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Predigtvorschläge - Abtreibung
1. Predigtvorschlag

Ursprung: Lesejahr C, 6. Sonntag im Jahreskreis - Lk 6, 17.20-26

«Es gibt vier Arten von Menschen, die man als tot erachten kann: Aussätzige, Blinde, Kinderlose und Zahlungsunfähige.»

Liebe Schwestern und Brüder, dieser Satz stammt aus einem jüdischen Text, verfasst wenige Jahre nach Christi Geburt. Darin spiegelt sich ein wenig vom Denken der damaligen jüdischen Gesellschaft wider: Menschen, die nichts vom Leben haben werden, sind quasi schon tot.
Als ich den Satz vor ein paar Jahren zum ersten mal gelesen habe, ging mir der Gedanke durch den Kopf: Gott sei Dank leben wir nicht mehr in einer solchen Gesellschaft, die Leben für nicht mehr lebenswert hält, weil es nicht dem Ideal entspricht. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

In einer Studie wurden 1157 Frauen befragt, inwieweit eine Veranlagung zu Übergewicht ein Grund zur Abtreibung sein könnte. 18,9 % gaben an, selbst in einem solchen - vergleichsweise harmlosen - Befund abtreiben zu wollen, weitere 36,0 % würden zwar persönlich deswegen nicht abtreiben, finden aber, dass in diesen Fällen Abtreibung möglich sein sollte. Fazit: Mehr als 50% sehen in Übergewicht einen «akzeptablen Grund» zur Abtreibung! Übrigens ist das für eine Veranlagung zu Übergewicht verantwortliche Gen mittlerweile identifiziert worden.

In einer wissenschaftlichen Arbeit (von Stackelberg) heißt es: «In einer Zeit der knapper werdenden öffentlichen Mittel muss überlegt werden, ob es nicht billiger ist, das Leben behinderter Kinder zu verhindern. Der öffentliche wie auch der private Wohlstand steigt, wenn es keine behinderten Kinder mehr gibt.» Diese Arbeit erhielt 1981 den Gesundheitsökonomiepreis des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung, die Laudatio hielt die damalige Parlamentarische Staatssekretärin Anke Fuchs.

Im Europarat wurde inzwischen eine Bioethik-Konvention beschlossen, die Experimente an Personen erlaubt, die nicht zustimmen können: An Behinderten, an Menschen, die im Koma liegen, und an Säuglingen. Mit dieser Konvention sind grundsätzlich auch genetische Experimente am Menschen erlaubt. Genetische Information über zu erwartende Erbkrankheiten dürfen auch an die Arbeitgeber weitergegeben werden. Alle 39 Länder haben zugestimmt, nur allein Deutschland hat sein Veto eingelegt.

«Es gibt vier Arten von Menschen, die man als tot erachten kann: Übergewichtige, Behinderte, Menschen im Koma und Ungeborenes Leben.» So könnte die moderne Version lauten - und sie ließe sich beliebig ergänzen.

Das Urteil darüber, ob ein Leben noch lebenswert ist, liegt uns heute genauso nah, wie damals zur Zeit Jesu dem jüdischen Volk. Und deshalb hat uns das heutige Evangelien genauso viel zu sagen, wie den Zuhörern damals:
Selig sind nicht die Reichen, nicht die Menschen, denen es gut geht, nicht die Menschen, die sich alles leisten können. Selig sind die Armen, denn ihnen gehört das Reich Gottes.
Selig sind nicht die Menschen, die mit ihrem Leben zufrieden sind und Grund haben, glücklich zu sein; selig sind nicht die Menschen, die keine Behinderung erleiden müssen und die ihren behinderten Kindern das Leben ersparen. Selig sind vielmehr die, die Weinen, denen in den Augen der Gesellschaft das Leben keinen Grund zum Lachen gegeben hat, die aber leben und anderen Leben ermöglichen.
Selig sind nicht die Menschen, die Anerkennung finden und geachtet werden, die körperlich gesund sind, die gut aussehen. Selig sind vielmehr die, die von allen gehasst werden, die aus der Gemeinschaft ausgeschlossen sind, die einen schlechten Ruf haben.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus ist keine Werbefachmann. Er malt seinen Zuhörern kein rosiges, sympathisches Bild der Zukunft für die, die ihm nachfolgen. Er spricht nicht vom gelungenen Leben, sondern vom Kreuz. Er sagt, wie es sein wird, und mag dabei vielleicht etwas übertreiben. Selbstverständlich hilft unser Glaube vielen zu einem erfüllten Leben. Aber alle Freude, die der Glaube uns schenkt, nimmt nicht das Kreuz weg, dass es in jedem Leben gibt.

Selig sind die, die ihr Kreuz auf sich nehmen; denn das Kreuz ist die einzige Brücke, die zum Himmel führt. Amen.

Fürbitten

    Für diese Gottesdienste haben wir leider keine eigenen Vorschläge für Fürbitten.