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Predigtvorschläge - 05. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)
1. Predigtvorschlag

von Pfr. Dr. Axel Schmidt (erstellt: 2005)

Liebe Gemeinde!

Am letzten Samstag habe ich auf ein verbreitetes Mißverständnis der Bergpredigt hingewiesen: sie ist weder ein Klagelied über die Mißstände unserer heutigen Welt noch ein ethisches Hochleistungsprogramm. Jesus beginnt seine Predigt überhaupt nicht mit Forderungen und Appellen, sondern mit Seligpreisungen, das heißt mit einem Zuspruch. Er spricht denen, die mit ihm zusammen nach Gerechtigkeit und Liebe dürsten, Trost zu, weil sie nämlich wie er selbst die Erfahrung machen dürfen, inmitten von Armut und Traurigkeit unendlich geliebt zu sein, gehalten und getragen von Gott, unserem Vater, der unsere Sehnsucht kennt und sie ganz gewiß erfüllen wird.

Auch in der Fortsetzung seiner Rede hält Jesus seinen Zuhörern keine Imperative entgegen, sondern spricht ihnen etwas zu, was sie sich wohl kaum selbst zugetraut hätten: „Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt.“ Das Wort vom Salz vergleicht das christliche Leben mit der reinigenden und würzenden Kraft des Salzes, das den Speisen erst Geschmack gibt. Das Salz ist nicht für sich da, sondern um zu würzen. Salz macht die Nahrung schmackhaft, jedoch auf andere Weise als Zucker. Salz beißt, Zucker schmeichelt und versüßt. Den modernen Trends entsprechend, von denen ich vorige Woche gesprochen habe, möchten wir doch wohl lieber der Honig im Kuchen sein als das Salz im Fleisch. Salz oder Sauerteig sein hat immer auch etwas Unangenehmes an sich oder jedenfalls etwas Mühevolles: an das noch Fade und Geschmacklose muß aktiv Hand angelegt werden, um es nach und nach umzuwandeln. Das kann weh tun und Widerstand hervorrufen. Zucker dagegen tut nicht weh, er verklebt, verklärt und verkleistert alle Unstimmigkeiten und versüßt alles Bittere. Die Welt erscheint wie ein Kuchen, dem die Christen den Honig zuführen und von dem sie dann auch nach Herzenslust kosten können, wenn sie sich anpassen und gefügig zeigen. Von Christenverfolgung spricht man da natürlich nicht! – Nun sind wir aber kein Honig im Kuchen, und wenn wir das gleichwohl sein wollen, ist unser Salz bereits schal geworden. Und was tut man damit? Man wirft es weg, denn es taugt wirklich zu rein gar nichts mehr.

Vorige Tage stand in der Zeitung, daß Klaus Esser, der ehemalige Konzernchef von Mannesmann, 200.000 € Schmerzensgeld vom Land Nordrhein-Westfalen gefordert hat, weil man seine Persönlichkeitsrechte verletzt habe, als man ihn wegen unrechtmäßiger Bereicherung vor Gericht stellte. Esser hatte bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone rund 30 Millionen Euro Abfindung erhalten. Es ist schon ein Skandal, daß Esser und die anderen Manager, die insgesamt 111 Millionen Mark in die eigene Tasche gesteckt haben, freigesprochen wurden. Seine Klage gegen das Land Nordrhein-Westfalen ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Wollen wir uns das einfach so gefallen lassen? Wo ist das scharfe, prophetische Salz, das die schreiende Ungerechtigkeit beim Namen nennt und Widerstand ankündigt? Wenn vorwiegend kirchenferne Journalisten und Kabarettisten ihre Stimme erheben und die Kirche schweigt, woran sollen die Menschen dann ihren göttlichen Auftrag erkennen, und welchen Grund sollten sie haben, den himmlischen Vater zu loben? Nach einer Meldung der KNA und der „Wirtschaftswoche“ hatte Esser für seine 60 Millionen Mark Abfindung eine Reduzierung der Kirchensteuer beim Erzbistum Köln beantragt, einen 50-prozentigen Nachlaß in Höhe von etwa 1,3 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft wertete das als Zeichen für die Habgier des Angeklagten. Doch dieser entgegnete, er hätte ja auch aus der Kirche austreten können. „Ich bin mit mir, der Kirche und dem lieben Gott im Reinen“, zitierte die „Wirtschaftswoche“ Esser. Hat ihm keiner ins Gewissen geredet? Nicht einmal die Pharisäer wollten von Judas die 30 Silberlinge zurückhaben, weil Blut daran klebte! (Mt 27,6)

Es ist so viel angenehmer, Zucker und Honig zu sein als scharfes Salz. Und darum nehmen wir lieber das Wort vom Licht auf, weil wir es so leicht verkitschen und verkuscheln können. Wir zünden Kerzen an und fühlen uns wohl. „Alles ist gut“ signalisieren wir nach außen. Aber so hat Jesus das Bildwort nicht gemeint. Das Licht muß gegen die Finsternis ankämpfen, muß aktiv gegen sie angehen. Wir sollen unser Licht in die Dunkelheit hineintragen und es nicht feige unter den Scheffel stellen.

Die Mächtigen sähen es freilich gern, wenn wir Christen das Licht unseres Glaubens für uns behielten. Doch das wäre fatal. Denn wie das Licht nicht für sich, sondern für die Menschen leuchtet, ihnen das Dunkel erhellt und ihnen das Leben ermöglicht, so soll es auch mit dem Licht unseres Glaubens sein. Wir dürfen dieses Licht nicht als Privatbesitz betrachten. Wir dürfen uns als Christen nicht nur selbst wärmen. Christ ist man niemals für sich alleine, sondern immer auch für die anderen: für den anderen, der gerade neben mir steht, lebt, arbeitet, bangt, sucht, leidet und verzweifelt ist.

Wer das Licht eines überzeugend gelebten Glaubens nicht verbirgt, sondern es im Bild gesprochen auf einen Leuchter stellt, der hilft dazu mit, daß es in dieser Welt wärmer und menschlicher wird. Unsere Mitmenschen können dann auf unser Leben aufmerksam werden, das nicht von Egoismus, von Profitgier, von Lüge und Unwahrheit, von Ausgrenzung und Lieblosigkeit bestimmt wird. Wir werden dadurch den Menschen zum Licht der Orientierung werden, die sich nach einer besseren Welt und auch nach einer Kirche sehnen, die dem Auftrag ihres Herrn zum Dienst an den Menschen und der Welt gerecht wird.

Kirche sind wir alle. Deshalb hängt es auch von einem jeden von uns ab, ob wir Licht in der Kirche sind, ob diese Kirche von den Menschen als glaubwürdig erfahren wird, ob sie den Menschen etwas zu sagen hat, ob sie als attraktiv empfunden wird. Es hängt also vom Beispiel eines überzeugend gelebten Glaubens ab, ob wir „Salz der Erde“ und „Licht für die Welt“ sind. Nur ein überzeugend und entschieden gelebtes Christsein bewirkt, daß die Menschen von uns als Christen noch etwas erwarten. Von unserem Glaubensbeispiel hängt es ab, ob die Menschen sich vom Glauben an Jesus Christus gültige Antworten in den letzten und entscheidenden Fragen ihres Lebens erhoffen.

Woher aber kommt uns dieses Licht? Wer gibt uns die Fähigkeit und Kraft, selbst zum Licht zu werden? Wenn Jesus zu uns sagt „Ihr seid das Licht der Welt“ und uns dazu auffordert, in seiner Nachfolge unser Licht vor den Menschen leuchten zu lassen, dann gibt er uns zuerst Anteil an sich selbst. Anteil an sich, der „Licht vom Licht“ ist, dessen Helligkeit auf uns übergreifen kann.
Nur in seinem Licht werden wir das Licht des Lebens haben. Er allein kann von sich selbst sagen: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Mit seinem Beistand und in der Kraft seines Heiligen Geistes wollen wir mit jedem guten Wort und jeder guten Tat dazu beitragen, daß es in unserer Welt heller wird und die Lichter nicht verlöschen.

2. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Im heutigen Evangelium hören wir eine der tröstlichsten Worte, die Jesu uns hinterlassen hat: "Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!" Dahinter steckt keine verborgene Botschaft: "Also, benehmt Euch auch so!" - es ist einfach eine großartige Verheißung, die Jesus seinen Aposteln, seinen Jüngern und damit einem jedem vermacht.

"So soll Euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie Eure guten Werke sehen" wird nämlich nicht durch den Aufruf Jesu ergänzt: "Also, tut mal kräftig Gutes!" - Es ist die feste Überzeugung Jesu, dass wir schon dadurch leuchten, schon dadurch leuchten, indem wir einfach Christen sind. Die guten Werke, von denen er spricht, sind keine großartigen Zusätze, zu denen wir Christen uns aufraffen:
Einfach auf Gott zu vertrauen - das ist ein Gutes Werk, das leuchtet. In der Not zu Gott zu beten - das strahlt aus. Sich seiner Schuld vor Gott bewusst sein - das zieht Kreise. Zu wissen, dass in Jesus unsere Schuld ein Ende hat - das ist heller als jede Dunkelheit.

Dass Jesus uns diesen Mut macht, ist leider nötig. Denn oft genug glauben wir, dass unser Christsein allein nichts bringt. Wir trauen den von Jesus gepriesenen Guten Werken nicht wirklich; und so wird unser Salz schal und unser Licht verborgen:

Einfach an Gott zu glauben - so denken wir - reicht doch nicht aus. Wir suchen nach schlagkräftigen Argumenten, nach genialen Begründungen. Und da wir sie nicht parat haben, verstecken wir unseren Glauben.
Einfach Gott um Verzeihung zu bitten - so denken wir - wird uns doch nur als Heuchelei ausgelegt. Wir glauben ja selbst nicht unbedingt an die Kraft der Beichte, an das Glück der Vergebung und daran, dass Jesus für unsere Sünden gelitten hat. Also verbergen wir unsere Schuld, bis wir selbst nicht mehr daran glauben - und das Salz der Vergebung wird schal. Wer braucht es noch? Es taugt nichts mehr und wird vergessen.
Einfach zum Gottesdienst zu gehen, weil wir Gott mögen, - so denken wir - wird uns doch nur als "Frömmelei" ausgelegt, als hirnloses Verhaftetsein in seltsamen Traditionen. Der Spott und die Verlockungen, frei von Verpflichtungen zu sein, treffen uns - und so gehen wir halt seltener und irgendwann nicht mehr. Schließlich ist unsere Treue zum Sakrament "im Eimer" - wo sie niemandem mehr leuchten kann.

Stellen sie sich vor, ein Nicht-Christ, ein Nicht-glaubender, gibt Ihnen eine Chance und sagt: "Okay, Du hast viel von Deinem Glauben erzählt. Ich möchte Dich einmal begleiten und sehen, was Dein Glaube so zu bieten hat." - Was würden sie mit Ihm unternehmen?

Vermutlich zu einem Mega-Ereignis gehen. Katholikentag. Weltjugendtag. Zu einem besonders peppigen Gottesdienst. Ein Festhochamt - mit Kirchenchor. Oder zu den Schwestern der Mutter Theresa - Nächstenliebe erfahren. Nach Taize. Einem gut besuchten Jugendgottesdienst.

Kämen Sie auf die Idee, einen solchen, ehrlich suchenden Menschen in einen unserer stillen Freitagabendmessen mitzunehmen? Zur sonntäglichen Andacht, zur Anbetung?

Paulus schreibt: "Als ich zu Euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen... ich hatte mich entschlossen, nicht zu wissen außer Jesus Christus." - Paulus weiß - genauso wie die Schwestern von Mutter Theresa - dass wir Gott nicht in der äußeren Gestaltung finden. Sind wir von der Strahlkraft einer stillen Andacht überzeugt? Wissen wir die Leuchtkraft einer schlichten Hl. Messe zu schätzen? Oder glauben wir, dass wir gestalten müssen, um zu gewinnen?

Glauben Sie mir - die wenigsten Menschen haben sich durch eine kluge Predigt, einem genialen Argument oder einem perfekten Christen bekehren lassen. Andre Frossard zum Beispiel, ein überzeugter Atheist und mit sich selbst zufrieden, erfährt seine Bekehrung, indem er rein zufällig eine Kirche betritt, in der nichts anderes geschieht als eine Anbetung. Nach zwei Minuten, so sagt Andre, war er Christ. Nicht, weil er von der Gestaltung so begeistert war, sondern weil Gott in angerührt hat - ohne unser zutun. Nach dem Gottesdienst sagt er seinem Freund: „Ich bin katholisch", und fügt hinzu: „apostolisch, römisch". Einfach so. (Buch: "Gott existiert - ich bin ihm begegnet")

Liebe Schwestern und Brüder, wir sind Licht der Welt - weil Gott in uns leuchtet. Wir leuchten nicht durch die Klugheit unserer Predigt, durch ein vorbildliches Leben, nicht durch die Schönheit unseres Gesanges, nicht durch die Gestaltung unserer Kirche oder Gottesdienste. Alles das ist Ausdruck unseres Glaubens - aber nicht der Grund, warum wir glauben.

Seien wir einfach nur Gott nah; nehmen wir seine Einladungen und Aufforderungen an. Bemühen wir uns um ihn und seine Liebe. Und unser Licht wird heller strahlen als jede Leuchtreklame.

Amen.

3. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir weg wollen von dem «erhobenen Zeigefinger», von dessem Missbrauch ich letzen Sonntag gesprochen habe, dann passt das heutige Evangelium sehr gut. Jesus hält den Menschen in der Bergpredigt keine Gardinenpredigt: Es heißt nicht: «Ihr sollt das Salz der Erde sein», «Seid das Licht der Welt!». Jesus stellt nur fest: «Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!»
Wenn wir glauben und uns im Glauben an Jesus Christus halten - vor allem an das, was er in der Bergpredigt gesagt hat - dann sind wir das Licht der Welt. Allein weil wir die Zusage haben, Kinder Gottes zu sein, schaut die Welt auf uns. Mit aufmerksamen und oft kritischen Augen, missbilligend, aber auch staunend über unser gutes Verhältnis zu Gott.

Nun gibt es aber doch Christen, die genau damit nicht fertig werden. Es gibt Christen, die alles andere sein wollen, nur nicht «Licht für die Welt». Die es nicht haben können, dass andere, die noch auf der Suche nach der Wahrheit sind, auf uns schauen. Die jeden Anspruch leugnen, selbst das Licht der Wahrheit erkannt zu haben.

Sie reden zwar davon, es sei ein Zeichen von Toleranz und Bescheidenheit, sich nicht als Hüter der Wahrheit aufzuspielen. Aber letztlich ist es ja nicht ihr Leistung, die Wahrheit gepachtet zu haben, sondern ein Geschenk Jesu. Kein Mensch kann den Anspruch erheben, alleine recht zu haben. Kein Mensch kann behaupten, die endgültige Antwort geben zu können. Aber Gott kann das doch wohl - oder? Und Jesus Christus ist doch Gottes Sohn und hat uns - wie Paulus sagt - als einziger die Kunde von Gott gebracht.

Jesus hat uns das Licht des Glaubens geschenkt. Und nun kommen wir, und stülpen ein Gefäß darüber, einen Eimer - wie Jesus gesagt hat. Und das nennen wir dann Toleranz und Bescheidenheit. (Ich würde eher sagen, dass das eine Form der Ängstlichkeit ist.)
Ähnliches gilt auch für die Zusage: Ihr seid das Salz der Erde. Wir sind als diejenigen, die Gott zum Leben berufen hat, das Gewissen der Welt. Dem grauen Alltag geben wir Geschmack, dem abgestumpften, faul gewordenen Kompromissen geben wir das Feuer zurück.
Auch das ist nicht immer so ganz einfach und noch lange nicht die Lieblingsaufgabe der Christen. Wer aus seiner eigenen Glaubenserfahrung heraus nicht so werden will wie alle anderen Menschen, der muss sich harte Vorwürfe gefallen lassen: «Ihr seid ja von gestern! Ihr solltet nicht so weltfremd sein! Das könnt ihr doch heute nicht mehr von den Menschen verlangen!»

Und ruckzuck sind wir Christen, wenn wir uns unter diesen Vorwürfen ducken, nicht mehr Salz, sondern nur noch Suppe. Wenn aber das Salz schal wird - womit kann man es wieder salzig mach? Es taugt nicht mehr!
Wenn wir Christen nur noch so sein wollen wie alle - auch eine Form der Ängstlichkeit - dann taugen wir nicht mehr als Christen.

Liebe Schwestern und Brüder, so ist das mit den Verheißungen und Zusagen: Jede Gabe Gottes ist gleichzeitig auch eine Aufgabe, der erfüllt sein will. So ganz lässt sich der erhobene Zeigefinger nicht vermeiden. Aber im Zentrum des Evangeliums steht er nicht - im heutigen Evangelium kommt er z. B. nur in Nebensätzen vor.
Wir können die Ängstlichkeit der Christen nämlich nicht dadurch korrigieren, indem wir uns vorhalten: Du darfst nicht so Ängstlich sein! Vielmehr helfen wir uns gegenseitig über unserer Ängstlichkeiten hinweg - die auch ich immer wieder habe und die mich daran hindern, ein guter Priester zu sein - indem wir uns Mut machen und uns an Gottes Zusage erinnern. Deshalb wurde das Evangelium heute auch wieder verlesen - obwohl sie es sicher alle schon einmal gehört haben. Um uns durch Erinnerung zu ermutigen.
«Du bist das Licht der Welt! Du leuchtest den Menschen, weil Gott dich erleuchtet! Die Menschen preisen Gott, wenn sie deine guten Taten sehen! Du bist derjenige, der einer gottlosen Gesellschaft und Umgebung wieder Geschmack und Freude am Leben gibt. Du bist das Salz der Welt!»

Seien wir dankbar, dass wir eine solche Gabe (Aufgabe) bekommen haben. Und dass wir einander haben, sie zu bewältigen. Amen.

4. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder!

«Teile an die Hungrigen dein Brot aus, nimm die Obdachlosen Armen ins Haus auf, wenn Du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entzieh Dich nicht Deinen Verwandten.» Das meint zumindest Jesaja.

Dass hier die Hungrigen, Obdachlosen, Nackten mit den Verwandten in einem Atemzug genannt werden, mag uns etwas überraschen. Aber Jesaja hat damals wohl gewusst, wovon er spricht: Das sind die, denen wir nicht so gerne helfen.

Ja, wenn Claudia Schiffer an unsere Tür klopfen würde und um einen kleinen Bissen Brot fragen würde, dann wären wir sofort bereit, ein ganzes Buffet aufzufahren! Oder wenn Michael Schumacher klingelt und nach dem Weg fragt, dann steigen wir sofort ein und laufen den ganzen Weg fröhlich pfeifend wieder zurück. So mancher träumt davon, in eine solche glückliche Lage zu kommen. Aber genau das sollte der christliche Normalfall sein: Helfen, weil es uns eine Ehre ist, ein Freude, ein Vergnügen!
Oder stellen sie sich einen junge Mann vor, der das unsagbar Glück hat, dass seine Angebetete vor seinen Augen stürzt und hilflos am Boden liegt! In Nullkomma-Nix ist er dabei, ihr aufzuhelfen und strahlt dabei selber vor Freude.

Ich erinnere mich noch an eine Bergtour in Österreich mit einer Reihe von Jugendlichen, und an den 16-jährigen, der überhaupt keinen Sinn darin sah, auf Berge zu steigen. Die ganze Zeit lag er mir in den Ohren: «Was soll ich da oben? Kann ich denn wenigstens den Rucksack im Bus lassen?» Und wenig später sah ich in von Stein zu Stein hüpfen - mit zwei Rucksäcken! Die ganze Bergsteigerei hatte plötzlich für ihn eine neue Dimension bekommen, weil er den Rucksack einer wirklich sympathische 17-jährigen tragen durfte. Für seine Schwester hätte er das wohl nicht getan.
Das Problem mit der Helferei liegt darin, dass wir gerne helfen, wenn uns die Person, die Hilfe braucht, am Herzen liegt. Und das, liebe Schwestern und Brüder, ist das Geheimnis des christlichen Tuns. In der christlichen Version der zehn Gebote gibt es eben nicht das Gebot der christlichen Helferei, sondern das Gebot der christlichen Nächstenliebe. Wir sollen nicht auf das schauen, was wir tun, sondern auf den, dem wir etwas tun.

Beim Tragen der Last eines des anderen sollen wir immer so wie der 16-jährige von Stein zu Stein springen, weil wir uns freuen, jemandem helfen zu können. Das ist christlich! Nicht darüber nachdenken: "Mein Gott, ist der Rucksack schwer, aber ich muss ihn ja tragen, hat ja Jesus gesagt. Wirklich zu ärgerlich, dass ausgerechnet ich Christ sein muss..." Sondern: "Ist sie nicht nett?! Soll ich vielleicht fragen, ob sie noch einen Rucksack hat?!"

Wenn es in einem christlichen Gedanken heißt: «In jedem, der Deine Hilfe braucht, sollst Du Christus erkennen!», dann hilft uns das heute oft gar nicht weiter. Da gefällt uns das Beispiel: «Stell Dir vor, derjenige, dem Du hilfst, ist Sarah Connor oder Sven Hannawald» schon besser. Weniger hilfreich ist es wahrscheinlich, sich vorzustellen, es sei der eigene Bruder, oder die eigene Schwiegermutter.

Aber gerade dazu werden wir Christen ermutigt: «Zunächst Christus über alles zu lieben!» Das ist der Beginn der wirklich Nächstenliebe: Christus zu lieben! Und dann in jedem Menschen ihn zu erkennen und nicht zu fragen: "Muss ich wirklich?", sondern vielmehr: "Kann ich nicht noch mehr?"

Und manchmal tut es gut, mit dem Schwierigsten anzufangen: Erkennen sie Christus, Gott, den Sie lieben, in ihrer buckeligen Verwandtschaft. Tun Sie ihnen Gutes, weil sie sich freuen, es tun zu dürfen!

Wenn Sie im Nächsten und im Verwandten Christus erkennen, dann, liebe Schwestern und Brüder, sind sie Licht der Welt und Salz der Erde. Und dann haben Sie mehr Freude im Leben, als andere haben bei Korn und Wein und Karneval in Fülle. Amen.

5. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder,

Mit klugen und gewandten Worten", so wünschen sie sich wahrscheinlich, nicht anders als die Leute in Korinth, eine Predigt. Anziehend, spannend und begeisternd soll die Verkündigung von Gott, die Werbung für Christus sein.

Paulus hat da aber so seine Probleme mit in Korinth, wie wir es vorhin in der Lesung gehört haben. Er sagt es ganz deutlich, ich kann keine glänzende Reden halten, oder eine gelehrte Weisheit vortragen. Er will keine Menschen zum Glauben überreden. Seine Aufgabe sah er allein darin, auf Christus zu verweisen. Die Menschen sollten ihm begegnen und dadurch die Kraft und den Geist Gottes erfahren. Paulus hatte sich entschlossen, nichts zu wissen, außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. In dieser Begegnung mit Ihm kann einem aufgehen, wie Gott ist, daß er sich durchsetzt nicht mit dem Einsatz seiner Macht, sondern mit der Kraft seiner Liebe. Am Gekreuzigten kann ich erkennen: Gott siegt nicht, indem er das Böse niedermacht, sondern durch seine Hingabe von innen heraus. Das Böse kann über Christus nicht Herr werden, weil er alles auf Gott, auf die Kraft der Hingabe setzt, weil er bis zum letzten Atemzug sein Leben in die Hände des Vaters legt. In der Begegnung mit Christus wird einem leibhaftig deutlich: indem Gott sich hingibt und schenkt, ist er kraftvoll am Werk in dieser Welt.

Und so auch heute noch: das Leben der Welt liegt nicht in der Hand der Klugen und Mächtigen, der Wirtschaftsbosse und Werbefachleute. Sie liegt auch weiterhin, man mag es kaum glauben und geschweige denn sagen, in der Hand Gottes. Dort, wo nur Machtstreben und Interessenverteidigung, wo allein Wachstum und Gewinnmaximierung gelten, sind die falschen Kräfte am Werk. Dadurch werde ich den Menschen nicht gerecht. Der führende deutsche Wirtschaftszweig, die Autoindustrie hat im letzten Jahr ein sattes Plus von 7% gemacht, die Sparkasse Münster, so war heute in der Zeitung zu lesen, hat ein Umsatzplus von 10% verbucht, und trotz dieses Wirtschaftswachstum steigt die Arbeitslosigkeit im Januar vielleicht auf die höchste seit der Nachkriegszeit, auf über 4 Millionen Menschen. Den Menschen helfe ich durch solches Wachstumsdenken also nicht. Nur dort, wo Hingeben, Teilen und Helfen die letzten Beweggründe sind, dort ist die Kraft Gottes am Werk. Dort wirkt der, der auch heute allein auf der Welt das Ziel, unserem Leben Sinn zu geben vermag.

Hingeben, Teilen und Helfen, davon müssen wir nicht in gewandten und klugen Worten reden, sondern das müssen wir leben. Wir sind das Salz der Erde, sagt Christus. Salz sind wir nicht für uns selber, Salz gibt es nicht um des Salzes wegen, sondern Salz würzt die Speise. Wir seine Jünger, wir Christen sind diejenigen, durch die die Erde ihren Geschmack bekommt. In Holland, wo der Staat ja im ethischen Bereich mittlerweile fast alles erlaubt, rufen die Politiker die Kirche dazu auf, doch mehr für die Werte einzutreten. Recht so, wir sind das Salz der Erde und nicht der Zucker, der alles versüßt. Wenn Salz auf Wunden gelegt wird, schmerzt es, aber es reinigt und heilt auch. Wir haben unsere anstößige christliche Botschaft in die Welt hinein zu tragen. Und zwar nicht durch glänzende Reden und gelehrte Weisheit, sondern durch unser Leben. "Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?" Wenn wir durch unser Leben Christus nicht vergegenwärtigen, wer soll denn dann noch für ein christliches Miteinander sorgen? Wen wir es nicht tun, dann tut es keiner. Wenn wir fad und lau geworden sind, taugen wir zu nichts mehr, dann sollen wir unseren Christentitel lieber in die Ecke werfen und brauchen uns nicht wundern, wenn darauf herum getrampelt wird. Werden wir doch 'mal konkret: würden wir Katholiken in Deutschland nicht abtreiben, sähe das deutsche Abtreibungsrecht wahrscheinlich anders aus. Wären katholische Familien in Deutschland wirkliche Hauskirchen, sähe die Frage um Kreuz in Klassenzimmern anders aus. Hätten Katholiken in Deutschland wirklich die Absicht, ihre Kirche auch finanziell zu tragen, könnte die Kirche jeder Debatte um die Kirchensteuer gelassen entgegensehen. Haben wir unseren Geschmack verloren?

Christus sagt: "Ihr seid das Licht der Welt" Wenn wir unser Licht unter ein Gefäß verstecken, wozu haben wir es dann überhaupt angezündet? Warum sind wir Christen geworden, wenn wir dieses unser Licht nicht hoch auf den Leuchter stellen, so daß jeder sehen kann, wer unserem Leben Sinn gibt? Wenn wir nicht Licht für andere sein wollen, dann können wir unser Licht lieber gleich ganz ausblasen. Wir sind durch Christus, durch unsere Taufe auf seinen Namen, durch die Firmung, durch die Salbung mit Gottes Heiligem Geist zum Salz der Erde und zum Licht für die Welt befähigt und berufen. Es ist Zusage und Anspruch zugleich. Durch unser Leben im Namen Jesu Christi, durch unsere Hingabe in guten Werken, die wir in seinem Namen tun, können andere Menschen zum Glauben kommen. Nicht durch noch so gut gemeinte päpstliche Verlautbarungen oder Unterschriftenaktionen, sondern durch unsere guten Werke kommen andere Menschen dazu, unseren Vater im Himmel zu preisen, wie es im Evangelium hieß.

Die Seligpreisungen vom letzten Sonntag geben genügend ganz konkrete Vorschläge. Sie sind alle im 5. Kapitel des Matthäus - Evangeliums nachzulesen. Wenn ich zum Helfen bereit bin und das meine ordne, wie es recht ist, dann erstrahlt Licht in der Finsternis, dann leuchtet der gnädige, barmherzige und gerechte Gott in uns auf. Dann werden wir zum Licht für die Welt, dann sind wir Salz, das das Leben der Menschen erst schmackhaft macht, ihm die Fülle gibt, nach der sich doch alle sehnen.

Jetzt am Altar wird Christus unter uns sein in seiner Hingabe für uns bis zum Kreuz, ja er wird seinen Leib teilen zu unserer Speise. An ihm darf ich teilhaben, damit ich mit ihm zum wahren Leben erstehe und zum Licht und Salz werde für den dunklen und faden Alltag der Menschen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du hast Dein Volk zum Licht der Welt gemacht. Dich bitten wir:

  • Berufe auch heute in Deiner Kirche junge Menschen zum Dienst am Altar.

  • Schenke uns Menschen, die glaubwürdig Deine Frohe Botschaft verkünden.

  • Gib den Christen die Kraft und den Willen, sich Dir ganz anzuvertrauen.

  • Erneuere unsere Gemeinde mit dem Mut, den Suchenden und Verirrten Licht der Wahrheit zu sein.

  • Stärke die Kranken, Verlassen und Einsamen - und die Menschen, die um einen lieben Verstorbenen trauern.

  • Nimm unsere Toten auf in die Herrlichkeit bei dir. (Wir feiern diesen Gottesdienst...)

Guter Gott, Du nimmst uns an als Deine geliebten Kinder. Gib uns den Kraft und den Mut, uns als dessen würdig zu erweisen. Nimm von uns jede Ängstlichkeit und Halbherzigkeit, durch Christus unseren Herrn. Amen.