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Liturgie vom 22. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
warum sind Sie eigentlich hier?
Es soll ja Menschen geben, die fragen nach dem Gottesdienst
vor allem: Was hat es mir gebracht? Was hat mir dieses Messe
eigentlich gegeben?
Es soll Menschen geben, die finden eine Messe gut, wenn die
Predigt gut war. Und die Messe war schlecht, wenn die Predigt
schlecht war - oder wenn sogar überhaupt keine Predigt
gewesen ist.
Es soll diese Menschen geben, die irgendwann sagen: Die Messe
bringt mir nichts, da gehe ich nicht mehr hin. Und die dann
tatsächlich nicht mehr hingehen.
Das ist inzwischen eine Haltung, die unsere Gesellschaft auf
den ganzen Bereich des Religiösen ausgedehnt hat: «Soll
er es doch glauben - wenn es ihm hilft!» - oder: «...wenn
es ihm was bringt.» Ja, daran muss sich jede Religion
vor dem Tribunal des zeitgemäßen Menschen messen
lassen: Habe ich was davon, an Gott zu glauben?
(Vorwurfsvoll:) Warum sind Sie eigentlich hier?
So ähnlich wie viele unserer Zeitgenossen hat wohl auch
Petrus gedacht: Wenn Jesus stirbt, was habe ich dann von ihm?
Was bringt mir - was bringt uns sein Tod? Wofür sollen
dann die ganzen Jahre der Wanderschaft mit dem Herrn, der
Verachtung durch seine Mitjuden und durch die tonangebende
Gruppe der Pharisäer und Schriftgelehrten gut gewesen
sein?
Petrus hat sowenig wie die anderen Apostel und Jünger
begriffen, dass es darauf nicht ankommt. Denn glauben, lieben
heißt zu fragen: Was bringt's den anderen? Den anderen
Menschen, der Welt? Meinem Nächsten?
Jesus tadelt Seinen Petrus nicht nur besonders hart, sondern
erklärt auch, wieso: Nicht der Egoismus soll seine Jünger
beherrschen, sondern das Kreuz: "Wer mein Jünger
sein will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz
auf sich." Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um für
Petrus und Seine Apostel da zu sein - er ist zur Erlösung
aller Menschen Mensch geworden. Und auch Petrus sollte Christus
nachfolgen, nicht weil er etwas dafür bekommt, weil es
sich lohnt: Nein, weil er gebraucht wird und etwas zu geben
hat. Eben aus Liebe zu Gott, der Freunde sucht.
Deswegen sind wir als hier: Wir feiern diese Gottesdienst
für Gott - weil er Freunde sucht und uns einlädt
- und für die Anderen. Nicht für uns, aus einem
egoistischen "Was bringt's mir" heraus.
Wir sprechen nämlich nicht deswegen von dem Gemeindegottesdienst,
weil hier die ganze Gemeinde anwesend ist - das stimmt nämlich
gar nicht. Mehr als die Hälft der Gemeinde kommt ja gar
nicht mehr zum "Gemeindegottesdienst". Wir feiern
deswegen einen Gemeindegottesdienst, weil wir, Sie und ich,
ihn für die Gemeinde feiern. Auch wenn wir durch die
Woche Gottesdienst feiern - mit gerade mal einem Prozent Gottesdienstbesucher,
feiern wir diesen für die ganze Gemeinde!
Sie kommen in die Messe, nicht weil diese Messe was bringt,
sondern weil hier gegeben wird.
Jesus gibt sich uns - am Altar, in der Kommunion.
Wir geben uns Ihm - in der Gabenbereitung, im Hochgebet.
Wir geben unsere Gaben dem Nächsten - vor allem im Gebet.
Glauben Sie mir - das Gebet ist eine größere Gabe
als das Geld im Klingelbeutel, weitaus selbstloser, selten
egoistisch und oft wirksamer.
Es geht im Glauben nie ums Nehmen, um den Gewinn: "Was
nutzt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt?"
Es geht um das, was Sie zu verlieren haben: "Wer sein
Leben um meinetwillen verliert..."
Ein Tip: Bemühen Sie sich einmal, sich selbst im Gottesdienst
zu verlieren. Hier, heute, in dieser Messe. Und dann wissen
Sie, warum sie hier sind.
Amen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Es ist einfacher, den Menschen zu folgen, als Gott
es ist einfacher, den Gesetzen, den Normen der Gesellschaft
zu folgen, als Gottes Normen der Liebe
es gibt keine halbe Wahrheit, konsequent Christus folgen
es gibt andere Bibelstellen, wo Jesus einlädt, ihm so
zu folgen, wie es einem persönlich möglich ist.
"Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst
" bedeutet nicht Selbstmord. Selbstverleugnung heißt
nur Christus kennen, nicht mehr sich selbst, nur noch ihn
sehen, der vorangeht, und nicht mehr den Weg, der uns zu schwer
ist.
es geht nicht um die Praktizierung christlicher Gesetze, oder
um asketische Selbstvervollkommnung, sondern um eine alternative,
nicht ich-orientierte Lebensform, die durch die Bindung an
Jesus, d.h. in der Nachfolge, und in der Gemeinschaft der
Nachfolgenden überhaupt erst möglich wird
Dabei ist die von jedem kirchlichen Zwang gelöst Freiwilligkeiteines
solchen Lebens vorausgesetzt
bürgerliche und christliche Existenz sollte unterschieden
werden können.
Das Leben ist mehr als alles Gold, es ist das kostbarste,
was es gibt. Es geht Mt also bei der Selbstverleugnung zentral
um ein Nein gegenüber dem Besitz. das paßt zur
zentralen Stellung, die die Warnung vor dem 1Reichtum bei
ihm hat.
Richter über das, wa wahres Bekenntnis zum Gottessohn
ist, ist also weder ein kirchliches Lehramt , noch eine theologische
Fakultät, sondern allein der Menschensohn, der die Praxis
der bekennenden Jünger beurteilt.
3. Predigtvorschlag
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
am nächsten Sonntag beginnt für unsere Stadt und
somit auch für unsere Gemeinde die Gemeindemission. Drei
Patres kommen für zwei Wochen zu uns in die Kirche und
in die ganze Gemeinde um uns zu besuchen?, um die ganze Stadt
zu bekehren?, um einfach mit uns zu leben? Was denn überhaupt
und warum eigentlich?
Der Pfarrgemeinderat wurde um zig Personen erweitert, die
alle für irgendeine Gruppe unserer Gemeinde Verantwortung
tragen, um diese Gemeindemission vorzubereiten. Viele Abende
wurden bisher schon investiert und viel Arbeit wird auch noch
in der kommenden Woche investiert werden müssen. Unsere
Meßdiener haben ihr Schützenfest wegen dieser Gemeindemission
verlegt, die Kolpingfamilie ihr Jubiläumsfest aus der
Mitte der Gemeindemission herausgelegt. Wofür dieser
ganze Aufwand? Was soll das ganze? Stehen wir kurz vor dem
Jüngsten Gericht, wo wir noch möglichst viele retten
wollen?
Bestimmt nicht. Ich glaube, daß durch diese Gemeindemission
nicht einer mehr zur Kirche geht, der nicht auch sonst sich
hier hin und wieder mal blicken läßt. ich bin davon
überzeugt, daß nach der Gemeindemission keiner
Kontakt zur Kirche bekommen hat, der jetzt von Gott und seiner
Kirche nichts wissen will. Wem der Glaube heute vollkommen
egal ist, der braucht auch am ersten Montag nicht kommen,
wenn dieser hier Thema ist. Für wen der Papst nur ein
überflüssiger alter Mann ist, der bekommt hier auch
am ersten Dienstag kein neues Bild von Kirche. Wer am Leid
in der Welt verzweifelt ist und daher nicht mehr an Gott glaubt,
der findet auch am Freitag keinen neuen Zugang.
Was das ganze dann soll? Nun, auf keinen Fall Emsdetten bekehren.
Die Emsdettener werden auch im nächsten Jahr Kirmes feiern
und nicht Kirchweih von St.Pankratius, wo diese Kirmes ihren
Ursprung hat.
Die, die jetzt keinen Kontakt mehr zur Kirche haben, werden
wir auch nicht durch die Gemeindemission erreichen, bei dem
die Flamme des Glaubens erloschen ist, bei dem bedarf es mehr,
um sie wieder anzuzünden. Aber sie, die sie hier sitzen,
wir können gestärkt werden. Wir werden doch auch
immer wieder schwach und zweifeln. Aber bei uns brennt die
Flamme noch, beim einen mag sie gerade noch glimmen, beim
anderen brennt die Flamme des Glaubens licht und hell. Wir
alle, die wir Hier sitzen, und die auch sonst noch Kontakt
mit Kirche haben, wir alle sind auf der Suche nach Gott, wir
alle haben eine Ahnung davon, daß er uns in unserem
Leben helfen will und kann. Wir sind auf der Suche danach,
was der Wille Gottes ist. Und das ist der entscheidende Punkt.
Wir sind auf der Suche. Auch für uns ist der Glaube an
einen gerechten Gott z.B.: angesichts der aktuellen Kinderprostitution
nicht einfach, auch ist die eine oder andere Verkündigung
des Papstes für uns nicht so leicht verständlich.
Aber so lange wir auf der Suche sind nach Antworten, solange
kann Gott uns helfen. Und dann, seien die Zweifel auch noch
so groß, wenn die Flamme des Glaubens noch nicht ganz
erloschen ist, dann kann uns die Gemeindemission etwas bringen,
dann kann sie uns stärken. Fragen und Zweifel, die wir
in unserem Glauben haben, können hier angegangen, der
Lösung näher gebracht und vielleicht sogar geklärt
werden. Wir können unser Leben überprüfen und
vielleicht erkennen wir, was Gott von uns will, so wie Paulus
heute schrieb: "Gleicht euch nicht ...vollkommen ist."
Und noch schöner finde ich die Worte, die der Prophet
Jeremia gefunden hat: "Du hast mich... verhöhnt
mich" Wie oft werden wir mittlerweile für unseren
Glauben verhöhnt: "Was, Du gehst zur Kirche, aber
der Papst hat doch.." Wieviel Schüler müssen
mittlerweile Spott entgegennehmen dafür, daß sie
in der Messe dienen. "Ein jeder verhöhnt mich"
Und doch muß Jeremia die Ungerechtigkeit anklagen: "Ja,
sooft ich rede, muß ich schreien, Gewalt und Unterdrückung"
Der Einsatz für Gerechtigkeit "bringt mir den ganzen
Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber ... konnte nicht."
Ich wünsche Ihnen und mir und allen, bei denen das Feuer
des Glaubens noch nicht erloschen ist, daß wir diese
Chance nutzen, es wieder zu entfachen, daß es wieder
anfange zu brennen in unserem Herzen, so daß wir es
nicht mehr eingeschlossen halten können. Amen
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Wer sein Leben retten will - muss sich um alles sorgen, aller
selber machen, absichern, misstrauen, der wird sich selbst
darin verlieren - wird letztlich nie richtig leben, sondern
höchstens Spaß haben, verzweifelt darum kämpfen,
nichts im Leben zu verpassen, und dabei jede Tiefe, jeden
höheren Wert und vor allem das ewige Leben aus dem Blick
verlieren.
Statt dessen: gleicht euch nicht dieser Welt an, wandelt
euch, erneuert euer Denken, prüft, was der Wille Gottes
ist - so Paulus heute im Röm,erbrief.
Die Worte Jesu setzen meines Erachtens noch einen drauf:
wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst
; sein Leben um Jesu Willen zu verlieren.
Das klingt nach einer harten Forderung - ist es auch, und
so wird es von uns erwartet. Nicht nur die Ordenleute oder
Priester sollen sich ganz in den Dienst Jesu stellen, sondern
jeder Cvhrist stelle seine eigenen Interessen zurück
und leben stattdessen für die Sache Jesu: für die
Liebe, die von Gott kommt und unser ganzes Leben beansprucht.
Die Liebe Jesu weiterzugeben ist nicht eine Nebensache für
den Feierabend, sondern betrifft das ganze Leben.
Und da unterscheiden wir uns radikal von der Konsumgesellschaft,
die dem Lebensgefühl hinterherlaufen.
Wir leben davon, dass wir die Liebe Jesu verschenken. Wir
sind nicht da, um zu nehmen, sondern um zu geben. Eheleute
versprechen sich: ein Leben lang Liebe zu schenken, nicht
diese vom anderen zu nehmen. Liebe, Sexualität lebt davon,
dass ich sie dem Ehepartner schenke, sie wird missbraucht,
wenn ich sie mir nehme!
Der Ehemann, die Ehefrau verschenkt ihre Liebe - der Christ
ist dazu da, seine Liebe zu verschenken, sein Leben zu verschenken.
Viele in unserer Gesellschaft leben vom Nehmen und kaufen.
Wenn wir Christen dagegen unsere Lebensvorstellung vom Geben
und schenken stellen, ernten wir oft nur Spott und Hohn -
ähnlich wie der Prophet Jeremia vorhin sagte: "Das
Wort des Herrn bringt mir nur den ganzen Tag nur Spott und
Hohn." Jugendliche werden belächelt, wenn sie Gleichaltrigen
vom WJT berichten; Eltern werden verhöhnt, wenn sie der
Tochter verbieten, dass der Freund bei ihr übernachtet,
Priester werden nicht ernst genommen, wenn sie von der Wichtigkeit
des Bußsakramentes sprechen.
Doch ich kann nicht anders, als Ihnen das zu erzählen,
was ich vor Gott als richtig erkannt habe.
Eltern können nicht anders, als ihren Kindern das zu
lehren, was sie über die Ausdrucksform der Liebe als
Richtig erkannt haben.
WJT - TN können nicht anders, als Gleichaltrigen von
den Erfahrungen zu berichten, die ihr weiteres Leben prägen.
Uns geht es da wie dem Propheten Jeremia: er kann sich nicht
zurückhalten, von Gott zu erzählen - es war, als
brenne in seinem Herzen ein Feuer, das raus muss.
Ich wünsche uns allen dieses Feuer, damit wir andern mit brennendem
Herzen von der Liebe Christi erzählen und sie großherzig verschenken.
5. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert
euer Denken, ruft uns der heilige Apostel Paulus heute in der Lesung
zu. Diese Mahnung ist heute genauso aktuell wie zu den Zeiten der Urchristen.
Es geht um das unterscheidend Christliche, ja um die Substanz unseres
christlichen Glaubens, die verlorengeht, wenn wir uns an die Welt angleichen.
Ihr seid das Salz der Erde, sagt Christus. Wenn das
Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?
Wenn wir Christen nicht anders leben als die Ungläubigen, dann ist
unser Salz schal geworden!
Vor acht Tagen war der Höhepunkt des Weltjugendtags in Köln.
Rund eine Million junger Leute sind der Einladung des Papstes gefolgt
und feierten zusammen mit ihm die heilige Messe. Es war ein unvergleichliches
Fest des Glaubens und der fröhlichen Zuversicht, ein unbeschreibliches
Erlebnis der Einheit und des Friedens soviele Jugendliche aus allen
Teilen der Welt in einträchtiger Andacht versammelt, geeint durch
den gemeinsamen Glauben und durch die gemeinsame Liebe zum Heiligen Vater.
Der Nachfolger Petri, auf den Jesus seine Kirche gebaut hat, machte uns
allen Mut, Jesus Christus wieder in die Mitte unseres Lebens zu stellen
und uns des Evangeliums nicht zu schämen, vielmehr stolz darauf zu
sein. In der Vigil auf dem Marienfeld sprach er u.a. einen Gedanken aus,
der gut zu den heutigen Lesungstexten paßt:
Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der
Welt. Die Art, wie Gott wirkt, ist anders, als wir es uns ausdenken und
ihm gerne vorschreiben möchten. Gott tritt in dieser Welt nicht in
Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht.
Er stellt der lauten,
auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber,
die am Kreuz und dann in der Geschichte immer wieder unterliegt
und doch das Neue, das Göttliche ist, das nun dem Unrecht entgegentritt
und Gottes Reich heraufführt. Gott ist anders das erkennen
sie [die Weisen aus dem Morgenland] nun. Und das bedeutet, daß sie
nun selbst anders werden, Gottes Art erlernen müssen.
Die Umwandlung und Erneuerung des Denkens ist eine Aufgabe, die sich
jedem einzelnen stellt, und das auch immer wieder im Leben. Im Evangelium
erfahren wir, daß auch Petrus damit seine Not hatte. Das soll
Gott verhüten, Herr!, ruft er aus, als Jesus von seinem Leiden
und Sterben spricht. Petrus glaubt an Jesus, er glaubt, daß Jesus
der Messias ist, aber gerade deshalb versteht er nicht, daß der
Gesalbte des Herrn die Schmach des Kreuzes erleiden soll. Doch Jesus weist
ihn zurecht und fährt ihn an: Hinter mich, Satan! Er
nennt Petrus aber nicht einen Teufel; das Wort satan´a
ist hier vielmehr in seiner Ursprungsbedeutung zu verstehen und meint:
Hindernis, Widersacher, Stein des Anstoßes. Petrus wird
Jesus zur Versuchung, indem er ihm das Kreuz wegwünscht. Und so muß
er sich sagen lassen: Du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
sondern was die Menschen wollen. Petrus will einen Messias, der
sich mit Macht und Gewalt durchsetzt, Gott will einen Messias, der der
lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe
gegenüberstellt, die am Kreuz unterliegt und doch
dem Unrecht
entgegentritt und Gottes Reich heraufführt.
Das ist soweit theologisch völlig klar. Aber bis hierhin ist es
nur Gedanke, den man in Gelehrtenstuben entwickeln oder in einer schönen
Predigt anhören kann, ohne ihn zu leben. Es kommt darauf an, daß
wir diesen Gedanken tief in unser Herz einlassen, damit er unser Leben
bestimmt. Wir sind aufgerufen, uns zu wandeln und unser Denken zu erneuern.
Wie viele gibt es, die sich von morgens bis abends vom Fernsehen berieseln
lassen und kritiklos alles aufnehmen, was ihnen dort geboten wird. Zu
viele sind es schon, die sich vom Zeitgeist bestimmen lassen und mit dem
Strom der Masse mitschwimmen. Erneuerung des Denkens ist daher das Gebot
der Stunde, damit wir die alten und doch ewig jungen Worte des Evangeliums
wiederentdecken, die uns freimachen von der Anhänglichkeit an diese
Welt und ihren verräterischen Glanz, die uns Mut und Hoffnung geben
für unser Leben.
In Köln durften wir Zeuge sein, daß sich nicht nur einzelne
für das Evangelium begeistern lassen, sondern tatsächlich große
Massen. Diesmal konnten die Medien das Großereignis nicht totschweigen,
so wie in den Vorjahren. In Köln konnte man es spüren, daß
das Evangelium auch heute Mut gibt, das eigene Denken zu erneuern, das
schale Salz abzuschütteln, sich im Sakrament der Beichte mit Gott
zu versöhnen und gegen den Strom der Verweltlichung zu schwimmen.
Gottes Gnade wurde sichtbar, sie leuchtete auf unzähligen jungen
Gesichtern!
Ich bin häufig erschrocken darüber, mit welcher Perfidie unsere
Gesellschaft die Glaubensverkündigung der Kirche zu hintertreiben
versucht. Die Kirche wird so dargestellt, als ob sie bald an Altersschwäche
stirbt. Denn wenn das so ist, dann braucht man sich ihrer Botschaft nicht
mehr zu stellen. Wie viele Christen haben sich im Grunde mit diesem Bild
abgefunden! So werden sie entmutigt, und Glaube und Hoffnung werden schwach.
Selbst viele Bischöfe scheinen eine defätistische Haltung eingenommen
zu haben und trauen dem Evangelium keine Kraft mehr zu. In den letzten
Tagen zeigten uns jedoch die Medien gegen ihren Willen, daß dieses
Bild von der Kirche eine Karikatur ist, eine wahrheitswidrige Verzeichnung!
Wir haben den lauten Stimmen, die uns den Glauben miesmachen wollen und
die alles, was gut und heilig ist, mit ätzendem und zersetzendem
Spott übergießen, lange genug Aufmerksamkeit geschenkt. Nun
ist es an der Zeit, uns der Erneuerung des Denkens, die schon lange begonnen
hat, anzuschließen!
Die Botschaft Jesu ist glasklar: Was nützt es einem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?
Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Was
nützt es, wenn wir das zeitliche Leben retten und das ewige verlieren,
wenn wir zwar von den Menschen Applaus bekommen, vor Gott aber mit leeren
Händen dastehen? Eine Wohlstandsreligion nützt nichts. Reinhold
Schneider sagt: Das Christentum kann sich einzig und allein erneuern
durch die Wendung zum Ursprung, den immer neuen Durchbruch zu Christus,
zum Kreuz.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, du selbst hast dich für uns hingegeben.
Wir wollen dich für die Menschen bitten:
-
Für alle Menschen, die der Kirche den Rücken
zugekehrt haben.
-
Für alle Menschen, die mit ihrem Gebet den Menschen
dienen.
-
Für alle Menschen, die mit Hingabe in deiner Kirche
leben.
-
Für alle Menschen, die Verantwortung in der Kirche
haben.
-
Für die Eltern, Lehrer und Erzieherinnen, die in
ihrem Glauben sprachlos geworden sind.
-
Für unsere Kranken, Schwerkranken und Verstorbenen.
Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr, du erhörst unsere Bitten: Die, die wir dir ausgesprochen
haben und die, die wir nur still vor dich tragen. Denn du
liebst und lebst in alle Ewigkeit. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 294, 1 + 2
Kyrie: 463 (Vorsänger: Priester, nicht anzeigen)
Gloria: 464
2. Lesung: Röm 12, 1-2
Zwischengesang: 883, 1 + 2
Evangelium: Mt 16, 21-27
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 558
Sanctus: 988
Agnus Dei: 989
Danksagung: 294, 4
Schluss: 267, 1-3