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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 2. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 18.01.09
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Tannenbäume liegen auf der Straße zum Abholen bereit, der
Weihnachtsfestkreis ist offiziell mit dem vorigen Sonntag „Taufe des
Herrn“ abgeschlossen.
In den Kaufhäusern wird für Karneval umgerüstet, und nach den
Festtagen hat auch uns der Alltag wieder.
Und Alltag scheint auch beim Täufer Johannes zu herrschen. Wie jeden
Tag tauft er die Umkehrwilligen im Wasser des Jordans. Die Menschen kommen
in Scharen. Sein Wort spricht sie an. Einige sind sogar seine Jünger
geworden und leben eine Zeit lang bei ihm, um von ihm zu lernen.
Auch an diesem Tag, über den das heutige Evangelium berichtet, sind Jünger
in seiner Nähe. Zwei stehen direkt neben ihm.
Wahrscheinlich kümmern sie sich um die Ordnung des Besucherstromes und
assistieren bei den Taufhandlungen.
Doch ganz plötzlich ist es vorbei mit der Routine.
Im Evangelium heißt es dazu nur kurz:
„Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn
und sagte: Seht, das Lamm Gottes!“
Jesus ging also vorüber. Er war unterwegs. Es klingt so, als habe er
nicht die Absicht, dort anzuhalten. Er ging vorüber. - Merkwürdig!
Wer den weiten Weg durch diese Wüstenlandschaft macht, der hat normalerweise
ein Ziel und auch Zeit für einen Stopp und ein Gespräch.
Hier in dieser Einöde ist weit und breit doch nichts – außer
Johannes
und den Pilgern auf dem Weg. Was will uns das heutige Evangelium
also mit dieser Detail-Information erklären?
Jesus ist in Sichtweite, aber er kommt niemand zu nahe. Er ist zwar
der weitaus Größere im Vergleich zu Johannes dem Täufer, aber
er ist nicht sein Konkurrent. Er nimmt ihm nichts weg. Er signalisiert Johannes
nur: Wie du siehst, bin ich jetzt da. Ich bin jetzt bereit für meine
Aufgabe. Ich dränge mich aber bei dir nicht auf. Entscheide du, wie du
darauf reagieren willst!
Und nun sehen wir die innere Größe unseres Pfarrpatrons:
Er bindet seine Jünger nicht an sich, in die er so viel Zeit und Energie
gesteckt hat. Nein, er weist sie hin auf Jesus und lässt sie frei, lässt
sie gehen.
Er muss nicht sein Ego pflegen, sein Ansehen bei den Leuten. Er will nur Bote
und Herold sein für den König, der da kommt. Dafür lebt und
stirbt er. Für das Lamm Gottes lebt und stirbt er.
Und dann beginnt für die beiden Jünger, Andreas und Johannes, das
Abenteuer, Christus zu folgen. Für beide hieß Nachfolge damals
ganz ursprünglich: hinter Jesus herlaufen, ohne mehr zu wissen, als dass
man geschickt worden ist.
Und als er sie entdeckt und sie bei ihm bleiben wollen, setzt Jesus sich nicht
hin und breitet ein Missionskonzept aus oder hält einen Vortrag darüber
welchem Anforderungsprofil seine Jünger entsprechen müssen.
Nein. Schlicht ist die Antwort: Kommt und seht!
Nur wer mitgeht, wird sehen, wer Jesus ist, dass er das Lamm Gottes ist.
Und das wird bestätigt: Die Jünger gingen mit, sahen und blieben.
Liebe Schwestern und Brüder,
diese Berufungsgeschichte der ersten beiden Jünger ist mir sehr kostbar,
weil sie immer wieder neu zu mir spricht. Und mich so manches inne werden
lässt.
Mir wird beim Lesen immer wieder deutlich, dass der Glaube nicht das Fürwahrhalten
von Dogmen oder eine Ansammlung von Geboten ist, sondern ein Weg. Christsein
ist ein Christwerden, ist ein Jesus nachgehen, ohne zu wissen, was einen erwartet.
Und da gibt es Momente, wo es mir leicht fällt, manchmal falle ich hin
und meistens stolpere ich Jesus hinterher. Aber ich bin hinter ihm. und weiß
ihn vor mir.
Das, was für den einzelnen gilt, gilt auch für die Kirche als Ganze
und auch für unsere Gemeinde: Es gibt kein anderes Konzept, als hinter
ihm her zu gehen, ihn im Blick zu halten. Und gerade deshalb ist die Feier
der Eucharistie so wichtig.
Denn hier hören wir den Ruf: Seht, das Lamm Gottes. Und wir sehen es
dann in den Händen des Priesters und können uns so neu ausrichten.
Auf IHN hin.
Seht, das Lamm Gottes – Diesen Ruf können wir auch umsetzten,
indem wir uns immer wieder in einer Kirche vor dem Tabernakel hinknien oder
in die Anbetung gehen. Dann kommen wir zu ihm und sehen, wo er wohnt. Und
wir spüren, dass wir bleiben möchten, weil bei ihm sein einfach
Trost und Kraft spendet. Aber das spüre ich nur, wenn ich es wirklich
tue. Nicht, wenn ich darüber rede oder daran denke.
Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte:
Seht, das Lamm Gottes!
Als Jesus VORÜBERGING – sozusagen im Vorbeigehen geschieht das
Große.
Nicht nur in der Liturgie, auch im ach so flüchtigen Alltag können
wir Jesus begegnen, taucht er auf, ohne sich aufzudrängen. Und da bedürfen
wir oft eines Täufers Johannes, der uns die Augen öffnet und sagt:
Seht, das Lamm Gottes!
Bitten wir unseren Pfarrpatron darum, dass unsere Gemeinde immer wieder auf
das Lamm Gottes, auf IHN hinweist, andere das Eigentliche, das zählt,
vor Augen führt.
Und bitten wir unseren Pfarrpatron darum, dass wir selber Menschen finden
und einander solche Menschen werden, die im richtigen Moment ein Ereignis
aufschlüsseln, damit wir den vorbeigehenden Jesus nicht verpassen.
Ich bin sicher, wenn wir Christus, das Lamm Gottes, im Gottesdienst und in
der Anbetung immer wieder aufsuchen, werden wir ihn immer öfter und unerwarteter
entdecken.
Es Cristo que pasa – heißt eine Predigtsammlung des Heiligen
Josefmaria, die mir sehr wichtig geworden ist, die viel von den kleinen Dingen,
der Arbeit, den menschlichen Tugenden und Schwächen, der Familie, der
Freundschaft spricht.
Es ist Christus, der vorübergeht.
Heiliger Johannes der Täufer, hilf mir ihn zu entdecken. Immer neu.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Ob Sie die Eucharistiefeier bewusst mitfeiern - und ob damit
der Gottesdienst für sie interessant oder langweilig
erscheint, hängt in einem hohen Maße davon ab,
wieviel Gebetsanliegen Sie in den Gottesdienst mitbringen.
Lob und Dank, Bitte und Fürbitte, ihre eigenen Anliegen
oder die Sorgen anderer Menschen - alles hat seinen Dreh-
und Angelpunkt in der Messe.
Wenn Sie mit einer anderen Person ins Gespräch kommen
wollen, dann müssen Sie auch selbst die Initiative ergreifen.
Der feste Vorsatz, aufmerksam zu sein, nützt wenig zum
Gespräch, wenn Sie kein einziges Wort sagen. Und die
Beschwerde, das Gespräch hätte Ihnen nichts gebracht,
ist nur dann berechtigt, wenn sie auch selbst den Mund aufgemacht
haben.
Somit gestaltet sich gerade der Beginn eines Gottesdienstes
als ein höchst aktiver Teil: Wir wünschen uns die
Nähe des Herrn; stimmen uns auf die Begegnung mit Gott
ein; bitten Gott und die Mitchristen um Verzeihung; freuen
uns über die Schönheit und Größe Gottes
und loben Ihn deswegen; und wir bringen unsere Anliegen, unsere
Befindlichkeit vor Ihm - und das alles schon in den ersten
7 sieben Minuten. Fast so, wie auch in einem alltäglichen
Gespräch. Dann aber wird es Zeit, sich zu setzen und
einander zuzuhören.
Denn nicht nur wir haben etwas mitgebracht. Auch Gott möchte
uns etwas sagen. Dass Gott zu den Menschen spricht, ist keine
Neuigkeit. Das hat er schon immer getan, bis auf den heutigen
Tag. Warum sollte er gerade bei Ihnen eine Ausnahme machen?
Gott zuzuhören ist ganz einfach. Er überlässt
uns sogar die Art und Weise, wie wir ihm zuhören wollen.
Vielleicht haben Sie eine ganz bestimmte Frage, ein Problem,
auf das Sie eine Antwort möchten. Hören Sie gut
hin, welche Antwort Gott Ihnen gibt - in den Texten, aber
vielleicht auch in den Liedern, die wir singen.
Wir sollten vor allem den Lesungen und dem Evangelium zuhören.
Dort hat Gott schon einmal zu den Menschen gesprochen; er
hat auch damals schon uns mit dem gemeint, was er gesagt und
getan hat.
Vielleicht fällt Ihnen ein bestimmter Satz auf, eine
besondere Person, ein interessanter Sachverhalt - dann lassen
sie sich ruhig von diesem kleinen Teil anregen.
Oder sie versuchen, sich die Situation der Lesungen im ganzen
vorzustellen: Wie sah die Landschaft aus? Wie waren die Menschen,
die genannt wurden? Lassen sie ihre Fantasie spielen und seien
sie nicht überrascht, wenn darin plötzlich Gott
auftaucht - oder zumindest die Antwort, um die sie Gott gebeten
haben.
Oder sie warten auf die Predigt. Rechnen sie nicht mit guter
Unterhaltung. Warten Sie auf einen Gedanken, der ihnen weiterhilft.
Seien Sie aber auch nicht zu voreingenommen: Manchmal passen
die Antworten, die Gott ihnen gibt, wie die Faust aufs Auge.
Aber Hauptsache, sie passen. Rechnen sie nicht immer mit Streicheleinheiten.
Und erwarten sie keinen Geistesblitz. Wie der kleine Samuel
in der Lesung erfahren hat, kann Gottes Wort so einfach und
banal wirken, dass wir gar nicht auf den Gedanken kommen,
dass es Gott ist, der da zu uns redet.
Alles in allem ist Zuhören etwas Aktives. Sich zurückzulehnen
und auf die Bedienung zu warten wird nicht sehr vielversprechend
sein. Dennoch kann es ihnen passieren, dass sie wirklich in
einen inneren Gesprächsverlauf hineingezogen werden,
der ihnen das Heft aus der Hand nimmt. Damit müssen sie
rechnen.
Ob Gott ihnen etwas zu sagen hat, liebe Schwestern und Brüder,
ist keine Frage. Er versucht ja ständig, sie zu erreichen;
und obwohl meistens besetzt ist, gibt er nicht auf.
Sie kommen Gott allerdings ein ganzes Stück entgegen,
wenn Sie ihm ein deutliches: «Gesprächsbereit!»
signalisieren.
Erwarten Sie aber nicht zu viel von sich selbst: Schon im
Alltag spüren wir immer wieder, dass gutes Zuhören
und echte Aufmerksamkeit gut geübt sein will. Amen.
3. Predigtvorschlag
Predigtreihe zum Jahr der Bibel - 1. Predigt - Historizität
des NT
Liebe Schwestern und Brüder, wir haben es schon am Anfang
des Gottesdienstes gehört: Wir wollen auch in unserer
Gemeinde das Jahr der Bibel 2003 als Anlass nehmen, dem Buch
der Bücher einen neuen Zugang abzugewinnen. Ich habe
vor einigen Jahren schon einmal eine Predigtreihe zur Eucharistie
gehalten, an den nächsten Sonntag möchte ich nun
etwas zur Heiligen Schrift sagen.
Es gibt verschiedene Hürden, die es uns schwer machen,
einfach mal wieder in der Bibel zu lesen. "Alles gar
nicht passiert" ist so eine Hürde; "unverständliches
Zeug" eine andere; "alles so weit weg" - "langweilig"
- und "immer dasselbe" weitere Hürden.
Für heute möchte ich die erste Hürde in Augenschein
nehmen: "Das ist alles gar nicht passiert"; die
Bibel sei ein Sammelsurium von Legenden, Märchen, Gerüchten
und Unwahrheiten. Wie soll Gott etwa die Welt in nur sieben
Tagen erschaffen haben? Wie kann es sein, dass alle Tiere
dieser Welt auf nur einem einzigen Schiff Platz gefunden haben
sollen? Sollte Mose wirklich das Rote Meer mit seinem Stab
geteilt haben? Kann Jesus die Zukunft vorhersagen, Menschen
heilen und Tote erwecken? Wie kann jemand, der tot ist, selbst
wieder lebendig werden?
Wie sollen wir die Bibel lesen? Nun, Lukas leitet sein Evangelium
mit den Worten ein: «Schon viele haben es unternommen,
einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter
uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich
an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen
und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen,
allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für
dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen,
in der du unterwiesen wurdest.» (Lk 1, 1-5)
Und Petrus schreibt in seinem zweiten Brief: «Ich halte
es nämlich für richtig, euch daran zu erinnern,
solange ich noch in diesem Zelt lebe, und euch dadurch wach
zu halten; denn ich weiß, dass mein Zelt bald abgebrochen
wird, wie mir auch Jesus Christus, unser Herr, offenbart hat.
Ich will aber dafür sorgen, dass ihr auch nach meinem
Tod euch jederzeit daran erinnern könnt. Denn wir sind
nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt,
als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres
Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner
Macht und Größe.» (2 Petr 1, 13-16)
Zumindest für das Neue Testament erheben die Autoren
den Anspruch, historische Wahrheit zu überliefern, keine
Mythen und keine orientalische Märchen. Moderne Theologen
betonen zwar immer wieder, dass die Autoren der Bibel ihre
Glaubenserfahrungen vermitteln wollen - und kein Geschichtsbuch
mit historischem Anspruch schreiben wollten. Sie schließen
daraus, dass vieles (vielleicht sogar alles?) nur Symbolgeschichten
sind, die Glauben wecken wollen; aber ob das alles wirklich
geschehen ist, bleibt unwahrscheinlich.
Einmal angenommen, sie wollen ihren Enkeln deutlich machen,
wie schrecklich der Krieg ist. Deshalb sammeln sie Geschichten
und Erzählungen, die sie selbst im Krieg erlebt haben
oder die andere ihnen erzählen. Ihre Absicht ist es nicht,
eine Geschichte des zweiten Weltkrieges zu schreiben, sondern
deutlich machen, was Krieg eigentlich bedeutet. Deshalb ordnen
sie die Geschichten, betonen bestimmte Details und lassen
andere weg, erklären bestimmte Dinge auf, die die Kinder
noch nicht verstehen können und so weiter.
Kann ein moderner Forscher daraus schließen, dass das
alles erfunden ist und nie stattgefunden hat? Machen die Geschichten
denn überhaupt noch einen Sinn, wenn sie alle erfunden
sind? Wohl kaum.
Oder ein anderes Beispiel: Ein Biologe schreibt ein Buch,
in dem er die kleinen und großen Wunderwerke der Natur
beschreibt; die Schönheit und Ordnung der Pflanzen- und
Tierwelt, um dadurch auf die Schönheit Gottes zu verweisen.
Kann man deshalb sagen: Es geht ihm doch nur um Gott, also
wird alles andere wohl erfunden sein?
Anzunehmen, dass die Bibel sich nicht um Naturwissenschaften
und Geschichtswissenschaften bemüht, nur weil sie im
Dienst des Glaubens steht, ist unwissenschaftlich.
Es ist klar: Wenn ich nicht an Gott glaube, werde ich auch
die Bibel für ein Lügenbuch halten; denn es wird
dort von den Taten Gottes erzählt. Aber auch als glaubenswilliger
Mensch, der Wunder und Berufungen für möglich hält,
ja sogar so etwas wie eine Menschwerdung Gottes nicht von
vornherein ausschließt, sollte bei Wunderberichten skeptisch
sein. Warum also der Bibel glauben?
Nun, deshalb, weil sie sogar aus historischer Sicht sehr
glaubwürdig sind. Nehmen wir einmal die Auferstehung
Jesu: Die Informationen über dieses Ereignis lassen sich
auf die ersten fünf Jahre nach Jesu Tod datieren - viel
zu wenig Zeit für eine Legendenbildung, außerdem
fehlen die für eine Legende üblichen Ausschmückungen.
Die Zeugen und Kritiker Jesu waren alle noch am Leben und
hätten jede Unwahrheit sofort aufgegriffen, um endlich
diesen lästigen christlichen Glauben zu entblößen.
Außerdem werden Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung
genannt, obwohl das Zeugnis der Frauen wurde damals als grundsätzlich
unzuverlässig angesehen und war z.B. vor Gericht nicht
erlaubt. Der einzige Grund, dieses eher peinliche Detail nicht
zu verschweigen ist der, dass es wirklich Frauen waren, die
das leere Grab entdeckten. Außerdem ist glaubten die
ersten Jünger ernsthaft und ganz plötzlich an die
Auferstehung Jesu, obwohl sie an das Gegenteil hätten
glauben müssen; denn der jüdische Glaube kennt keine
Auferstehung vor dem Jüngsten Gericht am Ende der Zeiten.
Für diesen Glauben waren sie sogar bereit zu sterben.
Wenn es aber - auch aus historisch, wissenschaftlicher Sicht
- keine vernünftigere Erklärung für die Berichte
von der Auferstehung gibt, als eben die Annahme, dass Jesus
wirklich von den Toten auferstanden ist, dann dürften
auch die restlichen Wunder keine Schwierigkeiten sein - davon
abgesehen bestehen sie die historische Prüfung ebenso
sicher.
Es gibt also gute Gründe, die Glaubwürdigkeit der
Evangelien anzunehmen, und so gut wie keine Gründe, die
Bibel für unglaubwürdig zu halten.
Liebe Schwestern und Brüder, natürlich besteht
ein Unterschied zwischen den neutestamentlichen Berichten
und den Erzählungen des Alten Testamentes. Die Hürde,
"alles ist erfunden" lässt sich allerdings
leicht nehmen: Das sagt schließlich nur der, der nicht
glauben möchte.
Wir Christen, die wir von Gott berufen sind und seine Kinder
heißen, sollten uns nicht beirren lassen. Lesen Sie
in die Bibel in dem Geist, in dem sie geschrieben ist: Als
ein aufrichtiges Zeugnis derjenigen, die Gott gesehen, gehört
und erfahren haben. Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Vorhin in der Lesung haben wir meiner Meinung nach eine der
schönsten Berufungsgeschichten gehört, die in der
Bibel erzählt werden. Gott ruft Samuel in seine Nachfolge.
Drei mal ruft er ihn, bevor er erklärt bekommt, bevor
er versteht, daß es Gott ist, der ihn ruft. So wie Samuel
wird ein jeder von uns gerufen. So wie er, wissen wir aber
oft nicht, ob es Gott ist, der uns da ruft. Gerufen wird man
viel. Jeder, der in irgendeinem Verein ist, kennt die Not,
wenn die Vorstandsposten neu besetzt werden müssen. Bin
ich dazu berufen?". In diesem Jahr stehen Pfarrgemeinderatswahlen
an: Bin ich gerufen?". Da leidet jemand von meinen
Verwandten oder Bekannten? Bin ich gerufen zu helfen,
zu trösten?". Gott ruft uns, jede Herausforderung,
jede neue Aufgabe kann ein Ruf Gottes sein. Uns geht es ähnlich
wie Samuel, der Gott zunächst nicht erkennt. Der Ruf
Gottes ist nicht leicht zu verstehen. Samuel braucht den Rat
eines Dritten, er ersucht den Priester Eli um Rat. Halten
sie es wie er: Sprechen sie mit anderen über ihren Glauben;
bitten sie den Partner um Rat, wo sie einen Ruf, eine Berufung
spüren und nicht wissen, ob es Gott ist, der da ruft.
Samuel wird mit seiner Antwort Hier bin ich" zweimal
von Eli verständnislos angeschaut und zurückgeschickt.
So mag auch uns so manche Verständnislosigkeit begegnen,
wenn wir über den Ruf Gottes reden. Vielleicht sind wir
aber auch auf der anderen Seite wie Eli gefordert, anderen
einen Rat zu geben und darauf hinzuweisen: Es ist Gott,
der Dich da ruft."
Die Berufungsgeschichte des Samuel zeigt uns noch viel mehr:
Samuel hat bestimmte Voraussetzungen, damit er Gottes Ruf
hören kann. Er wird von seiner Mutter Gott geweiht; er
wird einem Priester, Eli, in die Obhut gegeben. Auch an uns
ist das geschehen: wir sind von unseren Eltern in die Obhut
Gottes gegeben, wir sind getauft, Pastor hat letzten Sonntag
darüber gepredigt. Und auch sie wiederum haben ihre Kinder
in seine Obhut gegeben, haben sie taufen lassen; aber ist
uns das auch Ernst? Oder weisen wir jemanden erst einmal zurecht,
wenn er sich uneigennützig engagiert ohne Geld dafür
zu bekommen, oder wenn es sogar soweit kommt, daß sein
christliches Handeln auffällt?
Ein weiterer Aspekt der Samuelgeschichte: Samuel hört
Gott in der Stille der Nacht. Geben wir uns überhaupt
die Chance, Gott zu hören? Immer ist um uns herum etwas
los, stets sind wir beschäftigt. Selbst die Terminkalender
der Kleinsten sind ja schon zum bersten gefüllt. Ich
merk das jetzt bei der Kommunionvorbereitung, wie schwer es
da ist, mit den Kindern einen gemeinsamen Termin zu finden.
Hat Gott da überhaupt noch eine Chance, zu uns durch
zu dringen? Bei Samuel ist es still. Still werden, um zu hören,
was Gott will. In einem Handbuch für Exerzitien im Alltag
heißt es. Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde
Zeit fürs Gebet; und wenn Du viel zu tun hast, eine ganze
Stunde." Sie haben richtig gehört. Nicht in der
Hektik den Kopf verlieren, sondern gerade dann in Gott die
Orientierung finden.
Eine ganz ähnliche Berufungsgeschichte wie die des Samuel
wird uns im heutigen Evangelium erzählt. Ich möchte
nur noch kurz darauf eingehen, um einige Parallelen aufzuzeigen,
die auch für unser leben mit Gott Bedeutung haben: Johannes
und Andreas, die zwei Jünger Johannes des Täufers,
sind auf der Suche nach Gott. Da ist ihrem Volk der Messias
verheißen und es passiert nichts. Ähnlich wie Samuel
finden sie Gott nicht. Sie suchen Johannes den Täufer
auf, den, der von Gott erzählt, so wie Samuel zu dem
Priester Eli geschickt wird. Johannes weist sie auf Jesus
hin: Seht das Lamm Gottes". Sie hören was
Johannes sagt und folgen Jesus. Sie sind aufmerksam auf das,
was auf Gott hinweist, sie gehen mit offenen Augen und Ohren
durchs Leben, so wie Samuel hört. Und so finden sie Jesus.
Sie laufen ihm hinterher, ohne überhaupt schon mehr von
ihm zu wissen, einfach Christus folgen.
So sind auch wir aufgefordert, Gott zu folgen. Er ruft uns,
geben wir uns die Chance, seinen Ruf zu hören, versuchen
wir, auch mit Hilfe anderer, seinen Ruf zu verstehen, um uns
dann auf den Weg zu machen, Christus folgen, ihm begegnen,
um dann bei ihm zu bleiben.
Dann gilt auch uns, was im letzten Satz der Lesung berichtet
wird: Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
"Mama!" "Michael, hast Du schon ...",
"Herr Müller, da ich sie gerade treffe, ...",
"Marion, kannst Du mal eben ..." So werden wir gerufen,
viele mehrfach täglich. So manches Mal überhören
wir diese Rufe, weil wir gerade nicht in der Nähe sind,
weil wir ganz und gar mit anderen Dingen beschäftigt
sind, die uns voll einnehmen: Jugendliche, die vorm PC hocken,
Männer, die in ihrer Werkstatt basteln. Oder um uns herum
ist es so laut, dass wir gar nichts hören - nicht nur
bei Jugendlichen die Musikanlage, auch vieles Andere haben
wir in den Ohren, dass wir die Rufe Gottes nicht hören.
Doch selbst wenn wir Seine Rufe hören, würden wir
sie als solche erkennen?
In der 1. Lesung vorhin hat Samuel zunächst nicht gewusst,
dass es Gott ist, der ihn ruft. Als er Nachts im Schlaf seinen
Namen hört, denkt er "Wer kann ihn schon rufen?"
Das ist sicher Eli, der Priester des Tempels, sein Erzieher.
Und Samuel steht auf. Seltsam, Eli hat nicht gerufen. Samuel
legt sich wieder hin. Noch einmal: Er hört, geht, Eli
hat nicht gerufen. Erst als Samuel zum dritten mal zu ihm
kommt, merkt Eli, dass hier Gott im Spiel ist, dass ER Samuel
gerufen hat. Das Kind Samuel hat mehr Gespür als der
Erwachsene, der Priester Eli. Erwachsene können hier
durchaus von Kindern lernen.
Aber wie er Gott antworten soll, das weiß Samuel noch
nicht. Das muss er von Eli lernen: Rede Herr, Dein Diener
hört. Und noch ein viertes Mal ruft Gott Samuel bei seinem
Namen. Jetzt kann Samuel antworten, wie er es gelernt hat:
Rede, Herr, Dein Diener hört.
Um solch einen Ruf zu hören, muss man schon sehr aufmerksam
sein für das, was Gott einem zu sagen hat. Bei Samuel
war es das erste Mal, dass Gott so direkt zu ihm gesprochen
hat. Bestimmt hat er diese Nacht im Tempel nie mehr vergessen.
Weil er auf Gott gehört hat, konnte er ihn auch immer
besser kennen lernen. Als er erwachsen war, wurde er ein Prophet,
er sollte dem König und dem Volk Israel Gottes Willen
verkünden. Immer wieder war es für ihn daher wichtig,
auf Gott zu hören und mit ihm in Verbindung zu bleiben;
und als er als alter Mann gestorben war, hielt das ganze Volk
Israel die Totenklage für ihn; weil sie wussten: Samuel
hat uns gezeigt, wie das geht, auf Gott zu hören und
ihn immer besser kennen zu lernen.
Im Evangelium wird uns eine Jüngerberufung berichtet,
die parallel zur Samuelgeschichte verläuft:
1. Johannes und Andreas, die zwei Jünger Johannes des
Täufers, sind auf der Suche nach Gott. Da ist ihrem Volk
der Messias verheißen und es passiert nichts. Ähnlich
wie Samuel finden sie Gott nicht, sie kennen ihn noch nicht.
2. Sie suchen Johannes den Täufer auf, den, der von Gott
erzählt, so wie Samuel zu dem Priester Eli geschickt
wird.
3. Johannes weist sie auf Jesus hin: Seht das Lamm Gottes",
so wie Eli Samuel auf Gott hinweist, der ihn da ruft.
4. Sie hören was Johannes sagt und folgen Jesus. Sie
sind aufmerksam auf das, was auf Gott hinweist, sie gehen
mit offenen Augen und Ohren durchs Leben, so wie Samuel hört.
Und 5. so finden sie Jesus. Sie laufen ihm hinterher, ohne
überhaupt schon mehr von ihm zu wissen, einfach Christus
folgen. Genau wie Samuel. Er wuchs heran, und der Herr war
mit ihm.
Diese Geschichte kann auch parallel mit unserem Leben geschehen:
Für die Mehrheit in unserem Land ist Gott nicht mehr
präsent - man spürt ihn kaum, ähnlich wie bei
Samuel, oder auch zur zeit Jesu - es gab viele Heilspropheten,
doch keiner erwies sich als der Messias - heute wird die Wirtschaft
als das höchste Gut angepriesen, doch das Heil wird auch
das Wachstum nicht bringen.
Da gilt es 1. Sich auf den Weg machen und suchen, das macht
heute kaum jemand - den meisten gefällt es gut in ihrem
Elend. Ein bischen Wohlstand - Flasche Bier, Pommes - was
brauch ich mehr - und wenn einer stirbt, mein Gott, vielleicht
wird er ja wiedergeboren. Die meisten sind so mit Lärm
umgeben, dass sie den Ruf Gottes gar nicht vernehmen können.
Also: auf den Weg machen, Gott suchen, dazu
2. jemanden aufsuchen, der Ahnung hat. Denn selbst wenn wir
seine Rufe hören, würden wir sie als solche erkennen?
So wie Samuel, wissen wir oft nicht, ob es Gott ist, der uns
da ruft. Da leidet jemand von meinen Verwandten oder Bekannten?
Bin ich gerufen zu helfen, zu trösten?". Jede
Herausforderung, jede neue Aufgabe kann ein Ruf Gottes sein.
Der Ruf Gottes ist nicht leicht zu verstehen. Samuel braucht
den Rat eines Dritten, er ersucht den Priester Eli um Rat.
Die Jünger gehen zu Johannes den Täufer. Halten
sie es wie sie: Sprechen sie mit anderen über ihren Glauben;
bitten sie den Partner, den gläubigen Freund, den Priester
um Rat, wo sie einen Ruf, eine Berufung spüren und nicht
wissen, ob es Gott ist, der da ruft. Samuel wird mit seiner
Antwort Hier bin ich" zweimal von Eli verständnislos
angeschaut und zurückgeschickt. So mag auch uns so manche
Verständnislosigkeit begegnen, wenn wir über den
Ruf Gottes reden.
3. den Hinweis auf Gott bekommen "Seht das Lamm Gottes",
und 4. dem Rat folgen, den verrückten Weg einschlagen,
Christus folgen und fragen: "Meister, wo wohnst Du?",
ihm zu antworten: "Rede Herr, dein Diener hört"
Dann aufmerksam auf das, was auf Gott hinweist, mit offenen
Augen und Ohren durchs Leben gehen, wie Samuel hören.
In einem Buch für Exercitien im Alltag heißt es
dazu: Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit fürs
Gebet; und wenn Du viel zu tun hast, eine ganze Stunde."
Nicht in der Hektik den Kopf verlieren, sondern gerade dann
in Gott die Orientierung finden,
um dann 5. Gott zu finden.
Und dann geht es erst richtig los: Samuel hört das Wort,
das Gott ihm sagt. Sein Leben lang wird er nichts anderes
tun als auf das Wort hören und es treu weitersagen, sei
es gelegen oder ungelegen - genauso der Jünger Andreas
im Evangelium: sofort geht er hin zu seinem Bruder und erzählt
ihm von den Gott, den er gefunden hat.
Genauso sind wir gerufen, den Menschen von Gott zu erzählen,
sei es gelegen oder ungelegen - wir dürfen mit der frohen
Botschaft nicht hinterm Berg bleiben - Andreas fängt
direkt in der eigenen Familie an und führt seinen Bruder
zu Jesus - bestes Beispiel für uns.
Was aus diesem Bruder geworden ist, wissen wir: der erste
der Apostel - Jesus nennt ihn schon hier bei seiner Berufung:
"Kephas - Fels - Petrus" - er bekommt einen neuen
Namen, ein Name, der Programm werden soll. Das zeigt, ähnlich
wie bei Samuel - das Gott uns ganz fordert - nicht nur ein
bischen berufen - sondern mein ganzes Leben gehört ihm
- Samuel wurde schon als Kind Gott im Tempel geweiht und Eli
zur Erziehung übergeben - Petrus hat Frau, vielleicht
Kinder, zumindest Schwiegermutter verlassen, um ganz Christus
zu folgen - ähnlich erwartet er es auch von uns. Denn
nur dann können wir anderen glaubhaft Zeugnis ablegen
von Jesus Christus.
So sind auch wir aufgefordert, Gott zu folgen. Er ruft uns,
geben wir uns die Chance, seinen Ruf zu hören, versuchen
wir, auch mit Hilfe anderer, seinen Ruf zu verstehen, um uns
dann auf den Weg zu machen, Christus folgen, ihm begegnen,
um dann bei ihm zu bleiben.
Dann gilt auch uns, was im letzten Satz der Lesung berichtet
wird: Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm.
Samuel hat vor über 3000 Jahren gelebt, und doch vermag
er uns noch genauso zu lehren, wie das Volk Israel damals.
Still zu werden, lernen auf Gott zu hören und ihn immer
besser kennen lernen. Wenn ich das will, brauch ich bloß
auf die Bibel zu schauen und mich so zu verhalten wie er:
hören, nicht aufgeben, einem guten Rat folgen, dann mit
Gott in Verbindung bleiben, immer wieder neu auf ihn hören,
auch wenn ich meinen Weg gefunden habe - damit ich den anderen
Glaubenden den Willen Gottes verkünden kann.
Vielleicht sind wir aber auch auf der anderen Seite wie Eli
gefordert, anderen einen Rat zu geben und darauf hinzuweisen:
Es ist Gott, der Dich da ruft."
Das ist schwer in unserer hektischen Zeit. Doch es kommt ganz auf den Maßstab
an, nach dem wir unser Leben ausrichte. In einem Handbuch für Exerzitien
im Alltag heißt es dazu: Sie haben richtig gehört.
Die Berufungsgeschichte des Samuel zeigt uns noch viel mehr: Samuel hat bestimmte
Voraussetzungen, damit er Gottes Ruf hören kann. Er wird von seiner Mutter
Gott geweiht; er wird einem Priester, Eli, in die Obhut gegeben. Auch an uns
ist das geschehen: wir sind von unseren Eltern in die Obhut Gottes gegeben,
wir sind getauft, Pastor hat letzten Sonntag darüber gepredigt. Und auch
sie wiederum haben ihre Kinder in seine Obhut gegeben, haben sie taufen lassen;
aber ist uns das auch Ernst? Oder weisen wir jemanden erst einmal zurecht,
wenn er sich uneigennützig engagiert ohne Geld dafür zu bekommen,
oder wenn es sogar soweit kommt, dass sein christliches Handeln auffällt?
Es gibt heute keinen Tempel mehr in Israel, nicht in Schilo und nicht in
Jerusalem. Wo die Bundeslade geblieben ist, weiß niemand - und doch
können wir Gott ganz nahe sein: in der Anbetung der Eucharistie hier
in der Kirche.
Ein weiterer Aspekt der Samuelgeschichte: Samuel hört
Gott in der Stille der Nacht. Geben wir uns überhaupt
die Chance, Gott zu hören? Immer ist um uns herum etwas
los, stets sind wir beschäftigt. Selbst die Terminkalender
der Kleinsten sind ja schon zum bersten gefüllt. Ich
merk das jetzt bei der Kommunionvorbereitung, wie schwer es
da ist, mit den Kindern einen gemeinsamen Termin zu finden.
Hat Gott da überhaupt noch eine Chance, zu uns durch
zu dringen? Bei Samuel ist es still. Still werden, um zu hören,
was Gott will.
6. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 14.01.06
Es gibt Gerüchte, die sich enorm hartnäckig halten. Ein solches
Gerücht lautet: „Die Kirche ist leibfeindlich.“
Man macht das gerne an der Sexualmoral und an den Fastengeboten der Kirche
fest.
Sicherlich, es gab Menschen in der Kirche, die prüde und vertrocknet
wirkten, die durch übertriebene Kasteiungen ihrem Körper unverhältnismäßig
viel Leid zufügten.
Aber man darf von den Fehlformen nicht auf die eigentlich gültige Lehre
der Kirche schließen.
„Die Kirche ist leibfeindlich.“ - Dieser Satz kann gar nicht
stimmen.
Bester Beweis dafür ist die Krippe hier in der Kirche.
Wir glauben an einen Gott, der Fleisch angenommen hat in Jesus Christus. Dieser
Gott ist in seinem Sohn leibhaftig unter uns gewesen.
Keine Religion kennt das. Die Inkarnation - die Menschwerdung Gottes - ist
und bleibt etwas zutiefst Christliches, etwas, was andere Religionen nicht
kennen und sich nicht vorstellen können.
Gott leibhaftig unter uns Menschen - Zur Zeit der ersten Christen war das
ein Skandal. Alles Körperliche, Leibliche war minderwertig gegenüber
dem Geistigen. „Seele gut, Leib schlecht“ lautete damals die Devise.
Und noch heute gibt es viele Formen der Abwertung des Leibes, gerade in esoterischen,
ostasiatisch verbrämten Meditationsformen. Die Seele soll darin vom Leib
befreit, erlöst werden.
Die Kirche hat dagegen immer die „Auferstehung des Fleisches“
gehalten.
Der Mensch wird als Ganzer erlöst, mit Leib und Seele. Der Mensch ist
schließlich Leib und Seele.
So gesehen ist die Kirche nicht leibfeindlich, sondern leibfreundlich.
Der Leib hat für uns Christen eine hohe Bedeutung, er ist etwas enorm
Kostbares. Das haben wir in der Lesung aus dem ersten Korintherbrief gehört,
in dem es heißt:
Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes
ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?
Der Leib des Menschen - ein Tempel des Hl. Geistes, ein Tempel Gottes.
Er ist uns geschenkt worden, wir haben ihn nicht selber gemacht. Der menschliche
Leib ist eine Schöpfung Gottes. Und was für eine.
Die verschiedenen inneren Organe in ihrer ganzen Komplexität ermöglichen
erst unser Leben.
Die Sinnesorgane erlauben uns, miteinander in Kontakt zu treten.
Der Leib ermöglicht es, daß wir uns in dieser Welt bewegen, sie
gestalten und formen können.
Wir haben nicht nur einen Leib, wir sind Leib.
Wenn wir diesen Leib von Gott geschenkt bekommen haben, müssen wir auch
in irgendeiner Weise damit umgehen. Und zwar so, daß wir dem Geschenk
und dem Schenkenden gerecht werden.
In der Lesung faßt Paulus das prägnant zusammen, indem er die Korinther
damals und uns heute aufruft:
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Wie aber kann das konkret geschehen?
Nun, wenn der Leib wirklich Tempel Gottes also etwas Heiliges ist, dann sollten
wir ihn auch heilighalten, ihn ehren, ihn pflegen.
Gott in unserem Leib verherrlichen hieße dann,
ihm die nötige Hygiene zukommen zu lassen, ihn gesund zu halten, ihm
den nötigen Schlaf zu gewähren.
Alles Maßlose sollten wir von ihm fernhalten.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Dazu paßt nicht, sich unkontrolliert mit allen möglichen Speisen
oder Rauschmitteln vollzustopfen.
Dazu paßt nicht, sich jedes Wochenende volllaufen zu lassen und die
Nacht zum Tage zu machen. Das sind keine Heldentaten, mit denen man angeben
müßte.
Dazu paßt nicht, seinen Body ohne Rücksicht auf Verluste zu stählen,
mit übertriebenem Training oder Einnahme von unerlaubten Mittelchen.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Dazu paßt nicht, die körperliche Unversehrtheit der anderen zu
gefährden, indem man sie z. B. im Verkehr oder am Arbeitsplatz unnötigen
Gefahren aussetzt.
Dazu paßt nicht, andere zu einem übertriebenen Konsum von Speisen,
Getränken und Drogen zu animieren.
Wer das Maß im Umgang mit seinem Leib oder dem Leib der anderen aus
den Augen verliert, versündigt sich gegen Gott, versündigt sich
gegen den Tempel Gottes.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Der Leib hat im Christentum, in der Sicht der Kirche eine hohe Würde.
Wir sind Leib. Und alles, was den Leib und seine Regungen vom ganzen Menschsein
trennt, kann nicht richtig sein. Das gilt gerade im Bereich der Sexualität.
Aus diesem Grunde wehrt sich die Kirche vehement gegen Einflüsse, die
den Körper zu einem sexuelles Objekt degradieren.
Die körperliche Sexualität hat ihren Rahmen in der festen Liebesbindung
zweier Mensch zueinander, die sich in der Ehe zwischen Mann und Frau –
und nur zwischen Mann und Frau -verwirklicht. Alles andere ist in Wahrheit
unmenschlich, wird dem Menschen nicht gerecht.
Deshalb verurteilt die Kirche Pornographie, Prostitution und alles, was die
Trennung von Sexualität und Liebe fördert.
Dazu zählen auch künstliche Befruchtungs- und Verhütungsformen.
Dazu zählt auch das Erzählen oder Gutheißen schlüpfriger
Bemerkungen oder Zoten. Der sogenannte versaute Witz hat im Mund eines Christen
nichts zu suchen.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Dieser Aufruf gilt auch jetzt im Gottesdienst.
Das Sitzen, das Knien, das Stehen sind körperliche Ausdrucksformen für
unsere innere Haltung. Der Körper hilft uns beten.
Deshalb ist es gut, uns immer wieder zu prüfen, ob und wie wir mit unserem
Leib beten.
Es geht nicht darum, sich stock und steif zu verhalten, aber die Kniebeuge
sollte auch als solche erkannt werden; und das Kreuzzeichen sollten wir nicht
so schlagen, als ob wir eine Fliege von unserem Gesicht vertreiben wollten.
Verherrlicht Gott in eurem Leib!
Wenn wir diesem Aufruf in unserem persönlichen Leben nachkommen, wird
es demnächst vielleicht in der Gerüchteküche brodeln: „Schon
gehört, die Kirche ist leibfreundlich.“
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du bist als das Lamm gekommen, das uns von unsere Schuld
befreien will. Dich bitten wir:
-
Sende Deine Boten zu allen Völkern. Lass sie durch
ihr Leben Zeugen deiner Liebe sein.
-
Reinige deine Kirche von aller Schuld und allen Fehlern,
damit sie Licht deiner Gegenwart ist.
-
Gib den Christen Kraft und Standhaftigkeit, zu Dir zu
stehen und Dir zu dienen, auch wenn sie damit den Spott
der anderen auf sich ziehen.
-
Bewahre uns vor allem Kleinmut und aller Mutlosigkeit,
vor Ungeduld und Stolz, damit wir nicht verdunkeln, was
Du durch uns ausstrahlen willst.
-
Lass uns alle, unsere lieben Verstorbenen mit eingeschlossen,
auf dem Weg Deiner Nachfolge zur ewigen Geborgenheit bei
Dir gelangen. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Allmächtiger Gott, in Christus hast Du die ganze Welt
auf den Weg Deines Friedens gerufen. Erhöre unser Beten
und vereine uns alle in Deinem kommenden Reich. Darum bitten
wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 616, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 978
1. Lesung: 1 Sam 3, 3b-10.19
Zwischengesang: 980
Evangelium: Joh 1, 35-42
Credo: 467
Gabenbereitung: 621, 1 + 3
Sanctus: 469
Agnus Dei: 470, 2
Danksagung: 620
Schluss: 589, 1 - 4