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Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
auf den ersten Blick klingt es im heutigen Evangelium so,
als ob die Sadduzäer, die nicht an die Auferstehung glaubten,
einen weniger starken Glauben hätten. Aber sie glaubten
an den einen, ewigen Gott; und sie hielten das ewige Leben
eines sterblichen Menschen für eine Beeinträchtigung
der göttlichen Einmaligkeit. Sie waren sozusagen aus
religiösen Gründen davon überzeugt, dass es
kein Leben nach dem Tod gibt: Der ewig lebende Mensch wäre
schon fast wie ein Gott - und das lehnten die Sadduzäer
als Hüter des Tempels in Jerusalem natürlich ab.
Auch heute gibt es Menschen, die um der Idee des Christentums
willen ein Glauben an den Himmel ablehnen: «Wer sich
auf den Himmel freut, der wird sich wohl kaum noch auf dieser
Erde engagieren.» Vertröstung auf das Jenseits
wurde den Christen vorgeworfen - und um die christliche Idee,
die Nächstenliebe, aufrechtzuerhalten, wollte man lieber
nicht mehr von einem erfüllten Leben nach dem Tod reden.
Aber Sadduzäer und die modernen Hüter der Nächstenliebe
irren. Wer nicht mehr an einen gerechten Ausgleich im Jenseits
glaubt, muss sich selbst den Ausgleich hier schaffen. Zum
Leistungsdruck kommt der Vergnügungsdruck: Wenn nachher
nichts mehr ist, dann muss man eben hier schon nehmen, was
man kriegen kann.
Wer allerdings an ein Jenseits glaubt, der ist gelassener.
Der kann um der Nächstenliebe auch mal verzichten - er
ist nicht verpflichtet, an sich zu denken. Er kann auch Opfer
bringen, unter Umständen auch das Opfer seines eigenen
Lebens. Das kann nur der, der an ein Leben nach dem Tod glaubt;
in dieser Welt können wir nicht wirklich verlieren.
Aber auch für den, der vielleicht im Laufe seines Lebens
zu Zweifeln beginnt, ob es diese himmlische Gerechtigkeit
wirklich gibt, wird, wenn zurückschaut, auf ein erfüllteres
Leben blicken können als der Ungläubige, der sich
verzweifelt um dieses erfüllte Leben bemüht hat.
Denn die Gelassenheit des Christen macht ihn empfänglicher
für die kleinen Freuden des Lebens. Er muss nicht unbedingt
die Weltreise machen - die Augen seiner Kinder sind mehr wert;
das Lächeln des Ehepartners oder das Nicken der eigenen
Eltern. Der Lohn des Glaubens wartet nicht erst im Himmel
auf uns, schon in dieser Welt lebt der tiefer und glücklicher,
der weiß, dass das eigentliche Leben noch kommt.
Liebe Schwestern und Brüder, im Namen des Glaubens kann
man auch unsinnige Dinge fordern; so wie die Sadduzäer
Unsinniges fragen. Da tut es manchmal ganz gut, einfach nicht
hinzuhören.
Wer nicht mehr an das ewige Leben glaubt, muss diese Welt
selbst retten. Pläne zur Errichtung des Weltfriedens
gibt es immer wieder. Vielleicht tut es auch ganz gut, da
einfach nicht hinzuhören. Der wahre Frieden erwartet
uns eben nicht in dieser Welt. Amen.
2. Predigtvorschlag
Vielleicht kennen Sie die Geschichte, in der ein junger Mann,
der sich zum Glauben bekehren will, einem Rabbi bittet, das
jüdischen Gesetz und den jüdischen Glauben zu erklären,
und zwar - wenn's geht - in einem Satz.
Die Antwort, die der Rabbi - ohne lange zu überlegen
- gegeben hat, ist einfach: «Liebe Gott und deinen Nächsten.»
Auch heute, im Gespräch mit jungen Menschen in der Schule
oder auf Tagen religiöser Orientierung, stellt sich häufig
eine ähnliche Frage: «Was ist eigentlich so toll
am christlichen Glauben?» - «Warum sollte ich
überhaupt glauben?» - Verbunden mit der Aufforderung:
«Mach's kurz.»
Nun, ich bin nicht so ein weiser Rabbi, und so brauche ich
zwei oder drei Sätze. Und die habe ich mir lange überlegen
müssen.
Ich glaube, dass es zwei Punkte sind, die den christliche
Glauben so attraktiv machen: Die erlösende Botschaft,
dass wir von unseren Sünden befreit wurden. Dass wir
nicht mehr für unsere Schuld abbezahlen müssen,
um mit Gott ins Reine zu kommen. Darüber hatte ich ja
am letzten Sonntag gesprochen.
Und vor allem ein zweiter Punkt, der im heutigen Evangelium
aufgegriffen wird: Die Verheißung Gottes, dass wir bei
ihm Leben dürfen - ohne vom Tod bedroht zu sein.
Nun - so können Sie jetzt einwenden - das ist ja nichts
besonderes. Alle Religionen haben den Glauben an ein Leben
nach dem Tod. Das scheint ja ein ganz normaler Bestandteil
zu sein.
Das ist er aber nur, wenn wir nicht näher hinschauen.
Denn gerade im heutigen Evangelium wird etwas Wunderbares
von unserem Glauben gesagt, dass es so in keiner anderen Religion
gibt.
Unser Leben beim Vater wird nicht etwas vollkommen anderes
sein, so dass wir nichts darüber sagen könnten.
Dann könnten wir uns nämlich auch nicht darauf freuen,
und es wäre auch nichts erstrebenswertes. Aber der Himmel,
das Paradies, ist keine simple Fortsetzung unseres bisherigen
Lebens. Das wäre zwar etwas, was wir uns vorstellen könnten,
aber ganz und gar nichts verheißungsvolles.
Nein, unsere christliche Überzeugung ist, dass der Himmel
das sein wird, was jetzt schon Leben ausmacht, aber ungetrübt,
ohne den faden Beigeschmack der Vergeblichkeit.
Wir werden hineingenommen in ein wunderbares Geschehen, dar
keine Langeweile aufkommen lässt. Der Himmel wird Begegnung
sein - ungetrübte Begegnung mit Menschen, die mir hier
auf Erden fremd gewesen sind. Ungetrübte Begegnung mit
Menschen, die mir hier so lieb gewesen sind.
Wir werden Gott sehen, wie er ist: Fassungslose Liebe, bedingungsloses
Dasein für uns. Gott, der uns in diesem Leben schon immer
wieder überrascht mit herrlichen Momenten des Glücks,
wird als der erkennbar werden, der unser tiefstes Sehnen erfüllt.
Alles, was unseren Glauben hier erschwert, wird wegfallen.
Es wird einfach nur herrlich sein.
Einander begegnen, Gott begegnen, nicht mehr hin- und hergerissen,
nicht mehr mit der eigenen Unzulänglichkeit kämpfen
müssen - es tut uns zwischendurch ganz gut, uns den Himmel
auszumalen. Eine Zeit der Stille damit zu verbringen, uns
schlicht zu freuen. Einfach nur dazusitzen und uns darauf
freuen, dass alle die Menschen, die mir nur flüchtig
begegnen, nicht verloren sind. Dass wir ein Wiedersehen feiern
werden, dass alle Vorstellungen übersteigt.
Das ist eine Form von Gebet, die uns abhanden gekommen ist.
Aber was gibt es Schöneres?
Beantworten wir uns ruhig öfter die Frage, was der Grund
ist, weswegen ich glaube, und weswegen mein Glaube so ergreifend
ist. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, zu den Dingen, über
die sich die Menschen schon ewig Gedanken gemacht haben, gehören
Sterben und Tod eines Menschen. Dabei geht es nicht um Nebensächlichkeiten,
sondern um die Mitte unseres Daseins. Die Art und Weise nämlich,
wie man über Sterben und Tod denkt, hat massive Auswirkungen
auf den Umgang, den wir miteinander pflegen. Bedenklich muss
uns darum stimmen, dass offenbar immer weniger Bereitschaft
da ist, den Toten und seinen Leib zu ehren und das Andenken
an die Verstorbenen zu bewahren. Auf einem großen Berliner
Friedhof wurden im Jahr 1996 bereits 744 Tote, das sind mehr
als ein Drittel in diesem Falle, anonym beerdigt. Vor 20 Jahren
waren es gerade erst 17 Fälle. In Berlin-Tegel wurden
vor 2 Jahren bereits fast vier Fünftel aller Beerdigungen
anonym durchgeführt. In Kopenhagen und anderen skandinavischen
Großstädten ist die Beisetzung, wie wir sie kennen
- mit Grabstein, Schmuck und Namen - schon die absolute Ausnahme:
90 % der Beerdigungen sind dort anonym. Aber auch in großen
norddeutschen Städten wie Kiel oder Flensburg geht die
Tendenz eindeutig dahin: die Trennung von den Toten ist vollständig;
es gibt kein Wiedersehen; die Trauer wird ebenso verdrängt
wie Krankheit oder das Sterben selbst. Man will nichts mehr
damit zu tun haben.
Ein Blick in die Bibel zeigt, dass diese Entwicklung nicht
unbedingt etwas ganz Neues ist. Das heutige Evangelium macht
uns zu Zeugen einer Auseinandersetzung zwischen Jesus und
einer jüdischen Gruppe, den Sadduzäern.
Schauen wir uns die Sadduzäer einmal genauer an: Sie
gehörten zu den herrschenden Gruppierungen im jüdischen
Volk. Als Mitglieder der alten Priestergeschlechter waren
sie sehr wohlhabend. Weil sie darauf aus waren, ihren Reichtum
nicht aufs Spiel zu setzen, arrangieren sie sich mit den römischen
Besatzern im Land. Theologisch und was ihren Glauben angeht,
sind sie sehr festgefahren auf einen "liberalen Minimalismus",
d.h. sie lassen in der Bibel nur die ersten fünf Bücher
des Mose gelten. So kommen für sie übernatürliche
Wirklichkeiten wie Engel, Auferstehung und Unsterblichkeit
nicht als Glaubenswahrheiten in Frage. Im Gegenteil, sie machen
sich darüber lustig und versuchen nun, Jesus in eine
peinliche Verlegenheit zu bringen und ihn vor allen Leuten
zu blamieren.
Sie erzählen den konstruierten Fall einer Frau, die
nacheinander sieben Männer heiratet, die alle der Reihe
nach sterben. Schließlich stirbt auch die Frau. Frage:
Wessen Ehefrau wird sie nun nach der Auferstehung sein?
Doch Jesus lässt sich durch diese Fangfrage nicht zu
Fall bringen. Er durchschaut die Absicht derer, die ihren
Spott treiben wollen. Aber zugleich liegt ihm auch an der
Einsicht und der Umkehr der Menschen. Er will nicht, dass
sie in ihrem Irrtum gefangen bleiben. Er will, dass sie zu
Gott finden und leben.
Es ist die einfache und billigen Vorstellung der Sadduzäer,
dass der Himmel nichts anderes ist als Verlängerung des
irdischen Daseins: Ein ewiger Kampf um Leben und Tod. Jedes
neugeborene Kind ist ein Sieg über den Tod. Wenn aber
ein Mensch stirbt, hat der Tod wieder die Oberhand gewonnen.
Wenn dann neues Leben entsteht, kommt wieder neue Hoffnung
auf. Viele denken sich darum diesen Vorgang von Stirb und
Werde, von Geburt, Ehe und Tod als einen ewigen Kreislauf:
Den Gesetzen der Natur habe sich auch Gott zu fügen.
Dagegen betont Jesus, dass - wenn (nach dem Tod) dem Menschen
die Auferstehung geschenkt wird - dann ein neues Leben anbricht,
das nichts mehr mit dem Kampf um Leben und Überleben,
den wir hier auf Erden führen, zu tun hat. Gott ist größer
als alles, und er schenkt alles. Die Sehnsucht der Menschen
nach Leben in Fülle enttäuscht er nicht. Denn er
ist der Gott des Lebens, kein Gott des Totenreichs. Auch Abraham,
Isaak und Jakob, die Stammväter des jüdischen Volkes,
auf die sich auch die Sadduzäer berufen - sie leben und
mit ihnen alle, die im Glauben an den lebendigen Gott gestorben
sind.
Was Jesus sagt, hat er am Ende selbst bezeugt durch seine
Auferstehung am dritten Tag. So bauen wir, wenn wir Christus
glauben, nicht auf Hirngespinste und Phantasien, sondern auf
das, was Jesus selbst getan hat für uns.
Mit dem praktischen Nichtglauben an ein Leben nach dem Tod leugnen wir
auch die Macht Gottes, die alles Leben übersteigt - und sind, wenn
wir konsequent sind, damit auch unser ganzes Leben alleingelassen. Wer
seine Toten anonym beiseite legt, der lebt sein Leben selbst in aller
Anonymität. Wer aber von sich und den Verstorbenen glaubt, dass er
vor Gott einen Namen hat, der hat auch Zukunft, über den Tod hinaus.
Amen.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Wenn wir uns die Todesanzeigen in der Tageszeitung anschauen, lesen wir
oft: Wir werden dich immer im Gedächtnis behalten und
Ähnliches. Was wird mit solchen Worten ausgesagt? Sicherlich zunächst
einmal die Liebe, die den schmerzlich Vermißten immer in der Erinnerung
behalten will, diese Erinnerung pflegt und aus ihr noch einen gewissen
Trost zu schöpfen sucht und die es für einen Frevel hält,
den Geliebten einfach zu vergessen.
Es kann dahinter aber auch die weitere Meinung stehen, die Toten lebten
im Gedächtnis weiter und nur im Gedächtnis. Je stärker
die Erinnerung, um so mehr lebten sie; endgültiges Vergessen aber
würde sie ins Nichts sinken lassen. Daran ist natürlich etwas
Wahres, aber auch ein Irrtum. Die Wahrheit besteht darin, daß es
in der Tat Gottes ewiges Gedächtnis ist, das die Toten ins Leben
rettet. Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden!
ruft Jesus aus. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennt
sich so, weil die Genannten nicht im Tode, sondern im Leben sind. Weil
Gott den Menschen seit Ewigkeit beim Namen gerufen hat, läßt
er ihn nicht einfach ins Nichts sinken. Wenn wir bedenken, daß Gott
das unendliche Leben selbst ist, dann ist sogleich klar, daß der
Tod nicht die uneingeschränkte Macht haben kann, die wir ihm in der
Regel zugestehen. Dann wird auch ersichtlich, worin der Irrtum der angeführten
Meinung besteht. Sie traut Gott zu wenig zu, denn sie faßt Gottes
Erinnerung nach dem Maße menschlicher Erinnerung auf. Und sie baut
zu sehr auf die Kraft des menschlichen Gedächtnisses so als
hinge es von uns ab, ob die Toten leben oder nicht.
Aber nicht wir sind es, die die Toten leben lassen. Wir müssen einsehen,
daß selbst die tiefste Erinnerung mit der Zeit verblaßt. Mit
unseren Gedanken können wir niemanden aus dem Tod holen oder vor
dem Tod bewahren. Aber Gott kann das! Darum dürfen wir sagen: Die
Verstorbenen ruhen in Gottes Hand. Sie sind in Frieden.
Freilich erscheint vielen diese Vorstellung lächerlich und absurd.
Wir hörten, wie die Sadduzäer sich darüber lustig machen
und ein scheinbar einleuchtendes Gedankenexperiment erfinden, indem sie
fragen, mit welchem Mann die mehrfach verheiratete und verwitwete Frau
denn einst zusammen sein wird. Hinter der Frage steht die irrige Annahme,
das Leben nach dem Tod sei so etwas wie eine Verlängerung unserer
zeitlichen Existenz in irgendeiner jenseitigen Welt eben eine zeithafte
Existenz, in der geheiratet wird, Kinder gezeugt werden und schließlich
gestorben wird. Aber so ist das Leben nach dem Tod nicht vorzustellen.
Wir müssen alles Unvollkommene wegdenken, und zur Unvollkommenheit
dieses Lebens hier gehört nicht nur der Tod, sondern auch die Notwendigkeit
der Fortpflanzung, die doch nur deswegen besteht, weil es den Tod gibt.
Das ewige Leben bei Gott ist Leben pur. Ein Leben, das keine Trennung
kennt, kein schmerzliches Vermissen und Vergessen. In dieser Welt sind
Raum und Zeit sowohl Weisen, wie wir zusammenkommen, als auch Weisen der
Trennung. Der Raum verbindet und trennt, ebenso die Zeit. Wenn ich räumlich
bei einem Menschen bin, bin ich zugleich getrennt von einem anderen Menschen.
Wenn ich für einen Zeit habe, dann habe ich gerade keine Zeit für
einen anderen. Das ist im Himmel anders. Der himmlische Raum und die himmlische
Zeit sind so, daß sie nicht mehr trennen, sondern nur noch verbinden.
Gott schenkt uns in der Ewigkeit die Möglichkeit, seine Gegenwart
ständig zu erfahren und so auch die Gegenwart aller existierenden
Menschen. Alle werden uns dann gleich nah und gleich wichtig sein
wie es jetzt schon bei den Engeln ist. Darum gibt es im Himmel auch keine
exklusive Bindung an einen Menschen mehr so wie im irdischen Leben
in der Ehe.
Das kommt uns wahrscheinlich unglaublich vor. So was kann doch nicht
möglich sein!, denken wir vielleicht. Diese vielen Milliarden Menschen
mit den vielen Gesichtern und Namen! Und vielleicht denken wir auch an
unsympathische Menschen, an solche, die uns Böses getan haben. Mit
denen wollen wir auch im Himmel nichts zu tun haben! Wer so denkt,
ist in Unvollkommenheit befangen. Gott kann alle Menschen so rein und
vollkommen machen, daß sie im Glanz ihrer einzigartigen Schönheit
erstrahlen, mit der sie bei der Erschaffung ausgestattet wurden
wenn sie es wollen! Gott zwingt keinen. Wer die Häßlichkeit
der Sünde liebt, der wird in ihr bleiben; wer aber schon hier auf
Erden versucht, ein reiner und schöner Mensch zu sein, der wird von
Gott gewürdigt, ein unvorstellbares Glück im Himmel zu genießen,
das kein Ende kennt. Und zu diesem Glück gehört es, nicht nur
selbst heilig und rein zu sein, sondern auch alle Geretteten, Milliarden
von Mitmenschen, in ähnlicher Vollkommenheit zu sehen und sich mit
ihnen auf ewig an Gottes Herrlichkeit zu freuen.
5. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 11.11.00
Lieber Schwestern und Brüder!
Ich möchte Ihnen zur Erinnerung noch einmal ein paar Abschnitte aus dem
zweiten Thessalonicherbrief vorlesen, den wir zur Lesung gehört haben:
Brüder! Jesus Christus, unser Herr, tröste euch und gebe euch Kraft
zu jedem guten Werk und Wort.
Im übrigen, Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn
sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch.
Warum ich diese Sätze zitiere?
Da betet der Apostel für die Brüder, d. h. er betet für die
ganze Gemeinde in Thessalonich.
Und die ganze Gemeinde wird aufgefordert, für den Apostel Paulus und
seine Mitarbeiter zu beten.
Ja und?
Setzten wir diesen Brief einmal neu auf. So als ob er heute und hier Geltung
hätte. Dann könnte er ungefähr so lauten:
Schwestern und Brüder in Epe! Jesus Christus, unser Herr, tröste
euch und gebe euch Kraft den Glauben in eurem Alltag zu leben und zu bekennen.
Im übrigen, liebe Christen, betet für eure Seelsorger, für
die Pastöre, die Diakone, den Kaplan, damit sie ihren Dienst glaubwürdig
versehen und trotz der sinkenden Zahlen die Hoffnung nicht verlieren.
So hört sich das schon anders an, nicht wahr?
Bei der Lesung ist mir aufgefallen, dass der Apostel, also der Hirte für
seine Gemeindemitglieder betet. Und es fällt mir auf, dass er die Gemeinde
anfleht, auch für ihn, den Hirten zu beten.
Das sagt viel über das Gemeindeleben am Anfang der Kirche aus. Das Füreinander-Beten
war -scheint es- eine Selbstverständlichkeit. Etwas Grundlegendes.
Mich hat das im Inneren berührt. Und ich stelle mir die Frage: Sag mal
ehrlich, betest Du für die Gemeinde, die Dir anvertraut ist? Für
die Firmlinge, die Kommunionkinder, die Kranken, die Familien...? Oder machst
Du nur einfach so Deinen Dienst, die Katechese, den Besuch und das war’s
dann?
Liebe Gemeinde, ich bete für Sie alle. Abends, bevor ich schlafen gehe
z. B., segne ich die ganze Gemeinde, die Alten und Jungen, die Kranken und
Gesunden, die Glaubenden und Zweifelnden.
Aber ich weiß auch, dass ich zu wenig für Sie bete, weil man nie
genug für die anderen beten kann.
Mich ermutigt dieser Brief des Apostels jetzt auch Sie um Ihr Gebet für
uns, für Ihre Seelsorger und auch für mich zu bitten.
Ich weiß, dass Sie das schon tun. Und wir bauen auf Ihr Gebet. Wir brauchen
Ihr Gebet für uns. Das trägt uns. Ich weiß auch, dass man
nie genug für uns beten kann...
Das Gebet füreinander stärkt die Gemeinschaft untereinander.
Das Gebet füreinander stärkt unsere Gemeinschaft mit Gott.
Wenn wir dieses Füreinander-Beten in unserer Gemeinde pflegen, dann
wird das der Gemeinde zum Segen gereichen, weil wir dann nämlich wirklich
mit Gott rechnen:
Dann ist die Arbeit in der Gemeinde für die Hirten nicht nur reine Verwaltung
von eingetragenen Mitgliedern, sondern Dienst an den Schwestern und Brüdern,
für deren Seelen wir einmal vor Gott Rechenschaft ablegen müssen.
Dann vertrauen wir Seelsorger eben nicht nur auf unsere organisatorischen
und pastoralen Fähigkeiten, sondern auf den Geist Gottes, der weht, wo
er will, auch bei denen, wo wir Hirten es vielleicht nie vermutet hätten.
Dann wird der Pastor vielleicht nicht nur als einer der wichtigsten Arbeitgeber
im Dorf gesehen. Und das Seelsorgeteam nicht nur als Moderator und Motivator
für die vielen Gruppen und Verbände.
Dann werden die Seelsorger vielleicht auch mutiger oder sogar angefordert,
sich um einzelne Seelen zu kümmern, von Gott zu erzählen, Sakramente
zu spenden. Dafür sind wir nämlich hauptsächlich da.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wer betet, bringt Gott ins Spiel.
Gott ins Spiel bringen – das ist Auftrag Jesu an alle Christen, an alle
Gemeinden, auch hier in Epe, an Sie und mich.
Wenn wir wirklich diese Aufgabe erfüllen wollen, dann sollten wir weiterhin
füreinander beten und dieses Gebet als etwas Grundlegendes für unser
Gemeindeleben ansehen.
Wer betet, bringt Gott ins Spiel. Und ohne Gott ist unser Spiel hier auf
der Erde sinnlos.
Text zur Besinnung (nach der Kommunion)
Gedanken eines Menschen ohne Glauben
Allein,
wir sind allein.
Wir kommen und wir gehen ganz allein.
Wir mögen noch so sehr geliebt und von Zuneigung umgeben
sein,
die Kreuzweges des Lebens geh'n wir immer ganz allein.
Je teurer der Gefährte, um so bitterer der Schluss
dass ich den Rest des Lebensweges ganz alleine gehen muss.
Und wenn wir uns auch aneinander klammern, uns bleibt nur
die gleiche leere Bank auf jenen kalten leeren Flur.
Allein, wir sind allein
wir kommen und wir gehen ganz allein.
(R. Mey)
Gedanken eines Menschen voller Hoffnung
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt
mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz
am Wasser.
Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden,
treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte
kein Unheil;
denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst
mein
Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang,
und im Haus
des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.
(Psalm 23)
Fürbitten
Guter Gott, Du hast Deinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus,
zu uns gesandt, damit wir zu Dir gelangen können. Dich
bitten wir:
-
Gib uns Mut zum Glauben: Lass Dein Wort in uns lebendig
werden.
-
Gib uns Kraft zur Liebe: Lass uns füreinander da
sein.
-
Gib uns Grund zur Hoffnung: Lass uns in Freude auf Deine
Verheißung bauen.
-
Gib uns die Idee zur Tat: Lass uns weitergeben, was Du
uns geschenkt hast.
-
Gib uns Ruhe zum Gebet: Lass uns jetzt schon mit Dir
eins werden.
-
Gib unseren Verstorbenen den Lohn ihres Lebens: Lass
uns immer mit ihnen verbunden bleiben. (Wir feiern diesen
Gottesdienst...)
Gott, unser Vater, Du willst in unserem Leben Gestalt annehmen,
damit wir am Ende unserer Zeit zu Dir gelangen. Sei uns nahe
in Deiner Kirche und unserem Leben. Darum bitten wir, durch
Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 554, 1 + 2
Kyrie: 848, 1 + 2
Gloria: 840, 1 + 2
2. Lesung: 2 Thess 2, 16 - 3, 5
Zwischengesang: 882, 1 + 2
Evangelium: Lk 20, 27 - 38
Credo: 983
Gabenbereitung: 558, 1.2. + 5.6.
Sanctus: 987
Agnus Dei: 999, 3 (1+2)
Danksagung: Text
Schluss: 845, 1 + 4