1. Predigtvorschlag
Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!
Liebe Schwestern und Brüder!
Kennen Sie noch diesen Spruch der Friedensbewegung?
Stell dir vor, es ist Hochzeit, und keiner geht hin!
So könnte die Überschrift über das heutige Evangelium lauten.
"Kommt zur Hochzeit! Alles ist vorbereitet."
So ruft der König den Eingeladenen zu. Aber diese kümmern sich nicht darum.
Sie sind mit scheinbar wichtigeren Dingen befaßt, mit ihrem Acker, ihrem Laden.
Manche sind sogar feindselig und bringen die Diener des Königs um.
Wie tief muß die Enttäuschung, ja der Zorn diese Königs gewesen sein.
Es gibt weit und breit kein größeres, schöneres Fest als die Hochzeit seines Sohnes.
Es gibt weit und breit keine größere Ehre, als Gemeinschaft mit dem König und seinen Sohn zu haben.
Aber keiner kommt. Sie zeigen ihm die kalte Schulter.
Stell dir vor, es ist Sonntag, und keiner geht zur Kirche!
So könnte die Überschrift des Evangeliums lauten, wenn wir es in die heutige Zeit übersetzten.
"Kommt zur Sonntagsmesse. Alles ist vorbereitet!"
So ruft Gott uns Katholiken zu. Aber viele, der überwiegende Teil kümmert sich nicht darum.
Sie sind befaßt mit scheinbar wichtigeren Dingen, mit ihrem Hobby, ihrer Arbeit.
Manche sind sogar feindselig gegenüber denjenigen, die an die Sonntagsmesse erinnern.
Hoffnungslos altmodisch, verknöchert, weltfremd lautet das Todesurteil aus ihrem Mund.
Wie tief muß die Enttäuschung Gottes sein. Vielleicht ist es sogar Zorn.
Da gibt es weit und breit nichts Größeres, nichts Schöneres zu feiern, als das Fest unserer Erlösung.
Da gibt es weit und breit keine höhere Ehre als mit Gott das Mahl der Erlösung zu halten, in dem er uns seinen Sohn als Speise schenkt, damit wir Gemeinschaft mit ihm und untereinander haben.
Aber kaum einer kommt. Wen interessiert das schon: Erlösung, Heil?
"Aber warum erzählst du uns das? Wir sind doch da. Wir sind doch der Einladung gefolgt! Sag das doch den anderen"
Sie haben Recht, liebe anwesenden Schwestern und Brüder.
Und es ist gut, daß Sie da sind.
Aber Tatsache ist, daß mehr als Dreiviertel der Katholiken unserer Gemeinde nicht da ist.
Und diese fehlen weiß Gott nicht alle wegen Krankheit oder Altersschwäche, was wirklich zu entschuldigen wäre.
Die, die fehlen, bleiben oft aus ganz banalen Gründen dem Gottesdienst fern. Dabei sind sie der Kirche gegenüber nicht einmal feindselig eingestellt.
Es gibt andere Dinge, die ihnen augenblicklich wichtiger scheinen:
Das Fußballspiel im Fernsehen oder auf dem Platz,
der Kurzurlaub bei Tante Frieda im Harz,
das Ausschlafen nach einer langen, durchgefeierten Nacht.
Nichts gegen Fußball, nichts gegen Tante Frieda, nichts gegen Feiern.
Aber kann man das eine nicht tatsächlich tun, ohne das andere zu lassen. Gottesdienstangebote gibt es hier und im Umkreis genügend.
Liebe Schwestern und Brüder, ich sage Ihnen das, weil wir Kinder unserer Zeit sind.
Es ist eine Zeit, in der Menschen, weiteste Strecken auf sich nehmen, um Sonderangebote zu erhaschen,
enorm viel Geld investieren, um Fun und Action zu haben,
sich Torturen in Fitnessstudios antun, um ihren Body zu stählen.
Ihre Seele, ihr Heil ist vielen aber keinen Kilometer mehr, keinen Pfennig, keine Anstrengung wert.
Wir sind Kinder eben dieser Zeit. Lassen wir uns nicht auf diesen Zeitgeist ein, lassen wir uns nicht davon anstecken. Bewahren wir uns davor, faule Kompromisse einzugehen, wenn es um den sonntäglichen Gottesdienstbesuch geht.
Das wir hier zusammengekommen sind, ist eine großartiges Zeichen dafür, daß Gott in dieser Welt eine Rolle spielt, daß der Glaube in dieser Welt Orientierung gibt.
Die Gesellschaft unserer Tage braucht dieses Zeugnis. Die Gesellschaft dieser Tage wird nämlich über kurz oder lang an ihrer Banalität zerbrechen, an ihrer Vordergründigkeit, ihrer Oberflächlichkeit zugrunde gehen, wenn sich nicht bald etwas tut.
Und dann sind wir gefragt, die Sonntagsgemeinde.
Die Menschen um uns werden uns dann nämlich fragen:
"Warum tut ihr das, zur Kirche gehen?"
"Unsere Sicht der Dinge ist zerbrochen, wie damals der Kommunismus. Ihr seid immer noch da, obwohl man euch totgesagt hat. Was ist dran an eurem Glauben, der euch jeden Sonntag zusammenführt?"
Das wird die Stunde sein, in der wir Farbe bekennen müssen als Christen, in der wir Zeugnis ablegen müssen, um haltlos gewordenen Menschen Halt zu bieten.
Das klingt sehr nach Zukunftsmusik. Ich weiß.
Stell dir vor, es ist Sonntag, und keiner geht zur Kirche.
Das ist die traurige Realität von heute.
Stell dir vor, es ist Sonntag, und viele, viele finden den Weg zur Kirche.
Das muß kein Traum bleiben. Das kann Wirklichkeit werden.
Nur Mut und Geduld.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, das Gleichnis, das wir
soeben gehört haben, hat Jesus den Hohenpriestern erzählt.
Er meinte mit den geladenen Gästen die Vertreter des
Volkes Israel, die sich der erlösenden Botschaft Jesu
verschlossen, also die jüdische Oberschicht, die Ihn
zum größten Teil ablehnte.
Und all die Verachteten des Volkes, die Ausländer und
Nicht-Juden, sie werden berufen, zu den ersten Christen zu
gehören. Sie sind im Evangelium diejenigen, die von den
Straßen geholt werden. Genau die, die die jüdische
Oberschicht nie eingeladen hätte.
Für die Juden war das, was Jesus gesagt hat, ein Skandal.
Sie hatten doch ihre Welt so schön in Gut und Böse
eingeteilt. (Gut: Das sind alle treuen Juden; Böse: Das
sind alle, die nicht so sind wie die Juden, die Fremden oder
Fremdartigen.) Und Jesus behauptet nun, dass Gott sich daran
nicht halten wolle. Die Diener holen Alle von der Straße,
Gute und Böse.
Das wirft aber auch unsere Vorstellungen vom Himmel ganz
schön über den Haufen. Eigentlich hatten wir erwartet,
dort oben nur die Guten anzutreffen, also die treuen Christen,
die liebenswürdigen Menschen. Und jetzt sind plötzlich
alle da, auch die Bösen - zumindest die, die wir für
die Bösen gehalten haben. Die, die anders leben, als
wir. Die Fremden. Und wenn Sie mal ganz schnell überschlagen,
über wieviele Leute sie allein in Halverde schon den
Kopf geschüttelt haben, könnte so ein himmlischer
Belegungsplan ganz schön überraschend sein.
Eingeladen zum Fest des Glaubens sind nämlich alle. Und
zu allen sollen wir gehen, ohne schon zuvor - so wie die Juden
zur Zeit Jesu - zu entscheiden, wer überhaupt in Frage
kommt.
Zu wem würden sie gehen, wenn der König Sie als
Diener auf die Straße schicken würde, alle zum
Festmahl zu rufen?
Würden sie zu den Polizisten gehen, die in Brasilien
die Straßenkinder ermorden? Würden Sie denen etwas
von der Barmherzigkeit Gottes erzählen?
Zu den Schlächtern und Gewaltverbrechern, die im Kosovo
gewütet haben? Zu den Milizen in Ost-Timor? Würden
Sie zu den Neonazis gehen, zu den Sektenführern, zu den
Diktatoren?
Keinen dieser Menschen, die wirklich Grausames getan haben,
hat Gott abgehakt. Es gibt keine Vorauswahl: Allen möchte
er noch die Einladung zum gemeinsamen Mahl zustellen. Und
wir sind seine Briefträger.
Nun begegnen wir wohl selten irgendwelchen Diktatoren. Aber
wenn Gott durch uns Christen sogar diesen Menschen immer wieder
eine Chance geben möchte, wieviel mehr dann denen unter
uns, mit denen wir aus vergleichsweise geringfügigen
Gründen nichts zu tun haben wollen.
Wir dürfen keinem Menschen, egal, ob gut oder schlecht,
die Einladung Gottes vorenthalten. Viele sind gerufen, sagt
Jesus, und wir sind seine Postboten - indem wir die Liebe
Gottes zu allen Menschen sichtbar leben.
Liebe Schwestern und Brüder, wir können weder von
uns noch von anderen Menschen erwarten, dass sich jeder mit
jedem verträgt. Das Ideal, dass alle Menschen Brüder
und Schwestern sind, ist zwar christlich; dass sie sich auch
so verhalten, bleibt zwar wünschenswert, aber auch utopisch.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir sollen nicht so
tun, als ob Unrecht plötzlich kein Unrecht mehr wäre.
Im Gleichnis und im Leben betont das Jesus ausdrücklich.
Der Gast, der nichts von der Hochzeit hält und deshalb
ohne Gewand erscheint, fliegt raus.
Wir sollten aber nicht von uns aus festlegen, wer eingeladen
werden darf, wer dazugehören darf, wen Gottes Botschaft
erreichen soll und wen nicht. Das entscheidet sich allein
darin, ob jemand die Einladung annehmen will oder nicht.
Nehmen sie sicherheitshalber alle Menschen in ihr Herz. Sonst
kann es passieren, dass Sie immer noch dabei sind, ihre Einteilung
zu überprüfen, zu diskutieren und zu erneuern, während
das Fest schon - ohne Sie - beginnt. Amen.
Herr Jesus Christus, Du hast Dein Leben hingegeben für
alle Menschen. Dich bitten wir:
-
Führe die Völker dieser Erde zusammen, die
miteinander im Krieg sind.
-
Führe alle Christen zusammen, die sich mit der Spaltung
nicht abfinden wollen.
-
Führe alle Familien zusammen, die durch Krieg, Flucht
oder Unglück getrennt wurden.
-
Führe alle die zusammen, die sich aufgrund von Streit,
Meinungsverschiedenheiten oder Missverständnisse
voneinander losgesagt haben.
-
Führe alle unsere Verstorbenen zusammen in die Festgemeinschaft
an Deinen Tisch. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr, nur Du kannst uns Einheit und Frieden schenken. Lass
uns mitarbeiten an einer gerechten und friedlichen Welt, indem
wir von Dir Zeugnis ablegen, der Du der Friede bist, jetzt,
und in alle Ewigkeit. Amen.
Fürbitten 2. Vorschlag
Laßt uns zu Jesus Christus rufen: Er will uns als Gäste an seinem Tisch:
- Schenke deiner Kirche Kraft, Mut und Phantasie, damit sie immer würdiger das Fest der Erlösung feiert.
Christus, höre uns.
- Bewahre uns davor, in der Oberflächlichkeit unserer Tage aufzugehen.
- Hilf uns mit deinem Geist, damit wir anderen Rede und Antwort stehen, wenn wir nach unserem Glauben gefragt werden.
- Stehe allen bei, die angesichts leerer Kirchen den Mut sinken lassen.
- Hilf uns, den Glauben an die kommenden Generationen weiterzuschenken.
Das erbitten wir von dir, allmächtiger Vater, der du uns im Sakrament des Altares Gemeinschaft mit dir und deinem Sohn und dem Heiligen Geist schenkst, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
Einzug: 640, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 464
1. Lesung: Jes 25, 6-10a
Zwischengesang: 896, 1 + 2
Evangelium: Mt 22, 1-10 (Kurzfassung)
Credo: 467
Gabenbereitung: 644
Sanctus: 481
Agnus Dei: 492
Danksagung: 640, 3
Schluss: 965, 1 + 4