Suche: 
Predigtvorschläge - 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)
1. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

In den letzten Wochen hatten wir heftige Todesfälle zu beklagen: zwei Säuglinge und ein junger Mann wurden zu Grabe getragen. Wobei auch jeder weitere Todesfall, sobald er einen selber betrifft, einem schwer zu schaffen machen kann. Die heutige Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja verwendet dazu ein tröstliches Bild: "an jenem Tag" - gemeint ist das Endgericht, der jüngste Tag - "wird Gott für alle Völker ein Festmahl geben." - "Er beseitigt den Tod für immer. Er wischt die Tränen von jedem Gesicht, .. Er nimmt die Schande hinweg." Schande, die man angesichts von Selbstmord empfinden mag - Gott nimmt sie hinweg. Tränen, die wir angesichts des großen Leids, der Sinnlosigkeit solchen jungen Sterbens empfinden: Gott wischt sie ab. Er, Gott selbst wird uns retten, auf ihn dürfen wir unsere Hoffnung setzen - und am Ende steht ein Festmahl, wozu alle Völker geladen sind. Ein Bild, welches das größte Glück zum Ausdruck bringen soll: Gott lädt uns alle an seinen Tisch. Wir alle sind eingeladen, mit Gott an einem Tisch zu sitzen, keiner von uns wird als unwürdig betrachtet. In unserer Zeit, wo wir so satt sind, mag das Bild vielleicht nicht mehr so deutlich sein, aber ich glaube, wir verstehen immer noch, welche Ehre es ist, beim Captains-Dinner am Tisch des Kapitäns sitzen zu dürfen. Wir verstehen noch, dass es eine Ehre ist, am Brauttisch zu sitzen. Und ein Manager zahlte 5 Millionen für ein Essen mit dem Milliardär Warren Buffet.

Auch Jesus verwendet im Evangelium dieses Bild vom Hochzeitsmahl, um deutlich zu machen, dass Gott alle Menschen einlädt. Das war den Juden, den Jesus diese Geschichte erzählt, ein Hohn. Sie waren doch allein die Eingeladenen - die anderen, die Bösen hatten bei Gott nichts zu suchen. Jesus dreht deren Denke um: ihr habt Gottes Einladung ausgeschlagen, hattet anscheinend Besseres zu tun, nun sind alle eingeladen - also auch die Heiden, die Sünder, die Zöllner, die Leute von der Straße: Alle sind eingeladen. Somit sind wir alle eingeladen. Egal, wieviel Dreck wir am Stecken haben, wie unwürdig uns selber fühlen, am Hochzeitstisch Platz zu nehmen, wir sind eingeladen.

In der letzten Woche hatten wir im Pfarrbüro einige Firmpraktikanten. Einer hat dabei eine Flasche Wein im Keller fallen gelassen. Er war darüber ganz bedröppelt und wusste gar nicht wie er es wieder gut machen könne. Ich musste es ihm erst deutlich sagen, dass das jedem mal passieren kann, dass er gesagt hat, dass es ihm Leid tut und dass damit die Sache gegessen sei. Auch sonst werde ich schon mal gefragt, wie ich Dinge denn so einfach und schnell verzeihen könne. Hier in diesem Verhalten Gottes liegt der Grund: wenn er mich trotz meiner Schuld, meiner Unvollkommenheit an seinen Tisch einlädt, dann darf ich doch anderen ihre im Verhältnis dazu geringe Schuld nicht dauerhaft vorhalten! Wenn Gott mich an seinen Tisch einlädt, dann darf ich doch keinen von meiner Liebe ausschließen.

Das ist das, warum Paulus sich bei seinen Mitbrüdern in dem Philipperbrief bedankt. Sie haben dem Paulus in seiner Not geholfen, haben an seiner Bedrängnis teilgenommen. So muss gelebter Glaube Früchte tragen. Wenn ich unverdientermaßen zum Hochzeitsmahl mit Gott eingeladen bin, kann ich doch nicht anders, als auch anderen gegenüber großzügig zu sein. Wenn es nicht so ist, hab ich die Größe der Einladung noch nicht verstanden oder sogar abgelehnt, weil ich meine, Besseres zu tun zu haben: auf den Acker gehen, in seinen Laden gehen, ...

Wenn Jesus diese Bilder in seiner Geschichte verwendet, zeigt er, dass er schon damals genau um diese Verhaltensweisen wusste. Es gab damals und es gibt heute Menschen, die nicht verstehen, was da Großes uns von Gott angeboten wird. Sonst wären die Juden damals alle Christen geworden, sonst wären die Kirchen heute voll, weil wir hier gleich an diesem Hochzeitsmahl Anteil erfahren dürfen.

Was tun in diesem Dilemma? Zweierlei. Zum einen müssen wir aufpassen, dass wir diese Einladung zu schätzen wissen, obwohl wir dafür keine 5 Millionen zahlen mussten. Sonst ergeht es uns wie die anderen Gästen, die irgendwann die Einladung ausschlagen, oder dass wir uns nicht vorbereiten auf dieses Mahl und kein Hochzeitsgewand anhaben und hinaus geworfen werden. Ich muss die Einladung also zu schätzen wissen und mich als Gast Gottes, als Teilnehmer an diesem Mahl entsprechend benehmen - also genauso großzügig Liebe verschenken.

Und zum zweiten können wir wie die Diener in dieser Geschichte sein: hinaus gehen zu den Leuten und sie einladen; ihnen sagen, Gott will mit Dir zu tun haben! - Mit mir? Gott hab ich doch schon längst abgeschrieben - ja, er aber Dich nicht. Egal, was Deine Vorgeschichte ist, wie schlecht es bisher in Deinem Leben lief, Gott lädt Dich ein.

Und wenn wir beides zusammen bringen: Liebe großzügig verschenken und auf andere einladend zugehen, dann wirkt es überzeugend!
Amen

2. Predigtvorschlag

Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin!

Liebe Schwestern und Brüder!
Kennen Sie noch diesen Spruch der Friedensbewegung?
Stell dir vor, es ist Hochzeit, und keiner geht hin!
So könnte die Überschrift über das heutige Evangelium lauten.
"Kommt zur Hochzeit! Alles ist vorbereitet."
So ruft der König den Eingeladenen zu. Aber diese kümmern sich nicht darum.
Sie sind mit scheinbar wichtigeren Dingen befaßt, mit ihrem Acker, ihrem Laden.
Manche sind sogar feindselig und bringen die Diener des Königs um.

Wie tief muß die Enttäuschung, ja der Zorn diese Königs gewesen sein.
Es gibt weit und breit kein größeres, schöneres Fest als die Hochzeit seines Sohnes.
Es gibt weit und breit keine größere Ehre, als Gemeinschaft mit dem König und seinen Sohn zu haben.
Aber keiner kommt. Sie zeigen ihm die kalte Schulter.

Stell dir vor, es ist Sonntag, und keiner geht zur Kirche!
So könnte die Überschrift des Evangeliums lauten, wenn wir es in die heutige Zeit übersetzten.

"Kommt zur Sonntagsmesse. Alles ist vorbereitet!"
So ruft Gott uns Katholiken zu. Aber viele, der überwiegende Teil kümmert sich nicht darum.
Sie sind befaßt mit scheinbar wichtigeren Dingen, mit ihrem Hobby, ihrer Arbeit.
Manche sind sogar feindselig gegenüber denjenigen, die an die Sonntagsmesse erinnern.
Hoffnungslos altmodisch, verknöchert, weltfremd lautet das Todesurteil aus ihrem Mund.

Wie tief muß die Enttäuschung Gottes sein. Vielleicht ist es sogar Zorn.
Da gibt es weit und breit nichts Größeres, nichts Schöneres zu feiern, als das Fest unserer Erlösung.
Da gibt es weit und breit keine höhere Ehre als mit Gott das Mahl der Erlösung zu halten, in dem er uns seinen Sohn als Speise schenkt, damit wir Gemeinschaft mit ihm und untereinander haben.
Aber kaum einer kommt. Wen interessiert das schon: Erlösung, Heil?

"Aber warum erzählst du uns das? Wir sind doch da. Wir sind doch der Einladung gefolgt! Sag das doch den anderen"
Sie haben Recht, liebe anwesenden Schwestern und Brüder.
Und es ist gut, daß Sie da sind.

Aber Tatsache ist, daß mehr als Dreiviertel der Katholiken unserer Gemeinde nicht da ist.
Und diese fehlen weiß Gott nicht alle wegen Krankheit oder Altersschwäche, was wirklich zu entschuldigen wäre.

Die, die fehlen, bleiben oft aus ganz banalen Gründen dem Gottesdienst fern. Dabei sind sie der Kirche gegenüber nicht einmal feindselig eingestellt.
Es gibt andere Dinge, die ihnen augenblicklich wichtiger scheinen:
Das Fußballspiel im Fernsehen oder auf dem Platz,
der Kurzurlaub bei Tante Frieda im Harz,
das Ausschlafen nach einer langen, durchgefeierten Nacht.

Nichts gegen Fußball, nichts gegen Tante Frieda, nichts gegen Feiern.
Aber kann man das eine nicht tatsächlich tun, ohne das andere zu lassen. Gottesdienstangebote gibt es hier und im Umkreis genügend.

Liebe Schwestern und Brüder, ich sage Ihnen das, weil wir Kinder unserer Zeit sind.
Es ist eine Zeit, in der Menschen, weiteste Strecken auf sich nehmen, um Sonderangebote zu erhaschen,
enorm viel Geld investieren, um Fun und Action zu haben,
sich Torturen in Fitnessstudios antun, um ihren Body zu stählen.
Ihre Seele, ihr Heil ist vielen aber keinen Kilometer mehr, keinen Pfennig, keine Anstrengung wert.

Wir sind Kinder eben dieser Zeit. Lassen wir uns nicht auf diesen Zeitgeist ein, lassen wir uns nicht davon anstecken. Bewahren wir uns davor, faule Kompromisse einzugehen, wenn es um den sonntäglichen Gottesdienstbesuch geht.

Das wir hier zusammengekommen sind, ist eine großartiges Zeichen dafür, daß Gott in dieser Welt eine Rolle spielt, daß der Glaube in dieser Welt Orientierung gibt.

Die Gesellschaft unserer Tage braucht dieses Zeugnis. Die Gesellschaft dieser Tage wird nämlich über kurz oder lang an ihrer Banalität zerbrechen, an ihrer Vordergründigkeit, ihrer Oberflächlichkeit zugrunde gehen, wenn sich nicht bald etwas tut.

Und dann sind wir gefragt, die Sonntagsgemeinde.
Die Menschen um uns werden uns dann nämlich fragen:
"Warum tut ihr das, zur Kirche gehen?"
"Unsere Sicht der Dinge ist zerbrochen, wie damals der Kommunismus. Ihr seid immer noch da, obwohl man euch totgesagt hat. Was ist dran an eurem Glauben, der euch jeden Sonntag zusammenführt?"

Das wird die Stunde sein, in der wir Farbe bekennen müssen als Christen, in der wir Zeugnis ablegen müssen, um haltlos gewordenen Menschen Halt zu bieten.

Das klingt sehr nach Zukunftsmusik. Ich weiß.

Stell dir vor, es ist Sonntag, und keiner geht zur Kirche.
Das ist die traurige Realität von heute.

Stell dir vor, es ist Sonntag, und viele, viele finden den Weg zur Kirche.
Das muß kein Traum bleiben. Das kann Wirklichkeit werden.
Nur Mut und Geduld.

3. Predigtvorschlag

Liebe Schwestern und Brüder, das Gleichnis, das wir soeben gehört haben, hat Jesus den Hohenpriestern erzählt. Er meinte mit den geladenen Gästen die Vertreter des Volkes Israel, die sich der erlösenden Botschaft Jesu verschlossen, also die jüdische Oberschicht, die Ihn zum größten Teil ablehnte.
Und all die Verachteten des Volkes, die Ausländer und Nicht-Juden, sie werden berufen, zu den ersten Christen zu gehören. Sie sind im Evangelium diejenigen, die von den Straßen geholt werden. Genau die, die die jüdische Oberschicht nie eingeladen hätte.
Für die Juden war das, was Jesus gesagt hat, ein Skandal. Sie hatten doch ihre Welt so schön in Gut und Böse eingeteilt. (Gut: Das sind alle treuen Juden; Böse: Das sind alle, die nicht so sind wie die Juden, die Fremden oder Fremdartigen.) Und Jesus behauptet nun, dass Gott sich daran nicht halten wolle. Die Diener holen Alle von der Straße, Gute und Böse.

Das wirft aber auch unsere Vorstellungen vom Himmel ganz schön über den Haufen. Eigentlich hatten wir erwartet, dort oben nur die Guten anzutreffen, also die treuen Christen, die liebenswürdigen Menschen. Und jetzt sind plötzlich alle da, auch die Bösen - zumindest die, die wir für die Bösen gehalten haben. Die, die anders leben, als wir. Die Fremden. Und wenn Sie mal ganz schnell überschlagen, über wieviele Leute sie allein in Halverde schon den Kopf geschüttelt haben, könnte so ein himmlischer Belegungsplan ganz schön überraschend sein.
Eingeladen zum Fest des Glaubens sind nämlich alle. Und zu allen sollen wir gehen, ohne schon zuvor - so wie die Juden zur Zeit Jesu - zu entscheiden, wer überhaupt in Frage kommt.

Zu wem würden sie gehen, wenn der König Sie als Diener auf die Straße schicken würde, alle zum Festmahl zu rufen?
Würden sie zu den Polizisten gehen, die in Brasilien die Straßenkinder ermorden? Würden Sie denen etwas von der Barmherzigkeit Gottes erzählen?
Zu den Schlächtern und Gewaltverbrechern, die im Kosovo gewütet haben? Zu den Milizen in Ost-Timor? Würden Sie zu den Neonazis gehen, zu den Sektenführern, zu den Diktatoren?
Keinen dieser Menschen, die wirklich Grausames getan haben, hat Gott abgehakt. Es gibt keine Vorauswahl: Allen möchte er noch die Einladung zum gemeinsamen Mahl zustellen. Und wir sind seine Briefträger.

Nun begegnen wir wohl selten irgendwelchen Diktatoren. Aber wenn Gott durch uns Christen sogar diesen Menschen immer wieder eine Chance geben möchte, wieviel mehr dann denen unter uns, mit denen wir aus vergleichsweise geringfügigen Gründen nichts zu tun haben wollen.
Wir dürfen keinem Menschen, egal, ob gut oder schlecht, die Einladung Gottes vorenthalten. Viele sind gerufen, sagt Jesus, und wir sind seine Postboten - indem wir die Liebe Gottes zu allen Menschen sichtbar leben.

Liebe Schwestern und Brüder, wir können weder von uns noch von anderen Menschen erwarten, dass sich jeder mit jedem verträgt. Das Ideal, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind, ist zwar christlich; dass sie sich auch so verhalten, bleibt zwar wünschenswert, aber auch utopisch.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir sollen nicht so tun, als ob Unrecht plötzlich kein Unrecht mehr wäre. Im Gleichnis und im Leben betont das Jesus ausdrücklich. Der Gast, der nichts von der Hochzeit hält und deshalb ohne Gewand erscheint, fliegt raus.
Wir sollten aber nicht von uns aus festlegen, wer eingeladen werden darf, wer dazugehören darf, wen Gottes Botschaft erreichen soll und wen nicht. Das entscheidet sich allein darin, ob jemand die Einladung annehmen will oder nicht.

Nehmen sie sicherheitshalber alle Menschen in ihr Herz. Sonst kann es passieren, dass Sie immer noch dabei sind, ihre Einteilung zu überprüfen, zu diskutieren und zu erneuern, während das Fest schon - ohne Sie - beginnt. Amen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du hast Dein Leben hingegeben für alle Menschen. Dich bitten wir:

  • Führe die Völker dieser Erde zusammen, die miteinander im Krieg sind.
  • Führe alle Christen zusammen, die sich mit der Spaltung nicht abfinden wollen.
  • Führe alle Familien zusammen, die durch Krieg, Flucht oder Unglück getrennt wurden.
  • Führe alle die zusammen, die sich aufgrund von Streit, Meinungsverschiedenheiten oder Missverständnisse voneinander losgesagt haben.
  • Führe alle unsere Verstorbenen zusammen in die Festgemeinschaft an Deinen Tisch. Wir feiern diesen Gottesdienst...

Herr, nur Du kannst uns Einheit und Frieden schenken. Lass uns mitarbeiten an einer gerechten und friedlichen Welt, indem wir von Dir Zeugnis ablegen, der Du der Friede bist, jetzt, und in alle Ewigkeit. Amen.