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Jesus Christus
Es mag verwundern, dass wir auf einer katholischen Webseite zwar den Anspruch erheben, unseren Glauben umfassend darzulegen - aber bislang noch keine Katechese zu Jesus Christus verfasst haben. Schließlich spiegelt dieses Kuriosum aber nur wider, was in unserer Gesellschaft diskutiert wird: Da erscheinen Nebensächlichkeiten oftmals wichtiger und interessanter als das Zentrum unseres Glaubens: Jesus von Nazareth, der Christus. (Da kann der Papst im Buch "Das Licht der Welt" noch so viel über Jesus sagen - in den Zeitungen erscheint nichts davon; aber ganzseitig jeder Nebensatz zur Kondomfrage).
Aber so oberflächlich interessiert sind nicht alle Menschen, und den immer häufigeren Fragen, die sich gezielt mit der Person Jesu Christi beschäftigen, will ich diese Katechese widmen.
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3. Wer war dieser Jesus von Nazareth? Und was war seine Botschaft?
Auf die Frage, wer Jesus denn gewesen ist, kann man sehr unterschiedliche Antworten erhalten: Ein Prophet; ein Lehrer der Weisheit - ein Philosoph; ein Psychologe und Arzt; ein Prediger mit hypnotischer Ausstrahlung; ein Bote Gottes; "Der neue Mann" und noch vieles mehr. Vorausgesetzt, dass die Evangelien einigermaßen korrekt überliefern, was Jesus alles gepredigt und getan hat, müsste die Antwort auf die Frage am besten dadurch zu klären sein, dass wir uns seine Botschaft einmal näher anschauen.
Der Schlüssel zum Auffinden der eigentlichen Botschaft Jesu liegt allerdings nicht in den Evangelien - sondern in der Apostelgeschichte. Und zwar in der Predigt des Petrus am Pfingsttag.
"Die Sache Jesu braucht Begeisterte" - oder "Die Nachfolge Jesu"
Natürlich hatte Jesus eine Botschaft an uns. Aber verblüffenderweise spielte sie für die Apostel - schon wenige Tage nach seiner Himmelfahrt - keine so große Rolle mehr. Am Pfingsttag traten die Apostel zum ersten Mal in die Öffentlichkeit und Petrus hielt seine - von Lukas niedergeschriebene - Pfingstpredigt.
Nun hätte man erwarten können, dass Petrus - ganz in seinem Auftrag versunken, die Botschaft Jesu weiterzugeben - Teile der Bergpredigt wiederholt, von den Wundern Jesu berichtet oder die schönsten Gleichnisse Jesu zum Besten gibt. Aber - Fehlanzeige. Petrus predigt seitenweise - aber er gibt nicht die Botschaft Jesu weiter, sondern er verkündigt Jesus. (Wer möchte, mag die Predigt des Petrus nachlesen: Apg 2, 14-36).
Nun könnte man Petrus als Verräter an der "Sache Jesu" bezeichnen - und lieber zurückkehren zu dem, was in den Evangelien steht. Das Dumme ist allerdings, dass der, der die Predigt des Petrus niedergeschrieben und für die Nachwelt erhalten hat, der gleiche ist, der auch die Predigt Jesu aufgeschrieben hat: Lukas. Offensichtlich sah Lukas in der Pfingstpredigt keinen Widerspruch und keinen Verrat, sondern die legitime Zusammenfassung dessen, was er selbst im Evangelium aufgeschrieben hat.
Kann es sein, dass die Botschaft Jesu - also die Botschaft der Evangelien - Jesus selbst gewesen ist?
Die Botschaft und sein Überbringer
Für uns Christen, die immer wieder in den Gottesdiensten Abschnitte der Evangelien hören, ist das ein ungewohnter Gedanke. Denn die Inhalte der Bergpredigt, der Wunder und der Gleichnisse sind uns wohlvertraut und wir kämen nicht auf den Gedanken, die eigentliche Botschaft irgendwo anders zu suchen.
Ein Rabbi jedoch, der aus der jüdischen Distanz zum christlichen Glauben das Neue Testament liest und es mit der überlieferten Lehre von Thora und Talmud vergleicht, hat es dagegen in einem fiktiven Dialog so formuliert: Auf die Frage, ob Jesus das Gleiche gelehrt hat wie die Propheten und Chassidim, antwortet der Rabbi: "Nicht genau, aber ungefähr." - "Was hat er weggelassen?" - "Nichts." - "Was hat er dann hinzugefügt?" - "Sich selbst." - "Oh!" (Rabbi Jakob Neusner, "Ein Rabbi spricht mit Jesus").
Es stimmt tatsächlich: Das Evangelium ist nicht etwas, das Jesus uns erzählt hat und das wir nun, unabhängig von ihm, weitererzählen könnten. Das Evangelium ist Jesus selbst: Die "Frohe Botschaft", die "Gute Nachricht" ist, dass Jesus Gott ist.
Falls das stimmt, würden sich damit auch die ganzen Alternativen (Jesus als Prophet, als Philosoph, als Erfinder einer neuen, themenzentrierten Lebensweise oder als alternatives Lebensmodell mit ausbalanciertem Ich-Du-Verhältnis) erledigen. Nicht, dass Jesus nicht auch weise, philosophisch und therapeutisch geredet hat. Aber er hat es eben als Gott getan - nicht als ein kompetenter Mensch.
Ich gebe zu, dass wir das allerdings überprüfen müssen.
"Jesus ist Gott!" durch die Blume gesprochen
Tatsächlich behauptet Jesu an keiner Stelle in den überlieferten Evangelien: "Ich bin Gott - Jahwe - Der Einzige und Ewige!" oder so ähnlich. Das macht die Sache natürlich schwierig... Wenn es tatsächlich das Zentrum der Botschaft sein sollte, dass Jesus der menschgewordene Gott ist, dann hätte er es doch auch klipp und klar sagen können, oder?
Nun, wir haben schon über die angebliche künstlerische Freiheit der Evangelisten nachgedacht. Wenn es keinen triftigen Grund gegeben hat, dass Jesus sich selbst als Gott bezeichnete, die Evangelisten aber von seiner Göttlichkeit überzeugt gewesen sind, dann hätte sie diesen Ausspruch: "Hallo, meine lieben Juden - ich bin's - Euer Gott!" Jesus in den Mund legen können, ohne ihm Unrecht zu tun.
Aber nicht nur Jesus (von dem wir es bisher noch nicht mit Sicherheit gesagt haben), sondern auch die Evangelisten lassen den Anspruch Jesu, Gott zu sein, nur indirekt erkennen; aber immerhin so deutlich, dass die eigentliche Aussageabsicht der Worte Jesu unzweifelhaft erkennbar war. Warum diese Verrenkungen?
Der Grund dafür ist einfacher, als es scheint: Hätte Jesus sich einfach als Gott bezeichnet, so wäre er absolut missverstanden worden - denn dann hätten die Juden in Jesus "Jahwe" sehen müssen - also das Wandeln des einen Gottes auf Erden wie in den römischen, griechischen und ägyptischen Mythologien. Von "Dreieinigkeit" oder "Trinität" hatte damals noch keiner etwas gehört - und selbst, wenn Jesus diese Begriffe eingeführt hätte, wären sie nicht verstanden worden. Es bedurfte immerhin einer fast 200-jährigen theologischen Diskussion und intensiven Nachdenkens, um den Horizont zu schaffen, in dem das neue Gottesbild ("Ein Gott" wie im Glauben der Juden, und dennoch "drei Personen") zu verstehen war. Mit anderen Worten: Für die Selbsterklärung Jesu war weder das notwendige Vokabular noch der unverzichtbare philosophische Background gegeben.
Allerdings geht Jesus in dem, was er sagt, schon bis an die Grenzen der pharisäischen Zumutbarkeit. Oft genug hat er die Grenze überschritten und sich doch mit Gott gleichgesetzt oder Göttlichkeit beansprucht (immer dann, wenn die Pharisäer Steine aufheben und Jesus umbringen wollen).
Auch bei seiner Brotrede ("Ich bin das Brot des Lebens") ist Jesus dem Verstehenshorizont seiner Zuhörer so weit voraus, dass diese ihn tatsächlich kopfschüttelnd verlassen. Zurück bleiben nur die Apostel, die von Jesus gefragt werden: "Wollt auch ihr gehen?" - Nun, geblieben sind die Apostel nicht, weil sie alles verstanden haben (etwa durch private Nachhilfe durch Jesus), sondern weil sie neben den damals noch unverständlichen Worten Jesu auch das vor Augen hatten, was sie verstehen konnten: "Wohin sollten wir gehen? Herr, Du hast Worte ewigen Lebens!" (Joh 6,67-86).
Der Jesus der Evangelien geht vielmehr typisch jüdisch und psychologisch geschickt vor: Die Zuhörer der Predigten, Partner in Streitgesprächen und Augenzeugen der Wunder sollen durch ein Bedenken der Worte und Ereignisse selbst zum Schluss kommen, wer Jesus denn sein könnte. Nicht nur, weil Jesus es behauptet, sollen wir Ihn als Gott glauben, sondern weil er "mit einer ungewohnten Vollmacht lehrt", weil er "Dinge tut, die nur Gott tun kann" - und weil er uns einen Blick auf einen Gott werfen lässt, der viel göttlicher ist erwartet. Ein solcher Glaube ist das Gegenteil eines blinden Glaubens: Dem so gewonnen Glauben liegt dann eine eigene Erkenntnis zugrunde, selbst wenn man dafür noch keine angemessenen Worte, Begriffe oder Begriffssysteme zur Verfügung hat.
Der Anspruch, Gott zu sein, sollte jeder, der IHM begegnet, durch die Einzigartigkeit des Auftretens, Wirkens und des Lebens Jesu selbst erschließen können.
Die Göttlichkeit von Jesu Werk und Wort
Nun, es ist plausibel, dass die Evangelisten den Anspruch Jesu auf die gleiche Weise in Worte fassten wie es Jesus selbst getan hat - aber eben so klar lehrten, dass an der Göttlichkeit Jesu selbst kein Zweifel blieb. Aber nur, weil diese "implizite Christologie" plausibel sein könnte, muss sie nicht schon tatsächlich wahr sein. Wie sieht es also mit den Hinweisen auf die göttliche Natur Jesu aus?
Auch ein Dan Brown behauptet, Leonardo da Vinci hätte in seinen Meisterwerken Botschaften versteckt, weil es ihm zu gefährlich war, sie öffentlich zu benennen. Nun - das klingt überhaupt nicht plausibel, denn Leonardo hat sie angeblich so gut versteckt, dass er sie auch gleichzeitig hätte weglassen können. Aber abgesehen von der Frage, warum Leonardo etwas versteckt, was er doch allen erzählen möchte, ist das entscheidende Manko der Da-Vinci-Verschwörungstheorie, dass die angeblichen Hinweise vollkommen aus der Luft gegriffen und unhistorisch sind.
Trifft das vielleicht auch auf die Evangelien zu? Ist die Vermutung, dort seien Hinweise auf die Göttlichkeit Jesu "versteckt", auch nur eine Verschwörungstheorie?
Nun, beginnen wir also zum zweiten Mal in dieser Katechese eine Spurensuche. Diesmal
allerdings liegt die Beweislast bei uns Christen: Es ist unsere Aufgabe, einwandfrei
nachzuweisen, dass es die Intention der Evangelisten war, die Göttlichkeit
Jesu zu belegen.
Die Wunder Jesu
Wer als erstes Argument für die Göttlichkeit Jesu nun erwartet, dass ich hier die Wundertaten Jesu aufzähle, den muss ich enttäuschen: Die Wunder- oder Zeichenhandlungen sind Bestandteil der Predigt Jesu und seiner Botschaft. Aber Wundertäter gibt es in allen Religionen und zu allen Zeiten; dieses Kriterium allein ist nicht eindeutig.
Zwölf Jünger
Ein erster Hinweis ist vielmehr die Tatsache, dass Jesus zwölf Jünger zu Aposteln ernannte und damit - in Bezug auf die zwölf Stämme Israels - ein "neues Israel" begründete. Wohlgemerkt - Jesus ernannte die zwölf Apostel; er selbst aber war keiner davon. Im Gegensatz zum Josef und seine elf Brüder ist Jesus nicht einer, der zum neuen Volk gehört. Er setzt das neue Volk ein. Wie Jahweh, der im Alten Testament das alte Israel erschuf. (So heißt es im Urtext bei der "Erwählung" der Zwölf (Lk 6,13; Mk 3,13-16 und Mt 10,2) auch: "Und er schuf die Zwölf".)
Jahwe - "Ich bin"
An einer Stelle sagt Jesus einen grammatikalisch unkorrekten Satz: "Amen, Amen, ich sage Euch: Ehe Abraham wurde, bin ich." (Joh 8, 58) Das mag für unsere Ohren nur ungewohnt klingen - für die Juden zur Zeit Jesu war es pure Anmaßung; denn das "Ich Bin" ist schließlich der Gottesname Jahwe (Und Gott sprach: Ich bin der "Ich bin" - Ex 3,14). Nicht umsonst ist die Reaktion der Juden an dieser Stelle eindeutig: Sie heben Steine auf, um Jesus zu steinigen.
Ebenso klangen die sieben "Ich-bin"-Worte (Ich bin das Leben, Ich bin die Wahrheit, der Weg, das Licht, das Brot, die Tür, der gute Hirte, die Auferstehung und der Weinstock) auch sehr nach dem Gottesbegriff "Jahwe".
Ich aber sage Euch
In der Bergpredigt heißt es an fünf Stellen: "Ihr habt gehört, dass gesagt wurde" (oder: "zu den Alten gesagt wurde"), "ich aber sage Euch...". (Mt 5, 21.27.31.33.38 und 43). Nun, an diesen Stellen setzt Jesus sich nicht nur mit Mose gleich (zumindest der Autorität nach); denn Mose hat das Gesetz, dass er verkündet hat, ja auch nur von Gott auf dem Berg Sinai empfangen. Nein - er korrigiert das, was "die Alten verstanden haben", mit der Autorität dessen, der schon damals zu ihnen gesprochen hat.
Von daher ist es auch keine Nebensächlichkeit, dass diese berühmte Predigt, in der Jesus SEIN neues Gesetz formuliert, ebenfalls auf einem Berg stattfand - daher der Name "Bergpredigt".
Thomas spricht es aus
Entgegen dem unpassenden Spitznamen, "der ungläubige Thomas", ist Thomas der einzige Apostel, der es aussprach: Als er nämlich nach anfänglicher Skepsis den Auferstandenen tatsächlich begegnet, sagt er zu Jesus: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh 20,28).
Niederfallen - Saum küssen - proskyneo
"Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder" (Mt 28,17). Nun, auf den ersten Blick kein klares Argument. Denn das griechische Wort "proskyneo" kann mit "niederfallen", "Saum küssen" oder auch "anbeten" übersetzt werden. Aber so, wie das Wort "proskyneo" im Neuen Testament verwendet wird, wird deutlich, das - egal, was das Wort "proskyneo" bedeutet - "es" zu tun ist allein Gott vorbehalten: Offb 22,8-9:
"Ich, Johannes, habe dies gehört und gesehen. Und als ich es hörte und sah, fiel ich dem Engel, der mir dies gezeigt hatte, zu Füßen, um ihn anzubeten ("proskyneo"). Da sagte er zu mir: Tu das nicht! Ich bin nur ein Knecht wie du und deine Brüder, die Propheten, und wie alle, die sich an die Worte dieses Buches halten. Gott bete an ("proskyneo")!"
Die Sündenvergebung
Ein weiteres Indiz an verschiedenen Stellen der Evangelien ist die Vergebung der Sünden, die Jesus verschiedenen Menschen gewährt. Zu Recht beschweren sich die Juden, dass Jesus damit etwas in Anspruch nimmt, dass allein Gott zukommt (Lk 5, 21). Dennoch bleibt Jesus dabei - er kann dieser Vollmacht sogar weitergeben (Joh 20,23); das macht deutlich, dass die Macht zu Sündenvergebung sogar von ihm ausgeht.
"Ich und der Vater sind eins"
Im Johannesevangelium gibt es so zahlreiche Belege für die Göttlichkeit Jesu, dass ich mich hier auf zwei weitere beschränken will. Zum einen sagt Jesu in Joh 10,30: "Ich und der Vater sind eins" - mit der entsprechenden Reaktion der Juden, die wiederum Jesus steinigen wollen.
Zu Beginn des Johannesevangeliums heißt es noch deutlicher: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." (Joh 1,1). Das "Wort" ist hier unzweifelhaft Jesus, wie der Fortgang des Prologs deutlich macht. In diesem Prolog wird Jesus in Vers 1 nicht nur mit Gott gleichgesetzt "und das Wort war Gott", sondern bekommt auch im folgenden göttliche Attribute: Er war vor aller Zeit und durch ihn ist alles geworden, was existiert (Joh 1,2-3). Diese Aussage findet sich auch in anderen neutestamentlichen Hymnen: 1 Kor 8,6; Phil 2,6; Kol 1,15-20; Eph 1,4; Hebr 1,2f.
Rabbi Neusners Problem
Rabbi Neusner, der den Gottesanspruch Jesu ablehnt und lieber Jude bleiben will, erkennt aber in seinem Buch "Ein Rabbi spricht mit Jesus" eindeutig an, dass Jesus sich selbst an die Stelle Gottes setzt: Rabbi Neusner schreibt: "Jeder, der dem Jesus bei Matthäus begegnet, erkennt, dass der Evangelist den inkarnierten Gott vor Augen hat."
Er macht diesen Anspruch (und auch die Gründe, warum er diesen Anspruch ablehnt) an vielen Stellen des Evangeliums fest; die - zumindest grob gesprochen - alle darauf hinauslaufen, dass Jesus sich mit der Veränderung der Gebote nicht nur göttliches Recht anmaßt - sondern sich selbst zum Sinn und Gegenstand der Gebote macht. "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig." (Mt 10, 37) - "Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig." (Mt 10, 38) - "Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen." (Mt 10, 39) - "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." (Mt 10, 40). "Denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbath" (Mt 12,8). "Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach." (Mt 19,21).
Immer wieder läuft eine eingehende, auf jüdischen Tradition basierende Analyse auf das gleiche Ergebnis hinaus: Während die Juden das Gesetz befolgen, weil es sie zu Gott führt; erwartet Jesus, dass wir die Gesetze so befolgen, dass sie uns zu ihm führen. Jesus spricht zu uns als Gott. "Und das lehne ich ab!" schließt Jakob Neusner. Aber seine Erkenntnis bleibt.
Die Erkenntnis hat nicht erst Rabbi Neusner gewonnen; schon die Mutter von Edith Stein meinte - aus jüdischer Perspektive - über Jesus: "Er war ja ein guter Mann. Wenn er sich doch nur nicht zum Gott gemacht hätte!"
Die Auferstehung
Der letzte und entscheidende Punkt - die Auferstehung Jesu - möchte ich in dieser Katechese aussparen; über die historische Glaubwürdigkeit der Auferstehung zu schreiben, bietet genügend Stoff für eine eigene Katechese - die vielleicht noch geschrieben wird. Vorläufig verweise ich auf die bereits niedergeschriebenen
Gedanken zur Auferstehung.
Fazit
Die hier angeführten Bibelstellen sind nur ein Bruchteil dessen, was angeführt werden könnte. Mag sein, dass die eine oder andere Bibelstelle in der Interpretation noch diskutiert wird - dennoch geht kein Weg daran vorbei: Wenn das Zeugnis der Evangelien wahr ist (und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln), hat Jesus klar und deutlich den Anspruch für sich erhoben, mit der Stimme Gottes zu seinem Volk zu sprechen. Mögen wir wie viele Zeitgenossen Jesu oder wie Rabbi Neusner heute diesen Anspruch ablehnen - es bleibt unstrittig, dass Jesus ihn erhoben hat.
Wie gesagt, war in diesem historischen Augenblick noch nicht ganz klar, was das nun genau bedeutete. War Jesus Jahwe? War Jesus vielleicht nur ein Mensch, der von Jahwe zu Gott gemacht wurde - oder durch Adoption zu Gottes Sohn wurde? Oder...?
Diese Fragen stellten sich natürlich den Christen von Anfang an; sie wurden heiß diskutiert und immer wieder mit den Aussagen in den Evangelien verglichen. Denn bei dieser Frage ging es nicht nur darum, die Behauptung, Jesus sei Gott gewesen, vor den Kritikern zu rechtfertigen. Viel mehr und viel drängender ging es darum, den Gedanken eines menschgewordenen Gottes vor der Vernunft zu rechtfertigen. "Gott wird Mensch - ist das nicht ein Widerspruch in sich und deshalb ein Ding der Unmöglichkeit?"
Es dauerte seine Zeit, bis sich die Kirche - über lange und zum Teil auch sehr heftige Auseinandersetzungen hinweg - auf eine Reihe von Sätzen festlegte, die ein einheitliches Verständnis der "Christologie" (so die zur Wissenschaft gewordene Frage nach dem Gott Jesus) für die ganze Christenheit ermöglichte. Grundlage der so genannten "christologischen Konzilien" war dabei nicht nur die Heilige Schrift - sondern auch die gelebte Spiritualität der Kirche.
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