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Gebet - eine Frage der Beziehung
Vorbemerkung: Diese Katechese ist die direkte Fortsetzung der "Glauben ist Beziehung" - Katechese. Diese zwei
Teile sind ursprünglich eine Katechese gewesen, die auf dem Weltjugendtag 2005 in Köln (in der Pfarrkirche von Glessen)
gehalten wurde. Für diese Homepage wurden daraus zwei Teile gemacht. Wenn Du etwas Zeit übrig hast, lies also dort zuerst
"Glaube ist Beziehung".
Falls Du diese Zeit nicht hast, sei Dir zumindest soviel aus dem ersten Teil verraten (damit Du das Folgende einordnen kannst):
Der Glaube an Gott hat soviel Ähnlichkeiten mit einer menschlichen Beziehung (vor allem mit einer Liebesbeziehung), dass ich
sogar behaupte, jede Liebesbeziehung zwischen Menschen sei nur eine Kopie der Liebe Gottes.
Vergleiche zwischen der Welt des Glaubens und unserer irdischen Welt sind manchmal lästig, aber oft sehr hilfreich: Wir
begreifen wesentliche Dinge unsere Glaubens, die uns fremd geworden sind, wenn wir sie mit dem vergleichen, was wir kennen. Zum
Beispiel mir der Beziehung zu jemanden, den wir mögen.
Das gilt vor allem für etwas, dass viele von uns komplett verlernt haben: Die Unterhaltung mit Gott.
auch
als pdf-Datei erhältlich
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Gebet und Gespräch
Dabei dürfen wir nicht den Fehler machen, Gebet zu Gott einfach
mit Gespräch unter Menschen gleichzusetzen. Das wäre
zwar schon sehr hilfreich: Viele Fragen zum freien Gebet, Bittgebet und
betrachtenden Gebet werden wir leicht klären können, indem wir
den Vergleich mit einem Gespräch zwischen Menschen ziehen.
Aber Gebet ist mehr als nur Gespräch - Gebet ist die gelebte,
verwirklichte Beziehung zu Gott.
Im ersten Teil unserer Katechese habe ich davon gesprochen,
dass Glauben sowohl in meiner Beziehung zu Gott eine wesentliche
Rolle spielt - ich aber ebenso glauben muss, wenn ich eine Beziehung zu
einem Menschen habe - vor allem, wenn es sich dabei um eine Liebesbeziehung
handelt.
Sobald ich diese Beziehung lebe, setze ich mich in Beziehung zu anderen.
Das ist schon Gebet - nicht erst, wenn ich meinen Mund aufmache. Ja, es gilt
sogar: Schon das Suchen Gottes ist bereits Glauben und Gebet. (Das
hat vor allem der Gründer von Taizé, Frere Roger, immer wieder
betont.)
Gebet: Gott zu mögen
Alle und jede Voraussetzung zum Gebet ist es, Gott gern zu haben. Ob
Du für Deine Beziehung zu Gott das Wort "lieben" angemessener
findest, oder lieber von "mögen" reden willst, ist nicht
so wichtig. Hauptsache, er gefällt Dir. Du gefällst Ihm nämlich
schon von Anfang an.
Dagegen reagiert Gott für uns befremdlich, wenn wir ihn sezieren,
beobachten und auswerten wollen - anstatt ihm Zuneigung entgegenzubringen.
Klar, kann man verstehen.
Deine Freundin würde ja auch etwas pikiert reagieren, wenn Du sie -
ohne sie wirklich zu mögen oder gern zu haben - erst einmal in ein Labor
zur Untersuchung geben würdest. Wenn die Laboranten dort mit Deiner Freundin
experimentieren, ihr Blut abnehmen, sie vermessen, wiegen und klassifizieren,
wird es nicht lange dauern, und sie wird das Weite suchen.
Wundere Dich also nicht, wenn Gott das Gleiche tut. Er will nicht in
Theorien eingebaut werden, klassifiziert und begrifflich bestimmt werden
- er möchte, dass wir Ihn lieben. Kann gut sein, dass er gelegentlich
das Weite sucht.
Das ist aber nicht etwa die schrullige Eigenart eines liebeshungrigen
Gottes, der erst verlangt, dass man ihn mag, bevor er sich zeigt. Nein
- es geht Ihm schließlich darum, dass erst die Liebe uns
die Augen öffnet für das, was Gott ist - was er will - und was
er tut.
Sobald Du Gott magst, Ihn gern hast oder sogar nur so etwas wie Liebe
empfinden willst (ja, der Wille dazu reicht aus!), betest Du. Ohne
es zu wissen. Denn ab diesem Augenblick öffnen sich Deine Augen.
Gebet: Gottes Nähe suchen
Bei den Schwestern der Steyler Missionare gibt es einen Ordenszweig, der
die Weltmission nur durch das Gebet unterstützt. Diese Ordensschwestern,
die nicht nur den ganzen Tag nichts wesentlich anderes tun als beten,
sondern dieses sogar ihr ganzen Leben lang, tragen ein Ordenskleid
mit einer besondere Farbe: Es ist komplett rosa. Wir Studenten haben die rosa
Schwestern gerne "Pink Panther" genannt - und uns innerlich immer
gefragt, wie man ein solches Leben wohl aushalten könnte.
Die Antwort kam mir, als ich eine junge Frau erlebte; wie sie ganz unruhig
wurde, weil ihr Freund für eine Woche nicht in ihrer Nähe war.
Nicht, dass sie ihm misstraute. Es ging auch nicht um Langeweile oder
ähnliches. Es ging darum, dass sie seine Nähe vermisste. Wie
schön war es, als die beiden nach dieser Woche der Sehnsucht wieder
vereint waren: Zunächst wurde kein Wort gesprochen - sie vergewisserten
sich gegenseitig nur der Nähe des anderen. Und haben diese Nähe
genossen.
Es ist schön, einfach nur in der Nähe Gottes sein zu dürfen.
Wir müssen dabei nicht unbedingt etwas sagen. Ist es nicht herrlich,
erschöpft und ausgelaugt zum Freund kommen zu dürfen und in
seinen Armen einschlafen zu können? Und, wenn es sein muss, nach
dem Aufwachen ohne ein Wort wieder zu gehen?
Warum glauben wir, im Gebet immer viele Worte machen zu müssen?
Genießen wir doch einfach mal die Nähe Gottes. Gönnen
wir uns auch ein bisschen Schlaf in Seiner Nähe. Ich fände es
gar nicht so schlimm, wenn der eine oder andere im Gottesdienst einschläft
(ich bin Pastor - ich darf so etwas sagen). Ich kann mir sogar gut vorstellen,
dass Gott sich beim Anblick eines eingeschlafenen Gottesdienstbesuchers
dem Lied von Pur anschließt: "Prinzessin, lass die Augen zu!
Ich will ganz tief in Dich sehn... Ich schleich mich in den Traum zu Dir
- ich liebe Dich! Ich mag Dich schlafen sehn."
Allerdings: So schön das gelegentlich ist - auf Dauer ist das natürlich
zu wenig. Eine Freundin, die immer nur zum Einschlafen zu mir kommt, und
mich - wenn auch mit liebevollen Blick - anschließend immer wortlos
verlässt, ist aufs Ganze gesehen schon eine seltsame Freundin. Zu
einer echten Freundschaft gehört natürlich auch die Kommunikation.
Bevor ich allerdings davon rede, eine wichtige Frage:
Antwortet Gott überhaupt?
Es gibt viele Menschen, die schon irgendwie an Gott glauben wollen und
die andere bewundern, die sich stundenlang dem Gebet hingeben können.
"Leider", so führen sie oft an, "antwortet Gott mir
nicht. Wenn ich bete, dann rede ich wie gegen eine Wand."
Wenn man aber konkret von Gebetserhörungen spricht, wird deutlich,
wo das eigentliche Problem liegt. Beispielsweise erzähle ich von
folgendem Erlebnis: "Ich habe im Gebet ziemlich gerungen, ob ich
wieder mit meinem zerstrittenen Nachbarn Frieden schließen soll.
Mitten im Gebet klingelt es an der Tür - und wer steht vor mir? Mein
Nachbar, der sich eine Bohrmaschine ausleihen will. So redet Gott mit
mir!"
Mein sehnsüchtiger Freund, der gerne Glauben möchte, wird mir
sicherlich antworten: "Ach, das meine ich doch nicht. Das ist doch
bloß Zufall. Ich kann doch nicht in alle Zufälle sofort Gottes
Stimme hineininterpretieren. Außerdem: Wie kann ich sicher sein,
dass das wirklich ein Zeichen Gottes ist?"
Ein anderes Beispiel: Ich erzähle: "Ich war im Gebet mit Gott,
eigentlich ein ganz normales Gebet ohne besonderes Anliegen. Plötzlich,
mitten im Gebet, ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Ruf Deine
Eltern an! - Ich konnte ihn einfach nicht loswerden. Also habe ich aufgehört
zu beten und Gottes Auftrag ausgeführt - und meine Eltern angerufen."
Wieder wird mein Freund antworten: "Aber aber, das waren doch Deine
eigenen Gedanken! Warst Du Dir denn sicher, dass Gott das von Dir wollte?
Du rennst doch Deiner eigenen Phantasie hinterher!" - In meinem Beispiel
ist es eigentlich vollkommen gleichgültig, ob ich durch den Anruf bei
meinen Eltern deren Leben gerettet hätte oder nur ein bisschen mit meiner
Mutter geplaudert habe - für meinen Freund ist es doch klar, dass die
angebliche Antwort Gottes nur ein Gedanke meines eigenen Gehirns war.
Damit hätten wir die Katze, die sich in den Schwanz beißt,
beim Schopf gepackt: Der gute glauben-wollende Freund erwartet, dass Gott
zu ihm spricht - dann würde er auch gerne glauben. Aber die Art und
Weise, wie Gott zu ihm redet, will er nicht Gott zuschreiben, sondern
hält es für Einbildung. Mit anderen Worten: Der Freund, der
nicht glauben will, weil Gott nicht zu ihm spricht, will vor allem
nicht glauben, dass Gott zu ihm spricht.
Aber seien wir ehrlich: Genau das Gleiche denken wir doch auch, oder?
Es wäre uns doch etwas peinlich, jemanden einzugestehen,
dass ich nun meinen Urlaub nicht mehr in Spanien, sondern in Italien verbringe,
weil ich im Gebet von Gott dazu aufgefordert worden bin. Würdest
Du so etwas eingestehen?
Aber schlimmer noch: Du würdest so etwas Abstruses nicht nur verschweigen
- Du würdest es erst gar nicht wahrhaben wollen. Da wir uns
selbst nicht für verrückt erklären wollen, leugnen wir
einfach die Einwürfe Gottes und machen weiterhin Urlaub in Spanien.
Olé!
Wir sind Meister darin, Gottes Stimme zu überhören.
Aber vielleicht sind wir trotzdem bereit, als einfache Neulinge eine
Lehre zu beginnen: Das Gebet neu zu lernen.
Gebet - Zeichen sehen
Tatsächlich spricht Gott gerne in den vorhin erwähnten Zeichen
zu mir. Das tun wir Menschen ja auch: Wir lächeln dem anderen zu, halten
eine Tür auf, bezahlen die Cola, reichen jemanden die Hand, berühren
und schauen, seufzen und machen Geschenke - unsere "non-verbale Kommunikation"
kennt Schattierungen ohne Ende.
Gott ist da Experte. Seine Botschaften, Zärtlichkeiten und Gefälligkeiten
sind allerdings ungleich vielfältiger. Wir müssen nur bereit
sein, sie als solche wahrzunehmen - wir trauen uns das ja nicht so wirklich.
So ein innerer Selbstzweifel (War das jetzt ein Zeichen Gottes - oder
nicht?) unterscheidet sich in nichts von den Liebeszweifeln einer Pubertierenden:
"Hat er mich wirklich angeschaut? Nein, das kann nicht sein. Oder doch?
Was aber, wenn ich mich täusche? O Gott, wäre das peinlich. Vielleicht
meint er gar nicht mich. Vermutlich habe ich mir das nur eingebildet. Was
aber, wenn er etwas von mir will - und ich merke es nicht? Wenn ich jetzt
darauf reagiere, lachen mich bestimmt alle aus... Was soll ich nur tun?"
Die Antwort, die ich einem von pubertierenden Selbstzweifeln geplagtem
Mädchen geben würde, gebe ich auch den Auszubildenden in der
Schule des Gebetes: "Trau Dich! Mache Deine Erfahrungen - und Du
wirst ziemlich schnell erkennen, welchen Zeichen Du trauen darfst und
welchen nicht. Habe keine Angst, Dich zu blamieren - dadurch lernst Du
nur schneller."
Gott spricht zu uns durch Zeichen. Vorsehung nennen das die betenden
Menschen, oder Fügung. Wenn Du nur ein wenig in den Lebensberichten
großer Christen liest, wirst Du aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.
Ich empfehle Dir zum Beispiel die Erlebnisse eines Pfarrers aus meiner
Heimat in Kleve - Fritz Leinung. Oder - man will es fast nicht glauben
- das kleine Büchlein von Gereon Goldmann "Tödliche Schatten
- Tröstendes Licht". Oder die "aufrichtige Erzählung
eines russischen Pilgers". Oder...
Dazu ist allerdings Glauben notwendig - genauso wie in einer Freundschaft.
Gekaufte Rosen und den Hundeblick am Klavier kann jeder - Du musst glauben,
dass es sich dabei um Zeichen von Zuneigung handelt. Ich verstehe eigentlich
nicht, dass Menschen diesen Zeichen immer noch soviel Vertrauen entgegenbringen
(obwohl sie doch häufiger enttäuscht worden sind) - Gott aber dieses
Vertrauen versagen. Aber wer versteht schon die Menschen?
Gebet: Seine Stimme hören
Nicht-Glaubende unterschätzen diese ersten Gebetsformen - wenn sie
"Gespräch mit Gott" hören, hoffen sie auf den Austausch
von Worten und Informationen. Dabei sind die bisher geschilderten
Weisen des Gebetes keineswegs nur Vorformen - im Gegenteil: Sie sind wichtiger
als das mündliche Gebet.
Aber ich gebe zu: Auch eine jede menschliche Beziehung lebt vom Gespräch,
dem Austausch von Meinungen, Ansichten, Informationen, Bitten, Lob und
Danken.
Und wieder ist es eine Frage des Glaubens, ob ich bereit bin, Gottes
Stimme zu hören. Denn Gott redet nicht mit menschlicher Stimme. Er
ist Geist - purer Geist - und stellt die Verbindung zu uns her über
unserem Geist. Das ist natürlich nicht so einfach zu glauben; wir
sind kritisch unseren eigenen geistigen Regungen gegenüber und skeptisch,
wenn wir etwas nicht verstehen.
Aber wer eine enge seelische Beziehung zu einem anderen Menschen hat,
kennt das vielleicht:
-
Ein Mutter wacht mitten in der Nacht auf und weiß, dass ihrem Sohn
etwas Schreckliches passiert ist.
-
Eine Bekannte von mir verließ mitten in einer Vorlesung den
Saal in der Gewissheit, sofort zuhause anrufen zu müssen - ohne
zu wissen, warum. Wie sich herausstellte, war die Großmutter
gestorben.
-
Eine Frau weiß - entgegen allen Meldungen - dass ihr vermisster
Mann noch lebt.
-
Ein Kind erkennt die Mutter, obwohl es als Säugling von ihr getrennt
wurde und sie seitdem nicht mehr gesehen hatte.
Natürlich geschieht das nicht immer - aber es kommt vor,
häufiger sogar, als man glaubt. Denn wir reden nicht gerne darüber.
Es gibt also seelische Regungen, von Seele zu Seele, ohne Worte. Gedanken
schießen uns durch den Kopf und lassen uns nicht wieder los. Phantasien
entwickeln ein Eigenleben; Bilder tauchen immer wieder auf; Gefühle
lassen sich nicht abschütteln. - Was wir als seelische Regungen zwischen
Menschen kennen, ist jedoch nur ein Abbild dessen, was Gott uns im Gebet
an seelischen Geschenken zukommen lassen kann. Wenn wir es nur zulassen.
Gott ist mehr geistig und uns näher, als jede andere Seele eines
Menschen. Deshalb kann er in unserem Geist präsenter sein als jede
menschliche Seele. Es bleibt lediglich die Frage, ob wir an seine Gegenwart
glauben.
Probier's doch einmal aus:
-
Suche Dir einen ruhigen Ort, am besten eine Kirche. Setze Dich, wenn
Du willst, kannst Du auch knien, und trage Gott Deine Bitten vor -
Deine Fragen oder was auch immer.
-
Dann sei aufmerksam: Frage Dich, was Gott wohl darauf antworten würde.
Der erste Gedanke, der Dir daraufhin durch den Geist geht - nimm ihn
als Antwort. Frage (noch) nicht danach, ob es nur Einbildung ist.
Rätsel nicht, ob es nur Dein eigener Geist ist. Sei ausnahmsweise
nicht kritisch und nicht skeptisch. Nimm den Gedanken so, wie er Dir
kommt.
-
Frage nach - "Was meinst Du damit, Gott?" Melde Bedenken
an, bringe Einwände, führe Deine eigenen Erzählungen
fort - mit anderen Worten, beginne ein Gespräch mit Gott.
-
Lass Dich unterbrechen. Was Du am Anfang vielleicht noch für
Deine eigenen Gedanken gehalten hast, wird sich zunehmend in die Rede
Gottes verwandeln - und Dir fremd vorkommen.
Vielleicht gibt Gott Dir ungewöhnliche Ratschläge; vielleicht
lobt er Dich, obwohl Du um Verzeihung bitten wolltest; vielleicht
rügt er Dich, obwohl Du ihn lobst. Trau Dich nur erst einmal,
Deine Phantasie in den Dienst Gottes zu stellen, und Du wirst feststellen,
dass er sie gerne verwendet.
Dieses Gespräch mit Gott braucht ein wenig Übung - aber wirklich
nur ein klein wenig. Viel wichtiger ist Ruhe und Ungestörtheit; noch
wichtiger aber Vertrauen und Glauben.
Einige von Euch werden diese Art mit Gott ins Gespräch zu kommen
als Lieblingsform der Gebetes entdecken - anderen ist es zu wenig intensiv
und zu oberflächlich. Tatsächlich habe die Mystiker im Gespräch
mit Gott nicht nur Worte gewechselt - sondern Gott hat ihnen so umfassende
seelische Regungen geschenkt, dass ihnen die Worte wegblieben.
Wie dem auch sei: Gott ist Geist und schenkt uns neben so wichtigen Dingen
wie Trost, Mut, Demut, Frieden oder kreative Unruhe auch die Gnade des Gespräches.
Sehr real - für den, der glaubt.
Das freie Gebet - die Liturgie - und der Rosenkranz
Die schönste Form des Gespräches ist natürlich der Dialog.
Frei erzählen, offen bitten, einfach danken - das ist das Vorrecht
der Verliebten. In jedem Gerichtssaal muss man sich an Formen und Formeln
halten - im Gebet nicht. In jeder Behörde muss ein Antrag formgerecht
sein - im Gebet nicht. Sogar ein Brief erwartet ein Mindestmaß an
Förmlichkeit - sonst kommt er erst gar nicht an. Das Gebet kommt
immer an, und wer einmal von der Erlaubnis der Liebenden, frei miteinander
zu reden, in Bezug auf Gott Gebrauch gemacht hat, will es nicht mehr missen.
Aber es muss nicht dabei bleiben.
-
Hast Du Deiner Freundin schon einmal ein Lied gesungen? Gott hört
gerne Lieder, und er singt auch gerne mit. Und wer nur an den verliebten
Romeo unter Julias Balkon denkt, der weiß, dass ein Lied (selbst
schlecht gesungen) mehr sagt als "tausend Worte".
-
Aber auch Gedichte kann man aufsagen - selbstverfasste Liebesgedichte,
Gedichte von einem Ghostwriter oder von Goethe. Ganz egal - jedes
Romantiker-Herz wird bei einer solchen Gelegenheit höher schlagen,
oder?
-
Geschichten vorlesen ist total IN - nicht nur für die kleinen
Kindern. Stell Dir vor, einer von Euch beiden ist krank - der andere
wacht an seinem Bett. Für eine echte Unterhaltung fehlt die Kraft.
Warum nicht etwas Vorlesen? - Auch zum romantischem Einschlafen, zur
gegenseitigen Unterhaltung bei langen Autofahrten oder beim Frühstück
aus der Zeitung vorlesen - wer's noch kann, hat schon gewonnen.
-
Am schönsten aber ist es, in den Worten des Anderen zu reden. Zum
Höhepunkt des Films "Die Braut, die sich nicht traut" gehört
es, dass Julia Roberts am Ende des Films eine Heiratsantrag macht und
dabei genau die gleichen Worte benutzt, die Richard Gere am Anfang des
Films selbst ausgesprochen hat (das Gleiche - unheimlich romantisch -
findet sich z.B. auch in "Glauben ist alles" - einer meiner
Lieblingsfilme). Natürlich nicht nachplappern oder nachäffen
- sondern sich die Worte und Gedanken des anderen selbst zu eigen machen
- das ist Liebe.
Du merkst schon, worauf ich hinaus will. Es ist nicht so, dass ein aufgesagtes
"Vaterunser" etwas für Anfänger und das frei gesprochene
Gebet etwas für Profis ist. Vielmehr kann ein Rosenkranz so eine
Art "Vorlese-Zeit" sein, ein Vaterunser eine Liebeserklärung
mit den Worten Gottes, ein altes Gebet wie ein Liebesgedicht von Goethe.
Vielleicht fühlst Du Dich im nächsten Gottesdienst, während
Du Dein Lied singst und zur Orgelbühne hochschaust, wie Romeo unter
dem Balkon seiner Julia - warum nicht?
Manchmal kommt es auf die Worte an. Manchmal aber nur auf die Haltung,
die man zum Ausdruck bringen will (wer seinem Kind amüsante
Märchen vorliest, kann es trotzdem ernst mit ihnen meinen!).
Es gibt sogar Gelegenheiten, wo es weder auf die Worte noch auf die Haltung
ankommt - sondern vielmehr darauf, dass man überhaupt etwas sagt.
Auch ein Rosenkranz kann (wenn es sein muss) unandächtig und gedankenlos
gebetet dennoch ein Gebet sein, das Gott gefällt. Vielleicht reicht
Gott ja auch schon die halbe Stunde, die es dafür braucht, als Zeichen
unserer Zuneigung.
Wie dem auch sei: Spielen wir die Formen des Gebetes nicht gegeneinander
aus. Fragen wir nicht, was wertvoller ist. Bemühen wir uns vielmehr darum,
Gott zu mögen und Ihm unsere Liebe zu zeigen - die Form, in der wir es
dann tun, ergibt sich von selbst. Nur immer schön offen bleiben!
Möchtest Du mir schreiben? Diese Katechese
hat
Peter geschrieben.