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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 3. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Jona - ein besonderer Prophet (Predigt zur Lesung)
Daß ich ständig eine Brille trage, hat womöglich damit
zu tun, daß ich als Kind, sobald ich lesen konnte, eine Unsitte
hatte: Ich las spät abends noch im Bett. Wir hatten im Haus zum Beispiel
ein sehr dickes Buch mit Grimms Märchen, und das las ich von vorne
nach hinten und manche Geschich-ten immer wieder. Das Licht, das ich dabei
anhatte, war nicht das beste, und so wurden meine Augen dabei in Mitleidenschaft
gezogen. Die Geschichte von Jona, dem Propheten, ist mehr als ein Märchen.
Sie gehört zur Erinnerung des Volkes Israel. Wie die Gleichnisse
Jesu ist sie ein Stück Weltliteratur. Für uns ist Jona eine
bekannte Gestalt. Jona, der Prophet, der für den Walfisch nicht ganz
leicht verdaulich ist. - Aber wie ist es mit der Geschichte von Jona,
dem Propheten? Ist sie für uns leicht verdaulich? Aber zuerst müssen
wir uns fragen: Was ist das eigentlich - ein Prophet Gottes im Alten Testament?
Die Propheten hatten eines gemeinsam: Sie wußten sich von Gott berufen,
eine besondere Botschaft zu überbringen. Diese Botschaft sollte aufrütteln,
hochreißen, zum Umdenken bringen. Die Menschen sollen durch die
Botschaft der Propheten erkennen, wer Gott ist: ein Gott des Bundes, der
machtvoll handelt und wirkt. Er ist wie die Sonne zur Erde: in seinem
Orbit wird der Mensch nicht weniger Mensch, sondern er empfängt Leben
und Liebe, er blüht auf und bringt Frucht.
Die Propheten Israels waren keine Profis. Sie unterschieden sich von
den Hof- und Lügenpropheten ihrer Zeit, die es immer wieder auch
gab. Diese Hofpropheten schmeichelten den Ohren. Sie verkündeten
das, was den Leuten gefiel. Die Botschaft von Strafe und Gericht gehört
in der Regel nicht dazu. Die wahren Propheten mußten darum versuchen,
den Finger auf die Wunde zu legen und zur Umkehr und zur Buße aufzurufen.
Daß sie dabei geschmäht, verfolgt oder sogar gefangengesetzt
oder umgebracht wurde, war sozusagen ihr Berufsrisiko. Gott hatte ihnen
kein einfaches und bequemes Leben versprochen, sondern Schwierigkeiten,
Widerstand, Verfolgung. Aber das alles konnte sie nicht von ihrer Aufgabe
abbringen. Sie konnten gar nicht anders als das zu sagen und zu tun, was
Gott selbst ihnen aufgetragen hatte. Nicht eine weltliche und auch nicht
eine religiöse Macht hatte ihnen ein Mandat gegeben, sondern der
lebendige Gott selbst, der sie inspirierte und antrieb. Sein Sprachrohr
sollten sie sein. Die Botschaft, die der Jona zu verkünden hatte,
war denkbar kurz: "Geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh
ihr das Strafgericht an!", sagt Gott zu ihm (Jon 1,2). - Da haben wir's!
Es gibt also kein Pardon. Gott straft, vernichtet und verdirbt. So versteht
es Jona, der Prophet, und so verstehen es viele Menschen immer wieder,
zu allen Zeiten. Aber es gibt auch die anderen, die sich Gott nach einem
anderen Bild zurechtmachen: Gott ist doch ganz weit weg. Er kümmert
sich um nichts mehr. Er sieht nichts, hört nichts, tut nichts. Laßt
uns auf den Putz oder auf die Sahne oder auf was auch immer hauen: es
hat ja keine Folgen. Jedenfalls nicht für uns.
Beide Meinungen von Gott gibt es. Aber welche ist richtig? Ist es richtig,
daß Gott einer ist, der gnadenlos straft, oder ist es richtig, daß
Gott sich nicht interessiert für das, was hier bei uns vorgeht? Jona
scheint seine Sache mit Gott klar zu haben. Er zieht durch die Riesenstadt
Ninive und verkündet: "Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!"
- Stellen wir uns einmal vor, so etwas würde einer bei uns sagen:
Noch vierzig Tage Zeit, und dann ist alles vorbei! Die meisten würden
wohl sagen: Der spinnt! Der war zu lange in der Sonne! - Und genau diese
Reaktion scheint Jona zu erwarten. Er macht sich überhaupt keine
Mühe, seine Botschaft zu unterstreichen. Er dis-kutiert nicht, er
bleibt nicht stehen, er fleht die Leute nicht an. Er geht einen Tag weit
in die Stadt, ruft seinen Spruch und dann - wartet er ab, was passiert.
Und er ist sich sicher, daß etwas passiert - Gott hatte es ihm ja
gesagt. Und was passiert? Das Unglaubliche: die heidnische Stadt glaubt
dem Propheten Gottes. Nicht nur der eine oder der andere, sondern alle.
Sogar das letzte Rindvieh versteht, worum es geht. Alle hüllen sich
in Sack und Asche. Keine Ausflüchte, keine Ausnahmen, keine Entschuldigungen.
Wo hat es das schon einmal gegeben?
Und Gott führt seine Drohung nicht aus.
Darüber ärgert sich Jona. Er hadert mit Gott: Habe ich es nicht
geahnt? Ich soll eine Drohung hinausschreien, aber du kümmerst dich
dann doch nicht darum. Du bist ein barmherziger Gott, du bist langmütig,
und es tut dir leid, was du angedroht hast (vgl. Jon 4,2). - Und so wird
der Prophet selbst zum Lernenden: Gott droht, aber er gibt auch die Gnade
der Umkehr. Er verheißt Unheil, aber auch dabei hat er immer das
Heil der Menschen im Blick.
Aber niemals handelt Gott nach der Weise der Menschen. Er bleibt immer
Gott. Egal, wann und wo wir diese oder andere wunderbaren Überlieferungen
lesen: wir sollten sie immer lesen mit der Brille des Gebetes und des
gläubigen Vertrauens.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, noch bevor wir nur ein Wort des Gebets
gesprochen haben, hat Gott uns schon längst angeredet - das war die
Botschaft der Predigt vom letzten Sonntag. Allerdings ist dieses "Anreden"
viel weniger von Worten geprägt, als wir beim Begriff "Gebet"
oft glauben.
Schauen wir einmal auf die denkwürdigen Gespräche, die sich
zwischen zwei Beinahe-Liebenden entwickeln, zweien, die noch unerfahren
sind und nicht wissen, wie so etwas geht. Haben Sie schon einmal einen
solchen ersten Annäherungsversuch miterlebt?
"Was machst Du denn hier?" - "Och, nichts besonderes,
und Du?" - "Ich habe auch keine Ahnung. Möchtest Du etwas
trinken?" - "Weiß nicht. Willst Du denn etwas?"
Merken Sie? Das, was wir sagen, ist zunächst ziemlich belanglos
- und doch ist es der Beginn eines unerhörten Geschehens. Wichtiger
ist nämlich nicht, was wir sagen, sondern was wir erwarten.
Jesus sagt bei seiner Berufung der Jünger auch nicht viel. Er handelt
keinen Vertrag aus, spricht nicht von der Zukunft, die zu erwarten ist.
Und die Jünger? Die sagen überhaupt nichts. Die lassen einfach
ihre Netze liegen und folgen Jesus.
Manche Exegeten glauben, das muss an der beeindruckenden Ausstrahlung
Jesu gelegen haben: Ein Wort - und noch mehr sein Blick und seine Haltung
- und schon liegen ihm die Herzen zu Füßen.
Vielleicht ist da etwas dran. Viel wahrscheinlicher scheint mir aber
zu sein, dass die Jünger eine bestimmte Ausstrahlung hatten, so dass
gerade diese Jünger für Jesus interessant waren. Er hat eben
nicht alle Fischer angesprochen. Warum gerade Simon, Andreas, Johannes
und Jakobus?
Wohl deshalb, weil sie ansprechbar waren. Weil es suchende Menschen gewesen
sind. Sie werden auch schon als Jünger des Johannes erwähnt
und haben dort Jesus kennengelernt. Warum waren sie zuvor bei Johannes
dem Täufer - wenn nicht als Menschen voller Erwartung?
Diese vier (und vermutlich auch die restlichen acht, die Jesus später
noch in seine Nachfolge ruft), waren Sucher - Glauben-wollende. Und Jesus
antwortet darauf.
Liebe Schwestern und Brüder: Die Sehnsucht nach mehr ist Gebet.
Die Unzufriedenheit mit dem rein Irdischen und die Sehnsucht danach, darüber
hinaus glauben zu wollen, ist Gebet. Nicht die Worte, nicht der Akt des
Glaubens selber - sondern der Entschluss, zu suchen.
Frere Roger, der Gründe von Taize, war als junger Mann (noch fern
vom Glauben und Gebet) ernsthaft erkrankt - an Tuberkulose. In seiner
Not versuchte er zu beten - aber es gelang ihm nicht; er konnte keine
Worte finden und keine Gedanken festhalten. Nur ein Wort blieb hängen:
"Dein Angesicht, Herr, will ich suchen" (Psalm 27). In dieser
Zeit erkannte er, dass die Sehnsucht schon Glauben bedeutet. Später
hat er das immer wieder den Jugendlichen in Taize gesagt: "Wenn dich
verlangt, Gott zu schauen, dann hast Du schon Glauben."
Im Film Sister Act II heißt es so ähnlich: "Wenn Du morgens
aufstehst - und Du denkst ans Singen, wenn Du abends einschläfst,
und Du denkst ans Singen - dann stellt sich nicht mehr die Frage, ob Du
später mal Sängerin werden sollst - dann bist Du schon eine
Sängerin."
Wir Christen glauben, dass jeder Mensch im Innersten diese Sehnsucht
spürt - oft überdeckt durch alle möglichen Ersatzbefriedigungen.
Ja, gerade das ständige Suchen des Menschen nach Spass, Anerkennung,
Harmonie und Ablenkung zeigt, dass unser Herz zutiefst unruhig ist. Gerade
deshalb hat unser Glaube den Menschen immer etwas zu sagen. Ach, was rede
ich: Gerade deshalb glaube ich, hat Gott immer eine Chance bei allen Menschen.
Alle Menschen warten auf einen Jona, der Ihnen verheißt, wo Erfüllung
zu finden ist. Dass Ninive so sündigt - und sich so schnell bekehrt
- hat den gleichen Grund: Dort lebten Menschen voller Sehnsucht.
Gebet fängt nämlich früher an, als die Worte sich finden.
Wer Gott suchen will, wer sich danach sehnt, ein anderes Leben zu führen,
der betet - und Gott wird antworten. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Heute geht es im Evangelium um Berufungen. Vier Jünger ruft Jesus
aus ihren weltlichen Tätigkeiten heraus in seine Nachfolge. Die Grundvoraussetzung
für den neuen Beruf ist ihnen von Gott schon mitgegeben, sie können
fischen, und sie sollen Menschenfischer werden. Dieses Wortspiel benutzt
der Evangelist absichtlich. Damit soll deutlich werden, daß die
Jünger die Fähigkeiten und Talente, die Gott ihnen gegeben hat
nutzen für ihren neuen Berufen nutzen sollen. Angler unter Ihnen
werden das kennen, als Fischer braucht man Geduld, Ausdauer, Zielstrebigkeit
und Gelassenheit. Die Jünger sollen diese Talente für Gott einsetzen.
Und das gilt auch uns, auch wir sollen unsere Talente nicht für irgend
etwas, sondern für ihn nutzen, zu seiner Ehre, für unsere Berufung.
D.h. nicht, daß sie aus ihrem Beruf aussteigen und predigend durchs
Land ziehen sollen. Nein, sie sollen gerade in ihrem Beruf, an ihrem Platz
im Leben ihre Talente einsetzen. Und so sind diese Berufungen der vier
Jünger nicht eigentliche Ausnahmen, sondern es sind exemplarische
Berufungen, die auch Ihnen gelten, die sie in ihren weltlichen Berufen
bleiben. Wie sie dort diesem Ruf folgen können, was ja eigentlich
ein Lebensthema ist, dazu gibt uns Paulus in der heutigen Lesung einen
wichtigen Hinweis.
In diesem Abschnitt, wo Paulus auf Fragen der Gemeinde in Korinth antwortet,
macht er deutlich, welche Lebenseinstellung ein Christ haben sollte. Wer
weint, (der solle sich so verhalten) als weine er nicht, wer sich freut,
als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht besitzen,
wer sich die Welt zunutze macht, als würde er nicht darin aufgehen."
Auf den ersten Blick mag das unserer christlichen Überzeugung widersprechen:
sollen wir den Tag nicht nutzen, im Heute leben. Sollen wir nicht gerade
als Christen auch Einfluß in Politik und Gesellschaft nehmen? Dem
widerspricht Paulus gar nicht. Das Wirtschaften, das Kaufen und Verkaufen
verteufelt Paulus in den beiden Briefen an die Gemeinde in Korinth in
keinster Weise. Korinth stellte damals einen Welthandelsplatz dar und
Paulus hat die Menschen in keinster Weise genötigt, diese Stadt zu
verlassen, weil ein Christ darin nicht leben könne; im Gegenteil,
Paulus unterstützt ein Leben in dieser Welt. Aber schon damals sah
der Apostel die Gefahr, daß Markt und Werbung den Menschen gefangen
nehmen; daß er so am Besitz hängt, daß alles andere dahinter
zurücksteht.
Als ich damals das alte Auto meiner Eltern so unglücklich kaputt
gefahren hatte, daß es ein Totalschaden war, waren meine Eltern
zwar nicht gerade erfreut, aber ich habe an ihrem Verhalten schon gespürt,
daß der Mensch im Vordergrund stand, und das Auto eben nur ein Mittel
zum Zweck ist, auch wenn es heute von vielen vergöttert wird.
Und genau das will auch Paulus sagen: wir sollen die Welt nutzen, sie
aber nicht besitzen. Alle Güter, die wir in der Welt haben und gebrauchen
müssen, und genießen dürfen, sollen so besessen werden,
daß man jederzeit darauf verzichten kann. Denn wir haben ein anderes
Ziel vor Augen als Besitz und hohes Ansehen. Durch Christus wissen wir
um das Vergehen der Welt und um ihre Vorläufigkeit, wie es ja heute
sowohl in der Lesung als auch im Evangelium betont wurde, wir wissen um
ein Leben nach dem Tod. Dieses Wissen führt zu einer Distanz, zu
einer Freiheit von diesen Dingen. Wenn wir dieses Wissen verinnerlicht
haben, brauchen wir uns nicht mehr vom Zeitlichen beherrschen oder einschnüren
lassen. Paulus plädiert eine Unabhängigkeit von der Welt. Wir
sollen uns hier auf Erden nicht fest einrichten, als wären wir ewig
hier, als gäbe es kein anderes Ziel. Wir sind hier im Zwischenstadium,
wir sind nur Gast auf Erden, wir haben hier nur ein Zelt aufgeschlagen.
Wie gesagt, das heißt nicht: die Welt ablehnen, sondern gerade
in ihr diese Freiheit realisieren. Paulus will uns mit seinen Beispielen,
die wir vorhin in der Lesung hörten nicht in die Askese führen,
sondern den definitiven Charakter der irdischen Zwänge in Frage stellen.
Wenn ich mich von diesem aufgelegten Zwang der Werbung frei mache, nicht
mehr an die irdischen Güter gebunden bin, frei werde vom Besitzen,
dann spüre ich die mir von Christus geschenkte Freiheit.
Und mit dieser Freiheit kann ich Christus folgen. Wir Christen bedürfen,
um dem Ruf zu folgen, der im Evangelium an uns ergangen ist, genau dieser
Haltung, die Paulus in der Lesung beschreibt. Und hier gehen nun Lesung
und Evangelium zusammen. Wie die Söhne des Zebedäus ihren Vater
und die Tagelöhner zurücklassen, um Jesus zu folgen, so hat
auch der in der Welt verbleibende Christ vieles von dem, was ihm unverzichtbar
erscheint, zu lassen, will er Jesus ernstlich nachfolgen. Anders gesagt:
die Talente, die Gott uns gegeben hat, nicht an irdische Pflichten, an
irdische Güter verplempern, sondern den Menschen, Gott zu nutze machen.
So wie die vier Jünger mit ihren Talenten mehr anfangen können
als Fische fangen, so sind auch wir gerufen, gerade in unserem weltlichen
Leben unsere Talente zum möglichst großen Vorteil Gottes und
seiner Menschen zu verwenden.
So ganz nebenbei: Paulus begründet den Zölibat hier zum einen
damit, daß er ein Zeichen für die Unvollkommenheit der irdischen
Welt ist. Die vollkommene Form ist die Partnerschaft???? Der Priester
soll den Zölibat leben, damit deutlich wird, wir sind hier noch unterwegs
zum vollkommenen Leben. Jesus sagt im heutigen Evangelium: Das Reich Gottes
ist nahe, aber wir haben es noch nicht ergriffen, wir haben es noch nicht
umgesetzt. Solange leben wir hier in Unvollkommenheit. Der zweite Aspekt,
den Paulus hier betont, ist der, daß der zölibatäre Seelsorger
mehr Zeit hat, die Gemeinde zur Vollkommenheit zu führen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Ganz konsequent haben wir das soeben im Evangelium gehört - die
Jünger lassen sofort alles stehen und liegen und folgen Jesus - es
wäre ja schön, wenn wir das auch so könnten. Ich glaube,
wir finden uns jedoch eher in der Person der 1. Lesung wieder. Viele von
uns haben schon als Kinder diese Geschichte der Bibel kennen gelernt:
Jona
Da wird dieser Mann von Gott nach Ninive geschickt, der großen
Stadt, Sitz der assyrischen Großkönige, die über Jahrhunderte
hin eine Eroberungspolitik verfolgten und jeden Widerstand erbarmungslos
niederwarfen. Kein Wunder, dass Jona vor diesem Auftrag die Flucht ergreift,
um ans andere Ende der damaligen Welt, nach Spanien zu gelangen. Doch
Gott holt ihn ein. Im Bauch eines großen Fisches gelangt er wieder
an die Küste Palästinas, wo er sozusagen an Land "gekotzt"
wird. Und hier trifft ihn der Befehl Gottes ein zweites Mal: wir haben
es gerade in der Lesung gehört. Jona gehorcht, aber nur mit innerem
Widerwillen. Er geht nur einen Tagesmarsch in die Stadt hinein, von der
es vorher hieß, dass man drei Tage brauche, um sie zu durchqueren.
Seine Predigt reduziert er auf ein Minimum; nur einen Satz bringt er über
seine Lippen: "Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört."
Er nennt weder seinen Auftraggeber noch den Grund für die Gerichtsansage.
Dennoch trifft seine Drohbotschaft die Bewohner der Stadt. Sie ahnen,
dass in ihr eine Warnung "verpackt" ist, ihren bisherigen Lebensstil
weiter zu verfolgen, dass ihnen eine Frist zur Umkehr gesetzt ist und
damit eine Chance, dem angekündigten Untergang zu entgehen. Sie "glauben
an Gott", den sie hinter der Verkündigung des Propheten vermuten
müssen, und unterziehen sich harten Bußriten.
Dieser Umkehr der Bewohner Ninives antwortet Gott mit seinem Erbarmen:
ihn reute das angedrohte Unheil und "er tat es nicht" - knapper
Ausdruck der freien Souveränität Gottes auch gegenüber
der Schuld des Menschen. Statt des angekündigten Gerichts lässt
Gott sein Erbarmen walten.
Dies nun passt dem Propheten ganz und gar nicht. Er besteht darauf, dass
das Gericht über Ninive in Kraft gesetzt wird. Er richtet ein Gebet
an seinen Gott: "Ach Herr, habe ich das nicht schon gesagt, als ich
noch daheim war? Eben darum wollte ich ja nach Tarschisch fliehen; denn
ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig
und reich an Huld und dass deine Drohungen dich reuen. Darum nimm mir
jetzt lieber das Leben, Herr! Denn es ist für mich besser zu sterben
als zu leben." Jona weigert sich, den Glauben an den gnädigen
und gütigen Gott so zu akzeptieren, dass die Gnade und Güte
Gottes auch für die eigentlich dem Gericht verfallenen Sünder
gilt. Empfinden wir nicht manchmal ganz ähnlich?
Und wie reagiert Gott auf diesen Protest seines Propheten? Er erweist
sich auch dem zornigen Jona gegenüber als gnädig und geduldig.
Seine Frage: "Ist es recht von Dir, zornig zu sein?" ist voll
gütiger Ironie. Gott schlägt nicht drein, sondern will durch
seine Frage den Jona weiterführen. Ob der sich aber weiterführen
lässt? Ob wir uns von Gott weiterführen lassen?
Jona hat sich östlich von Ninive eine Laubhütte gebaut und
sich in ihren Schatten hingesetzt, um der Dinge zu harren, die über
Ninive kommen werden; offensichtlich hat er die Hoffnung auf Gottes Gericht
über die Einwohner der Stadt noch nicht aufgegeben. Aber er sieht
sich enttäuscht. Seine Drohungen erfüllen sich nicht.
Wie Gott nun an dem zornigen Propheten arbeitet ist ein Meisterstück
erzählerischer Kunst - es lohnt sich, Zuhause mal in Ruhe nachzulesen,
es sind nur 3 Seiten - wir haben ja schließlich das Jahr der Bibel
- es ist ein Kabinettstück überlegenen Humors. Gott lässt
einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen der seinem Kopf Schatten
geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona, über den eben
noch eine große Bosheit wegen des Mitleids Gottes mit den Einwohnern
der Stadt gekommen war, empfindet eine große Freude über die
kleine Erleichterung, die ihm Gott mit der Rizinusstaude in der Hitze
des Tages gewährt hat. Den anderen soll Gott nicht gnädig sein,
aber wenn es um ihn geht, freut er sich über Gottes Erbarmen. Vielleicht
finden wir uns an dieser Stelle in der Person des Jona wieder.
Aber des Jona Freude währt nicht lange. Am nächsten Tag schickt
Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, so dass er verdorrte.
Und als die Sonne aufging, schickt Gott einen heißen Ostwind. Die
Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde und
sich den Tod wünschte.
Dieser Reaktion des Propheten begegnet Gott mit der Frage: "Ist
es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches zornig zu sein?" Gott
packt den Jona dort, wo er sich gerade befindet. Ninive ist für den
Propheten schon vergessen; er ärgert sich nur über den Verlust
der schattenspendenden Pflanze - ging es ihm doch nie um mehr als um sein
kleines Ich. Von diesem kleinen ich will Gott ihn wegholen, von diesem
kleinen Ich will Gott uns wegholen, aber wieder versagt sich der Prophet.
Er versteift sich wie ein trotziges Kind, wenn er antwortet: "Ja,
es ist recht, dass ich zornig bin und mir den Tod wünsche."
Dies ist das letzte Wort, das Jona spricht. Nur noch eine Rede richtet
Gott an ihn und die bleibt ohne Antwort: "Dir ist es leid um den
Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen
hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. Mir
aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der
mehr als 120.000 Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden
können - und außerdem so viel Vieh?" Der Sinn der Rede
ist klar. Gott stellt dem großen Zorn des Jona sein großes
Mitleid mit Menschen und Tieren gegenüber.
5. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Mitchristen!
Seit ich die Szene von der Tempelreinigung kenne, die wir gerade im Evangelium
gehört haben, habe ich mir immer wieder die Frage gestellt: Warum
handelt Jesus hier so schroff, so unvorbereitet und unvermittelt
geradezu gewalttätig, während er doch sonst voller Güte
und Milde ist? Hätte er nicht seine Kritik am geschäftigen Treiben
im Tempel etwas diplomatischer zum Ausdruck bringen können, anstatt
sofort mit einer Geißel loszuschlagen? Mußte er so nicht auf
völliges Unverständnis und Feindlichkeit stoßen, zumal
doch der Handel im Vorhof des Tempels von der Tempelbehörde genehmigt
war, damit der vorgeschriebene Opferkult vonstatten gehen konnte?
Eine erste Antwort gibt das energische Wort Jesu: Macht das Haus
meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Die Handelsgeschäfte
entweihen den Tempel, das Haus Gottes, das Haus des Vaters Jesu! Die Händler
und Wechsler sind wie Störenfriede, die die Aufmerksamkeit auf sich
ziehen und so dem wahren Eigentümer des Tempels, Gott, die Ehre rauben.
Das will Jesus, der ganz auf die Ehre seines Vaters bedacht ist, nicht
dulden, und so treibt er sie alle voll Zorn hinaus. Dieses eigentümlich
schroffe Vorgehen erinnert an die alten Propheten, die oft durch Zeichenhandlungen
ihre Botschaften an die Menschen unterstrichen. Jesus gibt damit zu erkennen,
daß er eine besondere göttliche Sendung hat, die ihn dazu ermächtigt,
die bestehende Tempelordnung massiv anzugreifen.
Solche prophetische Kritik fordert zur Entscheidung heraus und
genau das beabsichtigte Jesus. Es gibt manchmal festgefahrene Denkgewohnheiten
und Blickverengungen, die nur durch eine scharfe Konfrontation aufgedeckt
werden können. So war es damals mit dem Opferkult im Tempel: An sich
sollte das Lob Gottes im Vordergrund stehen, die Anbetung, der Dank und
die Bitte um Verzeihung der Sünden; stattdessen war der Kult immer
mehr veräußerlicht worden und diente nicht selten als Alibi
für den fehlenden Gehorsam gegenüber Gott. Die Geschäftemacherei
im Tempelvorhof war dabei nur der äußere Ausdruck einer inneren
Fehlhaltung vor Gott:
-
Anstatt Gottes Ehre zu suchen, suchte man die eigene.
-
Anstatt Gott mit einem reuigen und demütigen Herzen
zu dienen, bot man ihm äußere Opfer an, mit denen man sich
aus der Verantwortung stehlen wollte, auch innerlich umzukehren von
Hochmut und Selbstsucht.
-
Der Opferkult war zum Geschäft mit Gott entartet, nicht die Liebe
zu Gott und die Treue zu seinem Bund bestimmten das religiöse Leben,
sondern Lippenbekenntnisse und geheuchelte Frömmigkeit.
Und für all das hatte man ein perfektes System von Gesetzen und
Vorschriften parat, das die Veräußerlichung des Kultes scheinbar
legitimierte, ja den Blick für das Verkehrte daran fast völlig
verstellte.
Die prophetische Zeichenhandlung, die Jesus in Form der Tempelaustreibung
vollzog, wirkte da wie eine Ladung Dynamit, die die engen Mauern des verkehrten
Denkens erschütterte und den An-Stoß zum Umdenken gab. Jeder
konnte spüren, daß Jesus sich mit Vollmacht und mit heiligem
Eifer für die Rechte Gottes einsetzte. Das, was vorher fraglosselbstverständlich
war, wurde plötzlich massiv in Frage gestellt, und das, was fast
völlig aus dem Blick geraten war, nämlich die rechte Verehrung
Gottes, rückte wieder in den Vordergrund.
Uns wird diese Episode heute erzählt, weil auch wir gleichsam bei
uns aufräumen müssen. Denn wir sind selbst der Tempel Gottes.
Paulus fragt: Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel
seid und daß der Geist Gottes in euch wohnt? Christ,
erkenne deine Würde! Der Geist Gottes wohnt in dir! Laß
diesen Tempel nicht durch äußerliche Geschäftigkeit entarten,
sondern sei dir stets bewußt, daß du Kind Gottes bist und
als solches eine erhabene Bestimmung trägst. Wir dürfen nicht
vergessen, daß wir Gesalbte des Herrn sind, Christen
(so heißt das griechische Wort auf Deutsch übersetzt), geheiligte
Menschen, d.h. solche, die niemals auf rein irdische Ziele festgelegt
werden, geschweige denn für innerweltliche Zwecke ausgenutzt und
mißbraucht werden dürfen.
Wir dürfen uns nicht unter unserer Würde verkaufen! Wir dürfen
den Gott, der uns diese unvergleichliche Würde schenkt, nicht eintauschen
gegen den Mammon, den Gott des Geldes! Wie oft fragen wir uns: Was
bringt mir der Glaube? Was habe ich davon, zur Kirche zu gehen?
Die Antwort sollte immer wieder dieselbe sein: Hier begegne ich meinem
Gott, der mich annimmt, wie ich bin, der mich nicht nach dem mißt,
was ich habe oder was ich leiste. Die öffentliche Meinung verweigert
heute Gott die Ehre, weil man die eigene sucht, weil man nur solche Götter
akzeptieren will, die Macht, Lust und Geld versprechen. Wir dürfen
da nicht mitmachen! Zu früheren Zeiten gingen wir in den Gottesdienst,
weil wir gesehen werden wollen. Zu diesen Zeiten gehen wir nicht, weil
wir nicht gesehen werden wollen. Das ist der veräußerlichte
Gottesdienst, den Jesus anprangert: es fehlt die innere Beteiligung, es
ist keine wirkliche Beziehung zu Gott da.
Es ist Fastenzeit: Zeit, die Vergebung Gottes zu erbitten und Jesus neu
ins Herz einzulassen. Zeit, den alten Müll herauszuwerfen, so wie
Jesus den Tempel von Müll gereinigt hat, es ist Zeit zum Beichten.
So wie der Leib Jesu Tempel des Heiligen Geistes war, so ist es unser
Leib, denn wir sind getauft und mit Heiligem Geist beschenkt. Diesen Tempel
nicht zur Räuberhöhle verkümmern zu lassen, das ist der
Sinn der österlichen Bußzeit. Amen.
Fürbitten
Guter Gott, mit deinem Sohn ist für uns eine Zeit der Hoffnung und
der Freude angebrochen. Dich bitten wir durch ihn:
-
Steh uns bei in Auseinandersetzungen und Gesprächen; dass wir
uns des Glaubens nicht schämen, sondern froh sind, zu Dir zu
gehören..
-
Gib uns die Kraft, mit unserem Leben anderen Vorbild und Hilfe bei
ihrer Suche nach Dir zu sein.
-
Schenke Deiner Kirche moderne Heilige, die das Licht Deiner Wahrheit
allen Menschen dieser Erde nahe bringen können.
-
Zeige uns Wege, in Freude und Zuversicht, die Hoffnung und den Glauben
liebevoll den Armen, Kranken und Einsamen weiterzugeben.
-
Nimm unsere Verstorbenen, die in Hoffnung auf Dich den Weg ihres
Lebens zu Ende gegangen sind, auf in Deine Herrlichkeit. Besonders
beten wir für: ...
Denn Du bist die Wahrheit, das Licht und das Leben. In Deinem Sohn können
wir den Weg zu Dir voll Zuversicht und Hoffnung gehen. Dafür danken
wir Dir, durch Christus, unserem Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 260, 1 - 3
Kyrie: 463 (nicht anzeigen)
Gloria: 977
1. Lesung: Jona 3, 1-5.10
Zwischengesang: 638, 1 - 5
Evangelium: Mk 1, 14-20
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 634, 1 - 5
Sanctus: 986
Agnus Dei: 989
Danksagung: 845, 1 + 2
Schluss: 845, 3 + 4