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3 Predigten zu "Fußball und Christentum"
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Ursprung: Gründonnerstag (zum Verhältnis
von Eucharistie und Fußball)
Liebe Schwestern und Brüder,
"Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis, das Leben
ist ein Spiel! Nur wer es Recht zu Spielen weiß, gelangt an große
Ziel." - Zu meiner Jugendzeit war dieses Lied im Ferienlager immer
der Abschluss des Tages.
"Nehmt Abschied" - das ist auch die Überschrift einer
jeden Messe, die ja an das letzte Abendmahl Jesu erinnert. Jesus nimmt
Abschied von seinen liebsten Freunden. Noch einmal isst und trinkt er
mit ihnen; und er gibt ihnen sein Vermächtnis: "Ich habe Euch
ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt
habe." Und damit meint er nicht nur sein letztes Zeichen - die Fußwaschung,
sondern sein ganzes Leben: "Ahmt mich nach! Dann darin liegt Euer
Heil: Durch Euer Tun so zu werden wie ich: Gott, der dient."
"Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis." -
So schließt sich der Kreis des Lebens Jesu: In Kleinheit und Armut
ist er zur Welt gekommen - ausgeschlossen von den Herbergen dieser Welt.
Und in Armut und Kleinheit, ausgestoßen, zumindest verlassen von
seinen eigenen Freunden geht er wieder. Aber bei Seinem Gehen wird deutlich:
Ich tue es freiwillig. Ja, ich tue es sogar gern. Weil ich es für
Euch tue. Das ist mein Leib - den ich für Euch hingeben."
"Nehmt Abschied, Brüder: Das Leben ist ein Spiel." - Da
würde ich widersprechen. Was Soontag für Sonntag auf dem Fussballplatz
stattfindet - das ist ein Spiel. Was hier geschieht, ist Wirklichkeit.
Ernste, aber gleichzeitig frohmachende Wirklichkeit. So haben wir in unserer
Jugend das Lied ein wenig verändert: "Nehmt Abschied, Brüder,
schließt den Kreis, das Leben ist kein Spiel. Nur wer es
recht zu leben weiß, gelangt ans große Ziel."
Das Leben ist kein Spiel: Denn im Spiel geht es darum, zu gewinnen; den
Gegner zu besiegen; Stärke zu zeigen und Schwächen des Gegners
auszunutzen. Im Leben gewinnt jedoch nur der, der verliert; der auf das
Ausspielen Seiner Stärken auf Kosten des Gegner verzichtet; im Leben
in Christus zeigt der währe Größe, der sich hinknien kann.
Das Leben ist kein Spiel, das Leben ist dem genau entgegengesetzt: Es
hat einen größeren Ernst, schenkt aber auch größere
Freude - und es gelten genau die entgegengesetzten Regeln. "Wer sein
Leben verliert, der wird es gewinnen." Sagen sie das einmal dem FC
St. Pauli - oder Klinsmann.
Es ist schwer für uns Menschen, so zu leben. Jeder glaubt, er würde
geliebt, wenn er Wundertaten vollbringt, Reichtum anhäuft und Stärke
zeigt. Jesus dagegen dreht unser ganzes Denken um: Geliebt - von Gott
geliebt - ist der, der Liebe schenkt.
Und weil es uns so schwer fällt, das alte Leben zu lassen und ein
neues, komplett verändertes Leben zu beginnen, haben Gott und Menschen
sich etwas einfallen lassen: Gott die Eucharistie und der Mensch den
Fußball.
In der "Prisma" wurde letzte Woche von den Anfängen des
Fußballs berichtet: Schon im 16. Jahrhundert wurde in Italien "Calcio"
gespielt, jeden Sonntag nach dem Hochamt. Nachdem der Ball vom Pfarrer
gesegnet wurde, begann das Spiel. Erst Gottesdienst, dann Spiel.
Eine sinnvolle Sache: Das alte Leben, der Kampf um den Sieg auf Kosten
anderer, wird zum Spiel. Zum Fußballspiel meinetwegen. Das neue,
wirklich Leben im Gottesdienst zuvor dagegen ist kein Spiel, sondern Realität:
Gott macht sich klein, um uns Mut zur Kleinheit zu geben. Nicht nur heute,
jeden Sonntag, in jeder Eucharistie. Das wirkliche Leben - im Gottesdienst
- ist kein Spiel. Aber es macht glücklich.
Nehmt Abschied Brüder, schließt den Kreis. Das Leben ist kein
Spiel. Nur wer es recht zu leben weiß, gelangt ans große Ziel.
Überlassen wir unsere alten Eitelkeiten dem Spiel. Beginnen das Dienen.
Jetzt.
Amen.
Ursprung: Lesejahr A, 13. Sonntag im Jahreskreis
(WM 2002 in Korea / Japan)
Liebe Schwestern und Brüder, gerade ist die Fußballweltmeisterschaft
in Südkorea und Japan Zuende gegangen. Besonders beeindruckend ist
- wie auch bei anderen Sportveranstaltungen - immer wieder die Begeisterung,
die dort in Stadien aufkommt. Da braucht man sich nicht zu kennen oder
zu schätzen, da spielt es keine Rolle, wieviel man verdient, welche
Rang man bekleidet, was man darstellt oder welcher Herkunft man ist -
die Tatsache, dass man Anhänger der gleichen Mannschaft ist, schweißt
schon zusammen.
Wie schön wäre es, wenn das auch für die Christen gelten
würde. Wenn bereits die Tatsache, dass wir gemeinsam an einen Gott
glauben, uns zusammenschweißen würde.
Liebe Schwestern und Brüder, das klingt vielleicht ein bisschen
sentimental und anachronistisch, aber das ist es, was im heutigen Evangelium
steht: Einfach nur jemanden zu unterstützen, weil es - wie es im
Evangelium heißt - ein Jünger ist, sich schon allein deshalb
mit bisher wildfremden verbunden zu fühlen, weil man den gleichen
Glauben hat. Aber, seien wir einmal ehrlich: Was im Fußball normal
wirkt, das wird von vielen im Glauben mit Kopfschütteln quittiert.
Wer sich mit dem Papst verbunden fühlt und ihm zujubelt - nur weil
es der Papst ist - muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er sei unkritisch.
Wer einen Christen unterstützt, ohne zu fragen, ob der den nun progressiv
oder Fundamentalist ist, wird schnell in die gleiche Ecke gestellt.
Ob nun der Fußball mit seinen schon oft fanatischen Randerscheinungen
ein gutes Vorbild ist, mag dahingestellt bleiben. Die Frage aber, ob wir
nicht das Grundlegende, das uns mit allen Glaubenden verbindet, aus den
Augen verloren haben und nur noch Wert auf das spezielle legen, das oft
genug das Trennende ist, scheint aber nicht so ganz fern zu liegen.
Liebe Schwestern und Brüder, vor uns liegt die Urlaubszeit. Für
viele Gelegenheit, einige Zeit zu verreisen. Wenn Sie dort, womöglich
in einem fremden Land, am Sonntag eine katholische Kirche aufsuchen, könnten
Sie die gegenteilige Erfahrung machen: Dann ist plötzlich das gemeinsame
Feiern unseres Glaubens wichtiger als Herkunft oder Besitz. Dann kann
man sich plötzlich mit bisher Fremden anfreunden, allein deshalb,
weil man den gleichen Glauben teilt. Dann kann es ihnen sogar passieren,
je nachdem, in welchem Land sie sind, dass Sie tatsächlich deshalb
schon eingeladen werden, fast so, wie es auch im Evangelium erwähnt
wurde.
Wir gedenken heute auch der beiden Apostel Petrus und Paulus. Zwei Apostel,
die zwei ganz verschiedene Typen waren: Petrus der Fischer, einfach und
trotzdem Oberhaupt der Kirche, und Paulus, der Gelehrte und Theologe.
Bei sind mehrmals aneinander geraten, es war bestimmt nicht einfach mit
ihnen. Und doch waren sie - Sympathie oder Antipathie hin oder her - im
Glauben verbunden, weil sie die Begeisterung für Jesus Christus geteilt
haben.
Wenn wir in uns diese Begeisterung wieder beleben, dann ist die Einheit
im Glauben - auch die Einheit in der Liebe zur Kirche mit unserem Heiligen
Vater - wieder selbstverständlichste Sache der Welt, - wenn uns der
Glaube selber wichtig ist.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erfahrungsreichen Urlaub.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen begeisternden Fußballabend.
Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen die Erfahrung der Einheit im
Glauben. Amen.
Ursprung: Lesejahr B, 15. Sonntag im Jahreskreis
(WM 1998 in den USA)
Lieber Schwestern und Brüder, Amerika, das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten, ist - in Hinblick auf den Fußball - noch Entwicklungsland.
Und so hat die Weltmeisterschaft, die jetzt gerade in den USA stattfindet,
nicht nur die Aufgabe, die weltbeste Fußballmannschaft zu ermitteln.
Die Fußballer und ihre Fans aus aller Welt sind Botschafter für
eine Sportart.
Ein solcher Botschafter muss natürlich, wenn er Erfolg haben will,
einige Voraussetzungen erfüllen.
Zunächst einmal sollte er Ahnung vom Fußball haben, die Regeln
kennen und sich für die Hintergründe interessieren. Die Mannschaften
sollten schöne Spiele liefern, mit vielen schönen Toren und
wenig Leerlauf. Sie sollten Spaß an ihrer Sache haben und sich ganz
an ihrer Aufgabe begeistern - und nicht nur für Geld und Ansehen
spielen. Die Spieler sollten ein wenig Charakterstärke zeigen - ein
Effenberg oder ein Leonardo sind da wenig überzeugend. Das gleiche
gilt allerdings auch für die Zuschauer und Fans.
Weniger wichtig ist, ob eine Mannschaft gewinnt oder verliert; viel wichtiger
ist, dass sie mit Begeisterung dabei, dass sie sich bemüht und dass
sie fair bleibt. Und alle zusammen sollten fest davon überzeugt sein,
dass Fußball die schönste Nebensache der Welt ist.
Liebe Schwestern und Brüder, auch im heutige Evangelium werden Botschafter
ausgeschickt; Botschafter, die die frohe Botschaft in die Welt bringen
sollen. Und auch ihnen werden ein paar Regeln mit auf den Weg gegeben,
die klar machen, wie ein Botschafter sein sollte: Uneigennützig,
nicht auf Gewinn und Profit bedacht.
Die Botschafter für Jesus Christus sind aber nicht nur ausgebildete
Prediger und Missionare - genauso wenig, wie die Botschafter für
den Fußball in Amerika nur die Profis sind. Jeder Christ steht für
das, was er glaubt. Das Christentum wird immer wieder gemessen und bewertet
am Leben der Christen. Ich, Sie, wir sind alle Botschafter des Christentums.
Und die Frage, wie denn ein Christ sein muss, lässt sich leicht
klären, wenn wir die Überlegungen für die Botschafter des
Fußballs auf die Christen übertragen:
Wir Christen sollten Ahnung vom Glauben der Christen haben. Wir sollten
die Regeln kennen und uns für Hintergründe interessieren. Wer
sich nicht für den Inhalt seines Glaubens interessiert, der verliert
bald auch die Lust am Glauben insgesamt.
Die Gemeinden sollten wie Mannschaften sein: Sie sollten gut zusammenarbeiten,
weniger auf Geld und Ansehen achten, sondern eher auf Spaß, Freude
und schönen Stunden, sowohl im Gottesdienst als auch im Alltag.
Und - das ist vielleicht sogar das wichtigste - ein Christ muss nicht
unbedingt der bessere Mensch sein, er muss nicht fehlerfrei und besonders
vorbildhaft sein. Wichtig ist, dass sie sich bemühen, mit Gottes
Hilfe gut zu sein, fair bleiben und fest davon überzeugt sind, dass
unser Glaube zu den schönsten Dingen überhaupt gehören.
Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht kommen Sie nun zu dem Schluss,
lieber für den Fußball zu werben - oder eine andere Sportart
- als für den Glauben. Denn wer kennt sich schon im Glauben aus?
Wer verspürt noch so etwas wie eine «Liebe zur Kirche»?
Und wer kann sich denn noch für den Glauben so begeistern, wie für
den Fußball - oder eine andere «Nebensache»? Ohne Begeisterung
kommen wir einfach nicht weiter; ohne Begeisterung kommen wir weder ins
Halbfinale, noch in den Himmel.
Amerika ist fußballerisch gesehen ein Entwicklungsland und bedarf
der fußballbegeisterten Nicht-Amerikaner als Botschafter. Wer weiß
- vielleicht sind auch wir - in Sachen des Glaubens - wieder zum Entwicklungsland
geworden. Wie dem auch sei: Botschafter des Glaubens, begeisterte Christen,
brauchen wir auf jeden Fall. Amen.