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Predigt, Fürbitten und Lieder für Hochzeiten
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Goldene Hochzeit
1. Predigtvorschlag

Zwei ist nicht genug

„Was für ein schöner Sonntag!“ – So hat unser neuer Bundespräsident, Joachim Gauck, unmittelbar nach seiner Wahl ausgerufen.

„Was für ein schöner Tag!“ So können auch wir es heute sagen, an diesem Tag der inneren Erneuerung, des Dankes, der Freude … auch die Kinder, die heute ihren ersten Ferientag haben und von denen viele an diesem Morgen in die Ferienfreizeiten aufbrechen, nach Ladbergen und nach Dänemark, freuen sich.

An diesem Tag dürfen Sie, liebes Jubelpaar, Gott für die 50 Jahre Ihrer gemeinsamen Ehe danken, gemeinsam mit Ihrer Familie, den Kindern und Enkelkindern, zusammen mit Gästen aus unserer Gemeinde.

Wie können wir heute diesen Dank gemeinsam feiern, wie können wir das, was uns bewegt, heute zeigen und ausdrücken? – Sie, liebes Brautpaar, haben sich für das heutige Fest mit Ihrer Familie viele Gedanken gemacht, und dabei sind auch die Lieder und die biblischen Lesungen und die Gebete, die Sie ausgesucht und zusammengestellt haben, ganz wichtig.

Mit den Liedern und der Musik – die Beteiligung der Blaskapelle, in der unser Jubilar viele Jahre Mitglied ist, und des Männerchores ist da ein schönes Zeichen – bringen wir auch unser Innerstes zum Klingen. Das ist ja ein Grundgesetz unseres Lebens und auch unseres Glaubens: Nicht nur mit Worten und guten Gedanken stellen wir dar, was unser Dasein trägt und hält, sondern wir tun es auch mit den Zeichen und Gebärden, die sichtbar machen, daß der ganze Mensch, Geist, Leib und Seele, bei diesem Vorgang beteiligt ist.

Damit kommt ein inneres Geheimnis zum Tragen, von dem auch die Ehe geprägt ist, die Ehe, die wir als „Sakrament“, als heiliges Zeichen - oder man kann auch sagen: als heiligen Schwur – bekennen und annehmen. Die Ehe zeigt uns eine tiefe Wahrheit über die Existenz des Menschen; sie zeigt uns auch eine tiefe Wahrheit über Gott selbst.

Die Ehe zeigt uns etwas, was wir in unserem Leben an vielen Stellen finden: daß es nicht nur eines gibt, sondern die sich ergänzenden Zwei, diese Wirklichkeit finden wir in unserem Leben in vielfacher Ausprägung: es gibt Tag und Nacht, es gibt Aktiv und Passiv („Bete und arbeite“), es gibt im Alten Bund die beiden Gesetzestafeln, und daraus ergibt sich das Doppelgebot der Liebe als Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Wenn Jesus daran erinnert, daß im jüdischen Recht in wichtigen Dingen wenigstens zwei Zeugen gefunden werden müssen, dann paßt das auch dazu. „Jede Sache muß durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden“, so zitiert er das Alte Testament, das Buch Deuteronomium (Mt 18,16; vgl. Dtn 19,15).

Da ist die Möglichkeit zum Dialog und zur Ergänzung, aber auch zur Auseinandersetzung, zu Widerspruch und zum Streit, zur Ent-Zweiung eben. Denken wir nur an die Worte „Zweifel“ oder „Zwietracht“. Diese Wort zeigen: Zwei allein, das reicht noch nicht, das ist noch nicht alles, da ist das Glück, die Zufriedenheit noch nicht erreicht, und wenn, dann nur vorläufig, nur begrenzt.

Dieses innere Geheimnis, daß die Zwei durch das Dritte ergänzt und vervollkommnet wird, können wir an vielen Stellen in unserem Leben und in der Welt wiederfinden: der Mensch ist Geist, Leib und unsterbliche Seele, es gibt die drei Dimensionen des Raumes, und es gibt in der Zeit das Vorher, das Nachher und das Jetzt. – Das haben Sie, liebes Jubelpaar, sehr schön in Ihrem Leitwort für das heutige Fest zusammengefaßt, indem Sie sagen:

Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ein Geheimnis, und jeder Augenblick ein Geschenk.

Damit haben Sie nicht nur für sich und Ihre Familie ein tiefes Geheimnis ins Wort gebracht, sondern Sie haben darin auch ein inneres Prinzip unseres Glaubens gefunden: daß unser Dank daher kommt, daß wir uns, jeden Moment unseres Lebens, der Gegenwart Gottes und der Wegbegleitung der Menschen verdanken, und daß darum unser Leben, das ausgespannt ist zwischen Vergangenem und Zukünftigem, Halt und Inhalt bekommt durch all das, was uns anvertraut und geschenkt ist.

Und so braucht es auch in der Ehe den Dritten im Bunde, und das ist Christus, der Ihre Ehe wirklich zu einem Sakrament macht, zum heiligen Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen und zu einem wirklichen Bund. Er soll das Fundament sein, auf dem Ihr Leben steht, er soll auch derjenige sein, der Ihnen hilft, sich nicht in Ihrer ehelichen Gemeinschaft zu verschließen, so sehr Sie Schutz und Geborgenheit nötig haben – wichtig ist eben auch die Kommunikation, der Austausch, die Begegnung, durch die wir zu Gott und zueinander finden!

Auch die Botschaft des Evangeliums, das wir gerade gehört haben, können wir nur auf dem Hintergrund verstehen, auf dem es von Jesus gesagt wurde: In all den Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten, die es zwischen Menschen gibt, muß jeder einzelne nach Kräften danach streben, die größere Gerechtigkeit zu suchen, indem nicht allein Gesetze und Vorschriften befolgt werden, sondern der lebendige Geist Gottes gesucht wird, der Geist der Annahme, der Vergebung, der Geist, der uns wirklich frei macht und der uns als wahre Kinder Gottes leben läßt.

Unser Jubelpaar kennen wir alle als kommunikativ; Sie, liebes Jubelpaar, gehen auf die Menschen zu. Damit zeigen Sie etwas vom Innersten Gottes, von seinem Heiligen Geist, der ja in sich Kommunikation, Austausch, Stiftung von Gemeinschaft ist.

Im Heiligen Geist sind auch wir in dieser Stunde versammelt und können so wirklich sagen: „Was für ein schöner Tag!“ – Und damit nicht nur dieser Festtag schön ist, sondern auch die weiteren Tage, Monate und Jahre Ihres Lebens, danken und bitten wir Gott und erbitten seinen Segen, der aus der dreifaltigen Fülle seiner Liebe kommt.

2. Predigtvorschlag

(Les. Röm 12; Ev. Mt 6,24-34 vom Sa. der 11. Jahreswoche)

Welche Sorge ist richtig?

In einer Goldhochzeitsmesse, die ich mitfeiern durfte, fragte der italienische Priester das Jubelpaar vor dem Segen einzeln: „Bist du glücklich, daß du deine Frau – deinen Mann – vor 50 Jahren geheiratet hast?“

Das Jubelpaar konnte nicht anders, als dem Priester eine Antwort zu geben, die zum Glück positiv ausfiel. Das machte dann auch die übrigen Mitfeiernden – glücklich.

Ich stelle heute diese Frage so, daß Sie, liebes Jubelpaar, sich die Antwort selber, persönlich, in Ihrem eigenen Inneren, geben können: Sind Sie heute glücklich? Ist für Sie heute ein glücklicher Tag? Und ist für Sie das, was wir heute feiern, ein Zeichen dafür, daß Sie eine Entscheidung, eine Wahl getroffen haben, die Sie glücklich gemacht hat?

Es steht wohl außer Zweifel, daß jeder Mensch in irgendeiner Weise das Glück in seinem Leben sucht. Vielleicht ist für viele auch deswegen die Botschaft der Bergpredigt, vor allem auch ihr Beginn, die „Seligpreisungen“, so anziehend und so faszinierend. Denn die Seligpreisungen, mit denen die Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium beginnt, enthalten Glückwünsche für diejenigen, die das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. Die sich nicht mit dem Oberflächlichen, dem Schein, zufriedengeben, sondern ein Leben suchen, das ganz vom Frieden, von der Gerechtigkeit, von einer inneren Übereinstimmung mit der Wahrheit bestimmt ist.

Zu diesen Menschen spricht Jesus, und die Bergpredigt endet mit dem Gleichnis vom Haus auf dem Felsen. Und unser Abschnitt, den wir gerade gehört haben, steht ungefähr im letzten Drittel der Rede Jesu. Man könnte diesem Abschnitt die Überschrift geben: „Von der falschen und von der rechten Sorge“.

Von was ist hier die Rede? Sie, liebes Jubelpaar, hatten ja mehr als einmal Grund genug, sich zu sorgen:

- als Sie vor 30 Jahren Ihre angestammte Heimat in Polen verließen, um hier in Deutschland bei null anzufangen;
- Sorge um die vier Kinder und die acht Enkelkinder, vor allem auch um Ihren schwerstbehinderten Sohn, den Sie seit mehr als 45 Jahren tagtäglich pflegen;
- Sorge um das eigene Leben in Zeiten der Krankheit;
- Mitsorge und Hilfe für die Familie, für die Sie die meiste Zeit geopfert und die Sie mit Rat und Tat unterstützt und ihnen bei allen ihren Problemen und Fragen beigestanden haben.

Wenn wir nun Jesus hören, der sagt: „Sorgt euch nicht …“ und der als Beispiel für ein sorgloses Dasein die Vögel des Himmels und die Lilien auf dem Feld angibt … wie sollen wir das verstehen? Sind unsere Sorgen, sind Ihre Sorgen, die Sie, liebes Jubelpaar, immer wieder, ja tagtäglich hatten, am Ende unerheblich? Wie sollen wir Jesus hier verstehen?

Den Schlüssel zu einer Antwort finden wir, wenn wir genau hören, was Jesus am Ende sagt: „Euch aber muß es zuerst um sein Reich und seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles dazugegeben“ (Mt 6,33). – Was aber ist das Reich Gottes? Es ist der Bereich und der Zustand, in dem Menschen nicht mehr für sich allein leben, sondern füreinander und für Gott.

Es ist das Reich, in dem nicht mehr jeder nur allein für sich sorgt, sondern seinen Blick vom eigenen kleinen Ich löst und auf den anderen und seine Nöte und seine Sorgen schaut.

Es ist das Reich, in dem die Menschen glücklich sein können und glücklich gepriesen werden, weil sie die „Gerechtigkeit“ suchen, das heißt die gute Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen.

Und wenn Jesus am Ende sagt: „Sorgt euch nicht um morgen“, dann denken wir dabei auch an die Vaterunserbitte, wo wir beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Das meint, wir beten nicht in der Einzahl, jeder für sich, sondern als Gemeinschaft, der eine für den anderen.

Und wir beten um das nötige Brot für den heutigen Tag, um nicht mehr. – Diese Bitte erinnert ganz stark an die Wüstenwanderung des Volkes Israel, als Gott den hungernden Menschen das Manna gab, immer für einen Tag. So lernten die Menschen, wirklich auf Gott zu vertrauen. So lernten sie, ihm die offenen, leeren Hände hinzuhalten und zu bitten, daß Er sie füllen möge.

Das soll auch unsere Bitte in dieser Stunde sein: Daß Gott unsere Hände und unsere Herzen mit dem füllt, was wir wirklich nötig haben. Daß Er Ihnen, liebes Brautpaar, das Glück schenkt, einander zu lieben und von Gott geliebt zu werden. Daß er Ihnen und uns allen den Dank schenkt für die 50 Jahre, in denen Sie Höhen und Tiefen, gute und böse Zeiten miteinander durchstanden haben. Und daß er uns heute mit dem Brot vom Himmel beschenkt, mit dem Brot, das lebt und Leben spendet und das aus der Lebenshingabe Christi kommt, aus seinem Leiden und Sterben und Auferstehen für uns.

Mit diesem Brot, mit der Kraft der heiligen Hostie gestärkt, können Sie weiterhin den Weg des Glaubens gehen, den Weg, der wirklich glücklich macht.

3. Predigtvorschlag

Goldhochzeit in der Osteroktav

Heute dürfen Sie das goldene Jubiläum Ihrer Ehe feiern. 50 Jahre sind es her, daß Sie sich das Jawort gegeben haben. Diese Zahl hat eine besondere Bedeutung; ihr liegt eine biblische Zahl und eine biblische Zeitvorstellung zugrunde.

Im alten Israel sollte alle 50 Jahre ein besonderes Jahr sein: ein Jahr, in dem das Feiern angesagt war. Ein Jahr, in dem die Schulden erlassen wurden. Ein Jahr, in dem die Menschen, die in der Sklaverei gefangen waren, in die Freiheit entlassen wurden. Dieses fünfzigste Jahr sollte daran erinnern: Wir alle, das ganze auserwählte Volk Gottes, waren ja in der Knechtschaft Ägyptens gefangen. Bis Gott uns aus dieser Knechtschaft durch Moses befreit hat. - Darum sollte das fünfzigste Jahr jedesmal daran erinnern: Vor Gott sind wir alle gleich. Und diesem Gott der Befreiung schulden wir Dankbarkeit. Wir zeigen unsere Dankbarkeit, indem wir einander annehmen und dem Nächsten verzeihen und ihm die Schuld nachsehen.

Die Kirche hat diesen Gedanken aufgegriffen und feiert seit geraumer Zeit, seit Papst Bonifaz VIII. im 14. Jahrhundert, alle fünfzig Jahre ein „Heiliges Jahr“. Und weil in diesem Jahr der Andrang zu den heiligen Stätten, vor allem in Rom, so groß war, und weil viele Menschen dieses besondere Jahr nicht mitfeiern konnten, entweder weil sie zu jung oder weil sie zu alt waren, beschloß man, dieses Heilige Jahr schon alle 25 Jahre zu feiern. Aber der Grundgedanke blieb derselbe:

Die Feier des Dankes vor Gott, der uns durch Jesus, den neuen Moses, aus der Knechtschaft und Sklaverei der Sünde befreit und der uns in ein neues Land führt, das Land des Lebens in seiner Gemeinschaft, der Kirche - und der Gedanke, daß auch uns die Schuld nachgelassen wird in diesem besonderen Jahr, zunächst die Schuld der eigenen Sünde, aber dann auch in einer durchaus materiellen Hinsicht: daß die, die reich sind, die Pflicht haben, auch den Armen ihre Schulden zu erlassen.

So haben auch Sie, liebes Brautpaar, in Ihrem Ehejubiläum ein „heiliges Jahr“, das Sie feiern dürfen in Dankbarkeit gegen Gott und gegenüber den Mitmenschen, die in diesen fünfzig Jahren Ihre Wege mitgegangen sind - und die heute auch diesen Gottesdienst mit uns mitfeiern. Und zu dieser Feier sind wir heute versammelt - in der Osterwoche, die uns das Halleluja, das Loblied, neu singen läßt.

Unser Blick geht heute zurück - an den Anfang, als Sie sich das Ehesakrament gespendet haben. Es ist gut, immer wieder den Anfang in den Blick zu nehmen. Das tut auch die Kirche, wenn sie Ostern feiert. Ostern ist ja der Anfang des neuen Lebens. Ostern ist der Anfang der Verkündigung der Frohen Botschaft. Die Frauen, die Jünger ... alle, denen Jesus begegnet als der Auferstandene, haben den Auftrag, nicht zu schweigen, sondern das Erlebte weiterzugeben, zu bezeugen.

Bis dahin, daß die Apostel Petrus und Johannes, die in Jerusalem einen Gelähmten geheilt haben, sich nicht davon abbringen lassen, sich zu Jesus Christus zu bekennen: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). –

Was kann uns das für heute sagen, für dieses Fest des Ehejubiläums? Auch wir schweigen heute nicht. Wir sind zusammengekommen in der Kirche, um Gott zu danken. Das ist ein wichtiger Dienst. Wenn wir unser Christsein ernst nehmen, machen wir das auch nach außen hin deutlich. Wir bleiben nicht für uns allein in unserem Glauben, sondern wir lassen uns versammeln von Gott.

Und so wird schon sichtbar, was das für die Ehe von Mann und Frau bedeutet: zwei Menschen wollen nicht für sich bleiben, sondern sie folgen ihrer Berufung zur Gemeinschaft, zur Ehe. Die Ehe ist eine Berufung, und dieser Berufung zu folgen, ist ein wichtiges Zeugnis in unserer Zeit für das Leben und für den Glauben.

Petrus und Johannes lassen sich nicht entmutigen und nicht einschüchtern, als sie Widerstand für ihr Zeugnis erfahren. Sie bleiben ihrer Sendung und ihrer Berufung treu. Heute ist Ihre Treue, liebes Brautpaar, Grund für uns zum Dank an Gott und auch zum Dank an Sie für dieses Zeugnis Ihrer Treue. Dieses Zeugnis ist umso kostbarer, je mehr in unserer Zeit Menschen nach solchen Beispielen suchen und innerlich spüren, daß es gut ist, wenn Menschen ihr Ja, das sie zueinander gesprochen haben, auch in Treue leben, in guten wie in schlechten Tagen. Diese Treue, die in der Verantwortung voreinander gelebt wird, ist wie ein guter Boden, auf dem Gutes wachsen und Frucht bringen kann.

Noch ein weiteres Zeugnis geben wir, wenn wir heute die Goldene Hochzeit feiern. Wir feiern miteinander die Heilige Messe. Auch das ist etwas, das nur der annehmen und verstehen kann, der es als Zeugnis des Glaubens annimmt.

Denn die Heilige Messe ist das Geheimnis unseres Glaubens. Die Heilige Messe ist die Gegenwart des Bundes Gottes mit uns Menschen. Und der gleiche Bund ist wirksam im Bund, den Mann und Frau miteinander eingehen und der unter dem Segen Gottes steht. - So stehen Ehebund und Heilige Messe in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Und wenn wir die Heilige Messe mitfeiern, erneuert Gott in uns seine Gnade und sein Leben, damit wir als Christen unsere Berufung leben können.

Dafür, daß Sie, liebes Jubelpaar, dieses Zeugnis des Glaubens und der Treue gegeben haben, danke ich Ihnen im Namen unserer ganzen Gemeinde. Ich wünsche Ihnen, daß Sie mit großem Vertrauen und großer Zuversicht Ihren gemeinsamen Weg weitergehen können. Daß Sie in allem, was Ihnen die Zukunft bringen wird, Seinen Segen erkennen und dafür danken können – nicht nur für das Schöne und Angenehme, sondern auch für das, was auf den ersten Blick schwer und belastend aussehen mag. Denken wir daran, daß auch nach Ostern das Kreuz bleibt – freilich nicht als Zeichen, das Niederlage und Ende bedeutet, sondern als Zeichen dafür, daß Gottes Liebe immer stärker ist als alles, was unser Leben und unseren Glauben infrage stellt.

Im Zeichen des Kreuzes empfangen Sie nun auch den Segen Gottes. In diesem Segen, den Sie empfangen, erneuert Gott sein Jawort zu Ihrem Ehebund und schenkt Ihnen alles Gute, das Sie von seiner Liebe erhoffen.

Verbinden wir uns in dieser Stunde auch mit der Gottesmutter Maria. Zu ihr haben Sie eine besondere Beziehung durch die Wallfahrt nach Kevelaer, die Sie immer unterstützt und an der Sie sich beteiligt haben. Auch dafür gilt Ihnen unser besonderer Dank und der Dank an Gott, der uns in der Gottesmutter von Kevelaer, der Trösterin der Betrübten, eine mächtige und treue Fürsprecherin gegeben hat.

4. Predigtvorschlag

Die Botschaft der Glocken

Vor ein paar Wochen ist der Blitz in unsere Kirche eingeschlagen. Das war keine gute Sache, denn einiges wurde beschädigt. Auch die Orgel und die Liedanzeige und die Uhr waren davon betroffen.
Darum sind wir umso froher, daß wir heute den Tag Ihrer goldenen Hochzeit feiern können, wo alles bereits wiederhergestellt ist. Wir danken Gott dafür, daß Sie, liebe Jubelbraut und lieber Jubelbräutigam, zueinander gefunden haben und daß Ihr Bund bis heute währt. Wir danken Gott dafür, daß Ihre Liebe zueinander und zur Familie und zu den Menschen ein Zeugnis ist für die Liebe, die Gott uns schenkt in seinem Sohn Jesus Christus. Wir danken Gott dafür, daß Sie einander treu geblieben sind in allen Höhen und Tiefen Ihres gemeinsamen Lebens.
Noch mehr war durch den Blitz beschädigt, das waren unsere Glocken. Das führt uns zu der Frage, ob nicht im Bild der Glocke eine bleibende und wichtige Botschaft enthalten ist. Kann die Glocke uns etwas von dem zeigen, was heute wichtig ist und wofür wir danken?

Eine Glocke wird gegossen: das Material wird im Feuer flüssig und in eine Form gegossen. Ähnlich ist es mit dem Brot, das im Feuer gebacken wird, bevor es genossen werden kann, ähnlich ist es auch mit dem Gold, aus dem alles Unedle ausgeschieden wird.

Für uns kann das eine tiefe Wahrheit bedeuten: In unserem Leben gibt es manchen Glutofen, durch den wir hindurch müssen. Für den einen ist das eine Krankheit, für einen anderen eine schwere Enttäuschung. Daran kann man zerbrechen, daran kann man auch zu seiner eigentlichen Form, zu seiner eigentlichen Bestimmung, finden. Es kommt darauf an, sich formen zu lassen durch das, was uns in unserem Leben immer wieder als Belastung, als Prüfung, als Krise begegnet. Erst dann werden wir zu dem, was wir sein sollen: wie eine Glocke, die erst gegossen werden muß, bevor sie klingen kann.

Die Glocke wird aufgehängt im Glockenturm: hoch über den Dächern. Man legt die Glocke nicht auf einen Teppich oder stellt sie in eine Vitrine, damit sie angeschaut und bestaunt wird. Nein, man hängt sie an einen Ort, wo es kalt ist, zugig und ungemütlich. Und niemand sieht die Glocke, auch wenn sie unüberhörbar läutet.
Wie mir scheint, ist das ein schönes Bild für die Berufung, die wir als Christen haben und die besonders auch die Eheleute und die Familien haben. Das, was sie tun, ist oftmals ganz und gar nicht gemütlich, sondern unbequem und hart. Verzicht auf Bequemlichkeiten, Erziehung der Kinder, Auseinandersetzungen und große und kleine Kämpfe um Wichtiges und Unwichtiges: alles das setzt einem zu und zehrt an der Kraft. Da ist es gut zu wissen, welchen Sinn und welchen Wert das hat, was man tut. Eine Glocke hängt im Turm nicht für sich, sondern sie verrichtet einen Dienst. Das gleiche tun wir Christen und als Christen die Väter und Mütter.

Schließlich ist die Glocke da, um zu erinnern: wenn sie morgens, mittags und abends zum Angelus läutet, erinnert sie daran, daß Gottes Sohn Mensch geworden ist und zu uns auf diese Erde gekommen ist. Ähnliches tun Sie, die Eheleute: Sie erinnern in ihrer Treue und Beständigkeit, daß es Dinge gibt in unserem Leben, die wir uns nicht machen und nicht kaufen können und daß genau das die Dinge sind, von denen wir wirklich leben. Nicht Reichtum und Erfolg machen einen Menschen auf Dauer wirklich glücklich, sondern das Bewußtsein, wirklich geliebt und angenommen zu sein: von Gott und vom Nächsten, mit dem wir unser Leben teilen. Auch dafür stehen die Glocken unserer Kirchen: die Menschen daran zu erinnern, woran wir glauben und worauf wir hoffen dürfen.
Nun haben wir in unserer Kirche nicht nur eine einzige Glocke, sondern deren sechs. Man kann die verschiedenen Glocken verschieden miteinander arrangieren und so verschiedene Tonfolgen und Melodien erzeugen lassen. Genau das ist auch unsere Aufgabe als gläubige Christen: indem wir nicht allein für uns glauben, sondern miteinander und füreinander, erzeugen wir eine Melodie des Heils, die anderen Menschen hilft, zum Glauben an Gott und zueinander zu finden.
Dafür, daß Sie, liebes Jubelpaar, die Melodie Ihres Glaubens in Ihrer gemeinsamen Ehe haben erklingen lassen, wollen wir Gott heute danken und für die weiteren Jahre Ihres Lebens um seine Gnade und um seinen besonderen Segen bitten.