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Predigtvorschläge - 04. Sonntag der Adventszeit (Lesejahr A)
1. Predigtvorschlag

von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink (erstellt: 2007)

Liebe Schwestern und Brüder,
seit einigen Jahren gibt es im Fernsehen sogenannte Casting-Shows, bei denen sich junge Talente (und solche, die sich dafür halten) einem Millionenpublikum präsentieren. Die meisten haben jahrelang für diesen Wettkampf um die Gunst einer Jury und der Zuschauer hart gearbeitet, aber nur ganz wenigen
ist ein wirklicher Durchbruch als Star gelungen wie etwa dem Handy-Verkäufer Paul Potts, dessen umwerfender Gesangs-Auftritt viele zu Tränen rührte und der nun die halbe Welt als Operntenor bereist.

Von einem Casting unter ganz anderen Vorzeichen erfahren wir im heutigen Evangelium zum vierten Adventssonntag. Gott selbst ist es, der hierbei einziges Mitglied der Jury ist. Man konnte sich auch nicht bei ihm bewerben, sondern Gott hat in seiner Weisheit selbst Ausschau nach einer geeigneten Kandidatin gehalten. Von ihm allein ging die Initiative aus. Gesucht war eine Jungfrau, die nach Gottes Urteil würdig war, seinen Sohn als Kind zur Welt zu bringen.

Bei Gott geht es anders zu. Er sucht die Kandidatin aus und kürt sie.
Und er hat ganz andere Kriterien, als sie die Bohlens dieser Welt haben. Einmal ganz abgesehen davon, dass er die Kandidaten nicht anpöbelt und niedermacht, wie dieser doch wohl eher drittklassige blonde Popmusiker –
bei Gott findet alles im Stillen statt, ohne große Show. Aber dafür mit Tiefe.

Gott sendet seinen Engel in ein Städtchen in Galiläa namens Nazaret, damals mit weniger als 200 Einwohnern ein verschlafenes Nest und so unbedeutend, dass es nirgendwo im Alten Testament erwähnt ist. Wir würden vielleicht dazu sagen: dunkelste Provinz.
Nazaret ist etwa 100 km und damit vier Tagesreisen von der Hauptstadt Jerusalem entfernt. Durch eine ausgeprägte Hanglage bestand die Mehrzahl der dortigen Wohnhäuser damals aus ausgebauten Höhlen, die es dort zahlreich gab.
Das ist weit entfernt vom Glamour des Showbiz.

Bei Gott geht es anders zu.
Während bei den Castingshows Menschen etwas leisten müssen, sich hinstellen müssen, in dem Bewußtsein: Ich kann das. Ich mach das. Ich bin klasse –
Sagt die Kandidatin Gottes: Mir geschehe.
Bei Gott geht es nicht um Macht, Leistung, Glänzenwollen oder –können, bei ihm siegt, wer dient, wer ertragen kann, in den Hintergrund tritt, damit der eigentliche Star glänzen kann.

Bei Gott geht es anders zu.
Groß ist bei Gott nicht der, der zum eigenen Ruhm sich bewirbt, sondern die, welche ihr Leben in den Dienst aller Menschen, in dem Dienst am Heil aller Menschen stellt.

Die Größe eines Menschen hängt nicht von seiner Macht ab, meist ist es zerstörerische und egoistische Macht – die Größe eines Menschen hängt von seiner Liebe, seiner Hingabe, seiner Teilhabefähigkeit ab.

Bei Gott geht es anders zu.
Ein Star oder sogenannter Superstar (oder was man dafür hält) muß sicherlich etwas können. Aber gerade die Sieger von Castingshows sind mittlerweile gut geplante, vermarketet Produkte.
Der Erfolg läßt sich kalkulieren

2. Predigtvorschlag

von Pfr. Dr. Axel Schmidt (erstellt: 2007)

Liebe Gemeinde!

Ich möchte den heutigen 4. Advent noch einmal zum Anlass nehmen, mit Ihnen das Altarbild zu betrachten. Wir sehen den toten Baumstumpf und die Rose. Spontan kommt mir dabei in den Sinn: Das passt doch gar nicht zusammen. Hier sind Gegensätze zusammengestellt: Tod und Leben, Symbole von Vergänglichkeit und Ewigkeit. Das spannungsgeladene Bild ist ein Bild auch für den Widerspruch, der in der menschlichen Existenz liegt: Wir sind eingebunden in den Kampf ums Dasein und stehen insofern notgedrungen in der Konkurrenz mit den anderen. Aber wir sind auch Geistwesen, ausgestattet mit Vernunft und Liebe und tragen eine Friedens¬sehnsucht in uns, die keine Konkurrenz kennt. Einerseits unterliegen wir dem Gesetz des Stärkeren, andererseits dem der Barmherzigkeit. Einerseits liegt es in unserer biologischen Natur, dass wir sterben müssen, andererseits hegt jeder die Hoffnung auf Unsterblichkeit. Dieser Widerspruch ist in der Welt. Er gibt der Menschheit ein Rätsel auf, auf das schon viele Lösungsversuche gegeben worden sind. Ich nenne nur zwei: Platon hat das Rätsel auflösen wollen, indem er das materielle Leben abgewertet hat. Wenn der Tod aus der Materie kommt, dann ist auch nur der Geist wert zu leben, dann ist der Tod die befreiende Loslösung des Geistes aus dem Gefängnis des Körpers. Ganz andersherum argumentiert die moderne Biologie: Der Geist ist nach ihr aus der Materie herausentwickelt gemäß den Gesetzen vom Daseinskampf und vom Survival of the fittest. Darum gibt es auch gar keine echte Liebe, sondern es gibt nur die vitalen Interessen. Also ist die Sehnsucht nach Unsterblichkeit sinnlos. Die Bibel löst das Rätsel jedoch anders. Sie fragt tiefer nach dem Grund des Widerspruchs in der Schöpfung. Sie schlägt den Knoten nicht durch und begeht keinen denkerischen Kurzschluss, sondern sie hält die Spannung aus. Sie sagt: Die Konkurrenz und der Kampf ums Dasein sind nicht ursprünglich. „Gott hat den Tod nicht gemacht.“ (Weish 1,17) Und wenn das so ist, dann kann Gott den Tod auch wieder aufheben. Symbol dafür ist die Rose: Gott pflanzt auf dem toten Baumstumpf eine Rose und gibt so ein Zeichen für den Neu-Anfang, für die neue Schöpfung. So sehen wir in diesem Bild sowohl das Rätsel als auch die Auflösung. Die Rose ist das Zeichen der Liebe. Die Liebe kommt von oben: „Sie ist nicht von dieser Welt, die Liebe, die mich am Leben hält, oh, ohne dich wär’s schlecht um mich bestellt. Denn sie ist nicht von dieser Welt, die Liebe, die mich am Leben hält, oh, ohne dich wär’s schlecht um mich bestellt.“ Warum kommt die Liebe von oben? Weil sie Eigenschaften besitzt, die in dieser Welt sonst nicht vorkommen. Die Welt ist bestimmt von Egoismus, vom Kampf und vom Recht des Stärkeren, vom Ellenbogen. Das sehen wir jetzt z.B. wieder an der Mindestlohndebatte, die verlogener nicht sein kann. Da wollen die einen die Löhne drücken, um den Profit der Aktionäre zu steigern; die anderen wollen an die politische Macht und suggerieren den Wählern, sie könnten durch ihre Stimmabgabe ihren Lohn erhöhen – was eine Irreführung ist. Doch ganz gleich, wer das spricht: Immer dreht es sich um das eine: Macht und Geld – ums Überleben auf Kosten der anderen. Die Liebe stört in diesem Diskurs – sie wird ins Private abgeschoben. Das Leben wird offenbar nicht durch die Liebe bestimmt, sondern durch Geld und Macht. Darum ist es wahr: Die Liebe ist nicht von dieser Welt. Der Apostel Paulus hat damals zwei Fragen gestellt: Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt? (Röm 10.14) – Wir müssen heute folgende ganz verwandten Fragen stellen: Wie sollen die Menschen auf einen göttlichen Erlöser hoffen, wenn sie gar nicht auf die Idee kommen, dass es eine andere Hoffnung geben könnte als die auf den ökonomischen und technischen Fortschritt? Und woher sollen sie diese Idee haben, wenn ihnen alle Welt einredet, dass das Leben nicht mehr ist als ein zeitlich befristeter Kampf ums Dasein? Das ist in der Tat der Punkt, wo wir ansetzen müssen: Woher kommt diese Idee, die im Symbol der Rose auf dem toten Baumstumpf dargestellt ist? Sie wird von vielen belächelt als romantische Träumerei, von anderen zynisch verachtet als Vernebelung des Geistes. Und nicht wenige waren früher einmal von dieser Idee beseelt, wurden aber so oft enttäuscht, dass sie sie nun gewaltsam aus ihrer Seele herausgerissen haben und seitdem ihr Leben hassen und am liebsten wegwerfen würden. Was Not tut, ist eine Infragestellung und Widerlegung dieser Stimmen. Für manche genügt es vielleicht, das Altarbild einfach wirken zu lassen, um dann zur Zustimmung zu kommen: Ja, so ist es, „die Liebe ist nicht von dieser Welt, die Liebe, die mich am Leben hält.“ Wer darüber hinaus Vernunftgründe sucht, sich dieser Einsicht anzuschließen, der möge einmal die Logik der Zyniker in Augenschein nehmen. Wie argumentieren die denn eigentlich? Und dann sieht man sehr bald, dass hier immer aus der Machtperspektive argumentiert wird: Ein einzelnes Ich oder eine kleine Gruppe möchte sich ihr Überleben auf Kosten der Allgemeinheit sichern. Die Botschaft an die anderen lautet entweder einschmeichelnd: „Schließt euch unserem Denken an, dann bekommt ihr vielleicht auch etwas von dem Kuchen mit!“ Oder sie kommt mit Einschüchterungen daher: „Wagt es bloß nicht, unser Denken zu kritisieren! Wir haben die ganze Macht von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf unserer Seite! Also fügt euch und haltet still!“ – Doch was ist eine solche Rede wert? Nichts! Alle, die so sprechen, werden genauso sterben, wie diejenigen, die dadurch überredet oder eingeschüchtert werden sollen. Der Psalmist hat dafür folgende Worte: „Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. «Lasst uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!» Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie. Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn, in seinem Grimm wird er sie erschrecken: «Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.» (Ps 2,1-6) Liebe Gemeinde, lassen wir uns nicht einschüchtern! Lassen wir uns nicht die Hoffnung rauben, die uns so viele Jahre schon getragen hat! Hören wir nicht auf die lauten Stimmen, die doch nur von ihrem eigenen Vorteil gespeist sind! Sondern hören wir wieder auf die leise Verheißung der Bibel, die uns verkündet: „Immanuel – Gott ist mit uns!“ Gott hat den Tod nicht gemacht, Gott hat die Konkurrenz und den Unfrieden nicht gemacht, sondern Gott will, dass alle leben und in Frieden und in Fülle leben. Das ist unsere Hoffnung.

3. Predigtvorschlag

von Pfr. Dr. Axel Schmidt (erstellt: 2004)

Liebe Gemeinde!

Wir können Lesung und Evangelium heute so verstehen, daß uns zwei Identifikationsgestalten vorgestellt werden, eine negative und eine positive, nämlich Ahas und Josef. Ahas ist ein Verstandesmensch, dem die Knie weich werden angesichts der drohenden Gefahr, die er aufkommen sieht; Josef ist ein Mensch des Herzens, der sich angesichts der Durchkreuzung seines Lebensentwurfs um so mehr an Gott bindet und auf ihn vertraut. Ahas ist der König von Juda, gegen ihn erheben sich der König von Aram und der König des Nordreichs Israel, um ihn von Thron zu stürzen. Ahas, zu dieser Zeit kaum zwanzig Jahre alt, kann sich Abhilfe nur durch Diplomatie und militärische Allianzen vorstellen, und so wendet er sich an die Großmacht Assur, anstatt – dem Wort des Propheten Jesajas gemäß – sein Vertrauen allein auf die Treue und Macht Gottes zu setzen. Im Buch Jesaja heißt es: Als Ahas von der Verschwörung erfuhr, „da zitterte das Herz des Königs und das Herz seines Volkes, wie die Bäume des Waldes im Wind zittern“. (Jes 7,2) Die scheinbare Sicherheit ist dahin, Illusionen sind nicht mehr möglich, es geht dem Ende zu! Ein gottvergessener Mensch wie Ahas kann da nur vor Angst erzittern, und er zieht auch noch sein ganzes Volk in die Resignation und Mutlosigkeit hinein.

Kennen wir das nicht? Ein von allen Seiten heranschleichendes Gefühl der Depression, ein Raunen ringsum: „Es geht alles den Bach runter. Alles wird schlimmer: Der Staat ist pleite, die Sozialversicherung ausgeplündert, Anstand und Sitte verschwinden.“ – Ich möchte das Lied des Jammerns gar nicht so ausführlich zitieren, nur daran erinnern, daß uns die Gefühlslage des Ahas bzw. des von ihm beeinflußten Volkes gar nicht so fremd ist. So wie damals Ahas trifft uns heute das Wort des Propheten: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ – Im Hebräischen ein Wortspiel: im lo ta’aminu, ki lo ta’amenu. Darin steckt das Wort „Amen“. Man könnte das Wortspiel etwa so wiedergeben: „Wer nicht Amen erklärt, der nicht Amen erfährt.“ Oder: „Wenn ihr euch nicht festmacht, werdet ihr nicht fest bleiben.“ Wir stehen vor der Wahl: Wie Ahas das Amen, den Glauben an Gott verweigern und nur auf menschliche Weisheit setzen, oder unser Vertrauen auf Gott setzen und uns in ihm festmachen. Gewiß, die Feinde sind heute andere als vor 2800 Jahren, aber die Bedrängnis ist ähnlich. Wir kommen nicht allein gegen die Übermacht der Medien an, die uns desorientieren, die Werte in den Schmutz treten und den Konsum vergötzen.

Ahas war ein König, also jemand, der Entscheidungen treffen und dazu Mittel und Wege abwägen mußte. Ein militärisches Bündnis mit den mächtigen Assyrern lag ihm näher als die Besinnung auf die Bundestreue Gottes. So geht es bis heute allen, die Regierungsverantwortung haben, auch in der Kirche. Irgendwann sieht man die Gefahr, meist viel zu spät, weil man ein ruhiges Leben führen möchte und darum gerne die Augen vor der Wirklichkeit verschließt; und dann werden die Knie weich, und es folgen panikartige Beschlüsse, Reformen, Dienstanweisungen und Ähnliches. Man geht zweifelhafte Bündnisse ein, investiert in totes Kapital, verschanzt sich in protzigen Gebäuden und plant ständig Umstrukturierungen, während man die Menschen nach dem Maß von Maschinen behandelt. Für sich möchte man gern, daß alles so bleibt, wie es war, während man dem Volk einhämmert, es müßte sich daran gewöhnen, daß sich alles verändert und nichts bleibt. Die Kleinen dürfen nicht so egoistisch sein, ihre gewohnten und meist völlig berechtigten Besitzstände bewahren zu wollen - damit die Großen die ihren nicht aufgeben müssen! - So verfahren - von einigen Ausnahmen abgesehen - seit Jahr und Tag die Mächtigen, wenn sie in Bedrängnis kommen. Aber sie werden nicht bleiben, wenn sie nicht glauben! Auch die Kirche kann nicht bleiben, wenn ihre Führer nicht glauben.

Was mit Glaube gemeint ist, zeigt uns das Gegenbild, der heilige Josef. Er ist wahrhaft in keiner beneidenswerten Situation. Die Entdeckung, daß Maria ein uneheliches Kind erwartete, war für ihn eine Katastrophe. Was werden die Nachbarn sagen? Das Gespött der Gassenjungen steht ihm vor Augen! Er könnte Maria anzeigen, ihr den Prozeß machen; dann wäre sie nach jüdischem Recht gesteinigt worden und er hätte seine Haut gerettet. Doch das fällt ihm nicht ein. Er will seine Verlobte nicht bloßstellen, sondern sie heimlich entlassen. Erst in seinem Inneren (im Traum) wird ihm Klarheit geschenkt. „... er tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1,24) Er nimmt seine Braut zu sich mit dem Geheimnis ihrer Mutterschaft. Er tut, was Gott ihm befohlen hat. Was er tut, ist reinster Gehorsam des Glaubens. Weil er sich in Gott festmacht, denkt er nicht zuerst an sich, sondern zuerst an Maria und das Kind und daran, was diesen beiden gut tut. Sein Glaube gibt ihm die nötige Gewißheit, daß Gott schon für ihn sorgen wird, und so sorgt er sich in äußerster Hingabe um das Kind und seine Mutter.

Aus dem Glauben entspringt sogleich die Tat. Er jammert und klagt nicht, sucht keine Schuldigen, sondern er handelt. „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.“ – Von Josef ist kein einziges Wort überliefert, aber es wird betont, daß er tat, was Gott ihn erkennen ließ. Er tut schlicht und selbstverständlich, was Gottes Wille ist. Auch das gehört zum Glauben. Der Verstand begreift oft nicht die verwirrenden Rätsel des Lebens. Der Glaubende läßt sich auf das Wort der Verheißung ein, auch wenn er es nicht durchschaut.

Wir haben uns die beiden Antitypen ein wenig vor Augen gestellt: Ahas und Josef. Der erste sucht nur sein eigenes Interesse, Josef allein das Interesse der ihm Anvertrauten. Wir stehen vor der Wahl. Die große Wende in der Bedrängnis hat Gott durch das Kind gewirkt, das deshalb den Namen IMMANUEL trägt, Gott ist mit uns. Die Wende wurde ermöglicht durch den Glauben von Josef und Maria, während das angstvolle Taktieren eines Ahas die Bedrängnis weiter verschlimmerte. – Wie ernst ist es uns mit unserm Rufen: O komm, Immanuel?

4. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder,

Augustinus, ein mutiger und kluger Mann der frühen Christenheit, hat einmal ein wunderbares Wort gesagt: Gott, der Dich erschaffen hat, ohne Dich zu fragen, will Dich nicht ohne Deine Zustimmung erlösen.

Gott hat mich so geschaffen, wie ich bin. Und es wäre auch kaum möglich gewesen, dass er mich dazu um meine Zustimmung gefragt hätte. Ich habe meine vielen Fähigkeiten bekommen, weil der gute Vater mich für eine ganz bestimmte Zeit und eine ganz bestimmte Aufgabe geschaffen hat. Wenn ich diese entdecke und wahrnehme, bin ich in der Lage, ein Leben ganz im Einklang mit mir und mit Gott zu führen.

Aber leider bin ich nicht mehr so ganz, wie Gott mich haben will. Denn in jedem Menschen steckt auch die Neigung, sich entgegen Gottes Vorstellungen zu verändern. Und das macht es mittlerweile so schwierig, Gottes Plan für mich zu entdecken. Und manchmal, wenn ich mir trotzdem ziemlich sicher bin, erkannt zu haben, was Gott von mir möchte - manchmal will ich dann diesen Einklang mit mir und Gott nicht - weil mir der zweifelhafte Einklang mit dem Zeitgeist, der Mode, dem Trend unserer Zeit lieber ist.

Es ist schwierig geworden, wenn nicht sogar unmöglich, aus uns selbst heraus in die gottgewollte Lebensbahn zu geraten. Da würden wir uns zwar pudelwohl fühlen - aber Irrwege haben offensichtlich auch ihren Reiz.

Dafür hat Gott aber seinen Sohn gesandt: Damit er mich an die Hand nimmt und ich mit seiner Hilfe - heute vermittelt durch die Kirche - den richtigen Weg zu finden. Nur: Dazu möchte Gott nun doch mein Ja. Gott, der mich erschaffen hat, ohne mich zu fragen, will mich nicht ohne meine Zustimmung erlösen.
Weihnachten kann erst werden, wenn wir im Advent unser Ja zu Gott sprechen.

Nur: Wir sollen wir zu Gottes Hilfe Ja sagen, wenn wir schon zu ihm selbst sooft unser Nein sprechen? Wie können wir Gottes Erlösung in Anspruch nehmen, wenn wir ihn selbst sooft aus den Augen verloren haben?

Liebe Schwestern und Brüder, Maria ist die adventliche Person unseres Glaubens schlechthin. Denn sie hat das Ja gesprochen, das keinen Abstrich hat, keine Einschränkung. Weil sie vom Anfang ihres Lebens an von Gott schon in seine Nähe geholt wurde. Gott hat sie so geführt, dass sie nie einen Irrweg gegangen ist. Diesen Glauben nennen wir «Die Unbefleckte Empfängnis», ein Fest, das nicht nur zufällig in den Advent fällt.
(Damit ist selbstverständlich nicht die Empfängnis Jesu gemeint, weil sie ohne einen Mann geschah. So, als sei der eheliche Akt etwas befleckendes. Nein, unbefleckte Empfängnis heißt, dass Maria vom Anfang ihres Dasein an ganz mit Gott gelebt hat).

Marienfrömmigkeit ist also mehr als nur ein volkstümliches Element unseres Glaubens. Nur in Maria können wir unser Ja zu Gott sprechen. Nur in Maria können wir um Gottes Beistand bitten. Und deshalb ist Maria auch die zentrale Person des letzten Adventssonntages. An Weihnachten tritt sie dann zurück, und wir feiern den Herrn selbst. Der Weg dahin aber führt über die Mutter des Herrn.

Maria ist in der modernen Kirche nicht mehr sonderlich attraktiv. Ich weiß nicht, warum. Aber in der Priesterausbildung der 80er Jahre war ein rosenkranzbetender Priesteramtskandidat verdächtig und musst mit Schwierigkeiten rechnen. Mich hat das immer an die Herbergssuche erinnert: Denn nicht Jesus war dort auf der Suche nach einer Unterkunft, sondern Maria. Und Maria wurde abgewiesen, immer wieder, bis sie nicht mehr wusste, wohin sie gehen sollte. Dass mit Maria auch der Erlöser der Welt abgewiesen wurde, hat sich wohl keiner der Wirtsleute vorstellen können.

Nehmen wir uns das Bild zu Herzen und öffnen auch dieser großen Gestalt der Weihnacht unsere Türen. Nur so sprechen wir auch Ihr Ja. Amen.

5. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder

Letzten Dienstag war ich wieder im Internet, im Kirchenchat in funcity, wo einer die Bemerkung machte: "In Geschichte könnt ihr mir nichts vormachen, darin bin ich allwissend" Daraufhin fragte ich ihn, ob er Lehrer sei, "Nein, Schüler" - "Also" - meinte ich könne er anscheinend doch noch etwas in Geschichte lernen. Im Verlaufe des Gesprächs zeigte sich dann auch sehr bald, dass er zumindest in der Kirchengeschichte vieles verdreht hatte.

Ich habe oft das Gefühl, dass sich viele Menschen in unserer Gesellschaft ebenso für allwissend und unbelehrbar halten. Frei nach dem Motto der heutigen Lesung: "Ihr seid die von Gott berufenen Heiligen". Viele bleiben heute bei diesem Gedanken stehen. Wer sich diese Einleitung des Römerbriefes zu Eigen macht, sollte dann aber auch den folgenden Brief lesen. Sagen sie sich doch heute (morgen) nachmittag einmal: Der Gottesdienst heute morgen (gestern Abend) hätte auch 60 Minuten dauern können, stattdessen waren es nur 50 - die gesparten 10 Minuten investiere ich in den Römerbrief, ich fang einfach mal an, ihn zu lesen (Vorsicht - der Römerbrief ist mit das Schwerste was die Bibel zu bieten hat - um so mehr Weisheit steckt jedoch auch darin) Und wenn sie dann nach 30 Minuten merken sollten: oh - schon 20 Minuten zulange gelesen - und sie haben sowieso nur vor, den Fernseher anzustellen, - lesen sie weiter - das ist Advent! Advent - Vorbereiten auf das Kommen Christi. Nicht der äußere Schmuck: das verzierte Haus, die leckeren Plätzchen, der schnurgerade Tannenbaum ist maßgeblich, sondern dass das Herz bereitet ist. Und das geht nur, wenn wir uns dafür auch Zeit nehmen. Heute ist Sonntag - Tag des Herrn! Wenn die Vorbereitung in der Advetnszeit zu kurz gekommen ist, dann geben sie der Einkehr zumindest heute eine Chance. Eine Bibel dürfte sich wohl in jedem Haushalt finden lassen. Wenn nicht - ich hab noch ein paar. Wenn Sie es nicht tun, die Sie heute hier sind, wer soll denn dann Gott in sein Herz lassen. Die, die diesen Sonntag nicht da sind, weil sie in der nächsten Woche ja schon 2x zur Kirche müssen? Oder wir Priester, es sei ja unser Job? Nein - Ihr seid von Jesus Christus berufen, ihr seid die berufenen Heiligen. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen die Botschaft der Erlösung zu bringen - ähnlich wie der Engel zu Josef: Fürchte Dich nicht - Gott ist mit uns. Den Menschen, denen Arbeitslosigkeit droht, die einen Sterbefall in der Familie zu beklagen haben, die sich finanziell übernommen haben, die dem Alkohol verfallen sind, die sich zerstritten haben, die sich wie Josef von ihrer Frau trennen wollten - sagt Ihr ihnen: Fürchte dich nicht - Gott ist mit uns. Zu schwer - dazu wissen sie zu wenig, da fehlen ihnen die Worte - hier stehen genug drin - lesen sie nach!

Fürbitten

Guter Gott, Du hast Deinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, zu uns gesandt, damit wir zu Dir gelangen können. Dich bitten wir:

  • Schenke uns die Wachsamkeit der Augen: Dass wir sehen, wo Du uns begegnen willst.
  • Schenke uns die Wachsamkeit der Ohren: Dass wir im Lärmen dieser Zeit Deine Stimme hören können.
  • Schenke uns die Wachsamkeit der Herzen: Dass wir nicht verschlossen für Menschen, die an unsere Tür klopfen.
  • Schenke uns die Wachsamkeit unserer Hände: Dass wir geben, wenn wir Not sehen, und dass wir empfangen, wenn Du uns beschenken willst.
  • Schenke uns die Wachsamkeit des Gebetes: Dass wir im Beten standhaft bleiben und die Nähe zu Dir suchen.

Gott, unser Vater, Du willst in unserem Leben Gestalt annehmen, damit wir am Ende unserer Zeit zu Dir gelangen. Sei uns nahe in Deiner Kirche und unserem Leben. Darum bitten wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.