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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 4. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 01.02.09
Liebe Schwestern und Brüder,
Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie
wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.
Das Wort „betroffen“ in der Einheitsübersetzung ist allerdings
sehr schwach. Es erinnert mich immer an das „Betroffenheitsgedusel“
einiger Kreise in den 80er und 90er Jahren, wo jeder und jede über alles
irgendwie ein Stück weit betroffen war.
Die Lutherübersetzung ist hier kräftiger: „Und sie entsetzten
sich“ heißt es da immer wieder, statt „sie waren betroffen“.
Man kann das Wort auch mit „erschrocken“ übersetzen. Das
heißt,
durch die Schrifterklärung Jesu wurde den Menschen mit einem Schlag bewusst,
wie lebendig Gottes Wort ist.
Es ist nicht nur religiöser Zuckerguß auf Kalenderblattniveau.
Es geht tiefer, erschüttert Mark und Bein, wenn man es an sich heranläßt.
Und es ist wirkmächtig.
Dass es eben bei Jesus nicht nur um schöne Worte und nette Sprüche
geht, wird dann drastisch nach seiner Predigt deutlich.
In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen
war.
Besessener - Dieser Mann ist ein Gefangener. Er ist unberechenbar in der Gewalt
anderer, hat keine Gewalt mehr über sich selbst. Er ist nicht mehr sein
eigener Herr.
Aber was ist da bloß in ihn gefahren? - Als Jesus in seine Nähe
kommt, wird das offensichtlich. Allein die Nähe Jesu wirkt für die
Besatzungsmächte dieses Kranken so bedrohlich, dass sie heftige Reaktionen
zeigen.
Es schreit laut aus dem Mann heraus, wie die Warnung eines in die Enge getriebenen
Wesens: „Hau bloß ab, komm mir nicht zu nahe!“
Im Evangelium ist das so formuliert: „Was haben wir mit dir zu tun,
Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“
Jesus und die Menschen in der Synagoge hören also, dass da Kräfte
am Werke sind, die keineswegs dumm sind. Im Gegenteil, sie sind bestens informiert.
Jesus wird ganz korrekt mit „Jesus von Nazaret“ angesprochen.
Aber die pure Angst spricht aus der Nachfrage, wozu Jesus gekommen ist.
Was die Menschen ringsum noch nicht erkannt haben, das haben ausgerechnet
diese Mächte längst kapiert: In Jesus begegnet ihnen gerade in diesem
Augenblick derjenige, den sie respektvoll als den „Heiligen Gottes“
betiteln.
Die dunklen Mächte erkennen also die Heiligkeit des Gottessohnes, sie
wissen sehr wohl, dass er der Messias ist. Aber wie man sehen kann, führt
das keineswegs zu freiwilliger Umkehr und zum Glauben, sondern trotz dieses
Wissens lehnen sie Jesus als ihren Herrn und Meister ab.
Da mag vielleicht manch einer denken: Ach, so ist das eigentlich auch bei
vielen modernen Menschen, die genug über Jesus wissen, aber ihm noch
lange nicht nachfolgen wollen.
Jedenfalls signalisieren die Kräfte, die diesen Mann besetzt und in
ihrer Gewalt haben, dass sie diesen Menschen nicht kampflos aufzugeben gedenken.
Sie pokern ganz schön hoch und suchen mit lautem Getöse die direkte
Auseinandersetzung mit Jesus: „Was haben wir mit dir zu tun…?“
- so schreien sie ihn an.
Das soll heißen: Was du tust, das geht uns nichts an, aber für
dich
gilt auch: was wir tun, das geht dich nichts an! Halte dich also da raus!
Das ist unser Einflussgebiet, nicht deines!
Doch Jesus hat nicht vor, mit ihnen in irgendwelche Verhandlungen einzutreten.
Mit dem Bösen schließt man keine Kompromisse und keine Waffenstillstands-Verhandlungen.
Wenn man dem auch nur einen Finger reicht, nimmt es garantiert die ganze Hand.
Sabbatruhe hin oder her, hier muss Jesus eingreifen. Die bösen Mächte
haben einen Menschen zu ihrem Spielball gemacht. Mit einem einzigen Machtwort
aus dem Munde Jesu ist dieser Spuk zu Ende. Ein letztes Mal hat sich das Böse
aufgebäumt und den Mann hin- und her geschleudert. Dann verlässt
es ihn mit wütendem Gebrüll.
Wir wissen nicht genau, welche teuflischen Mächte diesen Mann so lange
gepeinigt haben. Das ist auch nicht die Hauptsache. Das Evangelium selbst
formuliert, was hier wirklich wichtig ist: „Da erschraken alle, und
einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht
eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen
seinem Befehl.“
Das heutige Evangelium stellt es unmissverständlich und für jeden
klar: Ja, es gibt das Böse, und das Böse kann furchtbare Macht über
Menschen gewinnen.
Uns fällt es nicht schwer, dem zuzustimmen. Wir brauchen nur die Nachrichten
zu lesen.
Das Evangelium bestätigt aber nicht nur, dass es das Böse gibt.
Es demonstriert auch, wer wirklich das Sagen hat, auch wenn das leider in
unserem Alltag nicht immer so offensichtlich wird wie hier.
Die Menschen in der Synagoge haben es damals auf den Punkt gebracht: Wer solche
Wundertaten allein durch sein Wort vollbringt, der ist ganz sicher mit göttlicher
Vollmacht ausgerüstet. Ja, diese Tat ist sogar eine verkündete Lehre.
Jesus erteilt ihnen eine Lehre. Bei ihm können sie in die Lehre gehen,
wenn sie ihm nachfolgen.
Die bösen Geister dieses Mannes sind vertrieben.
Er kann aufatmen und ein ganz neues Leben beginnen.
In jeder Taufe und bei der Tauferneuerung in der Osternacht werden auch wir
heutzutage daran erinnert, dass die bösen Mächte keineswegs in Winterschlaf
gegangen sind. Der Teufel macht keinen Urlaub.
Wir sind dann konkret aufgerufen, wachsam zu sein und Widerstand gegen das
Böse zu leisten – in uns und um uns: „Widersagt ihr dem Bösen?...Widersagt
ihr dem Satan?“ heißt es, und von uns allen wird eine klare Absage
erwartet: „Wir widersagen!“
Oft genug möchte man fragen: „Was ist bloß in uns gefahren?“
Das ist wie mit einer chronischen Krankheit, die immer wieder versucht, sich
zum Angriff auf unser Immunsystem zurückzumelden.
Da ist so einiges Unheilvolle und Böse, in uns, in die heutige Gesellschaft,
hineingefahren. Wie viele Süchte besetzen die Menschn heute: Sucht nach
Geld, nach Macht, nach Sex, Alkohol-, Spiel-, ja Internetsucht.
Achten wir als Christen immer darauf, dass diese Quälgeister nicht auch
von uns Besitz ergreifen und uns zu Besessenen machen! Manchmal muß
man mutig sein, und fliehen.
Lassen wir Jesu Wort zu uns sprechen, uns von seinem Wort und Sakrament zum
Leben befreien. Er hat Vollmacht, die bösen Geister und die Unfreiheit
zu vertreiben. Nur Er. Und wir nur mit Ihm.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt – sagen wir mal ein Anti-Schuppen-Schampoo
oder ein Auto – dann wird dieses Produkt mit einer riesigen Werbekampagne
eingeleitet: Werbespots im Fernsehen, im Radio, Anzeigen in Illustrierten
und Zeitungen, vielleicht noch die von uns so allseits geliebten Postwurfsendungen.
Eine Neuheit oder eine vermeintliche Neuheit soll bekannt werden.
Um eine Neuheit geht es auch im Evangelium: Hier wird mit Vollmacht eine
ganz NEUE Lehre verkündet. Und auch auf diese Neuheit wird aufmerksam
gemacht: Jesus treibt Dämonen aus. Und diese „Werbung“ scheint
zu funktionieren: Und sein Ruf verbreitete sich im ganzen Gebiet von Galiläa.
Aber diese „Werbung“ funktioniert nicht, weil sie aggressiv wäre,
unwahrscheinlich geschickt oder gar mit raffinierten Tricks arbeitet. Nein,
das Neue verbreitet sich, weil es wirklich neu ist und glaubwürdig daherkommt:
Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie
wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.
Was ist denn die Lehre Jesu? Du sollst den Herrn Deinen Gott lieben und deinen
Nächsten wie dich selbst. Das hat er immer und immer wieder gepredigt.
Gott und den Nächsten zu lieben, das steht schon im Alten Testament.
Daran ist eigentlich nichts Neues. Was also ist neu? Die Antwort gibt uns
Papst Benedikt in seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ –
Gott ist die Liebe. Er schreibt: Das eigentlich Neue des Neuen Testaments
sind nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken
Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt. Schon im Alten Testament
besteht das biblisch Neue nicht einfach in Gedanken, sondern in dem unerwarteten
und in gewisser Hinsicht unerhörten Handeln Gottes. Dieses Handeln Gottes
nimmt seine dramatische Form nun darin an, daß Gott in Jesus Christus
selbst dem ,,verlorenen Schaf’’, der leidenden und verlorenen
Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht,
der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von
dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies
alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns.
In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst,
in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten
— Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite
Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19, 37), begreift, was Ausgangspunkt
dieses Schreibens war: ,,Gott ist Liebe’’ (1 Joh 4, 8). Dort kann
diese Wahrheit angeschaut werden. Und von dort her ist nun zu definieren,
was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens
und Liebens.
Das ist das Neue! Auch heute ist das immer wieder neu. Denn wenn wir heute
den Begriff „Liebe“ hören, dann begegnet er uns meist als
durch Banalität vergewaltigter Begriff, als Herz-Schmerz-und-dies-und-das,
als seichtes Gefühl oder ungeordnete Anhänglichkeiten.Unser Heiliger
Vater macht in seinem Rundschreiben weiter deutlich, dass Liebe nicht bloß
Gefühl ist. Gefühle kommen und gehen. Das Gefühl kann eine
großartige Initialzündung sein, aber das Ganze der Liebe ist es
nicht. (...) Sie besteht ja darin, dass ich auch den Mitmenschen, den ich
zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das
ist nur möglich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus, die Willensgemeinschaft
geworden ist und bis ins Gefühl hineinreicht. Dann lerne ich diesen anderen
nicht mehr bloß mit meinen Augen und Gefühlen anzusehen, sondern
aus der Perspektive Jesu Christi heraus. Sein Freund ist mein Freund. Ich
sehe durch das Äußere hindurch sein inneres Warten auf einen Gestus
der Liebe – auf Zuwendung, die ich nicht nur über die dafür
zuständigen Organisationen umleite und vielleicht als politische Notwendigkeit
bejahe. Ich sehe mit Christus und kann dem anderen mehr geben als die äußerlich
notwendigen Dinge: den Blick der Liebe, den er braucht.
Liebe Schwestern und Brüder, ist aber das nicht Romantik pur? Gibt es
das denn überhaupt? Ja, das gibt es. Wir spüren das an diesem Sonntag.
Nach fast einhundert Jahren verlassen die Mauritzer Franziskanerinnen das
Antonius-Hospital in Kirchhellen. In all den Gesprächen und Reaktionen,
die ich hier sozusagen als frisch Zugezogener mitbekommen habe, war zu spüren,
dass die Schwestern diesen Gestus der Liebe, diesen Blick der Liebe geschenkt
haben. Viele erinnern sich persönlich daran.
Und viele haben Sorge, dass dem Krankenhaus nun die liebende Seele abhanden
kommen könnte. Diese Sorge ist Ausdruck für eine Erkenntnis, das
dort, wo Menschen leben, die sich ganz Gott hingegeben haben, die Menschen
auch anders behandelt und gesehen werden. Das ist so. Als Kirchengemeinde
danken wir von Herzen, unseren Schwestern für deren treuen Dienst. Wir
versprechen als Mitverantwortliche alles zu tun, damit der Geist echter Nächstenliebe
im Antonius-Hospital wach und lebendig bleibt. Auch wenn die Schwestern in
ihrer Art nicht zu ersetzten sind.
Papst Benedikt betont ausdrücklich: Die Kirche kann den Liebesdienst
so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort. Diesem Aufruf des Papstes
und dem Erbe der Schwestern entsprechend, haben sich Kirchengemeinde, Jugend-Kloster
und Krankenhaus zusammengetan und beschlossen, das auch weiterhin die Kapelle
im Antonius-Hospital geöffnet bleibt und dort weiterhin die Vorabendmesse
samstags um 19.00 Uhr gefeiert wird. Allen, die dazu beigetragen haben und
beitragen gilt unser aufrichtiger Dank.
Schwestern und Brüder! Hier wird mit Vollmacht eine ganz NEUE Lehre
verkündet. So haben es die Menschen damals ausgerufen. Sie waren Jesus
begegnet, der die Menschen leidenschaftlich liebt.
Viele haben in den vergangenen Jahrzehnten durch den Dienst unserer Schwestern
ebenfalls das immer wieder Neue der christlichen Nächstenliebe, die in
der Liebe zu Gott begründet ist und sich daraus nährt.
Wir sind gleichzeitig froh, dass es auch sonst wo Menschen in Kirchhellen
gibt, die sich für den Nächsten einsetzten. Ganz besonders denken
wir an Sie, liebe Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr in Kirchhellen.
Auch in Ihrem Wahlspruch wird die Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe
deutlich, wenn es da heißt: Gott zur Ehr – dem Nächsten zur
Wehr. Ihre Hilfsbereitschaft ist ein wertvoller Einsatz für die Gemeinde.
Aber auch untereinander ist Ihr Einsatz ein Geschenk. Sie müssen sich
blind auf den anderen verlassen können. So wächst echte Freundschaft
und Partnerschaft. Für Ihren Dienst sagen wir alle hier: Vergelt’s
Gott!
Bitten wir Gott darum, dass er immer wieder Menschen in seine spezielle Nachfolge
ruft, als Priester, Ordensmann oder Ordensfrau. Und bitten wir ihn darum,
dass wir alle, in welchem Stand auch immer, erfahren und vermitteln, was der
Titel der Enzyklika Benedikts voll Freude ausruft: Deus caritas est –
Gott ist die Liebe.
Fürbitten
Herr, unser Gott, Du hast uns in Deinen Dienst gerufen. Von Dir und Deiner
Liebe dürfen wir Zeugnis geben. Dich bitten wir:
-
Erfülle uns mit Deinem Geist, damit wir den Menschen mit Tatkraft
und Mut zur Seite stehen können.
-
Führe uns durch Deinen Geist, damit wir uns nicht vom Ungeist
der Zeit verwirren lassen.
-
Schenke Deinen Geist den Bischöfen und Priestern, damit sie
mit Liebe und Klarheit Deine Botschaft verkünden.
-
Gib Deinen Geist den Regierenden und Herrschenden, daß sie
Frieden und Freiheit verwirklichen können.
-
Tröste mit Deinem Geist die Leidenden, Verfolgten und Trauernden.
-
Nimm unsere Verstorbenen auf in Dein Reich. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Gott, unser Vater, in Dir leben wir, in Dir glauben und hoffen wir. Dir
vertrauen wir unsere Bitten an, weil Du unser liebender Vater bist. Du
bist uns nahe in Deiner Kirche und in Christus, unseren Herrn.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 295, 1 + 3
Kyrie: 495, 4
Gloria: 476
1. Lesung: Dtn 18, 15-20
Zwischengesang: 302, 1 + 2 (nach der Melodie von 468)
Evangelium: Mk 1, 21-28
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 294
Sanctus: 481
Agnus Dei: 482
Danksagung: 615
Schluß: 302, 3 + 4 (nach der Melodie von 468)