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Predigten, Fürbitten und Lieder zum 4. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Ich möchte heute zwei Fragen besprechen. 1. Warum werden die Landsleute
Jesu in Nazareth so wütend auf ihn? Was erklärt ihren Stimmungsumschwung?
Und 2. Was können wir tun, damit wir nicht von der Miesmacherei angesteckt
werden?
Der Schlüssel zur Antwort auf die erste Frage steckt in der Bemerkung:
Ist das nicht der Sohn Josefs? Das heißt: Was kann er
uns schon Neues sagen? Wenn Jesus diese Einschätzung stehengelassen
hätte, dann hätte er seine Sendung verraten. Er hätte sich
in die viel zu engen Schubladen der Leute einsperren lassen, und man hätte
ihn fortan nur nach Menschenart angesehen. Seine eigentliche Botschaft
aber hätte keine aufnahmebereiten Hörer mehr finden können.
Andererseits wußte Jesus, daß die Einschätzung der Leute
letztlich aus ihrem Neid stammte, der nach der Regel verfährt: Also
schloß er messerscharf, daß nicht sein kann, was nicht sein
darf. Der neidische Mensch mißgönnt dem anderen Menschen
seine Überlegenheit und seine Erfolge; überhaupt alles, was
herausragt, ist ihm ein Dorn im Auge, und er muß es schlecht machen
und niederhalten. Wenn ich diese Fähigkeit schon nicht habe,
dann soll sie auch kein anderer haben, dann darf sie keiner haben,
räsoniert er im stillen und schmiedet Pläne, wie er den vermeintlichen
Konkurrenten zur Strecke oder wenigstens ins Wanken bringen kann. So dachten
damals auch die Landsleute Jesu, die sich mit seiner neuen Rolle nicht
anfreunden wollten. Der gefühlte Neid hielt Jesus vermutlich davon
ab, in seiner Heimatstadt Wunder zu wirken, denn damit hätte er diesen
nur noch vergrößert. Aber auch so war der Neid schon schlimm
genug, er vergiftete das Klima in der Synagoge derart, daß alle
weiteren Erklärungen Jesu nur noch Aggression erzeugten. Die Wahrheit
hatte an jenem Tag keine Chance. Die spätere Passion Jesu zeichnet
sich schon ab.
Nun zur zweiten Frage: Wie schützen wir uns vor dem verbreiteten
Virus der Miesmacherei und den vielen negativen Gefühlen, die in
uns und um uns herum wirksam sind? Offensichtlich bietet nicht einmal
die Kirche einen durchgreifenden Schutz, war es doch damals eine Synagoge,
in der sich die Aggressionen hochschaukelten, und sind es auch heute nicht
selten Inhaber hoher politischer wie auch kirchlicher Ämter, die
aus Mißgunst und Neid Intrigen spinnen und ihre mißliebigen
Parteifreunde oder Mitbrüder verunglimpfen, demütigen und verleumden.
In der Gemeinde von Korinth etwa hat es Auswüchse dieser Art gegeben,
Paulus beklagt sie eingehend in seinem Brief. Da gibt es eine Reihe von
Leuten, die sich einbilden, was Besseres zu sein, vor allem deshalb, weil
sie sich im Besitz gewisser Gnadengaben oder Charismen wähnen, die
sie vor den anderen auszeichnen. Sie wollen diese Gaben aber nicht in
den Dienst der Gemeinde stellen, sondern nur in ihrem kleinen Club pflegen,
und so provozieren sie eine Spaltung der Gemeinde. Kurz: Sie wollen nicht
dienen, sondern bewundert werden. Paulus legt seine ganze Persönlichkeit
in die Waagschale, um gegen diese Aufgeblasenheit und Eitelkeit anzugehen.
Den Höhepunkt seiner Ausführungen bildet das Hohelied der Liebe,
in dem er den Maßstab aufzeigt, an dem alle Gaben der Menschen gemessen
werden müssen. Die Liebe ist demnach der Weg, der alles übersteigt.
Sie ist der einzige Weg, der zum Ziel führt, während alles andere
nicht ausreicht: weder die tiefste Erkenntnis noch die heroischste Ethik.
Ich kann noch so glänzende Fähigkeiten haben, wenn ich nur mich
selbst suche, nur mich verwirklichen will, dann laufen meine Begabungen
ins Leere. Ich kann noch so fromm tun, noch so fromme Predigten halten,
wenn es mir dabei nur um meine Selbstdarstellung geht, dann wächst
daraus kein Segen. Ich kann alles verschenken, wenn es mir dabei nur darum
geht, von den anderen bewundert zu werden, dann nützt mir das nichts.
Ja, ich könnte selbst als Martyrer sterben, wenn dahinter nur eitle
Ruhmsucht stünde, hätte ich nichts davon. Die Liebe ist der
Prüfstein. An der Liebe entscheidet sich alles. Ohne Liebe ist alles
nur klingende Schelle und lärmende Pauke viel Lärm um
nichts.
Die Liebe war der Beweggrund Gottes, in die Welt zu kommen und sie zu
retten. Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen
Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern
das ewige Leben hat. (Joh 3,16) Alle, die mit der Aufgabe betraut
sind, diese Liebe Gottes vor der Welt zu leben und zu verkünden,
müssen diesen Dienst selber aus Liebe und in Liebe tun, sonst sind
sie keine Boten Gottes und reden nur aus sich selbst: aus ihrer Verachtung
der anderen Menschen, ihrer Fehler, ihrer Wohlstandskultur, ihrem Mißbrauch
der Macht oder der Natur. Solche Motive sind weit entfernt vom Niveau
der christlichen Predigt. Die Liebe ist langmütig, die Liebe
ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht
sich nicht auf. (1 Kor 13,4)
So ist die Liebe auch der wirksamste Schutz gegen mögliche Verhärtung
und gegen die Gefahr, vom allgemeinen Mißmut angesteckt zu werden.
Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält
allem stand. Die Liebe hört niemals auf. (1 Kor 13,7) Die Liebe
ist ein Höhenweg, der alles übersteigt. Wer sich auf diesen
Weg einläßt, der sucht nicht sich selbst, sondern Gott. Der
sucht nicht sich selbst, sondern den anderen. Darum hört wahre Liebe
niemals auf, denn sie ist nicht nur der Weg zum Ziel, sondern auch das,
was uns am Ziel erwartet: uneingeschränkte, ewige und selig machende
Liebe.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, da hat Jesus sich - in Nazareth -
wohl ganz schön in die Nesseln gesetzt: Den treuen Juden in seiner
Heimatstadt macht er auf wenig diplomatische Art und Weise klar, dass
keiner nur, weil er zum auserwählten Volk Israels gehört, schon
einen Anspruch auf Gottes Zuneigung hat. Auch die Bewohner Nazareths werden
nicht deshalb schon mit Wundern überschüttet, weil Nazareth
die Heimatstadt Jesu ist.
Nein, offensichtlich geht es Jesus um etwas ganz anderes als Wohnort
oder Abstammung.
Jesus hat in der Synagoge verkündet (wir haben am letzten Sonntag
gehört):
«Ich bin gekommen, damit ich den Armen eine gute Nachrichte bringe, den
Gefangenen Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht». Und
die Nazarener haben ihm zugejubelt, ohne zu verstehen, dass sie selbst
mit den Armen, den Gefangenen und den Blinden gemeint sind.
Es ist das Besondere an der Botschaft Jesu, dass sie prinzipiell allen
Menschen offen steht, egal, welche Abstammung, welche Rasse oder welchen
sozialen Status jemand hat. Aber notwendig, unverzichtbar ist das Eingeständnis:
«Ja Herr, ich bin arm, arm im Gefühl und im Geiste. Du kannst mich
reich machen.»
«Ja Herr, ich bin gefangen. Gefangen in meiner eigenen Selbstsucht, meiner
Faulheit, meiner Schuld und in den Verstrickungen dieser Welt. Du kannst
mich frei machen.»
«Ja Herr, ich bin blind. Blind für die Menschen um mich, blind für
deine Liebe, blind für meine eigenen Begabungen und Fehler. Du kannst
mich sehend machen.»
Wer meint, dieses Eingeständnis nicht nötig zu haben, der lehnt
Jesus und seine Erlösung ab. Was soll ich mich erlösen lassen, wenn's
mir in allem nur gut geht? Wenn ich einfach nur gut bin?
In der Lesung war die Rede von der Liebe - das Hohelied der Liebe aus
dem Korintherbrief. Und wahrscheinlich habe viele von Ihnen genickt und
gesagt: Ja, genau, das ist Liebe. Die Frage, die sich mir aber stellt,
ist: Habe Ich diese Liebe? Und damit ist nicht nur die gute Absicht gemeint,
sondern auch die Form: Ich kann es mit meinem Mann, meiner Frau oder meinen
Kindern gut meinen - aber wie äußert sich diese Liebe?
Machen wir einen Versuch: Können Sie ohne schlechtes Gewissen die
Lesung auf sich beziehen:
«Ich bin langmütig, ich bin gütig. Ich ereifere mich nicht,
ich prahle nicht, ich blähe mich nicht auf. Ich handle nicht ungehörig,
suche nicht meinen Vorteil. Ich lasse mich nicht zum Zorn reizen, ich
trage das Böse nicht nach. Ich freue mich nicht über das Unrecht,
sondern freue mich an der Wahrheit. Ich ertrage alles, glaube alles, hoffe
alles, halte allem stand...»
Könne Sie das wirklich von sich sagen? Wenn ja - dann brauchen Sie
keinen Gott und keinen Erlöser. Dann sind Sie bei den Bewohnern Nazareths
in bester Gesellschaft.
Falls sich bei Ihnen aber bei der einen oder anderen Stelle doch das schlechte
Gewissen regt - ja, dann sind Sie hier richtig. Gott weiß um unsere
Schwäche; und solange wir selbst ebenfalls darum wissen, ist der
erste Schritt getan.
Der nächste Schritt ist: Um Verzeihung bitten. Gott - und denen,
denen wir die Liebe schuldig geblieben sind. Um Verzeihung - und um Hilfe.
Wir alle brauchen Gottes Hilfe - und die Hilfe anderer Menschen.
Wenn Sie dazu bereit sind, dann sind Sie den Nazarenern einen Schritt
voraus. Einen Schritt in Richtung Frieden - Erlösung - Gott.
Amen.
3. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 23.02.97
"...hätte aber die Liebe nicht..."
Liebe Schwestern und Brüder,
Es ist wohl eine der bekanntesten Stellen, die wir in der Lesung gehört
haben: Das Hohelied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief. Es wird z. B.
gerne zu Hochzeiten genommen.
"...hätte aber die Liebe nicht..."
Es gibt wohl kaum ein Wort, das so tief und schön in unseren Ohren klingt,
wie das Wort Liebe. Es spricht in uns tiefe Schichten an.
Es gibt aber auch wohl kaum ein Wort, das so missbraucht, ja vergewaltigt
wird, wie das Wort Liebe. Denken wir nur an die Illustrierten, die über
die sogenannten "großen Lieben" der Promis und Stars berichten
wie über Äpfel und Birnen. Liebe wird da degradiert auf ein Herz-Schmerz-und-dies-das-Niveau.
"...hätte aber die Liebe nicht..."
Was ist denn die Liebe? Was macht dieses Wort so einzigartig in unseren Ohren?
Was sagt der Mensch eigentlich, wenn er sagt: "Ich liebe dich?"
Nun, er drückt damit eine Wertschätzung des anderen aus. Er heißt
das geliebte Gegenüber gut. Lobt und preist in einem gewissen Sinne dessen
Existenz: "Gut, dass es Dich gibt! Wie wunderbar, wie schön, dass
Du da bist!"
Liebe ist auch eine Gestalt des Wollens. Wer sagt: "Ich liebe Dich.",
der sagt gleichzeitig: "Ich will, dass Du bist, dass es Dich gibt."
"Gut, dass es Dich gibt. Ich will, dass es Dich gibt."
Das sagt nicht nur die Braut zu ihrem Bräutigam, wenn sie es ernst meint.
Das sagt auch die Tochter zu ihrem Vater, die Mutter zu ihrem Sohn, wenn sie
wirklich eine Familie sind.
Ohne diese Liebe bricht jede Ehe, jede Familie auseinander, weil sie dann
keine Grundlage mehr hat.
Diese Liebe wird sicherlich häufig auch auf die Probe gestellt. In Zeiten
der Not, der Krise, der Mißverständnisse. Aber dann zeigt sich
ja erst recht, ob der Satz "Ich liebe Dich." ernst gemeint war,
ob dahinter wirklich der Wille steht, den anderen zu bejahen. Oder ob das
Ganze eher ein Luftschloß war, oder gar der Versuch, den anderen für
sich und zu seinem Vorteil zu benutzen.
Gerade in der Glitzerwelt der Promis scheint man mir sich doch häufig
einen Partner zu suchen, um die eigene Karriere zu stützen, sich im Ruhm
des anderen zu baden, oder schlicht und einfach Geld abzusahnen. Und wenn
der andere dazu nicht mehr nützt, dann lässt man ihn fallen wie
eine heiße Kartoffel. Und sucht sich vielleicht den nächsten. Dann
wird das Wort Liebe zu einer Farce.
"...hätte aber die Liebe nicht..."
Auch wir bedürfen der Liebe, jeder und jede Einzelne von uns. Das müssen
wir uns immer wieder eingestehen. Wir können nicht nur lieben. Wir wollen,
ja wir müssen sogar geliebt werden.
Gabriel Marcel hat das so ausgedrückt: "Sein bedeutet Geliebtsein!"
Ohne zu lieben, ist unser Leben schal und leer.
Aber ohne geliebt zu sein, ist das Leben unmöglich.
Dass wir leben, verdanken wir dem "Ich liebe Dich! Ich will, dass Du
bist!" Gottes.
Unser Leben ist ein Geschenk der und ein Geschenk aus Liebe. Denn Gott ist
die Liebe.
Ohne seine Liebe zu uns, wären wir nicht, gäbe es uns nicht.
"Sein bedeutet Geliebtsein."
Wie sehr das stimmt hat einmal ein interessantes Experiment herausgestellt.
Neugeborene von Frauen, die im Gefängnis eine Haftstrafe abzusitzen hatten,
wurden untersucht.
Ein Teil der Kinder blieb den Müttern im Gefängnis, unter den dort
nicht gerade kinderfreundlichen Umständen.
Der andere Teil wurde von geschultem Personal in gut ausgestatteten Kinderheimen
betreut.
Diejenigen Kinder nun, die bei ihren Müttern bleiben durften, waren weniger
anfällig für körperliche und psychische Krankheit, als die
anderen Kinder.
Die wirkliche, aufrichtige Liebe einer Mutter, ist durch nichts und niemand
zu ersetzen, auch nicht durch noch so ausgefeilte Kinderkrippen und Schulsysteme.
Und auch die Liebe der Eltern untereinander ist für das Kind unendlich
wichtig. Ja, man kann den Eindruck gewinnen, dass es für die Kleinen
wichtig ist, dass sie wissen Mama und Papa mögen mich. Aber noch wichtiger
ist es für die Kinder zu sehen, zu spüren, zu erfahren: Mama und
Papa haben sich lieb. Denn das Kind weiß intuitiv, dass ohne die Liebe
der Eltern untereinander, die Zukunft der Familie auf dem Spiel steht. Und
damit die eigene Zukunft.
Gerade auch deshalb hat die Politik die Pflicht, die Institution der Ehe
zwischen Mann und Frau, und die Institution der Familie zu stärken und
zu stützen, wo es nur geht. Ansonsten wird das ganze Gemeinwesen krank.
Wir beginnen das in unserem Land ja nun deutlich zu spüren, wo die Jugendkriminalität
steigt, jede dritte Ehe geschieden wird, und die Singlehaushalte in einigen
Städten die Familienhaushalte übersteigen.
"...hätte aber die Liebe nicht..."
Was wären wir ohne die Liebe?
Ohne die Liebe Gottes wären wir gar nicht.
Ohne die Liebe der anderen würden wir innerlich verkümmern.
Geliebt zu sein gibt Vertrauen für die Zukunft, gibt Hoffnung auf Heil.
In dieser Eucharistiefeier wollen wir Gott Dank sagen, für all die Liebe,
die wir in unserem Leben erfahren durften.
Und wir halten ihm unsere Sehnsucht hin, geliebt zu werden auch in Zukunft.
Wir versprechen ihm, die anderen zu lieben, ihnen so gut es geht in Wort
und Tat zu sagen: "Ich liebe Dich. Ich will, dass Du bist. Gut, dass
es Dich gibt."
Wir versprechen es ihm, weil wir spüren und erfahren:
Sein bedeutet Geliebtsein.
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Ich möchte Ihnen heute etwas sagen zum Thema Weitergabe des Glaubens.
Zunächst das Wort des Evangeliums: Jesus verkündet die Heilsbotschaft
Gottes und erklärt sie für erfüllt. Aber seine Landsleute
lehnen diese Botschaft ab und mit ihr auch den Verkünder, Jesus.
Am letzten Sonntag haben wir darüber nachgedacht, wie sehr diese
Botschaft Jesu den Sehnsüchten der Menschen entgegenkommt und wie
dumm es ist, diese Botschaft nicht an sich herankommen zu lassen. Heute
möchte ich den Blick auf Jesus lenken als den, der sich bemüht
hat, das Herz der Menschen für diese Botschaft zu gewinnen.
Es gelang ihm nicht immer. Die Erfolglosigkeit begleitete ihn durch sein
ganzes öffentliches Leben. Was tut er? Jesus geht weg, und es sieht
nicht danach aus, daß er wiederkommen wird. Ihn trifft die Verwerfung
nicht, sondern sie fällt auf die Ungläubigen selbst zurück.
Christus schreitet weiter, auch wenn die Menschen nein sagen. Wenn sie
ihn töten wollen, geht er zu anderen, um ihnen das Leben zu spenden.
Wir sind durch das heutige Evangelium herausgefordert, solche zu sein,
die den Glauben ebenfalls verkünden und anderen weitergeben. Wir
werden oft und oft in eine ähnliche Lage wie Jesus kommen, auf Verschlossenheit,
Mißtrauen und Ablehnung stoßen. Dann gilt es, sich nicht anstecken
zu lassen von der finsteren Stimmung, sich nicht zu ereifern und zum Zorn
reizen zu lassen wie Paulus sagt sondern allem standzuhalten
in Geduld und Liebe.
Viele werden sagen: Das ist doch die Aufgabe der Priester, den Glauben
weiterzugeben. Das ist so nicht richtig. Sie sind dafür auch zuständig,
aber alleine könnten sie überhaupt nichts bewegen. Wenn nicht
die Eltern ihre Kinder im lebendigen Glauben aufwachsen lassen, dann ist
alle Mühe des Pastors etwa bei der Kommunionvorbereitung umsonst.
An dieser Stelle möchte ein riesiges Dankeschön loswerden:
nämlich an die Großmütter und Großväter! Sie
sind für ihre Enkelkinder oft weit überzeugendere Glaubenszeugen
als die Eltern. Sie haben mehr Zeit, und das religiöse Leben hat
für sie oft einen größeren Stellenwert als für die
mittlere Generation, die mit anderen Sorgen beschäftigt ist. In Freiburg
habe ich einen netten Jungen kennengelernt, der ausschließlich von
seiner Oma im Glauben unterrichtet wurde; er wurde Dommeßdiener,
später Oberministrant und studiert jetzt in Rom Theologie.
Omas und Opas sind für Kinder einfach faszinierend, und wenn sie
vom Glauben begeistert sind, dann springt der Funke leicht auf die Kinder
über. Darum möchte ich alle hier sitzenden Großeltern
ermutigen, ihren Enkeln durchaus oft von ihrem Glauben zu erzählen,
mit ihnen zu singen und zu beten und sie einzuladen, mit in die Kirche
zu kommen.
Aber nicht nur Eltern und Großeltern sind verantwortlich für
die Weitergabe des Glaubens. Die ganze Gemeinde sollte dieses Ziel vor
Augen haben. Im Augenblick bereiten sich ... Kinder auf ihre erste heilige
Kommunion vor. Beten wir alle dafür, daß diese Vorbereitung
auch Frucht trägt? Ist uns wirklich zur Genüge bewußt,
daß das Gebet viel wichtiger ist als alle menschlichen Anstrengungen?
Es ist ja der Heilige Geist, der in den Herzen der Menschen wirkt. Ohne
sein unsichtbares Wirken wäre all unser Bemühen umsonst.
Schließlich ist noch unser Umgang mit dem Abwehrverhalten anderer
Leute zu bedenken. Leider kommt es immer wieder vor, daß andere
von unserem Glauben nichts wissen wollen; manchmal sogar die eigenen Kinder
oder Enkel nicht. Dann werden wir leicht mutlos und ziehen uns in unsere
Privatheit zurück. Wir werden still und verlieren mehr und mehr den
Impuls, von dem zu reden, was uns eigentlich wichtig ist. Und die Folge
ist, daß uns dies dann sogar nach und nach weniger wichtig werden
kann. Die Resignation schlägt in Lauheit um. - Da sollte uns Jesus
ein Vorbild sein. Dort, wo er nicht ankommt, geht er weiter. Aber nicht
gedrückt und entmutigt, sondern in der vollen Kraft seiner Sendung.
Die Kraft, es ihm gleichzutun, gibt uns die Begegnung mit Jesus hier
in der Eucharistiefeier. Hier feiern wir Jesu Sieg über die Mächte
der Finsternis, den Sieg der Liebe. Deinen Tod, o Herr, verkünden
wir, und deine Auferstehung preisen wir bis du
Fürbitten
Gott,
unser Vater, du schenkst uns deinen Sohn, damit wir dich erkennen, dich
lieben und aus Dir heraus unser Leben gestalten. Wir bitten Dich:
-
Erneure unsere Kirche, damit sie sich immer wieder zu Dir öffnet und
im Glauben an Deine grenzenlose Barmherzigkeit den Menschen dient.
-
Öffne den Reichen und Mächtigen dieser Welt das Herz für
die armen, notleidenden und hilfesuchenden Menschen dieser Welt.
-
Schenke den Menschen, die blind sind für die Hoffnungen und Ängste
des Nächsten, den Blick für Zeichen der Verbundenheit.
-
Befreie die, die gefangen sind in Süchten, Abhängigkeiten und
Unfreiheiten; richte sie auf in der Freiheit und Selbstachtung.
-
Öffne unseren Blick für die Realitäten unseres Lebens; sei
Du die Hilfe in unserem Leben, nach der wir immer wieder suchen.
-
Nimm dich der Leidenden, Sterbenden und Trauernden an, erfülle sie
mit deiner Hoffnung und mit dem Vertrauen auf Deine Zuneigung. Besonders
bitten wir auch für unsere Verstorbenen; wir feiern diesen Gottesdienst
Vater, Du kehrst bei jedem ein, der Dich
sucht und der um Deine Hilfe bittet. Dich preisen wir, durch Christus,
unserem Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 147, 1 + 2 262, 1+2
Kerzenweihe
Gloria: 464
2. Lesung: 1 Kor 13, 4-11 (Kurzfassung)
Zwischengesang: 554, 3
Evangelium: Lk 2, 22-36 Lk 4, 21-30
Credo: 467
Gabenbereitung: 135, 1 + 4 290
Sanctus: 469
Agnus Dei: 470
Schluss: 995, 1+2