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Predigt und Fürbitten zum Christus-König-Fest und 34. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn wir an Christus-König denken und heute ihm zu Ehren ein Fest
feiern, dann haben wir manchmal ein etwas ungutes Gefühl: So, als
wäre Christus der König, der hoch auf Seinem Thron sitzt und
darauf wartet, dass wir ihm huldigen.
Nun: So ganz unzutreffend ist das Bild ja auch nicht. Denken Sie an das
Altarbild in Thuine - der thronende Christus. Oder bei der Anbetung heute
nachmittag, bei der wir den Christus, der in der Monstranz auf dem Altar
thront, mit der doppelten Kniebeuge ehren. Oder an das Lied, das wir vorhin
gesungen haben: "Christus Sieger, Christus König - wir huldigen
dir!" - Und auch in der Kommunion bilden wir mit den Händen
einen Thron oder lassen uns - in der Mundkommunion - den Leib Christi
direkt in den Mund legen.
Christus ist tatsächlich wie ein König, er wird von uns als
König geehrt und gefeiert. Aber - die ganze Sache ist nicht so einfach,
etwas komplizierter und viel, viel schöner:
Denn Christus ist eben nicht als König in diese Welt gekommen, sondern
eher als Bettler. In ärmsten Verhältnissen. Und er hat sein
Leben in ständiger Armut gelebt und ist den schmählichsten Tod
gestorben. Er hat sich erniedrigt und wurde zu unserem Diener.
Die Welt hat nicht erkannt, dass er in Wahrheit der König des Universums
ist. Aber wir, die wir uns Christen nennen, glauben dies: Der, der dient,
ist König.
Und deshalb ist der Königs-Kult, den wir für Christus bereithalten,
unser Ausdruck unseres Glaubens. Christus hat ihn nicht verlangt; wir
aber glauben, dass er - und nur er - diesen Kult verdient.
Alles, was vielleicht auf den ersten Blick wie unterwürfiger Dienst
und gehorsames Bückeln aussieht, ist in Wahrheit Zeichen unserer
Freiheit. So, wie es die Elfe Dobby in dem letzten Harry Potter Buch einmal
sagt: "Ich bin eine freie Elfe und bestimme selbst, wem ich dienen
möchte und wem ich gehorsam bin!"
Liebe Schwestern und Brüder: Wir sind keine Sklaven mehr. Jesus
hat uns Freunde genannt. Ein Sklave weiß nicht, warum er etwas tun
muss; er führt nur befehle aus. Wir aber sind Freunde Christi. Wir
erfüllen keinen sklavischen Dienst an ihm, sondern tun das, was wir
für richtig halten, als angemessen erkennen: Wir ehren unseren göttlichen
Freund!
Wir verneigen uns vor ihm - nicht, weil Gott nur groß ist, wenn
wir uns klein machen; sondern weil wir wissen, dass auch er sich klein
gemacht hat und uns dient. So werden wir in jeder Kniebeuge ihm gleich.
Wie lassen ihn in der Monstranz über uns thronen. Aber nicht, wie
ein Herrscher in seiner Macht; denn Gott thront in der Form des Brotes:
Er will uns Nahrung sein. Es ist seine Liebe und sein Dienst, die ihn
so groß macht.
Wir huldigen ihm - aber nicht, indem wir buckeln und den Blick nicht
erheben, sondern wie Sklaven, die befreit worden sind und nun dem dienen,
den sie lieben.
Wir empfangen den Leib Christi mit unseren Händen, indem wir sie
zu einem Thron formen; oder - vielleicht sogar noch schöner - lassen
ihn uns in den Mund legen. Aber wir ehren damit den Christus, den König,
der sich kleiner macht, als wir selbst es sind, um uns von innen her zu
verwandeln. Ja, wir sollen uns erniedrigen, zum Diener werden. Aber nur,
weil wir erkannt haben, dass das der einzige Weg ist, Gott ähnlich
zu werden: Indem wir lieben, wie er uns liebt. Amen.
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Zum Ende des Kirchenjahres feiern wir (bevor die eigentlich ruhige Adventszeit
beginnt) noch einmal ein richtiges Fest: Das Christus-König-Fest.
Was allein schon vom Titel her ziemlich triumphalistisch klingt, war wohl
auch ursprünglich so gemeint: Wir haben keinen anderen König,
was auch immer die Welt verehren möchte, als Jesus Christus.
Und dann - Schock! - so ein Evangelium: Jesus am Kreuz, verspottet und
gedemütigt. Hätten man da nicht ein anderes Evangelium nehmen
können? Das mit der Sturmstillung zum Beispiel: Jesus, der Herr der
wilden Naturgewalten! Oder eines, wo er heilt, Wunder tut oder Brot vermehrt
- das ist doch ein König! Oder ein Evangelium, wo er es den Pharisäern
mal so richtig gibt - unser Held, Jesus!
Stattdessen: Jesus am Kreuz. Sterbend. Was soll das? Ist das ein Fest?
Liebe Schwestern und Brüder, ja, das ist ein Fest. Denn am
Kreuz offenbart Jesus seine eigentliche Macht: Uns durch sein Leiden mit
Gott zu versöhnen. "Ich sage Dir, noch heute wirst Du mit mir
im Paradies sein!"
Wir haben es schon oft gehört, dass Jesus ein anderer König
ist. Ein König der Herzen; ein König der anderen Welt. Aber
so richtig gefallen tut es uns nicht; es will auch nicht so richtig in
unser Herz hinein.
Wir müssen uns immer wieder zwingen, daran zu denken, dass die Werte
dieser Welt nicht in allen mit den Werten der anderen, zukünftigen
Welt übereinstimmen. Aber es gibt Gelegenheiten, bei denen wir etwas
davon spüren:
-
in Momenten großen Glücks, wenn uns die Sorgen, die wir
uns gestern noch gemacht haben, plötzlich vollkommen unbedeutend
vorkommen.
-
in Moment der großen Not, wenn wir erkennen, dass wir mit all
den Anstrengungen nur Vergängliches erreicht haben und nichts
davon mehr geblieben ist.
-
Oder an der Nahtstelle zwischen dieser Welt und der kommenden Welt:
Dem Sterbebett. Wenn wir zurückschauen und fragen, was uns denn
wirklich wichtig gewesen ist.
Liebe Schwestern und Brüder, was glauben Sie, werden wir uns in den
letzten Stunden unseres Lebens fragen? Ob wir nicht doch besser einen
VW anstelle eines Opels hätten kaufen sollen? Ob ich nicht doch das
Jobangebot hätte annehmen sollen? Ob ich alles richtig gemacht habe?
Ich denke, die Frage wird ein wenig anders lauten: Wie wird Gott sein?
Wird er mich aufnehmen? Verzeiht er mir? Nimmt er mir übel, was ich
alles gegen ihn getan habe?
Die Frage, ob ich Gott lieben kann, entscheidet sich aber nicht erst dann,
wenn wir uns die Frage stellen; sie entscheidet sich schon jetzt. Wie
ist Gott? Verzeiht er mir?
Nun, liebe Schwestern und Brüder, schieben Sie die Frage - vielleicht
die einzige Frage, die wirklich in Ihrem Leben ein Gewicht hat - nicht
weiter hinaus. Umgehen Sie sie nicht. Betäuben Sie sich nicht mit
Arbeit. Verweisen sie nicht auf Pflichten, die Sie sich nur selbst auferlegt
haben - die nicht Gottes Pflichten sind. Seien Sie mutig und schauen Sie
in aller Ruhe Gott ins Angesicht: Lieber Gott, magst Du mich? So wie ich
bin? Was muss ich ändern? Sagst Du es mir?
Trauen Sie sich. Haben Sie keine Angst vor diesen Fragen - viele Menschen
fürchten sich davor. Und manche schämen sich.
Vielleicht fällt es Ihnen schwer, anderen gegenüber zu begründen,
dass Sie gerne eine Stunde lang Gott diese Frage stellen möchten.
Dann sagen Sie doch einfach, sie würden heute zur Betstunde kommen.
Das ist ganz unverfänglich. Herzliche Einladung dazu. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Christus-König-Fest ist noch keine so alte Einrichtung: Erst
zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde es in den Kirchenkalender eingefügt,
um angesichts der totalitären Systeme der damaligen Zeit die Antwort
auf die Frage zu geben: Wer ist eigentlich der Herr dieser Welt?
Als Jesus vor Pilatus stand, hatten scheinbar die Römer und die
herrschenden Juden die volle Macht über Jesus. Ganz sicher war Jesus
kein König, kein Mächtiger, denn er starb ja am Kreuz. Und trotzdem
sagt er von sich: Ja, ich bin ein König.
Scheinbar hatten am Anfang dieses Jahrhunderts, als das Fest Christkönig
eingeführt wurde, ganz andere Kräfte die Macht in der Hand.
Und doch hielten die Christen daran fest: Der eigentliche König ist
und bleibt Jesus Christus.
Scheinbar haben auch heute ganz andere Kräfte die Macht auf ihrer
Seite. Für viele ist es das Geld, das alle regiert. Für andere
ist es die politische Macht, die Wirtschaft, die Banken oder einfach nur
George Bush. Und trotzdem bleiben die Christen dabei: Jesus ist der eigentliche
Herr.
Aber, und das gehört dazu: «Mein Königreich ist nicht
von dieser Welt.» Er will nicht einfach sein Königreich gegen
die Reiche dieser Welt setzen. Und so geht es auch beim Christkönigsfest
nicht darum, allen Politikern und Staatsmännern das Vertrauen zu
entziehen und nur noch Gott zu gehorchen. Es geht vielmehr darum, sich
selbst zu fragen, nach welchen Maßstäben ich mich hier in dieser
Welt eingerichtet habe.
-
Wer in unserer Welt als ein Großer und Mächtiger gelten
möchte, der muss andere Menschen fest im Griff haben.
-
Im Königreich Jesu ist der ein Großer und Mächtiger,
der muss sich selbst im Griff hat.
-
In unserer Welt zählt derjenige als ein König, der viele
Menschen unter sich hat. Je mehr es sind, desto bedeutender ist er.
-
Im Glauben ist der ein König, der selber den Menschen dient.
Dabei kommt es nicht darauf an, wie vielen er dient, sondern mit welcher
Hingabe er es tut.
-
In der kommerziellen Welt gilt der als ein König, der sich gut
verkaufen und vermarkten lässt. Ob als König der Popmusik,
König der Volksmusik oder als ein Meister des Humors.
-
In der Welt unseres Königs ist selbst der wertvoll, der nichts
mehr zu verkaufen hat, weil er von Gott geliebt wird; arm ist nur
der, der ärmlich denkt, schlechtes tut und wenig liebt.
-
In der Welt der Politik ist der der wichtigste, der bei seiner Wahl
die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte.
-
In der Welt Jesu ist der der Größte, der seine Stimme
zum Lob Gottes einsetzt.
Das heißt nicht (wenn ich diese Gegenüberstellung mache),
dass die Welt nur schlecht ist. Aber sie wird immer schlechter, wenn wir
uns nicht darum bemühen, nach anderen Maßstäben zu denken
und zu leben.
Das Königreich Jesu ist nicht von dieser Welt, weil die Maßstäbe,
mit der Gott uns bemisst, vollkommen andere sind. Aber es ist letztlich
das Reich, das alle anderen überdauern wird. Denn die einzige Macht,
die nicht korrupt macht, ist die Macht der Liebe. Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, kennen Sie das Gloria? Meistens wird
es bei uns im Gottesdienst nur als Lied gesungen, den jahrtausendealten
Text, der den Gloria-Liedern zugrunde liegt, kennen heute nicht mehr viele;
noch weniger kennen ihn auswendig. Vielleicht liegt es daran, dass im
Gloria nicht von uns die Rede ist; von unseren Nöten, Bitten und
Wünschen. Das Gloria handelt allein von Gott., und von seiner Anbetung.
Das ist natürlich etwas langweilig.
- - - -
Adolf Hitler hatte seinen Landsitz auf dem Obersalzberg im Laufe der
Jahre zu einer Art "Tempel" eingerichtet. Normalerweise war
der gesamte Obersalzberg hermetisch abgeriegelt, wie ein "heiliger
Bezirk," nur dem Führer und seinen Getreuen zugänglich.
Aber zu bestimmten Zeiten durfte dann das gläubige Hitler-Volk in
den inneren Bereich, um den Führer aus nächster Nähe zu
erleben und ihm zu huldigen. Waren den Pilgern sonst nur Blicke aus größerer
Entfernung auf diese kleine Heilsfigur möglich, so konnten an solchen
Festtagen einige Auserwählte sogar zum Händeschütteln zugelassen
werden.
Wahrscheinlich war dieser Ritus auch mit Musik, Schmuck, Fahnen und feinster
Ausstattung geziert, so dass das fromme Nazi-Herze regelrecht in Verzückung
geraten konnte. Der kleine Adolf ließ sich großartig zum Mythos
erheben.
In der Nähe des Obersalzbergs, außerhalb dieser Kultstätte,
gab es eine kleine Kapelle, an der sich jeden Sonntag die Gemeinde der
Salzbergbauern versammelt und ihren Gottesdienst feierte. Der Pfarrer,
der damals regelmäßig zum Gottesdienst in diese kleine Kirche
kam, berichtete vor einiger Zeit, dass das Gloria, dass die Kirche seit
2000 Jahren betete, eine geradezu programmatische Aussage bekam.
"Wir loben Dich. Wir preisen Dich. Wir beten Dich an. Wir rühmen
Dich und danken Dir, denn groß ist Deine Herrlichkeit. Herr und
Gott, König des Himmels, Herrscher über das All... Du allein
bist der Heilige, Du allein der Herr, du allein der Höchste, Jesus
Christus mit dem Heiligen Geist zu Ehre Gottes des Vaters."
Liebe Schwestern und Brüder, in den letzten Jahrzehnten des 20.
Jahrhunderts kam es in Mode, so genannte "politische Gottesdienste"
abzuhalten, und auch heute fragen viele, wenn sie einen Gottesdienst vorbereiten
wollen (oder sollen): "Was für ein Thema nehmen wir?" Dabei
ist der Gottesdienst gerade in seiner Ausrichtung auf Gott hoch politisch,
Thema genug. Wenn wir nur begreifen würden, was wir beten!
Vielleicht haben einige Christen in der frühen Hitler-Zeit nicht
die Große Gefahr gemerkt, die sich da zusammenbraute. Wer aber im
Angesicht der Hitler-Verehrung Gottesdienst gefeiert hat und mit Herz
und Verstand für die Texte der Messe aufgeschlossen war, dem sind
vielleicht die Augen früher aufgegangen als anderen.
So kann auch für uns Gottesdienst keine Weltflucht sein. Wer Gottesdienst
feiert, mit Sinn und Verstand, mit Herz und Seele; wer sich Zeit nimmt
für die Anbetung Gottes (kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Heute nachmittag
ist dazu Gelegenheit), der ist wachsamer und sehender. Und vielleicht
auch mutiger, an dieser Gesellschaft und ihren Kurs mitzuarbeiten.
Gottesdienst und Anbetung, liebe Schwestern und Brüder, sind unabdingbare
Folgen, um diese Welt zu verändern. Das zeigt uns ein Blick in die
Geschichte. Große Veränderungen gingen oft genug von großen
Christen und Betern aus.
Natürlich haben auch Männer und Frauen, die weder Gottesdienst
gefeiert noch gebetet haben, diese Welt verändert. Aber bei den meisten
wünschen wir uns heute, sie hätten es lieber nicht getan.
Amen.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder.
Der Satz: «Recht haben heißt noch lange nicht Recht bekommen»
ist Ihnen sicher schon bekannt. Vielleicht ist es Ihnen auch schon passiert,
dass sie bei einer bestimmten Gelegenheit übervorteilt wurden. Jemand
anderes hat sich etwas genommen, dass rechtmäßig Ihnen zugestandenen
hat. Wenn man dann keine Möglichkeit hat, sein eigenes Recht durchzusetzen,
ist das schlimmste Gefühl das der Ohnmacht. Die Hilflosigkeit, zwar
selbst korrekt gewesen zu sein, und trotzdem der Schlechtigkeit anderer
ausgeliefert zu sein, ist unerträglich.
Nun leben wir gottseidank in einem Rechtsstaat. In anderen Ländern
muss oft die Mehrheit der Menschen mit lebenslanger Rechtlosigkeit auskommen,
vollkommen abhängig von den Launen der Machthaber, der Wirtschaftsbosse
oder Großgrundbesitzer. Die Unerträglichkeit einer solchen
Situation dauert dort ein Leben lang.
Wir haben bei uns fast immer die Möglichkeit, unser Recht einzuklagen.
Das Amt eines Richters ist dafür eine Garantie. Je unabhängiger,
sachlicher und strenger ein Richter, umso eher vertrauen wir uns ihm an,
wenn wir unser gutes Recht erlangen wollen.
Gut - auch bei uns treibt das Rechtssystem manchmal seltsame Blüten,
entstehen Gesetze, die gegen unser Gerechtigkeitsempfinden verstoßen.
Aber im großen und Ganzen möchten wir doch lieber in unserem
Land leben als im Sudan oder in Jemen.
Und obwohl Richter in unserer Gesellschaft hoch angesehene Personen sind,
denen wir viel Vertrauen entgegen bringen, ist der Gedanke vom richtenden
Gott aus unseren Gedanken, aus unserer Verkündigung und unserer Erziehung
fast ganz verschwunden.
Ein Ausbilder im Priesterseminar Münster sagte einmal, dass das Lied:
«Strenger Richter aller Sünden» das letzte unchristliche
Lied im Gotteslob sei. Der Glaube an den richtenden Gott sei ketzerisch.
Liebe Schwestern und Brüder, Jesus Christus ist unser Heiland, Erlöser,
Bruder und Freund. Mit dem heutigen Fest - Christus König - und dem
Evangelium, in dem der Menschensohn sich auf den Richterstuhl setzt und
die Menschen richtet, gerät aber auch diese andere Dimension in den
Blick: Jesus ist König und Richter der Menschen.
Ein sehr tröstlicher Gedanke: Den Entrechteten wird zu Recht verholfen,
die ungerecht Behandelten und Verleumdeten werden rehabilitiert. Wer Recht
hat, wird auch Recht bekommen. Die Gerechtigkeit wird wiederhergestellt.
Gott behandelt uns so, wie wir die Menschen behandelt haben. Das gilt
für den Ausbeuter, Sklavenhändler und den Kriegsherren genauso
wie für den eiskalten Firmenchef und den lieblosen Eltern.
Davor brauchen wir keine Angst zu haben: Einen strengen Richter fürchtet
nur der, der Dreck am Stecken hat. Und selbst der kann noch hoffen, denn
der Maßstab an dem wir gemessen werden, ist ganz einfach:
«Alles, was ihr einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan!»
Amen.
6. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
So spricht Gott, der Herr: "Jetzt will ich meine Schafe selber suchen
und mich selber um sie kümmern!" - So spricht Gott durch den
Propheten Ezechiel, voller Unmut über die weltlichen Herrscher der
damaligen Zeit. Er steht nicht länger auf Seiten der König und
Regierenden. Vielmehr kündet er an, selbst das Zepter in die Hand
zu nehmen. Er wird einen König senden.
Auch jetzt gibt es ziemlich viel Unmut über die momentan Regierenden
- allerdings hat Gott sich damals nicht über gebrochene Wahlversprechen
geärgert oder neue Steuern. Er hat den Propheten Ezechiel zu der
damaligen Regierung geschickt, weil diese gott-los geworden war.
Es ging dem damaligen Volk nämlich mehr um Macht, Geld und Ansehen.
Gottesdienst, Nächstenliebe und die zehn Gebote waren nicht mehr
so wichtig. Und das galt nicht nur für die Regierenden der damaligen
Zeit: Mit dem König und dem Hofstaat hat sich im ganzen Volk Israel
eine neue Werteordnung durchgesetzt: Selig macht, was Wohlbefinden schafft.
Am besten ein guter Besitz.
Und das gilt auch für die heutige Zeit. Unsere Kritik an der Regierung
zeigt ja auch, worauf es uns ankommt: Dass diese Regierung sowohl in der
Frage der Massen-Abtreibung (mindestens ein Viertel aller Kinder in Deutschland
werden abgetrieben), als auch in der verbrauchenden Embryonenforschung,
in der Frage der Bioethik und vielen anderen wesentlichen Punkten nichts
tut - oft sogar das Gegenteil vorhat - stört uns nicht. Aber wehe,
die gehen an unser Geld, dann kippt die Stimmung, dann sinken die Umfragewerte;
dann erst werden palamentarische Untersuchungsauschüsse eingerichtet.
Mit der Kritik Gottes in der heutigen Lesung, das eigene Volk sei gott-los
geworden, sind also nicht nur die Regierenden angesprochen, sondern gerade
auch wir.
Es wird Zeit, dass Gott sich seines Volkes selber annimmt und uns den
König schickt, der sein Volk zu regieren beginnt. - Nun, Gott hat
seinen König bereits geschickt, die Frage ist nur, ob wir uns auf
dessen Regierungsprogramm einlassen wollen. Das ist nämlich noch
radikaler als das von Herrn Schröder. Da geht es nicht nur darum,
dass Steuern auf unseren Besitz erhoben werden: Da verlangt Jesus, dass
wir unseren Besitz komplett in den Dienst am Nächsten stellen.
Dass wir Besitzende sind, ist keine Sünde. Einen Glückwunsch
jedem, dem es gut geht. Aber: Eigentum verpflichtet; wir haben nichts,
von dem was wir haben, für uns selbst.
Dieser König verlangt nicht nur, dass wir unser Geld geben, er verlangt
unsere Zeit für den Nächsten. Er verlangt unser Gebet für
die Sünder. Er verlangt, dass wir bereit sind, alles aufzugeben für
einen fremden, den wir nicht kennen und nicht mögen, von dem wir
nur wissen: Er ist in Not.
Wer von der Regierung Schröder in die Regierung Jesu überwechselt,
kann vielleicht zu dem Schluss kommen, vom Regen in die Traufe gekommen
zu sein. Jesus greift uns nämlich nicht nur ordentlich in die Taschen
- er greift nach unserem Ich selbst.
Aber dafür kann keine weltliche Regierung das versprechen, was er
uns verspricht: "Die Gerechten aber gewinnen das ewige Leben".
Und, unter uns, das ist kein Wahlversprechen. Das gilt immer.
Amen.
7. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein Pfarrer ging eines Sonntags im Moor spazieren. Und wie es kommen
musste, verlief er sich prompt und begann, langsam einzusinken. Da kam
ein Taxifahrer vorbei und fragte: «Kann ich Ihnen helfen?»
Worauf der Pfarrer meinte: «Nein, mir hilft schon Gott!».
Wenig später, der Pfarrer war bereits bis zur Hüfte im Moor,
kam erneut ein Taxifahrer vorbei. «Kann ich Ihnen helfen?»
Worauf der Pfarrer wiederum antwortete: «Nein, mir hilft schon Gott!».
Es dauerte nicht lange, und der Pfarrer steckte bereits bis zum Hals im
Morast, als wieder ein Taxifahrer anhielt. «Kann ich Ihnen helfen?»
- «Nein, mir hilft schon Gott!».
Wenig später, direkt, nachdem er starb, erschien der Pfarrer am Himmels-
thron und beschwerte sich. «Lieber Gott, jetzt habe ich ganz und
gar auf Deine Hilfe vertraut, und Du lässt mich im Stich!»
Worauf der liebe Gott antwortete: «Ich habe Dir nicht geholfen?
Ganz im Gegenteil! Ich habe Dir immerhin dreimal ein Taxi vorbei geschickt!»
Ein Missverständnis. Und zwar ein folgenschweres Missverständnis!
Christkönig - das heutige Fest - vielleicht ebenso missverständlich.
Denn genauso haben die Spötter am Kreuz Jesu Königsherrschaft
missverstanden. «Wenn Du der König der Juden bist, dann hilf
dir selbst!» Was für ein Gott ist das denn auch, der die Welt
erschaffen haben soll, aber vor ein paar römischen Soldaten kapitulieren
muss. Anscheinend widerlegt das Kreuz, an das unser Gott geschlagen wurde,
jeden Glauben an Gottes Allmächtigkeit. Wenn sich irgendwo die Ohnmacht
zeigt, dann am Kreuz.
Ich habe gerade mit ein Jugendlichen Besinnungstage hinter mir. Und im
Laufe der Gespräche kam genau die gleiche Einsicht zu Tage: Wenn
es soviel Leid auf der Welt gibt, dann kann es doch keinen Gott geben.
Er ist doch für unseren Schutz zuständig! Wenn es also einen
Gott gibt, dann ist er ein Versager. Oder es gibt ihn nicht.
Die gleiche, einleuchtende Vermutung, vor zweitausend Jahren und auch
heute. Sie liegt ja auch so nahe.
Aber im gleichen Evangelium von der Ohnmacht Jesu offenbart sich seine
wirkliche Macht. Dort am Kreuz zeigt er in einem Satz etwas von seiner
überragenden Herrschaft, die kein Mensch für sich beanspruchen
könnte: «Amen, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im
Paradies sein.»
Hier zeigt sich die Herrschaft Gottes: Nicht für unsere Wohlfahrt
ist er zuständig, sondern für unseren Weg zum Himmel. Er ist
der Gott, der uns Schutz verspricht. Aber nicht den Schutz vor Krieg,
Not und Gewalt - denn das liegt schließlich in unserer Freiheit,
die er uns nicht nehmen will. Sondern Gottes schützende Hand breitet
er über unsere Seelen aus. Dort verspricht er, bei uns zu sein. In
aller Not, in aller Gefahr nicht zu verzweifeln, die Liebe nicht zu verlieren,
den Glauben nicht zu verlieren. Und welche Wunder geschehen da, seit Jahrhunderten,
auch heute noch, hier, mitten unter uns, mitten in Halverde!
Jesus ist ein König, das sagt er selbst. Und er hätte auch
durchaus die Macht, vom Kreuz herabzusteigen. Er ist nicht ohnmächtig,
nur weil er sich nicht wehrt. Seine Macht ist nicht darauf gerichtet,
den Menschen die Möglichkeit zur Gewalt zu nehmen, sondern in den
Seelen den Willen zum Guten zu stärken.
Das Wunder, das Gott vollbringt, besteht nicht darin, dass er uns aus
dem Sumpf errettet wie bei Seinem Gang über den See Genezareth. Das
gilt übrigens nicht nur für Pfarrer, die im Moor spazieren gehen.
Gottes Wunder besteht vielmehr darin, dass er Menschen bekehrt, sich zur
liebenden Sorge um die Mitmenschen aufzuschwingen. Und das gilt nicht
nur für Taxifahrer.
Amen.
8. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir heute das Christkönigfest
feiern, dann bekennen wir, das wir eigentlich nur einen König, d.h.
nur einen politischen Herrscher anerkennen: Nämlich unseren Gott.
Unser Kanzler mag ja in vielen Bereichen etwas zu sagen haben - und weitestgehend
handeln wir auch danach, weil es sonst Bußgelder geben könnte
- aber eine Zuständigkeit über unser Leben wollen wir ihm nicht
zugestehen. Das mag an unserem jetzigen Kanzler liegen, aber das gilt
eigentlich grundsätzlich für jeden politischen Herrscher: Wir
brauchen ihn, um unser gesellschaftliches Zusammenleben zu ordnen.
Aber die eigentliche Autorität, an der sich auch der Kanzler messen
lassen muss, ist Jesus.
Und diesen eigentlichen Herrscher unseres Lebens stellen wir über
alles, was es sonst an Autorität in dieser Welt gibt: Über Wissenschaftler,
Fernseh-und Kinostars, über Manager und Wirtschaftsbosse und über
Theologen und Pfarrer. Immer fragen wirkliche Christen, ob das, was diese
irdischen Autoritäten sagen und tun, übereinstimmt mit dem,
was Gott will. Der eigentliche König ist und bleibt Jesus.
So ein König ist eben anders als ein Kanzler: Er hat seine Zuständigkeit
nicht nur in der Politik. Jesus ist auch der oberste Chef der Wirtschaftsbosse
und Unternehmer, der Ärzte und Lebensschützer. Immer und überall
stellt sich die Frage, ob hier die lebensbejahende Wirklichkeit unseres
Gottes anerkannt wird. Ist das, was die Machthaber dieser Gesellschaft
tun, ein Gewinn für Gottes Reich?
Da gibt es natürlich Leute, die sagen, sie brauchen keine oberste
Autorität. Die meinen dann, sie wären unabhängig und freier
in ihren Entscheidungen. Aber ist der Fernsehchef, der sein Programm nicht
nach Werten sondern nach Quoten ausrichtet, freier und unabhängiger?
Irgendetwas, so lehrt die Erfahrung, rutscht immer an die Stelle Gottes,
wenn wir sie nicht Gott einräumen. Und meist wird dann aus einer
guten Autorität ein Diktator: Das Diktat der Wirtschaftlichkeit,
der Machbarkeit, der Mehrheitsfähigkeit - usw. Wer nicht Gott den
Königsthron freihält, der gerät leicht in die Sklaverei
- auch wenn er sich Freiheit gewünscht hat.
Und das gilt auch für unseren Alltag: Christus ist König, noch
über allen Autoritäten - auch über die kleinen Autoritäten
unseres Alltags: Entscheiden ist nicht, was Karl-Otto am Stammtisch so
alles weiß (und der weiß oft eine ganze Menge); entscheidend
ist nicht, was ich neulich in der Zeitung gelesen haben; entscheidend
ist auch nicht, was ich bei meinem letzten Gespräch an der Gartenhecker
über den Nachbarn von gegenüber gehört habe. Alles das
muss sich messen lassen an der Autorität Jesu. Er ist der König
auch von Halverde, nicht der Buschfunk oder Kaffeekranz. Ist das, was
dort geschieht, ein Gewinn für Jesu Königreich?
Und noch wichtiger ist es, Jesu Autorität anzuerkennen in dem, was
ich persönlich ganz für mich tue und denke. Ja, sogar meine
Gedanken, die sonst niemand mitbekommt, müssen sich messen lassen
an dem, was Gott sich wünscht. Meine Schüchternheiten genauso
wie meine Begeisterung. Ist das, was ich denke, ein Gewinn für SEIN
Königreich?
Diese dreifache Zuständigkeit des universalen Königs: Im Großen
(in der Welt), im Kleinen (bei uns im Dorf) und im Geheimen (in meinem
Herzen) macht das Leben eines Christen aus. Bin ich ein Gewinn für
Gott?
Wahrscheinlich fällt unsere Antwort gemischt aus: Ja, ich bin schon
ein guter Christ - aber leider nicht immer. Kein Problem: Es gibt noch
eine vierte Zuständigkeit Jesu: Er ist der König der Vergebung,
der Heiland der Welt und meines Lebens. Alles das, was sich mit SEINEM
Willen nicht vereinbaren lässt, nimmt er von uns und trägt es
selbst. Deshalb ist sein Thron das Kreuz geworden. Dort ist er für
unsere Fehlerhaftigkeit gestorben und macht das gut, was wir in seinem
Reich verdorben haben.
Gott sei Dank.
9. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Liebe und tu, was Du willst!" So lautet ein Wort des heiligen
Augustinus, eines großen Kirchenlehrers des 4. Jahrhunderts. Liebe
nur, alle andere ist vollkommen egal. Gott liebt uns so wie wir sind,
daher brauchen wir nichts weiter zu tun, als diese Liebe zu erwidern.
Alles andere ergibt sich von selbst. Gott hat uns seine große Liebe
am Kreuz erwiesen, hat sich für uns ganz hingegeben, und lädt
uns jeden Sonntag aufs Neue ein, mit ihm diese Liebe zu feiern, hier im
Gottesdienst, zu dem wir uns versammelt haben. Hier möchte er uns
erneut seine Liebe, seinen Leib schenken, möchte uns nahe sein. Wir,
die wir solch eine große Liebe empfangen haben, jeden Sonntag aufs
Neue erwiesen bekommen, jeden Tag neu seine Liebe geschenkt bekommen,
uns von seiner Liebe getragen wissen dürfen, wir können daher
auch diese Liebe weiter schenken. Das, was wir empfangen haben und täglich
neu empfangen weitergeben. Lieben, weiter brauche ich nichts zu tun. Ich
brauche keinen Katechismus auswendig zu lernen, ich brauche nicht die
10 Gebote jeden Tag krampfhaft überprüfen, wenn ich den Grundsatz
kapiert habe und umsetze. Jesus selbst hat es einmal so zusammengefaßt:
Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst."
Klingt doch viel besser und leichter als das heutige Evangelium! Nur
- der Inhalt ist exakt der Gleiche! Im Gericht des Evangeliums wird nichts
anderes erwartet, als genau diese Liebe. Die Liebe am Nächsten: am
Hungrigen, Durstigen, Fremden, Obdachlosen, Nackten, Kranken und am Vorbestraften.
Die Zuwendung an diese Menschen ist die Liebe, die Jesus von uns erwartet.
Die Liebe an diesen Geringen, die uns nicht viel mehr als ein Dankeschön
geben können, vielleicht auch dazu nicht in der Lage sind, und unsere
Liebe nur als selbstverständlich annehmen oder gar ablehnen, diese
Liebe ist gemeint. Nun wird vielleicht klar, dass der Satz zu Beginn:
Liebe und tu, was Du willst" zwar einfach klingt, aber gar
nicht so einfach umzusetzen ist. Die Liebe, die Augustinus hier anspricht,
ist nämlich genau die von Jesus geforderte: Liebe Gott und deinen
Nächsten wie dich selbst. In unserer heutigen Zeit steht allerdings
die Liebe zu sich selbst im Vordergrund. Ganz oft hört man bei der
Frage nach Mittun in der Gemeinde die Gegenfrage: Was hab ich davon?
Was bringt mir das?" Die Frage ist ja durchaus berechtigt, nur läßt
sich dieser vorhandene Aspekt des Engagements meist nicht so schnell und
leicht erläutern. Die neuen Freundschaften, die persönliche
Reifung durch die Erfahrung von Leitung ist nicht so schnell greifbar.
Während der zweite Aspekt der Aufgabe deutlicher auf der Hand liegt:
der Dienst am Nächsten, das Engagement für Andere. Und darin
wird dann nicht so leicht die Motivation gefunden. Immer ich, die anderen
sollen erst einmal was tun, .... Dieses Handeln aus Liebe am Nächsten
fällt oftmals schwer. Von daher wird es beim Gericht zu dieser Unterscheidung
kommen. Es wird vor Jesus Menschen geben, die die Liebe, die er ihnen
geschenkt hat, nicht erwidert haben, nicht weiter geschenkt haben. Folgt
nun daraus unabänderlich das Gericht?, die unbarmherzige Strafe,
das ewige Feuer?
Nein, denn Christus ruft uns mit diesem Gleichnis zur Umkehr auf, er
will uns eindringlich ermahnen, diese Liebe weiterzugeben. Aber er weiß
genau, daß wir fehlbar sind, nur Menschen sind, und daher reicht
das Weitergeben der Liebe allein nicht aus. Wenn wir nur auf die Liebe
angewiesen wären, wäre das Himmelreich wohl nur einigen wenigen
ermöglicht, wie z.B. der heiligen Elisabeth von Thüringen, derer
wir gestern gedacht haben. Sie hat die Liebe in der Weise Christi gelebt
und sich dadurch das Himmelreich verdient. Hab und Gut hat sie einfach
für die Armen hingegeben und schließlich Ihnen ihr ganzes Leben
geweiht. Nur die meisten von uns werden wohl nicht mit Vergleichbarem
aufwarten können und sind daher auf die Gnade Gottes angewiesen.
Und das ist eben der entscheidende Punkt, der hinzukommt: wo die Liebe,
die von uns erwartet wird, nicht ausreicht, da hilft der Glaube weiter.
Wo nicht Gott und der andere im Mittelpunkt unseres Denkens stehen, sondern
zuerst einmal wir selbst und dann lange gar nichts, da wo unsere Liebe
an Gott, den Nächsten und an uns selbst nicht im richtigen Verhältnis
steht, da hilft das Erbarmen Gottes weiter. Im Glauben kommen wir zur
Überzeugung, dass das, was uns fehlt, durch Gottes Barmherzigkeit
uns zugute kommt, so dass wir vor Gericht bestehen können. Er wird,
wie wir es in der Lesung hörten, die verlorengegangenen Schafe suchen,
die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen
kräftigen. Das heißt doch für uns, dass wir da, wo wir
die Liebe Gottes nicht so weitergeben können, weil wir verlorengegangen
sind, vom christlichen Weg abgekommen sind, wo wir vertrieben worden sind:
wo andere gesellschaftliche Zwänge uns von der reinen, vorbehaltlosen
Liebe abgebracht haben, wo wir verletzt sind, wo unsere Liebe enttäuscht
wurde, wo wir schwach geworden sind, keine Kraft mehr haben, Liebe zu
schenken, da dürfen wir auf die Hilfe des Hirten, auf Gottes Gnade
vertrauen. Dafür ist der Glaube da. Auf Gott vertrauen dürfen,
auf Gott, der wie ein Hirte für uns da ist, wo wir, warum auch immer,
auf Abwege geraten. Wir glauben an diese Liebe Gottes. Wir empfangen sie,
und als Geliebte ist es uns dann überhaupt erst möglich sie
weiterzugeben.
10. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
Schauen sie sich heute einmal mit mir unser Kreuz an. Was seht ihr dort?
Christus am Kreuz, tot, aber eine Krone auf dem Kopf, nicht nur eine Dornenkrone,
sondern eine richtige Krone. Wer hat normalerweise sonst nur eine Krone
auf? Papa, Mama? Ein König. Richtig, und genau das feiern wir hier
heute, am heutigen Sonntag: Christus als unseren König. Heute ist
Christkönigssonntag. Aber ist doch schon komisch, wenn der Künstler
sagen wollte, daß Jesus ein König ist, was fehlt ihm hier noch
alles? Ein Thron, ein Schloß, kostbare Gewänder, viel Gold
und all sowas. Hat der aber gar nicht. Statt dessen hängt er tot
am Kreuz. Das scheint sich ja zu widersprechen, das paßt doch gar
nicht? Er ist tot und fast ganz nackt, und hat trotzdem eine richtige
Krone auf, wie ein König.
Genauso einen Widerspruch finden wir ja auch darin, daß wir das
Königsfest gerade heute feiern, im toten Novembermonat: Die Natur
stirbt ab, die Bäume verlieren die letzten Blätter, es wird
immer kälter, die Sonne versteckt sich immer mehr. Alles scheint
zu sterben. Das ist doch keine schöne Zeit, um ein Königsfest
zu feiern! Wir sollten es vielleicht so wie die Königin von England
machen, die hat auch in dieser kalten Jahreszeit Geburtstag und feiert
erst im Sommer, wenn es draußen schön warm ist, dann kann man
eine Königin oder einen König auch viel besser feiern, so mit
Festumzug, marschierenden Soldaten oder ganz vielen Meßdienern oder
so. Wir Christen feiern unseren König statt dessen mitten im November.
Sogar ganz am Ende des Kirchenjahres, in einer Zeit, wo scheinbar alles
zu Ende geht, wo der Toten gedacht wird: Allerseelen, Totensonntag, Buß-
und Bettag.
Die Antwort auf all diese merkwürdigen Zusammenhänge erfahren
wir aus den heutigen Lesungen: Gott ist nämlich kein normaler König,
so wie die Königin von England, sondern er ist "der Herrscher
über die Könige der Erde", er ist also noch viel mächtiger
als die. Er hat die "Macht über alle Ewigkeit". Er ist
"das Alpha und das Omega", das sind die ersten und letzten Buchstaben
des griechischen Alphabetes, in dem das Neue Testament geschrieben ist,
Gott ist also Anfang und Ende. Unser Gott, der selber gestorben ist, hat
dieses Ende, den Tod besiegt, er hat Macht über Leben und Tod hinweg.
Er ist "der ist, und der war und der kommen wird." Gottes Königtum
ist nicht von dieser Welt. Gott hat Macht über den so schrecklichen
Tod hinaus. Deswegen das Christkönigsfest am Ende des Kirchenjahres,
in diese Zeit, wo der Toten gedacht wird. Es soll uns zeigen, jetzt, wo
alles scheinbar zu Ende geht, wo vieles stirbt, da läßt er
uns nicht alleine, da kann er uns auch begleiten, er, der selbst den Tod
durchlitten hat, und ihn besiegt hat. Da kann solch ein Kreuz Zeichen
des Lebens werden, indem es wieder erblüht, kein totes Holz, wie
ich ihnen ja schon bei meiner Antrittspredigt erklärte, sondern eins,
das lebt. Oder auch das Zeichen der Krone, die von der Macht Gottes über
den Tod hinaus zeugt.
Christus ist der Herr über Leben und Tod, der Herrscher, der König
der Schöpfung, aber damit nicht genug.
Christus hat "uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott,
seinem Vater." Jesus Christus hat uns zur Nachfolge gerufen. Nicht
nur der Pfarrer und der Kaplan, sondern jeder von Ihnen ist mit der Taufe
und im besonderen nochmals mit der Firmung zum Priester, Propheten und
zum König berufen. Wir brauchen für unseren Glauben nicht in
den Tod gehen, aber jeder von uns ist Seelsorger, wie ein Priester, wenn
er den Nachbarn oder die Mama tröstet, ein offenes Ohr für den
Nächsten hat. Jeder kann Zeugnis ablegen, wie ein Prophet, wenn es
in der Kneipe, im Freundeskreis oder bei der Arbeit um den Kirchgang oder
dem letzten Schreiben des Papstes geht. Und jeder von uns trägt Verantwortung
für die Kirche, für unsere Gemeinde, so wie ein König Verantwortung
für sein Volk hat.
Christus ist der Herrscher, der König über den Tod hinaus und
er hat uns zu Königen auf diese Welt bestellt. Nehmen wir diese Verantwortung
war.
11. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben
Für den heutigen Festtag hat das Jahr 1925 eine große Bedeutung.
Der grausame 1. Weltkrieg war gerade vorbei. Die Monarchien verlieren
ihre Macht. Reichspräsident Ebert stirbt, Hindenburg wird sein Nachfolger.
Deutschland leidet unter der teilweisen Besatzung und den Reparationsabgaben.
Die Inflation ist gerade überwunden, doch schon tritt eine neue Wirtschaftskrise
ein mit Arbeitslosigkeit und Armut im Gefolge. Die Weimarer Republik steht
auf wackeligen Füßen. Nationalistische, juden- und fremdenfeindliche
Tendenzen greifen um sich.
Mitten in dieser chaotischen Zeit führt Papst Pius XI das Christkönigsfest
ein. In einer Phase der Geschichte, wo das Königtum politisch gerade
abgeschafft bzw. entmachtet wird. Typisch Kirche?! Ewiggestrig, gegen
den Strom der Zeit? Ein Zeichen gegen die aufkommende Demokratie? Wohl
kaum. Nicht kirchenpolitische Aspekte spielen hier die entscheidende Rolle,
sondern es ist hier wichtig, wer in unserer Kirche an oberster Stelle
steht: Christus. Er ist unser König. Er braucht nicht, wie all die
anderen Monarchien abgesetzt werden, weil er sich von den anderen Monarchien
durch eine gerechte Königsherrschaft auszeichnet. Bei seinem Regiment
gibt es keine Fehler und Defizite, wie sie unser Kanzler vergangene Woche
für seine Regierung eingeräumt hat.
Das Königtum Christi ist anders als die irdischen Regierungen. Im
Evangelium ist die Rede davon, daß er mit seiner Macht als König
kommt. Es ist vom Jenseits, vom Paradies die Rede. Sein Königtum
ist also ewig, es geht über die Erdenzeit hinaus. Deswegen auch am
Ende des Kirchenjahres. Sein Königreich hat kein Ende. Das ist das
Eine. Aber es ist nicht nur aufs Jenseits bezogen. Die Lesung spricht
ganz deutlich davon, daß Christi Königtum schon hier auf Erden,
in unserer Zeit angebrochen ist. "Vers 20" Durch diesen Tod
am Kreuz hat er im Himmel und auf Erden Frieden gestiftet. Wir sind "aufgenommen
in das Reich seines geliebten Sohnes." Aufgenommen in das Königtum
Gottes. Nicht erst nach unserem Tod, sondern schon jetzt. Jeder einzelne
von uns ist Teil davon. "Er hat uns fähig gemacht, (bevollmächtigt,)
Anteil zu haben am Los der Heiligen." Die Heiligen, die hier auf
Erden vorbildhaft gelebt haben. Wir haben durch die Taufe und die Firmung
die Fähigkeit, auch so zu leben. Jeder von uns kann ein Heiliger
werden, hat die Fähigkeit dazu, die natürliche Veranlagung dazu,
die Grundausstattung dafür mitbekommen. Wir sind diejenigen, durch
die Christus heute sichtbar wird. "Er (Christus) ist das Haupt des
Leibes, der Leib aber ist die Kirche." Die Kirche ist der Leib, der
uns zusammenhält, jeder einzelne von uns ist ein Glied daran, jeder
ganz anders, mit seinen von Gott gegebenen Talenten. Aber unser Haupt,
unser Kopf, unser König ist Christus. Damals zu Pauli Zeiten, als
dieser Brief an die Kolosser geschrieben wurde, in der chaotischen Zeit
von 1925, wo dieses Christkönigsfest entstand, und auch heute.
In der Präfation, dem Eingangstext zur Eucharistiefeier jetzt gleich
heißt es, daß sein Königreich sich in der Wahrheit verwirklicht,
in dem Leben, der Heiligkeit, der Gnade, der Gerechtigkeit, der Liebe
und in dem Frieden verwirklicht. Das Reich des Christkönigs wird
also da deutlich sichtbar, wo wir uns von den irdischen Herrschern und
Führern frei machen, von dieser Finsternis in der Welt befreien,
entreißen, wie es in der Lesung hieß, Zivilcourage beweisen
und für diese christlichen Werte eintreten: Wahrheit, Leben, Gerechtigkeit,
Liebe und Frieden.
12. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes. Der auferstandene Herr trägt dies den Jüngern als letztes
im Matthäusevangelium auf. Er gibt der Kirche den Auftrag, alle Menschen,
die sie zu erreichen vermag, auf das Zeichen der Dreifaltigkeit Gottes
hin zu taufen. Am letzten Sonntag haben wir 7 Kinder in diesem Namen in
unsere Kirche aufgenommen. Diese Kinder wurden mit diesem Siegel bezeichnet.
Ein Siegel macht deutlich, wem das bezeichnete gehört. So soll der
getaufte Mensch wissen, daß er diesem dreifaltigem Gott gehört
und sich nach dessen Leben und Vorbild verhalten soll.
Doch gerade diese Dreifaltigkeit erscheint uns oft als ein tiefes undurchschaubares
Geheimnis: wie soll man sich nach etwas ausrichten, was man kaum versteht?
Dabei ist es gar nicht so schwer: Die Dreifaltigkeit ist die Art, in der
Gott sich der Welt hat bekannt machen wollen: er ist unser Vater, der
uns so sehr geliebt hat, daß er seinen Sohn für uns dahingab
und uns überdies seinen Geist schenkte, damit wir Gott als die grenzenlose
Liebe erkennen können.
Wir können Gott erkennen. Es ist, wenn man die christliche Wahrheit
kennt, einfach falsch zu sagen, der Mensch sei unfähig, Gott zu erkennen.
Jeder Mensch, der einsieht, daß die weltlichen Dinge sich nicht
selbst gemacht haben, hat bereits eine Ahnung von der Existenz Gottes.
Desweiteren hat Gott sich in seinem Sohn geoffenbart. Er hat uns sein
Antlitz gezeigt, er hat uns sein Wort, sein beispielhaftes Leben gegeben.
Und mehr noch: Gott gewährt uns nicht nur diesen Blick auf ihn von
außen, sondern er läßt uns sogar in sein inneres Wesen
hinein schauen. Paulus sagt, daß nur der Geist Gottes das innere
Gottes kennt. Und dieser Geist ist uns ins Herz gegeben, damit wir erkennen,
was uns von Gott geschenkt worden ist. Wenn wir den Geist annehmen, der
uns in der Taufe und Firmung geschenkt worden ist, dann werden wir erkennen,
so sagt es die heutige Lesung, daß wir Söhne Gottes des Vaters
sind. Der uns geschenkte Heilige Geist läßt uns erkennen, daß
wir zu Gott Abba, Vater rufen dürfen. So bezeugt der Geist
selber unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind", so schreibt
Paulus. Und diesen Satz halte ich für wichtig. Wir können das
Geheimnis des Dreifaltigen Gottes nicht mit unserem Geist begreifen, der
ist dafür viel zu klein.
Augustinus
Augustinus hat es einmal mit folgender Geschichte deutlich gemacht: Er
ging am Strand entlang und sah einen Jungen, der mit seiner Schaufel ein
Loch in den Sand buddelte. Er fragte ihn, warum er das täte. Der
Junge antwortete, er wolle das Meer darin fangen. Augustinus ging dabei
auf, wie unmöglich es für den menschlichen Verstand ist, Gott
in seiner unendlichen Größe zu begreifen. Wir vermögen
Gott nicht mit unserem Geist zu fassen, aber wir haben Gottes Geist empfangen,
der uns Anteil an ihm schenkt. Sein Geist bezeugt unserem Geist, daß
wir Kinder Gottes sind.
Sind wir aber Kinder, dann auch Erben;" Und in Christus sind,
so schreibt Paulus an anderer Stelle alle Schätze der göttlichen
Weisheit und Erkenntnis verborgen." So werden wir also auch Miterben
all dieser Reichtümer, die nicht irdische Schätze, sondern Schätze
der ewigen Liebe sind. In Christus, in seinem Leben können wir Schätze
entdecken, die nicht so vergänglich wie die irdischen verrostenden
und von Motten zerfressenen Güter sind. Sondern in Christus entdecken
wir Schätze, wie sie sich der Mensch ersehnt. Schätze, Werte,
die von Ewigkeit sind. Uns durch den Geist, der in uns ist, offenbart.
Gott enthüllt uns das Wesen Gottes als die unendliche Liebe. Und
das ist weit mehr, als was die anspruchsvollste menschliche Sehnsucht
sich zu wünschen vermag.
Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen
Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes." Amen.
13. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Sowohl die Lesung als auch das Evangelium des heutigen Festes sprechen
von unserem Schicksal im Tod und nach dem Tod. Freilich werden wir feststellen,
wenn wir die Bibel aufmerksam lesen, daß die Botschaft von der Auferstehung
Jesu beinahe auf jeder Seite des Neuen Testamentes präsent ist. Die
Lesung stammt aus dem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefs, das sehr umfangreich
ist. Darin heißt es kurz vor den Versen, die für die heutige
Lesung ausgewählt wurden: Wenn Christus nicht auferweckt worden
ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden.
(1 Kor 15,17) Ich erinnere mich gut, wie ich diese Aussage des Apostels
Paulus zum ersten Mal mit Verstand gehört habe ich war vielleicht
17 Jahre alt. Und ich dachte: Genau! So ist es! An der Auferstehung Jesu
von den Toten hängt alles. Der ganze christliche Glaube wäre
Unsinn, wenn das nicht wahr wäre. Und dann fährt Paulus
ja auch fort: Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen. (15,20) Das ist der Angelpunkt
der Welt! Und es ist wahrlich würdig und recht, unsere Zeitrechnung
danach auszurichten, sie mit Erscheinen des Retters in unserer Welt neu
beginnen zu lassen.
Nun leben wir in einem Land, in dem diese Botschaft seit Jahrhunderten
erklingt, und so besteht die Gefahr, daß wir sie zu selbstverständlich
nehmen und ihre revolutionäre Bedeutung nicht mehr wahrnehmen. Damit
würden wir zugleich den Tod verharmlosen und so tun, als wäre
nichts klarer, als daß unsere unsterbliche Seele irgendwie weiterexistiert.
So zu denken wäre allerdings kaum christlich, denn die Bibel weiß
sehr wohl, daß der Tod die größte Katastrophe ist, die
in die Welt gekommen ist und daß Gott ihn nicht gemacht hat. Im
Tod wird alles, was zusammengehört, getrennt, und diese Trennung
ist ein Übel, das man nicht herunterspielen darf. Die Seele trennt
sich vom Leib, und der gestorbene Mensch wird seinen lieben Freunden und
Angehörigen entrissen, denen es kein Trost ist, wenn sie erfahren,
daß der Verstorbene als Seele irgendwo herumgeistert. Nein,
der Tod ist nicht harmlos, er ist schlimm, sehr schlimm.
Und dann hören wir: Da durch einen Menschen der Tod gekommen
ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
(15,21) Wir wissen, was gemeint ist: Adam, der erste Mensch hat gesündigt
und wurde deshalb aus dem Paradies vertrieben; und seitdem müssen
alle Menschen sterben. Aber das möchten wir gerne verstehen: Warum
ist der Tod die notwendige Folge der Sünde? Das ist offenbar
so, weil die Sünde nicht harmlos ist, nicht nur ein kleiner Schönheitsfehler,
den man leicht retuschieren kann. Die Sünde ist vielmehr ein Bruch
mit Gott und dem anderen Menschen. Wer sündigt, sagt im Grunde: Ich
will nicht dienen. Ich will wohl bedient werden, aber ich will
mich für andere nicht einsetzen, nicht für sie da sein.
Wer so denkt und handelt, für den ist die Gemeinschaft mit
Gott sogleich zu Ende, der fliegt aus dem Paradies raus. Aber auch die
zwischenmenschliche Gemeinschaft wird durch die Sünde verletzt, die
Sünde begründet unter den Menschen eine Hackordnung, ein Hauen
und Stechen, ein Gieren und Neiden, ein Lügen und Betrügen.
In so einer Unordnung kann der Mensch es keine Ewigkeit aushalten, da
ist der Tod tatsächlich eine Gnade, er befreit aus dem Netz der Sünde
und beendet die Ungerechtigkeit.
Aber der Tod ist eben auch Ende und insofern ein Übel, eine Strafe.
Denn eigentlich soll es kein Ende geben, alle Liebe will Ewigkeit, will
tiefe, tiefe Ewigkeit. Da durch einen Menschen der Tod gekommen
ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
Christus hat die Sünde und den Tod besiegt, indem er selbst den Tod
erlitten und dadurch von innen her überwunden hat. Er ist der Erste
der Entschlafenen und darum ist er unser König. Darum gibt es das
heutige Fest Christkönig.
Was folgt daraus für uns? Wer dies im Glauben weiß, und das
tun wir alle, der kann ein anderes Verhalten an den Tag legen als diejenigen,
die es nicht wissen, die glauben, daß mit dem Tod alles aus ist.
Vielleicht ist der Glaube bei dem einen oder anderen manchmal schwach,
aber dann wird er vom Glauben der anderen getragen. Denn keiner muß
alleine glauben. Wer also zusammen mit den anderen Christen weiß,
daß der Tod nicht das Ende ist, der muß keine Angst mehr haben,
etwas in diesem Leben zu verpassen. In der Ewigkeit kann man nichts verpassen,
da ist das Leben in Fülle. (Vgl. Joh 10,10)
-
Die Liebe, die wir alle in uns haben, hat dann auch
ein viel stärkeres Motiv, sich gegen den gleichfalls in uns wohnenden
Egoismus durchzusetzen. Es lohnt sich, den Kampf gegen das Böse
zu führen, denn Christus führt die Sache des Guten unfehlbar
zum Sieg. Und zu dieser Sache des Guten gehören die Werke der Barmherzigkeit,
von denen das Gleichnis spricht, die guten Werke für unsere geringsten
Brüder und Schwestern, mit denen Christus sich identifiziert.
-
Durch den Glauben an die Auferstehung werden wir ferner
angeregt, unserem Erlöser dankbar zu sein und überhaupt aufmerksam
und dankbar zu werden für die vielen Dinge, die uns geschenkt sind.
-
Und schließlich können wir schon in diesem
Leben anfangen, mit Jesus Christus, in Gemeinschaft zu leben, ja in
Freundschaft. Hier in der Eucharistiefeier schenkt sich uns der Herr
und teilt sich uns mit, bietet uns seine Gemeinschaft an im Zeichen
von Brot und Wein. Das kann er, denn er ist auferstanden und stirbt
nie wieder. Gelobt sei Jesus Christus!
14. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Liebe Gemeinde!
Die Kreuzesinschrift hat, so wie dasteht, sie damals im Grunde nur ein
höhnisches Lächeln hervorrufen können angesichts
der mit der Vorstellung eines Königs hervorgerufenen Erwartungen
im Kontrast zur sichtbaren Wirklichkeit.
Man hatte erwartet und erwartet es auch heute noch, daß der Messiaskönig
mit göttlicher Macht auf dieser Welt Ordnung schafft. Bist
du nicht der Messias? Dann hilf dir und uns! König
der Juden, das war ein Wort beißenden Spotts, der sich über
ihn ergoß, über einen gedemütigten Menschen, der einerseits
gefährlich erschienen war und andererseits als hoffnungsloser Utopist
angesehen wurde.
War es eine bloße Utopie, die Jesus verkündete und für
die er am Kreuz starb? Kann man von der Herrschaft Gottes sprechen, wenn
sich nichts ändert? Unmißverständlich sagt Jesus:
Mein Königreich ist nicht von dieser Welt. Das Gottesreich
seines Vaters hat andere Gesetze als irdische Gesellschaften. Jesus hat
keinen Anspruch auf ein irdisches Reich erhoben und auf irdische Mittel
verzichtet. Zeitlebens hat er der Versuchung widerstanden, seine göttliche
Macht einzusetzen, um sich den Weg zu unserer Rettung leichter zu machen.
Als ihn eine jubelnde Schar zum Brotkönig machen wollte, da ist er
geflüchtet. (Joh 6,15) Weder durch Gewalt noch durch äußere
Attraktionen wollte er die Menschen ins Gottesreich führen. Daran
hat sich bis heute nichts geändert. Allein durch seine Güte
und Liebe will er die Menschen an sich ziehen, denn anders kann er ihren
freien Willen nicht bekehren.
Bis heute wird ein Skandal darin gesehen. Denn diese Art des göttlichen
Wirkens kommt ganz ohne Gewalt aus, ja ohne jede Gegenwehr. Sie macht
sich angreifbar, schwach, wehrlos, ohnmächtig. Darum kann sie so
grausam mißachtet, verletzt und verstümmelt werden bis dahin,
daß die göttliche Herrlichkeit völlig unsichtbar geworden
ist. Aber voll Nichtliebe denken wir meistens: Na ja, von mir aus kann
der Messias ja mit sich machen lassen, wie er will. Soll er doch am Kreuz
sterben! Aber mir kann er das nicht zumuten! Wenn mir was passiert, dann
muß er eingreifen, dem Bösen wehren und mich retten.
Heißt er denn nicht der Retter? Der Messias hat doch göttliche
Macht und Kraft, oder? Doch wenn wir genau ins Neue Testament schauen,
stellen wir fest, daß das Wort Retter gerade in Situationen
der tiefsten Ohnmacht Jesu gebraucht wird. So fällt in die größte
Armut des Geschehens von Bethlehem das Wort vom Retter: Heute ist
euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr
(Lk 2,11). Den Menschen retten bedeutet, die Herrschaft Gottes auf dieser
Welt wiederherzustellen. Wo Gott herrscht, da wird der Mensch heil. Jesus
hat bei den Verachteten und Bedeutungslosen angefangen, die Herrschaft
Gottes wieder aufzurichten.
Besonders Lukas zeigt uns Jesus als den Retter all derer, die von allen
anderen im Stich gelassen wurden, nämlich der Armen, der Zöllner
und Sünder. Irdische Macht kann sie aussondern, bestrafen und zur
Ordnung zwingen. Aber heilen und retten, von Schuld befreien und die Menschenwürde
zurückgeben, das kann nur der Heiland der Welt, der die Herzen zu
ändern vermag.
Der eine Schächer am Kreuz hat ihn als Retter aus tiefster innerer
Not erkannt. Alles hat er verloren: seine Ehre, seine Menschlichkeit,
sein Leben. Gerade er aber bezeugt, daß dieser Jesus neben ihm Macht
wie kein anderer hat. Dieser kann die Tore auftun in ein neues und herrliches
Reich. Dieser machtlose Herr am Kreuz offenbart ihm denn auch seine verborgene
Macht: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies
sein!
Wer sich seiner Verlorenheit bewußt ist wie dieser Verbrecher,
findet in dem machtlosen Jesus am Kreuz den mächtigen Retter. Jesus
nimmt den Menschen zwar ihr Kreuz nicht ab. Er hat ja auch den Verbrecher
nicht vom Kreuz heruntergenommen. Aber er leidet mit ihnen und macht ihnen
so den Weg zu seiner Liebe leichter. Dieser Weg ist der Glaube, mit dem
sich der Mensch rückhaltlos in Gott und seine Liebe fallen läßt.
Wo immer Christen den Weg der Liebe zum andern gehen, nach diesem königlichen
Gesetz leben, da bauen sie an dieser Königsherrschaft mit.
Dieses Gesetz wird sie drängen, die Maßstäbe der Gottesherrschaft
auch im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben zur Geltung zu
bringen.
Die Stichworte, die wir heute nach Hause mitnehmen können, sind
Güte und Liebe. Am Freitag haben wir das Fest der hl. Elisabeth gefeiert.
Diese Frau hat uns vorgemacht, wozu der Mensch fähig ist, der von
der Liebe und Güte Jesu ganz ergriffen ist. Alles, was sie an Besitz
hatte, und ihre ganze Kraft hat sie eingesetzt für die Armen ihrer
Zeit und die Kranken. Und was mußte sie alles an Enttäuschung
und Undankbarkeit einstecken! Dennoch gab sie nicht auf, weil Christus
ihr König und ihre stetige Kraftquelle war. Solche Heiligen brauchen
wir auch heute, und wir sollten uns daran erinnern, daß wir alle
zu solcher Heiligkeit berufen sind. Hier bauen wir uns unseren Himmel
oder unsere Hölle je nachdem, ob wir der Liebe Raum geben
oder der Gleichgültigkeit. ...Dann hat Gott unter uns schon
sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja dann schauen
wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt.
15. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 26.11.06
Liebe Schwestern und Brüder,
wie passt dieses Evangelium zum Fest Christkönig?
Da wird doch nichts von einer Königsmacht deutlich. Jesus sagt zwar
er sei ein König, aber das wirkt doch lächerlich in dieser Situation.
Als Jesus vor Pilatus stand, hatten scheinbar die Römer und die herrschenden
Juden die volle Macht über Jesus. Ganz sicher war Jesus kein König,
kein Mächtiger, denn er starb ja am Kreuz. Und trotzdem sagt er von sich:
Ja, ich bin ein König.
Scheinbar hatten am Anfang dieses Jahrhunderts, als das Fest Christkönig
eingeführt wurde, ganz andere Kräfte die Macht in der Hand. Und
doch hielten die Christen daran fest:
Der eigentliche König ist und bleibt Jesus Christus.
Scheinbar haben auch heute ganz andere Kräfte die Macht auf ihrer Seite.
Für viele ist es das Geld, das alle regiert. Für andere ist es die
politische Macht, die Wirtschaft, die Banken oder einfach nur die USA.
Und trotzdem bleiben die Christen dabei: Jesus ist der eigentliche Herr.
Aber, und das gehört dazu: «Mein Königreich ist nicht von
dieser Welt.» Er will nicht einfach sein Königreich gegen die Reiche
dieser Welt setzen. Und so geht es auch beim Christkönigsfest nicht darum,
allen Politikern und Staatsmännern das Vertrauen zu entziehen und nur
noch Gott zu gehorchen. Es geht vielmehr darum, sich selbst zu fragen, nach
welchen Maßstäben ich mich hier in dieser Welt eingerichtet habe.
-
Wer in unserer Welt als ein Großer und Mächtiger gelten möchte,
der muss andere Menschen fest im Griff haben.
-
Im Königreich Jesu ist der ein Großer und Mächtiger,
der muss sich selbst im Griff hat.
-
In unserer Welt zählt derjenige als ein König, der viele Menschen
unter sich hat. Je mehr es sind, desto bedeutender ist er.
-
Im Glauben ist der ein König, der selber den Menschen dient. Dabei
kommt es nicht darauf an, wie vielen er dient, sondern mit welcher Hingabe
er es tut.
-
In der kommerziellen Welt gilt der als ein König, der sich gut verkaufen
und vermarkten lässt. Ob als König der Popmusik, König
der Volksmusik oder als ein Meister des Humors.
-
In der Welt unseres Königs ist selbst der wertvoll, der nichts mehr
zu verkaufen hat, weil er von Gott geliebt wird; arm ist nur der, der
ärmlich denkt, schlechtes tut und wenig liebt.
-
In der Welt der Politik ist der der wichtigste, der bei seiner Wahl die
meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte.
- In der Welt Jesu ist der der Größte, der seine Stimme zum
Lob Gottes einsetzt.
Das heißt nicht (wenn ich diese Gegenüberstellung mache), dass
die Welt nur schlecht ist. Aber sie wird immer schlechter, wenn wir uns nicht
darum bemühen, nach anderen Maßstäben zu denken und zu leben.
Das Königreich Jesu ist nicht von dieser Welt, weil die Maßstäbe,
mit der Gott uns bemisst, vollkommen andere sind.
Mit welchen Maßstäben Gott uns misst, können wir in unserer
Kirche immer wieder sehen. Schauen Sie auf das Kreuz:
Jeder und jede von uns ist das ganze Blut Christi wert. Jeder und jede von
uns ist von ihm geliebt. Für jeden und jede ist er gestorben. Die selige
Mutter Teresa sprach immer wieder davon, dass man lieben muß, bis es
weh tut. Wir tun uns damit wirklich schwer, wir haben sogar Manschetten, uns
selbst in den Finger zu pieken. Noch schwerer ist es, für jemanden anderen
zu leiden.
Jesus ist für uns gestorben, damit wir leben. Das ist unser König.
Und sein Reich strahlte auf, wo ein Hl. Maximilian Kolbe sich anbot für
einen anderen zu sterben.
Und sein Reich strahlt schon unter uns auf, wo wir in seinem Namen für
andere da sind, Opfer bringen, lieben.
Es ist letztlich das Reich, das alle anderen überdauern wird. Denn die
einzige Macht, die nicht korrupt macht, ist die Macht der Liebe. Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, König der ganzen Welt, wir bitten Dich:
-
Sei den Mächtigen dieser Welt Vorbild ihrer Herrschaft: Lass
sie mit ihrem Amt den Menschen dienen.
-
Spenden den Unterdrückten und Entrechteten mit Deinem Königtum
Trost und Zuversicht.
-
Stehe den Leidenden und Verzweifelten bei: Schenke Ihnen Vertrauen
in Deine Nähe - und Kraft für ihren Kampf.
-
Schenke uns Vertrauen in Deinen Schutz über unsere Herzen: Stärke
in uns die Kraft, die Liebe zu den Menschen nicht zu verlieren.
-
Du bist der König der ewigen Herrlichkeit: Führe unsere
Verstorbenen, die auf Dich vertraut haben, in Dein Reich. Wir feiern
diesen Gottesdienst...
Darum bitten wir Dich, Christus, unseren König und Freund, der immer
bei uns sein will, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 946, 1 - 3
Kyrie: 974, 6
Gloria: 457, 1 + 2
2. Lesung: Kol 1, 12-20
Zwischengesang: 564, 1 - 3
Evangelium: Lk 23, 35-43
Credo: beten
Gabenbereitung: 560, 1 + 2
Sanctus: 946, 5
Agnus Dei: 990, 1 + 2
Danksagung: 269, 3
Schluss: 560, 3 + 4