Erschienen 2007 im Ullstein-Verlag Berlin für 22,90 Euro als Gebundene Ausgabe mit 574 Seiten |
![]() |
KARL-LEISNER-JUGEND |
|
Bücher in der Jugendarbeit
Um Missverständnisse zu vermeiden: Hier werden nicht die besten Bücher und auch nicht die neuesten Bücher empfohlen.Es sind einfach Bücher, die uns im Laufe der Zeit positiv (und nur zum geringen Teil negtiv) aufgefallen sind. Wer sich bemüht, im Laufe des Jahres mehrere gute Bücher zu lesen, der findet hier Anregungen. über den eigenen Horizont hinaus. Für "Kritik an unserer Kritik" oder sonstige Anregungen
sind wir immer dankbar; schreib einfach an den
|
Richard Dawkins ist ein in die Jahre gekommener englischer Biologe, der vor Jahrzehnten mit seinem Buch "Das egoistische Gen" eine radikale biologistische Sicht der Welt vorlegt und für Aufsehen sorgte. Nun hat er ein neues Buch geschrieben, das zur Zeit auf Platz zwei der Bestsellerliste steht: Der Gotteswahn.
Offensichtlich hat Dawkins im Laufe der Jahre (auch als Reaktion auf sein o.g. Buch) viele Anfragen aus fundamentalistischer, kreationistischer Ecke bekommen, die seine Sichtweise (als auch die gesamte Evolutionstheorie) immer wieder in Frage stellt. Ich kann ihm nachempfinden, wie sich in den Jahren ein ziemlicher Frust darüber angesammelt hat. Es ist halt schwer, mit Fundamentalisten zu diskutieren, ohne den Verstand zu verlieren.
Leider hat sich Dawkins seinen nicht wirklich bewahren können. Anstatt sich als Biologe mit den Anfragen auf seinem Fachgebiet auseinanderzusetzen oder die fundamentalistischen Anfragen zu ignorieren (auch das ist sein gutes Recht!), versucht er das vermeintliche Übel an der Wurzel zu packen: Ohne Gott gibt es auch kein Kreationismus, keine Zeugen Jehovas mit ihrer Evolutionssicht, kein Intelligent Design, keinen islamischen Fundamentalismus und somit keine Not für Dawkins, sich zu verteidigen. Also beschließt Dawkins, die Existenz Gottes ein für alle Male zu widerlegen und so seinen religiösen Kritikern den Boden unter den Füßen wegzuziehen.
Leider verliert er dabei schon in den ersten Kapiteln selbst den Halt. Er stürzt sich in geschichtliche Situationen, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat; er kritisiert die Epigonen der Scholastik mit Kindergarten-Argumenten; er widerlegt die "Wege der Gotteserkenntnisse" mit kleinen Federstrichen in einem Satz, die nicht einmal ein rudimentäres Verständnis von Logik, Argument und philosophischem Grundwerkzeug erkennen lassen. Er freut sich an seinem "Gambit", mit dem er das Intelligent Design aushebeln will, und zeigt dadurch nur, dass er sich ganz toll im Kreise drehen kann und sich durch seine logischen Pirouetten seine eigenen Voraussetzungen beweist.
Dawkins beschwert sich, in seinem Buch, dass er schon öfter den Vorwurf habe hören müssen, er solle doch bei seinem Fachgebiet bleiben. Er moniert, dass die Frage nach Gott nicht nur selbsternannten Experten vorbehalten bleiben darf. Nun, lieber Richard, zum Fachmann wird man nicht nur durch Studium; auch ein Biologe kann gerne über die Existenz Gottes nachdenken. Das Recht, über die Frage nach Gott mitzureden, wird nicht verliehen, sondern das erwirbt man sich durch Kompetenz.
Dass Dawkins selbst erwähnt, dass ihm häufig dieses Recht abgesprochen wird, hätte ihn vielleicht auch zu der Erkenntnis kommen lassen, dass ihm genau diese Komeptenz fehlt. Dann wäre ihm eine Enttäuschung und uns dieses Buch erspart geblieben.
Nicht lesenswert.
