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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 20. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Da kommt eine Frau, die keine Jüdin ist, zu Jesus und
bittet um die Heilung ihres Kindes. Und Jesus sagt Ihr, das
er nicht zuständig sei für die Hunde, sondern nur
für die Kinder. Das ist echt schon ein starkes Stück.
Das hätte man von ihm gar nicht erwartet. Ich kann mir
richtig vorstellen, wie erstaunt die Leute damals waren, als
sie das hörten, und wie sprachlos sie plötzlich
wurden.
Aber wenn wir uns in die damalige Zeit hineinversetzen, ist
das, was die heidnische Frau ihm darauf antwortet, mindestens
ebenso dreist. Nicht nur, dass sie als Frau überhaupt
wagt, mit dem Meister zu sprechen. Sie gibt ihm sogar Widerworte!
Vermutlich rechneten jetzt alle damals Anwesenden mit einem
Donnerwetter. Sie sahen Jesus förmlich vor Zorn platzen.
Aber gerade da hatten sie sich getäuscht:
Jesus möchte gebeten werden. Er liebt es, wenn die Menschen
sich mit ihm auseinandersetzen. Er ist begeistert von Männer
und Frauen, die das Gespräch mit ihm suchen und sich
nicht davon abbringen lassen, mit ihm im Gespräch zu
bleiben.
Was wäre wohl passiert, wenn bereits nach der ersten
Antwort Jesu die Frau schweigend und betrübt gegangen
wäre? Ich glaube nicht, dass Jesus ihr zugerufen hätte:
"War doch nicht so gemeint, natürlich werde ich
dein Kind heilen. Kannst du denn kein Spaß verstehen?"
Was diese Frau auszeichnet, ist nicht ihr Glaube - an die
Heilkraft Jesu haben damals hunderte, vielleicht sogar Tausende
geglaubt - sondern ihr Wille, im Notfall auch mit Gott zu
streiten. Sie hat Gott die Heilung ihres Kindes abgerungen,
mit Schlagfertigkeit, zwar auch mit Demut, aber ebenso viel
Selbstbewusstsein.
Beten Sie? Bitten Sie inständig um ihren Glauben? Bedrängen
Sie Gott förmlich, Sie nicht allein zu lassen? Oder gehören
Sie zu denjenigen, die sagen: "Gott macht sowieso, was
er will (deshalb ist er ja auch Gott), was soll ich Ihm da
noch hineinreden"?
Gott möchte gebeten werden. Er liebt es, wenn die Menschen
sich mit ihm auseinandersetzen. Er ist begeistert von Männer
und Frauen, die das Gespräch mit ihm suchen und sich
nicht davon abbringen lassen, mit ihm im Gespräch zu
bleiben. Und vor allem - und das ist die Frohe Botschaft von
heute - er lässt sich erweichen.
Eine junge Österreicherin sagte in Rom auf dem Petersplatz
zu mir: "Warum hat Gott eigentlich noch nie zu mir gesprochen?
Warum hat er sich noch nicht mit mir auseinandergesetzt?"
Haben Sie schon die Auseinandersetzung mit Gott wirklich
begonnen?
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Die Begebenheit, die wir gerade im Evangelium gehört haben, widerspricht
unseren gewohnten Vorstellungen von Jesus; Jesus erscheint hier schroff
und abweisend gegenüber der heidnischen Frau, die doch nicht anders
als so viele Menschen damals ihn um Hilfe bat. Im Griechischen lautet
ihr Flehruf: Kyrie eleison!
Doch weil sie nicht zu den Juden gehört, soll sie anscheinend von
Jesu heilendem Wirken ausgeschlossen sein das ist hart und schwer
erträglich. Jesus sagt: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen
des Hauses Israel gesandt. Und: Es ist nicht recht, das Brot
den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Der Evangelist
Markus (7,27) stellt jedoch noch einen Satz voran, den Matthäus ausgelassen
hat. Er macht die harte Aussage Jesu etwas verständlicher: Laßt
zuerst die Kinder satt werden. Die frohe Botschaft, die Jesus in
Wort und Tat verkündet, soll zuerst dem auserwählten Volk Israel
zuteil werden und danach erst den Heiden. So ist es Gottes weiser Ratschluß,
und es steht uns nicht zu, daran herumzumäkeln.
Aber damit ist noch nicht alles gesagt, das Entscheidende kommt erst
noch: Jesus bleibt nicht dabei, sondern er läßt sich umstimmen
durch die beharrliche und zugleich zutiefst demütige und schlagfertige
Antwort der Frau: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde
bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Diese Antwort der Frau ist wohl nicht gerade nach unserem Geschmack.
Hätte sich nach den schroffen Worten Jesu nicht unser Stolz verletzt
gefühlt? Wären wir überhaupt noch zu einem weiteren Anlauf,
Jesus umzustimmen, in der Lage gewesen? Ich denke, das Gespräch zwischen
Jesus und der Frau kann uns einiges sagen über unser Sprechen mit
Gott, über unser Beten. Auch wir machen nämlich mitunter die
Erfahrung, daß Gott anders ist, als wir gedacht hatten, daß
seine Ratschlüsse für uns fremd und dunkel sind. Gott scheint
uns manchmal gar nicht zu behandeln wie seine geliebten Kinder, und unsere
Bitten finden oft anscheinend kein Gehör bei ihm. Solche Erfahrungen
gehören zum Christenleben dazu, es sind die Stunden der Prüfung.
Alles hängt davon ab, wie wir diese Stunden bestehen, wie wir dann
reagieren: in stolzer Auflehnung oder in demütiger Ergebenheit.
Die Tugend der Demut ist heutzutage nicht in hohem Kurs, der moderne
Mensch will davon nichts wissen. Entsprechend machen wir uns auch gerne
unser Gottesbild nach unserem eigenen Geschmack: Gott als willfähriger
Partner, als großmütiger Opa, der für alles Verständnis
hat und alles mit sich machen läßt, ja im Grunde: Gott als
unser Diener. So ist Gott aber nicht, und eines Tages kommt die Wahrheit
schon ans Licht. Das Trugbild löst sich in nichts auf, und was bleibt
dann übrig? Wir haben dann die Wahl, Gott zu verlassen, vom Glauben
abzufallen oder den Glauben festzuhalten der augenblicklichen
Erfahrung zum Trotz, Gott weiterhin zu vertrauen, seinen Willen anzunehmen
und wie die kanaanäische Frau Gott demütig und beharrlich zu
bitten: Herr, hilf mir!
Wenn wir in dieser Weise bitten, ist Gott viel geneigter, uns zu helfen.
Wie Jesus die Frau gelobt hat: Dein Glaube ist groß
und wie er sich von ihr hat umstimmen lassen, so wird Gott auch unser
beharrliches Vertrauen in den Stunden der Prüfung anerkennen und
auf unerwartete Weise belohnen. Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Dir vertrauen wir unsere Bitten an:
-
Öffne allen Menschen den Mund, dass sie zu Dir rufen.
-
Öffne allen Menschen die Ohren, dass sie Dein Wort
hören.
-
Öffne allen Menschen die Herzen, dass sie Deine
Liebe spüren.
-
Öffne allen Menschen die Augen, dass sie die Not
des Nächsten erkennen.
-
Öffne allen Menschen die Hände, dass sie Deine
Güte verschenken.
-
Öffne allen Verstorbenen Deine Tür, dass sie
zu Deinem Gastmahl eintreten.
Gott, unser Vater, Du willst in unserem Leben Gestalt annehmen,
damit wir am Ende unserer Zeit zu Dir gelangen. Sei uns nahe
in Deiner Kirche und unserem Leben. Darum bitten wir, durch
Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 640, 1+2
Kyrie: 463
Gloria: 464
2. Lesung: Röm 11, 13-15.29-32
Zwischengesang: 857, 2
Evangelium: Mt 15, 21-28
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 302, 1 - 3 (nach der Melodie von 468)
Sanctus: 988
Agnus Dei: 989
Schluss: 638, 1, 2 + 5