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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 16. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Zwei Gedanken:
1. Ein auf den ersten Blick düsterer Gedanke: Wer ist
der Feind? Früher, klar, der Teufel. Aber weil man mit
dem Gedanken des Teufels den Menschen unter Druck sah, verlegte
man das Böse in den Menschen. Seine Triebe, seine Neigungen
und Begierden verleiten ihn.
Nur: Ist er deshalb freier? Letztlich steigt doch nur der
Druck. Den jetzt bin ich es, der sich freimachen muss. Und
wenn es nicht klappt, bin nur ich schuld.
Ich bemühe mich, nur den katholischen Glauben hier zu
verkünden, nicht meine Meinung. Und zum katholischen
Glauben gehört die Annahme dazu, das es den Teufel gibt,
den Verführer. Dieser Glaube ist aber nicht das Ende
unserer Freiheit, ein Relikt von überholtem Glauben.
Vielmehr können wir uns in vielem von Selbstvorwürfen
befreien.
Und vor allem: Der Teufel ist besiegt und wird gerichtet
werden. Nicht wir sind besiegt, oder ein Teil von uns. Sondern
der, der uns immer wieder verführt. So düster ist
dieser Gedanke also gar nicht: Er setzt uns frei von lebenslänglichen
Selbstvorwürfen und gibt unserer Hoffnung auf die Vergebung
Gottes neuen Grund.
In einem Film heißt es: Der größte Trick,
den der Teufel jemals gebracht hat, ist die Welt glauben zu
lassen, dass es ihn nicht gäbe.
2. Wenn von der wachsenden Saat gesprochen wird... nicht nur Kirche,
Welt oder Gruppen, sondern auch ich gemeint.
Gott weiß, wie es in mir aussieht. Aber er lässt
mich gewähren. Getrennt wird erst mit der Ewigkeit.
Mein Augenmerk braucht sich also nicht auf meine Fehler zu
richten: Das muss ich vermeiden - und das ...
Sondern ich darf mich auf das Gute konzentrieren. Und das
schlechte ruhig erst einmal wachsen lassen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Jemand, der stark, selbstbewußt ist, braucht seine
Stärke nicht dauernd zu beweisen, sondern kann auch gnädig
sein, kann Nachsicht üben. Nur wer innerlich schwach
ist, mangelndes Selbstbewußtsein hat, muß auch
dann hart durchgreifen, wenn Nachsicht angesagt wäre,
da er sein Gesicht nicht verlieren darf. Wer hingegen die
Anerkennung von anderen nicht täglich bewiesen haben
muß, kann Gnade vor Recht ergehen lassen. Dies ist eine
Erkenntnis, die sicherlich schon so mancher von uns gemacht
hat.
In der heutigen Lesung wird genau diese Stärke auch
von Gott berichtet. Du brauchst nicht zu beweisen, daß
Du gerecht geurteilt hast. Deine Stärke ist die Grundlage
Deiner Gerechtigkeit, und Deine Herrschaft über alles
läßt Dich gegen alles Nachsicht üben."
Weil Gott sich nicht zu beweisen braucht, kann er Gnade vor
Recht ergehen lassen. Weil Du über Stärke
verfügst, richtest Du in Milde und behandelst uns mit
großer Nachsicht".
Diese große Nachsicht Gottes, seine Gnade, seine Gerechtigkeit
ist auch das Grundthema des Musicals, welches wir am letzten
Sonntag mit 17 jungen Leuten in Duisburg gesehen haben. Im
Unterschied zu den bekannten Musicals wie Cats oder Jacyll
und Hayde hat das Musical Les Misérables"
seine Wurzeln im Christentum. Dies ist besonders dann zu spüren,
wenn Solostücke immer wieder als ein Gebet formuliert
werden.
Valjean, ein Vorbestrafter erfährt die Gerechtigkeit
Gottes durch das kluge, verzeihende und gnadenvolle Handeln
eines Bischofs. Unser Heiland gab sein Leben, nicht
vergeblich war sein Schmerz, Gott erhebt Dich aus der Schande,
und ich kauf' für Gott dein Herz." Dadurch, daß
der Bischof die Gnade Gottes vermittelt, kann dieser Vorbestrafte
Gott an sich heranlassen. Er singt Was ist mit mir?
Herr Jesus, was ist mit mir? Ist für mich alles zu spät?
Hab' ich den Teufel im Blut?" Und er fängt ein neues
Leben an. Valjean wandelt sein Leben und durch seine neue
Gerechtigkeit wird er zum Bürgermeister gewählt.
Weil Gott ihm ein neues Leben geschenkt hat, klebt er nicht
daran fest, sondern setzt es frei von jedem Egoismus für
andere Menschen in Not ein, was während des ganzen Musicals
deutlich gemacht wird. Mein Leben hab ich Gott geweiht,
der Handel gilt für alle Zeit. Er gab mir Kraft, ich
war verlor'n, durch ihn erst wurde ich gebor`n." Genau
wie es in der heutigen Lesung steht: Durch solch (mildes)
Handeln hast Du Dein Volk gelehrt, daß der Gerechte
menschenfreundlich sein muß." Weil Gott uns Gnade
schenkt, kann auch ich Gnade walten lassen. Und genauso Valjean:
er hat Gnade erfahren und durch sein erbarmendes Handeln erfahren
nun wieder viele andere Menschen die Gegenwart Gottes und
machen das auch in ihren Liedern deutlich: Guter Herr,
Euch schickt wohl Gott im Himmel"
So singt z.B. Fantine, eine junge Frau, die Enttäuschung
erlebt. Ich hab geträumt vor langer Zeit, von einem
Leben, das sich lohnte. Von Liebe und Unsterblichkeit. Vom
guten Gott, der mich verschonte. ... Doch Gott gibt den Wünschen
keinen Raum. Nichts bleibt mir mehr von meinem Traum."
Wie oft erleben wir, daß unsere Träume nicht in
Erfüllung gehen, daß wir Leid erleben, von Gott
enttäuscht sind? Fantine betet, sie gibt den Glauben
nicht auf, und ihre größte Sorge, die Sorge um
ihr Kind wird erhört. Valjean, der Vorbestrafte nimmt
sich ihrer Tochter an mit den Worten: Er ruft mich.
Ich werde nach ihr seh'n. Sein Werk soll gescheh'n. Sein Werk
soll gescheh'n." Valjean erkennt in den ganz konkreten
Aufgaben, die ihm vor die Füße fallen, Gottes Willen.
Dort kann er helfen. Er setzt sich dort für Gottes Gerechtigkeit
ein, wo er Unrecht sieht.
Von daher ist dieses Musical auch ein gutes Beispiel für
die Gleichnisse im heutigen Evangelium: Das Senfkorn ist das
kleinste von allen Samenkörnern, sobald es aber hochgewachsen
ist, ist es größer als die anderen Gewächse
und wird zu einem Baum. Oder der Sauerteig, der den großen
Trog durchsäuerte. Der einzelne, wie hier der Vorbestrafte
Valjean kann viel erreichen, auch wenn er wie hier in dem
Stück anfangs der kleinste von allen war, der von allen
herumgeschubst wurde.
Das Musical birgt noch viele solcher Wahrheiten, viele schöne
Gebete. Ich habe so einige hier in der Kirche an die Pfeiler
gehängt, sie können nach der Messe ja 'mal herumschauen,
wenn Sie mögen. Viele Rollen in diesem Stück bieten
an, sich darin wieder zu finden, und Anregungen zu bekommen
für das eigene Leben mit Gott. In der zweitletzten Szene
wird es noch einmal deutlich auf den Punkt gebracht, wie wir
Gott finden können: die Wahrheit steht geschrieben
- zu lieben einen Menschen heißt: Das Antlitz Gottes
seh'n." In der letzten Szene folgt dann der Aufruf von
dem ganzen Ensemble an den Zuschauer, selber so, mit diesem
Vorsatz, Gottes Antlitz im Nächsten zu suchen, so in
den Garten unterwegs zu sein. Es ist der Garten Eden gemeint,
das Paradies, wo der Herr mit uns das Hochzeitsmahl feiern
möchte.
Bei der irdischen Hochzeit am Ende des Stückes heißt
es somit: Heut gibt's für zwei vom Himmelreich
ein Stück." Heute wollen zwei junge Menschen vor
Gott diesen Weg zum Himmelreich gehen. Sie wollen sich hier
kirchlich verloben. Dazu wollen wir nun die ringe segnen,
die ihr dann einander anstecken werdet:
Diese Ringe, welche Beate und Ralf als Zeichen ihrer Verlobung
tragen wollen, seien gesegnet im Namen des Vaters und den
Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Lasset uns nun um den Segen Gottes für die Beiden beten:
Gott, unser Vater, unser Leben liegt in Deiner Hand. Wir
gehören Dir, Du läßt uns nicht allein. So
braucht uns nicht bange zu sein vor der Zukunft.
Wir bitten Dich um Deinen Segen für diese Verlobten.
Sende ihnen Dein Licht, damit sie klar erkennen, dass Du sie
füreinander bestimmt hast. Hilf ihnen, den Weg ihres
Lebens gemeinsam zu gehen. Halte Deine schützende Hand
über die beiden, dass sie in ehrfürchtiger Liebe
und Verantwortung diese Zeit der Vorbereitung auf die Ehe
leben. Lass sie im Glauben an Dich und in gegenseitigem Vertrauen
immer besser zueinander finden. Darum bitten wir durch Christus,
unseren Herrn.
3. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Erkläre uns das Gleichnis! bitten die Jünger den
Herrn. Die Frage leuchtet ein, denn das Gleichnis vom Unkraut unter dem
Weizen enthält einen rätselhaften Zug: Wieso läßt
der kluge Bauer das Unkraut nicht gleich beseitigen?
Man muß dazu wissen, daß es im Orient eine sehr verbreitete
Pflanze gibt, den Taumellolch, der dem Weizen sehr ähnlich sieht
und erst spät an den kleineren Körner vom Weizen zu unterscheiden
ist. Dieses Unkraut trägt einen giftigen Pilz, der die ganze Ernte
verderben kann. Es müßte deshalb das vorrangige Ziel des Bauern
sein, das Unkraut so schnell wie möglich vom Weizen zu trennen.
Im Gleichnis tut er es aber nicht und verbietet seinen Knechten, das Unkraut
auszureißen.
Ganz offensichtlich will Jesus mit dieser zunächst unverständlichen
Handlungsweise des Bauern etwas über Gottes Art, in dieser Welt zu
handeln, sagen. Auf den Punkt gebracht: Gottes Reich setzt sich durch
gegen alle Widerstände und gegen den Anschein der Übermacht
des Bösen. Gottes Reich wächst in einer Welt, die dafür
gar nicht bereit ist.
Jesus selbst erklärt es hinterher den Jüngern: Der Acker
ist die Welt. In ihr sät Gott den Samen seines Wortes aus.
Er soll in der Seele Wurzel schlagen und Früchte der Heiligkeit bringen.
Aber auch der Feind ist nicht untätig. Er versucht, wo er nur kann,
das Böse auszustreuen. Und er gibt dem Bösen den Anschein des
Guten, damit es diesem ähnlich sieht wie der Lolch dem Weizen.
In dieser Situation steht die Menschheit seit eh und je. Gutes ist neben
Bösem, manchmal schwer zu unterscheiden, ja in den meisten Menschen
liegt es neben- und ineinander. Auch die Dinge dieser Welt, die Errungenschaften
der Technik lassen sich zum Guten wie zum Bösen nutzen. Was auf den
ersten Blick wie ein großes Gut erscheint, entpuppt sich nach längerem
Hinsehen oder nach einer schmerzlichen Erfahrung als ein dunkles Übel.
Der Fortschritt der Technik hat das ökologische Gleichgewicht in
katastrophaler Weise beeinträchtigt. Die gute Absicht verfehlt immer
wieder ihr Ziel. Bis heute ist es in keiner Weise gelungen, die Welt vom
Übel zu befreien. Ja, gerade die rigorosen Weltveränderer mit
ihren hehren Idealen haben, wenn ihnen Macht gegeben war, das Böse
auszurotten, immer nur größeres Unheil angerichtet. Die Französische
Revolution ist nur eins von vielen Beispielen.
Hier wird das Gleichnis Jesu ganz aktuell: Der Herr der Ernte sagt: Laßt
beides wachsen bis zur Ernte! Versucht nicht, das Gericht Gottes
vorwegzunehmen! Es ist Gottes Sache, das Böse endgültig zu vernichten.
Einstweilen müßt ihr damit leben, daß die Welt nicht
perfekt ist und daß ihr selber auch nicht perfekt seid. Denn einstweilen
übt Gott seine Langmut aus, wie das Buch der Weisheit sagt: Deine
Herrschaft über alles läßt dich über alles Nachsicht
üben. ... Weil du über Stärke verfügst, richtest du
in Milde. (Weish 12,16. 18) Oder wie es der 2. Petrusbrief sagt:
Der Herr ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, daß
jemand zugrunde geht, sondern daß alle sich bekehren. (2 Petr
3,9)
Damit ist freilich nicht gesagt, daß wir die Hände in den
Schoß legen und gar nicht mehr gegen das Böse ankämpfen
sollen. Unkraut bleibt Unkraut, auch wenn Gott es vorerst stehenläßt.
Am Ende wird es wertlos sein für die Scheunen Gottes und dem Feuer
überantwortet. Sonst hätte die ganze Botschaft keinen Sinn.
Daher sollte es selbstverständlich sein, daß wir uns mühen,
zum Weizen Gottes zu gehören. So schreibt der Apostel Paulus: Laß
dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch
das Gute. (Röm 12,21)
Aber eben in Liebe und mit Milde nach dem Vorbild Gottes und dem
Vorbild unseres Herrn Jesus Christus, der die Gewaltanwendung immer abgelehnt
hat. Ich denke, daß diese Gedanken vor allem auch bei der Erziehung
der Kinder ein bedeutsames Anwendungsfeld haben. Wenn Eltern oder Erzieher
versuchen, aus ihnen mit Gewalt alles herauszureißen, was sie als
böse erkannt haben, dann zerstören sie ihre Persönlichkeit,
auch das Gute, das in ihnen steckt. Geduld und Milde sind erforderlich
auch wenn diese Haltung oft sehr schwer durchzuhalten ist. Man
möchte gern gleich die Erfolge der Erziehung sehen, und Mißerfolge
erzeugen Enttäuschung oder sogar Wut. Und doch ist auf die Dauer
nichts anziehender und formender als das geduldige eigene gute Beispiel.
Lassen wir uns von der Zuversicht unseres Herrn Jesus Christus anstecken
er sieht Gottes Reich wachsen inmitten von Unkraut und Versagen!
Fürbitten
Herr Jesus Christus, der Du uns Halt gibst in unserem Leben,
Dich bitten wir:
-
Sende zu denen, die Dich nicht kennen, glaubwürdige
und liebevolle Menschen des Glaubens.
-
Öffne die verschlossenen Herzen, mache sie bereit,
Dein Wort und Deine Liebe aufzunehmen.
-
Stärke alle, die im Glauben unsicher geworden sind,
mit der Zuversicht und der Kraft Deines Geistes.
-
Führe alle, die sich von Dir fern halten, zur Erfahrung
Deiner Nähe und Barmherzigkeit.
-
Kräftige die Kranken und Sterbenden mit Deiner Nähe
und führe unsere Verstorbenen zur ewigen Freude.
Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr, behüte uns und alle Menschen vor der Not des Leibes
und der Seele und schenke uns den Glauben, der uns mit Dir
verbindet. Hier, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 883, 1 + 2
Kyrie: 848, 1 + 4
Gloria: 840, 1 + 2
2. Lesung: 2 Röm 8, 26-27
Zwischengesang: 883, 1 + 2
Evangelium: Mt 13, 24-43
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 882
Sanctus: 862
Agnus Dei: 886, 1 + 2
Danksagung: 883, 3
Schluss: 843, 1 + 2 (sonst 845, 1 + 2)