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Predigtvorschläge - 05. Sonntag der Fastenzeit (Lesejahr A)
1. Predigtvorschlag

von Pfr. Dr. Axel Schmidt (erstellt: 2008)

Liebe Gemeinde!

Liebe und Tod bestimmen unser Leben existentiell. Wir verdanken uns der Liebe unserer Eltern, wir gehen selbst Beziehungen ein und finden Freunde, die wir lieben. Kein Mensch kann leben ohne Beziehungen: ohne einen anderen Menschen zu lieben und selbst geliebt zu werden. Nur in gelebten Beziehungen wird unser Leben lebenswert – und doch liegt darin zugleich eine tiefe Quelle des Schmerzes, denn wir können keinen Menschen unbegrenzt lange festhalten. Der Tod macht immer wieder einen Strich durch unsere Rechnung, durch unsere Liebe.

Wann immer wir dem Tod begegnen, erhebt sich die bedrängende Frage: Was ist das für ein Gott, der uns das Leben schenkt, aber nur auf Zeit? Der es uns doch wieder wegnimmt? Wir reden manch­mal von Gottes Hand: „Wir ruhen all in Gottes Hand...“ Doch dann wird der Zweifel stark: Sind Gottes Hände vielleicht kalt, erbarmungslos und schrecklich? Warum sind diese Hände manchmal so fordernd, warum nehmen sie uns weg, was wir selber doch so gern in den Händen behalten hätten?

Wir können dieser Frage nicht ausweichen, wenn ein Mensch, den wir geliebt haben, stirbt. Warum? – so fragen wir dann. „Wo warst du, Gott? – „Wärst du hier gewesen, dann wäre dieser Mensch nicht gestorben.“

Was ist die Antwort Gottes auf diese Frage? Er hat sie in seinem Sohn gegeben. Jesus selbst musste diese vorwurfsvolle Frage anhören angesichts des Todes seines Freundes Lazarus. Er hat Lazarus wirklich geliebt – so wie ein Mensch eben einen anderen lieben kann. Und darum war er im Innersten erregt und erschüttert. Jesus hat geweint über den Tod seines Freundes. – Gott weint in seinem Sohn über das Schicksal des Todes, das Trennung und endgültigen Abschied bedeutet. Er bleibt nicht teilnahmslos daneben stehen, er durchlebt selber dieses Dunkel der Verlassenheit. Ja, er ist selber in die tiefste Finsternis hinabgestiegen – bis hin zum verzweifelten Aufschrei: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – Denn er will uns das Schicksal nicht einfach von oben herab diktieren: „Ich weiß schon, was für euch gut ist....“ Jesus kostet es selbst aus, dass der Wille des Vater oft unerbittlich ist, scheinbar gnadenlos, aber er betet: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Jesus begegnet dem Tod seines Freundes kurz vor seinem eigenen Todesschicksal. Seine Erregung wächst, denn er steht der Macht gegenüber, gegen die er gesendet ist. Die Liebe begegnet ihrem größten Feind, dem Tod. Und hier soll sich ein erstes Mal zeigen, dass die Liebesmacht größer ist als der Tod. Jesus ruft mit gewaltiger Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ In der Tiefe seines Geistes geht ein Kampf vor sich, ein Kampf, der deswegen so heftig ist,

  • weil es nicht nur um den Tod allein geht, sondern um die Sünde, die den Tod gebiert und im Tode herrscht,
  • weil die Sünde noch schwerer zu besiegen ist als der Tod,
  • und weil sie den Opfertod des Gerechten einfordert. Jesus weiß genau, dass er auf diesen Gigantenkampf zugeht, den Kampf der Liebe mit der Sünde, die sein Leben kosten wird.

Und in Vorwegnahme dieses Kampfes, der schließlich zum Sieg über Tod und Sünde führen wird, kann Jesus den Lazarus zum Leben erwecken: „Lazarus, komm heraus!“

Darum kann er auch zu Marta das großartige Offenbarungswort sprechen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Er sagt nicht: Ich wirke die Auferstehung, ich gebe das Leben – er sagt: „Ich bin“. Jesus offenbart sein Geheimnis: dass er das Leben selber ist, der wahre Sohn Gottes, der das Leben in sich hat und der es freiwillig geben kann, um es wieder zu nehmen (vgl. Joh 5,26; 10,18).

Antworten wir auf diese Offenbarung mit unserem Glaubensbekenntnis zu Jesus – so wie Marta, die sagte: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“

2. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder,

entschuldigen Sie, wenn ich es Ihnen so direkt sage: Sie sind alle des Todes. Jeder von Ihnen, der hier sitzt, kann dem Tod nicht entgehen. Sie alle müssen sterben.
Und das nicht nur im leiblichen Sinne: Auch geistig - geistlich geht es mit Ihnen zu Ende. Jede Sünde, die Sie begehen, tötet das Leben in Ihnen. Und, da gibt es kein Vertun, Sie sündigen. Unaufhörlich. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Aber wir verspüren eine Sehnsucht nach Leben in uns. Keiner von uns will vermutlich sterben. Alle wollen wir leben! Das kann und darf nicht sein, dass wir alle zugrunde gehen. Wir ringen um das Leben: Wellness, Massage, Frischzellen, rechtsdrehende Milchsäurebakterien, Lactose, Calcium und Fluor - wir wollen nicht nur nicht sterben, sondern auch nicht älter werden. Aber, wir wissen es alle: Nichts davon wird uns retten können. Sterben werden wir trotz unserer Sehnsucht. Die Frage ist nur, was uns eher ereilt: Der körperliche oder der innere Tod.

So betrachtet Ezechiel in der Lesung auch ganz folgerichtig die Menschen, die ihm zuhören, als im Grunde tote Menschen: "Ich hole Euch heraus aus Euren Gräbern!" sagt er. Und damit sind wir bei der entscheidenden Wende meiner Predigt: Sie sind alle des Todes - aber es gibt Rettung.

Jesus ist der Lebensbringer. Marta bringt es im Evangelium auf den Punkt: "Du bist die Auferstehung und das Leben!" Er kann uns neues Leben einhauchen, Sünde vergeben und uns erfüllen. Hier ist der, der den Tod besiegt hat! Was müssen doch die Menschen, die sich nichts anderes ersehnen als eine solche Botschaft, eine solche Rettung, zu ihm strömen! Volle Kirchen, Gedränge bei der Anbetung...

Aber nichts davon. Die Menschen, die sich so sehr nach dem Leben sehnen, hören und glauben dem nicht, der sagt: «Ich bin es! Ich bin das Leben für Dich!»

Wenn ich heute Abend Besuch von Halle Berry bekomme - oder von Heidi Klum, Keanu Reeves oder Michael Ballack - ja, dann wäre mein Haus voll. Jeder will dabei sein, jeder will vom Glanz dieser Menschen etwas abhaben, daran teilhaben.
Hier, auf dem Altar, ist einer, der mehr ist als Heidi Klum und schöner alks Halle Berry - aber wo bleiben sie? Die Menschen?

Warum glauben Sie, dass es wichtiger wäre, Halle Berry zu begegnen als dem, dessen Abbild sie bloß ist? Vielleicht, weil sie meinen: Gott ist immer da, da kann ich auch noch morgen, nächste Wochen oder am Ende meines Lebens hin. Ja, lieber Pastor, wenn Heidi Klum nur für eine Stunde bei Dir zu Gast ist, dann ist das Gedränge groß. Aber wenn sie ab heute Deine Haushälterin wäre, dann könnte man ja jederzeit kommen. So ist das auch mit Gott.
Ja - aber wenn ich heute nicht komme, vielleicht noch nicht einmal morgen - wer weiß, ob ich dann überhaupt noch lebe, wenn es soweit ist? Sind Sie sicher, dass sie am Ende Ihres körperlichen Lebens überhaupt nicht schon geistig längst tot sind? Und vielleicht schon nächste Woche keine Kraft mehr haben, dem zu begegnen, der sie herausruft?

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum trotz der Sehnsucht nach Leben der alleine bleibt, der Leben verheißt:
Die Menschen glauben nicht, dass die Nähe Gottes wirklich erfüllt. Ein Zeit der Anbetung ist für sie verlorene Zeit - verlorenes Leben. Und genau das wollen sie doch vermeiden - Leben verschwenden. Die Menschen glauben nicht, dass ein Gottesdienst wirklich lebendig macht. Jede Messe ist für sie tot-langweilig. Dabei wollen sie doch das pralle Leben. Die Menschen glauben nicht, dass der Einsatz für Menschen, die unsere Hilfe brauchen, unserem Leben wieder Halt und Sinn geben können. Für andere dazusein heißt ja, sich selbst hinten an zu stellen. Und genau das wollen Sie nicht.

Die Menschen fühlen in der Nähe Gottes nicht, dass er das Leben ist. Das Leben fühlen kann man viel besser bei Wellnessangeboten, bei Fußballspielen oder in der Nähe von Heidi Klum. Ersatzbefriedigung nennen wir das: Wir fühlen uns besser - obwohl wir wissen, dass nichts davon unser Leben retten kann.

Jesus ruft uns da heraus, heraus aus dieser Höhle, die wir mit bunten Plakaten versucht haben, netter aussehen zu lassen. Mit Prospekten vom Otto-Versand oder Neckermann-Reisen - es bleibt eine Grabeshöhle, in der wir leben. "Komm heraus, Lazarus! Komm heraus, Junge, Mädchen! Komm heraus, lieber Christ!" Jesus ruft uns - genau zu den Dingen, die die Welt nicht haben will: Zur Anbetung, zum Gottesdienst, zur Nächstenliebe.

Auch wenn uns eine Stunde der Anbetung todlangweilig erscheint, weil uns plötzlich die bunten Höhlenwände unseres Grabes fehlen - es ist ein Anfang gemacht. Ein kleines Samenkorn des Lebens wird uns ins Grab gelegt. Auch, wenn die Messe reine Zeitverschwendung zu sein scheint: Es ist letztlich das Leben Jesu, das an uns "verschwendet" wird. Letztlich finden wir nur dort und im Dienst am Nächsten das Leben. Nirgendwo sonst.

Liebe Schwestern und Brüder - kommt heraus aus Euren Höhlen! Kommt und lebt! Kommt heraus aus Eurem buntgemalten Grab! Hört den Ruf Jesu und folgt ihm!

Amen.

3. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder, die Erweckung des Lazarus ist das letzte der fünf großen Evangelien, die wir in der Fastenzeit als Kurz-Katechesen gehört haben. Im Gegensatz zu den zahlreichen Wunderberichten in den anderen Evangelien berichtet uns Johannes nur von sieben großen Wundern - und darunter ist die Erweckung des Lazarus das letzte und größte Zeichen. Wenig später zieht Jesus in Jerusalem ein.

Die Auferstehung von den Toten ist das eindeutigste Zeichen der Göttlichkeit Jesu. Nur wer selbst Herr über Leben und Tod ist, kann andere aus dem Tod zum Leben führen. Am Ende heißt es, dass viele Juden, die gesehen hatten, was Jesus getan hatte, zum Glauben kamen. Während sie vielleicht bei anderen Wundern noch zweifelten - nach anderen Erklärungen suchten -, ist jetzt für die, die glauben wollen, die Beweislage klar: Jesus muss «der Messias sein, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen sollte».

Dazu dürfte aber nicht nur die große Macht Jesu geführt haben. Der Herr über Leben und Tod wird uns in diesem Evangelium nämlich auch noch auf eine ganz andere Art und Weise vorgestellt - die vielleicht genauso einmalig und großartig ist:

Jesus weint.

Die Großartigkeit Gottes zeigt sich nämlich nicht nur in seiner Erhabenheit über die dunkle Macht des Todes. Die Größe Gottes liegt hier vor allem auch in seiner Fähigkeit, mitzufühlen. Mitzutrauern. Mitzuweinen.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht haben sie auch manchmal den Eindruck, regelrecht ausgespannt zu sein zwischen den Realität unseres Lebens und den Gewissheiten des Glaubens:
Auf der einen Seite die Überzeugung, dass das, was nach dem Tod kommt, alle unserer Erwartungen übertrifft - und gleichzeitig der Wunsch, möglichst lange auf dieser Erde zu leben.
Auf der einen Seite die Gewissheit, das mit dem Tod nicht alles aus ist - und auf der anderen Seite die Angst davor, sich in dieses Schicksal zu fügen.
Vielleicht haben Sie auch hier und da das Gefühl, dass dieser Gott Ihnen zu hoch ist - zu groß und zu mächtig, zu weit weg von ihren eigenen Gefühlen und Sorgen.

Gerade deshalb liegt die Größe dieses Wunders nicht allein in der Machtfülle, die hier offenbar wird, sondern auch in der beeindruckenden Art und Weise, wie Jesus Anteil nimmt.

Jesus hat nicht nur für uns gelitten - wie wir am Karfreitag hören - er hat leidet auch mit uns. Er ist uns näher, als wir selbst es uns sind. Er kennt unsere Ängste - und er fürchtet mit uns. Er kennt unsere leisen Gefühle - und er fühlt mit uns. Er kennt unsere Sehnsucht nach einem Gott, der uns wirklich nahe ist.

Wenn wir am heutigen Sonntag das 40-stündige Gebet feiern, dann ist das ein Fest der Nähe Gottes. Wir haben einen Gott, der weiß, was in uns vorgeht, weil er hier mitten unter uns lebt.

Und wir haben einen Gott, der durch uns anderen Menschen nahe sein will: Deshalb verträgt sich der Gedanke der Nächstenliebe, den mir am heutigen Misereor-Sonntag feiern, sehr wohl mit der Anbetung. Gott ist uns nahe - und so können wir anderen Seine Nähe weitergeben.

Gott in unserer Nähe zu haben ist ein gutes Gefühl. Amen.

4. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Als letztes der vier Evangelien hören wir heute vom Christusbild des Johannes - Evangeliums. Der Kern des Evangeliums geht wahrscheinlich auf Johannes zurück, den Jünger, den Jesus liebte. Es ist als letztes der vier entstanden, so ca. 90 - 100 nach Christi Geburt. Wie die anderen vier ist es konkret für eine Gemeinde geschrieben. „Damit ihr glaubt, daß Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist." Damit sind sicherlich nicht Außenstehende gemeint, die durch die Evangeliumsschrift erst für den Glauben gewonnen werden sollten, sondern damit ist ganz klar die christliche Gemeinde angesprochen. Da es ca. 20 Jahre nach den anderen drei Evangelien entstanden ist, ist es stärker als die anderen auf die ausgerichtet, die Jesus nicht mehr persönlich kennen gelernt haben, auf die, wie Johannes es schreibt, „die nicht sehen und doch glauben". Somit hat es auch für uns heute eine ganz besondere Bedeutung.

Und doch fällt es uns heute schwer, gerade dieses Evangelium zu lesen und zu verstehen. Mk, Mt und Lk werden die drei Synoptiker genannt, da sie sehr viel parallel - also sehr ähnlich von Jesus berichten. Sie schrieben, wie Jesus sich den Armen und Unterdrückten, den Ausgestoßenen und Sündern zuwendet. Da fällt es uns leicht, uns mit diesen zu identifizieren, und somit zu sehen, wie Gott sich in diesen Gleichnissen auch uns zuwendet. Bei Johannes ist vom Erbarmen Jesu viel weniger die Rede. Aus der größeren zeitlichen Distanz ist es für ihn nicht so wichtig, daß Gott in Jesus Christus dem Menschen seine Zuwendung zeigt, die er uns dann im Paradies, nach dem Endgericht in vollem Umfang zufließen läßt. Für Johannes ist besonders bedeutungsvoll, daß Gott selbst auf Erden gekommen ist; das Endgericht ist zweitrangig, der einst am Ende kommende Menschensohn ist schon da, das Leben in Herrlichkeit hat schon jetzt begonnen!

Somit stellt Johannes die Gottessohnschaft Jesu in den Vordergrund. Im Unterschied zu Markus, der die Gottessohnschaft geheim halten läßt, offenbart sich Jesus bei Johannes ganz klar als der Messias und Gottessohn. So fängt das Evangelium schon an: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott." Dieses Wort ist in Jesus Fleisch geworden. Dieses Wort Gottes hat sich jetzt erfüllt.

So wird auch der Passionsbericht zum Ende des Evangeliums, den Johannes uns in größter Ausführlichkeit überliefert, den wir jedes Jahr zu Karfreitag hören, dieser Passionbericht wird zu einem göttlichen Gang. Schon die Verhaftung Jesu ist von diesem johanneischen Christusbild geprägt. Jesus weiß alles, was auf ihn zukommt und tritt dem Verhaftungstrupp souverän entgegen. Das „Ich bin es", mit dem er sich als Jesus von Nazareth zu erkennen gibt, ist zugleich ein Bekenntnis zu seiner Göttlichkeit. Dreimal erklingt dieses „Ich bin es" und sein hoheitsvoller Klang läßt die Soldaten und Pharisäer zu Boden stürzen. Auf den Schwertstreich des Petrus reagiert Jesus mit dem Hinweis, soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?" Als König der Juden angeklagt, bekennt er sich zu seinem Königtum, welches aber nicht von dieser Welt ist. Er ist der Sohn Gottes, der den Tod besiegt und uns dadurch das Leben schafft. Indem Jesus Christus, Gott selbst den Tod besiegt, haben wir das Leben. Und zwar seit diesem Augenblick, nicht erst bei seiner Wiederkunft.

Das Evangelium beginnt mit dieser Aussage und es endet so, und es durchzieht die ganze frohe Botschaft des Johannes. Deutlich machen das beispielhaft die sieben „Ich bin" Worte, die sich über das ganze Johannes - Evangelium verteilen: Ich bin das Brot, das Licht, die Tür, der gute Hirte, der Weinstock, der Weg, die Wahrheit und das Leben, die Auferstehung und das Leben, so haben wir es im heutigen Evangelium gehört: Jesus erweckt Lazarus zum Leben. Er sagt zu Marta: „Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben... Glaubst Du das?" Marta glaubt und Jesus erweckt ihn schon jetzt zum Leben.

Jesus Christus ist derjenige, der uns das Leben schenken kann, jedem der glaubt, hier und jetzt, nicht erst im Endgericht. Durch Jesus Christus ist Gott schon mitten in diesem Leben erfahrbar.

Durch Christus erhält der Mensch die Möglichkeit, seinen Standort zu wechseln, aus der Finsternis zum Licht, vom Tod zum Leben. Die einzige Bedingung ist der Glaube an Ihn. Der Glaube ist die verwandelnde Entscheidung. Durch den Glauben an Jesus Christus können wir schon hier das Leben in Herrlichkeit erhalten.

5. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

"Ihr seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt." So sagt es Paulus den Christen in Rom, und so ist es auch uns heute gesagt. Stimmt das denn? Sind wir wirklich vom Geist Gottes bestimmt? Paulus nennt den Menschen, der nichts hat als sich selber seinen eigenen Geist und seine Anstrengung im Guten wie im Bösen, "Fleisch". Er kommt nicht über seine Grenzen hinaus.

Ich glaube, dass viele Menschen heute so vom Fleisch bestimmt sind, vom materiellen Denken und von sich selbst bestimmt sind.

Bei Euch aber soll es nicht so sein: der Geist hat euch lebendig gemacht, der Geist Gottes hat euch ein ganz anderes Leben ermöglicht: ein Leben, wo das Fleisch, das Materielle nicht unser Glück bestimmt, wo ich mir das Glück nicht selber machen muss, nach dem Motto: "Jeder ist seines Glückes Schmied". Unser Glück liegt darin, von diesem Zwang befreit zu sein und dann frei leben zu können.

Die Fastenzeit will uns genau das vor Augen führen: andere Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren, um den Blick frei zu haben für das, worin das wahre Glück zu finden ist.

Die evangelische Kirche startet in diesen Tagen eine Werbekampagne im Stile von "Wer wird Millionär?" mit Fragen und 4 Antwortmöglichkeiten: "Woran denken sie bei Ostern - a. Ferien, b. Cholesterin, c. Jesu Auferstehung, d. Langeweile in der Familie" (Allerdings gibt es für die richtige Antwort keine Million zu gewinnen) Eine weitere Frage der Anzeigen wird lauten: "Was ist Glück?" - wir finden es in Christus! Wenn ich seinen Geist habe, dann habe ich das Glück, dann gerate ich in Verzückung, so heißt es z.B. bei den 70 Ältesten des Volkes Israel, als sie etwas vom Geist Gottes auferlegt bekommen.

(Für den Kindergottesdienst: Ihr kennt Moses, der vor ein paar Jahren als Prinz von Ägypten in den Kinos lief. Er hat das Volk Israel aus Ägypten heraus, durchs rote Meer und 40 Jahre durch die Wüste geführt (deswegen übrigens auch 40 Tage Fastenzeit) - dabei murren die Leute, haben die Schnauze voll von Gott und Mose - und Mose beschwert sich bei Gott - da sendet Gott seinen Geist auch auf die 70 Ältesten und sie geraten in Verzückung.)

Wenn ich Gottes Geist habe, dann wird mir eine große Gelassenheit geschenkt, eine große Ruhe gegenüber den bisherigen Problemen, da ich mich von Gott getragen und bei ihm geborgen weiß. Stattdessen werden neue Schwerpunkte gesetzt. Es drängt mich dann, gegen die Ungerechtigkeiten der Welt anzugehen, z.B. diesen Sonntag großherzig für Misereor zu spenden, weil diese Menschen in Not unsere Mitmenschen sind, unsere Schwestern und Brüder, wie wir Christen sagen.

Das heutige Evangelium macht es ebenso deutlich, dass Gott unser Glück will. Jesus legt es geradezu darauf an, es seinen Jüngern zu erweisen, dass er uns das wahre Leben schenken will. Lazarus ist krank - doch Jesus lässt sich Zeit - er braucht mindestens 4 Tage, um zu ihm zu kommen, und die Wege sind nicht weit in Israel. Als er ankommt ist Lazarus bereits tot, und als er sagt, dass er leben wird, glaubt seine Schwester Marta zunächst, dass Jesus das ewige Leben meint. Doch Jesus will nicht erst mit dem Leben nach dem Tod beginnen, sondern will uns das Leben schon hier und jetzt schenken, er will schon hier unser Glück, keine Vertröstung aufs Jenseits. Und so erweckt er Lazarus nach vier Tagen Verwesung wieder zum Leben. Das war damals so ungeheuerlich, dass selbst die sonst immer zweifelnden und alles kritisierenden Juden in großer Zahl zum Glauben an ihn kommen.

Und so sind heute auch wir wie Marta gefragt: "Glaubst Du?"

Glaubst Du, dass Jesus Dich zum Leben erwecken kann? Nicht erst im Jenseits, sondern schon hier und Jetzt?
Glaubst Du, dass er Deine verkorksten Szenen im Leben wieder gerade biegt?
Glaubst Du, dass er, wo Du jemanden verletzt hast, neues Leben, neue Freundschaft möglich machen kann?

Er will es - er weint um Dich, so hieß es heute im Evangelium - er weint um Dich, wenn Du sein Angebot ausschlägst.
Er will Dir das Leben schenken - Glaubst Du das?

Fürbitten

Menschfreundlicher Gott, überall auf der Welt gibt es Not und Elend, Armut und Unterdrückung in vielfältigen Formen. Unsere Kräfte reichen nicht aus, die Welt zum Guten zu verändern. Deshalb bitten wir dich:

  • Wehre Du dem Hunger, und lass uns füreinander sein wie stärkendes Brot.
  • Wehre der Unterdrückung, und lass uns füreinander sein wie lebendiges Wasser.
  • Wehre der Krankheit, und lass uns füreinander sein wie eine helfende Hand.
  • Wehre der Gewalt, und lass uns füreinander sein wie eine versöhnende Brücke.
  • Wehre jeder Not, und lass uns füreinander sein wie ein helles Licht.
  • Wehre dem Tod und schenke uns ewiges Leben. Wir feiern diesen Gottesdienst...

Guter Gott, überall auf der Welt sorgen sich Menschen füreinander. Stärke Du unseren guten Willen und unser Bemühen. Erneuere Du unsere Welt durch Deinen guten Geist. Darum bitten wir Dich, durch Christus, unseren Herrn. Amen.