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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 25. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 21.09.08
Liebe Schwestern und Brüder!
Es heißt heute im Evangelium wieder einmal ausdrücklich, dass
Jesus ein Gleichnis seinen Jüngern erzählte. Er richtet sich also
an Menschen, die ihm schon nachfolgen, so wie Sie und ich.
Gläubige Christen brauchen offensichtlich immer wieder eine Nachhilfestunde
Jesu in Sachen Glauben. Unmittelbar vor unserer heutigen Bibelstelle ist es
ausgerechnet Petrus, der (in Mt 19,27) fragt: „Du weißt,wir haben
alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wirdafür bekommen?“
Das ist die Frage, die sehr viele Christen immer wieder beschäftigt:
Was werde ich dafür bekommen? Ein Leben lang halte ich mich an die Gebote
und verzichte auf manche Gelegenheit, mir das Leben bequemer zu machen. Ich
spende – wie heute für die Caritas-, ich engagiere mich in der
Pfarrei, ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich bete.
Also bin ich auch so etwas wie ein Arbeiter der ersten Stunde, der im Weinberg
des Herrn arbeitet und sich dabei manchmal ganz schön abrackern muss.
Da interessiert mich natürlich schon, was ich dafür bekomme. Was
habe ich nach meinem Tod davon?
Rechnet Gott mir meinen Fleiß, meinen Verzicht und meine Geduld auch
wirklich an? - Mit anderen Worten: Rentiert sich mein Einsatz überhaupt?
Hier genau setzt Jesus mit dem heutigen Gleichnis an. Er belehrt uns über
die besonderen Spielregeln im Himmel. Es heißt: „Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Gutsbesitzer…“ - Die Geschichte, die dann
folgt, ist uns allen wohlbekannt. Aber einfacher wird sie dadurch nicht.
Da bekommen die, die nur eine Stunde gearbeitet haben einen Denar. Mit einem
Denar konnte man damals eine Familie für einen Tag ernähren.
Und die, die länger gearbeitet haben, bekommen auch einen Denar.
„Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren…“
Das lassen sie sich nicht bieten! Sie beschweren sich: Das ist einfach ungerecht!
Wir haben in der brütenden Hitze stundenlang geschuftet und bekommen
trotzdem nicht mehr. So haben wir nicht gewettet, Herr Gutsbesitzer! Wir wollen
mehr Geld!
Und mal ehrlich – Wir sind auch auf ihrer Seite. Da muß eine Gewerkschaft
her, eine neue Tarifpolitik.
Und der Gutsbesitzer? Er hält dem Anführer der Murrenden eine Standpauke:
„Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár
mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel
geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?
Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“
Das ist Klartext, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt!
Anstelle von „bist du neidisch“ sollte man auch genauer übersetzen.
Wörtlich heißt es: Ist dein Blick böse?
Darum geht es Jesus. Es geht um den bösen Blick. Der ist für das
Himmelreich völlig untauglich. Dieser Blick auf den anderen ist es, der
die Menschen immer wieder in Katastrophen stürzt. Immer wieder schildert
auch die Bibel, wie Menschen so vom Neid zerfressen werden, dass sie furchtbare
Dinge tun, so wie Kain, der seinen Bruder Abel erschlug. So zählt man
den Neid mit gutem Grund zu den klassischen sieben Todsünden. Er ist
wie ein ekliges Eitergeschwür, dass sich immer weiter ausbreitet, meistens
sogar unter dem Vorwand der Gerechtigkeit.
Gerecht wollen es die ersten Arbeiter im Weinberg haben, und Gerechtigkeit
erwarten wir auch im Leben. Unsere Gerichtsverfahren werden mehr und mehr,
denn immer mehr Menschen ziehen vor Gericht, um ihr gutes Recht einzuklagen.
Das ist auch in Ordnung so, damit niemand durch Machenschaften anderer einen
großen Schaden erleiden muss.
Doch wer Gerechtigkeit vom Herrn verlangt, der sollte sich erst einmal selbst
prüfen. Will ich wirklich Gerechtigkeit? Gerechtigkeit weltweit? Will
ich gerechterweise mein Einkommen zu einem Drittel abgeben und selbst am Existenz-Minimum
leben, wie andere das ihr Leben lang aushalten müssen? Will ich denen
in der 3.Welt, die in
Gefahr sind, wegen bei uns geradezu lächerlichen Krankheiten zu sterben,
mit aller Kraft und meinem Geld helfen? Will ich wegen der Gerechtigkeit meinen
Job aufgeben, weil wir als Paar Doppel-verdiener sind, während junge
Leute jahrelang in der Warteschleife sind, um vielleicht gerade meinen Job
zu bekommen?
Will ich dafür kämpfen, dass die Afrikaner, die unter Einsatz ihres
Lebens in kleinen, überfüllten Booten nach Europa kommen, ihre
Chance bekommen, dem Elend zu entfliehen?
Das ließe sich beliebig und sehr unangenehm fortsetzen. Gerechtigkeit?
Wollen wir wirklich Gerechtigkeit? Seien wir vorsichtig und sehr, sehr leise
mit dem Ruf nach Gerechtigkeit! Er könnte uns im Halse steckenbleiben!
Meistens ist es eher so, daß wir auf andere neidisch sind oder ihnen
weniger gönnen als uns.
In seinem Gleichnis vom Himmelreich erinnert uns Jesus daran. Es ist, als
wollte er uns eindringlich warnen: Verlangt von Gott um Himmelswillen keine
Gerechtigkeit für euch!
Seid ihr so sicher, dass ihr wirklich so gut abschneidet, wenn es nur knallhart
nach Schema F zugeht bei Gott?
Glaubt ihr wirklich, ihr hättet euch den Himmel verdient? Glaubt ihr
wirklich, ihr könntet mit Gott schlaue Geschäfte machen? Vielleicht
tausend Gebete für einen Platz im Himmel?
Mit diesem Gleichnis mahnt Jesus gerade diejenigen, die zu den fleißigen
Arbeitern im Weinberg Gottes gehören: Hört auf mit euren Himmels-Berechnungen!
Hört auf mit dem Schielen nach anderen!
Vergleicht euch nicht mit anderen. Denn der Vergleich ist vom Teufel –
sagen die Alten.
Es ist eine Beleidigung Gottes, was ihr da treibt. Ihr unterstellt ihm, so
zu rechnen wie ihr auf der Erde. Seid froh und glücklich, dass dies im
Himmel nicht so ist! Und lernt, anderen etwas von Herzen zu gönnen.
Gott ist eben nicht ungerecht! Seine Gerechtigkeit hat aber eine andere Grundlage
als die irdische. Bei ihm kommt noch vor der Gerechtigkeit die göttliche
Barmherzigkeit und die Überfülle seiner Liebe.
Wenn ihr euren bösen Blick mal ablegt, dann seht ihr das auch. Der Blick
Gottes ist voller Liebe und Zärtlichkeit, voller Güte und Sorge
um seine geliebten Menschenkinder.
Dann seht ihr auch, dass Gott in seiner unergründlichen Güte jedem
das schenkt, was er braucht, den einen Denar des Lebens, den Denar des ewigen
Lebens!
Es sich rentiert sich, mit dem Herrn in seinen Weinberg mitzugehen. Denn
das ist auch klar: Wer nicht mitgehen will, wer dankend abwinkt, der ist auch
nicht bei der Lohnauszahlung dabei. Traurig ist nur, wenn da welche sind,
die wie im Gleichnis bisher von niemandem zur Arbeit angeworben wurden.
Trainieren wir unseren Blick und geben unseren Kollegen auf den Marktplätzen
der Welt den Tipp: Kommt mit uns in den Weinberg des Herrn. Es lohnt sich!
Der Lohn ist nicht gerecht, denn er ist die Erfüllung. Und die gibt es
nur ganz und nicht nach Tarif.
Diesen Lohn sollten wir einander gönnen können.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, es ist aus unseren Köpfen
einfach nicht herauszubekommen: Wir haben immer noch das Gefühl,
wir müssten uns unser Heil erarbeiten. Oft genug spricht
die Bibel vom ewigen Lohn, von der Frucht, die wir bringen
müssen und von der Faulheit und Gleichgültigkeit,
die uns um die ewigen Freuden bringen wird.
Auch das Gleichnis des heutigen Tages lässt uns in den
Kategorien "Arbeit" und "Lohn" denken.
Wir müssen arbeiten - das ist das Leben hier auf der
Erde. Arbeit, Mühsal, Anstrengung. Wer sich nicht anstrengt,
der mag vielliecht noch Sozialhilfe bekommen; aber spätestens
im kommenden Leben steht er mit leeren Händen da.
Und es ist die Rede vom "Lohn". Darauf freuen wir
uns schon, das wir ausgezahlt bekommen, was wir verdient haben.
Wenn das Paradies auch nicht wirklich ein Schlaraffenland
ist, in dem uns die Pfannekuchen in den Mund fliegen - grundsätzlich
müsste es so ähnlich sein.
Jesus hat uns heute ein Gleichnis erzählt; ein Gleichnis
von Arbeitern, Arbeit und Lohn. Aber was er uns deutlich machen
will, ist genau das Gegenteil: Der ausgezahlte Lohn richtet
sich eben nicht nach dem, was ihr tut. Er ist kein "gerechter"
Lohn in dem Sinne, in dem der, der mehr leistet, auch mehr
Himmel bekommt.
Der ausgezahlte Lohn richtet sich nach dem, was Gott uns
verspricht. Er ist unser Lohn. Und wir, hier auf Erden, erarbeiten
uns den Himmel nicht. Jesus versucht immer wieder, mit dieser
schrecklichen Vorstellung aufzuräumen, der Himmel müssen
verdient werden.
Eine schreckliche Vorstellung gerade angesichts des heutigen
Caritassonntages: Jesus verbietet ihnen schlicht, Alte Menschen
zu pflegen, um ihn den Himmel zu kommen. Kranken zu helfen,
um Gott zu gefallen. Er verabscheut diejenigen, die Gutes
Tun, um sich die Zuneigung Gottes zu verdienen. Der Weg zu
Gott führt nicht über den Dienst am Menschen. Ein
Mensch darf niemals ein Mittel sein, um Gott zu gewinnen.
Es ist umgekehrt: Der heutige Sonntag heißt Caritassonntag
- Caritas, d.h. Liebe. Was im Himmel zählt, ist die Liebe.
Aufopferungsvolle Liebe genauso wie unerfüllte Liebe,
heimliche Liebe, tragische Liebe oder leidenschaftliche Liebe.
Die Liebe einer Mutter Teresa genauso wie die Liebe einer
Mutter zu ihrem Kind; die Liebe in der Familie genauso wie
die Liebe zu dem mir unbekannten Kranken im Krankenbett neben
mir.
Die Liebe zu Gott ist dabei der Schlüssel, die Menschen
zu lieben - trotz aller Hindernisse und trotz allem Leids,
das eine solche Liebe immer irgendwann mit sich bringt.
Der Weg zu dieser Liebe ist Gott.
Eine junge Frau schreibt mir in eine eMail ein paar Gedanken,
die das wunderbar ausdrücken: "Wir sehen uns dann
im Himmel. Ich freu mich schon. ;-) Du erkennst mich daran,
dass ich die bin, die am nächsten bei Jesus kniet.
Das wäre zumindest mein Wunsch, mich ganz nah an Ihn
ranzudrängeln. Obwohl, das wäre aufdringlich.
Aber Gott liebt es doch, wenn man aufdringlich zu IHM ist,
meine ich. (???) Ich kann es nicht erwarten, Ihn zu sehen
und ich wette, Er kann es nicht erwarten, dass wir bei ihm
sind.
Natürlich ist mein Leben schön, so soll sich das
nicht anhören. Aber ich kenne mein Ziel. Ich liebe
Gott. Ich könnte platzen, weißt du. Alles was
ich tue, tue ich für Ihn. Komisch, gell. Es ist noch
nicht so lange her, da dachte ich, es gibt keinen Gott.
Was habe ich verpasst. Dann habe ich angefangen, Menschen
zu lieben und Gott. Jetzt liebe ich nur noch Gott. Menschen
auch noch, aber anders. Ich liebe sie, weil Er sie liebt
und weil sie seine Geschöpfe und seine Gemeinde sind.
Das ist auch Liebe, aber anders. Nicht mehr, weil sie mir
etwas bringen oder so. Es geht NUR UM IHN. Zum Glück
haben wir eine ganze Ewigkeit Zeit, bei Ihm zu sein. "
Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Gott hat kein Kleingeld. Auch dem Arbeiter, der nur eine
Stunde gearbeitet hat, gibt er den ganzen großen Lohn.
Mit Pfennigbeträgen hält er sich nicht auf.
Gott hat keinen Stundenlohn zu bieten. Er belohnt den, dem
die Arbeit leichter von der Hand geht, genauso großzügig,
wie den, der sein Pensum nur mit Ach und Krach schafft. Worauf
es ihm ankommt, ist, dass wir uns mit ganzer Kraft, mit ganzem
Herzen und ganzer Seele für ihn einsetzen.
Gott ist großzügig im Geben. Jeder, der in Seinem
Dienst steht, erhält den gleichen Lohn: Gott selbst.
Aber er ist genauso unbescheiden, was die Arbeit angeht: Es
geht ihm nicht um die Anzahl der Arbeitsstunden oder um Leistungsdaten
- er will schlicht und einfach mich selbst.
Das kann beruhigend und verunsichernd zugleich sein. Beruhigend
deswegen, weil jeder zum Dienst für Gott geschaffen ist.
Er braucht keine Vorbedingungen, kein Bewerbungsschreiben
und keine Empfehlungen. Wir können so unvollkommen, wie
wir sind, bei ihm anfangen.
Es bleibt aber auch eine heilsame Verunsicherung. Wir können
uns nicht zurücklehnen und sagen: So, wir haben unser
Soll erfüllt. Genug getan, jetzt ist Zahltag. Sollen
jetzt die anderen mal etwas tun.
Wir können uns auch keine Sicherheit einreden, indem
wir uns mit anderen vergleichen. Das ist der Fehler, den die
ersten Arbeiter machen: Sie schauen nicht auf das, was der
Herr ihnen verheißen hat - sondern auf die anderen.
Vielleicht ist das die größte Versuchung: Neidisch
oder stolz auf Andere zu blicken.
Wir können nämlich nicht sagen: «Immerhin,
ich gehe noch zur Kirche!» oder: «Ich wenigstens
Spende noch eifrig - und das nicht zu knapp.» - «Bei
uns zuhause ist die Welt noch in Ordnung.» Oder: «Ich
bete wenigstens noch!» Und schielen dann auf die, die
es nicht mehr tun...
Auch wenn der heutige Caritas-Sonntag uns an unsere Verantwortung
für soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit erinnern
will - und uns zudem zur Caritas-Kollekte aufruft - so ist
die Frage nicht: Tun wir genug? Geben wir genug?
Gott fragt uns nämlich nicht nach dem «wieviel».
Die Frage, die Gott uns jeden Tag stellt, ist ob wir das,
was wir tun, mit ganzem Herzen tun - und auch, ob wir das
Gute tun. Jeder, der mit ganzem Herzen beim Guten dabei ist,
erhält den Lohn der uns verheißen ist.
Es gibt keinen himmlischen Punktestand. Es gibt kein Sparkonto
für gute Taten. Es gibt keine göttliche Checkliste
zum Eintritt ins Paradies. Keine Sammelpunkte und kein Mengenrabatt.
Es gibt nur eins, das zählt: Das sind Sie selbst.
Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Es gehört zu den Binsenwahrheiten des Glaubens: Am Ende
ist Zahltag, dann belohnt Gott die guten Menschen und bestraft
die bösen. Vermutlich anhand von langen Listen: Da steht
dann drauf, was wir alles getan haben, gedacht haben und wie
es auf unserem moralischem Konto aussieht.
Leider ist eine Binsenwahrheit, obwohl sie einfach und einleuchtend
und weit verbreitet ist, nicht immer richtig. Das hat Jesus
uns schon vor 2000 Jahren versucht, deutlich zu machen, und
es will noch immer nicht richtig in unsere Köpfe hinein:
Der Tag des Gerichts ist kein Tag, an dem es um einen Kassensturz
geht; Gott ist nicht der Unparteiische Hüter unseres
himmlischen Punktekontos; und im Leben geht es nicht darum,
dass wir uns den Himmel verdienen.
Der Himmel, das ist schließlich Gott selbst. Und den
können wir nicht teilen und stückchenweise zur Belohnung
aussetzen. Gott gibt es nur so, wie er ist: Umsonst, ganz
und nur für den, der IHN lieben will.
Wir kommen nicht los von dem Denken, dass es in unserem Leben
zuerst auf unser moralisches Verhalten ankommt. Deshalb können
wir uns auch nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die
schließlich in der Hölle landen: Denn Gott ist
doch großzügig; er wird doch keinen, der nicht
ausreichend Punkte gesammelt hat, wegschicken.
So ähnlich wie der Nikolaus: Der hat auch manchmal eine
ziemlich lange Liste von Missetaten zu verlesen. Aber da er
ein guter Mann ist, gibt es am Schluss immer etwas Gutes aus
seinem Geschenkesack. Er könnte es gar nicht übers
Herz bringen, und eines der Kinder leer ausgehen lassen.
Was aber, wenn wir nicht mehr an den Nikolaus glauben? Wenn
wir nicht dabei sein wollen, wenn er uns besucht?
Liebe Schwestern und Brüder, Gott geht es nicht um unser
moralisches Verhalten, das nach einem geheimen, nur Gott bekannten
System benotet wird. Gott geht es um unser Herz: Glauben wir
an IHN? Lieben wir IHN? Hoffen wir ein Leben lang, dass wir
IHM begegnen?
Wenn es um nichts anderes geht, als dass sich Gottes Herz
und unser Herz vereinigen, dann gibt es selbstverständlich
auch die menschliche Verweigerung: Nicht als Strafe für
zu wenig Punkte, sondern als Anerkennung des freien Willens:
«Gott, ich habe ein Leben lang nichts von Dir erwartet;
Du kannst mir auch in alle Ewigkeit gestohlen bleiben.»
Das mag Gott sein Herz brechen, aber er rührt unseres
nicht an, weil er uns liebt.
Wer sein Leben als ein Ringen um eine erfüllte Gottesbeziehung
versteht, der weiß, dass eine solche Beziehung auch
scheitern kann; auch an Kleinigkeiten wie mangelnde Gespräche,
Vorlieben für weltliche Dinge und Terminschwierigkeiten
- das gilt für die Ehe genauso wie für Gott.
Wer sein Leben als ein Ringen um eine erfüllte Gottesbeziehung
versteht, der erfährt aber aus dem heutigen Evangelium
auch, dass wir jederzeit erwachen und Gottes Hand ergreifen
können. Dass es keine Zeit gibt, in der Gott sich verschließt;
dass es nie zu spät ist und nie vergebens, Gott einen
neuen Liebesantrag zu machen.
Das Gleichnis verspricht uns: Jede Stunde ist eine Stunde
der Gnade, wenn wir uns in den Dienst Gottes stellen.
Jedes Gleichnis hat natürlich auch seine Grenzen; denn
in Wirklichkeit gibt der Gutsbesitzer seinen Knechten nur
einen Denar, Gott aber jedem, der ihn liebt, sich selbst.
Amen.
5. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg provoziert. Warum? Jesus
erzählt eine Geschichte, die unserem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht.
Ein Streit bricht aus: Die Arbeiter der ersten Stunde fühlen sich
ungerecht behandelt und protestieren. Sie halten dem Weinbergbesitzer
die Parole vor: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dieser
jedoch bestreitet, daß er irgend jemandem Unrecht zugefügt,
daß er vielmehr seine Vertragsverpflichtungen erfüllt habe,
und weist so den Protest zurück.
Wir sind die Zuhörer. Ganz automatisch fühlen wir mit den murrenden
Arbeitern, wir erleben ihre Erwartung, mehr zu bekommen, und die nachfolgende
Enttäuschung mit. So wie das Gleichnis erzählt ist, können
wir auch kaum anders, denn wir erfahren nichts über die Absichten
und die Ziele des Weinbergbesitzers. So werden wir in die Rolle des Richters
versetzt, wir fühlen uns herausgefordert, zu beurteilen, wer denn
nun im Recht ist.
Doch für ein sachgerechtes Urteil müßten wir wissen,
aus welchen Gründen der Gutsbesitzer handelt. Es sieht ganz danach
aus, als wolle er den Streit provozieren. Denn er mußte ja nicht
die Letzten vor den Augen der Ersten so großzügig behandeln,
er hätte dies ja auch im Verborgenen tun können; dann wäre
es erst gar nicht zum Streit gekommen. So werden wir, die Zuhörer,
durch die Erzählung gleichsam in eine Falle gelockt: Wir werden gereizt,
uns mit den erregten ersten Arbeitern zu ärgern, anstatt uns mit
den Letzten zu freuen. Ganz unwillkürlich sitzen wir über Gott
zu Gericht und fragen, ob er seine Gunst so ungerecht verteilen darf.
Aber dann schlägt alles um: Der Gutsbesitzer fragt auch uns:
Oder bist du neidisch, weil ich gütig bin? Wir finden
uns plötzlich einer Ungeheuerlichkeit verdächtigt und stehen
jetzt selber im Rechtfertigungszwang. Sind wir wirklich vom Neid bestimmt?
Ist die Gerechtigkeit, die wir einklagen, nur eine Einkleidung unserer
Habsucht?
Wir sollen uns fragen, wie unser Denken strukturiert ist das ist
das Ziel des Gleichnisses. In dieser Welt sind Leistung, Lohn und Prestige
absolute Werte. Hier ist es klar, daß die ersten Arbeiter betrogen
wurden; es muß gar nicht eigens gesagt werden, wir wissen es aus
unserer Lebenserfahrung. Denn in dieser Welt ist nur dann einer was, wenn
er was Besseres ist. Man gewinnt nur durch Konkurrenz und ist nur gut,
wenn viele andere schlechter sind. Wer hier allen gleich viel gibt, nimmt
dem Besseren alles, was ihn unterscheidet, und läßt ihn sich
als Letzten fühlen. Ja, wer so etwas tut, nimmt den Tüchtigeren
die Lust, sich überhaupt noch anzustrengen. Wir kennen dies aus den
Jahrzehnten sozialistischer Mißwirtschaft.
Und doch wissen wir auch aus den Erfahrungen des westlichen Kapitalismus
oder sollten es jedenfalls wissen, daß viele auf der Strecke bleiben
im ständigen Wettbewerbs- und Karrieredruck. Ist es richtig, daß
die Menschheit dank der Konkurrenz eingeteilt wird in Gewinner und Verlierer?
Ist ein Gymnasiast besser als ein Sonderschüler, ein Immobilienmakler
besser als ein Sozialhilfeempfänger? Wir sind zumindest in
Gefahr, so zu denken darauf weist uns das Gleichnis hin. Gott aber
denkt anders, seine Gedanken sind weit über unseren Gedanken. Er
hebt die unselige Scheidung zwischen Gewinnern und Verlierern auf, indem
er die letzteren den Ersten gleichstellt. So werden Letzte zu Ersten.
Und Erste können zu Letzten werden, wenn sie dies als Affront verstehen,
wenn sie sich nicht über das Glück der Beschenkten freuen, sondern
mit Enttäuschung und Entrüstung reagieren.
"Oder bist du neidisch, weil ich gütig bin?" Diese Frage
will uns Gottes Güte und Barmherzigkeit neu zum Bewußtsein
bringen. Würden wir uns mit Gott vergleichen, dann müßten
wir unser Geringsein, ja unser Nichtsein bekennen. Wenn nun schon
ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel
mehr wird euer himmlischer Vater denen Gutes geben, die ihn bitten.
Die Konkurrenz mit Gott halten wir nicht aus. Aber das ist auch nicht
nötig, weil wir unsere Identität vor Gott nicht durch Leistung
und Wettbewerb gewinnen, sondern durch das Angebot seiner Freundschaft:
Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht...
So können wir zweierlei mit nach Hause nehmen und in der Woche beherzigen:
1. Gottes Güte bewundern und loben, die so groß ist, daß
wir alle ohne jedes Verdienst Gottes Freunde genannt werden.
Und 2.: Maß nehmen an dieser Eigenschaft Gottes und die gesellschaftsbedingte
Einteilung der Menschen in Bessere und Schlechtere überwinden. Dazu
fordert uns auch der heutige Caritas-Sonntag auf: Barmherzigkeit üben
gegenüber den Verlierern des Konkurrenzkampfes.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du rufst uns in Deinen Dienst. Dich
bitten wir:
-
Schenke Deinen Segen allen, die sich in Deinen besonderen
Dienst der Verkündigung gestellt haben: Priester,
Bischöfe, Ordensleute, Missionare und Seelsorger.
-
Segne alle, die Deine Liebe tatkräftig verwirklichen;
die sich der Pflege und der Sorge um bedürftige Menschen
widmen. Lohne ihnen alle die Liebe, die sie geschenkt
haben.
-
Schenke allen Menschen, die sich zu den Gottesdiensten
zusammenfinden, Ruhe, Geborgenheit, innere Erholung und
Besinnung, damit sie die heiligen Geheimnisse mit ganzem
Herzen feiern können.
-
Bewahre uns vor Neid und Stolz; verweigere uns den Blick
aus das Glück, den Besitz und die Anerkennung anderer.
Lass uns zufrieden sein, wenn wir Glück schenken
können.
-
Belohne uns und unsere Verstorbenen mit dem versprochenen
Lohn: Dem Leben in Deinem Frieden. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr, Du hast uns Deine Liebe und Aufmerksamkeit als Lohn
versprochen. Schenke uns die Kraft, uns mit ganzem Herzen
und ganzer Seele in Deinen Dienst einzusetzen. Darum bitten
wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 262, 1 + 2
Kyrie: 454
Gloria: 456
1. Lesung: Jes 55, 6 - 9
Zwischengesang: 290, 1 + 2
Evangelium: Mt 20, 1-16a
Credo: 983
Gabenbereitung: 984
Sanctus: 986
Agnus Dei: 989
Schluss: 262, 3