch erheben, alleine recht zu haben. Kein Mensch
kann behaupten, die endgültige Antwort geben zu können.
Aber Gott kann das doch wohl - oder? Und Jesus Christus ist
doch Gottes Sohn und hat uns - wie Paulus sagt - als einziger
die Kunde von Gott gebracht.
Jesus hat uns das Licht des Glaubens geschenkt. Und nun kommen
wir, und stülpen ein Gefäß darüber, einen
Eimer - wie Jesus gesagt hat. Und das nennen wir dann Toleranz
und Bescheidenheit. (Ich würde eher sagen, dass das eine
Form der Ängstlichkeit ist.)
Ähnliches gilt auch für die Zusage: Ihr seid das
Salz der Erde. Wir sind als diejenigen, die Gott zum Leben
berufen hat, das Gewissen der Welt. Dem grauen Alltag geben
wir Geschmack, dem abgestumpften, faul gewordenen Kompromissen
geben wir das Feuer zurück.
Auch das ist nicht immer so ganz einfach und noch lange nicht
die Lieblingsaufgabe der Christen. Wer aus seiner eigenen
Glaubenserfahrung heraus nicht so werden will wie alle anderen
Menschen, der muss sich harte Vorwürfe gefallen lassen:
«Ihr seid ja von gestern! Ihr solltet nicht so weltfremd
sein! Das könnt ihr doch heute nicht mehr von den Menschen
verlangen!»
Und ruckzuck sind wir Christen, wenn wir uns unter diesen
Vorwürfen ducken, nicht mehr Salz, sondern nur noch Suppe.
Wenn aber das Salz schal wird - womit kann man es wieder salzig
mach? Es taugt nicht mehr!
Wenn wir Christen nur noch so sein wollen wie alle - auch
eine Form der Ängstlichkeit - dann taugen wir nicht mehr
als Christen.
Liebe Schwestern und Brüder, so ist das mit den Verheißungen
und Zusagen: Jede Gabe Gottes ist gleichzeitig auch eine Aufgabe,
der erfüllt sein will. So ganz lässt sich der erhobene
Zeigefinger nicht vermeiden. Aber im Zentrum des Evangeliums
steht er nicht - im heutigen Evangelium kommt er z. B. nur
in Nebensätzen vor.
Wir können die Ängstlichkeit der Christen nämlich
nicht dadurch korrigieren, indem wir uns vorhalten: Du darfst
nicht so Ängstlich sein! Vielmehr helfen wir uns gegenseitig
über unserer Ängstlichkeiten hinweg - die auch ich
immer wieder habe und die mich daran hindern, ein guter Priester
zu sein - indem wir uns Mut machen und uns an Gottes Zusage
erinnern. Deshalb wurde das Evangelium heute auch wieder verlesen
- obwohl sie es sicher alle schon einmal gehört haben.
Um uns durch Erinnerung zu ermutigen.
«Du bist das Licht der Welt! Du leuchtest den Menschen,
weil Gott dich erleuchtet! Die Menschen preisen Gott, wenn
sie deine guten Taten sehen! Du bist derjenige, der einer
gottlosen Gesellschaft und Umgebung wieder Geschmack und Freude
am Leben gibt. Du bist das Salz der Welt!»
Seien wir dankbar, dass wir eine solche Gabe (Aufgabe) bekommen
haben. Und dass wir einander haben, sie zu bewältigen.
Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
«Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die Obdachlosen
Armen ins Haus auf, wenn Du einen Nackten siehst, bekleide
ihn und entzieh Dich nicht Deinen Verwandten.» Das meint
zumindest Jesaja.
Dass hier die Hungrigen, Obdachlosen, Nackten mit den Verwandten
in einem Atemzug genannt werden, mag uns etwas überraschen.
Aber Jesaja hat damals wohl gewusst, wovon er spricht: Das
sind die, denen wir nicht so gerne helfen.
Ja, wenn Claudia Schiffer an unsere Tür klopfen würde
und um einen kleinen Bissen Brot fragen würde, dann wären
wir sofort bereit, ein ganzes Buffet aufzufahren! Oder wenn
Michael Schumacher klingelt und nach dem Weg fragt, dann steigen
wir sofort ein und laufen den ganzen Weg fröhlich pfeifend
wieder zurück. So mancher träumt davon, in eine
solche glückliche Lage zu kommen. Aber genau das sollte
der christliche Normalfall sein: Helfen, weil es uns eine
Ehre ist, ein Freude, ein Vergnügen!
Oder stellen sie sich einen junge Mann vor, der das unsagbar
Glück hat, dass seine Angebetete vor seinen Augen stürzt
und hilflos am Boden liegt! In Nullkomma-Nix ist er dabei,
ihr aufzuhelfen und strahlt dabei selber vor Freude.
Ich erinnere mich noch an eine Bergtour in Österreich
mit einer Reihe von Jugendlichen, und an den 16-jährigen,
der überhaupt keinen Sinn darin sah, auf Berge zu steigen.
Die ganze Zeit lag er mir in den Ohren: «Was soll ich
da oben? Kann ich denn wenigstens den Rucksack im Bus lassen?»
Und wenig später sah ich in von Stein zu Stein hüpfen
- mit zwei Rucksäcken! Die ganze Bergsteigerei hatte
plötzlich für ihn eine neue Dimension bekommen,
weil er den Rucksack einer wirklich sympathische 17-jährigen
tragen durfte. Für seine Schwester hätte er das
wohl nicht getan.
Das Problem mit der Helferei liegt darin, dass wir gerne helfen,
wenn uns die Person, die Hilfe braucht, am Herzen liegt. Und
das, liebe Schwestern und Brüder, ist das Geheimnis des
christlichen Tuns. In der christlichen Version der zehn Gebote
gibt es eben nicht das Gebot der christlichen Helferei, sondern
das Gebot der christlichen Nächstenliebe. Wir sollen
nicht auf das schauen, was wir tun, sondern auf den, dem wir
etwas tun.
Beim Tragen der Last eines des anderen sollen wir immer so
wie der 16-jährige von Stein zu Stein springen, weil
wir uns freuen, jemandem helfen zu können. Das ist christlich!
Nicht darüber nachdenken: "Mein Gott, ist der Rucksack
schwer, aber ich muss ihn ja tragen, hat ja Jesus gesagt.
Wirklich zu ärgerlich, dass ausgerechnet ich Christ sein
muss..." Sondern: "Ist sie nicht nett?! Soll ich
vielleicht fragen, ob sie noch einen Rucksack hat?!"
Wenn es in einem christlichen Gedanken heißt: «In
jedem, der Deine Hilfe braucht, sollst Du Christus erkennen!»,
dann hilft uns das heute oft gar nicht weiter. Da gefällt
uns das Beispiel: «Stell Dir vor, derjenige, dem Du
hilfst, ist Sarah Connor oder Sven Hannawald» schon
besser. Weniger hilfreich ist es wahrscheinlich, sich vorzustellen,
es sei der eigene Bruder, oder die eigene Schwiegermutter.
Aber gerade dazu werden wir Christen ermutigt: «Zunächst
Christus über alles zu lieben!» Das ist der Beginn
der wirklich Nächstenliebe: Christus zu lieben! Und dann
in jedem Menschen ihn zu erkennen und nicht zu fragen: "Muss
ich wirklich?", sondern vielmehr: "Kann ich nicht
noch mehr?"
Und manchmal tut es gut, mit dem Schwierigsten anzufangen:
Erkennen sie Christus, Gott, den Sie lieben, in ihrer buckeligen
Verwandtschaft. Tun Sie ihnen Gutes, weil sie sich freuen,
es tun zu dürfen!
Wenn Sie im Nächsten und im Verwandten Christus erkennen,
dann, liebe Schwestern und Brüder, sind sie Licht der
Welt und Salz der Erde. Und dann haben Sie mehr Freude im
Leben, als andere haben bei Korn und Wein und Karneval in
Fülle. Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Mit klugen und gewandten Worten", so wünschen sie
sich wahrscheinlich, nicht anders als die Leute in Korinth,
eine Predigt. Anziehend, spannend und begeisternd soll die
Verkündigung von Gott, die Werbung für Christus
sein.
Paulus hat da aber so seine Probleme mit in Korinth, wie
wir es vorhin in der Lesung gehört haben. Er sagt es
ganz deutlich, ich kann keine glänzende Reden halten,
oder eine gelehrte Weisheit vortragen. Er will keine Menschen
zum Glauben überreden. Seine Aufgabe sah er allein darin,
auf Christus zu verweisen. Die Menschen sollten ihm begegnen
und dadurch die Kraft und den Geist Gottes erfahren. Paulus
hatte sich entschlossen, nichts zu wissen, außer Jesus
Christus, und zwar als den Gekreuzigten. In dieser Begegnung
mit Ihm kann einem aufgehen, wie Gott ist, daß er sich
durchsetzt nicht mit dem Einsatz seiner Macht, sondern mit
der Kraft seiner Liebe. Am Gekreuzigten kann ich erkennen:
Gott siegt nicht, indem er das Böse niedermacht, sondern
durch seine Hingabe von innen heraus. Das Böse kann über
Christus nicht Herr werden, weil er alles auf Gott, auf die
Kraft der Hingabe setzt, weil er bis zum letzten Atemzug sein
Leben in die Hände des Vaters legt. In der Begegnung
mit Christus wird einem leibhaftig deutlich: indem Gott sich
hingibt und schenkt, ist er kraftvoll am Werk in dieser Welt.
Und so auch heute noch: das Leben der Welt liegt nicht in
der Hand der Klugen und Mächtigen, der Wirtschaftsbosse
und Werbefachleute. Sie liegt auch weiterhin, man mag es kaum
glauben und geschweige denn sagen, in der Hand Gottes. Dort,
wo nur Machtstreben und Interessenverteidigung, wo allein
Wachstum und Gewinnmaximierung gelten, sind die falschen Kräfte
am Werk. Dadurch werde ich den Menschen nicht gerecht. Der
führende deutsche Wirtschaftszweig, die Autoindustrie
hat im letzten Jahr ein sattes Plus von 7% gemacht, die Sparkasse
Münster, so war heute in der Zeitung zu lesen, hat ein
Umsatzplus von 10% verbucht, und trotz dieses Wirtschaftswachstum
steigt die Arbeitslosigkeit im Januar vielleicht auf die höchste
seit der Nachkriegszeit, auf über 4 Millionen Menschen.
Den Menschen helfe ich durch solches Wachstumsdenken also
nicht. Nur dort, wo Hingeben, Teilen und Helfen die letzten
Beweggründe sind, dort ist die Kraft Gottes am Werk.
Dort wirkt der, der auch heute allein auf der Welt das Ziel,
unserem Leben Sinn zu geben vermag.
Hingeben, Teilen und Helfen, davon müssen wir nicht
in gewandten und klugen Worten reden, sondern das müssen
wir leben. Wir sind das Salz der Erde, sagt Christus. Salz
sind wir nicht für uns selber, Salz gibt es nicht um
des Salzes wegen, sondern Salz würzt die Speise. Wir
seine Jünger, wir Christen sind diejenigen, durch die
die Erde ihren Geschmack bekommt. In Holland, wo der Staat
ja im ethischen Bereich mittlerweile fast alles erlaubt, rufen
die Politiker die Kirche dazu auf, doch mehr für die
Werte einzutreten. Recht so, wir sind das Salz der Erde und
nicht der Zucker, der alles versüßt. Wenn Salz
auf Wunden gelegt wird, schmerzt es, aber es reinigt und heilt
auch. Wir haben unsere anstößige christliche Botschaft
in die Welt hinein zu tragen. Und zwar nicht durch glänzende
Reden und gelehrte Weisheit, sondern durch unser Leben. "Ihr
seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert,
womit kann man es wieder salzig machen?" Wenn wir durch
unser Leben Christus nicht vergegenwärtigen, wer soll
denn dann noch für ein christliches Miteinander sorgen?
Wen wir es nicht tun, dann tut es keiner. Wenn wir fad und
lau geworden sind, taugen wir zu nichts mehr, dann sollen
wir unseren Christentitel lieber in die Ecke werfen und brauchen
uns nicht wundern, wenn darauf herum getrampelt wird. Werden
wir doch 'mal konkret: würden wir Katholiken in Deutschland
nicht abtreiben, sähe das deutsche Abtreibungsrecht wahrscheinlich
anders aus. Wären katholische Familien in Deutschland
wirkliche Hauskirchen, sähe die Frage um Kreuz in Klassenzimmern
anders aus. Hätten Katholiken in Deutschland wirklich
die Absicht, ihre Kirche auch finanziell zu tragen, könnte
die Kirche jeder Debatte um die Kirchensteuer gelassen entgegensehen.
Haben wir unseren Geschmack verloren?
Christus sagt: "Ihr seid das Licht der Welt" Wenn
wir unser Licht unter ein Gefäß verstecken, wozu
haben wir es dann überhaupt angezündet? Warum sind
wir Christen geworden, wenn wir dieses unser Licht nicht hoch
auf den Leuchter stellen, so daß jeder sehen kann, wer
unserem Leben Sinn gibt? Wenn wir nicht Licht für andere
sein wollen, dann können wir unser Licht lieber gleich
ganz ausblasen. Wir sind durch Christus, durch unsere Taufe
auf seinen Namen, durch die Firmung, durch die Salbung mit
Gottes Heiligem Geist zum Salz der Erde und zum Licht für
die Welt befähigt und berufen. Es ist Zusage und Anspruch
zugleich. Durch unser Leben im Namen Jesu Christi, durch unsere
Hingabe in guten Werken, die wir in seinem Namen tun, können
andere Menschen zum Glauben kommen. Nicht durch noch so gut
gemeinte päpstliche Verlautbarungen oder Unterschriftenaktionen,
sondern durch unsere guten Werke kommen andere Menschen dazu,
unseren Vater im Himmel zu preisen, wie es im Evangelium hieß.
Die Seligpreisungen vom letzten Sonntag geben genügend
ganz konkrete Vorschläge. Sie sind alle im 5. Kapitel
des Matthäus - Evangeliums nachzulesen. Wenn ich zum
Helfen bereit bin und das meine ordne, wie es recht ist, dann
erstrahlt Licht in der Finsternis, dann leuchtet der gnädige,
barmherzige und gerechte Gott in uns auf. Dann werden wir
zum Licht für die Welt, dann sind wir Salz, das das Leben
der Menschen erst schmackhaft macht, ihm die Fülle gibt,
nach der sich doch alle sehnen.
Jetzt am Altar wird Christus unter uns sein in seiner Hingabe
für uns bis zum Kreuz, ja er wird seinen Leib teilen
zu unserer Speise. An ihm darf ich teilhaben, damit ich mit
ihm zum wahren Leben erstehe und zum Licht und Salz werde
für den dunklen und faden Alltag der Menschen.
5. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Am letzten Samstag habe ich auf ein verbreitetes Mißverständnis
der Bergpredigt hingewiesen: sie ist weder ein Klagelied über die
Mißstände unserer heutigen Welt noch ein ethisches Hochleistungsprogramm.
Jesus beginnt seine Predigt überhaupt nicht mit Forderungen und Appellen,
sondern mit Seligpreisungen, das heißt mit einem Zuspruch. Er spricht
denen, die mit ihm zusammen nach Gerechtigkeit und Liebe dürsten,
Trost zu, weil sie nämlich wie er selbst die Erfahrung machen dürfen,
inmitten von Armut und Traurigkeit unendlich geliebt zu sein, gehalten
und getragen von Gott, unserem Vater, der unsere Sehnsucht kennt und sie
ganz gewiß erfüllen wird.
Auch in der Fortsetzung seiner Rede hält Jesus seinen Zuhörern
keine Imperative entgegen, sondern spricht ihnen etwas zu, was sie sich
wohl kaum selbst zugetraut hätten: Ihr seid das Salz der Erde
Ihr seid das Licht der Welt. Das Wort vom Salz vergleicht das christliche
Leben mit der reinigenden und würzenden Kraft des Salzes, das den
Speisen erst Geschmack gibt. Das Salz ist nicht für sich da, sondern
um zu würzen. Salz macht die Nahrung schmackhaft, jedoch auf andere
Weise als Zucker. Salz beißt, Zucker schmeichelt und versüßt.
Den modernen Trends entsprechend, von denen ich vorige Woche gesprochen
habe, möchten wir doch wohl lieber der Honig im Kuchen sein als das
Salz im Fleisch. Salz oder Sauerteig sein hat immer auch etwas Unangenehmes
an sich oder jedenfalls etwas Mühevolles: an das noch Fade und Geschmacklose
muß aktiv Hand angelegt werden, um es nach und nach umzuwandeln.
Das kann weh tun und Widerstand hervorrufen. Zucker dagegen tut nicht
weh, er verklebt, verklärt und verkleistert alle Unstimmigkeiten
und versüßt alles Bittere. Die Welt erscheint wie ein Kuchen,
dem die Christen den Honig zuführen und von dem sie dann auch nach
Herzenslust kosten können, wenn sie sich anpassen und gefügig
zeigen. Von Christenverfolgung spricht man da natürlich nicht!
Nun sind wir aber kein Honig im Kuchen, und wenn wir das gleichwohl sein
wollen, ist unser Salz bereits schal geworden. Und was tut man damit?
Man wirft es weg, denn es taugt wirklich zu rein gar nichts mehr.
Vorige Tage stand in der Zeitung, daß Klaus Esser, der ehemalige
Konzernchef von Mannesmann, 200.000 € Schmerzensgeld vom Land Nordrhein-Westfalen
gefordert hat, weil man seine Persönlichkeitsrechte verletzt habe,
als man ihn wegen unrechtmäßiger Bereicherung vor Gericht stellte.
Esser hatte bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone rund
30 Millionen Euro Abfindung erhalten. Es ist schon ein Skandal, daß
Esser und die anderen Manager, die insgesamt 111 Millionen Mark in die
eigene Tasche gesteckt haben, freigesprochen wurden. Seine Klage gegen
das Land Nordrhein-Westfalen ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten.
Wollen wir uns das einfach so gefallen lassen? Wo ist das scharfe, prophetische
Salz, das die schreiende Ungerechtigkeit beim Namen nennt und Widerstand
ankündigt? Wenn vorwiegend kirchenferne Journalisten und Kabarettisten
ihre Stimme erheben und die Kirche schweigt, woran sollen die Menschen
dann ihren göttlichen Auftrag erkennen, und welchen Grund sollten
sie haben, den himmlischen Vater zu loben? Nach einer Meldung der KNA
und der Wirtschaftswoche hatte Esser für seine 60 Millionen
Mark Abfindung eine Reduzierung der Kirchensteuer beim Erzbistum Köln
beantragt, einen 50-prozentigen Nachlaß in Höhe von etwa 1,3
Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft wertete das als Zeichen für
die Habgier des Angeklagten. Doch dieser entgegnete, er hätte ja
auch aus der Kirche austreten können. Ich bin mit mir, der
Kirche und dem lieben Gott im Reinen, zitierte die Wirtschaftswoche
Esser. Hat ihm keiner ins Gewissen geredet? Nicht einmal die Pharisäer
wollten von Judas die 30 Silberlinge zurückhaben, weil Blut daran
klebte! (Mt 27,6)
Es ist so viel angenehmer, Zucker und Honig zu sein als scharfes Salz.
Und darum nehmen wir lieber das Wort vom Licht auf, weil wir es so leicht
verkitschen und verkuscheln können. Wir zünden Kerzen an und
fühlen uns wohl. Alles ist gut signalisieren wir nach
außen. Aber so hat Jesus das Bildwort nicht gemeint. Das Licht muß
gegen die Finsternis ankämpfen, muß aktiv gegen sie angehen.
Wir sollen unser Licht in die Dunkelheit hineintragen und es nicht feige
unter den Scheffel stellen.
Die Mächtigen sähen es freilich gern, wenn wir Christen das
Licht unseres Glaubens für uns behielten. Doch das wäre fatal.
Denn wie das Licht nicht für sich, sondern für die Menschen
leuchtet, ihnen das Dunkel erhellt und ihnen das Leben ermöglicht,
so soll es auch mit dem Licht unseres Glaubens sein. Wir dürfen dieses
Licht nicht als Privatbesitz betrachten. Wir dürfen uns als Christen
nicht nur selbst wärmen. Christ ist man niemals für sich alleine,
sondern immer auch für die anderen: für den anderen, der gerade
neben mir steht, lebt, arbeitet, bangt, sucht, leidet und verzweifelt
ist.
Wer das Licht eines überzeugend gelebten Glaubens nicht verbirgt,
sondern es im Bild gesprochen auf einen Leuchter stellt, der hilft dazu
mit, daß es in dieser Welt wärmer und menschlicher wird. Unsere
Mitmenschen können dann auf unser Leben aufmerksam werden, das nicht
von Egoismus, von Profitgier, von Lüge und Unwahrheit, von Ausgrenzung
und Lieblosigkeit bestimmt wird. Wir werden dadurch den Menschen zum Licht
der Orientierung werden, die sich nach einer besseren Welt und auch nach
einer Kirche sehnen, die dem Auftrag ihres Herrn zum Dienst an den Menschen
und der Welt gerecht wird.
Kirche sind wir alle. Deshalb hängt es auch von einem jeden von
uns ab, ob wir Licht in der Kirche sind, ob diese Kirche von den Menschen
als glaubwürdig erfahren wird, ob sie den Menschen etwas zu sagen
hat, ob sie als attraktiv empfunden wird. Es hängt also vom Beispiel
eines überzeugend gelebten Glaubens ab, ob wir Salz der Erde
und Licht für die Welt sind. Nur ein überzeugend
und entschieden gelebtes Christsein bewirkt, daß die Menschen von
uns als Christen noch etwas erwarten. Von unserem Glaubensbeispiel hängt
es ab, ob die Menschen sich vom Glauben an Jesus Christus gültige
Antworten in den letzten und entscheidenden Fragen ihres Lebens erhoffen.
Woher aber kommt uns dieses Licht? Wer gibt uns die Fähigkeit und
Kraft, selbst zum Licht zu werden? Wenn Jesus zu uns sagt Ihr seid
das Licht der Welt und uns dazu auffordert, in seiner Nachfolge
unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen, dann gibt er uns zuerst
Anteil an sich selbst. Anteil an sich, der Licht vom Licht
ist, dessen Helligkeit auf uns übergreifen kann.
Nur in seinem Licht werden wir das Licht des Lebens haben. Er allein kann
von sich selbst sagen: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt,
wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens
haben.
Mit seinem Beistand und in der Kraft seines Heiligen Geistes wollen wir
mit jedem guten Wort und jeder guten Tat dazu beitragen, daß es
in unserer Welt heller wird und die Lichter nicht verlöschen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du hast Dein Volk zum Licht der Welt
gemacht. Dich bitten wir:
-
Berufe auch heute in Deiner Kirche junge Menschen zum
Dienst am Altar.
-
Schenke uns Menschen, die glaubwürdig Deine Frohe
Botschaft verkünden.
-
Gib den Christen die Kraft und den Willen, sich Dir ganz
anzuvertrauen.
-
Erneuere unsere Gemeinde mit dem Mut, den Suchenden und
Verirrten Licht der Wahrheit zu sein.
-
Stärke die Kranken, Verlassen und Einsamen - und
die Menschen, die um einen lieben Verstorbenen trauern.
-
Nimm unsere Toten auf in die Herrlichkeit bei dir. (Wir
feiern diesen Gottesdienst...)
Guter Gott, Du nimmst uns an als Deine geliebten Kinder.
Gib uns den Kraft und den Mut, uns als dessen würdig
zu erweisen. Nimm von uns jede Ängstlichkeit und Halbherzigkeit,
durch Christus unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 462, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 476
2. Lesung: Jes 58, 7-10
Zwischengesang: 883 (Suchen und Fragen)
Evangelium: Mt 5, 13-16
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 882 (Kleines Senfkorn)
Sanctus: 862 (Heilig v. Schubert)
Agnus Dei: sprechen, dann: 941, 1 + 2
Danksagung: 857, 2 + 3 (Ihr seid das Volk, Halleluja v. Taize)
Schluss: 267, 1 - 4