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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 6. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal sind es die kleinen Sätze im Evangelium, die mir besonders nahegehen.
Manchmal sind es die Randbemerkungen in der Hl. Schrift, die etwas Wesentliches zum Ausdruck bringen.
So auch im heutigen Evangelium.
Es ist eine von zig Heilungserzählungen.
Einem Gelähmten vergibt der Herr die Sünden und stellt ihn sozusagen wieder auf die Beine.
Jesus der Heiland, der Menschen heil macht an Leib und Seele.
Diese Botschaft kennen wir, sie kehrt ja oft wieder im Evangelium.
Der Abschnitt aus dem Markusevangelium, den uns die Kirche am heutigen Sonntag als geistig-geistliche Nahrung gibt, kann uns aber auch auf einen andere Spur führen.
Das Setting ist schon anders als sonst. Wenn man so will, ist da viel mehr Action.
Da wird der Gelähmte getragen. Von vier Männern. Sie wollen zu Jesus. Der Weg ist ihnen aber versperrt. Also steigen sie unter Mühen auf das Dach des Hauses. Behutsam gehen sie mit ihrem kranken Freund um. kühn, wie sie das Dach abdecken. Und dann lassen sie den Kranken vorsichtig auf eine Bahre herunter mit Hilfe einer eilends konstruierten Vorrichtung.
Sie machen sich ganz schön viel Mühe für ihren Freund.
Und in diesem Moment schreibt der Evangelist einen Satz, der mich immer wieder fasziniert:
Als Jesus IHREN Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, Deine Sünden sind dir vergeben.
Als Jesus IHREN Glauben sah - Vom Glauben des Gelähmten wird garnicht gesprochen, wie sonst: Geh, deine Glaube hat die geholfen.
Nein, als Jesus IHREN Glauben sah - Es geht um den Glauben der Träger.
Weil SIE glaubten, weil SIE alles taten, um ihren Freund vor Jesus zu bringen, geschah das Wunder, geschah die Heilung.
Als Jesus IHREN Glauben sah - In diesen schlichten Worten wird etwas Wesentliches über die Gemeinschaft der Kirche gesagt.
Wir werden getragen vom Glauben der anderen.
"Stell mal 'ne Kerze für mich auf. Bete morgen für mich." oder "Denk an mich." Solche Sätze, so oder ähnlich hat mit Sicherheit jeder von uns schon einmal gehört oder gesagt. Gerade vor Examen oder wichtigen Lebensentscheidungen.
Diese Sätze geben auf ihre Art und Weise Zeugnis davon, daß wir einander im Glauben tragen. Es tut gut zu wissen, daß andere mich mit ihren Gebeten tragen. Jedenfalls geht das mir so.
Als Jesus IHREN Glauben sah - die vier Männer trugen einen Gelähmten zu Christus.
Der Kranke konnte sich selber nicht auf den Weg zu Christus machen.
Sich auf den Weg zu Christus machen - in unseren Tagen, in unserem Land mittlerweile eine ziemliche Seltenheit.
Viele sind lahm geworden im Glauben, machen sich nicht auf, sind desinteressiert, wollen oder können nicht.
Viele Eltern können davon ein trauriges Lied singen. Sie haben sich bemüht, den Glauben weiterzugeben. Aber die Kinder nehmen ihn nicht auf, weil sie nicht wollen oder nicht können.
Die einzige Möglichkeit die ihnen bleibt, ist für die Kinder zu glauben, die Kinder mit ihrem Gebet vor Christus zu tragen, damit er ihre Lähmung heile.
Wir werden getragen. Aber wen tragen wir?
Die Winfridia ist eine katholische Studentenverbindung. Wir sehen und spüren wie der katholische Glauben in unserem Land verdunstet. Dieses Phänomen läßt sich selbst in unseren Reihen feststellen.
Wenn uns aber wirklich daran liegt, daß der Glaube an Christus weitergelebt wird in unserer Verbindung, in unserem Land, weil dieser Glaube eben heilmacht an Leib und Seele,
wenn uns also wirklich etwas daran liegt, dann ist es unsere Aufgabe, wie die vier Männer zu handeln: die Gelähmten zu Christus zu führen.
Dazu gehört, daß wir für andere beten. Z. B. für den Kommilitonen, der menschlich top ist, aber vom Glauben nichts hält bzw. weiß. Oder für den Arbeitskollegen, der nicht gegen die Kirche hat, aber sie auch das letzte Mal bei seiner Firmung von innen gesehen hat. Oder für den Vereinskameraden, der sich an einzelnen Punkten des Glaubens reibt und droht, ihn deshalb ganz zu verlieren.
Die Gelähmten zu Christus zu führen. Dazu gehört auch, Zeugnis vom Glauben zu geben. Z. B. durch Leserbriefe an Presseorgane, die Falsches oder Böswilliges über Gott, Glaube, Kirche berichten.
Als Jesus IHREN Glauben sah - Diese schlichten Worte über die Träger des Gelähmten schenken Trost und sind ein Anspruch an uns.
Der Trost, getragen zu sein vom Glauben der anderen.
Der Anspruch, die anderen zu Christus zu tragen.
Zu Christus, der uns Menschen an Leib und Seele heilen kann und will. Etwas besseres kann den andern und uns nicht passieren, als von Christus geheilt zu werden. Also...
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt verschiedene Arten von Stille. Ein Fernseher, der
seinen Geist aufgegeben hat (soweit vorhanden), ist einfach
nur still und geistlos - manchmal genauso wie diejenigen,
die noch immer davor sitzen. Aber der Fernseher, der nun schweigt,
will uns damit nichts sagen.
Anders ist es zwischen zwei Menschen, die sich nichts mehr
zu sagen haben. Die beiden können eine sehr peinliche
Stille verbreiten - weil das Gespräch, das beide führen
möchten, fehlt. Eine solche Stille ist unangenehm, weil
sie unerfüllt ist - es fehlt etwas. Beide sind zwar da,
aber nicht mehr füreinander.
Wiederum anders ist die Stille zwischen zwei Menschen, die
sich nichts mehr zu sagen brauchen, die ohne Worte auskommen.
Zwei Verliebte beispielsweise, denen es genügt, einander
in die Augen zu schauen. Jedes Wort wäre überflüssig
und störend. Diese Stille ist zutiefst erfüllt,
randvoll. Die beiden, die jeweils in den Augen des anderen
lesen können, sind sich so gegenwärtig, dass sie
keine Worte mehr machen brauchen. Sie genießen einfach
nur die Nähe des anderen.
Liebe Schwestern und Brüder, auf unserem Gang durch
die Eucharistiefeier sind wir inzwischen beim Hochgebet angekommen.
Wenn wir uns die ganze Messe bisher vor Augen halten, stellen
wir fest, dass wir im laufe des Gottesdienstes zunehmend stiller
werden. Die anfängliche innere Aktivität beruhigt
sich und wendet sich ganz Gott zu. Es werden immer weniger
Worte gemacht, weil Gottes Gegenwart immer deutlicher wird.
Das Geschehen der Eucharistie beginnt, in Gottes Hände
überzugehen. Nicht mehr wir danken; Jesus beginnt, dem
Vater zu danken. Spätestens beim Hochgebet - auch Kanon
genannt - gehen uns die Worte aus, es wird still in der Kirche,
während Jesus für uns das Opfer seines Lebens vollzieht.
Ein doppeltes Wunder kündet sich an: Brot und Wein verwandeln
sich vollkommen und real in den Leib und das Blut Jesu und:
Der Leib Christi sieht immer noch aus wie Brot, fühlt
sich so an und schmeckt wie Brot (Gleiches gilt für den
Wein). Beide Wunder sind unfassbar.
Das eigentliche Wunder kündigt Jesus im Johannesevangelium
an: «Mein Leib ist wirklich eine Speise.» Seine
Nähe, die ihren Ausdruck im Leib findet, teilt er uns
mit, indem er ihn Leib in Brot verwandelt. Das andere Wunder,
nämlich dass sich dieser in Brot verwandelte Leib in
unserer kleinen Kirche in Halverde wieder findet, ist dann
nur noch nachgeordnet.
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir das wirklich glauben,
dann ist der Raum dieser Kirche ab diesem Augenblick randvoll
mit Gottes Gegenwart. Dann kommen wir im Gottesdienst zu einer
Stelle, die keine Worte mehr braucht, in der Gott uns so nah
ist, seine Gegenwart so präsent, dass wir wie zwei Liebende
nur noch die Gegenwart Gottes genießen - und das genügt.
Das Hochgebet ist schließlich nur noch eine Zwiesprache
zwischen Jesus und dem Vater (im Heiligen Geist). Der, der
redet, ist nur vordergründig der Priester; letztlich
tut er es im Auftrag Jesu und mit den Worten Jesu. Und angesprochen
wird im Hochgebet grundsätzlich immer der Vater. Diese
Zwiesprache braucht kein Mikrofon (da können wir zwischendurch
ruhig Strom sparen) und sie braucht keine Zuhörer. Es
geht auch nicht darum, das Hochgebet kreativ zu gestalten
und regelmäßig auszuwechseln. Es geht darum, diese
Einmütigkeit zwischen Vater und Sohn und Geist zu genießen,
sich an der Nähe zu erfreuen.
Und das beruht auch auf Gegenseitigkeit: Gott kommt nämlich
auch, um ihre Gegenwart zu genießen. Deshalb ist er
hier, deshalb geschieht dieses Wunder. Ihretwegen.
Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Immer wieder bin ich im Gespräch mit kranken Menschen
erstaunt darüber, welch großes Vertrauen sie ihren
Ärzten entgegenbringen. Und in der Tat ist es erstaunlich,
was Ärzte in ihrem Können alles zuwegebringen. Es
ist erstaunlich, wie sie mit ihrem Wissen und Können
dem Patienten Besserung, ja Heilung verschaffen und ihm neue
Lebensperspektiven bieten. Aber dennoch bleibt jeder Arzt
immer nur ein Mensch.
Will ich als kranker Mensch geheilt werden, sagt mir der
Arzt: "Sie müssen, um wirklich von Ihrer Krankheit
erlöst zu werden, mitmachen. Sie selber müssen es
wollen. Es liegt zu einem guten Teil in Ihren Händen,
ob der Prozeß der Gesundung gelingt."
Darin sehe ich eine große Gemeinsamkeit und einen großen
Unterschied zu der Heilung, die der Arzt schlechthin, Jesus
Christus, dem Aussätzigen im Evangelium schenkt:
Wie in einer gewöhnlichen Krankheitsgeschichte ist da
das große Vertrauen: Du kannst mich heilen. Du hast
die Fähigkeit dazu. Wir sehen, dass der Aussätzige
nicht etwas erwartet, sondern alles: "Du kannst machen,
dass ich rein werde!"
Schon dass der Aussätzige zu Jesus kommt, dass er nahe
an ihn herantritt, ist ja etwas Unerhörtes. Wir haben
es vorhin in der ersten Lesung bei Moses gehört: Der
Aussatz schied den Betroffenen von der Gemeinschaft absolut
aus. Er durfte sich höchstens in Rufweite von anderen
Menschen bewegen. Dann mußte er sie laut warnen, damit
sie nicht näher herankamen. - Der Aussätzige, der
zu Jesus kommt, kümmert sich nicht darum. Sein Vertrauen
ist so groß, dass er diese Schranke der Angst und der
eisenharten Vorschriften überwindet. Er tut es, weil
er ganz fest glaubt: Dieser Mensch kann mir helfen.
Sie wissen nicht erst seit letztem Sonntag, dass ich mich
gerne auf Mutter Teresa von Kalkutta beziehe: Als einmal ein
englischer Journalist sie beobachtete, wie sie Leprakranke
in den Slums liebevoll pflegte, wie sie diese Menschen anfaßte,
mit ihren Wunden in Berührung kam, da stellte er folgende
Frage: Wie können Sie das tun, ehrwürdige Mutter?
Dieser Gestank, dieser Schmutz, diese Gefahr, sich selbst
anzustecken! Ich selber würde es nicht für eine
Million Dollar tun. - Mutter Teresa sah den Journalisten einen
Moment lang an, und sagte: Ich auch nicht.
Mutter Teresa ist in meinen Augen bereits eine Heilige, weil
sie dieses vollkommene Vertrauen besaß, das ihr sagte:
Wenn du tust, was Jesus dir aufträgt zu tun, dann brauchst
du keine Angst zu haben. Tu einfach das Gute und das Richtige,
und für alles andere sorgt Gott.
Wenn wir mit unseren Krankheiten und Schwächen, besonders
mit den Krankheiten und Schwächen unserer Seele, zu Jesus
kommen, dann dürfen wir Vertrauen haben wie zu einem
guten, zu dem allerbesten Arzt. Ein Arzt ist immer nur ein
Mensch. Jesus, der vollkommene Arzt, ist Gottes Sohn, er ist
der Heiland, der Retter. Davon mag auch der Aussätzige
schon eine Ahnung gehabt haben, denn er sagt jetzt etwas sehr
Eigenartiges, etwas, was uns eigentlich befremden müßte.
Er sagt nicht: Ich möchte wieder gesund werden -, sondern
er sagt zu Jesus: "Wenn du willst, kannst du machen,
dass ich rein werde" (Mk 1,40).
Damit ist das Vertrauen, das dieser Mann in Jesus setzt, aufs
denkbar Höchste gesteigert. Der Kranke überläßt
sich ganz dem Heiland. Nicht nur seine Krankheit, sein Leiden,
sein Elend, sondern alles, sogar seinen Willen. Was Jesus
will, ist gut. Was du, Jesus, willst, das soll geschehen.
Könnten wir das so nachsprechen? Könnten Sie, könnte
ich, auch so zu Jesus sprechen: "Wenn du willst ..."?
- Bitten wir nicht eher: Mache mich wieder gesund! - oder
klagen: Warum hast Du das so zugelassen? Überlassen wir
Gott in unseren Gebeten unseren Willen? wie wir es im Übrigen
im "Vater unser" beten?
Man muß vielleicht einmal in eine ganz tiefe Krise kommen,
bis man an diesen Punkt geführt wird. Es ist leicht,
zu sagen "Dein Wille geschehe", wenn es einem gut
geht und die Angst einen nicht gefangennimmt. Doch der Aussätzige
hat so gesprochen, während er am Ende war. Darum ist
sein Vertrauen, das er in Jesus setzt, ein großes, ein
vollkommenes Vertrauen.
Und Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckt seine Hand aus,
berührt ihn und sagt: Ich will es - werde rein! Jesus
berührt ihn - obwohl ein Wort aus seinem Mund bereits
genügt hätte. Aber die Menschen, die dabei waren,
sollten etwas sehen. Ihr Glaube sollte gestärkt werden.
Ihr Mut sollte wachsen. Jesus ist immer wieder unendlich bemüht
darum, uns Menschen verständlich zu machen, dass der
Weg des Glaubens der richtige Weg ist. Die Menschen zum Glauben
zu führen, darin hat Jesus unendliche Geduld.
Und die Menschen, die das Wunder sahen, werden an die Hand
Gottes gedacht haben, der sein auserwähltes Volk "mit
starker Hand und hoch erhobenem Arm" (Dtn 26,8) befreit
und geführt hat. Die Hand, die Jesus ausstreckt, zeigt
allen Menschen: Gott hat sein Volk nicht vergessen. Er heilt,
er befreit, er tröstet auch heute. Warum habt ihr nur
so wenig Vertrauen? Ihr braucht nur zu kommen, ihr braucht
nur zu glauben, und ihr werdet es sehen und erfahren.
Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du bist mitten unter uns gegenwärtig,
Du schenkst uns Deine Nähe und Gegenwart. Höre unsere
Bitten:
-
Gib uns den Glauben, Dich zu erkennen in Brot und Wein.
-
Schenke uns Vertrauen und Demut, Deinem Wort zu glauben.
-
Öffne unsere Augen und Ohren für das Leid in
der Welt.
-
Bereite unser Herz, damit wir uns Dir ganz öffnen.
-
Segne unser Dorf, unsere Familien und unsere Arbeit.
-
Sei mit Deinem Segen allen Einsamen, Schwachen und Kranken
Menschen nahe.
-
Lass unsere Verstorbenen Deine Herrlichkeit schauen.
(Wir feiern diesen Gottesdienst...)
In den Gestalten von Brot und Wein bist Du mitten unter uns
gegenwärtig. Darin willst Du uns immer nahe sein. Dafür
loben und preisen wir Dich, in alle Ewigkeit. Amen.
Fürbitten 2. Vorschlag
Gott, Du willst alle Menschen zum Heil führen. Wir rufen zu Dir:
- Schenke Deiner Kirche in diesem Heiligen Jahr die Gnade sich immer tiefer zu Dir zu bekehren.
- Segne alle, die in der Rechtsprechung und Politik über Fragen des Lebensschutzes entscheiden müssen.
- Verleihe den Verantwortlichen in unserem Land den Geist der Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit.
- Hilf uns, andere zu tragen, wenn sie im Glauben erlahmen..
- Erbarme dich der Verstorbenen unserer unserer Familien.
Das sind unsere Bitten, Gott, höre sie und erhöre uns durch Christus unseren Heiland und Herrn.
Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 494, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 977
2. Lesung: 1 Kor 10, 31 - 11,1
Zwischengesang: 268, 1 + 2
Evangelium: Mk 1, 40-45
Credo: 930, 1 + 2
Gabenbereitung: 490
Sanctus: 469
Agnus Dei: 546, 1 + 2
Während der Kom.: 493, 1.2.3.8
Schluss: 473, 1 - 3