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Predigt, Fürbitten und Lieder zum 27. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Was aber Gott verbunden hat, dass darf der Mensch nicht trennen.
Deutliche Worte, liebe Schwestern und Brüder, die der Herr im Evangelium
spricht.
Die Haltung Jesu zur Ehe und zur Scheidung sind eindeutig. Daran gibt
es nichts zu deuteln: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine
andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht
Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen
heiratet. Ehebruch - das ist ein schwerwiegender Verstoß gegen die
Weisung Gottes. "Du sollst nicht die Ehe brechen!" heißt es in den
Zehn Geboten, deren Einhaltung Garant für ein Leben nach Gottes Willen
ist, für ein gelingendes Leben hier auf Erden und in der zukünftigen
Welt.
Was aber ist eigentlich die Ehe? Warum ist der Ehebruch ein so schwerwiegender
Verstoß, eine schwere Sünde?
In der Lesung aus dem Buch Genesis haben wir gehört, das Gott den
Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Beide sollen einander ergänzen,
beide sind aufeinander angewiesen. Man muss also sagen, dass Gott der
Urheber der Ehe ist. Die Ehe ist nicht ein rein weltlich Ding, von Menschen
allein ausgedacht. Es geht bei der Ehe nicht nur um Zügelung der
sexuellen Triebe, um die Erlangung eine anderen Steuerklasse, um Altersicherung
durch Kinder. Nein, bei der Ehe geht es auch um Gott. Schließlich
hat er sie eingesetzt. Die Ehe ist ein Abbild der Treue Gottes zu uns
Menschen. Gott hat vorbehaltlos zu uns JA gesagt. Er ist seinem Bund mit
uns immer treu geblieben, obwohl der Mensch sich immer wieder den Geboten
Gottes widersetzt hat, sich des Bundes mit ihm nicht würdig erwies.
Gott ging in seiner Treue sogar soweit, dass er seinen Sohn in die Welt
gesandt hat. Obwohl die Menschen ihn kreuzigten und töteten, blieb
er uns treu und hat uns nicht verstoßen. Vielmehr hat er uns im
Tod und in der Auferstehung seines Sohnes gezeigt, wie sehr er uns liebt.
Ohne Gottes Treue zu uns könnten wir nicht leben, hätten wir
keine Hoffnung auf Erlösung. Ohne vorbehaltlose Treue können
auch die Eheleute nicht leben. Diese Treue zueinander kann durchaus auf
eine harte Probe gestellt werden, kann zu einem Kreuz werden. Das weiß
ich aus der Tätigkeit als Seelsorger ziemlich genau.
Ich weiß aber auch, dass das Jawort von Mann und Frau zueinander
kaum Bestand haben kann, wenn der Zusatz "bis der Tod uns scheidet" nicht
mitgesprochen wird. Ein Jawort mit Hintertürchen ist kein Ja, sondern
ein Jein. Darauf aber lässt sich kein gemeinsames Leben bauen. Ein
Jawort mit Hintertürchen, ein Ja "bis ich es mir anders überlege"
führt letztlich zu Misstrauen und Eifersucht, führt zu einem
leichtfertigen Umgang mit der Treue des Partners. Ein solche Ja mit Hintertürchen
widerspricht zutiefst der christlichen Lehre von der Ehe, die mit der
Hl. Schrift sagt, dass Mann und Frau in der Ehe ein Fleisch sind, untrennbar
miteinander verbunden, so wie Gott sich mit uns Menschen unzertrennbar
verbunden hat.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen... Wer
seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht
ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie
ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.
Diese Worte Jesu verpflichten die Kirche und jeden von uns, alles zu
benennen, was der Würde und dem Wesen der Ehe widerspricht. Den Worten
des heutigen Evangeliums entsprechend kann die Kirche die Ehe von wiederverheirateten
Geschiedenen nicht als gültig anerkennen, insofern die vorherige
Eheschließung gültig war. Das hieße nämlich zwei
Ehen gleichzeitig zu führen. Weil diese Situation dem Gebot Gottes,
seinem Bund mit uns offensichtlich widerspricht, können wiederverheiratete
Geschiedene das Zeichen des Neuen Bundes, die Hl. Kommunion nicht empfangen
und bestimmte Aufgaben in der Kirche nicht übernehmen. Ich weiß,
dass ich mich mit diesen Worten nicht sonderlich beliebt mache. Aber es
ist meine Pflicht und Schuldigkeit, die Lehre der Kirche darzustellen,
damit Sie, die Gläubigen, wissen woran Sie sind und an der Lehre
der Kirche Ihr Gewissen ausrichten können.
Ich weiß, wie viele pastorale und menschliche Probleme durch diese
Lehre entstehen können. Aber die Worte Jesu sind für die Kirche
und auch für mich persönlich unzweifelhaft: Wer seine Frau aus
der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber
Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der
Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Da, wo christliche Ehen
in den Augen der Partner gescheitert sind, bietet die Kirche ein sogenanntes
Ehenichtigkeitsverfahren an. Dabei geht es nicht um die Scheidung einer
bestehenden Ehe, sondern um die Feststellung, dass die notwendigen Voraussetzungen
für eine katholische Ehe zu Zeit der Eheschließung nicht bestanden
haben. Wird die Nichtigkeit einer Ehe festgestellt, sind die Partner wieder
frei, eine neue Bindung einzugehen.
Aus Gesprächen mit den beteiligten Richtern und Anwälten, unter
denen ich einige Freunde habe, weiß ich, dass weit mehr als die
Hälfte der Fälle positiv beschieden werden. Strenge Vertraulichkeit
und ein hohes Maß an menschlicher Rücksichtnahme sind allen
Beteiligten ein großes Anliegen.
Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen... Wer
seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht
ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie
ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet. Diese
Worte Jesu gehen nicht so leicht runter, ja können schwer im Magen
liegen.
Eine solche Ehe zu führen scheint heute fast unmöglich zu sein.
Mit Gottes Hilfe aber, der treu für uns da ist, kann es gelingen.
Der Herr segne und behüte die Ehen und Familien unser Gemeinde und
die in aller Welt.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Jeder Mensch, der glaubt, glaubt auf seine Weise. Jedes Kind, jeder Mann
und jede Frau hat seine eigene Art und Weise, zu glauben, den Glauben
zu leben und mit ihm durchs Leben zu gehen. Trotz aller Unterschiedlichkeit
dürfte aber eins uns allen gemeinsam sein: Dass das Glauben oft Schwierigkeiten
macht.
In diesem Punkt treffen wir uns mit den großen Heiligen und den
kleinen Sündern, den großen Gestalten unseres Glaubens und
den kleinen Kindern: Der Glaube; das Bemühen, zu glauben, zehrt an
unseren Kräften. Glaubensschwierigkeiten, Zweifel oder das Gefühl,
den Roten Faden verloren zu haben, kommen immer wieder. Wer meint, Gott
und die Welt im Döschen zu haben, läuft Gefahr, am Wesen des
Glaubens vorbeizugehen.
Und denen, die darunter leiden, den Roten Faden im Glauben verloren zu
haben, kommt manchmal der Gedanke: «Wenn Gott will, dass ich glaube,
wenn ihm etwas an meinem Glauben liegt, dann soll er mir doch auch mal
unter die Arme greifen.» Ein Glaube an Gott nämlich, der immer
nur durch die Kirche vermittelt wird, durch Menschen, die alle ihre Fehler
haben, fällt selbstverständlich schwer. Wonach sich viele Menschen
sehnen, ist die Unmittelbarkeit: Gott selbst zu erfahren, um dann - fast
wie von selbst - glauben zu können.
Aber Gott zeigt sich nicht im blendenden Licht, unmittelbar - wahrscheinlich
könnten wir es gar nicht ertragen. Genauso wenig, wie wir nicht direkt
in die Sonne schauen können. Aber Er zeigt sich uns in jedem Augenblick
- für den, der hinter die Dinge schaut. Er verbirgt sich, nicht um
sich zu verstecken, sondern um sich von uns finden zu lassen.
Vielleicht ist das ja auch der Kern des heutigen Evangeliums: Es geht
Jesus nicht um die rechtliche Frage von Ehescheidung oder Unauflöslichkeit.
Es geht ihm darum, dass wir hinter diese vordergründigen Angelegenheiten
schauen und lernen, jeden Menschen - vor allem unseren Ehepartner, unsere
Kinder (oder auch unsere Geschwister und Eltern) - als Geschenke Gottes
ansehen. Ja, sogar noch mehr: In diesen Menschen begegnet uns Gott. Im
Ehepartner, in den Kindern können wir Gott begegnen, ohne dass wir
von seiner Herrlichkeit geblendet werden. Jede Begegnung mit dem Nächsten
wird zur Gottesbegegnung.
Dass jeder von uns seine Schwächen und Fehler hat, steht dem nicht
im Wege. Wenn wir nicht in der Lage sind, in den Menschen, die uns wirklich
lieb in unserem Leben sind, Gott zu finden, dann können wir ihn nirgends
finden. Glauben tut letztlich nur der, der sich darum bemüht, der
glauben will.
Vielleicht zeigt uns das heutige Erntedankfest, wo wir stehen. Wer verlernt
hat, hinter die Dinge zu schauen; wer in dem, was uns umgibt, nicht mehr
das liebevoll Wirken Gottes sieht, der fragt sich wahrscheinlich auch,
warum es noch so ein Fest gibt wie Erntedank. Wer im Wachsen der Früchte
nur das Wirken von Naturgesetzen, von Biologie und Chemie, sieht, der
braucht auch nicht zu Danken. Wer in seinem ganzen Hab und Gut nur die
Produktion von perfekten Fabriken und das Ergebnis seiner eigenen Hände
Arbeit sieht, der braucht nicht zu danken - allerhöchsten vielleicht
unserer Wirtschaft.
Wer aber genug Phantasie, genug Wille zum Glauben hat, wer Gott sucht
auch in den kleinsten Selbstverständlichkeiten unseres Lebens, der
kann gar nicht mehr aufhören, Gott zu danken und zu loben. Dann kann
schon der leckere Kaffee am Morgen oder das warme Wasser der Dusche ein
Liebesbeweis Gottes sein. Wer danken will, der braucht gar nicht mehr
nach Gründen zu suchen, zu danken. Wer danken will, braucht nur auf
die kleine Auswahl der Gaben zu schauen, die hier am Altar liegt; der
braucht nur in die Augen des Ehepartners zu schauen, in die der Kinder
- um vor Dankbarkeit stumm zu werden.
Wer glauben will, der braucht nicht nach Gottes Spuren zu suchen. Wer
wirklich glauben will, der findet Gott auf Schritt und Tritt, in jedem
Lachen eines Kindes und in jedem Zuspruch, den ein Mensch gibt. Denn letztlich
sind nicht wir es, die Gott suchen. Letztlich ist es Gott, der uns ständig
sucht, ohne Unterlass. Wir müssen uns nur finden lassen. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Manchmal klingt das, was Jesus so sagt, ziemlich veraltet. Da kommen
die Pharisäer mit Problemen, die heute einfach keiner hat.
Im heutigen Evangelium klingt der Disput zwischen Pharisäer top-aktuell.
Nur ein wenig verändert, könnte er aus einem Gespräch beim
Friseur stammen: "Wie, man kann sich in der katholischen Kirche nicht
scheiden lassen? - Da ist der Staat aber großzügiger, der erlaubt
Scheidungen." - "Nur, weil ihr so hartherzig seid, erlaubt das
Gesetz Scheidungen. In der Schöpfung hat Gott den Menschen so geschaffen,
dass er dazu fähig ist, ohne Haltbarkeitsbegrenzungsdatum zu lieben.
Außerdem bestätigt Gott den Ehebund. Was aber Gott verbunden
hat, das darf der Mensch nicht trennen."
Da liegt es nahe, dass man nochmal nachfragt: Meinst Du das wirklich?
Und genau das haben auch die Apostel getan. Und Jesus bestätigt -
wie auch heute immer noch die katholische Kirche: "Wer seinen Ehepartner
aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht Ehebruch."
- Bei Lukas antworten die Apostel: "Dann ist es wohl besser nicht
zu heiraten" - ein Reaktion, die auch heute viele praktizieren: Kein
Sakrament ist (neben dem Beichtsakrament) zahlenmäßig so sehr
zurückgegangen wie das der Ehe.
Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Sehr viele Menschen empfinden
das Verbot der Scheidung und Wiederheirat als unchristlich; auf der anderen
Seite ist kein modernes gesellschaftliches Problem so deutlich in der
Bibel - von Jesus selbst - angesprochen und geregelt worden wie das der
Ehescheidung. Man fragt sich unwillkürlich, ob diejenigen, die davon
sprechen, dass das Verbot der Wiederheirat nach einer Scheidung unchristlich
sei, es besser wissen wollen als Jesus?
Wenn das Thema durch ein päpstliches oder bischöfliches Wort
wieder auf die Tagesordnung der allgemeinen Diskussion kommt, dann reden
sich wieder die Vertreter der entgegengesetzten Parteien die Köpfe
heiß - und diese Parteien ziehen sich quer durch die Konfessionen
und die Kirche. Was also tun?
Es steht im Evangelium selbst drin, auch wenn es zunächst wie ein
ganz andere Geschichte klingt: "Wer das Reich Gottes nicht annimmt
wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."
Es geht nämlich nicht darum, die Weisungen Jesu zu diskutieren,
zu verwerfen oder es besser zu wissen, sondern schlicht, sie anzunehmen.
Der Glaube ist uns geschenkt. Da sollte man nicht, wie bei einem Rosinenkuchen,
sich die Stücke herauspicken, die einem gefallen und den Rest zurückgeben
mit den Worten: "Danke für den Glauben, lieber Gott; aber diese
Teile der Botschaft mag ich nicht." Das tut keiner, der weiß,
was ein Geschenk eigentlich meint.
"Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht
hineinkommen." meint aber noch etwas anderes: Ein Kind vertraut darauf,
dass das, was einem die Eltern vermitteln, seinen Sinn hat. Dass es gut
ist, hilfreich und wertvoll. Dass - in diesem Fall - hinter der Unauflöslichkeit
der Ehe nicht Hartherzigkeit steht, sondern die Liebe Gottes. Wer Gott
wie ein Kind vertrauen kann, dass die Liebe nicht wirklich aufhört,
der findet immer einen Weg, den Partner neu lieben zu lernen - und wenn
es sein muss, aus einem nötigen Abstand heraus. Wer Gott kennt, der
weiß, dass man seine Hoffnung niemals begraben darf.
Und ein letztes meint der Satz: "Wer das Reich Gottes nicht annimmt
wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen": Ein Kind vertraut darauf,
dass die Eltern zur Stelle sind, wenn es selber nicht mehr weiter weiß.
Wer seine Ehe als Sakrament begreift und geschlossen hat, der weiß,
dass der Vater zur Stelle ist, wenn es kriselt; wenn die Ehe zu zerbrechen
droht. Wer weiß, dass er und sein Ehepartner nicht allein um die
Liebe und die Fortführung ringt, sondern dass Gott mit leidet und
sich um Liebe bemüht, der weiß, dass Liebe - und vor allem
die eheliche Liebe - nicht gemacht werden kann, sondern geschenkt wird.
Vielleicht müssen wir - vor allem in der Ehe - mehr darum beten,
dass Gott mitten unter uns wirken kann. Vielleicht hilft es auch, wenn
wir, deren Beziehungen von so schweren Krisen verschont geblieben sind,
für die mitbeten und mitleiden, die - manchmal ohne eigenes Verschulden
- plötzlich allein dastehen.
Vor allem aber sollten wir lernen, jede Stunde eines jeden Tages wie
ein Kind zu werden, das Gott vertraut, Ihm glaubt und sich in seinem Schutz
geborgen weiß - was immer auch kommen mag. Amen.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Gemeinde!
Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Dieses Wort Jesu ist uns gut vertraut. Wir hören es bei jeder
Trauung, und auch sonst wird es häufiger zitiert. Jesus hat dieses
Wort nicht aus dem Alten Testament übernommen wie das andere Wort:
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden
ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. (Mk
10,7f) Jesus interpretiert vielmehr das alttestamentliche Zitat, indem
er lehrt, dass Gott es ist, der Mann und Frau zu einem Fleisch verbindet.
Das war wirklich eine neue Lehre, die weder damals selbstverständlich
war noch es heute ist. Zur Zeit Jesu gab es zum einen die Auffassung,
dass man die Ehe aus nahezu jedem beliebigen Grund wieder auflösen
konnte. Zum anderen gab es eine strengere Lehre: nach ihr bestand ein
Recht zur Ehescheidung nur für den Fall der Untreue. Von Jesus erwarteten
die Fragesteller, dass er die Streitfrage entschied und sich dabei in
die Fallen der pharisäischen Wortklauberei verstrickte. Er würde
sich entweder zum strengen Gesetzes¬buch¬staben bekennen und seinen
Ruf als Prediger der Barmherzigkeit verlieren oder die laxe Auslegung
vertreten und dann als Verräter seiner eigenen Prinzipien dastehen.
Aber es kam anders: Jesus stellte vielmehr klar, dass das Gesetz, auf
das sich seine Gegner beriefen, bereits ein Zugeständnis an die menschliche
Hartherzigkeit darstellt; am Anfang der Schöpfung hatte Gott einen
anderen Plan, den Plan der unaufkündbaren Liebe zwischen Mann und
Frau. Diese Liebe hat der Schöpfer Mann und Frau eingestiftet und
sie gerade dadurch verbunden. Diese Liebe sollte so sein, wie es später
Paulus ausgedrückt hat: Sie erträgt alles,
hält
allem stand (1 Kor 13,7), sie hält insbesondere auch den Kränkungen
und Verfehlungen des anderen Partners stand. Wer dagegen ein hartes
Herz hat, wer die Schuld beim anderen sucht, statt sie zu ertragen und
mit ihm zu tragen, der wird nicht lange standhalten und eine Ehekrise
sehr bald durch eine Scheidung zu beenden suchen. Es geht Jesus wie so
oft um die Barmherzigkeit: Sie ist das Kennzeichen des angebrochenen Reiches
Gottes. Der Streit um die strengere oder laxere Gesetzesauslegung ist
ein Streit jenseits der Barmherzigkeit, ein Disput um den Buchstaben,
geistlos und lieblos. Doch der alttestamentliche Buchstabendienst soll
dem neutestamentlichen Dienst des Geistes weichen! (Vgl. 2 Kor 2,7f) Das
Gesetz Gottes soll zur Liebe führen, nicht zur Selbstgerechtigkeit;
darum kommt es nicht auf den Buchstaben an, sondern auf den Geist. Wer
diesen Geist der Liebe hat, wessen Herz vom Heiligen Geist erfüllt
ist (Röm 5,5), der spürt schon anfänglich, wie der Geist
ihn belebt, das Vertrocknete tränkt, die Verhärtungen auflockert
und das Erkaltete wärmt. Wer in die Welt eintaucht, von der Jesus
predigt, der wird nicht mehr so leicht die Moral als Waffe gegen seinen
Mitmenschen oder gar gegen seinen Ehepartner einsetzen. Wir hören
leider aus Jesu Worten meistens heraus, als ob er uns ein noch strengeres
Gesetz zumutete als die strengsten Gesetzeslehrer seiner Zeit. Barmherzigkeit
als das neue Supergesetz! So kann man es ja tatsächlich verstehen:
Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt
nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. (Lk 6,37) Aber
es ist eben kein Gesetz, das uns klein macht, bedrängt und anklagt,
sondern ein neuer Zugang zu Gott, der unser Herz weit macht, beflügelt
und freimacht. Barmherzigkeit ist überhaupt kein Gesetz, nichts Einklagbares,
sondern ein Geschenk, aus dem wir leben und das wir weitergeben dürfen.
Das heißt dann freilich auch, dass Barmherzigkeit keine Einbahnstraße
ist. Sofern die Rede möglich ist, dass man sie üben soll, dann
natürlich auch in alle Richtungen, insbesondere auch gegenüber
denjenigen, deren Ehe gescheitert ist, z.B. weil einer der Partner oder
beide nicht fähig waren, die nötige Barmherzigkeit dem anderen
gegenüber zu erweisen. Es ist nicht im Sinne Jesu, über andere
die Nase zu rümpfen, weil sie es nicht geschafft haben, ihr Treueversprechen
einzuhalten. Von außen kann keiner beurteilen, welche Schwierigkeiten
sie gehabt haben, an denen sie schließlich gescheitert sind. Das
Evangelium fügt gleichsam zur Verdeutlichung die Episode von der
Segnung der Kinder hinzu. Die Kinder werden hier ausdrücklich Vorbild
für jeden hingestellt, der das Reich Gottes aufnimmt, also gerade
auch für die Eheleute, die, wenn sie sich ihrer Kindschaft Gott gegenüber
bewusst sind, dem Partner nicht mit der Haltung überlegener Erwachsenheit
gegenübertreten können. Kinder sind noch nicht so stur, die
Versöhnung mit dem anderen abzulehnen, doch gerade an dieser Sturheit
gehen die Beziehungen der Menschen kaputt: Der ist für mich
gestorben! - Mit dem rede ich kein Wort mehr. - Wenn
die nicht den ersten Schritt tut, dann ist es eben aus; ich werde jedenfalls
nicht zu Kreuze kriechen... (usw.) Kinder streiten sich zwar, aber
sie können sich auch schnell wieder vertragen. Und zweitens: Wer
vor Gott die Haltung des Kindes bewahrt, dem fällt es leichter, die
unvermeidlichen Spannungen des Lebens zu ertragen und dem anderen Verständnis
und Wohlwollen entgegenzubringen. Kindschaft vor Gott das schließt
drittens auch die Tugend der Dankbarkeit ein. Diese Tugend ist dem Anspruchsdenken
unserer Zeit fremd. Man will für nichts danken, man will vielmehr
seine Rechte einfordern. Wer aber immer nur auf seine Rechte bedacht ist
auch gegenüber dem Ehepartner , der wird für die
kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag blind, der wird gedankenlos und undankbar
und kann auf Dauer keine Beziehung durchhalten. Menschen, die sich ihr
Kindsein bewahrt haben, gehört das Reich Gottes.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du schenkst uns Deine Gegenwart in allem, was uns
begegnet. Dich bitten wir:
-
Segne die Ehen, Familien und Alleinstehende. Lass
sie in der Liebe, die ihnen durch andere Menschen geschenkt wird,
Dein Wirken spüren.
-
Sei mit allen Eheleuten, die unsicher geworden sind.
Lass sie in der Kirche nicht eine moralische Instanz sehen, sondern
die Mutter, die Ihnen mit Verständnis und Einfühlungsvermögen
zur Seite steht.
-
Lass uns alle erkennen, dass jede Beziehung auch von
unserem Wirken abhängt. Mache uns zu Menschen, in deren Nähe
das Bekenntnis zu Gott, Glaube und Liebe leichter fällt.
-
Öffne uns selbst für Deine Liebe, die uns
zu Kindern des einen Vaters macht.
-
Wir bitten für unsere Verstorbenen: Nimm sie
auf in Deine Herrlichkeit. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr Jesus, Du schenkst uns immer wieder genug zum Leben. Lass uns in
Dankbarkeit Dir gegenüber zu teilenden und schenkenden Menschen werden.
Darum bitten wir Dich, Christus, unseren Herrn. Amen.
Fürbitten 2. Vorschlag
Zu Christus, der zu uns in Treue gestanden hat bis in den Tod, rufen
wir:
- Zeige der Kirche Wege auf, die Würde und Schönheit der ehelichen
Liebe glaubwürdig zu verkünden.
- Schenke allen jungen Paaren, die sich auf die Ehe vorbereiten, Offenheit
voreinander und Vertrauen auf Gott.
- Gewähre den lange Verheirateten einen friedlichen und frohen
gemeinsamen Lebensabend.
- Schenke den Paaren, deren Beziehung zu scheitern droht, Deinen Schutz
und Deine Hilfe.
- Segne auf die Fürsprache der Hl. Familie alle Ehen und Familien
unserer Gemeinde.
Gott, Du hast Mann und Frau erschaffen und füreinander bestimmt.
Dir dem Herrn der Schöpfung sei Lobpreis und Ehre jetzt und in Ewigkeit.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 952, 1+2
Kyrie: sprechen
Gloria: 953, 1 + 3
1. Lesung: Gen 2, 18-24
Zwischengesang: 945
Evangelium: Mk 10, 2-16
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 840, 1 + 2
Sanctus: 491
Agnus Dei: 492
Danksagung: 953, 4
Schluss: 269, 1 + 3