1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, es ist so ziemlich jedem
Menschen eigen, dass er ungern in der Ecke steht oder ungern
von allen verspottet wird. Wir Menschen haben eine nahezu
unstillbaren Drang nach Anerkennung und Liebe. Nun folgt daraus
ein durchaus gesunder Drang, sich beliebt zu machen.
Aber das hat auch seine Grenzen. Einmal können wir es
nicht allen gleichzeitig recht machen. Zum anderen erreicht
derjenige, der immer nur darauf aus, bei allen "lieb-Kind"
zu sein, oft das Gegenteil. "Schleimer" nennt man
solche Leute, "Rückgratlos" oder "anbiedernd".
Sympathien dadurch zu gewinnen, indem man sein Fähnchen
in den gerade herrschenden Wind hängt, bringt vielleicht
kurzfristig Erfolge; auf lange Sicht aber verliert man nicht
nur die Achtung der anderen, sondern auch die eigene Selbstachtung.
In dieser Gefahr haben auch schon immer die Christen gestanden,
zu allen Zeiten der Geschichte, aber auch jetzt, in der heutigen
Zeit. Wir Christen können nicht mehr die Lieblinge aller
Menschen sein.
Dabei haben die Christen in der Zeit nach dem Nationalsozialismus
einen hohen Stellenwert in der deutschen Gesellschaft gehabt.
Staat und Kirche waren sich in sehr vielen Punkten einig,
und die Politik hat große Hoffnung auf die christlichen
Werte gesetzt, damit sich die Katastrophe des Holocaust nicht
wiederholt. Wer Christ war, ja, auch wer Katholik war, stand
hoch im Kurs.
Das hat sich leider gewandelt, auch wenn viele es nicht wahrhaben
wollen. Wer heute noch im vollen Umfang Christ sein möchte,
stellt sich in vielen Punkten gegen die Gesellschaft. Fragen
sie sich selbst, wie stark die Meinungen auseinander gehen,
wenn Sie an Abtreibung, künstliche Empfängnisverhütung,
Ehescheidung, das Zölibat, das Beichtsakrament, die Sonntagspflicht
oder den Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche denken.
Denken Sie nur genetische Experimente, an Versuche mit menschlichen
Embryonen, an Sterbehilfe, das Recht auf Euthanasie in Holland
(schon für 12-jährige gegen den Willen der Eltern).
Entweder ich schwimme mit dem Strom der gängigen Meinung,
oder ich bin überzeugter Katholik. Beides, so müssen
wir uns immer mehr eingestehen, geht nicht mehr.
Wenn wir uns aber entschieden für unseren Glauben und
für Jesus einsetzen, verlieren wir die Achtung der Gesellschaft.
Wir werden belächelt und nicht mehr ernst genommen, wir
verlieren Sympathien und werden unglaubwürdig gemacht.
Das tut weh; das hat keiner gern; aber, liebe Schwestern und
Brüder, das ist der Normalzustand des Christen: Entweder
die Welt zu lieben oder Jesus zu folgen. Das hat Jesus ja
schon selbst erfahren. In Scharen haben sie ihn verlassen,
bis nur noch der kärgliche Rest von 12 Aposteln bei ihm
blieb. Aber Jesus bleibt bei Seiner Berufung: lieber lässt
er auch noch die 12 gehen, als dass er auf Stimmenfang geht.
Liebe Schwestern und Brüder, wer sich lieber die Sympathien
und die Liebe der Gesellschaft sichern möchte und auf
Gottes Gnaden verzichtet, wird auf Dauer beide verlieren.
Wer sich aber für ein eindeutiges Leben aus dem Glauben
entscheidet, der wird vielleicht sogar beides gewinnen. Denn
unsere Gesellschaft hat bei allem Wischiwaschi einen Hunger
nach Gradlinigkeit. In unserer Zeit sagt doch jeder nur das,
was alle hören wollen. Ein Politiker richtet sich in
dem, was er tut, so sehr nach den Meinungsumfragen, dass er
sogar bei einer Demonstration gegen seine eigene Person mitdemonstriert,
wenn's sein muss (so wie Jörg Haider in Österreich
vor einigen Jahren).
Wer glaubt, weder zum Papst, noch zur Kirche stehen zu dürfen,
weil er sonst zum Idioten gestempelt wird, versinkt letztlich
in der eigenen Profillosigkeit. Jemand aber, der sagt was
er denkt, der seine Überzeugung auch dann noch durchhält,
wenn alle ihn belächeln, der sich vor allem Gott gegenüber
Rechenschaft gibt und keine «Schulterklopfer zählt»,
der wird vielleicht auch von seinen Feinden geschätzt,
mit Sicherheit aber von seinem besten Freund: Jesus Christus.
Lassen Sie uns also gemeinsam im Glauben, Beten und Leben
Zeugnis ablegen für unseren Glauben, wie es auch schon
der sel. Karl Leisner geschrieben hat: «Christus ist
meine Leidenschaft» - nichts sonst.
Amen.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Gemeinde!
Wollt auch ihr weggehen? Diese Frage Jesu richtet
sich heute an uns über den Zeitenabstand von 2000 Jahren hinweg,
jetzt! Wollt auch ihr weggehen? So viele sind schon gegangen,
sind protestierend ausgezogen aus der Kirche, die meisten aber schweigend
einfach ferngeblieben, weggeblieben, zu Hause geblieben, nicht mehr wiedergekommen
so wie damals schon zu Jesu Zeiten und wie es immer wieder geschah
in der langen Geschichte der Kirche. Jeder so mit seinen Gründen,
immer andere: weil es zu hart zugeht in der Kirche, weil die Worte Jesu
zu hart klingen, weil die Worte des Papstes zu hart klingen, weil das
Verhalten der Geistlichen zuweilen anstößig erscheint, weil
das Verhalten der Christen insgesamt zu wünschen übrig läßt,
weil es einfach nicht mehr die Mühe zu lohnen scheint, weil es auch
ohne Gott ganz gut zu gehen scheint... Wollt auch ihr weggehen?
Hören wir diese flehende Frage Jesu noch? Ist es uns egal, was mit
der Kirche geschieht? Mit den vielen Kindern hier in Südkirchen,
die den Sonntagsgottesdienst nicht mehr kennen, obwohl sie eine lange
Kommunionvorbereitung mitgemacht haben? Mit ihren Eltern, die eine gute
christliche Praxis aufgegeben haben, die sie als Kinder noch eingeübt
hatten? Spüren wir noch den Wunsch in uns, sie zurückzuholen?
Doch dazu müssen wir uns selbst in der Kirche wohlfühlen,
dürfen nicht die anderen beneiden, die sich von den Christenpflichten
befreit haben. Wir müssen uns vor Augen führen, was wir verlieren
würden, wenn auch wir einfach weggingen. Dazu hilft uns das
Wort des Petrus, die Antwort auf die Frage Jesu. Als unbedeutender Fischer
hatte er in aller Klarheit erkannt, daß es keinen anderen Weg gibt,
außer Jesus zu folgen. Wohin sollen wir denn sonst gehen? Wohin?
Es gibt doch keinen anderen, der Worte ewigen Lebens schenkt. Es gibt
zwar viele kluge Leute, viele Meinungen, viele Ideologien und Weltverbesserungsvorschläge,
aber sie alle bauen nur auf den eigenen kläglichen, mit Finsternis
umhüllten Verstand. Königreiche erstehen und fallen, Ideologien
werden geboren und stürzen wieder zusammen, das alles ist Menschenwerk
aber Gottes Wort bleibt auf ewig bestehen. So gesehen, gibt es
nichts Vernünftigeres, als zu glauben und treu zu bleiben. Wer glaubt,
der baut auf den festesten Grund, der in Ewigkeit nicht wanken wird. Und
dennoch ist Glauben schwer, weil wir eben so oft nichts davon spüren,
weil unser Verstand nicht nachkommt, weil so oft keine Hochstimmung da
ist, und auch weil viele unserer Bekannten weggegangen sind. Sollten wir
es ihnen gleichtun und den Glauben wegwerfen? Nur wohin könnten wir
dann gehen? Uns bleibt letztlich doch nur die Antwort des Petrus: Nein,
wir bleiben bei dir, denn du allein hast Worte ewigen Lebens. Wenn
wir davon zutiefst überzeugt sind, dann können wir es auch den
anderen glaubhaft machen, die weggegangen sind oder die noch gar nicht
richtig angekommen sind. Es ist ja vielfach einfach Unwissenheit, religiöse
Unwissenheit, die Menschen von den Quellen des ewigen Lebens fernhält.
Nur wenige Christen sind über einen Kinderglauben hinausgekommen,
und die heutigen Kinder wissen noch weniger. Wie können sie da Jesus
als ihren Freund erkennen, für den es sich lohnt zu leben und sogar
zu sterben? Und es gibt ja auch nicht sehr viele Vorbilder, an die man
sich halten kann, Menschen, die die Freundschaft mit Jesus authentisch
vorleben. In einer immer stärker säkularisierten Gesellschaft
fehlt es an Einübungsfeldern für den Glauben, an Orten des Glaubens.
Immer seltener ist die Familie ein solcher Ort des Glaubens. Wo früher
gebetet oder über den Glauben gesprochen wurde, da läuft heute
der Fernseher. Bei jedem Tauf- und Brautgespräch rede ich über
die Notwendigkeit, dem Glauben eine feste Gestalt im Familienleben zu
geben, feste Gewohnheiten im Laufe des Tages auszubilden, die dem religiösen
Leben Ausdruck verleihen, v.a. das Tischgebet. Und ich stelle immer wieder
fest, daß die jungen Leute interessiert und wohlwollend zuhören.
Aber wenn ich der einzige bleibe, der darauf hinweist, dann wird dabei
wohl nichts herauskommen. Eine einzelne Stimme ist zu schwach im großen
Konzert der Meinungen. Darum bitte ich Sie dringend: Erheben auch Sie
Ihre Stimme! Geben Sie Zeugnis von Ihrem Glauben und davon, wie Sie ihn
gelernt haben! Oder wollen auch Sie weggehen?
Gott, unser Vater, dein Sohn hat seine Apostel gefragt: «Wollt
auch ihr gehen?» Vater, wir bitten Dich:
-
Gib uns Mut und Ausdauer, im Glauben und in der Liebe
standhaft zu bleiben.
-
Schenke uns die Klarheit des Verstandes, den Verlockungen
und Irrwegen der heutigen Zeit erfolgreich zu widerstehen.
-
Bleibe bei uns mit Deiner Liebe und Hoffnung, dass wir
auch in Not und Verfolgung die Zuversicht und Freude nicht
verlieren.
-
Stehe allen Christen in der ganzen Welt bei, besonders
den Priestern, Bischöfen und Missionaren, dass sie
immer treu zur Frohen Botschaft Deiner Sohnes stehen.
-
Stärke alle Einsamen, Verlassenen und Mutlosen,
die sich in ihrem Glauben alleingelassen fühlen,
in der Begegnung mit gläubigen Menschen.
-
Nimm unsere Verstorbenen, die bis zu ihrem Tod an Dir
festgehalten haben, auf in Deine Herrlichkeit. Wir feiern
diesen Gottesdienst...
Vater, Du zeigst uns den Weg, den wir gehen sollen. Dir sei
Lob und Ehre, mit Deinem Sohn im Heiligen Geist, jetzt und
in alle Ewigkeit. Amen.
Einzug: 462, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 476
Lesung: Jos 24, 1-2a.15-17.18b
Zwischengesang: 643, 1 - 3
Evangelium: Joh 6, 60-69
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 304
Sanctus: 988
Agnus Dei: 989
Danksagung: Orgel
Schluss: 843, 1