1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Was können wir Menschen heute nicht alles machen: Satelliten
lassen uns Dinge sehen, die tausende Kilometer von uns entfernt
passieren, Space-Shuttles fliegen mit Wissenschaftlern in
den Weltraum, wir machen künstlichen Schnee für
den Wintersport, stellen Nahrungsmittel gentechnisch her,
klonen Schafe, bald vielleicht auch Menschen. Vieles ist machbar,
unserem Können scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.
Wenn wir soviel machen können, dann müßten
wir es doch hinkriegen, daß die Kirchen wieder voller
werden. In den Medien sind jetzt gerade wieder die letzten
Kirchenbesucher und Kirchenaustrittszahlen berichtet worden.
Es scheint so, als würde voller Stolz berichtet, daß
im Bistum Münster nur 1 Prozent weniger in die Kirche
gegangen sind, als noch vor einem Jahr. Sicherlich ist es
schön, wenn vielleicht eine Trendwende abzusehen ist,
aber noch immer kehren mehr Menschen der Kirche den Rücken
zu, als Neue und Alte zur Kirche hin bzw. zurück finden.
Können wir denn nicht etwas unternehmen, daß die
Kirchen wieder voller werden? Manche meinen, mit besseren
Gottesdiensten, jugendlicheren Pfarrern und einem modernen
Papst würde die Kirche mehr erreichen. Irgendwas müssen
wir doch tun, um die Sache Jesu weitergehen zu lassen.
Die heutigen Bibeltexte nehmen solch einem Denken zunächst
einmal den Wind aus den Segeln. Jesus erzählt im ersten
Gleichnis von der Ausbreitung des Reiches Gottes von einem
Mann, der nicht viel mehr berichtet wird, als daß er
schläft und wieder aufsteht. Der Same wächst und
bringt Frucht, ohne daß der Mann weiß, wie. Nicht
der Mann läßt die Frucht wachsen, sondern der Same
wächst von alleine. Das Reich Gottes wird sich nicht
durch unsere Leistungen und Erfolge verbreiten, sondern die
Kraft steckt in der Sache selbst. Jesus hat das Reich Gottes
mit der Größe eines Senfkorns verglichen. So klein
ist es, für manchen vielleicht auch heute noch. Aber
es wird so groß werden, daß Vögel darin nisten
können, d.h., daß das Leben daraus weiter geht,
daß es Frucht trägt.
Ludger Edelkötter hat diesen Bibeltext zum Hintergrund
genommen für ein Lied, daß im neuen Gotteslob Einzug
gefunden hat, welches wir auch für unsere Gemeinde schon
bestellt haben. Noch ist es nicht da, von daher greifen sie
bitte auf die ausgeteilten Zettel zurück. Frau Brinkhaus
spielt uns die Melodie einmal vor, ich singe es Ihnen einmal
vor, und dann bitte ich sie miteinzustimmen:
-
Das Gleichnis vom Senfkorn war damals ein allgemein verständliches.
Jeder wußte sofort, was damit gemeint war. In unseren
Breitengraden sind Senfbäume seltener anzutreffen, von
daher hat Alois Albrecht weitere Bilder ausgewählt, die
verdeutlichen sollen, wie sich das Reich Gottes ausbreiten
kann. Wie ein kleiner Funke, der zur Flamme, zum Feuer wird.
Ich sing es einmal vor:
-
In jeder Strophe singen wir: mir umsonst geschenkt. Ich brauche
mir nicht groß etwas einfallen lassen, was und wie ich
den Glauben mitteilen soll, sondern den Anfang, die Grundvoraussetzung,
hat Gott mir bereits mitgegeben. Auch wenn wir es als viel
zu wenig empfinden, als daß wir mit unserem kleinen
Glauben das Reich Gottes ausbreiten könnten. Jesus macht
deutlich, laß das Kleine nur gedeihen, dann kann daraus
Großes erwachsen. So kann eine Münze, richtig eingesetzt,
Zinsen tragen und zu großem Reichtum werden.
-
Auch wird in jeder Strophe deutlich, daß nicht ich
es bin, der das Reich Gottes machen muß. Sondern in
jedem Bild, wird wie in dem ersten deutlich, daß die
Kraft zur Ausbreitung in der Sache selbst liegt. Es ist mit
dem Reich Gottes nicht wie bei einem Hausbau, wo ich immer
neue Steine heranschleppen muß, um den Bau zu vollenden.
Von alleine passiert da nichts. Beim Senfkorn, beim Funken,
bei der Münze ist das anders, da ist genug Potential
in der Sache selbst, daß daraus großes werden
kann. Ich muß das mir Geschenkte nur zum Einsatz kommen
lassen, und nicht damit hinterm Berg halten. Offen gelebte
Gefühle bewirken ähnliches.
-
All diese Strophen bringen gleich Beispiele, wie ich das
mir Geschenkte umsetzen kann, in welchen Bereichen überall
das Reich Gottes zum Zuge kommen kann. Wenn ich meinen kleinen
Glauben lebe, biete ich anderen Ängstlichen Schutz, wie
ein schattenspendender Baum, bin ich ein Licht, wonach sich
andere ausrichten können, bin ich Reichtum für geistig
Arme, die keinen Sinn im Leben finden, kann ich Trauernde
trösten, oder wie es in der letzten Strophe heißt,
andere bei Gott Ruhe finden lassen.
- Gott schenkt mir die Voraussetzung. Er läßt sein
Reich wachsen, ich bin nur gefordert, den kleinen Glauben,
den ich besitze einzusetzen, zu leben. Alles andere tut er
dazu. Amen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
in einem, Ihnen sicherlich bekannten Film mit dem Titel "Und täglich
grüßt das Murmeltier" gerät ein unangenehmer Zeitgenosse
in eine Zeitschleife. Er erlebt ein und denselben Tag immer wieder - er
kann machen, was er will. Jedesmal, wenn er aufwacht, erlebt er den gleichen
Tag, alles wiederholt sich.
Nun, so ganz unangenehm ist ihm das zuerst nicht - immerhin hat er ein
Auge auf eine bestimmte Frau geworfen, und nun kann er sie studieren. Tag
für Tag erfährt er mehr über sie, übe ihre Vorlieben
und Abneigungen, ihre Hobbys und ihre Vergangenheit, ihre Wnsche und Sehnsüchte.
Aber nachdem er fast alles erfahren hat, jedes Fettnäpfchen vermeidet
und alles, was er weiß, gewinnbringend einsetzt - verachtet sie ihn
nur noch mehr. Wissen, liebe Schwestern und Brüder, ist noch nicht
lieben.
Lieben, dass heißt, sich auf den anderen einlassen. Nicht: Ihn studieren,
anakysieren und sezieren und dann einzupacken. Sondern ihn gerade mit den
Rätseln nehmen, das Unerklärliche nicht erklären, sondern
hüten. Lieben, das heißt das Geheimnisvolle am anderen zu wahren
- und ihm dennoch (oder gerade deshalb) sein eigenes Leben anzuvertrauen.
Das gilt auch für Gott. Er spricht in Rätseln, Gleichnissen und
erklärt sie nur seinen Jüngern. Man kann Gott studieren, ihn sezieren
und in handliche Dogmen verpacken. Wer alles glaubt, was im Katechismus
steht, muss nicht unbedingt auch verliebt sein in Gott.
Wer alle Regeln des Glaubens kennt, alle Gebote auswendig kann und minuziös
einhält - ist deshalb allein noch nicht erlöst. Erlösung
erfährt erst der, der Gott annimmt - mit seinen Geheimnissen, seinen
Rätselhaftigkeiten und dem Unerklärlichen. Gott so zu lieben und
- gerade deshalb - sein Geheimnis zu wahren, heißt lieben.
Wenn wir nicht nur die Tatsache, dass Jesus uns heute zwei Gleichnisse
präsentiert, betrachten, sondern auch schauen, was die Gleichnisse
uns sagen, kommen wir zum gleichen Schluss: Die Saat wächst - und der
Sämann weiß nicht wie. Er muss es auch nicht wissen. Er wird
nicht dadurch ein besser Sämann, weil er alle Wachstumsprozesse aufzählen
kann und schematisch darstellen. Er ist ein guter Sämann, wenn er vertrauen
kann, abwarten kann und Geduld hat. Wenn er in alle Liebe gelasen bleibt,
weil er weiß: Es wird gut.
Liebe Schwestern und Brüder: Gott zu kennen ist schön. Seine
Gebote zu halten, tut gut. Aber wichtiger und grundlegender ist, Gott zu
vertrauen, dass das, was wird, gut ist. SICH Gott anzuvertrauen. Weil alles,
was in Seinen Händen liegt, gut ist und gut wird.
Lieben - das heißt Glauben. Glauben, dass Gott Gott ist und ich ihn
nicht begreifen muss, um selbst geliebt zu sein. Glauben - das heißt
lieben. Gott zu lieben, so wie er ist. Wer nur diesen einen Funken Liebe
in sich trägt, hegt und pflegt - wie das kleinste Samenkorn - der hat
den ganzen Glauben. Ob er nun den Katechismus auswendig kann (was eine feine
Sache wäre) und alle Gebote einhält (was sehr angenehm wäre)
- oder auch nicht. Hauptsache, die Liebe wächst.
Amen.
Herr, unser Gott, in Gleichnissen hat Dein Sohn zu uns gesprochen.
Hilf uns seine Botschaft in unserem Leben umzusetzen:
-
Viele Menschen stehen mit ihrem Glauben alleine da,
werden unterdrückt vom Staat oder auch nur vom Klassenkameraden.
Hilf uns, gegenseitig füreinander einzustehen, Schatten
zu spenden, wie ein großer Baum.
-
Uns allen in unserer Kirche fällt es oft schwer,
andere von unserem Glauben zu begeistern. Schenke uns
die richtigen Worte, daß der Funke überspringt.
-
Auf dieser Welt leben viele Menschen in geistiger und
auch materieller Armut. Hilf uns, anderen von unserem
Reichtum abzugeben.
-
Immer wieder werden Menschen in Trauer und Not gstürzt.
Hilf uns, ihnen Trost zu spenden.
-
Du willst uns Ruhe schenken in unserer Hektik. Laß
auch unsere Verstorbenen die ewige Ruhe finden bei Dir.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen
Einzug: 268, 1+2
Einführung: In der Natur ist das Wachsen und Reifen
in vollem Gange. Wir Menchen können herzlich wenig dazu
beitragen, wir können nur staunend beobachten, wie in
den Pflanzen unsichtbare Kräfte wirken und sich entfalten.
Das ist ein Gleichnis für das Wirken Gottes in der Welt.
Geheimnisvoll und ohne Unterlaß wirkt Gott das Heil
der Menschen. er ist der Herr, der niemals ruht, der
auch heut noch Wunder tut ... Täglich neu ist seine Gnad
über uns und allen." Auch hier, in dieser heiligen
Feier, ist Gottes Gnade über uns. Laßt uns zuvor
um sein Erbarmen bitten. P.: Erbarme Dich, Herr unser Gott,
erbarme Dich.
A.: Denn wir haben vor Dir gesündigt.
P.: Erweise Herr uns Deine Huld.
A.: Und schenke uns Dein Heil. Vergebungsbitte.
Gloria:
1. Lesung: Ez 17, 22-24
Zwischengesang:
Evangelium: Mk 4, 26-32
Predigt: 882, 1.2.3.4.5
Credo:
Fürbitten: siehe umseitig
Gabenbereitung:
Sanctus:
Agnus Dei:
Schlußlied: 882, 1+4+5