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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 24. Sonntag im Jahreskreis
1. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

«Nächstenliebe beginnt heute.
Heute leidet jemand.
Heute ist jemand auf der Straße.
Heute hat jemand Hunger.
Heute müssen wir uns einsetzen.
Gestern ist vorbei -
Morgen ist noch nicht da -
Nur HEUTE können wir Gott bekannt machen,
indem wir lieben, dienen, Hungernde speisen, Nackte kleiden,
Armen ein Dach über den Kopf besorgen.

Warte nicht bis morgen! - Morgen werden sie tot sein,
wenn wir ihnen heute nichts geben.»

Diese Sätze stammen aus einem Brief von Mutter Teresa an Prälat Poll.

Sich der Schwächsten annehmen - das ist die Aufgabe der kirchlichen Caritas. Wir feiern diesen Sonntag als Caritassonntag; aber damit feiern wir nicht die kirchliche Organisation, sondern unsere Berufung zur Nächstenliebe. Die Caritas - die Nächstenliebe - darf nie eine kirchliche Nebenbeschäftigung sein, sondern Mus das Herz der Kirche ausmachen. Zusammen mit den anderen beiden Diensten der Kirche (Der Gottesdienst und dem Verkündigungsdienst) dürfen wir nie vergessen, dass es Gott immer nur um den ganzen Menschen geht, nie nur um die Seele allein - und auch nie nur um leiblichen Wohlstand. Die Kirche hat sich immer um diese ganzheitliche Sicht bemüht: Sie hat gesagt, dass es leibliche, aber auch geistige Werke der Barmherzigkeit gibt; sie hat gesagt, dass es wichtig ist, die Unwissenden zu lehren, aber auch, den Hunger ihres Leibes zu stillen.

(Wersen: Zeugen Jehovas. Halverde: Die kleine Julia)
Im Evangelium hat Petrus eine seiner Sternstunden: Er erkennt und formuliert zum ersten Mal, das Jesus der Christus, der Messias, ist. Im Lukas Evangelium sagt Jesus daraufhin: «Selig bist, Simon Bar Jona!» Der Glaube beim Petrus war schon in Ordnung. Aber wenig später muss sich Petrus einen derben Rüffel gefallen lassen. Als Jesus den Aposteln von seinem Auftrag berichtet, für alle Menschen sein Leben zu lassen, setzt sich der Egoismus bei Petrus durch: «Nein, ich will Dich nicht verlieren. Es soll alles so bleiben, wie es ist.» Petrus möchte Jesus nicht abgeben.

Und da weist Jesus ihn zurecht. Petrus hat vieles verstanden, aber in dem, was er tut, ist er noch schwach. Was aber nutzt der Glaube, wenn er keine Werke aufzuweisen vermag? Was nutzt uns eine saubere Theologie, wenn sie untätig bleibt? Jeder Gottesdienst verbindet uns mit Gott, aber diese Verbindung muss sich bewähren in dem, was wir gleich anschließend, draußen in der Welt, tun. Haben wir ein Herz für die Armen? Geben wir? Von unserem Glauben, unseren Gefühlen und unserer Zeit? Von unseren Wünschen und Plänen?

Interessant ist, wie Jesus seinen Petrus zurechtweist. In der deutschen Übersetzung heißt es: Weg mit Dir, Satan, geh mir aus den Augen! Im Original aber steht da: Folge mir nach! Das gleiche Wort, mit dem Jesus die Jünger berufen hat. Jesus beschimpft uns nicht, wenn wir mal wieder zu sehr an dem Irdischen kleben. Nein, er beruft uns erneut in seine Nachfolge; er drückt seine Wertschätzung für Petrus und für uns aus; allerdings sollte unsere Nachfolge darin bestehen, dass wir den Weg Jesu gehen und nicht unsere eigenen Weg. Und der Weg Jesu ist der Weg des Dienstes, der Weg zum Kreuz.

Caritas, liebe Schwestern und Brüder, als Dienst an den Menschen kann darin bestehen, dass sie das Caritas-Werk finanziell oder mit ihrem Gebet unterstützen, indem sie zu Mitarbeitern in der Gemeindecaritas werden. Caritas lebt aber nur dort, wo sie dem Nächsten, dem Sie tagtäglich begegnen, das Gefühl und die Gewissheit geben, dass er beachtet wird, dass Sie Kenntnis von ihm nehmen, dass Sie Sympathie für ihn hegen, einfach weil er Mit-Mensch, Mensch mit uns, ist. So sagt es Mutter Teresa: (s.o., fettgedrucktes). Amen.

2. Predigtvorschlag

(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)

Liebe Gemeinde!

In Indien wurde einmal ein Mädchen, das seinen kleinen Bruder bergauf trug, gefragt: „Wird dir die Last nicht zu schwer?“ – „Das ist keine Last“, antwortete das Mädchen, „das ist mein Bruder“. In diesen kurzen Worten kommt sehr schön zum Ausdruck, was Nächstenliebe ist. Sie ist keine Kraftanstrengung, die auch noch zu leisten ist und gerade noch geschultert werden kann. Nächstenliebe ist nicht zuerst eine Tat, sondern eine Einstellung, eine innere Haltung, die dem Tun vorausgeht und ihm die Seele gibt.

Am heutigen Caritassonntag werden wir daran erinnert, daß die Liebe zum Nächsten aufs engste mit der Liebe zu Gott zusammenhängt. Der Jakobusbrief spricht dies unmißverständlich aus: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“ (Jak 2,14) Glaube ohne Werke ist toter Glaube (Jak 2,17), im Grunde bloß geheuchelt, denn der Glaube „kommt in der Liebe zur Wirksamkeit“ (Gal 5,6). Und wo es an dieser Frucht fehlt, da ist auch das ganze Gewächs nichts wert.

Der Papst macht in seiner Enzyklika sehr eindringlich auf die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe aufmerksam. Er geht aus von der Frage: „Können wir Gott überhaupt lieben, den wir doch nicht sehen?“ (DCE n. 16) Dazu zitiert er aus dem 1. Johannesbrief: „Wenn jemand sagt: ‚Ich liebe Gott’', aber seinen Bruder haßt, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht“. (1 Joh 4, 20) Er erklärt dazu, „daß die Nächstenliebe ein Weg ist, auch Gott zu begegnen, und daß die Abwendung vom Nächsten auch für Gott blind macht.“ In dem Beispiel von eben: Das Mädchen, das seinen Bruder aus Liebe trägt, begegnet in ihrem Tun dem lebendigen Gott, der die Liebe selbst ist. Es lernt die Gottesliebe in der konkreten Liebe zum Nächsten, zum Bruder.

Und umgekehrt: der Bruder spürt in der Liebe seiner Schwester die Liebe Gottes. Gott geht – wie der Papst sagt – „durch Menschen“ immer neu „auf uns zu“; er geht also in dem Mädchen auf den kleinen Jungen zu und trägt ihn, indem das Mädchen ihn trägt.

Das Mädchen empfindet seinen Bruder nicht als Last. Das Tragen ist keine Zumutung, nichts äußerlich Auferlegtes, vielmehr eine Tat, die aus dem Innern seines Herzens herauskommt. So ist das Ideal der Liebe: daß die Pflichten leicht werden, keine äußerlichen Gebote mehr sind, daß der Wille desjenigen, den ich liebe, mit meinem Willen eins wird, so daß ich gern tue, was der andere von mir erwartet bzw. wozu mich meine Verantwortung aufruft. Genauso ist aber auch das Ideal der Gottesliebe: daß – so schreibt der Papst: „der Wille Gottes nicht mehr ein Fremdwille ist für mich, den mir Gebote von außen auferlegen, sondern mein eigener Wille aus der Erfahrung heraus, daß in der Tat Gott mir innerlicher ist als ich mir selbst. Dann wächst Hingabe an Gott. Dann wird Gott mein Glück.“ (DCE n. 17)

Es gibt somit einen Weg von der Nächstenliebe zur Gottesliebe, aber es gibt ebenso einen Weg von der Gottesliebe zur Nächstenliebe – beide stehen in einer „notwendigen Wechselwirkung“. Ich zitiere: „Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche Bild in ihm nicht erkennen.“ (DCE n. 18) Denn Nächstenliebe heißt ja, dem anderen „den Blick der Liebe“ geben, und das ist so gut wie unmöglich bei Mitmenschen, die ich kaum kenne oder die mir wenig sympathisch sind. Dann muß ich „von Gott her lieben“, „aus der Perspektive Jesu Christi heraus“, der jeden Menschen als Freund annimmt. Dann kann auch der Fremde wie ein Bruder, wie eine Schwester, wie ein Freund werden, denn „sein Freund ist mein Freund.“ Oder wie Jesus einmal gesagt hat: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Und wieder umgekehrt – ich zitiere wieder: „Wenn ich aber die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur ‚fromm’ sein möchte, nur meine ‚religiösen Pflichten’ tun, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch ‚korrekt’, aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. … Liebe wächst durch Liebe.“

Mit diesen Gedanken beschließt der Papst den ersten Teil seiner Enzyklika, um im zweiten Teil auf das Liebestun der Kirche, die Caritas, einzugehen. Hierauf komme ich vielleicht später noch einmal zurück. Aber mir scheint heute ein aktueller Hinweis angebracht: Der Papst hat in einer Vorlesung in Regensburg in Glaubenssachen Frieden und Gewaltlosigkeit angemahnt und einen mittelalterlichen Kaiser zitiert, der die Frage gestellt hat, welchen Beitrag der Islam dazu gegeben hat und heute gibt. Dem Kaiser Manuel ging es in seinem damaligen Dialog mit einem persischen Muslimen um die christliche Einsicht, daß Gewalt im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele steht. Diese Einsicht, die sich aus dem Doppelgebot der Liebe ergibt, vermißt er bei Mohammed. Dieser dachte und handelte aus der Vorstellung, daß Gott sich mit seiner Allmacht durchsetzt und daß folglich derjenige, der Gott auf seiner Seite weiß, auch Gewalt anwenden darf, um der Wahrheit Raum zu geben. Jesus jedoch hat dieser Denkungsart widersprochen und Gott als einen Gott der Liebe gepredigt. Der Papst zitiert den Kaiser: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Diese Kritik am Djihad, am Heiligen Krieg, also an der Durchsetzung religiöser Überzeugungen mit Gewalt und Terror, war damals berechtigt und ist auch heute nicht weniger legitim. Es ist eine Tatsache, daß der Koran den Heiligen Krieg empfiehlt und daß Mohammed selbst aus diesem Geist heraus Gewalt ausgeübt hat. Hierauf hinzuweisen, ist keine Beleidigung Mohammeds und der Muslime – wie es z.B. die Karikaturen gewesen sind, vielmehr ein Appell an den guten Willen aller Menschen, sich nachdrücklich von Terror und Gewalt zu distanzieren. Gerade die verbrecherischen Terroranschläge der letzten fünf Jahre beweisen die Notwendigkeit, daß insbesondere die führenden Religionsvertreter Gewalt im Namen Gottes ächten. Dies zeigen um so mehr die gewaltsamen Reaktionen, die aus dem von Papst Benedikt beklagten Ungeist stammen und von Menschen geschürt werden, die Freude an Chaos, Krieg und Gewalt haben. Wir dürfen uns von diesen verbrecherischen Freunden des modernen Djihad nicht einschüchtern lassen, dürfen nicht tolerieren, daß der Papst als der Bote des Friedens und der Liebe von Predigern des Hasses zum Schweigen gebracht wird.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist Mensch geworden, um uns mit Leib und Seele zum Heil zu führen. Dich bitten wir:

  • Schenke allen Hungernden genügend Nahrung zum Leben; uns aber zeige Wege zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel.

  • Schenke allen Verdurstenden das Wasser, das sie zum Leben brauchen; uns aber zeige Wege, wie wir zur Quelle des Friedens in der Welt werden können.

  • Schenke allen Obdachlosen, Flüchtlingen und Heimatlosen einen Ort, der ihnen Schutz und Geborgenheit bietet; uns aber zeige Wege, wie wir anderen zur Heimat werden können.

  • Schenke allen Verletzten, Kranken und Sterbenden Menschen die ausreichende medizinische und menschliche Unterstützung; und zeige uns Wege, wie wir die Hoffnung für die Welt leben können.

  • Schenke unseren Verstorbenen die Erfüllung ihrer Hoffnung im ewigen Hochzeitsmahl; uns aber stärke im Glauben an Deine Verheißungen. (Wir feiern diesen Gottesdienst...)

Herr Jesus Christus, Dir liegen alle Menschen am Herzen. Zeige uns Wege, sie zu Dir führen. Entzünde in unseren Herzen Deine Liebe, damit du selbst in uns wirken kannst. Dich loben und preisen wir in alle Ewigkeit. Amen.

Liedvorschläge (GL Bistum Münster)

Einzug: 290, 1 + 2

Einführung:
Gott sagt JA zu uns, damit wir uns selbst und den Mitmenschen annehmen können. Aus diesem Glauben heraus hat der Priester Lorenz Werthmann vor über 100 Jahren den Deutschen Caritasverband gegründet.
Heute, am Caritassonntag, erinnern wir uns an unsere persönliche Verpflichtung: Die Not des Mitmenschen sehen und uns in Achtung und Liebe ihm zuwenden. Diese Aufgabe ginge über unsere Kraft, wenn wir nicht wüssten, dass Christus da ist: Er lebt in unserer Mitte und macht uns fähig zu dieser Liebe. Er begegnet uns heute in diesem Gottesdienst und stärkt uns für den Dienst am Nächsten mit seinem Wort und Seinem Erbarmen.

Kyrie: 436 (nicht anzeigen)

Gloria: 456

2. Lesung: Jak 2, 14-18
Zwischengesang: 848, 1 + 2

Evangelium: Mk 9, 30-37
Credo: sprechen

Gabenbereitung: 620

Sanctus: 459

Agnus Dei: 470

Schluss: 595, 1 + 4