von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 19.08.07
Überraschend unbequem ist der Jesus des heutigen Evangeliums, liebe
Schwestern und Brüder!
Nicht von der Liebe zum Nächsten oder dem Frieden untereinander oder
der Seligkeit der Barmherzigen spricht er, sondern vom Zwietracht, Streit,
Entzweiung.
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
Wer nur diesen Satz liest oder hört, der kann es mit der Angst zu tun
bekommen. Mit einer Angst vor Gottesstreitern, die in der Nachfolge Jesu ohne
Rücksicht auf Verluste alles Nichtchristliche, ja alle Nichtchristen
ausrotten wollen.
Vielleicht kommt dem einen oder der anderen die Phantasie von christlichen
Fundamentalisten, die wie die z. Zt. wütenden Islamisten Terror und Schrecken
verbreiten. Jesus ein Kriegstreiber?
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage
ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
Dieser Satz ist sperrig und seine Botschaft irritiert. Wenn man diesen Satz
isoliert liest. Was sagt er aber aus, wenn man ihn im Sinnzusammenhang liest,
zusammen mit den Worten davor und danach? Was sagt er aus, wenn man ihn vor
dem Hintergrund des ganzen Lebens und der Botschaft Jesu liest?
Jesus ist kein Kriegstreiber. Er war niemals ein Feldherr, der seine Truppen
mit Waffengewalt gegen Andersgläubige geführt hat. Das hat Mohammed
getan, aber nicht Jesus.
Das Wort Jesu ruft uns nicht auf, mit Brutalität gegen alles Nichtchristliche
oder gegen die Nichtchristen um uns vorzugehen.
Ihm geht es vielmehr um unser Inneres. Einen inneren Feldzug sollen wir führen gegen das Unchristliche, Nichtchristliche in uns. Es geht ihm um unsere Entscheidung: für oder gegen IHN. Ganz oder gar nicht.
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. sagt ER.
Das Element Feuer ist in der Sprache der Bibel ein Bild für das Wirken,
die Anwesenheit Gottes. Als Feuersäule geht er dem Volk Israel in der
Wüste voran. Im Feuer, das brennt aber nicht verbrennt, offenbart es
sich dem Mose. Das Feuer von oben verzehrt das Opfer des Abraham.
Das Feuer ist aber auch Bild für die Prüfung, die Reinigung, die
Entscheidung. Mit einer glühenden Kohle wird die Zunge Jesajas von Engeln
gereinigt. Oft spricht die Schrift davon, dass Menschen wie Gold im Feuer
gereinigt werden müssen.
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich,
es würde schon brennen.
Der Herr will, dass wir uns für IHN entscheiden. Ganz Feuer und Flamme
für IHN sind. Für IHN, der wie er sagt mit einer Taufe getauft werden
muss. Er meint damit sein Kreuz.
„Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe“ überliefert der Kirchenvater
ein Wort Jesu, das nicht zur Bibel gehört.
Wer Jesus nahe sein will, muss sich entscheiden. Und das ist nicht immer leicht. Jesus ist ja nicht einer, der mit schönen Kalendersprüchen daherkommt. Für fromme Allgemeinplätze und nette Benimmregeln ist er nicht ans Kreuz geschlagen worden. Er starb am Holze des Kreuzes, weil er sich als der Sohn Gottes offenbarte.
„Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe“ – An Jesus scheiden sich die Geister. Und deshalb auch die Menschen. Wer sich für Christus entscheidet, erntet nicht unbedingt Applaus. Es kann sein, dass sich Menschen von ihm abwenden, dass Freundschaften infrage gestellt werden, dass es auch zuhause zu Konflikten kommt. Darauf geht der Herr deutlich ein, wenn er sagt: Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei.
Wer sich für Christus entscheidet – und damit auch für seine Kirche – kann nicht nur mit Zustimmung rechnen. Gerade in einer Zeit, wo man das Religiöse einzuebnen versucht in ein esoterisches Wohlgefühl oder zu pädagogisieren versucht, als sei Religion nur eine Art wohlfeile Moral für Gutmenschen. Diese Form der unverbindlichen Religiosität scheint mit in unseren Tagen vorherrschend zu sein, eine Art kleinster gemeinsamer Nenner, nach dem Motto: Irgendwie glauben wir doch alle an den einen Gott.
Ein Christ aber, glaubt nicht irgendwie an einen Gott. Er sieht das Antlitz Gottes in Jesus Christus. Und jeder, der in die Augen Jesu schaut, muß sich entscheiden: für oder gegen ihn. Damit einher geht die Entscheidung für die Kirche, seinen mystischen Leib.
Vielen scheint eine solche feste Haltung unmöglich zu sein. Deshalb
tut es gut, spornt es an, auf Menschen zu blicken, die sich entschieden haben.
Es tut gut sich ein Vorbild an den Heiligen und Seligen zu nehmen.
An ihnen hat mich immer wieder fasziniert, dass sie, nachdem sie sich ganz
für Christus entschieden hatten, innerlich frei waren, um für das
wirklich Gute einzutreten. Ich denke da z. B. an Mutter Teresa, an Thomas
Morus, an Elisabeth von Thüringen oder auch an die Gründerin des
Ordens unserer Schwestern in Grafenwald, an Magdalena Postel.
Aber ist das was für uns? Nehmen wir da den Mund nicht etwas zu voll, wenn wir uns mit Heiligen messen wollen?
Die Antwort gibt die Lesung aus dem Hebräerbrief:
Da uns eine solche Wolke von Glaubenszeugen umgibt, wollen auch wir alle Last
und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf
laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber
und Vollender unseres Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude
das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur
Rechten von Gottes Thron gesetzt.
Das Vorbild der Heiligen und Seligen - die nicht vom Himmel gefallen, sondern auf der Erde gewachsen sind – kann uns ein Ansporn sein, es ihnen gleichzutun. Zumindest uns zu bemühen.
Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe. – Für Christus und seine
Kirche brennen – das ist Heiligkeit.
Und es ist ein offenes Geheimnis, dass es Weltkrisen gibt, weil es an Heiligen
mangelt.
Es liegt auch an Ihnen, Dir und mir und der Art, wie wir unseren Glauben ernstnehmen, ob sich etwas zum Guten wendet oder nicht.
