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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 8. Sonntag im Jahreskreis
1. Predigtvorschlag

Eines Tages wurde ein alter Professor der französischen nationalen Schule für Verwaltung gebeten, für eine Gruppe von etwa 15 Chefs großer nordamerikanischer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten. Der Professor hatte daher nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln.

Er begann: "Wir werden ein kleines Experiment durchführen."
Der Professor zog einen riesigen Glaskrug unter seinem Pult hervor und stellte ihn vorsichtig vor sich. Dann holte er etwa ein Dutzend Kieselsteine hervor, etwa so groß wie Tennisbälle, und legte sie sorgfältig, einen nach dem anderen, in den großen Krug. Als der Krug bis an den Rand voll war und kein weiterer Kieselstein mehr darin Platz hatte, blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: "Ist der Krug nun voll?"

Alle antworteten erwartungsgemäß: "Ja." - Er wartete ein paar Sekunden ab und fragte seine Schüler: "Wirklich?"
Dann verschwand er erneut unter dem Tisch und holte einen mit feinem Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die großen Kieselsteine und schüttelte die Kanne. Der Kies verteilte sich zwischen den großen Kieselsteinen bis auf den Boden des Krugs.

Der Professor blickte erneut auf und fragte sein Publikum: "Ist diese Kanne jetzt voll?"
Dieses Mal begannen seine schlauen Schüler, seine Darbietung zu verstehen. Einer von ihnen antwortete: "Wahrscheinlich nicht!"

"Gut!" antwortete der Professor. Er verschwand wieder unter seinem Pult und diesmal holte er eine Schüssel mit Sand hervor. Vorsichtig kippte er den Sand in den Krug.
Der Sand füllte die Räume zwischen den großen Kieselsteinen und dem Kies auf. Die Glaskanne schien nun aber wirklich randvoll zu sein.
Wieder fragte er: "Ist dieses Gefäß voll?" Dieses Mal antworteten seine schlauen Schüler ohne zu zögern im Chor: "Ja, jetzt aber wirklich!"

"Aha", antwortete der Professor. Und als hätten seine Schüler alle nur darauf gewartet, nahm er die Wasserkanne, die unter seinem Pult stand, und schüttete das Wasser in den augenscheinlich doch absolut vollen Glaskrug. Von seinen Schülern hörte man nur ein erstauntes Raunen…

Dann blickte er auf und fragte sie: "Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?"
Der Kühnste unter seinen Schülern - nicht dumm - dachte an das Thema der Vorlesung und antwortete: "Daraus lernen wir, dass selbst bei einem randvollen Zeitplan immer noch Platz ist, um etwas dazwischenzuschieben."

"Nein", schmunzelte der Professor, "darum geht es nicht. Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können, ist folgendes: wenn man die große Kieselsteine nicht als erstes in den Krug legt, werden sie später niemals alle hineinpassen."

Es folgte ein Moment des Schweigens. Jedem wurde bewusst, wie sehr der Professor recht hatte. Dann fragte er: "Was sind in eurem Leben die großen Kieselsteine? Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Euer Glaube? - Was wirklich im Leben wichtig ist,
ist, dass man die großen Kieselsteine in seinem Leben an die erste Stelle setzt!

Wenn man jedoch zuallererst auf Kleinigkeiten achtet, verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit und Kraft für die wichtigen Dinge in seinem Leben. Deshalb vergesst nicht, euch selbst die Frage zu stellen: 'Was sind die großen Kieselsteine in meinem Leben?' Dann legt diese zuerst in euren Krug des Lebens!"
Mit einem freundlichen Wink verabschiedete sich der alte Professor von seinem Publikum und verließ langsam den Saal...

Liebe Schwestern und Brüder,

legen wir zuerst Gott in den Krug unseres Lebens. Er kümmert sich um uns. Er sorgt für uns.
Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

Wir haben Sorgen. Klar. Um die weiß unser himmlischer Vater.
Aber vor lauter Sich-Sorgen vergessen wir oft die Obhut, die Gott für uns hat.
Wenn wir aber nur uns trauen und unseren Absicherungen werden wir wie die Heiden leben. In Heidenangst. Denn die Götter der Heiden sind und waren unberechenbar und launisch.

Uns Christen ist zugesprochen: Fürchtet euch nicht.
Jesus sagt: Macht euch keine Sorgen.
Und das ist keine billige Vertröstung, sondern Trost, für den der glaubt.

2. Predigtvorschlag

(Manfred Stücker 2008)

Was ist eigentlich wichtig?
Unsere Zeitungen und Nachrichten sind voll von Antworten auf diese Frage. Die einen sagen: Wichtig ist der soziale Friede. Rentner und arbeitende Menschen, die die Wirtschaft stützen, sie sollen in Frieden miteinander leben können. – Familien müssen ein Auskommen haben, damit Kinder nicht ein Armutsrisiko werden. Andere sagen: Die Verteilung der Rohstoffe ist das große Thema der Zukunft. Das Öl für Autos und Maschinen, vor allem auch das saubere Wasser – wie das und manches mehr allen Menschen zur Verfügung steht, das wird das große Thema sein. Noch wieder andere sagen: Das Klima und der Schutz der Natur und ihres Reichtums muß unser erstes Anliegen sein. Wir sind doch Teil der Natur, und wenn es dieser Erde, ihrem Klima und den Arten im Tier- und Pflanzenreich schlecht geht, dann geht es uns allen schlecht. Und so geht es weiter, und auch in der Kirche gibt es die gleiche Frage und die Auseinandersetzung darum: Was ist wichtig? Was kommt zuerst? Was können wir dazu sagen? Welche Antwort können wir geben?

Ich möchte behaupten: Die Antwort, die wir geben sollten, die brauchen wir uns gar nicht mehr zu überlegen. Darüber müssen wir gar nicht noch lange nachdenken. Die Antwort, die geben wir jetzt. In diesem Moment. Indem wir uns versammelt haben zum Lob Gottes, zum Gottesdienst, zur Feier des Sonntags. Damit verwirklichen wir das Wort Jesu aus der Bergpredigt, wo er sagt: „Euch aber muß es zuerst um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit gehen“ (vgl. Mt 6,33).

Dieses „aber“ – „Euch aber“, es läßt uns aufmerken. Viele Probleme und Fragen gibt es in der Welt und in der Kirche. Diese Dinge sind alle wichtig. Oder wollte einer meinen, die Natur, die Schöpfung, in der wir leben, wäre unwichtig und wir brauchten uns darum nicht zu kümmern? – Nein, auch das ist wichtig, sehr wichtig sogar.
Christen kennen hier freilich das „aber“. Dieses „aber“ bezeichnet das Vorrangige. Jesus nennt es das „Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“. In der Bergpredigt und im Matthäusevangelium kommen diese Worte immer wieder vor. Letztlich wird hier auf das erste Gebot Gottes Bezug genommen. Dort heißt es: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (Ex 20,3; Dtn 5,7).

In diesem Gebot kommt zur Sprache, was Israel erfahren hat: Wenn das Volk sich wirklich Gott zugewandt hat, wenn es bereit war, ihn zu hören und seinen Weisungen zu folgen, dann war es gut. Dann lebte das Volk im äußeren und inneren Frieden. Dann hatte es vor Gott und vor den anderen Völkern einen Namen, der groß war.
Wenn Israel aber eigene Wege ging und begann, Gott und seine Weisungen zu vergessen, wenn jeder anfing, nur an sich selbst und seinen eigenen Vorteil zu denken – dann waren damit Abstieg und Verfall vorprogrammiert.
Die Propheten mahnten darum immer wieder zur Umkehr und warnten die Menschen und stellten ihnen die Folgen vor Augen – leider meistens erfolglos.
Auch in unserer kirchlichen Situation brauchen wir neuen Mut, uns neu zur Mitte hinzuwenden. Wenn Kirchen und Kindergärten geschlossen werden, wenn gespart werden muß und die Prognosen uns sagen, daß wir in der Kirche Zeiten entgegengehen, in denen vieles neu überlegt werden muß, dann können wir uns dieser Frage nicht verschließen: Was ist eigentlich wichtig? Worauf kommt es an?

Der neue Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, hat einen Hirtenbrief zu Pfingsten verfaßt, in dem es um genau diese Frage geht. Seine Gedanken sind sehr bedenkenswert, nicht nur für Limburg, sondern auch für uns. Ich habe deshalb dem Vorstand des Pfarrgemeinderates empfohlen, daß wir gemeinsam diesen Brief lesen und uns fragen, was das für uns bedeuten kann.
Wir haben auch in unserer Kirche viele Fragen und Probleme. Die müssen angegangen und besprochen werden. Und es müssen Lösungen gefunden werden. Aber alles läuft ins Leere und hängt in der Luft, wenn wir nicht wissen, woher unser Glaube lebt und wohin er uns führt.
Bevor Programme entwickelt und Projekte ins Leben gerufen werden, müssen wir uns vergewissern, wer wir als Kirche sind und was wir glauben, wenn wir uns zum dreifaltigen Gott, zum Vater, zum Sohn, und zum Heiligen Geist, bekennen.
Bevor wir uns über Gottesdienstzeiten und über Veranstaltungen unterhalten und wo was stattfinden soll, müssen wir uns vergegenwärtigen, was im Gottesdienst überhaupt geschieht und wer es da ist, der uns ruft und zusammenbringt.

Unser Glaube hat eine Mitte und ein Gesicht: Jesus Christus. Und unser Kirchesein lebt ganz Wesentlich von dem Glauben, daß Er, Christus, auferstanden ist und lebt. Unser Glaube ist österlicher Glaube. Und der zeigt sich am tiefsten und dichtesten in der österlichen Versammlung, in der Eucharistie am Sonntag. Hier haben wir die Mitte, hier haben wir den Ausgangs- und Zielpunkt.
Die heilige Messe ist nicht eine „Veranstaltung“ in einer Reihe neben anderen. Dann wäre alles gleich gültig, und damit würde letztlich alles gleichgültig. Dann verliert alles seinen Wert, wenn es nicht mehr die Mitte gibt.
Wenn wir uns kümmern um diese Mitte, wenn wir uns rufen lassen zur österlichen Versammlung um den Altar, wenn wir einstimmen in das Lob Gottes, dann haben wir sicher schon ein gutes Stück von dem verstanden, was Jesus meint, wenn er sagt: „Euch aber muß es zuerst um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit gehen“ (vgl. Mt 6,33).

Fürbitten

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Liedvorschläge (GL Bistum Münster)

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