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Predigt, Fürbitten und Liedvorschläge zum Hochfest der Hl. Drei Könige (Epiphanie)
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 06.01.08
Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen
sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und
brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Weisen aus dem Morgenland gehen in die Knie vor dem Jesus Kind.
Und sie geben ihm Geschenke.
Beide Handlungen der Weisen sind Zeichen, weisen über sich hinaus.
Wer vor jemanden in die Knie geht, erkennt an: Du bist größer,
mächtiger als ich. Die weisen gehen vor dem Kind Jesus anbetend in die
Knie, weil sie in ihm den Größten und Mächtigsten sehen und
bekennen wollen: Gott.
Gold, Weihrauch und Myrrhe sind bezeichnende Geschenke. Gold steht für
die Macht und den Glanz des Königs. Weihrauch wird zur Ehre Gottes verbrannt
und geopfert. Myrrhe wurde als Balsam für den verstorbenen, menschlichen
Leib verwendet. Die Geschenke der Weisen - Gold, Weihrauch und Myrrhe- bezeichnen
so Jesus als den König der Welt, wahrer Gott und wahrer Mensch.
Liebe Schwestern und Brüder,
wir brauchen Zeichen, damit wir eine tiefe Wahrheit entdecken und ausdrücken.
Denn wir sind Menschen mit Sinnen. Ganzheitlich wollen wir spüren, schmecken,
riechen, sehen, hören. Das gesprochene Wort allein reicht uns nicht.
Es reicht uns vor allem nicht, wenn wir lieben.
Liebende sagen meist„Ich liebe Dich.“ mehr durch ihre Taten und
Gesten als durch ihre Worte.
Und die Liturgie der Kirche sagt in all ihrer Feierlichkeit und überlieferten
Form, dass wir Gott lieben und uns von ihm geliebt wissen.
Wie die Weisen handeln auch wir. Wir sind zusammengekommen, um das Hl. Messopfer
zu feiern. Die Gesten und Gebärden, die goldenen Gefäße und
die prächtigen Gewänder, der feierlich geschmückte Kirchenraum
sind auch bezeichnend: Sie zeigen, dass wir nicht uns und unsere Gemeinschaft
hier im Raum feiern, sondern unseren Gott. Die Liturgie der Kirche ist der
sinnenhafte Ausdruck unseres Glaubens, dass Gott in Jesus Christus unter uns
wohnte und in den Gestalten von Brot und Wein eben dieser Jesus mit Leib und
Blut unter uns ist und sich uns schenkt.
Wer sich in einen Menschen verliebt, dem fehlen oft die Worte, auszudrücken,
was er empfindet. Deshalb greift er zu Geschenken, Küssen, Umarmungen
und auch zu Liedern. Die Liebe ist DAS Thema der Musik, ob alt oder neu.
Gerade deshalb hat die Musik und das Lied seinen festen Platz in der Liturgie.
Ein großer Kenner und Liebhaber der Musik ist Papst Benedikt. Von ihm
stammen folgende Worte:
...von Anfang an hat zur Heiligen Messe die Musik, das Singen, gehört.
Wenn der Mensch vor Gott steht, reicht ihm das bloße Reden nicht aus.
So wie ganz allgemein Liebe und Leid die Grenzen der bloßen Worte sprengen
und einen Ausdruck suchen, der auch das Unsagbare einbegreift, so ist es auch
in der Begegnung mit Gott, in der der Mensch sich selbst überschreiten
will.
Während das Beten Israels auch die Instrumente, die Stimmen der Schöpfung,
zu Hilfe gerufen hatte, um Gott angemessen zu antworten, hat die Kirche zunächst
aus vielerlei Gründen nur die menschliche Stimme für würdig
gehalten, ihre Freude an Gott und ihr Ringen mit Gott auszudrücken.
So ist der gregorianische Choral entstanden, dessen innere Reinheit und Leuchtkraft
uns auch heute ganz unmittelbar die Gegenwart Gottes spüren lässt.
Im Mittelalter, in der Welt der Kathedralen, fing man an, nach noch mehr und
nach Größerem zu suchen: Es entstand die Polyphonie.
Zur Orgel als einer Synthese der Stimmen der Schöpfung traten nun auch
die verschiedenen Instrumente. Alles sollte aufgeboten werden, um Gott zu
lobpreisen. Von da an sahen es die großen Meister der Komposition als
eine ihrer höchsten Möglichkeiten an, dem Gotteslob in der Liturgie
der Heiligen Messe musikalische Gestalt zu geben, Messen zu komponieren, gleichsam
ihre Meisterschaft Gott selbst zu Füßen zu legen und dabei zugleich
der Gemeinschaft der betenden Menschen zu dienen.
Liebe Schwestern und Brüder,
gerade an den vergangenen Feiertagen haben wir immer wieder gespürt,
wie gut es tut, dass wir Gott mit Liedern preisen können.
In dieser Woche hören wir auch die Orgeln unserer Pfarrei beim Festival
OrgelPlus erklingen.
Unsere Pfarrgemeinde ist reich, wenn wir auf die Kirchenmusik schauen:
10 Chöre und eine Instrumentalgruppe singen und spielen regelmäßig
in unseren Kirchen. Immer wieder kommen andere als Gäste hinzu.
Es ist eine bunte Vielfalt.
Die kirchenmusikalische Vielfalt bei uns ist – so hoffe ich doch –
Ausdruck dafür, dass wir als Pfarrgemeinde sozusagen sprachlos werden
angesichts der Größe und Güte Gottes und nicht anders können
als ihn vielstimmig zu preisen.
Sie ist Ausdruck dafür, dass wir Gott lieben und uns von ihm geliebt
wissen.
Sie ist eine große Hilfe, wie der Papst es ausdrückt: der Gemeinschaft
der betenden Menschen zu dienen., weil sie nicht zur eigenen Ehre erklingt,
sondern zur Ehre Gottes.
Liebe Schwestern und Brüder,
...da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze
hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. steht es
von den Weisen in der Schrift.
Wir bringen unserem Gott unseren Gesang und unsere Musik als Gabe. Als Liebeslieder.
Wir danken allen in unserer Pfarrei, die sich in der Kirchenmusik engagieren
und uns so helfen, unsere Sprachlosigkeit zu lösen und uns zu öffnen
für den Gott, der in Jesus Christus uns heute erschienen ist. Amen.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2008)
Liebe Gemeinde!
Im Evangelium haben wir gerade gehört, was damals geschehen ist.
Aus dem fernen Morgenland kamen weise Leute, Magier, Sterndeuter
wir könnten auch sagen: Wissenschaftler und fragten nach dem
neugeborenen König der Juden, dem sie huldigen wollten. Ein Stern
hatte ihnen nämlich die Geburt dieses Königs angekündigt.
Wie man heute mit guten Gründen vermutet, war es eine seltene Sternkonstellation,
nämlich ein Zusammentreffen der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild
der Fische, was nur etwa alle 800 Jahre eintritt. Für die babylonische
Sternkunde ist Jupiter der Stern des Weltenherrschers, Saturn der Stern
Palästinas; das Sternbild der Fische war für sie ein Zeichen
für die Endzeit. Daraus konnte man sich nach der damaligen Wissenschaft
nur folgenden Reim machen: Der endzeitliche Weltenherrscher wird in Palästina
geboren. Um diesen Weltenherrscher zu sehen, traten also die Sternkundigen
aus dem Osten die 1000 km lange Reise an. Das war ganz gewiss kein touristisches
Unternehmen, sondern eine sehr beschwerliche Expedition. Nur Menschen,
die von einer tiefen Sehnsucht geleitet sind, echte Gottsucher, die ihr
unruhiges Herz spüren, werden sich auf einen derart langen und ungewissen
Weg machen. Nur sehr wenige Menschen spüren, dass sie zeit ihres
Lebens Pilger und Wanderer zwischen zwei Welten sind, dass sie auf der
Erde nur eine befristete Heimat haben und darum Ausschau halten müssen
nach einem, der ihnen ewige Heimat bieten kann. Diese Sehnsucht, verbunden
mit ihrer Wissenschaft hatte sie nun überraschenderweise nicht zu
einem Königssohn im Palast, sondern zu einem unscheinbaren Kind in
einer Krippe geführt. Im Evangelium heißt es dazu: Als
sie das Kind und seine Mutter erblickten, fielen sie nieder und beteten
es an. Doch gerade diese überraschende Huldigung weist auf
den eigentlichen Sinn des heutigen Festes hin, den Höhepunkt, auf
den alles zustrebt: Jesus finden und ihn als Gott verehren. Darum auch
die Geschenke, die die Sterndeuter mitgebracht haben: Gold aller
Glanz dieser Welt soll Jesus gehören! Weihrauch aller Ruhm
soll zu Gott emporsteigen! Myrrhe unser Leben soll im Tod in Jesus
aufgehen. Durch die Gaben drücken die Sterndeuter aus, dass sie gefunden
haben, was sie suchten, dass ihre Unruhe gestillt ist: sie können
glauben und im Glauben Ruhe finden. Sie verschenken sich selbst an das
Kind mit allem, was sie sind und haben. Sie haben Gottes Liebe in ihrem
Herzen gespürt und nun schenken sie sich ganz und gar an Gott zurück.
So soll es auch in unserem Leben sein daran erinnert uns dieses
Fest. Was wir an Weihnachten gefeiert haben, soll nun nach außen
sichtbar werden, soll in unserem Leben aufscheinen und wie ein Funke auf
andere überspringen. Was ist denn ein Christ überhaupt? Einer,
der in die Kirche geht? Einer, der etwas für gute Zwecke spendet?
Gewiss, aber das ist noch zu oberflächlich gesehen. Ein Christ
ist einer, der Gottes Liebe im Herzen trägt, der daraus froh wird,
der sich deswegen wohltuend von den anderen Leuten unterscheidet, die
mit einem missmutigen Gesicht durch die Welt laufen und an allem und jedem
etwas auszusetzen haben. Ein Christ ist einer sauber geputztem Fensterscheibe
vergleichbar, durch die die Sonne in diese Welt hineinscheint, die Sonne
der Liebe Gottes. Ein Christ das ist einer, der weiß, dass
er Kind Gottes ist, beschenkt mit einer unermesslich hohen Würde.
Ein Christ kann deswegen gar nicht anders als Gottes Liebe in seinen menschlichen
Worten und Gesten an andere weiterzugeben. Er strahlt die Liebe aus
aus seinen Augen, aus seinem Lachen, aus seinen Umarmungen, ja, auch aus
seinen Tränen des Mitleids etwa für einen, der leidet. Ein Christ
ist wie ein lebendiges Evangelium, an dem die Menschen, ohne selbst in
die Bibel schauen zu müssen, die Frohe Botschaft ablesen können.
Das ist unsere wahre Berufung als Kinder Gottes! Denken Sie nicht, das
ist zu schwer, das ist zu ideal gedacht, wer schafft das schon?! Mit menschlicher
Kraft ist das natürlich nicht zu schaffen. Es ist eine Gnade. Aber
Gnade heißt nicht, dass man sie nicht bekommen kann. Gnade ist ein
Geschenk von Gott, das jeder bekommt, der darum bittet. Nur wir bitten
wohl zu wenig darum. Wir sollten uns nicht mit Mittelmäßigkeit
begnügen, die vergleichbar ist mit einem total verschmutzen Glas,
durch das nur wenig Sonnenlicht dringt. Bitten wir heute Gott um die Gnade,
aus unserem Glauben froh zu werden und die Freude der Weihnachtszeit widerzuspiegeln!
3. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Es waren einmal drei weise Könige, die wohnten in einem fernen Land,
im Morgenland...
Unser Evangelium beginnt nicht so, nicht mit es war einmal,
sondern mit einer geschichtlichen Zeitangabe: Als Jesus zur Zeit
des Königs Herodes in Bethlehem geboren worden war... Und dennoch
glaube ich ist für viele die Geschichte, die im Evangelium
berichtet wird, wie ein Märchen. Schön, ergreifend, wunderbar,
um sie Kindern zu erzählen, aber nicht als wahre Begebenheit ernst
zu nehmen.
Ist das schlimm? Oder ist es gleichgültig, solange nur irgendein
Sinn aus dem Evangelium gezogen wird? Zum Beispiel die gute Tradition,
daß in diesen Tagen Kinder durch die Straßen ziehen, verkleidet
als die Heiligen Drei Könige, um den Segen Gottes in die Häuser
zu tragen. Ist das nicht eine wundervolle Anwendung des Evangeliums?
Ich werde niemals sagen, daß das Dreikönigssingen etwas Schlechtes
sei oder daß es nichts mit dem Evangelium zu tun habe. Aber wenn
das alles wäre, was wir heute sinnvollerweise aus dem Evangelium
entnehmen können, dann wäre das doch sehr bedenklich. Bedenklich
in dem Sinne, daß wir etwas zu bedenken hätten. Neu nachzudenken
nämlich über Wahrheit und Geschichte, und das heißt über
den Sinn unseres Lebens.
Ich möchte dieses Bedenken so beginnen: Als ich ungefähr 18
Jahre alt war, wollte ich wissen, was die Wahrheit ist. Was ist Wahres
dran an der Bibel, am Glauben der Kirche, speziell an der Gottessohnschaft
Jesu Christi und seiner Auferstehung? Zu jener Zeit waren meine beiden
Brüder vom Glauben abgefallen und fühlten sich seit Jahren schon
als Atheisten. Eines ihrer Hauptargumente war skeptischer Art: Es gibt
so viele Religionen und noch mehr Meinungen woher sollen wir wissen,
daß ausgerechnet die katholische Kirche die Wahrheit kennt?
Ein sehr schlagendes Argument, nicht wahr? Es ist beunruhigend, wenn man
es überhaupt an sich herankommen läßt. Aber ich wollte
es wissen. Das erste große Ereignis, das mich einer Antwort näher
brachte, war eine Tagung mit dem Thema: Der Atheismus als politisches
Problem. Fünf Referenten sprachen dort fünf Tage lang
über ihre Forschungen. Der erste war ein Historiker, der mit Max
Horkheimer kurz vor dessen Tod einen Briefwechsel geführt hatte und
berichtete, wie Horkheimer (einer der Begründer der Frankfurter Schule)
eine Sehnsucht nach dem ganz Anderen spürte und die politisch
gravierenden Folgen des wachsenden Atheismus zu fürchten begann.
Das war 1973. Mit diesen Ausführungen war nur ein kleiner
Teil der Antwort gegeben, sozusagen der Abgrund aufgerissen, vor dem jeder
steht, der keinen Glauben hat, und vor dem die Gesellschaft steht, wenn
nur noch eine Minderheit gläubig ist.
An den kommenden Tagen sprachen zwei Philosophen, ein Theologe und ein
Naturwissenschaftler. Sie trugen so faszinierend vor, daß wir jungen
Leute bis spät abends, ja sogar bis in die Nacht hinein zuhörten
und fragten und diskutierten. Jede radikale Frage war erlaubt und
dabei wurde mir klar, daß das Christentum auf jeden Fall die größten
Köpfe auf seiner Seite hat.
Es würde zu weit führen, mein langes Suchen und Fragen im einzelnen
darzustellen. Im nachhinein betrachtet, waren es die begnadetsten Jahre
meines Lebens. Ich hatte gesucht und gefunden. (Übrigens nicht nur
ich allein, sondern unter anderen auch einer meiner Brüder.) Und
damit bin ich wieder bei den Weisen aus dem Morgenland. Was ist das Besondere
an diesen Leuten? Sie hatten einen Stern aufgehen sehen, den sie als Vorboten
eines neuen Königs deuteten nach den strengen Kriterien ihrer
damaligen Sternwissenschaft. Der Einwand zählt nicht, daß diese
Wissenschaft aus heutiger Sicht veraltet ist. Wenn Gott überhaupt
etwas durch Zeichen sagen will, dann muß er an das Verständnis
der Menschen anknüpfen, an das tatsächlich verfügbare Verständnis.
Er muß seine Zeichen in den Horizont des menschlichen Verstehens
einfügen, sonst sprechen sie nicht. Also hat Gott diese Sternkonstellation
verfügt, die nach damaliger Wissenschaft als Zeichen gedeutet werden
mußte. Vermutlich sogar, ohne irgendein Naturgesetz außer
Kraft zu setzen. Aber es war ein Zeichen für die, die sehen konnten.
Aber wichtiger ist, was die Sterndeuter taten. Sie machten sich nämlich
auf den Weg, auf die Suche. Sie wollten vom Zeichen zum Bezeichneten finden,
zum neu geborenen König selbst. Sie suchten die Wahrheit und scheuten
weder Zeit noch Mühe. Wie viele Einwände mußten sie sich
wahrscheinlich vorher anhören:
-
Es gehen viele Sterne auf. Woher wollt ihr wissen,
daß dieser Stern gerade etwas so Besonderes sein soll?
Oder:
-
Ihr habt doch alles, was ihr braucht. Ihr habt
Geld, Kleidung und jeden Luxus. Wozu wollt ihr diese beschwerliche Reise
machen? Oder:
-
Ihr könnt nicht gehen; ihr werdet gebraucht.
Denkt an eure Familien: Wir müssen noch dieses Haus bauen und jenes
Geschäft tätigen. Später, ja später habt ihr vielleicht
Zeit für derartige Spinnereien..."
Die Weisen ließen sich nicht beirren. Und deshalb
fanden sie Jesus und die Wahrheit. Nur deshalb werden sie auch im
Evangelium erwähnt als die Helden der Wahrheitssuche.
Es ist zu vermuten, daß sie anschließend den Glauben in
ihre Heimat brachten.
Wir dürfen heute nicht sagen: Es war einmal... Es kann
und soll auch heute so sein. Wir haben es nicht mit einem Märchen
zu tun, sondern mit Wahrheit und Geschichte, die jeden einzelnen angeht.
Dazu noch ein paar Anmerkungen.
Ich bin davon überzeugt, daß die meisten Menschen in Deutschland
sehr wohl wissen, daß Geld und Besitz nicht das Wichtigste im Leben
sind, ja, daß sich viele und wohl von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen
nach dem ganz Anderen, nach der Wahrheit sehnen. Haben sie
keinen Stern, der ihnen Zeichen gibt? Doch sie haben ihn, nämlich
die Kirche. Sichtbar für alle, die sehen wollen, aber auch vielen
Fragen und Einwänden ausgesetzt:
- Es gibt viele Religionen. Woher wollt ihr wissen, daß
die christliche Kirche gerade etwas so Besonderes sein soll?
Oder:
- Ihr habt doch alles, was ihr braucht. Ihr habt Geld, Kleidung
und jeden Luxus. Wozu wollt ihr diese beschwerliche Suche nach der Wahrheit
machen? Oder:
- Ihr könnt nicht auf die religiöse Suche gehen; ihr
werdet gebraucht. Denkt an eure Familien: Wir müssen noch dieses
Haus bauen und jenes Geschäft tätigen. Später, ja später
habt ihr vielleicht Zeit für derartige Spinnereien...
Hinzu kommen noch ganz verdrehte Gedanken, die vor allem solche bewegt,
die aus christlichem Elternhaus stammen, aber den Glauben verloren haben:
- Ist es nicht egal, was der einzelne glaubt? Hauptsache, er ist
glücklich. Oder:
- Hauptsache, man ist ein guter Mensch.
Gute Menschen waren die Sterndeuter auch vorher schon. Aber weise wurden
sie erst, nachdem sie gesucht und gefunden hatten. Und glücklich
wird man auch erst, wenn man die Wahrheit gefunden hat.
Darum möge sich jeder in diesem Jahr vornehmen, neu nach der Wahrheit
zu suchen und dabei Orientierung an dem Stern zu nehmen, den Gott bis
zum Ende der Zeiten aufleuchten läßt, an der einen, heiligen,
allumfassenden und apostolischen Kirche.
4. Predigtvorschlag
Das Dreikönigskapitell in Autun
In einem etwas verkommenen Städtchen im französischen Burgund,
in Autun, steht eine der seltsamsten Kirchen des Abendlandes. Die Erbauer
haben im 11. Jahrhundert Künstler damit beauftragt, das Portal und
die Kapitelle zu schmücken und sie mit Szenen aus dem Alten und dem
Neuen Testament zu versehen. Dabei ist auch ein Sandsteinkapitell entstanden,
das die Weisen aus dem Morgenland als Könige darstellt.
Das Seltsame ist die Art und Weise dieser Darstellung: Wir
kennen viele Bilder, die die Huldigung der Sterndeuter und
die Übergabe der Geschenke vor der Krippe zeigen. Doch
der Künstler der Kathedrale von Autun hat etwas anderes
vor Augen gehabt. Er zeigt, wie die Drei, die er sich als
Könige darstellt, unter einer Decke liegen und schlafen.
Ihre Kronen tragen sie dabei auf dem Kopf. Sie sind ja unterwegs
und haben keine Zeit zu verlieren. Das heißt, genauer
gesagt, zwei schlafen und einer hat die Augen offen. Und dieser
eine sieht, wie ein Engel über ihnen schwebt und ihm
den Stern zeigt. Der Stern weist den Weg zum Ziel. Auf den
Stern müssen sie achtgeben.
In Münster gibt es ein wunderbares Naturkundemuseum
und ein supermodernes Planetarium, wo man viel über Naturphänomene
und Himmelserscheinungen lernen kann. An einem Neujahrstag
war ich dort mit einer Familie zu einer Kindervorstellung.
Da ging es auch um den Weihnachtsstern und auch die Weisen
aus dem Morgenland kamen einmal kurz vor. Nur waren sie da
eher eine Mischung aus legendärer Gestalt und Witzfiguren
aus einem mittelguten Comic. - Eine solche Charakterisierung
wird aber den Gestalten aus dem Evangelium, wie sie uns vorgestellt
werden, nicht gerecht. Für das Evangelium geht es nicht
darum, zu beschreiben: wer sind eigentlich diese Männer
aus dem Osten, die das Kind suchen und es schließlich
auf wunderbare Weise auch finden, sondern dem Evangelium geht
es zuallererst um eine ganz andere Frage: Wer ist dieses Kind
in der Krippe, vor dem Herodes und die Großen seines
Reiches so viel Angst haben? Wer ist dieser Sohn der Jungfrau
Maria, der da unter solch elenden Umständen zur Welt
kommt und dessen ersten Lebensjahre schon gekennzeichnet sind
von Verfolgung und Flucht?
Die Antwort, die die Weisen aus dem Morgenland finden, ist
im Grunde eine ganz einfache: sie ist im Grunde schon in dem
seltsamen Dreikönigsbild von Autun vorgebildet: Die Weisen
erkennen, dass Gott selbst in einem kleinen Kind zu den Menschen
kommt. Und dass Gott sozusagen mit den Menschen unter einer
Decke steckt. Mit den Menschen, die im Elend leben, die verfolgt
werden und denunziert, die keine Heimat haben und die nicht
wissen, wo sie morgen ihr Haupt hinlegen sollen. - Mit diesen
Menschen steckt Gott von nun an unter einer Decke. Unter der
Decke des Menschseins eben.
Das erkennen die Weisen aus dem Morgenland. Sie sind Menschen,
die sich nicht mit einer schnellen Antwort zufriedengeben.
Sondern die sich selber aufmachen, um zu sehen, was die Zeichen
der Zeit bedeuten.
Wenn wir auf diese Menschen, die Weisen aus dem Morgenland
schauen, erkennen wir drei Charakteristika, drei Wesenszüge,
die auch uns heute not tun:
Das erste ist: Die Weisen waren wach, auch dann, wenn sie
schliefen. Sie achteten auf den Stern, der ihnen in der Nacht
leuchtete, sie achteten auch auf den Traum, der ihnen zeigte,
was zu tun war. Demgegenüber waren Herodes und seine
Anhänger zwar äußerlich höchst aktiv,
als es darum ging, einen möglichen Gegner auszuschalten,
aber innerlich waren sie längst eingeschlafen.
Das zweite: Die Weisen aus dem Morgenland hatten das richtige
Navigationssystem: den Stern von Betlehem. Um diesen Stern
zu sehen, mussten sie nach oben schauen. Uns tut es - gerade
auch zu Beginn eines neuen Jahres - gut, ab und zu nach oben
zu schauen, in den Himmel, um von dort aus Richtung und Sinn
für unser Leben zu finden.
Und das dritte: Die Weisen aus dem Morgenland trauten ihrem
Traum. Der ließ sie nicht zu Herodes zurückkehren
und dort Bericht erstatten, sondern sogleich, heimlich, nach
Hause zurückkehren. Darin erkenne ich eine Form der Diskretion
und der klugen Zurückhaltung, die wichtig ist in einer
Zeit, in der alles gleich weitererzählt, breitgetreten
und ausgewalzt werden muss. Weil die Weisen weise waren, waren
sie diskret. Weil sie klug waren, konnten sie schweigen.
So kann auch uns der folgende Epiphanie-Wunsch gelten, in
dem es heißt:
Ich wünsche dir, dass du in diesem Jahr gut schläfst,
dass du mit den Deinen unter einer Decke steckst,
dass du den Boten Gottes erkennst,
wenn er sich in dein Leben einmischt,
dass du bereit bist, andere aufzuwecken, wenn es notwendig
ist,
dass du ja sagst, wenn du als Bote Gottes ausgesucht wirst.
Dass der Stern von Betlehem das ganze Jahr über dir leuchten
möge.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, der Heilige Franz von Sales
versucht in seinem Buch "Philothea" ein Weg zum
tieferen Glauben aufzuzeigen, der über die Betrachtung
geht. Zunächst, so schlägt er vor, sollen wir uns
die eigene Unzulänglichkeit vor Augen halten. Diese wahrscheinlich
nicht sehr erfreulichen Gedanken sollen wir dann mit einem
Gebet abschließen, um uns dann, nach einem inneren Ruck,
der Zusage Gottes zuzuwenden: Du bist mein geliebtes Kind.
Gerade im Gegensatz unserer eigenen Verfassung zur liebevollen
Zuwendung Gottes liegt die Größe der göttlichen
Liebe.
Franz von Sales schlägt damit etwas sehr wichtiges vor:
Den Blick nicht zu verschließen vor den Schlechtigkeiten
dieser Welt. Erst wenn wir begreifen, dass diese Welt Erlösung
braucht, und zwar dringend, können wir Erlösung
feiern.
Wir haben gerade gehört, dass, kaum dass Jesus geboren
ist, ihm auch schon nach dem Leben getrachtet wird. Die Idylle
von Weihnachten findet Ihr jähes Ende schon am 2. Weihnachtstag,
wenn wir an den Märtyrer Stephanus denken. Und noch als
Kleinkind muss Jesus nach Ägypten fliehen, um dem Massenmord
an den unschuldigen Kindern von Bethlehem zu entgehen.
Gedanken, die nicht so recht zu unserem weihnachtlichen Kuschelgefühl
passen wollen. Ich weiß noch, wie sehr die Medien gewettert
haben, als Erzbischof Dyba am Tag der unschuldigen Kinder
die Totenglocken läuten ließ, um an die inzwischen
jährlich 130.000 Kindstötungen zu erinnern, die
in Deutschland im Mutterleib vorgenommen werden.
Diese Gegensätze finden sich immer wieder in unserem
Leben. Manchmal sind die Spannen so groß, dass wir sie
kaum noch zu fassen kriegen. Liebe und Leid, Freude und Trauer
liegen oft unerträglich nah bei einander und bilden einen
kaum zu bewältigenden Kontrast. Irgendwann, und das ist
das Fatale, schließen wir unsere Augen vor dem Leid
der Welt, verdrängen, was im Argen liegt. Wir können
es nicht mehr hören, das Reden von der Not, der Katastrophe,
den Millionen von Opfern, den abgetriebenen Kindern. Wir igeln
uns ein in eine Welt, die mehr scheint, als sie ist. Und damit
berauben wir uns unserer Gottesbeziehung.
Wenn wir in unserer Wahrnehmung nämlich das Schlechte
ausblenden, dann begreifen wir nicht mehr die das Gute. Wenn
wir uns nicht mehr nach Erlösung sehnen, dann verkommt
Weihnachten zu einem Lichterfest. Wenn wir nicht mehr unter
unserer eigenen Schuld leiden, dann ist die Versöhnung
im Sakrament der Beichte nur noch lästige Pflicht. Wir
verlieren die Freude, liebe Schwestern und Brüder!
Der Stern von Bethlehem ist uns als Zeichen unserer Erlösung
erschienen, die Engel sprachen doch auch vom Retter. Das ist
wahrlich ein Fest wert, denn unsere Welt braucht diesen Retter.
Der Stern von Bethlehem erscheint uns als ein Stern der Zuversicht.
Wir können diese Zuversicht gebrauchen!
Freude über diese Verheißung, die zum Fest führen
kann, empfinden wir doch nur, wenn wir erkennen, wir dringend
wir die Initiative Gottes brauchen. Haben wir einen Blick
für die Welt, haben wir ein Herz für Gott.
Franz von Sales hat uns schon einen tiefen Weg gewiesen:
Erst, wenn wir unsere Augen vor dem Dunkel der Welt nicht
verschließen, geht uns das Licht erst wirklich zu Herzen.
Stellen Sie sich vor: Ein Israelit oder Palästinenser,
ein Bewohner des vom Bürgerkrieg gezeichneten Jerusalems,
ein Mensch, der im Krieg Kinder und Freunde verloren hat,
der einsam und krank geworden ist, hört diese Lesung:
Auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht, und
die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,
doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit
erscheint über dir. Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlendem Glanz.
Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen
zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter
trägt man auf den Armen herbei. Du wirst es sehen, und
du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet
sich weit.
6. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, das heutige Evangelium
hat mich ein wenig an die Heiligsprechung von Arnold Jansen
erinnert. Am Ende des Gottesdienstes auf dem Petersplatz zogen
die anwesenden Politiker zum Papst und knieten dort nieder,
um dem Papst für die Heiligsprechung zu danken. Ein paar
der deutschen Politiker hatten zwar ausgesprochene Schwierigkeiten
mit der Kniebeuge, aber zumindest haben sie eine versucht.
Natürlich ist der Papst nicht mit Jesus Christus zu
verwechseln, dem die Sterndeuter huldigten und ihre Gaben
darbringen. Der Papst ist nur der Diener dieses Gottes, der
im Stall von Bethlehem zur Welt kam, aber eben auch ein Symbol
der Gegenwart Gottes im Menschen.
Die Sterndeuter, die im Laufe der Zeit als Könige angesehen
wurden, erkennen durch ihre Anbetung einen größeren
an, dem sie mit ihrem Regieren dienen. Und - falls es keine
Könige gewesen sind, sondern nur Wissenschaftler ihrer
Zeit - erkennen sie eine Autorität an, der sie mit ihrer
Wissenschaft dienen. Sie beugen mit ihren Knien auch ihren
Stolz. Sie sind nicht Politiker oder Wissenschaftler zu eigenen
Zwecken, um Ruhm zu erlangen, sich einen Namen in der Geschichte
zu machen oder um - als Politiker - wiedergewählt zu
werden. Sie haben einen Auftrag, den sie sich nicht selbst
gegeben haben. Und sie haben einen Richter, der am Ende ihrer
Zeit ihr Lebenswerk in Empfang nehmen wird.
Mit diesem Bild vor Augen - die Mächtigen der Welt geben
ihre Gaben, ihr Lebenswerk als Geschenk an Gott - habe ich
mich damals bei der Heiligsprechung gefragt, ob wohl unsere
Politiker dazu fähig sind. Ob die, die uns regieren und
versprochen haben, unserem Land zu dienen, auch dem bereit
sind zu dienen, der dieses Land und alle Länder der Welt
erschaffen hat. Der den Menschen und den Regierenden gleichermaßen
Herr ist.
Ich habe mich gefragt, ob wohl die Wissenschaftler, Manager
und Wirtschaftsbosse noch ihre Knie beugen können, weil
sie wissen, von wem sie alles, was sie haben, erhalten haben.
Und ob sie als Ziel ihres Tuns genau diesen Gott vor Augen
haben. Ist Gott, das Kind in der Krippe und die Anwesenheit
dieses Gottes in den Kindern dieser Welt der Stern, der sie
leitet?
Ich habe da so meine Zweifel, sowohl bei vielen Politkern
und Wissenschaftlern, als auch bei den Managern und Bankdirektoren.
Natürlich sind das nicht alles Egoisten, sie dienen der
Wissenschaft, dem Volk, der Wirtschaft und dem Markt. Und
viele habe durchaus das Wohlergehen der Menschen vor Augen.
Nur: Die Knie beugen sollten sie weder vor den Menschen noch
vor dem Geld, weder vor Macht und Ruhm noch vor dem Wissen
und dem Machbaren. Die Knie beugen sollen wir allein vor dem,
der über allem steht. Nur so, liebe Schwestern und Brüder,
werden wir zu wirklichen Dienern.
Ohne die Anbetung Gottes wird jeder Dienst am Geschöpf
zum Götzendienst, bei dem dann wieder anderes auf der
Strecke bleibt.
Aber, und das hat mich bei meiner Betrachtung auf dem Petersplatz
in Rom dann wieder etwas zurückgeholt in die kleine Welt,
in der ich lebe - wie sieht es denn mit mir aus? Ich bin doch
auch oft versucht, die mir anvertraute Aufgabe wichtiger zu
nehmen als Gebet und Gottesdienst. Auch wir einfache Menschen
- und auch wir einfachen Priester - sind genauso versucht,
wie die Menschen da ganz oben. Letztlich sind wir aus dem
gleichen Holz geschnitzt.
Ein großer Physiker, Max Thürkauf, hat einmal
gesagt: Für jede Stunde Forschung muss der Forscher immer
auch eine Stunde im Gebet verbringen. Sonst beginnt er, gegen
Gott zu forschen, anstatt mit ihm.
Und ein weiser Kirchenvater hat einmal gesagt: Der Priester
sollte jeden Tag mindesten eine halbe Stunde vor dem Allerheiligsten
zubringen. Davon sind lediglich die Tage ausgenommen, an denen
er besonders viel zu tun hat, denn dann ist mindestens eine
ganze Stunde nötig.
Davon sind wir alle weit entfernt. Aber die Sterndeuter haben
es uns vorgemacht: Nur mit einem Stern vor Augen, einem Gott,
vor dem wir knien, macht Leben einen Sinn. Amen.
7. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
zur Vorbereitung der Sternsingeraktion ist mir, wie in jedem
Jahr bisher, reichlich Informationsmaterial zugesandt worden.
Ein Rechenschaftsbericht darüber, was im letzten Jahr
mit den Geldern passiert ist, ein Ausblick auf die Projekte
des kommenden Jahres, Geschichten aus den Ländern der
sogenannten Dritten Welt, Info-Material über die Lebensweise
dort - Plakate, Bildchen und noch vieles mehr. Allerdings
- kein Wort über den Segen, den wir in die Häuser
bringen; kein Wort über Anbetung, Menschwerdung oder
das Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes.
Genauso verwundert war ich, als unser Bistum in einem Informationsheftchen
mit dem Titel "Unsere Seelsorge" über die Seelsorge
an Behinderten berichtete. Tage religiöser Orientierung
wurden dort beschrieben; anhand eines Baumes machten sich
die Referenten Gedanken über "Wurzel", "Stamm"
und "Krone" des Lebens. Und auf den ganzen Seiten
war kein einziges mal die Rede von Gott, Gebet, Erlösung,
Himmel oder sonst etwas, dass zumindest entfernt religiös
zu verstehen war.
In dem Blättchen "Gute Besserung", das in
unsere Kirche ausliegt, war schon vor Jahren eine kleine Geschichte
abgedruckt, von der ich nicht weiß, ob sie erfunden
oder wirklich passiert ist - die aber zu dem passt, was wir
in der Ausbildung gelernt haben: Ein junger Kaplan kommt
auf Hausbesuch zu einem schwer kranken und schwerhörigen
älteren Mann. Er erkundigt sich lange und warmherzig
nach den Befinden und Krankheitssymptomen des Mannes und geht
nach einige Zeit mit den besten Genesungswünschen wieder.
Der alte Mann, der kein Wort verstanden hat, fragt nachher
seine Frau: "Und, was hat er gesagt, der Kaplan?"
Seine Frau antwortet weise: "Er sagt, Du sollst Deine
Schmerzen mit dem Leiden Jesu vereinen!" - Worauf ihr
Mann anerkennend nickt und antwortet: "Mensch, der kann
aber gut trösten, der Kaplan!"
Was ist das für eine Seelsorge, die das eigentliche
Wunder der Seele, nämlich ihre Beziehung zu Gott, nicht
einmal in den Blick nimmt?
Nun, im Grunde kenne ich die Unfähigkeit, von Gott zu
sprechen, ja auch aus eigener Erfahrung. Ich denke, dass es
keinem von uns leicht fällt, seinen Glauben an Gott in
Worte zu fassen - geschweige denn, um das Gebet zu bitten
oder zum Gebet anzuregen. Aber wenn selbst die Offiziellen
unserer Kirche nicht merken, dass in ihrer Arbeit Gott abhanden
gekommen ist?
Vielleicht brauchen wir Christen - und auch wir Offiziellen
- das Beispiel und die Anregung von außen. Denn so ähnlich
ist es ja auch in der Weihnachtsgeschichte gewesen: Zwar hören
die Hirten die Botschaft der Engel; zwar finden sie auch das
Kind und preisen Gott; aber erst die Weisen aus dem Morgenland,
die heidnischen Magier aus der Ferne, tun das, was eigentlich
jeder Jude als erstes hätte tun müssen: Sie beten
das Kind an, in dem sie Gott erkennen.
Das, liebe Schwestern und Brüder, mag vielleicht auch
ihre Berufung sein: Mit ihrem Glauben und ihrem Gebet die
Herzen der Menschen bekehren, auch die Herzen unserer Priester
und Amtsträger.
Die Sternsinger unserer Gemeinde gehen von Haus zu Haus,
nicht in erster Linie, um Geld zu sammeln; sondern um Ihnen
den Segen für's neue Jahr zu wünschen. Spenden -
ob Geld für die Dritte Welt oder Süßigkeiten
für die Sternsinger - sind nur die Antwort auf die Liebe
Gottes, die durch die Drei Könige auch zu Ihnen nach
Hause getragen wird. Nehmen Sie das als Anregung für
das neue Jahr: Seien wir einander Segen, indem wir füreinander
beten - vielleicht auch miteinander - und uns die Liebe Gottes
gegenseitig erfahrbar machen.
Amen.
Fürbitten
Gott, unser Vater, in Deinem Sohn bist Du der Welt erschienen
als der rettende und liebende Gott. Den drei Weisen aus dem
Morgenland hast Du als Vertreter der ganzen Welt Deinen Sohn
gezeigt. Wir bitten Dich:
-
Offenbare Dich allen Menschen auf der ganzen Welt als
ein Gott der Rettung und des Heils.
-
Begleite alle Menschen, die sich nach Erlösung,
Befreiung und Geborgenheit sehnen, auf der Suche nach
Dir.
-
Begleite die Sternsinger, die in diesen Tagen überall
Deinen Segen verkünden, und kehre mit Deinem Frieden
in die Häuser ein.
-
Wir bitten Dich auch für die jungen Männer,
die am kommenden Sonntag im Dom zu Münster zu Diakonen
geweiht werden: Lass sie zu aufrichtigen Zeugen Deiner
Liebe werden.
-
Nimm auch unsere Verstorbenen auf in Dein Reich, die
ihr Leben im Vertrauen auf Deine Liebe vollendet haben.
Wir feiern diesen Gottesdienst...
Du kennst uns alle, Du liebst uns alle, und wir dürfen
zu Dir Vater sagen. Du willst, dass wir uns als Deine Kinder
sehen und untereinander wie Brüder und Schwestern sind
und Dich gemeinsam loben, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 144, 1 + 2
Kyrie: sprechen
Gloria: 823, 1 + 2
1. Lesung: Jes 60, 1 - 6
Zwischengesang: 147, 1 - 3
Evangelium: Mt 2, 1-12
Credo: 955, 1 + 2
Gabenbereitung: 135 (ohne Vorsänger)
Sanctus: 987
Agnus Dei: 991
Schluss: 909, 1 + 2