von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 03.08.08
Schwestern und Brüder!
Schick doch die Menschen weg...
Wir können dieses Wort der Jünger verstehen. Da sind 5000 Männer
– Frauen und Kinder nicht eingeschlossen. Sie sind Jesus gefolgt, wollen
ihn hören, hängen an seinen Lippen. Sie sind so fasziniert, daß
sie darüber die Zeit vergessen.
Und die Jünger sitzen vermutlich nahe beim Herrn. Und irgendwie sonnen
sie sich im Glanze Jesu: „Er kommt an. Und wir gehören zu ihm.“
denken sie sogar etwas stolz.
Aber nun droht Ungemach. Die Stimmung könnte bald kippen, wenn auf einmal
Hungergefühle bei den Menschen aufkommen. Es ist schließlich schon
spät. Die Sache ist nicht so ganz geheuer:
„Am besten wir werden die Leute los. Das wird Jesus verstehen. Wir können
uns doch nicht um die alle da kümmern...“
Und so sagen sie es Jesus: Schick doch die Menschen weg...
Das klingt vernünftig in unseren Ohren.
Und umso unverständlicher ist die Antwort: Gebt ihr ihnen zu essen!
„Ja, spinnt der denn? Ist Jesus jetzt völlig übergeschnappt?
Leidet Jesus unter Realitätsverlust?“ mag der eine oder andere
der Jünger gedacht haben.
In ihrer Fassungslosigkeit ringen die Jünger nach Worten, um Jesus den
Ernst der Lage zu verdeutlichen:
Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Das reicht kaum für
die Zwölf. Erst recht nicht für über 5000 Menschen.
Doch Jesus fordert die paar Brote und Fische ein: Bringt sie her!
Und ein großes Wunder geschieht. Etwas, was noch niemals geschehen ist.
Etwas Unvorstellbares: ...und alle aßen und wurden satt. Mehr noch,
es blieben sogar zwölf Körbe übrig. Wenn Gott gibt, schenkt
er im Übermaß.
Schwestern und Brüder!
Das Evangelium des heutigen Sonntags beschreibt nicht nur ein großes
Wunder Jesu, das seine Göttlichkeit bezeugt.
Das Evangelium beinhaltet auch eine große Lehre für uns, die uns
Mut machen will.
Das Wunder Jesu war nur möglich, weil die Jünger das wenige, was sie hatten, ihm gegeben haben. In seinen Händen wurde es verwandelt. Ohne die Gabe – eine eher beschämend kleine Gabe – hätte der Herr die 5000 nicht gespeist.
Am Ende seines irdischen Wirkens, kurz vor der Himmelfahrt, gibt Jesus seinen
Jüngern den Auftrag: Geht hinaus in alle Welt und macht alle zu meinen
Jüngern!
Dieser Auftrag ist noch größer und verrückter als das Gebt
ihr ihnen zu essen!
Aber die Jünger haben diesen Auftrag angenommen, trotz der eigentlichen
Aussichtslosigkeit. Aber spätestens seit der Speisung der 5000 und der
Auferstehung Jesu wußten sie: wenn wir das einsetzen, was wir haben
und es IHM in die Hände geben, dann geschieht Großes und Unvorstellbares.
Für mich ist es ein Wunder, daß diese Zwölf der Ursprung der
Verkündigung sind und diese bis heute fortdauert, auf allen Kontinenten
in den entlegensten Orten.
Der Auftrag der Mission trifft auch uns heute. Wir alle, die wir hier sitzen, wissen, daß es viele um uns herum gibt, die mit Glaube und Kirche eigentlich nichts mehr am Hut haben. Sie hungern letztlich nach Sinn und Heil.
Gebt ihr ihnen zu essen! – so lautet der Ruf Jesus auch heute an uns. Erzählt ihnen von Gott, führt sie wieder zum Glauben, macht die Müden wieder wach und gebt den Mutlosen neue Hoffnung.
Schick doch die Menschen weg... ist häufig unsere Haltung. „Sei doch froh, daß ich hier in der Kirche sind. Das ist doch schon was. Die anderen sind viel zu viele, an die komme ich nicht dran, mir fehlen sowieso die Voraussetzungen, die anderen zu überzeugen. Ich habe schließlich keine Theologie studiert. Reden kann ich auch nicht. Es hat doch keinen Zweck.“
Sicher, es wird wenige große Missionare unter uns geben. Aber jede
und jeder von uns kann seinen kleinen Teil tun, sein Brot, seinen Fisch beisteuern
und Jesus in die Hand geben.
Es geht nicht darum große pastorale Pläne zu entwerfen, sondern
vielleicht einmal jemanden anzusprechen; ihm zu sagen, daß wir für
ihn beten; einladen, mal mitzukommen. Oder einfach nur darum beten –
im Stillen und beständig – daß der eine oder die andere den
Weg zum Glauben und in die Kirche finden möge.
Das klingt wenig. Aber tun wir es wirklich? Legen wir so unsere kleinen Gaben
in die Hände Jesu? Er ist es, der das Wunder tun wird. Nicht wir.
Aber er vertraut auf unsere Mitarbeit. Wir müssen ihm nur unsere Initiativen,
Gebete und guten Werke schenken. Und er wird den Hunger nach Sinn, Liebe und
Glauben in vielen Menschen stillen können.
Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns.
Bringt sie her!
und alle aßen und wurden satt
Amen.
