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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 12. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Alles hat heute seinen Preis. Alles hat seinen Wert! Eine
Dose Ravioli z. B. kostet im Sonderangebot, 0,75 €. Eine
Packung Reis 1,10 €. Eine Kiste Mineralwasser ist für
..... € plus Pfand zu haben.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Diese Pavillions,
die man sich in den Garten stellen kann, kosten je nach Größe
und Qualität zwischen 25.- und 50.- €.
Der Preis von Fahrrädern beläuft sich auf mehrere
hundert, der von Autos auf mehrere zehntausend Euro.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Und weil das
so ist, und wir immer zu wenig Geld zu haben meinen, sind
wir immer auf der Suche nach Schnäppchen, nach der billigsten
Lösung, nach dem günstigsten Angebot. Mittlerweile
verdienen Menschen Geld damit, anderen zu zeigen, wie sie
möglichst günstig telefonieren oder sich am wirtschaftlich
sinnvollsten versichern können.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Wie teuer
ist eigentlich ein Mensch? Ich bin sicher, auch darüber
gibt es Berechnungen, z. B. bei Krankenkassen, Lebensversicherungsanstalten,
beim Bundesamt für Statistik usw.
Eigenartige Vorstellung, daß die Kosten, der Preis
eines Menschen berechnet werden könnte. Nun, in bestimmten
Bereichen ist das mit Sicherheit auch notwendig, um die Gesellschaft
lebensfähig und rentabel zu halten.
Aber irgendwie wird mir mulmig bei dem Gedanken, daß
irgendwann einmal jemand sagen könnte: "Halt, dieser
Mensch ist viel teurer als der da." oder "Die Rentner
kosten uns zuviel Geld, die sind zu teuer." Ein Mensch
ist doch unbezahlbar.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Das wußte
auch Jesus: Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar
Pfennig?, sagt er im heutigen Evangelium. Er kannte also die
Preise im damaligen Israel. Hören wir ihm einmal weiter
zu. Vielleicht kommt er ja auf den Wert der Menschen zu sprechen:
Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele
Spatzen.
Aha, wir sind also mehr wert als viele Spatzen. Heißt
das nun, daß jeder, jede von uns vielleicht ein paar
Euro wert ist?
Darum geht es dem Herrn offensichtlich nicht. Ihm geht es
nicht um Euro und Cent, sondern um das Ansehen, das wir vor
Gott haben, um seine Sorge um uns. Schließlich sagt
er: Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig?
Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen
eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf
alle gezählt. Wenn Gott sich schon um so kleine Lebewesen
wie Spatzen kümmert, dann kümmert er sich erst recht
um uns Menschen. Ja, wir sind im sogar so wichtig, daß
er die Anzahl unserer Haare auf dem Kopf kennt.
Wir sind ihm wichtig. enorm wichtig. Jeder von uns. Jede
von uns. Und was macht er nicht alles für uns: Er schenkt
uns das Leben. Er läßt die Sonne scheinen, damit
die Pflanzen Sauerstoff produzieren können, damit wir
atmen können. Er läßt es regnen, damit etwas
wachsen kann, von dem wir uns ernähren können. Er
hat uns die Gabe der Sprache geschenkt, damit wir miteinander
reden können und Gemeinschaft haben. Er hat uns den Verstand
gegeben, damit wir die Abläufe der Erde verstehen und
mitgestalten können und, und, und...
Vielleicht schaffen Sie es ja einmal in einer stillen Stunde
darüber nachzudenken, womit sie in Ihrem Leben von Gott
beschenkt wurden. Vielleicht erahnen Sie dann wie hoch der
Wert des Menschen vor Gott ist. Ansonsten würde er sich
ja nicht so viel Mühe machen.
Er hat sich sogar die elende Mühe gemacht, uns zu erzählen
wie wir ein gelungenes Leben führen könnten. Ja,
er ist Mensch geworden in Jesus Christus, um uns das vorzuleben.
Und dieser Jesus wird von den Menschen umgebracht. Aber wieder
läßt Gott uns nicht hängen: er läßt
seinen Sohn auferstehen, damit wir leben können trotz
Schuld und Tod.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Der Wert des
Menschen vor Gott ist unendlich groß. Sie sind ihm unendlich
wertvoll. Du bist ihm unendlich wertvoll. Aber auch der Mensch,
der gerade neben Ihnen sitzt, ist ihm unendlich wertvoll.
Der Preis den Gott für uns bezahlt hat, ist das vergossene
Blut Christi. Sie sind das ganze Blut des Herrn wert. Du bist
das ganze Blut des Herrn wert. Und auch Ihr Banknachbar ist
das ganze Blut Christi wert.
Auch das ungeborene Leben ist Gott unendlich wichtig. Das
zu verkünden und praktisch durchzusetzen, ist das ehrliche
Anliegen sowohl des Papstes als auch unserer Bischöfe.
Daran gibt es für mich keinen Zweifel. Beide Seiten handeln
nach bestem Wissen und Gewissen. Wer daran zweifelt, tut ihnen
bitter unrecht.
Alles hat seinen Preis. Alles hat seinen Wert. Wir sind vor
Gott unendlich wertvoll. Wir sind Gott unendlich teuer. Das
zu wissen, tut gut. Wir sind vor Gott unendlich wertvoll.
Wir sind Gott unendlich teuer. Das allen Menschen zu sagen
und zuzusprechen ist unsere Aufgabe.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
sowohl der Prophet, von dem wir in der Lesung gehört
haben, als auch die Jünger im Evangelium sehen sich mit
der Situation der Verfolgung konfrontiert. Sie werden beide
hart bedrängt - von den ersten Jüngern Jesu wissen
wir, dass sie zu hunderten ihr Leben lassen mussten, weil
sie sich zu Jesus Christus bekannt haben - und nicht zum römischen
Kaiser als ihren Gott.
Nach den Zeiten der Verfolgungen im römischen Reich
waren alle Christen, aber auch die anderen Römer, heilfroh,
als dies endlich vorbei war. Der römische Staat wurde
christlich, und in wenigen Jahren war die Kirche und der Glaube
nicht nur etabliert, sondern auch mit dem Staat verschmolzen.
Nur weniger Jahrzehnte nach der letzten Verfolgung war es
sogar der Kaiser, der ein Konzil einberief und es leitet.
So eine enge Identifikation zwischen Kirche und Staat hat
es seitdem kaum mehr gegeben.
Allerdings, so muss man es heute sehen, war das keine rundum
gute Sache. In vielen Bereichen verwässerte die Botschaft
der Kirche, weil sie zu sehr politisch wurde. Die Sprengkraft
des Glaubens begann zu schwinden. Eine kleine Glaubensgemeinschaft
kann an ihre Mitglieder hohe Ansprüche stellen. Ein Staat
muss der weitaus toleranter sein. Letztlich war die Zeit nach
der Verfolgung eine Zeit schwindender Leuchtkraft der Kirche.
Liebe Schwestern und Brüder, die Zeit der letzten Verfolgung
der Kirche im Nationalsozialismus liegt hinter uns. Viele
Christen haben damals ihr Leben auf's Spiel gesetzt, viele
haben ihr Leben verloren. Und alle waren heilfroh, als diese
Zeit endlich ihr Ende fand. In den 50-er Jahren boomte die
Kirche in beispielsloser Weise, die Kirchen waren voll, die
katholischen Vereine konnten ihre Mitglieder kaum fassen.
Sogar die politischen Parteien nahmen sich der Kirche an,
einige Parteien sogar das C für christlich in ihren Namen
auf, der Staat treibt bis heute für die Kirche deren
Mitgliedsbeiträge ein.
Vielleicht ist der Vergleich über zwei Jahrtausende
hinweg etwas gewagt. Verfolgung - und Versöhnung. Immerhin
handelte es sich im 3. Reich um eine Juden-, und keine Christenverfolgung.
Auch noch andere Unterschiede fallen mir ein.
Aber was damals galt, scheint auch heute zu gelten: In der
Zeit der Versöhnung, nach der Verfolgung, sind die Menschen
harmoniebedürftig. Und dabei geht dann leicht das verloren,
was zur Ausbreitung des Glaubens geführt hat: Die Begeisterung
für das Wagnis.
Unser Glaube ist anscheinend kein Wagnis mehr. Zumindest
hier in unseren Breiten. In fernen Ländern sieht das
allerdings ganz anders aus. Uns geht es gut.
Aber - vielleicht liegt das auch daran, dass wir nichts mehr
wagen? Dass es in unserer Gesellschaft für Christen genug
zu wagen gibt, brauche ich ihnen, nehme ich an, nicht einzeln
darzulegen. Vom Einsatz für die Armen, Kriminellen, für
das Ungeborene Leben, - über die Todesstrafe, das Klonen
von Menschen, das Herstellen von Embryonen zu medizinischen
Zwecken, die Pläne zum kontrollierten Tod für alte
und kranke Menschen - bis hin zur Sorge für vereinsamte
Menschen, für die vergessenen Alten, den Hoffnungslosen,
den gescheiterten Ehen und misshandelten Kindern.
Was sind wir bereit, zu wagen? Sind wir bereit, alles aufs
Spiel zu setzen? Hab und Gut? Ehre, Ansehen, gesellschaftliche
Stellung? Unser Leben?
«Fürchtet euch nicht!» heißt es im
Evangelium, und so hat auch der Prophet im AT geschrieben.
Fürchtet Euch nicht! Gott ist auf unserer Seite. Er hat
der Welt die Rettung versprochen, aber nicht ohne die Kirche.
Und die Kirche sind wir, die wir hier sitzen.
Heute meinen vielen, Gott habe uns seine Güte magisch
zugesagt, die uns sozusagen zu Arbeitslosen mit vollem Lohnausgleich
macht. Nein: Er hat mit unserer Mitarbeit gerechnet.
Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Ja das bin ich.
Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
in der Auseinandersetzung mit Gott und dem christlichen Glauben
haben viele Menschen unserer Zeit große Anfragen. Da
geht es um (meiner Meinung nach erst einmal nebensächliche)
Dinge wie die Disziplin unseres Glaubens und der Lehrer der
katholischen Kirche. Sehr viel schwerer wiegt dagegen die
Frage: Wie kann ich an einen guten Gott glauben in einer Welt,
die offensichtlich gottlos ist?
Wie kann ich an einen Gott glauben, der es zulässt,
dass eine Mutter und ihr fünfjähriges Kind mitten
im Leben durch einen Autounfall getötet werden? Wie kann
ich an einen Gott glauben, der es zulässt, das hunderte
von Menschen bei Überfällen gewaltsam ihres Lebens
beraubt werden, Tausende bei terroristischen Anschlägen
und Millionen durch Hunger und Naturkatastrophen?
Die Antwort darauf ist nicht einfach. Aber sie liegt verborgen
in dem, was wir als das "Geheimnis von Tod und Auferstehung"
bezeichnen. Geheimnis meint dabei nicht, dass Gott es vor
uns geheim hält, die Auflösung sozusagen einfach
zurückhält; Geheimnis meint vielmehr, dass wir uns
dem nur ganz vorsichtig nähern können und immer
wieder ins Grübeln und Staunen geraten werden - und es
trotzdem niemals ganz verstehen werden.
Es klingt so einfach: Der Tod ist nicht das letzte Wort in
dieser Welt. Habt also keine Angst vor dem Tod - und auch
nicht vor den Menschen, die Euch mit dem Tod bedrohen.
Der Tod ist letztlich nur die Trennung von Leib und Seele
- und das macht Gott in der Auferstehung der Toten wieder
rückgängig - ja, wir werden sogar weit darüber
hinaus erneuert.
Viel schlimmer ist nicht die Trennung von Leib und Seele,
sondern die Trennung von Gott. Denn dann haben wir keinen
mehr, der uns ein neues Leben verheißt.
Liebe Schwestern und Brüder, das ist leicht gesagt:
Für Gott ist das größte Übel nicht der
Tod, sondern die Sünde. Aber es erscheint manchmal wie
ein Hohn angesichts der Trauer, die wir empfinden, wenn ein
geliebter Mensch plötzlich und unerwartet von uns geht.
Es geht nämlich nicht einfach um die Beantwortung einer
Frage: "Wie kann Gott das tun?" - Mit einer korrekten
und schlüssigen Antwort darauf haben wir in Wirklichkeit
noch nichts gewonnen. Die Trauer und die Wut auf Gott, der
mir etwas oder jemanden weggenommen hat, wird dadurch nicht
weniger.
Vielleicht können die Menschen erst mit dieser Frage
umgehen und leben lernen, wenn sie vieles, manchmal sogar
alles in ihrem Leben ändern:
Denn wir Christen leben nicht für diese Welt, jeder Besitz
und jedes Eigentum ist uns nur geliehen und wird vergehen;
nichts von dem auf unserem Konto oder in unserer Geldbörse
interessiert uns wirklich. Und selbst die Menschen, die wir
haben und kennen, die wir lieben und verehren: Sie sind uns
hier auf der Erde nur vorübergehend als Wegbegleiter
an die Seite gestellt. Richtig kennen und lieben werden wir
ohnehin erst, wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht schauen
werden. Bis dahin kann uns der Tod nicht trennen - verloren
gehen uns unsere Lieben nicht durch das Ende ihres Lebens,
sondern durch das Ende Ihrer Beziehung zu Gott.
Wir Christen sind dankbar für das, was wir haben - und
dankbar für den jeden Tag, den wir mit anderen teilen
können. Aber der Tag der Geburt liegt noch vor uns; der
Tag, an dem wir aus diesem Wachtraum zur Ewigkeit aufwachen
werden.
Das einzige, was uns wirklich gefährlich werden kann,
ist unser eigener Entschluss, jede Hoffnung auf eine zukünftige
Welt fahren zu lassen und alles Glück in dieser Welt
zu suchen. Das einzige, was uns wirklich von Gott trennen
kann, ist unser eigener Wille.
«Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde
auch ich mich vor meinem Vater bekennen. Wer mich aber vor
den Menschen verleugnet, den werde ich auch vor meinem Vater
verleugnen.»
Es ist - selbst für Jesus - leichter gesagt als getan.
Aber der Vater hat uns jede Hilfe zugesagt, wenn wir damit
beginnen. Tag für Tag. Amen.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Am letzten Sonntag habe ich die Predigt mit Überlegungen zur Frage
beendet, was ein Arbeiter im Weinberg des Herrn ist, aus welchem Motiv
die Frohe Botschaft weiterzugeben ist und warum dies umsonst geschehen
muß. Heute hören wir ein Wort, das damit gut zusammenstimmt:
Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich
mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Sich vor den Menschen
zu Jesus bekennen das bedeutet, den Glauben nicht nur privat, sondern
öffentlich zu praktizieren. In Wort und in Tat.
Doch dagegen steht die Menschenfurcht. Sie ist viel größer,
als wir glauben. Die Angst davor, was die anderen wohl denken könnten,
sitzt ganz tief in uns. Sie bestimmt selbst junge Eheleute, die es von
Kindesbeinen an gewohnt waren, bei Tisch zu beten, aber nun, wo sie miteinander
zusammenleben, damit aufhören, weil sie sich schämen. Bei Brautgesprächen
und Taufbesuchen spreche ich das immer an. Und fast ausnahmslos stimmen
mir die jungen Leute zu und sind ganz überrascht über ihre eigen
Verhalten.
Das ist natürlich nur ein Beispiel, aber es zeigt unsere Lage. Wieviel
schwieriger ist im Vergleich das Bekenntnis am Arbeitsplatz, auf der Straße,
im Gasthof usw.?! Ich erinnere mich noch daran, wie mir die Knie gezittert
haben, als ich mich im Sommer 1981 in Münster zum Theologiestudium
eingeschrieben habe. Hoffentlich sieht keiner, was ich studieren will!
Angst, die mir den Schweiß auf die Stirn trieb.
Was hilft uns, diese Angst zu überwinden? Zuerst das heutige Wort
Jesu: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch
ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Die Verheißung
ist großartig: Für das kleine bißchen Mut, das mir abverlangt
wird, will Jesus in der Ewigkeit für mich eintreten. Und dann erwachen
andere stärkende Gedanken: Was können mir die Menschen schon
großartig schaden? Welche Feigheit, vor einem Menschen einzuknicken!
Jesus drückt es so aus: Fürchtet euch nicht vor denen,
die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.
Die Macht der Menschen ist beschränkt. Das, was unseren eigentlichen
Wert ausmacht, das himmlische Leben, und unsere Seele, kann durch keine
Macht des Menschen zerstört werden. Wer an den allmächtigen
Gott glaubt, der weiß, daß das irdische Leben nichts ist im
Vergleich zum ewigen Leben, der hängt darum nicht verzweifelt am
leiblichen Leben, sondern vertraut auf seinen Schöpfer, der ihm auch
das ewige Leben schenken kann.
Das andere Wort Jesu ist schwerer zu verstehen: Nichts ist verhüllt,
was nicht offenbar wird. Jesus bezieht sich auf die Unscheinbarkeit
und Schwachheit seiner Position in der Öffentlichkeit. Seine Lehre
ist nur ein kleines Senfkorn, das wenig Aussicht zu haben scheint, sich
gegen die mächtigen Gegenstimmen durchzusetzen. Und doch weiß
er, daß dieses Senfkorn herrlich wachsen wird; die Frohe Botschaft
wird sieghaft aufstrahlen wir die Sonne am Morgen. So können
auch wir Christen manchmal mutlos werden, wenn wir von einer Überzahl
von Spöttern umgeben sind. Aber dann dürfen wir darauf vertrauen,
daß wir von einem Stärkeren getragen werden.
Unser Gott ist uns nicht fern das macht Jesus in einer dritten
Überlegung klar: Bei euch sind sogar alle Haare auf dem Kopf
gezählt. Ein beeindruckendes Beispiel! Die Zahl unserer Haare
ist wahrhaftig nichts Wichtiges, noch viel unbedeutender als das Leben
der unzähligen Spatzen. Und doch fällt kein Spatz auf die Erde,
ohne daß Gott dies weiß und zuläßt, und kein Haar
wird uns herausgerissen, ohne daß Gott es merkt. Um jede kleine
Einzelheit unseres Lebens ist Gott liebevoll besorgt, und darum gibt es
wirklich keinen Grund, vor Menschen Angst zu haben, die uns doch nichts
tun können, ohne daß Gott es mitbekommt.
Machen wir unsere Seele in Gott wieder fest oder noch fester als bisher.
Je mehr wir auf Gott vertrauen, um so weniger werden wir von der Angst
bedroht sein. Gott allein ist es, der uns auch in unserer inneren Einsamkeit,
in der Erfahrung der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit, Halt geben kann.
Denn er ruft uns zu heute und jeden Tag: Fürchtet euch
nicht!
5. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 25.08.02
Erschöpfter Johannes Paul II. in Polen begeistert empfangen.
Tritt der Papst zurück?
War die letzte Reise des Eiligen Vaters? Wer wird sein Nachfolger?
So oder so ähnlich lauteten Schlagzeilen in den letzten Tagen. So oder
so ähnlich haben Sie sie auch wohl gehört und gelesen, liebe Schwestern
und Brüder.
Seit Jahren schon wird öffentlich darüber spekuliert, wie lange
Johannes Paul II. noch im Amt bleibt. Es wird weniger über die Inhalte
seiner Ansprachen gesprochen als über seinen Gesundheitszustand. Manchmal
scheint die Presse seinen Tod herbeischreiben zu möchten...
Dass unser Hl. Vater alt geworden ist, dass seine Gesundheit schwer angeschlagen
ist, all das ist unbestritten, weil offensichtlich.
Viele haben Mitleid mit ihm, wenn sie Fernsehbilder von ihm sehen, der Kopf
gebeugt, die Hand zitternd, sich auf einen fahrbaren Wagen oder einen Stock
stützend.
„Kann der nicht auf sein Amt verzichten? Das tut weh, mit anzusehen,
wie er sich quält. Das geht doch über alle menschlichen Kräfte.“
Ja, es stimmt. Unser Heiliger Vater scheint wirklich an die Grenzen seiner
körperlichen Kraft gekommen zu sein. Sein Geist und sein Wille aber sind
wach. Er brennt vor Glauben.
Und so ist gerade der jetzige Papst ein Zeugnis dafür, was das Amt des
Nachfolgers Petri ausmacht.
Zum Petrus hat sich der Herr den Simon erwählt. Einen, der leicht an
seine Grenzen stößt, einen Fischer, keinen Gelehrten, einen der
mutig sein kann, aber auch feige. Immerhin hat er Jesus verleugnet.
Ausgerechnet diesem Petrus übergibt er die Schlüssel zum Himmelreich.
Ist das nicht eine totale Überforderung. Wäre nicht vielleicht Johannes
der Bessere gewesen für dieses Amt? Oder hätte man das nicht auf
zwei, drei Leute verteilen sollen?
Diese Fragen sind müßig. Der Herr hat entschieden. Einer soll
der Fels der Kirche sein. Petrus und seine jeweiligen Nachfolger.
Ein einziger Mann soll für die ganze Kirche, weltweit Oberhaupt sein,
die Schwestern und Brüder in Ost und West, Nord und Süd im Glauben
stärken,
die Interessen und die Sendung der Kirche gegenüber der ganzen Welt vertreten.
Ist damit ein einziger nicht überfordert?
Ja, er ist damit überfordert. Das ist nicht menschenmöglich. Das
kann man nur mit Christi Hilfe schaffen.
Und darum geht es: Im Amt des Nachfolger Petri wird deutlich, dass es Christus
ist, der diese Kirche trägt und lenkt.
In der totalen Überforderung des einen Menschen sehen wir die Kraft Gottes
am Werk.
Nicht das Menschenmögliche zählt, sondern das Gottgewollte.
Wenn es nicht Gott wäre, der ein Interesse am Papsttum und an der Kirche
hätte, dann wäre beides schon längst verschwunden angesichts
der zahlreichen Sünden und Sünder in der Kirche und auf der Kathedra
Petri.
Aber warum könnte Gott ein solches Interesse am Papst und an der Kirche
haben?
Antwort gibt das Evangelium:
Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut
haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Jesus Christus ist der Sohn des lebendigen Gottes, der Erlöser der Welt.
So lautet das Bekenntnis des Petrus. So lautet das Bekenntnis der Kirche.
Seit Jahrhunderten ist dieses Bekenntnis unverändert.
Selbst der moralisch zügellose Papst Alexander VI. hat für Christus
Zeugnis abgelegt, indem er das Angelusläuten für die ganze Kirche
verpflichtend machte.
Liebe Schwestern und Brüder!
Der Papst soll Zeugnis ablegen von Christus und seiner Lehre. Es geht nicht
darum, dass er sich und seine Qualitäten in den Vordergrund rückt.
Er ist kein politischer Führer, vom Volk gewählt.
Er ist kein Manager auf Zeit für einen Global Player, Weltkonzern Kirche.
Er ist von Gott berufen, das Evangelium zu verkünden und Christus in
dieser Welt darzustellen.
Wir dürfen Gott sehr dankbar sein, dass er uns gerade in diesen Jahren
einen solchen Papst geschenkt hat, der gerade in seiner körperlichen
Gebrechlichkeit ein überzeugender Prediger des Wortes Gottes ist.
Gerade an ihm sehen wir, dass es bei der Kirche auf Gott und nicht so sehr
auf den Menschen ankommt.
Mit seinem ganzen Leben, ohne sich zu schonen spricht Johannes Paul II. diesen
einen Satz des Petrus der ganzen Welt entgegen: Jesus, du bist der Messias,
der Sohn des lebendigen Gottes.
Fürbitten
Menschfreundlicher Gott, überall auf der Welt gibt es
Not und Elend, Armut und Unterdrückung in vielfältigen
Formen. Unsere Kräfte reichen nicht aus, die Welt zum
Guten zu verändern. Deshalb bitten wir dich:
-
Wehre Du dem Hunger, und lass uns füreinander sein
wie stärkendes Brot.
-
Wehre der Unterdrückung, und lass uns füreinander
sein wie lebendiges Wasser.
-
Wehre der Krankheit, und lass uns füreinander sein
wie eine helfende Hand.
-
Wehre der Gewalt, und lass uns füreinander sein
wie eine versöhnende Brücke.
-
Wehre jeder Not, und lass uns füreinander sein wie
ein helles Licht.
-
Wehre dem Tod und schenke uns ewiges Leben. Wir feiern
diesen Gottesdienst...
Guter Gott, überall auf der Welt sorgen sich Menschen
füreinander. Stärke Du unseren guten Willen und
unser Bemühen. Erneuere Du unsere Welt durch Deinen guten
Geist. Darum bitten wir Dich, durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 262, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 457, 1
1. Lesung: Jer 20, 10-13
Zwischengesang: 300, 1, 2, 5
Evangelium: Mt 10, 26-33
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 297
Sanctus: 427
Agnus Dei: 428
Danksagung: 846, 1 + 3
Schluss: 262, 3