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Predigten, Fürbitten und Lieder zum 5. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Wenn die Meßfeier auf ihren Höhepunkt zusteuert, ruft der
Priester uns auf: Erhebet die Herzen! Natürlich meint
diese Aufforderung nicht, daß sich nun alle erheben sollen, auch
wenn dies dazu gehört. Vielmehr sollen von nun an alle in das Geheimnis
Gottes eintreten, und zwar mit ganzem Herzen, Willen und Verstand.
In diesem Augenblick sind wir in einer ähnlichen Lage sind wie der
Prophet Jesaja bei seiner Berufungsvision. Die Lesung erzählt, wie
Jesaja Gott begegnet ist: er, der unwürdige, kleine Mensch dem heiligen,
unnahbaren Gott. Deshalb ruft er aus: Weh mir, ich bin verloren,
ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen. Er erfährt den unendlichen
Abstand zu Gott, seinem Schöpfer, und seine eigene Unwürdigkeit
angesichts der Heiligkeit Gottes. Und so läßt ihn der Gesang
der Engel erschauern, die rufen: Heilig, heilig, heilig ist der
Herr der Heerscharen. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.
Genauso stehen wir vor Gott, und deshalb wiederholen wir ja in jeder
Messe diesen Lobpreis der Engel, besser: wir stimmen in ihn ein, nachdem
wir unsere Herzen zu Gott hin erhoben haben und unmittelbar vor der Wandlung
stehen, d.h. dem Augenblick, wo Gott in unsere Mitte herabsteigt und Brot
und Wein in den Leib und das Blut Jesu verwandelt. Müßten wir
dann nicht eigentlich auch sagen: Weh mir, ich bin verloren?
Das ist der erste Teil der unheimlichen Begegnung zwischen dem Propheten
Jesaja und Gott. Dann kommt ein Engel mit einer glühenden Kohle in
der Hand und berührt damit den Mund des Propheten, um seine Schuld
zu tilgen. Es geschieht etwas anscheinend sehr Schmerzhaftes wer
möchte schon seinen Mund an eine glühende Kohle halten? ,
aber zugleich auch etwas Befreiendes, das die Lage des Propheten entscheidend
verändert: Gott erscheint nicht mehr als der Erdrückende, Gefährliche
und Bedrohliche, sondern als der Bittende und Fragende: Wen soll
ich senden? Wer geht in unserem Auftrag?
Jagt uns Gott Schrecken ein? Müssen wir vor Gott Angst haben? Die
Frage kommt aus einer schiefen Perspektive und kann uns darum in die Irre
führen. Wir sollten besser anders fragen: Haben wir es manchmal nötig,
erschreckt zu werden? Kann es für uns heilsam sein, daß wir
aufgerüttelt werden aus einer falschen Sicherheit? Wenn ich z.B.
auf der Autobahn fahre und langsam eindöse, für Sekunden das
Bewußtsein verliere muß ich da nicht aufgeschreckt
werden, um nicht ins Verderben zu fahren? So ist es auch mit unserem religiösen
Leben und mit der Praxis der Gottesdienstfeier: sie kann zur Routineangelegenheit
werden eine Gefahr, die besonders die Priester ständig bedroht.
Und auch unser Leben: Wie oft stecken wir in einer unfruchtbaren
Selbstgefälligkeit, die uns für Gottes Ruf taub macht? Da kann
ein Erschrecken sehr wohl heilsam sein, wenn es auch weh tut wie eine
glühende Kohle.
So ist es auch Petrus und seinen Freunden gegangen, als sie Zeuge des
wunderbaren Fischfangs wurden. Schlagartig wurde ihnen bewußt, wie
klein und unwürdig sie waren im Vergleich zu dem erhabenen Herrn,
der sogar über die Fische Macht hatte. So rief Petrus aus: Herr,
geh weg von mir, ich bin ein Sünder. Das Erschrecken war nötig
und heilsam, weil sie sonst nie auf die Idee gekommen wären, Jesus
auf seinem Weg zu folgen und wie er Menschenfischer zu werden.
So sehen wir: Das Erschrecken ist das notwendige Durchgangsstadium zum
neuen Selbstbewußtsein, das Gott uns schenkt, wenn er einem jeden
von uns sagt: Ich brauche dich. Ich will dich senden, für meine
Dienste einspannen.
So ruft uns Gott auch heute. Zum Beispiel wenn Katechetinnen gesucht
werden für die Kommunionvorbereitung oder die Firmvorbereitung oder
Leute für den Vorstand in KAB oder Frauengemeinschaft. Weh
mir, ich bin verloren, mögen einige Eltern gedacht haben, als
sie die vor ihnen stehende Aufgabe als Katechetinnen bedacht haben. Aber
die Frage Wen soll ich denn senden? hat sie ermutigt zu sagen:
Hier bin ich, sende mich! Und siehe da: Es geht, und zwar
gut, wie ich fest annehme. Der Heilige Geist wirkt in den Herzen der Kommunionkinder,
weil einige Eltern ihre Mitarbeit angeboten haben.
Es ist ein Wunder, das sich täglich wiederholt und angesichts dessen
wir immer wieder singen können und dürfen: Heilig, heilig,
heilig...
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, die Predigt, die Jesus in den Booten
der Fischer hält, wird an dieser Stelle gar nicht näher erwähnt.
Und offensichtlich hat sie keinen entscheidenden Eindruck auf die Fischer
gemacht, ihr Leben nicht von Grund auf verändert. Zumindest wird
da nichts von berichtet.
Wenn man einmal näher in die Heiligen Schrift hineinschaut, so entdeckt
man darin einen Grundzug: Durch seine Predigt fasziniert Jesus zwar die
Menschen, stimmt sie nachdenklich und hilft ihnen, über ihren Glauben
und ihr Leben nachzudenken. Bekehrungen aber geschehen dadurch nur ganz
wenige.
Auch bei den Fischern, die Jesus vermutlich genauso zugehört haben
wie die Menge der Menschen, hat die Predigt noch keine innere Revolution
ausgelöst. Aber immerhin sind sie so angetan von dem, was Jesus sagt,
dass sie ihm nicht widersprechen, als er zu ihnen sagt: «Fahrt hinaus!»
Nur - damit haben sie sich auf etwas eingelassen, wo sie nicht mehr herauskommen.
Denn jetzt erfahren sie, wer dieser Jesus ist: Eben nicht nur ein Prediger;
nicht nur einer, der eine neue Lehre zu verkünden hat; nicht nur
ein Entdecker von neuen Lebensweisheiten - sondern einer, der mein Leben
verändern kann, weil er alles bewirken kann.
So gewinnt Jesus auch an den vielen anderen Stellen im Neuen Testament
seine Jünger: Indem er nicht viele Worte macht, sondern indem er
in das Leben der Menschen eingreift, es verändert. Indem er heilt,
hilft, rettet und befreit. Bekehrungen geschehen nicht durch Worte allein
- auch nicht durch meine Worte hier - sondern durch die Begegnung mit
dem, der mein Leben in der Hand hält.
Und das ist dem Petrus eindeutig zu viel. Jesu Predigt anhören -
das war ja noch in Ordnung. Sich vielleicht hier und da aus der Predigt
Jesu ein paar nette Sätze notieren - und dann in Ruhe darüber
nachdenken - das geht noch. Aber - sich von diesem Fremden in seiner Arbeit,
in seinem Leben beeinflussen lassen - das geht dem Fischer ohne Frage
zu weit. «Herr, geh weg von mir!» sagt er - und meint es auch so.
Aber da ist es bereits zu spät. Jesus hat ihnen gezeigt, was Glauben
wirklich heißt, was es bedeutet, sich auf diesen Jesus einzulassen:
Nämlich hinzunehmen, dass mein Leben vollkommen umgekrempelt wird.
Und vielleicht haben wir davor auch so unsere Ängste. Im Gottesdienst
sich ein paar nette Worte anhören - das eine oder das andere erwägen,
darüber nachdenken, und, wenn es uns auskommt, es auch beherzigen,
das mag ja noch angehen. Aber Gott persönlich begegnen - sich ihm
überlassen, ihm ausliefern, das liegt uns dann doch nicht so.
Aber Gott weiß, dass uns das nicht so liegt, dass es nur allzu
menschlich ist, sich vor dem zu fürchten, was wir nicht kennen und
was Gott mit uns vorhaben könnte. Und deshalb sagt er dem Petrus
und auch uns: «Fürchte dich nicht!»
Fürchten Sie sich nicht, sich diesem Gott anzuvertrauen und ihn
in ihrem Leben wirken zu lassen. Fürchten Sie sich nicht, denn Gott
meint es nur gut mit uns. Amen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
manchmal glauben wir, die Berufung der Jünger, von der wir gerade
gehört haben, sei ein Ereignis wie ein Blitz im Leben. Zuvor noch
nie gesehen - und plötzlich gefangen im Netz des Glaubens. Wir schreiben
der Ausstrahlung Jesu unglaubliches zu, weil wir immer wieder annehmen,
Jesu würde seine Jünger schon beim ersten Treffen herausfordern,
ihr Leben zu ändern.
Wer aber die Berufungsgeschichten im Zusammenhang des ganzen Evangeliums
liest, der entdeckt, dass Jesus schon zuvor mit Petrus und den anderen
Jüngern unterwegs war: Auf der Hochzeit zu Kana haben sie gemeinsam
gefeiert, zwischendurch hat Jesus sogar einige Zeit bei Petrus gewohnt
und dessen Schwiegermutter geheilt, es sind bereits Wunder geschehen und
Jesus hat dadurch - und durch seine Predigten - für einiges Aufsehen
gesorgt.
Aber erst nach diesem langsamen Bekanntwerden mit dem Messias erfolgt
die Berufung. Keineswegs haben die zukünftigen Apostel - in einem
Anflug von Liebe auf den ersten Blick - alles stehen und liegen gelassen.
Jesus hat ihnen vielmehr Zeit gegeben, ihn kennen zu lernen, sich mit
dem Gedanken, vielleicht doch ein anderes Leben zu leben, vertraut zu
machen. Jesus hat Geduld.
Liebe Schwestern und Brüder, nachdem J. R .R. Tolkien sein Jahrhundertwerk,
"Der Herr der Ringe" geschrieben hat - ein Roman, der nur so vor Helden
und heldenhaften Handlungen strotzt -, hat er in einem Interview einmal
gesagt, dass es auch in der realen Welt Zeiten gibt, in der wir zu heldenhaften
aufgerufen sind. Diesen Ruf zum Helden hört aber nur der, der den
größten Teil seiner Zeit zuvor damit verbringt, die Treue im
Alltäglichen zu leben. Diese innere Bereitschaft, jetzt schon das
nötige zu tun, ist die Vorraussetzung, um auch zu großem fähig
zu sein.
Die Apostel sind nicht willkürlich ausgewählt. Auch Jesus hat
Gelegenheit gehabt, sie in Ruhe kennen zu lernen. Und er ruft die zu Großem,
die bereits vorher bereit waren, im Alltäglichen treu zu sein.
Auch wir sind von Gott angesprochen. Vielleicht liegt das große
Heldenstück noch vor uns. Vielleicht hat Gott uns dazu noch nicht
gerufen. Aber wir können diesen Ruf nur hören - und dann den
Mut haben, ihm zu folgen, wenn wir bereits jetzt aufmerksam sind; auf
Gott schauen, ihm zuhören und nahe sind.
Vielleicht wird einmal ein wildfremder Mensch vor uns in Tränen
ausbrechen. Dann gehört für unsereiner aller Mut der Welt dazu,
darin den Ruf Gottes zu erkennen. Denn mit Sicherheit werden wir, wie
Petrus, im Inneren alle möglichen Ausreden erfinden: «Wer bin ich
schon, dass ich mich da einmische? Vielleicht will der keine Hilfe? Vielleicht
mache ich alles nur noch schlimmer? Vielleicht störe ich nur? Warum
gerade ich? Spiele ich mich dadurch nicht auf? Es gibt doch so viele andere...!»
Doch die Antwort Jesu gilt auch für uns: Fürchte dich nicht,
meinen Ruf zu folgen. Er wird kommen, der Ruf: Durch jemand, der in Not
gerät - und keiner traut sich, Hilfe anzubieten. Durch jemand, der
verlassen wird - und keiner weiß, ob er Gesellschaft braucht. Durch
jemand, der in Schuld gerät - und keiner weiß, ob man ihm noch
trauen kann. Durch jemand, der mir fremd ist - und ich nicht weiß,
ob ich überhaupt erwünscht bin. Durch jemand, der nicht die
Kraft hat, um Hilfe zu bitten - und ich nicht weiß, ob ich überhaupt
helfen kann. Dann sind Helden gefragt. Apostel, die allein schon durch
die Umstände den Ruf Gottes erkennen und nicht auf eine extra Aufforderung
warten.
Das kann nur der, der jetzt schon an seiner Bereitschaft arbeitet. Der
sich nicht zu schade ist, im kleinen an seinen eigenen Ängsten zu
arbeiten, sich hier und dort zu blamieren. Der weniger um seinen Ruf als
vielmehr um seine Mitmenschen bemüht ist. Der sich bemüht, die
Menschenfurcht abzulegen. Der nicht danach fragt, was alles sein könnte,
sondern der tut, was er für gut hält. Das sind Apostel, die
wir brauchen. Amen.
3. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Von jetzt an wirst du Menschen fangen. So spricht Jesus zu
Petrus. Doch bevor ich dieses Wort auslege, möchte ich darauf aufmerksam
machen, dass Jesus unmittelbar vorher zu Petrus gesagt hat: Fürchte
dich nicht! Wovor soll sich Petrus nicht fürchten? Welche Furcht
soll nicht sein? Das ist zuerst die Furcht vor dem Heiligen, die Petrus
gerade erlebt hat - bei dem wunderbaren Fischfang nämlich, denn hier
ist ihm aufgegangen, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist, dass
er vielmehr göttliche Kraft hat. Und er fühlt sich wie durch
eine Kluft von Gott getrennt: Geh weg von mir, ich bin ein sündiger
Mensch! Und die andere Furcht, die ihn befällt, ist die Furcht
zu versagen, das nicht zu können, was ihm aufgetragen wird.
Dazu eine eigene Erinnerung aus meinem Leben. Im Jahre 1980 habe ich
Zivildienst geleistet und während dieser Zeit häufig Gespräche
mit einem Priester geführt. Eines Tages fragte er mich direkt auf
den Kopf zu: Willst du nicht Priester werden? Und sofort stiegen
in mir die Ängste hoch: Wird mich das nicht überfordern? Wird
das nicht ein Leben ohne Freude sein, ein Leben in Einsamkeit? Die Ängste
jagten einander, und doch habe ich in den kommenden Wochen auf den Ruf
JA gesagt, der mir da entgegengekommen ist, und gespürt, dass ich
nicht berufen bin, weil ich so gut bin und soviel kann, sondern obwohl
ich so schlecht bin und mir soviel fehlt.
So also spricht Jesus zu Petrus: Von nun an sollst du Menschen
fangen. Schon Fische zu fangen, ist eine Kunst. So hören wir
im Evangelium: Sie hatten die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen. Die Fische entziehen sich dem Netz, sie wollen nicht da
hinein. Ob ein Fischer Erfolg hat oder nicht, das bleibt unsicher, er
kann den Erfolg nicht erzwingen. Ungleich schwerer aber ist es, wenn es
darum geht, Menschen zu fangen und für etwas einzuspannen. Mit welchen
Netzen soll man da arbeiten? Wie soll man sie auswerfen?
Wie hat es Jesus denn gemacht? Er ist ja schließlich der Meister.
Die Netze, die er ausgeworfen hat, waren vor allem seiner Predigt, seine
besondere Art, die Menschen anzusprechen, so dass sie in Scharen zu ihm
kamen. Sie waren so fasziniert von ihm, dass er sich in ein Boot setzte,
etwas Abstand vom Ufer nahm, damit er sie alle sehen konnte, und dann
predigte er. Es waren viel mehr, als hier heute in die Kirche gekommen
sind. Er faszinierte die Leute so sehr, dass Petrus sogar einen unsinnigen
Befehl ausführte, nämlich tagsüber die Netze auszuwerfen,
wo die Fische doch am Boden schwimmen. Obwohl es völlig unmöglich
ist, tagsüber Fische zu fangen, sagt Petrus doch: Wenn du es
sagst, so will ich es tun.
Von dieser Art zu reden müssen wir Priester uns immer wieder eine
Scheibe abschneiden und uns anstecken lassen. So wie Jesus sprechen: überzeugt
und dadurch überzeugend. Ganz ehrlich und ohne Selbstinteresse: nicht
so wie die Menschen, die etwas verkaufen wollen und z. B. in einem Brief
schreiben: Lieber Herr Schmidt, extra für Sie haben wir dieses
absolut einmalige Angebot zusammengestellt! und jeder weiß
doch, es ist der eigene Profit, der die Menschen zu solchen Formulierungen
treibt; sie wollen nicht mich, sondern mein Geld. Ganz anders Jesus: er
will wirklich nur mich, meine Person, für sich will er nichts; er
entäußert sich selbst und geht bis in den Tod hinein, um mir
seine Liebe zu zeigen. Den Menschen ist er ganz zugewandt, sie innig liebend.
Seine Predigt ist darum feurig und voller Eifer, alles andere als langweilig.
Und schließlich ist sie geheimnisvoll, so dass jeder spürt:
das ist keine bloße menschliche Rede, eine bloß menschliche
Meinung, derer wir schon überdrüssig sind, sondern vielmehr
eine Lehre in Vollmacht.
Aber Jesus blieb nicht nur bei Worten. Er ließ auch Taten folgen,
mit denen er gleichfalls seine Netze auswarf. Reden und Tun war eine Einheit
- ganz ohne Bruch. Wenn er z. B. die Vergebung Gottes verkündete,
dann hat er sie auch gespendet. Seine Barmherzigkeit blieb kein Lippenbekenntnis,
sie kam aus seiner tiefsten Menschlichkeit und zeigte sich in leibhaftigen
Gesten. Da kannte er keine Menschenfurcht! So ließ er sich z. B.
von den Sündern berühren und pflegte Gemeinschaft mit ihnen
und wusste doch, dass dies ein Skandal war und dass man ihn selbst deswegen
als Sünder ansehen musste. Wer von uns brächte das fertig: einen
Menschen zu verteidigen und sogar zu umarmen, der von ausnahmslos allen
anderen ausgegrenzt und als Sünder abgestempelt war!? Wir wären
viel zu feige dazu.
Und schließlich seine Wundertaten: hier im wunderbaren Fischfang
läßt das Wunder das Göttliche in seinem Handeln hindurch
scheinen. Aber er tut nicht Wunder, um eine Schau zu geben, sondern um
seine Lehre zu unterstreichen. Sein Wort vom Menschen fangen
gewinnt so eine ganz anschauliche Bedeutung: Gegen alles menschliche Ermessen
schwimmen die Fische ins Netz, wo sie sich normalerweise doch tagsüber
unten am Meeresboden aufhalten, und doch kommen sie und schwimmen ins
Netz. So wird es auch im Weinberg Gottes sein: Was Jesus mit dem wunderbaren
Fischfang zeigen will, ist: die Verkünder müssen eben nur dieses
eine tun unbeirrt ihre Netze auswerfen und nicht denken, es hat
sowieso keinen Zweck! Auf das Wort Jesu hin unbeirrt beim Glauben bleiben
und den Glauben verkünden - so wie Petrus - dann kann sich die Kirche
ausbreiten. Dann wird es immer wieder Fische geben, die in das Netz schwimmen,
Menschen, die sich für das Evangelium öffnen.
Wir Christen nicht nur die Priester, sondern auch die getauften
und gefirmten Gläubigen sollen in Worten und Taten unsere
Liebe zeigen, aber niemals durch List, Täuschung, Trug oder Gewalt
versuchen, die Menschen zu binden, denn so erreicht man das Herz des anderen
nicht. Und darum ist es auch nicht gut, die vergangenen Zeiten zu hoch
zu stilisieren, als die Volkskirche noch blühte; vielfach wurde damals
doch nur mit sozialem Druck gearbeitet und die Leute kamen nur, weil sie
sonst schlecht angesehen waren. Vielmehr können wir die Menschen
gewinnen allein durch Locken und Werben, durch unser einladendes Lächeln,
durch unsere eigene Glaubensfreude. Ja, Freude am Glauben!, also den Glauben
nicht als ein zusätzliches Kreuz ansehen, sondern als das, was uns
befreit inmitten von Kreuz und Leid! Die Menschen gewinnen durch unser
Bewusstsein der Freiheit der Kinder Gottes: wir können voller Würde
erhobenen Hauptes und aufrechten Ganges durchs Leben gehen und brauchen
uns nicht zu fürchten vor denen, die uns verspotten. Diesen können
wir vielmehr zurufen: Ihr habt doch keine Ahnung! Und gleichzeitig
können und sollen wir und klein machen vor Gott, der der einzige
ist, der unsere Ehrfurcht verdient. So ist z. B. erwiesen, dass die Kniebeuge
des Vaters das beste Beispiel für die Kinder ist, viel wichtiger
als 1000 Worte, die er womöglich über seinen Glauben spricht.
Denn diese Geste zeigt, wen der Vater als den wahrhaft Höchsten ansieht.
Die Menschen locken schließlich immer wieder durch unsere gewinnende
Liebe, durch unser geduldiges Verstehen, auch und gerade dann, wenn die
Menschen, die wir doch zum Herrn führen wollen, andere Wege gehen.
Durch unser Vergeben und Verzeihen, vor allem auch durch das Zugeben der
eigenen Schuld, d.h. dass wir nicht warten, bis der andere seine Schuld
bekennt und um Vergebung bittet. Dazu gehört auch die Fähigkeit,
über uns selbst zu lachen und uns nicht zu wichtig zu nehmen, d.h.
Humor. Und gleichzeitig sollen wir doch würdigen Ernst behalten,
der der Banalisierung widersteht. Es gibt eben ein paar Dinge, die dürfen
wir nicht ins Banale ziehen lassen, die sind zu wichtig, als dass wir
dulden dürfen, dass andere sie verulken und verhohnepiepeln: eben
vor allem der Gottesdienst, den wir feiern.
Kurz: durch unser ausgeglichenes und liebevolles Wesen können wir
leibhaftig die frohe Botschaft sein, so dass andere an unserem Gesicht,
an unseren Worten und Werken ablesen können, was Jesus Christus für
uns ist. so heißt es in einem alten Gebet:
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße,
um Menschen auf seinem Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,
um Menschen an seine Seite zu bringen.
Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest.
Wir sind Gottes letzte Botschaft, in Taten und Worten geschrieben...
Und wenn die Schrift gefälscht ist, nicht gelesen werden kann?
Wenn unsere Hände mit anderen Dingen beschäftigt sind als mit
seinen?
Wenn unsere Füße dahin gehen, wohin die Sünde zieht?
Wenn unsere Lippen sprechen, was er verwerfen würde?
Erwarten wir, ihm dienen zu können,
ohne ihm nachzufolgen?
Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest. Wir
sollen nicht auf Institutionen vertrauen, auf tote Kirchensteuer, sondern
sollen auf die lebendigen Menschen setzen, die sind unser einziges wirkungsvolles
Kapital. Und so sagt Jesus einem jeden von uns: Fürchtet euch
nicht!
Fürbitten
Herr
Jesus Christus, Du hast den Petrus dazu berufen, Menschen für Dein
Reich zu gewinnen. Dich bitten wir:
-
Berufe auch heute
in Deiner Kirche junge Menschen zum Dienst am Altar.
-
Schenke
uns Menschen, die glaubwürdig Deine Frohe Botschaft verkünden.
-
Gib den Christen die Kraft und den Willen, sich Dir ganz anzuvertrauen.
-
Erneuere unsere Gemeinde mit dem Mut, auf den Wort hin neue Wege zu beschreiten.
-
Stärke die Kranken, Verlassen und Einsamen - und die Menschen, die
um einen lieben Verstorbenen trauern.
-
Nimm unsere Toten auf in
die Herrlichkeit bei dir. (Besonders beten wir für...)
Darum bitten wir dich, durch Christus, unsern Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 290, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 476
2. Lesung: 1 Kor 15, 1 - 11
Zwischengesang: 857, 1
Evangelium: Lk 5, 1 - 11
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 294
Sanctus: 862
Agnus Dei: sprechen, dann: 941, 1 + 2
Danksagung: 871
Schluss: 616, 1 + 2