von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 02.08.09
Schwestern und Brüder!
„Ihr sucht mich, weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden
seid.“ so stellt Jesus ernüchternd fest, nachdem er – wie
wir es am letzten Sonntag gehört haben – 5000 Männer gespeist
hatte.
Sie suchen ihn nicht wegen seiner Lehre, nicht weil er ein Zeichen gewirkt
hat, das offenbart: „Gott ist da.“ Sie suchen Jesus nicht um Jesu
willen, sondern um ihres Magen willen.
Wenn sie an Jesus glauben sollen, dann müsse er sich schon mit einem
neuen Wunder vor ihren Augen beglaubigen. Also noch einmal bitte etwas für
den Magen. Mose hat das ja so auch gemacht, indem er das Manna in der Wüste
und die Wachteln von Gott erbeten hatte.
Es scheint, dass die Menschen damals nichts kapiert haben. Jesus war gut
als Prominenter, der viele anzog. Seine Show wollte man nicht verpassen. Deshalb
kam man mit. Ein Wunder zu sehen, satt zu werden, schien ja auch ganz toll.
Aber deshalb sein Leben ändern, an Gott glauben, Jesus als Jünger
nachfolgen, seine Lehre annehmen... lieber nicht.
Vielleicht erwischen wir uns gerade dabei, wie wir die Menschen von damals innerlich verurteilen. Aber auch heute geht es vielen ähnlich: die Zeremonie der Taufe als Segen Gottes für die Kinder, die Erstkommunion als Anlass für eine tolle Familienfeier, die Kirche als romantischer Ort für eine Hochzeit...ja gerne...
...aber mit den Kindern beten und in der Bibel lesen, mit ihnen und auch
dem Partner sonntags zum Gottesdienst gehen, sich ernsthaft über die
Lehre der Kirche zu informieren und danach zu handeln, sich Zeit nehmen für
das persönliche Gebet ... nee, das muss nicht sein.
Es gibt viele hierzulande – auch in Kirchhellen – die so leben.
Kirche und Jesus – na klar! – aber nur dann, wenn ich etwas davon
habe, wenn es mein Leben verschönert, mir Nutzen bringt... ab und zu
eben, wenn es mir so danach ist, wenn ich das Bedürfnis danach habe usw.
Ich stelle mir die Menschenmenge von damals vor, und ich vermute sie ist
so zusammengesetzt, wie unsere Weihnachtsgottesdienste heute:
wenige, die ganz allein wegen Jesus da sind, ihn als enge Jünger angehören
einige, die einfach mitgekommen sind, weil es die Frau, der Mann, der Freund,
die Familie so will,
einige, weil sie nichts dagegen haben, zu kommen, aber auch nicht wirklich
wissen warum: Schad ja nix!
viele, die offen sind für eine gute Botschaft, die sie erbaulich finden,
die der Atmosphäre wegen kommen... und, und, und...
Liebe Schwestern und Brüder,
ich beklage das gar nicht. Ich beschreibe es einfach.
Der Herr hat die Menge ja auch keiner Prüfung unterworfen, einer Art
Zulassungsexamen, er hat keine Eintrittskarten verkauft oder ein Security-Team
angestellt, die die ganz treuen von den eher lauen Jüngern trennt. Immerhin
sind sie ja da und haben sich z. T. auf die weite Reise gemacht, etwas in
Kauf genommen, um Jesus zu sehen.
Ich werde als Pastor auch niemand einfach mal so wegschicken, weil er oder sie sonst nicht zu treffen ist. Ich werde auch kein Bonuspunktesystem einführen für Sonntagskirchenbesucher, damit sie an Weihnachten einen Sitzplatz bekommen und der ihnen nicht von Gelegenheitschristen weggeschnappt wird. Ich darf auch nicht einfach so Eltern die Taufe ihrer Kinder verweigern oder ein Ehepaar ablehnen, wenn sie mir sagen, dass sie heiraten wollen und dem auch rechtlich nichts im Wege steht.
Ich werde aber bei der Verkündigung, der Katechese, den Gesprächen
keineswegs die Botschaft der Kirche und das Evangelium Jesu verkürzen.
Jesus hat seine Botschaft auch nicht geändert, obwohl viele sie für
viel zu anspruchsvoll hielten. Er hat keine banalen Lebensweisheiten verkündet,
wie es esoterische Autoren tun und damit eine ganze Menge Geld verdienen.
Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Das sagt Jesus auch zur Menge.
Es ist das Werk Gottes, dass Menschen an ihn glauben. Das ist nicht das Ergebnis einer supergescheiten Werbestrategie, einer wohldurchdachten Kampagne mit den besten Jüngern als Kompetenzteam. Der Glaube ist nicht machbar. So wie Berufungen zum Priester- oder Ordensstand nicht machbar sind.
Der Glaube ist ein Geschenk. Man kann ihn sich nicht verdienen. Haben sich
die Menschen damals etwa ein solches Wunder der Brotvermehrung verdient?
Haben wir etwa verdient, dass Jesus, der Sohn Gottes sich für uns hat
kreuzigen lassen?
Der Glaube an Jesus ist ein Geschenk, eine Gnade. Wer an ihn glaubt weiß das. Jesus bezeichnet sich selber als das Brot, das der Welt das Leben gibt.
Mit welchen Augen mag Jesus auf die Menge vor ihm geblickt haben, wissend,
dass sie aus den ganz unterschiedlichsten Motivationen gekommen sind?
Er wird sie mit liebenden und hoffenden Augen angeschaut haben:
- liebend, weil er für jeden und jede ans Kreuz gehen wollte, um ihnen
zu zeigen, dass Gottes Liebe zu uns Menschen aufs Ganze geht.
- hoffend, dass die Menschen diese Liebe erkennen und annehmen, sich beschenken
lassen, sich öffnen, damit das Werk Gottes geschieht, dass sie an den
glauben, den er gesandt hat.
Wer weiß denn schon, wie viele sich nach dem Wunder, nach der Begegnung mit Jesus für ihn entschieden haben, an wie vielen sich das Werk Gottes vollzogen hat?
Liebe Schwestern und Brüder,
ich wünsche uns allen in der Kirche – den Geweihten wie den Laien
– diesen Blick Jesu.
Es gibt viele Menschen, die nach einem sinnvollen Leben hungern. Das ist oft
unterschiedlich in den Lebensaltern und –situationen.
Und es ist gut, wenn sie zur Kirche kommen mit ihren Fragen und Sehnsüchten,
die oft verborgen sind. Wenn sie kommen, sind sie immerhin in irgendeiner
Weise offen für de Glauben.
Als Glieder der Kirche dürfen wir dann nicht hämisch oder hochmütig auf diese Menschen herabschauen. Wir haben uns den Glauben auch nicht verdient. Er ist uns geschenkt worden. Für dieses große Geschenk sollten wir dankbar sein und es in seinem ganzen Reichtum hegen und bewahren.
Unsere gelebte Dankbarkeit Gott und auch der Kirche gegenüber – ganz konkret im Alltag und Gottesdienst - kann Menschen offen machen für das Geschenk, das wir schon erhalten haben, für das Werk Gottes, dass wir an den glauben, den er gesandt hat.
Wenn wir nicht dankbar sind, wer denn dann? Gibt es reicher Beschenkte als uns?
