1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
«Nächstenliebe beginnt heute.
Heute leidet jemand.
Heute ist jemand auf der Straße.
Heute hat jemand Hunger.
Heute müssen wir uns einsetzen.
Gestern ist vorbei -
Morgen ist noch nicht da -
Nur HEUTE können wir Gott bekannt machen,
indem wir lieben, dienen, Hungernde speisen, Nackte kleiden,
Armen ein Dach über den Kopf besorgen.
Warte nicht bis morgen! - Morgen werden sie tot sein,
wenn wir ihnen heute nichts geben.»
Diese Sätze stammen aus einem Brief von Mutter Teresa
an Prälat Poll.
Sich der Schwächsten annehmen - das ist die Aufgabe
der kirchlichen Caritas. Wir feiern diesen Sonntag als Caritassonntag;
aber damit feiern wir nicht die kirchliche Organisation, sondern
unsere Berufung zur Nächstenliebe. Die Caritas - die
Nächstenliebe - darf nie eine kirchliche Nebenbeschäftigung
sein, sondern Mus das Herz der Kirche ausmachen. Zusammen
mit den anderen beiden Diensten der Kirche (Der Gottesdienst
und dem Verkündigungsdienst) dürfen wir nie vergessen,
dass es Gott immer nur um den ganzen Menschen geht, nie nur
um die Seele allein - und auch nie nur um leiblichen Wohlstand.
Die Kirche hat sich immer um diese ganzheitliche Sicht bemüht:
Sie hat gesagt, dass es leibliche, aber auch geistige Werke
der Barmherzigkeit gibt; sie hat gesagt, dass es wichtig ist,
die Unwissenden zu lehren, aber auch, den Hunger ihres Leibes
zu stillen.
(Wersen: Zeugen Jehovas. Halverde: Die kleine Julia)
Im Evangelium hat Petrus eine seiner Sternstunden: Er erkennt
und formuliert zum ersten Mal, das Jesus der Christus, der
Messias, ist. Im Lukas Evangelium sagt Jesus daraufhin: «Selig
bist, Simon Bar Jona!» Der Glaube beim Petrus war schon
in Ordnung. Aber wenig später muss sich Petrus einen
derben Rüffel gefallen lassen. Als Jesus den Aposteln
von seinem Auftrag berichtet, für alle Menschen sein
Leben zu lassen, setzt sich der Egoismus bei Petrus durch:
«Nein, ich will Dich nicht verlieren. Es soll alles
so bleiben, wie es ist.» Petrus möchte Jesus nicht
abgeben.
Und da weist Jesus ihn zurecht. Petrus hat vieles verstanden,
aber in dem, was er tut, ist er noch schwach. Was aber nutzt
der Glaube, wenn er keine Werke aufzuweisen vermag? Was nutzt
uns eine saubere Theologie, wenn sie untätig bleibt?
Jeder Gottesdienst verbindet uns mit Gott, aber diese Verbindung
muss sich bewähren in dem, was wir gleich anschließend,
draußen in der Welt, tun. Haben wir ein Herz für
die Armen? Geben wir? Von unserem Glauben, unseren Gefühlen
und unserer Zeit? Von unseren Wünschen und Plänen?
Interessant ist, wie Jesus seinen Petrus zurechtweist. In
der deutschen Übersetzung heißt es: Weg mit Dir,
Satan, geh mir aus den Augen! Im Original aber steht da: Folge
mir nach! Das gleiche Wort, mit dem Jesus die Jünger
berufen hat. Jesus beschimpft uns nicht, wenn wir mal wieder
zu sehr an dem Irdischen kleben. Nein, er beruft uns erneut
in seine Nachfolge; er drückt seine Wertschätzung
für Petrus und für uns aus; allerdings sollte unsere
Nachfolge darin bestehen, dass wir den Weg Jesu gehen und
nicht unsere eigenen Weg. Und der Weg Jesu ist der Weg des
Dienstes, der Weg zum Kreuz.
Caritas, liebe Schwestern und Brüder, als Dienst an
den Menschen kann darin bestehen, dass sie das Caritas-Werk
finanziell oder mit ihrem Gebet unterstützen, indem sie
zu Mitarbeitern in der Gemeindecaritas werden. Caritas lebt
aber nur dort, wo sie dem Nächsten, dem Sie tagtäglich
begegnen, das Gefühl und die Gewissheit geben, dass er
beachtet wird, dass Sie Kenntnis von ihm nehmen, dass Sie
Sympathie für ihn hegen, einfach weil er Mit-Mensch,
Mensch mit uns, ist. So sagt es Mutter Teresa: (s.o., fettgedrucktes).
Amen.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Gemeinde!
In Indien wurde einmal ein Mädchen, das seinen kleinen Bruder bergauf
trug, gefragt: Wird dir die Last nicht zu schwer? Das
ist keine Last, antwortete das Mädchen, das ist mein
Bruder. In diesen kurzen Worten kommt sehr schön zum Ausdruck,
was Nächstenliebe ist. Sie ist keine Kraftanstrengung, die auch noch
zu leisten ist und gerade noch geschultert werden kann. Nächstenliebe
ist nicht zuerst eine Tat, sondern eine Einstellung, eine innere Haltung,
die dem Tun vorausgeht und ihm die Seele gibt.
Am heutigen Caritassonntag werden wir daran erinnert, daß die Liebe
zum Nächsten aufs engste mit der Liebe zu Gott zusammenhängt.
Der Jakobusbrief spricht dies unmißverständlich aus: Meine
Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber
es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? (Jak 2,14)
Glaube ohne Werke ist toter Glaube (Jak 2,17), im Grunde bloß geheuchelt,
denn der Glaube kommt in der Liebe zur Wirksamkeit (Gal 5,6).
Und wo es an dieser Frucht fehlt, da ist auch das ganze Gewächs nichts
wert.
Der Papst macht in seiner Enzyklika sehr eindringlich auf die Einheit
von Gottes- und Nächstenliebe aufmerksam. Er geht aus von der Frage:
Können wir Gott überhaupt lieben, den wir doch nicht sehen?
(DCE n. 16) Dazu zitiert er aus dem 1. Johannesbrief: Wenn jemand
sagt: Ich liebe Gott', aber seinen Bruder haßt, ist
er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht,
kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. (1 Joh 4, 20) Er erklärt
dazu, daß die Nächstenliebe ein Weg ist, auch Gott zu
begegnen, und daß die Abwendung vom Nächsten auch für
Gott blind macht. In dem Beispiel von eben: Das Mädchen, das
seinen Bruder aus Liebe trägt, begegnet in ihrem Tun dem lebendigen
Gott, der die Liebe selbst ist. Es lernt die Gottesliebe in der konkreten
Liebe zum Nächsten, zum Bruder.
Und umgekehrt: der Bruder spürt in der Liebe seiner Schwester die
Liebe Gottes. Gott geht wie der Papst sagt durch Menschen
immer neu auf uns zu; er geht also in dem Mädchen auf
den kleinen Jungen zu und trägt ihn, indem das Mädchen ihn trägt.
Das Mädchen empfindet seinen Bruder nicht als Last. Das Tragen ist
keine Zumutung, nichts äußerlich Auferlegtes, vielmehr eine
Tat, die aus dem Innern seines Herzens herauskommt. So ist das Ideal der
Liebe: daß die Pflichten leicht werden, keine äußerlichen
Gebote mehr sind, daß der Wille desjenigen, den ich liebe, mit meinem
Willen eins wird, so daß ich gern tue, was der andere von mir erwartet
bzw. wozu mich meine Verantwortung aufruft. Genauso ist aber auch das
Ideal der Gottesliebe: daß so schreibt der Papst: der
Wille Gottes nicht mehr ein Fremdwille ist für mich, den mir Gebote
von außen auferlegen, sondern mein eigener Wille aus der Erfahrung
heraus, daß in der Tat Gott mir innerlicher ist als ich mir selbst.
Dann wächst Hingabe an Gott. Dann wird Gott mein Glück.
(DCE n. 17)
Es gibt somit einen Weg von der Nächstenliebe zur Gottesliebe, aber
es gibt ebenso einen Weg von der Gottesliebe zur Nächstenliebe
beide stehen in einer notwendigen Wechselwirkung. Ich zitiere:
Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann
kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche
Bild in ihm nicht erkennen. (DCE n. 18) Denn Nächstenliebe
heißt ja, dem anderen den Blick der Liebe geben, und
das ist so gut wie unmöglich bei Mitmenschen, die ich kaum kenne
oder die mir wenig sympathisch sind. Dann muß ich von Gott
her lieben, aus der Perspektive Jesu Christi heraus,
der jeden Menschen als Freund annimmt. Dann kann auch der Fremde wie ein
Bruder, wie eine Schwester, wie ein Freund werden, denn sein Freund
ist mein Freund. Oder wie Jesus einmal gesagt hat: Was ihr
dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
(Mt 25,40)
Und wieder umgekehrt ich zitiere wieder: Wenn ich aber die
Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur fromm
sein möchte, nur meine religiösen Pflichten tun,
dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch korrekt,
aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen,
ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber.
Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür,
was Gott für mich tut und wie er mich liebt.
Liebe wächst
durch Liebe.
Mit diesen Gedanken beschließt der Papst den ersten Teil seiner
Enzyklika, um im zweiten Teil auf das Liebestun der Kirche, die Caritas,
einzugehen. Hierauf komme ich vielleicht später noch einmal zurück.
Aber mir scheint heute ein aktueller Hinweis angebracht: Der Papst hat
in einer Vorlesung in Regensburg in Glaubenssachen Frieden und Gewaltlosigkeit
angemahnt und einen mittelalterlichen Kaiser zitiert, der die Frage gestellt
hat, welchen Beitrag der Islam dazu gegeben hat und heute gibt. Dem Kaiser
Manuel ging es in seinem damaligen Dialog mit einem persischen Muslimen
um die christliche Einsicht, daß Gewalt im Widerspruch zum Wesen
Gottes und zum Wesen der Seele steht. Diese Einsicht, die sich aus dem
Doppelgebot der Liebe ergibt, vermißt er bei Mohammed. Dieser dachte
und handelte aus der Vorstellung, daß Gott sich mit seiner Allmacht
durchsetzt und daß folglich derjenige, der Gott auf seiner Seite
weiß, auch Gewalt anwenden darf, um der Wahrheit Raum zu geben.
Jesus jedoch hat dieser Denkungsart widersprochen und Gott als einen Gott
der Liebe gepredigt. Der Papst zitiert den Kaiser: Zeig mir doch,
was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes
finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er
predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Diese Kritik am Djihad,
am Heiligen Krieg, also an der Durchsetzung religiöser Überzeugungen
mit Gewalt und Terror, war damals berechtigt und ist auch heute nicht
weniger legitim. Es ist eine Tatsache, daß der Koran den Heiligen
Krieg empfiehlt und daß Mohammed selbst aus diesem Geist heraus
Gewalt ausgeübt hat. Hierauf hinzuweisen, ist keine Beleidigung Mohammeds
und der Muslime wie es z.B. die Karikaturen gewesen sind, vielmehr
ein Appell an den guten Willen aller Menschen, sich nachdrücklich
von Terror und Gewalt zu distanzieren. Gerade die verbrecherischen Terroranschläge
der letzten fünf Jahre beweisen die Notwendigkeit, daß insbesondere
die führenden Religionsvertreter Gewalt im Namen Gottes ächten.
Dies zeigen um so mehr die gewaltsamen Reaktionen, die aus dem von Papst
Benedikt beklagten Ungeist stammen und von Menschen geschürt werden,
die Freude an Chaos, Krieg und Gewalt haben. Wir dürfen uns von diesen
verbrecherischen Freunden des modernen Djihad nicht einschüchtern
lassen, dürfen nicht tolerieren, daß der Papst als der Bote
des Friedens und der Liebe von Predigern des Hasses zum Schweigen gebracht
wird.
Herr Jesus Christus, Du bist Mensch geworden, um uns mit
Leib und Seele zum Heil zu führen. Dich bitten wir:
-
Schenke allen Hungernden genügend Nahrung zum Leben;
uns aber zeige Wege zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel.
-
Schenke allen Verdurstenden das Wasser, das sie zum Leben
brauchen; uns aber zeige Wege, wie wir zur Quelle des
Friedens in der Welt werden können.
-
Schenke allen Obdachlosen, Flüchtlingen und Heimatlosen
einen Ort, der ihnen Schutz und Geborgenheit bietet; uns
aber zeige Wege, wie wir anderen zur Heimat werden können.
-
Schenke allen Verletzten, Kranken und Sterbenden Menschen
die ausreichende medizinische und menschliche Unterstützung;
und zeige uns Wege, wie wir die Hoffnung für die
Welt leben können.
-
Schenke unseren Verstorbenen die Erfüllung ihrer
Hoffnung im ewigen Hochzeitsmahl; uns aber stärke
im Glauben an Deine Verheißungen. (Wir feiern diesen
Gottesdienst...)
Herr Jesus Christus, Dir liegen alle Menschen am Herzen.
Zeige uns Wege, sie zu Dir führen. Entzünde in unseren
Herzen Deine Liebe, damit du selbst in uns wirken kannst.
Dich loben und preisen wir in alle Ewigkeit. Amen.
Einzug: 290, 1 + 2
Einführung:
Gott sagt JA zu uns, damit wir uns selbst und den Mitmenschen
annehmen können. Aus diesem Glauben heraus hat der Priester
Lorenz Werthmann vor über 100 Jahren den Deutschen Caritasverband
gegründet.
Heute, am Caritassonntag, erinnern wir uns an unsere persönliche
Verpflichtung: Die Not des Mitmenschen sehen und uns in Achtung
und Liebe ihm zuwenden. Diese Aufgabe ginge über unsere
Kraft, wenn wir nicht wüssten, dass Christus da ist:
Er lebt in unserer Mitte und macht uns fähig zu dieser
Liebe. Er begegnet uns heute in diesem Gottesdienst und stärkt
uns für den Dienst am Nächsten mit seinem Wort und
Seinem Erbarmen.
Kyrie: 436 (nicht anzeigen)
Gloria: 456
2. Lesung: Jak 2, 14-18
Zwischengesang: 848, 1 + 2
Evangelium: Mk 9, 30-37
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 620
Sanctus: 459
Agnus Dei: 470
Schluss: 595, 1 + 4