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Predigt zum 19. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Glücklich der Mensch, der einen Schatz hat! Stimmen Sie mir zu?
Haben Sie selbst einen Schatz? Ist es Ihr Ehepartner, sind es Ihre Kinder,
gibt es einen besonderen Gegenstand, den Sie als Ihren Schatz betrachten,
oder ist es Ihr Ansehen, Ihre Stellung, Ihr Beruf?
Oder wissen Sie gar nicht genau, ob es etwas gibt, was es wert ist, Ihr
Schatz genannt zu werden? Müssen Sie erst überlegen, Pro und
Contra abwägen? Jedenfalls haben wir soeben ein Kriterium gehört,
durch das sich Schätze auszeichnen: Wo dein Schatz ist, das
ist auch dein Herz. Glücklich der Mensch, der einen Schatz
hat, denn er hat etwas, an das er sein Herz hängen kann. Nichts ist
auf die Dauer nämlich schlimmer als ein leeres, unerfülltes
Herz, ein Herz, das zwar zur Liebe geschaffen ist, aber nicht wirklich
lieben und sehnen kann.
Das Herz ist der Sitz unseres Fühlens und Liebens, nicht nur ein
Organ, das unseren Körper mit Blut versorgt, sondern eines, das all
unserem Denken, Reden und Tun eine Seele gibt, es durch und durch mit
kraftvollen Gefühlen durchströmt und unser Dasein mit tiefem
Erleben füllt. Eine Maschine ist ein Ding ohne Herz: sie fühlt
nichts, ersehnt nichts, bangt nicht, hofft nicht, hängt sich an nichts,
kennt keinen Schatz. Mag sie auch noch so gut funktionieren sie
verdient unseren Respekt nicht. Wie anders ist doch der Mensch, vor allem
wenn er sein ganzes Herzblut in seine Tätigkeit steckt und
wenn er sein Herz an die wirklich hohen Güter verliert, an die, die
es wert sind!
Cor dare sein Herz geben, das ist das lateinische
Wort (credere) für glauben. Der Hebräerbrief sagt
es so: Feststehen in dem, was man erhofft, überzeugt sein von
Dingen, die man nicht sieht. (Hebtr 11,1) Nicht bloß mit dem
Verstand eine unsichtbare Sache für möglich oder sogar wahr
halten, sondern einen Schatz im Herzen haben, nämlich den wahren
und einzigen Schatz, den Ewigen Gott, und für diesen Schatz alles
tun und alles hingeben. Alles meinem Gott zu Ehren in der Arbeit,
in der Ruh. Abraham verließt um dieses Schatzes willen seine
Heimat und zog in die Fremde, ja, er war sogar bereit, seinen innig geliebten
Sohn zu opfern. Das ist Glaube!
Das ist sicher auch ein Ideal, das uns heute vor Augen gestellt wird,
während wir zugleich wissen, daß wir weit davon entfernt sind.
Denn wir tragen den Schatz in zerbrechlichen Gefäßen
(2 Kor 4,7), unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet,
wir tun uns schwer damit, den wahren Schatz von den vielen anderen wertvollen
Dingen zu unterscheiden. Wir sind nicht ohne weiteres geneigt, das
Unvergängliche mehr zu lieben als das Vergängliche. Und
darum können wir die Aufforderung Jesu auch nicht genauso wörtlich
nehmen wie Franziskus oder Antonius, die ihre ganze Habe verkauften, um
den Schatz im Himmel zu gewinnen.
Wir können es nicht, und wir müssen es auch nicht. Aber auch
für uns gilt die Devise: Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen.
Das ist, finde ich, einer der genialsten Sprüche, die Jesus eingefallen
sind. Gerade weil die allermeisten von uns darauf angewiesen sind, Geld
zu haben und zu sparen, um sich und die Angehörigen zu versorgen,
gerade deshalb brauchen wir ein Korrektiv, das uns davor bewahrt, das
Geld als den Schatz zu betrachten, an den wir unser Herz hängen.
Denn in der Tat hat das Geld ja eine Reihe Merkmale, die auch einem Schatz
zu eigen sind: Es kann nahezu jedem Mangel und jeder Bedürftigkeit
abhelfen, fast alle Not lindern, und so verheißt es Glück und
Sicherheit für die Zukunft. Darum zieht es auch das Menschenherz
so magisch an und läßt es nicht los, auch wenn der Wohlstand
ein Maß erreicht hat, das man sich vorher nicht einmal erträumt
hat. So wird das Geld zum Götzen, zum Mammon. Es befreit zwar von
Sorgen, aber um den hohen Preis, daß das Herz am Ende ganz eng und
versklavt ist. Ein seltsamer Schatz!
Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollen wir regelmäßig
die Mahnung beherzigen, uns Geldbeutel zu machen, die nicht zerreißen,
und uns einen Schatz zu verschaffen, der nicht abnimmt (Lk 12,33). Die
Währung, die Jesus hier im Blick hat, ist die Liebe, die Hingabe,
das Wohltun, das Abgeben, Teilen und Spenden. Die Liebe ist nämlich
das einzige Gut auf dieser Erde, das wächst, indem es austeilt. Sie
ist darum eigentlich nicht mehr von dieser Welt, sondern kommt aus einer
anderen Welt. Die Liebe ist das einzige Gut, das unser Herz wahrhaft sättigt,
ohne einen schalen Nachgeschmack zu hinterlassen. Gewiß haben Sie
es in Ihrem Leben schon erfahren, daß die Freude am Schenken größer
sein kann als die am Beschenktwerden. Wie viele Geschenke zieren unsere
Wohnungen aber welches davon ist schon ein echter Schatz? Wo Sie
aber einmal Ihr Herz verschenkt haben, da haben Sie einen Schatz gewonnen,
oder sollte ich mich irren?
Wir können wohl nicht in alle Tätigkeit unser Herzblut investieren.
Aber damit uns nicht das Blut in den Adern gefriert und andere uns nur
noch als Eisblock erfahren, sollten wir die Währung der Liebe wenigstens
in kleineren Portionen ausgeben: jeden Tag und unbeirrt von den Undankbarkeiten
unserer Mitmenschen. Auch diese tragen ja den Schatz in zerbrechlichen
Gefäßen und brauchen immer wieder einen Anstoß zur Überwindung
des eigenen Egoismus; vielleicht hilft ihnen heute gerade unser erster
Schritt.
2. Predigtvorschlag
Glaube ist: feststehen in dem, was man erhofft
Vor einigen Jahren wurde aus der zusammengestürzten
Grube in Lassing in Österreich ein Bergmann wie durch
ein Wunder nach 10 Tagen doch noch gerettet. Die Zeitungen
schrieben, er habe nach seiner Rettung gesagt: Mein
Glaube hat mir geholfen.
In der völligen Dunkelheit und Abgeschiedenheit hat
dieser Mann darauf vertraut, daß etwas geschieht, was
ihm das Leben rettet. Sein Glaube hat ihm in einer extremen
und scheinbar hoffnungslosen Lage Stütze und Halt gegeben.
Der Glaube ist ein Geschenk. Wenn Eltern ihr Kind taufen
lassen möchten, spielt dieses Motiv eine wichtige Rolle:
Das Kind soll im Glauben aufwachsen. Das Kind soll den Glauben
kennenlernen.
"Hauptsache, man glaubt an etwas!" - Kaum ein
Satz ist so falsch und trügerisch wie dieser. Es ist
nicht egal, was man glaubt. Stellen Sie sich einmal vor, zwei
Liebende stehen sich gegenüber. Die Frau sagt: Ich liebe
dich. - Und der Mann antwortet: Die Hauptsache ist doch, man
liebt irgendetwas. - Das wäre peinlich und unschön.
Es geht nicht darum, daß der Mann irgendetwas liebt
und schön und begehrenswert findet, sondern daß
er eine Antwort findet auf genau die liebenden Worte, die
er gerade von seinem Gegenüber geschenkt bekommen hat.
Genauso ist es mit dem Glauben. Glauben hat mit Antwortgeben
und mit Lieben zu tun. Darum zählt der Hebräerbrief
Gestalten des Glaubens auf - Abraham, Sara, Isaak, Jakob -
die einen Ruf gehört und die Antwort ihres Lebens im
Glauben gegeben haben. In der deutschen Sprache hat unser
Wort "glauben" die gleiche Herkunft wie "lieben":
Glauben bedeutet, sich liebend etwas zu eigen machen. Wer
einen Menschen liebt und ihm vertraut, der ist auch bereit,
ihm zu glauben.
Es ist nicht egal, was einer glaubt. Und es ist noch weniger
egal, wem wir glauben. In unserer hochtechnisierten Welt kommen
wir ohne ein hohes Maß an Vertrauen und Glauben überhaupt
nicht aus. Wir steigen in ein Flugzeug und glauben, daß
es fliegt und daß der Pilot in der Lage ist, das Gerät
sicher zu beherrschen. Wir haben es nicht selber ausprobiert
- wir könnten das nicht einmal - und wir haben auch nicht
mit dem Piloten gesprochen und ihn befragt - wir vertrauen
und glauben einfach. - Und so ist es mit tausend Dingen in
unserem Leben. Ob wir eine Maschine einschalten oder bei Grün
über die Straße fahren, ob wir eine Nachricht über
ein fernes Land hören oder ob wir sagen, die Erde ist
rund, oder ob wir auf dem OP-Tisch liegen und einem komplizierten
Eingriff entgegensehen - alles das sind Dinge, die wir selbst
nicht überprüft haben; wir können gar nicht
anders, als anderen Menschen Glauben zu schenken. Wir tun
das, weil diese Menschen - Ärzte, Journalisten, Techniker
undsoweiter ... für uns eben glaubwürdig sind.
Wenn schon Vertrauen und Glauben so wichtig ist, wenn es
um die Beziehung unter uns Menschen geht, wieviel mehr dann,
wenn es um die letzten Dinge geht - um Krankheit und Sterben,
um Leid und Unglück, um Schuld und Vergebung. - Wenn
einer sagt: Ich glaube nur das, was ich selber sehe - dann
ist er in Wirklichkeit arm dran. Denn diese letzten Dinge
in unserem Leben lassen sich nicht fotografieren und nicht
festmachen. Ich kann nicht beweisen, daß mein Unglück,
das mich getroffen hat, einen tieferen Sinn hat. Ich kann
meinem Partner nicht sagen: Beweise, daß du mir wirklich
vergeben hast! - Ich kann diese tiefen Dinge und Vorgänge
und die Worte, die ein Mensch mir darüber sagt, nur glauben
oder eben nicht glauben. Kann ich es, werde ich reich beschenkt
- die Bibel sagt: der Glaube macht selig (vgl. Joh 20,29;
Röm 4,9) - oder ich friste ein armes, verkümmertes
Dasein ohne Glauben.
Für den Glauben an Gott haben wir eine "Wolke
von Zeugen". So nennt der Hebräerbrief die Menschen,
die ihr Vertrauen ganz auf Gott gesetzt haben (Hebr 12,1).
- Schon damals, als die Kirche im Entstehen war, muß
es zu einem Nachlassen an Glaubenskraft gekommen sein, zu
einem Schwinden der Gewißheit, daß wir unser Leben
ganz auf Gott bauen können. In den Gemeinden gab es schon
damals so etwas wie eine geistliche Blutarmut: erst durch
eine Art geistlicher Blutübertragung kann da eine Besserung
eintreten. Diese Blutübertragung kann damals wie heute
nur gelingen durch Menschen, die glauben und die ihren Glauben
bezeugen. Eine Meinung kann Nachahmer finden; Glauben aber
setzt sich nur fort durch Zeugen. Oder anders gesagt: Worte
bewegen, Beispiele reißen mit.
Für mich ist ein solcher herausragender Zeuge der heilige
Thomas Morus, Lordkanzler von England, im Jahre 1535 durch
Heinrich VIII. wegen seiner Gewissensüberzeugung hingerichtet.
- Von diesem Heiligen stammen die Worte: "Nichts kann
geschehen außer dem, was Gott will. Und ich bin ganz
gewiß, daß es, was es auch sei, in der Tat das
Beste ist."
Im Gefängnis betete er: "Gib mir deine Gnade,
gütiger Herr, auf daß ich die Welt für nichts
erachte, auf daß ich meinen Geist fest auf dich gründe."
Und um den Glauben der Kirche zu verteidigen, gab er folgendes
zu bedenken: "Es gibt ein Argument, das man allen Spitzfindigkeiten
der Glaubenslosen entgegenhalten kann: Noch niemand hat je
auf dem Sterbebett bereut, ein Christ zu sein."
3. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Legt euren Gürtel nicht ab, und laßt eure Lampen brennen!
ruft Jesus uns im heutigen Evangelium zu. Haltet euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Diese Worte Jesu scheinen uns zu überfordern. Schon fast 2000 Jahre
liegt es zurück, daß sie gesprochen wurden wie kann
man solange auf die Wiederkunft Jesu warten, ohne auf die Dauer nachzulassen
in der wachen Bereitschaft, ohne sich ein wenig auszuruhen und auch einzurichten
in dieser Welt, die nach diesen Worten nur eine einstweilige Wartestelle
sein soll?
Das Problem liegt in der langen Zeit. Ein paar Stunden kann mal wohl
warten, zur Not auch mal eine ganze Nacht. Aber nicht Jahre, Jahrzehnte,
Jahrhunderte. Von Gott her sieht das aber anders aus; im Psalm heißt
es: Tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen
ist, wie eine Wache in der Nacht. Bei Gott gibt es keine Zeit. Er
hat keinen Anfang und kein Ende. In ihm ist nur Liebe, nur Ewigkeit; bei
ihm ist alles Gegenwart: unsere Vergangenheit wie unsere Zukunft ist für
Gott zeitgleich gegenwärtig.
In dieser Ewigkeit Gottes liegt der Schlüssel zum Verständnis
der Mahnung Jesu zur Wachsamkeit. Der Abgrund der Zeit, der uns vom ersten
Kommen wie auch von der Wiederkunft Jesu trennt, ist nämlich in der
Ewigkeit überbrückt, von der aus gesehen jeder Zeitpunkt gleich
nahe ist. An Gott glauben heißt: Gottes ewige Gegenwart für
die erste und wahre Wirklichkeit zu halten, unsere vergängliche Welt
dagegen nur für eine Abschattung der göttlichen Welt. Glauben,
richtig glauben, nicht nur vage über eine höhere Macht spekulieren,
bedeutet: das ganze menschliche Erleben und Handeln auf die Ewigkeit hin
ausrichten und in jedem Daseinsmoment Gottes Allmacht und Liebe anerkennen.
Bis zum 14. Jahrhundert war dies dem Menschen vergleichsweise leichter
möglich. Warum? Weil es noch keine Uhren gab. Die Erfindung der Uhr
hat das Erleben des Menschen nachhaltig geprägt; sie hat ihn zu einem
Zeit-Messer, dann zu einem Zeit-Sparer und schließlich zu einem
Diener der Zeit gemacht. Immer genauer ticken seitdem die menschengemachten
Uhren, immer gefüllter werden die Terminkalender, und immer ferner
scheint der Ewige Gott zu sein. Wir messen nun seine Nähe mit zeitlichen
Kategorien und verstehen nicht mehr, daß diese vor Gott gar keine
Bedeutung haben.
Gott sei Dank gibt es Ausnahmen: Wenn zwei Liebende sich gefunden haben,
dann spüren sie nichts von Zeiteinteilungen, dann tauchen sie ein
in eine Welt, die nur einen einzigen Augenblick kennt, die reine Gegenwart
ist ein Vorgeschmack der Ewigkeit Gottes. In der Tat schenkt die
menschliche Liebe eine besondere Möglichkeit, Gottes Nähe zu
erfahren, denn Gott ist der Ursprung der Liebe, und in der Liebe bricht
die Ewigkeit in die Zeit. Die Liebe ist stärker als die Uhren der
Menschen, sie kann uns immer wieder zu einer Unmittelbarkeit zu Gott führen,
die wir durch unsere selbstgemachten Zeitmeßgeräte verloren
haben.
Aber die Liebe verliert auch oft den Kampf mit der Uhr; darüber
dürfen wir nicht in falscher Romantik hinwegsehen. Wer durch die
Uhr zum Diener der Zeit geworden ist, lebt nämlich in einer ständigen
Angst, etwas zu verpassen. Und diese Angst kann stärker werden als
das freudige Auskosten der Gegenwart des Geliebten. Dann beginnt man,
halbherzig zu werden, der gegenwärtige Moment wird vergiftet durch
den Gedanken an das, was kommt, was man plant, was man nicht verpassen
will. Hinter der verfehlten Einstellung zur Zeit verbirgt sich eine falsche
Einstellung zum Verhältnis von Ich und Du. Zuletzt entscheidet sich
alles daran, ob ich dem anderen dienen möchte oder ob ich möchte,
daß der andere mir dient. Wer nicht dienen, sondern bedient werden
möchte, der betrachtet die Zeit genau wie das Geld als ein Mittel
zur Steigerung des Ich, als eine knappe Ressource, die mit Zähnen
und Klauen verteidigt werden muß. Darum ist die unerwartete Wendung
im heutigen Gleichnis so wichtig: der Herr bedient seine Knechte, anstatt
sich von ihnen bedienen zu lassen. Das Reich Gottes ist so gebaut, daß
dort nur Leute Platz haben, deren Herz mit dienstbereiter Liebe angefüllt
ist.
Hieran müssen wir uns immer wieder erinnern lassen: Haltet
euch bereit! Schöpft aus jedem Augenblick Ewigkeit, indem ihr
jetzt schon der Liebe Raum gebt! Ihr könnt es, denn ihr habt Gottes
Geist, der euch seine ewige Gegenwart schenkt. Blickt nicht ständig
auf die Uhren und rechnet nicht alles in Minuten und Sekunden aus, sondern
seid in jedem, was ihr tut, ganz da, mit ganzem Herzen. Denn es zählt
überhaupt nicht, wieviel Einzelnes ihr geschafft habt im Leben, sondern
einzig, wie ihr eure Augenblicke gelebt habt, ob sich darin Liebe gesammelt
hat oder ob alles nur ein halbherziges Abhaken von Terminen gewesen ist.
Wenn wir diese Mahnung zu beherzigen suchen, dann werden wir feststellen,
daß es gar kein Problem ist, wie lange es dauert, bis der Herr wiederkommt.
Wir spüren dann schon in jedem Augenblick seine verborgene Gegenwart.
Wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt, betet
Theresia von Avila. In diesem Sinne können wir jetzt das Glaubensbekenntnis
beten...
4. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 08.08.04
Schwestern und Brüder!
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Diesen Satz aus dem Evangelium trifft man anders formuliert auch in der Alltagssprache
wieder, wenn wir sagen, das unser Herz an etwas, an jemanden hänge.
Wir drücken damit aus, dass unser ganzes Denken und Planen, unsere Gedanken
und Taten auf eine bestimmte Sache, eine bestimmte Person ausgerichtet sind.
Man kann sein Herz an vieles hängen.
Wir kennen ja die schier unglaubliche Zahl an Hobbys, die es in unserer Gesellschaft
so gibt. Vom Münzensammeln, über das Nordic-Walking, zum Internet-Chatten,
hin zum Schrebergarten und die jährliche Urlaubsreise in den Schwarzwald.
Wir tun oft alles, um diese Beschäftigungen ausüben zu können.
Man kann sein Herz an vieles hängen.
Oft hängt unser Herz an Dingen, die wir besitzen. An der Eigentumswohnung,
dem neuen Handy, dem Auto, den Klamotten zum Anziehen. Egal ob Erbstück
oder Neuanschaffung, wir setzten alles daran, diese Dinge zu erhalten und
zu gebrauchen.
Man kann sein Herz an vieles hängen.
Von großer Bedeutung für uns ist es, an welch Menschen wir unser
Herz hängen. Ob an die Eltern, die Kinder, die Enkel, ob an die Freunde,
Arbeitskollegen, Nachbarn. Ohne diese Beziehungen könnten wir nicht leben.
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Man kann sein Herz an vieles, an viele hängen.
Manchmal haben wir das Problem, das wir unser Herz an zu vieles, an zu viele
gehängt haben.
Das spüren wir vor allem, wenn wir uns zwischen dem vielen und den vielen
entscheiden müssen. Dann weiß unser Herz angesichts der Fülle
gar nicht mehr wohin:
Wenn ich dieses Jahr wirklich in den Schwarzwald fahre, dann habe ich aber
nicht ausreichend Zeit für meinen Schrebergarten. Und er hat es ja so
nötig.
Handy oder neues Kleid? Für beides reicht mein Geld nicht. Aber beides
will ich wohl haben.
Natürlich liebe ich meine Eltern, aber müssen die ihr Ehejubiläum
gerade dann feiern, wenn mein Kegelclub diese tolle Wochenendreise macht?
Ja, oft hängt unser Herz an zu vielem gleichzeitig. Es ist übervoll
beschäftigt. All die schönen Tätigkeiten, die tollen Dinge
und die uns wichtigen Menschen werden dann irgendwie zum Ballast. Es wird
uns zuviel. Fast alles wird uns zu Last, statt uns zur Freude zu gereichen.
Wir spüren dann, das es innerhalb unseres Herzens eine Ordnung geben
muß: das Wichtigste und die Wichtigsten zu erst.
Aber auch das bedeutet, dass wir uns entscheiden müssen.
Und dabei haben wir häufig das Gefühl, das wir uns eher gegen viel
Gutes entscheiden, statt für das eine Notwendige.
Was tun, damit wir unser Herz wirklich an den richtigen Schatz hängen?
Was tun, damit unser Herz den wahren Schatz findet?
Jesus rät:
Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein
Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. Denn wo euer Schatz ist, da ist
auch euer Herz.
Der Herr fordert uns auf, sozusagen unser inneres Koordinatensystem neu, anders
auszurichten. Nicht das irdische, vergängliche soll uns bestimmen, sondern
das ewige, himmlische. Unser Herz soll im Himmel sein, nicht auf oder an der
Erde kleben.
Letztlich geht es ihm darum, dass wir uns immer von Neuem bewusst machen,
dass wir einmal sterben werden, das der Menschensohn zu einer Stunde kommt,
in der ihr es nicht erwartet.
All die Hobbys, all die Dinge, ja sogar all die Menschen, an denen wir hängen,
werden wir auf der Erde zurücklassen müssen, wenn wir einmal verscheiden.
Wir wissen nie, wann und wie, aber wir wissen, dass das geschehen wird.
Wenn man so will, ist der eigene Tod so ziemlich das Sicherste auf Erden.
Unausweichlich. Klar.
Vor dieser Tatsache können wir nicht fliehen. Wir brauchen davor auch
nicht in Panik geraten. Als Christen glauben wir an ein Leben nach dem Tod.
Von dieser Tatsache aus sollen wir aber unser Leben gestalten, unser Herz
innerlich ordnen.
Die wichtigste Frage, die wir in unserem Leben beantworten müssen, die
wichtigste Entscheidung, die wir zu treffen haben, lautet:
Will ich in den Himmel? Will ich am Ende meines Lebens in der Glückseligkeit
leben?
Spontan wird jeder und jede von uns denken: "Blöde Frage. Selbstredend.
Natürlich will ich das!"
Aber richten wir unser Leben wirklich danach aus?
Fragen Sie sich mal:
Wann haben Sie das letzte Mal an Ihren eigenen Tod gedacht? Hier im Krankenhaus
geschieht das wohl häufiger, als draußen.
An was klebt, hängt Ihr Herz hier auf Erden? Können Sie sich vorstellen,
auch ohne diese Dinge zu leben? Im Urlaub machen wir ja oft eine befreiende
Erfahrung, die sich in so einem Satz ausdrücken kann, wie "Du, ich
war ganz überrascht, mit wie wenig man so in der Woche auskommt, wie
wenig man eigentlich braucht."
Sind Tätigkeiten, Dinge schon zu Ihrem eigentlichen Lebensinhalt geworden?
Es gibt Fälle, dass Menschen, die Ihren Beruf aus irgendeinem Grund aufgeben
müssen, plötzlich total an sich selber zerbrechen. Der Mensch braucht
Arbeit. Das ist unbestritten. Die hohe Arbeitslosigkeit ist eine schwere Hypothek
für unser Land. Und Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern eine
sehr ehrenwerte Sache. Aber die Arbeit allein darf/kann niemals das ganze
Leben sein.
Ja, selbst Menschen, die man liebt, dürfen nicht zu unserem Gott werden.
Derjenige, der zu einem Menschen sagt: "Du bist mein Ein und Alles."
überfordert sein gegenüber gnadenlos. Das kann kei
n Mensch sein. Das kann nur Gott. Ich weiß, dass klingt hart und fremd,
gerade für Liebende. Aber, wenn wir der Sache nachspüren, merken
wir, dass es so ist.
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Erhebet die Herzen! – So werden wir in der Liturgie aufgefordert.
Wir haben sie beim Herrn. – So antwortet die Gemeinde.
Und darum geht es Jesus heute. Unsere Herzen sollen ihren Schatz im Himmel
haben. Gott und das ewige Leben sollen all unser Denken und Handeln prägen
und umformen. Das macht frei von den ungeordneten Anhänglichkeiten an
Irdisches.
Wir werden angesichts des eigenen Todes, die Kostbarkeit des irdischen Lebens
umso tiefer erfahren. Und mit dem Blick von oben, haben wir den besten Überblick.
Dann können wir einfacher unsere Entscheidungen für oder gegen etwas
treffen.
Erhebet die Herzen - Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du bist gekommen, um uns aus dem Schlaf
der Bequemlichkeit und Trägheit zu wecken und in die
Lebendigkeit Deines Glaubens zu führen. Erhöre unsere
Bitten:
-
Bewahre uns vor unnötigem Streit und Rechthaberei
genauso, wie vor falschem Frieden und heimlichen Groll.
-
Lass alle Völker auf dieser Erde ihre Konflikte
und Differenzen friedlich beilegen, sodass sie sich in
ihrer Verschiedenheiten gegenseitig annehmen.
-
Steh den Armen, Hungernden und Notleidenden in aller
Welt bei, berufe immer wieder engagierte Helfer in ihren
Dienst.
-
Sei mit unseren Missionaren, Katecheten und Entwicklungshelfern:
Lass sie lebendige Zeugen sein für Dich, unseren
menschenfreundlichen Gott.
-
Nimm all unsere Verstorbenen auf in Deine himmlische
Herrlichkeit, lass sie dort ihre Erfüllung finden
bei Dir.
Herr Jesus Christus, Du bist gekommen, um Feuer auf die Erde
zu bringen. Schenke uns und allen Christen dieses Feuer der
Reinheit und Begeisterung. Darum bitten wir dich, Christus,
unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 938, 1 - 3
Kyrie: sprechen
Gloria: 979
2. Lesung: Hebr 12, 1-4
Zwischengesang: 304, 1 + 3
Evangelium: Lk 12, 49-53
Credo: 983
Gabenbereitung: 620
Sanctus: 986
Agnus Dei: 991
Schluss: 953, 1 + 2