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Predigt zum Hochfest der Gottesmutter - Sylvester und Neujahr
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
„Einen guten Rutsch“ wünschen sich die Leute heute (gestern), d.h. einen guten Anfang, denn das meint das hebräische Wort „rosch“, das wir zu „Rutsch“ verballhornt haben.
Jedes neue Jahr ist in der Tat ein Anfang, und den ersten Tagen wohnt ein besonderer Zauber inne, der Zauber des Unberührten und Neuen, der Reiz des Unbekannten und Verlockenden.
Aber auch vieles kommt uns bedrohlich, beängstigend vor: Ist die Finanz- und Eurokrise nun wirklich vorbei? Übersteht mein Arbeitsplatz dieses Jahr? Was wird aus der Kirche, unserer Gemeinde in all dem Auf und Ab dieses Zeitalters, angesichts von Schuld und Schwäche? Wie geht es weiter mit den Krankheiten in der Familie, bleibe ich gesund?
All die Hoffnungen und Befürchtungen, die wir im Herzen tragen, bringen wir vor Gott, der die Zeiten kennt. Was immer da vor uns steht – der entscheidende Anfang ist bereits gemacht, das erfahren wir heute in den Lesung aus dem Galaterbrief. Denn Gott ist auf die Erde gekommen und hat die Zeit zur Heilszeit gemacht, hat einen Neuanfang gesetzt, den niemand mehr rückgängig machen kann. „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, damit wir die Sohnschaft erlangen.“
All unsere menschlichen Anfänge ruhen auf diesem göttlichen Anfang. Darum ist es angemessen, den ersten Tag im Jahr der Muttergottes zu weihen, weil wir ihr den neuen Anfang, den Gott mit der Menschheit gemacht hat, verdanken. Weil sie Ja gesagt hat zu Gottes Plänen, konnten diese Wirklichkeit werden. Durch ihren Glauben ist das Tor zum Himmel wieder geöffnet worden. Darum wird sie Mutter der Glaubenden und Mutter der Kirche genannt.
Über ihre Glaubenshaltung wird im heutigen Evangelium eine kurze Bemerkung gemacht, die wir nicht achtlos übergehen sollten:
„Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“
Sie begriff nicht alles, was da geschehen war, aber sie versuchte es zu verstehen, indem sie es in ihrem Herzen bewahrte. Nicht nur in ihrem Gedächtnis, nicht nur mit ihrem Verstand! Das Herz ist der Sitz der Gefühle und Affekte, das Vermögen des Willens und der Liebe.
Maria setzte ihre ganze geistige Kraft ein, um das Geschehen, das Gott gewirkt hatte, in rechter Weise würdigen zu können. So wie sie ihren Sohn neun Monate unter ihrem Herzen getragen hatte und mit ihm schwanger ging – mit ihrer ganzen Liebeskraft und Zuneigung –, so trug sie nun das Gehörte und Gesehene in ihrem Herzen, um davon ganz erfüllt und durchdrungen zu werden. Dieses Nachdenken und Meditieren hat nicht nur neun Monate gedauert, sondern ihr ganzes Leben; und auf diese Weise hat Maria eine Weisheit erlangt, die selbst Salomo nicht besaß, ist sie zum „Sitz der Weisheit“ geworden.
Wie kann das Jahr 2011 zu einem guten Jahr werden? Die meisten meinen, dazu müßten wir mehr Geld haben, eine bessere Wirtschaft, eine funktionierende Gesundheitsversorgung usw.
Doch dies alles kommt erst an zweiter Stelle, wenn es überhaupt kommt. Zuerst ist Weisheit vonnöten, ein Urteilsvermögen, das die Dinge ins rechte Licht zu stellen vermag und das die Rangfolge der Werte beachtet. Solche Weisheit fällt nicht vom Himmel und läßt sich auch nicht in einem Volkshochschulkurs mal eben so nebenbei erwerben. Sie ist die Frucht langen Nachdenkens und Meditierens, und zwar über die zentralen Geschehnisse der Geschichte, über das, was Paulus die „Fülle der Zeit“ nennt.
Der Dichter Friedrich Spee beschreibt dieses Nachdenken in einfachen Worten: „In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab.“ – Das kann jeder, dazu braucht man kein Studium, dazu braucht man nur eine Geisteshaltung, wie Maria sie uns exemplarisch vorgelebt hat. Und Zeit, sie einzuüben.
Der Barockdichter Paul Gerhardt hat sie in dem folgenden Vers zusammengefaßt:
„Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen.“
Ihr inniger Glaube hat Maria zu einem tiefsinnigen und weisen Menschen gemacht. Am Neujahrstag sollen wir sie uns zum Vorbild nehmen, damit auch wir an Tiefe und Weisheit gewinnen. Dann rutschen wir nicht einfach ins nächste Jahr hinein, sondern fangen es auch gut an und dürfen die Hoffnung haben, daß Gott alles, was er mit uns zusammen anfängt, auch zu einem guten Ende führt.
Nehmen wir an Maria Maß und rufen wir ihre Fürbitte an. Sie ist der „Sitz der Weisheit und unsere Hoffnung“, wie die Kirche sie auch nennt. Und mit Hoffnung läßt sich ein neuer Anfang in Angriff nehmen. Auch ein neues Jahr.
2. Predigtvorschlag
von Manfred Stücker, 2011
Den Faden nicht zerreißen
„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Liebe Mitchristen, diese Worte, die uns von Albert Einstein, dem berühmten Physiker und Mathematiker, überliefert werden, haben sicherlich ihren Reiz. Doch wer sich auf die Zukunft ausstreckt, nimmt, ob er will oder nicht, immer auch die Vergangenheit mit, sei es – negativ gesehen – als Last, oder – positiv gesehen – als Erfahrung und Weisheit. Ganz los kommen wir von der Vergangenheit nicht, das möchte ich versuchen, in einem einfachen Bild deutlich zu machen: Die Linie der Zeit ist in unserem Leben wie ein Faden, der sich durch all die Jahre hindurchzieht. In diesem Faden gibt es manche Knotenpunkte: das sind die Höhepunkte und auch die Verbindungen mit anderen Fäden, mit anderen Lebensgeschichten und Schicksalen. Keiner lebt ja für sich allein. - Und es gibt bei diesem Faden auch manche unentwirrbaren Knäuel und Verschlingungen. Das sind die Probleme, die Schwierigkeiten, die Punkte, an denen uns Leid, Unglück und Schmerz getroffen hat. Diese Knoten und Knäuel gibt es in unserem ganz persönlichen Leben. Sie gibt es aber auch im Leben der Kirche und der Gemeinde. Die Kirche feiert ein Jahr der Priester, um den Dienst der Priester in den Gemeinden und für die Menschen in den großen Zusammenhang zu stellen, daß Christus selbst bei uns sein will, um unser Leben zu teilen und uns zu Gott zu führen.
Auch unsere Gemeinde hat ihren Faden weitergezogen und manche Höhepunkte erleben dürfen: Ich nenne als Beispiele: (Beispiele aus der eigenen Gemeinde nennen!)
Und manche Fäden wurden ausgezogen, um ein Netz für die Zukunft zu knüpfen: (Beispiele nennen: Neugründung von Gruppen, Wahlen zu Gremien, Neubesetzung von Diensten in der Gemeinde, Bauprojekte …)
Aber auch Knäuel haben sich festgesetzt: Ich denke da vor allem an die Tatsache, daß in unserer Gemeinde die Zahl der Sterbefälle und der Kirchenaustritte zusammengenommen deutlich höher ist als die Zahl der Taufen. Das ist sicher ein schwerer, ein schwierig zu lösender Knoten.
Und im Leben des einzelnen? Da könnte jeder von Höhepunkten im letzten Jahr erzählen, aber auch von Hoffnungen, die enttäuscht wurden, von Plänen, die man nicht ganz verwirklichen konnte. Möchte man da nicht manchmal alles hinwerfen und einfach wieder von vorne anfangen? Das neue Jahr gibt ja ein Stück von dieser Hoffnung: wieder neu anfangen können. Aber ganz so ist es ja nicht. Auch im neuen Jahr sind wir immer noch die gleichen Menschen. Mit unserem Lebensfaden in der Hand. Mit seinen Knoten und Knäueln. Die nehmen wir auch mit. Da möchten wir vielleicht gerne das tun, was der Welteroberer Alexander der Große mit dem sogenannten Gordischen Knoten gemacht hat, als es ihm nicht gelang, ihn zu lösen: Er nahm sein Schwert und haute das Seil einfach durch. Somit war der Knoten los. Das Problem war gelöst.
Aber das Seil war damit auch durch. „Ein zerschnittener Knoten bedeutet immer einen zerstörten Faden“ bemerkt darum eine zeitgenössische Schriftstellerin dazu. Sie meint damit: Es gibt beim Faden unseres Lebens nicht die schnelle Radikallösung. Wir müssen den Faden bis zum Ende mitnehmen, ob wir wollen oder nicht.
Manchmal gelingt es uns ja mit Geduld und Geschick, das Knäuel aufzulösen und den Faden wieder in die richtige Länge zu bringen. Oft ist es gut, dazu andere Mitmenschen zu Hilfe zu nehmen. Viele haben in diesem zu Ende gehenden Jahr einen neuen Anfang gewagt. Da geht es ja auch darum, das Knäuel unserer Schuld zu lösen, ohne Gewalt, ohne Wut, mit Feingefühl und zugleich Gelassenheit.
Das wünsche ich Ihnen allen und auch mir: Daß wir unseren Lebensfaden, den ganz persönlichen und auch den der Gemeinde, in der wir leben, mitnehmen in ein hoffentlich gutes neues Jahr - auch wenn uns mancher Knoten oder mancher Knäuel im Faden stören mag. Die Hauptsache ist doch, der Faden ist ganz. Das ist die Hauptsache. Nur die Fäden und die Seile, die ganz sind, können zu einem Netz werden, das uns weiter trägt.
Und die Knoten und Knäuel? Sie sind kein dumpfes Schicksal! In manchen Darstellungen wird ein Mensch gezeigt, der dabei ist, einen schwierigen Knoten zu lösen: Diesmal ist es nicht Alexander der Große mit seinem Schwert, sondern die Gottesmutter mit ihren geduldigen Händen. Sie kann die schwierigsten Knoten lösen, weil sie die Mutter des Erlösers und die Mutter aller Menschen ist. Wenn wir in ein neues Kalenderjahr eintreten, tun wir das im Blick auf ihre Gegenwart und ihre Fürsprache. Sie ist die Knotenlöserin, unsere Fürsprecherin bei ihrem Sohn Jesus Christus.
3. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2008)
Liebe Gemeinde!
An der Jahreswende legt es sich nahe, auf das vergangene Jahr zurückzublicken
und zugleich gute Vorsätze für das Neue Jahr zu machen. Ich
bin nun im fünften Jahr Pastor hier in St. Pankratius. Was hat dieses
Jahr aus der seelsorglichen Perspektive gebracht? Zunächst ein paar
Zahlen: 25 Kinder wurden von ihren Eltern zur ersten heiligen Kommunion
geführt (für viele war dies auch die letzte). 27 Jugendliche
sind gefirmt worden. 14 Kinder wurden getauft. Trauungen gab es keine.
5 Mitglieder unserer Gemeinde haben den Kirchenaustritt erklärt.
17 Personen sind gestorben. Im gleichen Zeitraum hat der Kirchenbesuch
in erschreckend hohem Ausmaß abgenommen, und das in dem Jahr, in
dem der Pfarrgemeinderat sich den Kirchenbesuch als Jahresthema vorgenommen
hat. Eine wesentliche Folge ist der ebenfalls erhebliche Rückgang
der Kollekte für die eigene Gemeinde: Waren es bisher rund 4.500
Euro, die jährlich für die Pfarrgemeinde gespendet wurden, so
sind im Jahre 2007 nur noch 3000 Euro zusammengekommen, d.h. 35 % weniger.
Dennoch möchte ich an dieser Stelle zunächst allen ein Wort
des Dankes sagen, die im letzten Jahr ehrenamtlich in unserer Gemeinde
mitgearbeitet haben. Manche haben sehr, sehr viel Freizeit geopfert, um
das Gemeindeleben zu erhalten oder zu verlebendigen. Ohne diese vielen
Dienste im einzelnen aufzählen zu können, darf ich als Pastor
wohl sagen, dass es gerade diese Mitarbeit ist, die unsere Gemeinde lebendig
erhält. Was ich selber dazu tun konnte, war vergleichsweise wenig.
Haben Sie alle herzlichen Dank und geben Sie diesen Dank auch weiter!
Ich muss aber auch mit allem Nachdruck darauf hinweisen, dass unsere Gemeinde
ohne die großzügige Spende der Kirchenbesucher ihre vielfältigen
Aufgaben nicht erfüllen kann. Die Kirchensteuerzuweisungen werden
in den nächsten Jahren weiter zurückgeschraubt. In Capelle ist
nicht einmal mehr Geld für den nötigen Kirchenanstrich da. An
diesen Punkt werden auch wir bald kommen, wenn die Kollekten nicht wieder
besser werden. Was viele übrigens nicht wissen: Es sind vorwiegend
die Nichtkirchgänger, welche durch ihre Kirchensteuer den Betrieb
der Gemeinden finanzieren. Der Großteil der Kirchenbesucher zahlt
hingegen überhaupt keine oder nur sehr geringe Kirchensteuer. Wenn
diese dann nur ein paar Cent in das Kollektenkörbchen werfen
was ist das dann anderes als Geiz? Ich weiß, dass alles teurer
wird und das Geld knapper. Aber nicht jeder hier gehört zu den Armen.
Lassen Sie sich bitte im kommenden Jahr nicht lumpen! Der erste Tag des
Jahres ist im liturgischen Kalender der Gottesmutter gewidmet. Diese Erklärung
des 1. Januar zum Hochfest der Gottesmutter ist ein Aufruf zur Besinnung
auf das Wesentliche unseres Glaubens, ein Aufruf zur gelassenen Gläubigkeit,
gleichsam eine Medizin gegen die Gottvergessenheit und die übertriebene
Zukunftsangst, die daraus entsteht. Wenn wir heute (morgen) auf Maria
blicken, beten wir darum, dass ihr Glaube, ihre Fürsprache und ihr
Segen das neue Jahr bestimmen mögen. Wir Christen können trotz
aller Schwierigkeiten und Rückschläge gelassen in das Neue Jahr
gehen, weil wir nicht alles selbst machen müssen; wir wissen: Gott
hat schon an der Menschheit gehandelt, er hat in der Fülle der Zeit
an Maria gehandelt, die uns den Heiland geboren hat. Jesus, der Sohn Gottes,
hat uns freigekauft, damit wir Kinder Gottes werden (Gal 4,5) und das
Reich Gottes erben. Das ist die große Gabe, die uns Gott geschenkt
hat. Es ist ein geistiges Kapital, mit dem wir wuchern können und
sollen. Ich wünsche mir sehnlich, dass wir Christen in Deutschland
dieses Geschenk im kommenden Jahr mehr würdigen als im vergangenen.
Von Maria heißt es, dass sie alles, was geschehen war, in
ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte (Lk 2,19). In
dieser Haltung kann sie uns ein Vorbild sein: Wir unterliegen heutzutage
einer Dauerberieselung, die kaum jemandem noch Zeit zum Nachdenken lässt.
Ständig strömen Nachrichten und Neuigkeiten auf uns ein, die
Flut der Bilder und Worte reißt uns mit und macht uns wehrlos gegen
Manipulation. Dagegen hilft die Meditation des Wortes Gottes, die stille
Einkehr im Gebet. Die einfachste Weise, zur Ruhe zu kommen, ist immer
noch die Mitfeier der Heiligen Messe, denn wem gelingt es schon zu Hause,
eine halbe Stunde still zu werden und zu meditieren? Klagen wir nicht
über den Rückgang der Gottesdienstbesucher, sondern nehmen wir
uns vor, selber das Gebet und die Feier der Messe im Neuen Jahr wieder
wichtiger zu nehmen! Dann wird für uns das Neue Jahr ein gutes Jahr
in St. Pankratius werden!
4. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Einen guten Rutsch wünschen sich die Leute heute (gestern),
d.h. einen guten Anfang, denn das meint das hebräische Wort rosch,
das wir zu Rutsch verballhornt haben. Jedes neue Jahr ist
in der Tat ein Anfang, und den ersten Tagen wohnt ein besonderer Zauber
inne, der Zauber des Unberührten und Neuen, der Reiz des Unbekannten
und Verlockenden.
All die Hoffnungen und Befürchtungen, die wir im Herzen tragen,
bringen wir vor Gott, der die Zeiten kennt. Was immer da vor uns steht
der entscheidende Anfang ist bereits gemacht, das erfahren wir
heute in der Lesung. Denn Gott ist auf die Erde gekommen und hat die Zeit
zur Heilszeit gemacht, hat einen Neuanfang gesetzt, den niemand mehr rückgängig
machen kann. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,
damit wir die Sohnschaft erlangen. (Gal 4,4f)
All unsere menschlichen Anfänge ruhen auf diesem göttlichen
Anfang. Darum ist es angemessen, den ersten Tag im Jahr der Muttergottes
zu weihen, weil wir ihr den neuen Anfang, den Gott mit der Menschheit
gemacht hat, verdanken. Weil sie Ja gesagt hat zu Gottes Plänen,
konnten diese Wirklichkeit werden. Durch ihren Glauben ist das Tor zum
Himmel wieder geöffnet worden. Darum wird sie Mutter der Glaubenden
und Mutter der Kirche genannt.
Über ihre Glaubenshaltung wird im heutigen Evangelium eine kurze
Bemerkung gemacht, die wir nicht achtlos übergehen sollten: Maria
aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber
nach. (Lk 2,19) Sie begriff nicht alles, was da geschehen war, aber
sie versuchte es zu verstehen, indem sie es in ihrem Herzen bewahrte.
Nicht nur in ihrem Gedächtnis, nicht nur mit ihrem Verstand! Das
Herz ist der Sitz der Gefühle und Affekte, das Vermögen des
Willens und der Liebe. Maria setzte ihre ganze geistige Kraft ein, um
das Geschehen, das Gott gewirkt hatte, in rechter Weise würdigen
zu können. So wie sie ihren Sohn neun Monate unter ihrem Herzen getragen
hatte und mit ihm schwanger ging mit ihrer ganzen Liebeskraft und
Zuneigung , so trug sie nun das Gehörte und Gesehene in ihrem
Herzen, um davon ganz erfüllt und durchdrungen zu werden. Dieses
Nachdenken und Meditieren hat nicht nur neun Monate gedauert, sondern
ihr ganzes Leben; und auf diese Weise hat Maria eine Weisheit erlangt,
die selbst Salomo nicht besaß, ist sie zum Sitz der Weisheit
geworden.
Wie kann das Jahr 2007 zu einem guten Jahr werden? Die meisten meinen,
dazu müßten wir mehr Geld haben, eine bessere Wirtschaft, eine
funktionierende Gesundheitsversorgung usw. Doch dies alles kommt erst
an zweiter Stelle, wenn es überhaupt kommt. Zuerst ist Weisheit vonnöten,
ein Urteilsvermögen, das die Dinge ins rechte Licht zu stellen vermag
und das die Rangfolge der Werte beachtet. Solche Weisheit fällt nicht
vom Himmel und läßt sich auch nicht in einem Volkshochschulkurs
mal eben so nebenbei erwerben. Sie ist die Frucht langen Nachdenkens und
Meditierens, und zwar über die zentralen Geschehnisse der Geschichte,
über das, was Paulus die Fülle der Zeit nennt.
Der Dichter Friedrich Spee beschreibt dieses Nachdenken in einfachen
Worten: In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab.
Das kann jeder, dazu braucht man kein Studium, dazu braucht man
nur eine Geisteshaltung, wie Maria sie uns exemplarisch vorgelebt hat.
Der Barockdichter Paul Gerhardt hat sie in dem folgenden Vers zusammengefaßt:
Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites
Meer,
daß ich dich möchte fassen.
Ihr inniger Glaube hat Maria zu einem tiefsinnigen und weisen Menschen
gemacht. Am Neujahrstag sollen wir sie uns zum Vorbild nehmen, damit auch
wir an Tiefe und Weisheit gewinnen. Dann rutschen wir nicht einfach ins
nächste Jahr hinein, sondern fangen es auch gut an und dürfen
die Hoffnung haben, daß Gott alles, was er mit uns zusammen anfängt,
auch zu einem guten Ende führt.
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wer die Weihnachtsgeschichte
unvoreingenommen liest, noch nicht weiß, wie es weitergeht,
der könnte nach dem heutigen Evangelium denken: «Puh
- es ist noch einmal gut gegangen«! Trotz der abenteuerlichen
Umstände hat Maria ihr Kind glücklich zur Welt gebracht.
Auch wenn vieles der dramatischen Bedingungen in der heiligen
Nacht vermeidbar gewesen wäre - es ist nicht zum Schlimmsten
gekommen. Es ist noch einmal gut gegangen. Bei der Ankunft
der Weisen heißt es sogar schon, dass sie Maria und
das Kind im Haus aufgesucht haben - offensichtlich sind Josef
und Maria doch fündig geworden. Acht Tage nach der Geburt
wird Jesus beschnitten, und damit scheint dann endlich alles
wieder in Ordnung zu sein.
Liebe Schwestern und Brüder, so wie Maria mit ihrem
Sohn im Arm sich damals wohl gefragt hat, was die Zukunft
wohl bringen wird, fragen wir uns zu Beginn des Neuen Jahres
ebenfalls: Was bringt uns das neue Jahr? Wie wird es werden?
Was hält es für uns bereit?
Was würden wir, an der Stelle Mariens, von der Zukunft
erhoffen? Was erhoffen wir uns selbst vom kommenden Jahr?
Ein glückliches Leben, möglichst lange und gut gesichert?
Wir wünschen uns nur das allerbeste - und dass wir vom
Schlimmsten verschont bleiben. Aber die viel interessantere
Frage ist: Was ist denn wirklich das Schlimmste? Und was das
Beste?
Blicken wir noch einmal auf Maria. Wir wissen, wie ihr Leben
weitergegangen ist. Haben sich ihre Hoffnungen erfüllt?
Wenig später wird ihr im Tempel prophezeit, dass ihr
das Schwert des Leidens durch die Seele gehen wird. Herodes
beginnt zu wüten und begeht den schrecklichen Kindermord.
Und schließlich, nach Ablehnung, Enttäuschung,
Qualen und Spott stirbt ihr Sohn am Kreuz. Sind die Hoffnungen
Mariens gescheitert? Ist das, was Maria passierte, das Schlimmste?
Wer auf das letzte Jahr zurückschaut - und vor allem
unter dem Eindruck der Flutkatastrophe am Ende des Jahres
rund um den indischen Ozean - weiß, wie zerbrechlich
diese Welt weiterhin ist. Nicht nur, dass wir durch rücksichtslosen
Raubbau an der Natur viele Unglücksfälle selbst
verschulden. Es gibt auch immer noch die Katastrophen, die
aus heiteren Himmel zuschlagen und die von keinem Menschen
verschuldet sind.
Wir können hoffen, davon verschont zu bleiben. Aber
realistisch ist das nicht. Wir müssen akzeptieren, dass
keiner von uns vom Leid verschont bleiben wird. Wir leben
nicht ewig, und es ist keineswegs ein unchristlicher Gedanken
- auch nicht trübsinnig oder morbide - wenn wir ins Auge
fassen, dass das kommende Jahr vielleicht unser letztes Jahr
sein könnte. Das Leben ist endlich, und es gehört
zum Glauben dazu, dass wir jederzeit bereit sind, vor Gott
zu treten.
Das größte Unglück ist und bleibt nicht der
Tod, nicht die Katastrophe, nicht der Verlust von Gesundheit
oder Wohlstand. Das größte Unglück ist die
Frage, die heute morgen in der Bildzeitung stand: «Lieber
Gott: Wo bist Du?»
Das größte Unglück ist es, den Glauben zu
verlieren. Gott zu verlieren. Dem Leid, das unausweichlich
kommen wird, nicht mit Hoffnung begegnen zu können.
Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Sinne war Maria
Optimist: Sie wusste, nichts wird sie von der Liebe ihres
Sohnes trennen können. In diesem Sinne sind wir Christen
Optimisten: Wir wissen, dass Vieles auf uns zukommt; viel
Gutes, aber auch viel Schweres. Aber was auch immer da kommen
mag: Wir vertrauen auf Gott. Er ist mein Helfer. Er mein Retter.
Ich habe (vor-)gestern noch einen Mann in Kevelaer getroffen,
der mir sein Leid geklagt hatte: Es hätte so fest an
Gott geglaubt; aber jetzt sei seine Frau schwer erkrankt -
was hätte der Glauben ihm also genützt? - Gott bewahrt
uns nicht vor dem Leid - er hat ja nicht einmal seinen einzigen
Sohn davor bewahrt. Er bewahrt uns vor einem viel schlimmeren
Schicksal: Vor dem Verlust SEINER Liebe.
Wir wissen, was Paulus erkannt hat: Was kann uns scheiden
von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung,
Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Doch all das
überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich
bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten
der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können
uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist,
unserem Herrn.
Amen.
6. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wieder ist ein Jahr vergangen.
Wie oft sagt oder hört man in den letzten Tagen: "Wie
schnell die Zeit vergeht!" - "Wo ist das Jahr nur
geblieben?" - "Ich hatte mir soviel vorgenommen...!"
Die Zeit flieht und das, was hinter uns liegt, kommt niemals
mehr zurück. Das ist ziemlich endgültig so - und
das passt uns gar nicht. Wir leben in einer Gesellschaft,
die immer versucht, sich alle Möglichkeiten offen zu
halten und sich ja nicht endgültig festzulegen: Weder
im Ehrenamt für Gruppen oder Vereine will man sich zulange
binden; noch in der Entscheidung für einen Lebenspartner
- wer weiß, ob man sich in 10 Jahren noch liebt? Wer
will noch Priester werden oder in einen Orden eintreten -
eine Entscheidung für sein ganzes Leben treffen?
Sogar die Frage, welcher Religion ich angehöre, wird
immer öfter offen gehalten: Vielleicht lerne ich oder
meine Kinder ja noch einmal etwas Besseres kennen.
Immer frei bleiben, immer noch andere Wege einschlagen können,
sich immer die ganze Welt offen halten. Ewig jung bleiben,
immer fit, immer jugendlich schön - immer die Idealfigur
haben - danach strebt die Welt, die Medizin, die Forschung
und unsere Gesellschaft.
Aber es hilft alles nichts: Wieder ist ein Jahr vorbei, wieder
sind wir älter geworden und wieder müssen wir von
den guten Vorsätzen Abschied nehmen, die im vergangenen
Jahr nicht verwirklicht wurden. Einem modernen Menschen kann
angst und bange werden, was er alles verpasst hat - und welche
Chancen sich ihm wohl nie wieder auftun werden.
Liebe Schwestern und Brüder, uns ist am Beginn unseres
Lebens viel Zeit geschenkt worden - die Welt lag offen vor
uns. Aber nicht, damit wir sie unversehrt bewahren, hegen
und pflegen und dereinst in Hochglanzfolie verpackt immer
noch unser eigen nennen. Die Zeit, die uns geschenkt wurde,
können wir nicht festhalten. Die Möglichkeiten,
die wir hatten, können wir uns nicht ewig offen halten.
Die Zeit zerrinnt uns zwischen den Fingern, die sie festhalten
wollen.
Gott gab uns die Zeit, nicht dass wir sie vermehren, sondern
dass wir sie investieren. Wer die Zeit wirklich füllen
will, der darf sie nicht sparen oder totschlagen, sondern
sollte sie einsetzen.
Das bedeutet, sich beschneiden zu lassen; geben - nicht festhalten.
Entscheiden - nicht offen halten.
Am achten Tag nach Weihnachten gingen Maria und Josef zum
Tempel und ließen ihren Sohn beschneiden. Sie gaben
ihn Gott zu eigen.
Alle Zeit, die sie hatten, gaben sie ihrem Sohn. Sie investierten
ihre Zeit in Gott - dreißig lange Jahre - aus Liebe
zu den Menschen, die sie miterlösen wollten. Kaum eine
Ereignis in diesen Jahren war berichtenswert - und doch war
es keine vertane Zeit, sondern eine erfüllte Zeit; es
war Zeit für Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, wer am Ende seines Lebens
zurückschaut, wird feststellen, dass nur die Zeit nicht
verloren war, die ich für Gott und für seine geliebten
Kinder weggegeben habe. Alles Ersparte und Freigehaltene ist
dann genauso wertlos wie meine abgespeckten Pfunde und erhaltene
Fitness - was ich aber gegeben habe, das bleibt.
Investieren sie ihre Zeit nicht in nutzlose Vorsätze
wie Idealgewicht, Schönheitskuren oder Fitnessprogramme.
Vielleicht steht am Eingang zum Himmel eine Waage, auf der
sie gewogen werden. Zumindest Johannes berichtet in seiner
Offenbarung davon. Glauben sie aber nicht, dass sie mit dem
Idealgewicht und einem Body-Mass-Index von unter 21 dort automatisch
Zugang erhalten. Gewogen wird nicht ihr Körpergewicht,
sondern das Gewicht Ihrer Zeit-Investitionen, der guten Taten
und Ihrer Gebete. Vergessen sie ihre Abmagerungskuren - sonst
werden sie nachher noch für zu leicht befunden.
Amen.
7. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein neues Jahr hat begonnen; Gelegenheit, kurz inne zu halten.
Aus dem, was gewesen ist, erwächst dann entweder Dankbarkeit
und Zufriedenheit, als auch der Wille, sich in Zukunft zu
bessern. Beides sollte sich in der Waage halten.
Neben den berüchtigten guten Vorsätzen fürs
neue Jahr ist es auch üblich, einander Glück zu
wünschen. Denn wer weiß, was die Zukunft bringt;
was im Jahre 2003 so alles auf uns zukommt.
Auch ich möchte Ihnen meine Glück- und Segenswünsche
mit auf den Weg durch die kommende Zeit geben, ausgehend vom
Evangelium, dass wir gerade gehört haben.
Ich wünsche Ihnen Energie und Kraft, nicht durch das
kommende Jahr zu schleichen oder es gar einfach auf sich zukommen
zu lassen. So wie die Hirten von den Herden eilen, um zur
Krippe zu gelangen, so wünsche ich ihnen Lebendigkeit,
Frische und tatkräftige Zuversicht. Das Leben will gelebt
werden. Sie sollten nicht nur leben lassen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie, so wie die Hirten das Kind
in der Krippe, dass die den Weg auch zu Gott finden. Nicht
immer fällt der Bezug zu Gott leicht. Aber ich wünsche
Ihnen, dass sie Gott nicht aus den Augen verlieren, und, noch
viel mehr, dass sie ihn nicht aus dem Herzen verlieren. Und
dass sie, so wie die Hirten beim Kind Maria und Josef kennen
lernten, durch ihre Beziehung zu Gott den Menschen näher
kommen. Neue, gute Bekanntschaften machen, die bereichern
und helfen.
Und ich wünsche ihnen die Zeit und die Ruhe, so wie
Maria Worte, Ereignisse und Begegnungen im Herzen zu bewahren
und darüber nachdenken zu können. So vieles fließt
an uns vorbei, so viel Gutes geht verloren, weil wir die Kontrolle
über unsere eigene Zeit verloren haben. Ich wünsche
Ihnen nicht nur Stunden, sondern sogar Tage der Ruhe, der
Erholung und der Wiederbelebung, nicht nur zur Urlaubszeit,
sondern immer dann, wenn ihnen viel Gutes geschieht.
Ich wünsche Ihnen Tage der Freude und des überschwänglichen
Jubels. «Die Hirten kehrten zurück und rühmten
Gott, sie priesen ihn für all das, was geschehen ist.»
Viele haben vergessen, was aufrichtige Begeisterung ist. Von
den Kindern könne wir lernen, wie schön es ist,
vor Freude zu singen und zu tanzen. Ich wünsche ihnen
diese Freude und genügend Grund zur Freude. Und ich wünsche
Ihnen, dass sie in Ihren Jubel auch den einbeziehen können,
der der wahre Grund aller Freude ist.
Und ich wünsche ihnen, so wie das Kind in der Krippe
schließlich den Namen «Jesus» bekommen hat,
denn der Engel verheißen hatte, dass auch sie den Sinn
in ihrem Leben darin finden, vor Gott einen Namen zu haben.
Er kennt uns, er ist uns nahe. Er liebt uns, und seine Augen
sind liebevoll auf uns gerichtet. Es sind seine Augen, die
uns die vielen Augenblicke unseres Lebens geschenkt haben.
Und so wünsche ich Ihnen noch viele Augenblicke, ein
ganzes Jahr voll, ein ganzes Leben voll. Nichts anders meint
der Segen des Mose:
Der Herr lasse sein Angesicht über Euch leuchten. Er
wende Euch Sein Angesicht zu und halte Euch fest in Seinem
Blick. Amen.
8. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Zum Ende des Jahres gibt es die berühmten Jahresrückblicke,
im Fernsehen, in den Zeitungen und manchmal auch in unseren
eigenen Köpfen.
Was hat das letzte Jahr bestimmt? Was hat uns dabei bestimmt?
Was war gut und was war schlecht?
... (ein paar wesentliche Ereignisse des letzten Jahres
nennen) ...
Allerding sind es eigentlich nicht die großen Ereignisse
des letzten Jahres, die uns wirklich bestimmen; bestimmt werden
wir von unserem alltäglichen Tun und dem, was uns jeden
Tag, jede Woche oder jede Stunde geschenkt wird.
Sagen wir Gott Danke für unser Augenlicht, dass uns
in die Gesichter anderer Menschen sehen läßt; dass
offen ist für die Schönheiten dieser Welt. Bitten
wir um Verzeihung, wenn wir weggeschaut haben, wo wir hinsehen
sollten; und wo wir geglotzt haben, obwohl es nicht gut für
uns war.
Sagen wir Gott Danke für die unsere Hände, die
geben und nehmen konnten, trösten und aufrichten. Bitten
wir um Verzeihung für die Momente, in denen wir untätig
waren, obwohl unsere Hilfe gebraucht wurde, und wo wir voreilig
tätig geworden sind, anstatt unsere Hände erst einmal
zu falten.
Danken wir Gott für unseren Ehepartner, unsere Kinder
und unsere Eltern. Sie sind so sehr Geschenk, dass unser Dank
zum Jubel werden sollte. Danken wir für jeden Augenblick,
in denen wir sie in der Nähe spüren durften. Bitten
wir um Verzeihung, wenn wir sie nicht geschätzt haben
und ihnen überdrüssig geworden sind.
Danken wir Gott für jeden Funken Vertrauen, den wir
in Seine Liebe gesetzt haben. So viele Menschen sind glaubenslos
verzweifelt; wir aber haben Gottes Kraft und Wärme erfahren
dürfen. Danken wir Gott für die kleinen Momente,
in denen wir die Existenz Gottes so deutlich gespürt
haben, dass wir keiner Worte mehr bedurften. Bitten wir um
Verzeihung, wo uns dieses Vertrauen nicht genug gewesen ist
und peinlich und dürftig erschien.
Liebe Schwestern und Brüder, ihnen fällt vielleicht
noch viel mehr ein, eine Aufzählung all dessen, was uns
nur an einem Tag gegeben wurde, könnte nie vollständig
sein. Es sind die kleinen Dinge, die uns wirklich verändern.
So ist es nur natürlich, dass wir dadurch unsere Augen
auf Maria lenken lassen. Sie hat keine Wunder vollbracht und
ist nicht für uns gekreuzigt worden. Aber sie war im
Kleinen die Treuste, sie war im Dank die vollkommenste und
uns in allem ein Vorbild. Noch wichtiger aber ist, dass sie
uns auch im kommenden Jahr Wegbegleiterin sein will. Nehmen
wir ihre Hand an und ergreifen damit die Größe,
die im Kleinen liegt. Werden wir ihr, unserer Schwester Maria
Euthymia und unseren Gott gerecht - und allen anderen zum
Segen.
Amen.
9. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, der Prediger - so heißt
es im Handbuch der Predigtausbildung - soll belehren, ermahnen,
ermutigen, trösten und zum Dank bewegen. Das sind so
genannte Appelle, heißt es weiter.
Appelle, wenn sie schlecht und zu häufig benutzt werden
(von Predigern, Eltern oder Freunden), können allerdings
allergische Reaktionen hervorrufen: «Der hat mir überhaupt
nichts zu sagen!» oder «Jetzt erst recht nicht!».
Das gilt auch, wenn gutgemeinte Appelle genau das einfordern,
worauf man schon vorher selbst gekommen ist. Vor allem Jugendliche
reagieren allergisch, wenn ihnen als gut vorgeschrieben wird,
was sie selbst als gut entdeckt haben.
Ratschläge sind zudem oft die härtesten Schläge,
die einen treffen können.
Deshalb möchte ich Ihnen für das neue Jahr keine
Ratschläge mit auf den Weg geben, sondern eine kleine
Sammlung von sogenannten Weisheitssprüchen. Um eventuellen
Allergien vorzubeugen, betone ich, das keiner davon von mir
stammt.
-
Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.
-
Kein Mensch bei Verstand möchte jünger sein,
als er ist.
-
Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nicht
genug bekommen kann.
-
Im Leben muss man wählen: Geld zu verdienen oder
es auszugeben. Es bleibt nicht genug Zeit, beides zu tun.
-
Soviel ein Mensch vor Gott ist, soviel ist er wirklich.
Und mehr nicht.
-
Denke daran, das es nur eine allerwichtigste Zeit gibt,
nämlich: Sofort.
-
Glück ist wie ein Maßanzug. Unglücklich
sind meistens die, die den Maßanzug eines anderen
tragen möchten.
-
Wenn du weinen kannst, so danke Gott!
-
Viele suchen ihr Glück wie einen Hut, den sie auf
dem Kopf tragen.
-
Die Menschen sind heutzutage nicht schlechter als sie
früher waren. Nur die Berichterstattung über
ihre Taten ist gründlicher geworden.
-
Der Mensch kann viele Male hinfallen. Ein Versager ist
er erst dann, wenn er behauptet, man habe in umgestoßen.
-
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.
-
Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass
sie verdient war.
-
Ob eine schwarze Katze Glück bringt oder nicht,
hängt allein davon ab, ob man ein Mensch ist oder
eine Maus.
-
In Dir muss es brennen, wenn du andere entzünden
willst.
-
Mit einem Menschen, der nur Trümpfe hat, kann man
nicht Karten spielen.
-
Was auch immer geschieht, nie dürft ihr so tief
sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch
noch zu trinken!
-
Der Vorteil der Klugheit ist, das man sich dumm stellen
kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
-
Eine Stelle der Welt, ein winziges Teilchen wenigstens,
können wir verändern: Das ist das eigene Herz.
-
Du kannst mit deinem Leben ein besseres Zeugnis abgeben
als mit deinen Lippen.
-
Einer der Vorteile der Unordnung liegt darin, dass man
dauernd tolle Entdeckungen macht.
-
Das Ärgerlichste am Ärger ist, das man sich
schadet, ohne anderen zu nützen.
-
Die echte Bindung wird durch Belastung stärker.
-
Manche Leute glauben jedem. Vorausgesetzt, er flüstert.
-
Gott liebt uns nicht, weil wir gut sind. Sondern weil
er gut ist.
-
Man kann mit dem Hirtenstab in der Hand heilig werden.
Aber ebenso gut auch mit dem Besen.
Für das kommende Jahr wünsche ich ihnen Gottes
Schutz an ihrer Seite. Amen.
10. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Hochfest der Gottesmutter Maria steht - ähnlich
wie andere Marienfeste - nicht sonderlich hoch im Kurs bei
den Christen. Immer mehr wird die Person und die Stellung
Mariens in unserer Kirche angefragt. Rosenkranzgebet, Marienfrömmigkeit
und Marienlieder - alles das sind für einen «modernen»
Christen Zeichen von Rückständigkeit, etwas für
die Gestrigen.
«Wie gut, dass es Maria gibt» gilt leider nicht
mehr. Und da viele unsere Zeitgenossen mit der Verehrung Mariens
nichts mehr anfangen können, gehört schon eine Menge
Mut dazu, sich - auch im katholischen Glauben - noch zu ihr
zu bekennen.
Maria ist nicht mehr aktuell. Und in dem Maße, in dem
sie ihren festen Platz in unserem Glauben verliert, in dem
Maße gehen auch die Glaubenshaltungen verloren, die
Maria in ihrem Leben angenommen hat.
Wer will - gerade jetzt, zu Beginn eines neuen Jahres - so
wie Maria ein uneingeschränktes «Ja» zu den
Dingen sprechen, die da kommen werden? Vieles, von dem, was
im Neuen Jahr geschehen wird, liegt in unseren eigenen Händen.
Aber den größeren Teil können wir nicht beeinflussen,
er liegt außerhalb unserer Möglichkeiten. Maria
hat das «Ja» gesprochen, ohne dass sie von Gott
verlangt hätte, ihr die Dinge zu zeigen, auf die sie
sich einlassen würde. Sie hat den Erlöser geboren,
auch wenn sie wusste, dass der Erlöser viel erleiden
muss. Dass sie es als Miterlöserin sehr schwer haben
wird, das hat sie gewusst - und doch hat sie ihr «es
geschehe nach deinem Wort» gesprochen.
Oder wer will sich schon - so wie Maria - dezent im Hintergrund
halten? So vieles geschieht in der Heiligen Schrift, wo wir
wissen, dass Maria dabei gewesen ist - Weihnachten, Karfreitag,
Ostern, Pfingsten - und doch drängt sie sich nicht in
die Mitte des Geschehens. Sie lässt Ihrem Sohn den Vortritt.
«Zur größeren Ehre Gottes» - Wer will
sich heute noch so ein bescheidenes Vorbild nehmen? Für
wen ist es denn ein Ideal, Gott den Vortritt zu lassen und
sich selbst zurückzunehmen?
Oder wer kann noch - so wie Maria - die Dinge in sich aufnehmen,
in sich aufsaugen? «Maria aber bewahrte alles, was geschehen
war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.»
Bewahren wir die Dinge, die im vergangenen Jahr geschehen
sind, in unserem Herzen? Halten wir die Menschen, die wir
kennengelernt haben und von denen wir Abschied genommen haben,
in unserer Erinnerung? Auch die kleinen, unbedeutenden aber
herzlichen Begegnungen?
Nehmen wir uns dann noch die Zeit, nachzudenken? Lassen wir
uns die Ruhe, die Dinge - wie es im griechischen Original
heißt - in unseren Herzen zu bewegen? Von allen Seiten
zu betrachten?
Angeblich - so habe ich gehört - hat die Marienverehrung
etwas Kindisches an sich. Maria sei nichts für mündige
Christen, sondern allerhöchsten etwas für die Naiven
unter uns.
Stimmt. Die Haltung Mariens - die man übrigens nur lernt,
wenn man sie liebt - setzt ein kindliches Vertrauen voraus.
Die Bereitschaft eines Kindes, aus Gottes Hand anzunehmen,
besonders, was wir nicht ändern können, können
wir vor allem von ihr lernen. Und wenn ihr nicht werdet wie
die Kinder...
Deshalb ist es vielleicht doch kein schlechter Brauch, das
neue Jahr mit dem Gedanken an Maria zu beginnen. Schön
wäre allerdings, wenn es nicht nur bei einem «Beginn»
bleiben würde, sondern wenn wir auch während des
kommenden Jahres öfters dankbar sind, dass es Maria gibt.
Schaden kann es jedenfalls nicht, sie öfters mal um
ihren Beistand zu bitten. In diesem Sinne wünsche ich
Ihnen ein frohes, gesegnetes neues Jahr. Amen.
11. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, darf ich mich mit Blick
auf das vergangene Jahr bei Ihnen bedanken? Bedanken dafür,
dass sie hier sind?
Ich weiß, dass es in der heutigen Zeit manchmal einer
großen Willensstärke bedarf, sich noch auf den
Weg zur Kirche zu machen. Gerade an solchen inzwischen weltlichen
Feiertagen wir Sylvester und Neujahr bereitet der Kirchenbesuch
besondere Mühen. Deshalb möchte ich mich bei Ihnen
bedanken: Dass sie sich nicht einfach nach der Mehrheit richten.
Und ich möchte Ihnen auch ein bisschen Mut machen.
Es gibt nämlich viele Gerüchte über Kirchenbesucher.
Zwei Zeugen Jehovas sprachen vor einigen Jahren zu mir davon,
dass bei man uns Katholiken nur zur Kirche gehen würde,
um seine neueste Mode vorzuführen. Junge Leute lehnten
den Kirchenbesuch ab, weil «die anderen da ja nur aus
Gewohnheit hingehen». Ich habe einmal eine Predigt gehört,
in der es sinngemäß hieß, dass die Leute,
die nicht zur Kirche gingen, die besseren Christen seien.
Manchmal heißt es, dass die, die zur Kirche gehen, nur
ihr Gewissen beruhigen. Sie würden in der Kirche fromm
tun, und zuhause dann wieder ihre scheinheilige Maske ablegen.
Liebe Schwestern und Brüder, lassen sie sich nicht beirren.
Sie wissen selbst besser, warum sie hier sind. Sie wissen,
wie viel Kraft es kostet, trotz dieser Gerüchte dem sonntäglichen
Kirchenbesuch die Treue zu halten. Und sie wissen selbst,
was Ihnen der Gottesdienst schenkt.
Besonders bedanken möchte ich mich bei den Jugendlichen,
die noch zur Kirche kommen. Ich bekomme nur am Rande mit,
wie viel Spott und dumme Bemerkungen der ertragen muss, der
sich heute noch freiwillig zur Kirche bekennt. Ich habe aber
Hochachtung vor jedem, der trotzdem noch mit uns feiert. Ich
freue mich über Euch.
Ich möchte mich bedanken bei den Eltern, die Ihre Kinder
mit zur Kirche bringen. Auch Sie haben es nicht einfach, denn
gerade mit mehreren Kindern kann ein Kirchenbesuch zur Geduldsprobe
werden. Danke, dass sie diese Geduld aus Liebe zu Ihren Kindern
und aus Liebe zu Gott immer wieder aufbringen.
Danke auch an die Älteren, denen der Kirchgang schon
allein aus körperlichen und gesundheitlichen Gründen
nicht immer leicht fällt. Danke Ihnen allen, dass Sie
hier sind. Jeder von Ihnen, der hier sitzt (oder steht), ist
ein Geschenk Gottes an unsere Gemeinde. Dass Sie hier sind,
zeigt allen anderen - und auch mir - , dass wir mit unserem
Glauben nicht allein stehen. Dass wir zumindest in unserem
Gott etwas haben, dass uns verbindet. Dass Gott auch heute
noch immer eine Bedeutung für unser Leben haben kann.
Dass wir hier eine gemeinsame Quelle haben, die uns wichtig
ist: Unseren Gott, dessen Liebe wir glauben und hier feiern.
Und vor allem: Denken wir nicht schlecht über die, die
nicht kommen.
Liebe Schwestern und Brüder, wir Christen sind keine
Optimisten. Ein Optimist sieht in allem das Gute, und will
das Schlechte nicht so recht wahrhaben. Wir Christen sind
Realisten: Das, was nicht gut ist, legen wir schuldbewusst
in Gottes Hände. Für alles andere aber haben wir
Grund und Glauben genug, Gott zu danken. Das gilt auch für
den Blick auf unser persönliches Jahr 2003 und auch auf
die Situation unserer Kirche. Legen wir die Nöte und
unser Versagen in die Hände Gottes. Bringen wir aber
auch die Freude und den Dank darüber zum Ausdruck bringen,
dass uns noch so viel Gutes widerfahren ist - dass zum Beispiel
so viele uns mit ihrer Anwesenheit, ihrem Glauben und ihr
Gebet beschenken.
Blicken wir zum Jahreswechsel auf Maria: Sagen wir Ja zu
Gott, ohne zu fragen, was andere tun, denken oder reden. Sagen
wir Ja zu dieser Welt, weil Gott selbst die Hoffnung nicht
aufgegeben hat. Dankt Gott mit Tränen in den Augen für
Jesus, Seinen Sohn, und für jeden Menschen, der mit uns
auf dem Weg ist.
Amen.
12. Predigtvorschlag
Liebe Gemeinde!
Einen guten Rutsch wünschen sich die Leute heute (gestern),
d.h. einen guten Anfang, denn das meint das hebräische Wort rosch,
das wir zu Rutsch verballhornt haben. Jedes neue Jahr ist
in der Tat ein Anfang, und den ersten Tagen wohnt ein besonderer Zauber
inne, der Zauber des Unberührten und Neuen, der Reiz des Unbekannten
und Verlockenden.
All die Hoffnungen und Befürchtungen, die wir im Herzen tragen,
bringen wir vor Gott, der die Zeiten kennt. Was immer da vor uns steht
der entscheidende Anfang ist bereits gemacht, das erfahren wir
heute in der Lesung. Denn Gott ist auf die Erde gekommen und hat die Zeit
zur Heilszeit gemacht, hat einen Neuanfang gesetzt, den niemand mehr rückgängig
machen kann. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,
damit wir die Sohnschaft erlangen. (Gal 4,4f)
All unsere menschlichen Anfänge ruhen auf diesem göttlichen
Anfang. Darum ist es angemessen, den ersten Tag im Jahr der Muttergottes
zu weihen, weil wir ihr den neuen Anfang, den Gott mit der Menschheit
gemacht hat, verdanken. Weil sie Ja gesagt hat zu Gottes Plänen,
konnten diese Wirklichkeit werden. Durch ihren Glauben ist das Tor zum
Himmel wieder geöffnet worden. Darum wird sie Mutter der Glaubenden
und Mutter der Kirche genannt.
Über ihre Glaubenshaltung wird im heutigen Evangelium eine kurze
Bemerkung gemacht, die wir nicht achtlos übergehen sollten: Maria
aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber
nach. (Lk 2,19) Sie begriff nicht alles, was da geschehen war, aber
sie versuchte es zu verstehen, indem sie es in ihrem Herzen bewahrte.
Nicht nur in ihrem Gedächtnis, nicht nur mit ihrem Verstand! Das
Herz ist der Sitz der Gefühle und Affekte, das Vermögen des
Willens und der Liebe. Maria setzte ihre ganze geistige Kraft ein, um
das Geschehen, das Gott gewirkt hatte, in rechter Weise würdigen
zu können. So wie sie ihren Sohn neun Monate unter ihrem Herzen getragen
hatte und mit ihm schwanger ging mit ihrer ganzen Liebeskraft und
Zuneigung , so trug sie nun das Gehörte und Gesehene in ihrem
Herzen, um davon ganz erfüllt und durchdrungen zu werden. Dieses
Nachdenken und Meditieren hat nicht nur neun Monate gedauert, sondern
ihr ganzes Leben; und auf diese Weise hat Maria eine Weisheit erlangt,
die selbst Salomo nicht besaß, ist sie zum Sitz der Weisheit
geworden.
Wie kann das Jahr 2007 zu einem guten Jahr werden? Die meisten meinen,
dazu müßten wir mehr Geld haben, eine bessere Wirtschaft, eine
funktionierende Gesundheitsversorgung usw. Doch dies alles kommt erst
an zweiter Stelle, wenn es überhaupt kommt. Zuerst ist Weisheit vonnöten,
ein Urteilsvermögen, das die Dinge ins rechte Licht zu stellen vermag
und das die Rangfolge der Werte beachtet. Solche Weisheit fällt nicht
vom Himmel und läßt sich auch nicht in einem Volkshochschulkurs
mal eben so nebenbei erwerben. Sie ist die Frucht langen Nachdenkens und
Meditierens, und zwar über die zentralen Geschehnisse der Geschichte,
über das, was Paulus die Fülle der Zeit nennt.
Der Dichter Friedrich Spee beschreibt dieses Nachdenken in einfachen
Worten: In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab.
Das kann jeder, dazu braucht man kein Studium, dazu braucht man
nur eine Geisteshaltung, wie Maria sie uns exemplarisch vorgelebt hat.
Der Barockdichter Paul Gerhardt hat sie in dem folgenden Vers zusammengefaßt:
Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites
Meer,
daß ich dich möchte fassen.
Ihr inniger Glaube hat Maria zu einem tiefsinnigen und weisen Menschen
gemacht. Am Neujahrstag sollen wir sie uns zum Vorbild nehmen, damit auch
wir an Tiefe und Weisheit gewinnen. Dann rutschen wir nicht einfach ins
nächste Jahr hinein, sondern fangen es auch gut an und dürfen
die Hoffnung haben, daß Gott alles, was er mit uns zusammen anfängt,
auch zu einem guten Ende führt.
13. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2006)
Liebe Gemeinde!
Silvester und Neujahr sind im Leben des Menschen eine Zeit des Neubeginns
und des Nachdenkens. Wir stellen uns die bange Frage: Was wird das Neue
Jahr uns bringen? Nie-mand weiß es. Es kann Vieles passieren: Gutes
und Schlechtes. Die Zukunft ist absolut ver-borgen.
Vielleicht beschleicht einige von uns ein bißchen die Angst vor
der unbekannten Zukunft. Andere sind dagegen sehr zuversichtlich und optimistisch.
Was wir selber geplant haben, das wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit
auch so geschehen, aber selbst da kann uns ein Strich durch die Rechung
gemacht werden. Bei aller Ungewißheit wissen wir jedoch eins mit
Sicherheit: Gott wird mit uns sein, er wird uns das ganze Jahr begleiten.
Dieses Vertrauen kann uns die Angst vor der unbekannten Zukunft nehmen.
Darum ist es sinnvoll und gut, das Neue Jahr in Gottes Hände zu legen
und den barmherzigen Gott um seinen Segen zu bitten. Ein bewegendes Beispiel
gibt uns der evangelische Pfarrer Dr. Dietrich Bonhoeffer, der im Jahre
1944 in der Silvesternacht ein Gebet in Versform niederschrieb, das bis
heute bekannt ist und oft und gerne gesungen wird.
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar.
So will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Dietrich Bonhoeffer hatte ein schweres Jahr hinter sich. Freunde waren
im Krieg gefallen, andere standen an der Front, waren im Gefängnis
oder im Konzentrationslager. Er selbst war verhaftet worden, nachdem der
Anschlag auf Hitler am 20. Juli mißglückt war. Vor dem Volksgerichtshof
in Berlin wurde Bonhoeffer der Prozeß gemacht: er wurde zum Tode
ver-urteilt. Vor diesem Hintergrund müssen wir die Zeilen lesen,
die er nach Hause geschrieben hat:
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß auch jeden neuen Tag.
Aber noch ein anderes Wort verdanken wir Dietrich Bonhoeffer aus jener
schweren Zeit, in der ein dunkler Schatten über unserem deutschen
Volk lastete und die Nazis dabei waren, zuerst die Juden auszurotten und
anschließend jeden bekennenden Christen einzusperren oder zu töten.
Bonhoeffer sah schon damals den Glaubensschwund der kommenden Gene-ration
voraus, der die späte Folge des nationalsozialistischen Giftes sein
sollte. Aber er sah ebenso prophetisch das Gegenmittel voraus, die Treue
und Gerechtigkeit der stillen Beter:
Es liegt nicht an uns, den Tag vorauszusagen aber dieser
Tag wird kommen , wann die Menschen von neuem aufgerufen werden,
das Wort »Gott« so auszusprechen, daß es die Welt verändern
und erneuern kann. Das wird eine neue Redeweise sein, vielleicht ganz
und gar unreligiös, aber befreiend und erlösend wie das Sprechen
Jesu, über das sie sich entsetz-ten, von dem sie aber zutiefst betroffen
waren. Das wird ein Sprechen in neuer Gerechtigkeit und Wahrheit sein,
ein Sprechen, das den Frieden unter den Menschen und das Kommen des Reiches
Gottes ankündigt. Wenn sie von all dem Guten hören, das
ich tue, dann werden sie zittern und beben wegen all des Guten und des
Heils, das ich ihm erweise. (Jer 33,9) Bis dahin werden die Christen
in Stille und Verborgenheit leben; doch es wird Menschen geben, die beten
und Gerechtigkeit üben, während sie auf die Zeit Gottes warten.
Wenn doch auch du zu ihnen gehören würdest und man auch von
dir einmal sagen könnte: Doch der Pfad der Gerechten ist wie
das Licht am Morgen; es wird immer heller bis zum vollen Tag. (Spr
4,18)
Liebe Gemeinde! Wir brauchen solche aufmunternden Worte wie das tägliche
Brot, damit wir die Hoffnung nicht verlieren. Denn ohne Hoffnung können
wir niemandem helfen. Schon viel zu viele haben sich die Parole Rette
sich, wer kann zu eigen gemacht, auch in der Kirche, selbst in ihren
höchsten Rängen. Da wird das Wort »Gott« nur noch
heuchle-risch in den Mund genommen, Wahrheit und Gerechtigkeit zählen
dann nicht mehr. So aus-gesprochen, erreicht das Wort »Gott«
die Menschen von heute nicht mehr. Es verkommt zur hohlen Phrase, und
es schieben sich dann im Leben der Kirche immer mehr rein weltli-che Angelegenheiten
und Denkweisen in den Vordergrund. Der kirchliche Betrieb läßt
sich zwar weiter aufrechterhalten, aber ohne positiven Einfluß auf
den gesellschaftlichen Frieden, denn ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt
es keinen Frieden.
Um diesen Zusammenhang geht es Papst Benedikt XVI. in seinem Schreiben
zum heutigen Weltfriedenstag. Darin fordert er die Christgläubigen
auf,
aufmerksame und verfügbare Jünger des Herrn zu werden.
Indem wir auf das Evangelium hören, lernen wir, den Frieden auf die
Wahrheit eines täglichen Lebens zu gründen, das sich am Gebot
der Liebe orientiert. Es ist notwendig, daß jede Gemeinde in einem
intensiven und weit gestreuten Einsatz durch Erziehung und Zeugnis in
jedem das Bewußtsein wachsen läßt für die Dringlichkeit,
die Wahrheit des Friedens immer tiefer zu entdecken. Zugleich bit-te ich
darum, das Gebet zu verstärken, denn der Friede ist vor allem ein
Geschenk Gottes, das unaufhörlich erfleht werden muß.
Der von Bonhoeffer zitierte Vers aus dem Buch der Sprüche weist
uns darauf hin, daß tat-sächlich jeder einzelne, und sei er
noch so unvermögend, einen Beitrag zum Frieden leisten kann, nämlich
durch seine Liebe zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit: Doch der Pfad der
Gerech-ten ist wie das Licht am Morgen; es wird immer heller bis zum vollen
Tag. (Spr 4,18) In der Wahrheit liegt der Friede, so
überschreibt Papst Benedikt seine Botschaft, und wer heute die Wahr-heit
tut und aus der Wahrheit lebt, der wird morgen für sein Tun den Frieden
ernten. Papst Benedikt sagt: Die echte Suche nach Frieden muß
von dem Bewußtsein ausgehen, daß das Problem der Wahrheit
und der Lüge jeden Menschen betrifft und sich als entscheidend er-weist
für eine friedliche Zukunft unseres Planeten.
Die zentrale Bedeutung der Wahrheit für den Frieden können
wir auch aus der folgenden Überlegung erkennen: Aller Unfriede hat
seine Wurzel darin, daß die Menschen gegensätzli-che Interessen
haben, Interessen, die in Konkurrenz miteinander stehen. Das Interesse
des Menschen geht darauf, sein Leben zu erhalten und zu steigern
notfalls auch gegen den Le-ben des anderen. Die Wahrheit dagegen beruht
auf der Fähigkeit, das Leben aller zu erhal-ten. Wer die Wahrheit
liebt, will nicht nur sich selbst am Leben erhalten, sondern auch den
anderen, ja, jeden anderen Menschen. So gesehen, ist das Selbstinteresse
die Schrumpfform der Wahrheit , eine Verstümmelung der universalen
Wahrheit. Die Wahrheit dagegen, die das Leben aller Kreaturen erhalten
will, ist ein Ideal, das es nur in Gott gibt, und darum gibt es den wahren
Frieden auch nur in Gott und durch Gott.
Am Weihnachtsfest wurde uns der Sohn Gottes geschenkt, der Friedensfürst.
Allen, die ihn aufnahmen, gab Gott Macht, Kinder Gottes zu werden
(Joh 1,12). Maria war die erste, die den Friedensfürst aufnahm, und
sie war auch diejenige, die das Geschehene im Herzen be-wahrte und darüber
nachdachte (Lk 2,19), so daß es in ihr zu reicher Frucht heranreifen
konnte. Hören wir noch, was der Papst zum Ende seiner Friedensbotschaft
über die Got-tesmutter Maria schreibt:
Am Anfang dieses neuen Jahres bitten wir sie (Maria), dem gesamten
Gottesvolk zu helfen, in jeder Lage Friedensstifter zu sein, indem es
sich erleuchten läßt von der Wahrheit, die frei macht (vgl.
Joh 8,32). Möge die Menschheit auf ihre Fürsprache hin eine
immer größere Wertschätzung für dieses grundlegende
Gut entwickeln und sich dafür einsetzen, sein Vor-handensein in der
Welt zu festigen, um den nachwachsenden Generationen eine unbe-schwertere
und sicherere Zukunft zu übergeben.
14. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2005)
Liebe Gemeinde!
Das Jahr 2004 ist (fast) vorbei. Es war ein Jahr mit außergewöhnlich
vielen Schreckensnachrichten, ein Jahr blutiger Terroranschläge und
heftiger Naturkatastrophen. Für einige von Ihnen war es vielleicht
noch zusätzlich ein Jahr persönlicher Mißerfolge und Rückschläge.
Wir stehen noch unter dem Eindruck der grauenhaften Bilder von der Flutkatastrophe
in Asien. Ich muß zugeben, daß ich noch immer nicht ganz erfaßt
habe, was da wirklich passiert ist und wie schlimm die Lage in den Unglücksgebieten
ist. Das Ausmaß des Schreckens übersteigt womöglich die
Hilfsmöglichkeiten der Menschen: Zigtausende Tote und unzählige
Verletzte und von der Grundversorgung Abgeschnittene! Wie viele werden
noch sterben an Seuchen und Unterversorgung?
Das Schreckensereignis erinnert mich an apokalyptische Mahnungen in der
Bibel, z.B. die aus dem 1. Thessalonicherbrief: Ihr selbst wißt
genau, daß der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während
die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben
über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt
kein Entrinnen. (1 Thess 5,2f)
Paulus schließt daran die Worte an: Ihr aber, Brüder,
lebt nicht im Finstern, so daß euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen
kann. Für ihn, den Apostel des Herrn, ist nicht der
Tod als solcher das Schreckliche, sondern das Unvorbereitetsein, das Paulus
als ein Leben im Finstern veranschaulicht. Wie aber ist man richtig vorbereitet,
wie lebt man im Licht? Dazu sagt Paulus: Wir aber, die dem Tag gehören,
wollen nüchtern sein und uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens
und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. (1 Thess
5,8)
Uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und
dem Helm der Hoffnung. Das wäre ein guter und sinnvoller Vorsatz
für das neue Jahr 2005! Wir können keinen Toten ins Leben zurückholen,
und wir können auch nur wenig dazu tun, daß die leidgeprüften
Überlebenden aus ihrem Elend herauskommen. Aber wir Christen können
unsere Hoffnung ausbreiten, die alle irdischen Ziele und Mittel übersteigt.
Unsere Hoffnung richtet sich auf das jenseitige Heil, das denen bereitet
ist, die Gott lieben. Diese Hoffnung gibt uns eine gewisse Gelassenheit,
was das Auf und Ab der irdischen Wohlfahrt angeht. Wer diese Hoffnung
nicht hat, taumelt hin und her, je nachdem ob die Nachrichten des Tages
gut oder schlecht ausfallen. Die Welt braucht unsere gelebte Zuversicht,
daß Gott sich die Fäden nicht aus der Hand nehmen läßt,
daß ER der einzig Beständige ist, der uns Halt gibt in dem
schnellen Wechsel der Zeit.
Der Neujahrstag wurde im Jahr 1967 von Papst Paul VI. zum Welttag des
Friedens erklärt. Menschen in aller Welt sollen sich darauf besinnen,
daß der Friede ein Geschenk Gottes ist, das große Weihnachtsgeschenk,
das durch unsere gläubige Annahme in den Herzen Wirklichkeit wird.
Wir können nun daran mitwirken, daß um uns herum mehr Friede
möglich wird.
"Pax et bonum Frieden und Heil" wünschen die Franziskaner
seit jeher allen, denen sie begegnen. Frieden und Heil wünschen
das heißt SEGNEN. Mose sagt seinem Bruder Aaron: Der Herr
segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über
dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Antlitz
zu und gewähre dir Heil.
Mose spricht diesen Segen am Ende des Exodus, des großen Befreiungsweges
des Volkes Israel. Mose spürt, daß das Ende seiner irdischen
Tage gekommen ist. Lange Zeit hat er das Volk durch die Wüste geführt.
Zuerst waren alle begeistert, doch bald wollten viele wieder zurück
in die alte Sicherheit eine Sicherheit, die keine Geborgenheit
war, sondern nur die Stillung der einfachen Bedürfnisse. So murrte
das Volk gegen Mose und auch gegen Gott.
In dieser Lage will Mose den Menschen einschärfen: Gott ist weiterhin
mit euch, gerade auch in Not und Bedrängnis. Dieser Segenswunsch
ist immer aktuell. Gott behütet uns und will unser Bestes, auch wenn
wir das im Augenblick vielleicht nicht so erleben. Er läßt
sein Angesicht über uns leuchten, d.h. er bleibt uns nahe, im Leben
wie im Sterben.
Wenn wir Menschen einen Segen sprechen, dann rufen wir Gottes Kraft
wirksam herbei. Wenn schon ein aufrichtig gemeinter Wunsch z.B.
für einen Kranken Gutes bewirkt, wieviel mehr dann ein Segenswunsch,
der aus dem Vertrauen in Gottes heilende Nähe gesprochen wird! Wenn
Eltern ihr Kind segnen, wenn Angehörige einen Kranken segnen, dann
rufen sie Gottes Kraft herbei, die unsere menschliche Kraft übersteigt.
Beten ist ein Wünschen, das weiß, daß es nicht ins Leere
geht. Der Aaronsegen gibt ein gutes Beispiel für solches Wünschen,
das zugleich Gebet ist. Wir Christen sind aufgerufen, diesen Segen auf
unser Dorf, unser Land und auf die ganze Welt herabzurufen, gerade angesichts
der aus den Fugen geratenen Naturgewalten und angesichts der Friedlosigkeit
vieler Menschen.
Machen wir es uns neu zur Gewohnheit, immer wieder stille Segensgebete
zu sprechen: für die Menschen, mit denen wir gerade zu tun haben,
wenn sich gerade ein Streit anbahnt oder eine Spannung in der Luft liegt.
Gott möge uns segnen im neuen Jahr, er möge uns behüten
und seine Gegenwart erfahren lassen, heute, alle Tage, bis in Ewigkeit.
15. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Ich frag mich, wo die Zeit geblieben ist das ist ein
Ausspruch, den wir oft hören und selber auch immer wieder in den
Mund nehmen, ein Seufzer darüber, daß das Leben unter unseren
Händen zu zerrinnen scheint. Mir selbst fiel vorige Tage ein, daß
ich bereits vier Monate in Südkirchen bin und ich frage mich,
wo insbesondere die letzten zwei Monate geblieben sind.
Einen Rückblick auf das vergangene Jahr 2003 kann ich Ihnen nicht
geben, dazu fehlen mir die ersten zwei Drittel in Ihrer Gemeinde. Es war
auf jeden Fall ein Jahr voller Überraschungen und Wendungen, voll
Bangen und Hoffnung. Und zum Jahreswechsel kommt noch eine eigenartige
innere Unruhe hinzu, läßt doch die Zeitenwende immer Ängste
und Sorgen ans Tageslicht kommen, die sonst in uns verborgen sind. Wie
wird es weitergehen? Wie werden sich Gesellschaft, Arbeitsmarkt und unsere
sozialen Möglichkeiten entwickeln? Was wird aus der Kirche, den Familien
und den christlichen Gemeinden werden? Wie wird der Glaube an die nächste
Generation weitergegeben werden? Damit uns diese Fragen nicht schrecken,
tun wir gut daran, uns zu erinnern, daß wir unseren Weg bisher nicht
alleine gehen mußten, sondern auf Gottes Treue bauen konnten. Gottes
Treue hat uns begleitet und wird uns weiter begleiten.
Dies können wir uns bewußt machen, wenn wir den priesterlichen
Segen des Aaron über das Volk Israel näher betrachten, den wir
gerade in der Lesung gehört haben. Die Situation, in die dieser Segen
hineingesprochen wurde, war diese: Das Volk Israel steht in seinem langen
Wüstenzug. Es ist unterwegs zum gelobten Land. Doch der Weg zieht
sich hin. Oft zweifelt das Volk und murrt über sein Schicksal. Wenn
nun Aaron und seine Priester den Segen sprechen, wecken sie in Israel
zuerst die Erinnerung, daß das Volk nicht allein unterwegs ist und
zu keinem Zeitpunkt seines Weges allein war. Oft haben die Propheten und
Führer Israels diese Erinnerung bemüht. Die Erinnerung wurde
für Israel immer zu einer Quelle der Kraft. Sie führt immer
wieder zu der fundamentalen Erkenntnis, daß Gott treu ist und die
Seinen nicht alleine läßt.
Und so heißt es dann im Segensgebet: Der Herr segne dich
und behüte dich! Das Wort Segen bedeutet Fruchtbarkeit
und Lebenskraft sowie Zuwendung und Glückserfahrung. Das Wort Behüten
erinnert an den Hirten, der alles für die Seinen tut und sie mit
seinen Händen umsorgt einmal dargestellt in Dorothea Steigerwalds
Plastik namens Bleib sein Kind, die ein Kind zeigt, das sich
in eine große liebevolle Hand schmiegt. Das Segenswort sagt also,
daß Gott uns in seine hütende Hand nehmen möge, um unser
Leben reich, fruchtbar und glücklich zu machen.
"Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir
gnädig." Gottes Angesicht ist uns aufgestrahlt in Jesus Christus.
So schreibt es Paulus: Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll
Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir
erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz
Christi. (2 Kor 4,6) An Christus entdecken wir, daß Gott Vater
seine Gnade, seinen Charme und sein Erbarmen uns zuwenden will. Das Segenswort
spricht uns zu, daß wir Gottes Liebe im Herzen spüren mögen,
daß sie uns hautnah ergreift und beflügelt, auf daß auch
wir Liebende werden und strahlende Gesichter bekommen.
Mit etwas anderen Worten spricht auch das Lied, das wir gerade gesungen
haben, von dieser Zuversicht in Form einer Bitte:
Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein,
ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz,
mach es fest in dir.
Es ist die verfließende Zeit, die uns so oft bedrückt und besorgt.
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Hilflos
seh ich, wie die Zeit verrinnt. Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag, wo sie geblieben sind. Die Erfahrung der knappen
Zeit macht uns zu schaffen: Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen
mich gefangen, jagen mich. Doch die Erfahrung des Gläubigen,
die nur in Erinnerung gerufen werden muß, hält dagegen: Du
liebst mich, du läßt mich los. Vater, du wirst bei mir sein.
Gott erhört die Bitte: Herr, ich rufe: Komm und mach mich frei!
Führe du mich Schritt für Schritt.
Das Geheimnis des Trostes liegt in der Erinnerung. Wer in sein Leben
hineinspürt und sich zu erinnern weiß, der kann guten Mutes
sein, denn er erinnert sich an die Geborgenheit, die Gott immer und immer
geschenkt hat. Maria kann uns da ein Vorbild sein, sie, die alles,
was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte. Im Herzen wird das
Erlebte zu einer Quelle persönlichen Reichtums, die Erinnerung läßt
die Segensworte nicht hohl klingen, sondern verleiht ihnen einen kräftigen
Resonanzboden.
Wenn wir am Beginn des neuen Jahres also den Segen Aarons auf uns legen
lassen, dann erinnern wir uns an Gottes Treue und dürfen uns in ihr
weiter geborgen wissen. Gott ist als der Ewige der Herr über die
Zeit, in seinen Händen steht all unsere Zeit, auch die ungewisse
Zukunft. So können wir den Weg in die Zukunft getrost und ermutigt
gehen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, du hast uns in Maria ein Vorbild im
Glauben und in der Liebe vor Augen gestellt. Dich bitten wir
zu Beginn des neuen Jahres:
-
Schenke allen Menschen in diesem Jahr Frieden und Sicherheit.
Bewahre sie vor Krankheit, Not und Verzweiflung.
-
Stehe den Menschen bei, die im kommenden Jahr vor besonders
schwerwiegenden Entscheidungen stehen. Erleuchte sie mit
deinem Geist.
-
Ermutige alle Menschen, die mit Angst und Unsicherheit
dem neuen Jahr begegnen. Erfülle sie mit Zuversicht
und Hoffnung.
-
Sei all den Menschen zugewandt, die im letzten Jahr Schuld
auf sich geladen haben. Sei ihnen nahe in verzeihenden,
liebenden Menschen.
-
Halt uns alle fest in Deinen Händen, bewahre uns
alle Zeit durch deine Güte. Wecke in uns die Liebe
zu Maria, deiner Mutter, als Vorbild für unseren
Glauben.
-
Wir beten für die Verstorbenen des letzten Jahres
und für alle, die Du im kommenden Jahr zu Dir rufen
willst.
Herr, Du schenkst uns die Zeit. Nimm das alte Jahr - so wie
es ist - aus unseren Händen entgegen, und gib uns die
Gnade, das neue Jahr mit Deinem Segen zu füllen. Darum
bitten wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 910, 1 - 3
Einleitung:
Ein Jahr ist vergangen, und ein neues steht uns bevor.
Für viele Gelegenheit, sich hier und da Etwas vorzunehmen,
die sogenannten «guten Vorsätze». Woran
denken wir dabei? Nur an unsere Gesundheit, die schlanke
Linie, unsere kleinen Sorgen? Oder nutzen wir die Gelegenheit,
uns neu auch im Glauben auszurichten? Hat Christus Platz
in unseren guten Vorsätzen? (Stille)
oder:
Alle Welt feiert Sylvester, so heißt es. Aber in Wirklichkeit
feiert die Welt gar nicht Sylvester, also den heiligen Papst
Sylvester, den Heiligen dieses Tages, sondern bloß
den Abschluss eines Jahres.
Und wenn alle Welt Neujahr feiert, begeht die Kirche das
«Hochfest der Gottesmutter Maria» und die Namensgebung
Jesu. Das ist das kirchliche Fest, das wir heute begehen.
Aber wie so oft in der katholischen Kirche gilt nicht «entweder
- oder», sondern «sowohl - als auch».
Bitten wir also die selige Gottesmutter Maria und alle Heiligen
(den heiligen Sylvester eingeschlossen) um ihre Fürsprache
für das kommende Jahr.
Kyrie: sprechen
Gloria: 854, 1
2. Lesung: Gal 4, 4-7
Zwischengesang: 594, 1 + 2
Evangelium: Lk 2, 16-21
Credo: 489
Gabenbereitung: 266
Sanctus: 469
Agnus Dei: 854, 2
Danksagung: 846, 1 + 6
Feierlicher Schlusssegen
Schluss: 960, 1 - 3