Suche: 
Predigtvorschläge - 04. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B)
1. Predigtvorschlag

Ist Auferstehung möglich? (II)

Jesus ist auferstanden von den Toten. Das ist die Botschaft, die die Jünger von Anfang an verkündigt haben. Diese Botschaft enthält das Zeugnis, für das die Jünger einstehen. Die Botschaft von der Auferstehung ist Zeugnis, nicht Erzeugnis. Sie spricht von einer Tatsache, nicht von einer Erfindung.
Daß Jesus von den Toten auferstanden ist und lebt, war sogar für gläubige Juden etwas Unvorstellbares. Mehrmals kündigt Jesus vor seinen Jüngern an, daß er leiden müsse, aber am dritten Tag auferstehen werde, und das Evangelium fügt hinzu: „Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: Von den Toten auferstehen“ (Mk 9,10). - Marta, die Schwester des Lazarus, glaubt an die Auferstehung der Gerechten am Jüngsten Tag (vgl. Joh 11,23). Aber daß die Auferstehung jetzt geschehen sein soll - das ist für sie unbegreiflich.

Der Glaube an die Auferstehung war selbst unter den Juden nicht gemeinsames Glaubensgut. Jesus setzt sich mit den Sadduzäern auseinander, die behaupten, es gäbe überhaupt keine Auferstehung von den Toten, und die sich darüber lächerlich machen (vgl. Mk 12,18-27). Ihnen sagt Jesus: „Ihr irrt euch sehr“ (Mk 12,27). Paulus wird später als Gefangener vor dem Hohen Rat die Versammlung spalten, indem er einfach erklärt: „Brüder, ich bin Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern; wegen der Hoffnung und wegen der Auferstehung der Toten stehe ich vor Gericht“ (Apg 23,6). Daraufhin gab es einen großen Krach, weil der eine Teil des Hohen Rates an die Auferstehung von den Toten glaubte, der andere nicht.

Man sieht, daß Jesus nicht einfach den Glauben voraussetzen konnte, als er anfing, von seiner eigenen Auferstehung zu sprechen. Und auch nach Ostern ist der Glaube an Christi Auferstehung unter den Jüngern nicht einfach von vorneherein akzeptiert und fraglos angenommen, sondern ein sehr angefochtener und angefragter Glaube. Aber daß die Jünger diesen Glauben nicht nur annahmen, sondern später dafür sogar in den Tod gingen, zeigt uns, daß sie von dem, was sie glaubten und verkündeten, auch wirklich fest überzeugt waren. Es muß wirklich etwas geschehen sein. Denn für ein Hirngespinst und eine fromme Legende hält man nicht seinen Kopf hin, wenn es darauf ankommt.

Nicht nur wir heutige Menschen haben Schwierigkeiten, Wunder und vor allem das Wunder der Auferstehung Jesu zu verstehen. Auch die Generationen vor uns haben nicht einfach „blind“ geglaubt, sondern sich Rechenschaft abgelegt über das, was sie glaubten.
„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ mahnt der Erste Petrusbrief (3,15), und im Zweiten Brief dieses Apostels heißt es: „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe“ (2 Petr 1,16).

Es ist also nicht einfach ein blinder Glaube, der verlangt wird, sondern der Glaube soll und kann sich erweisen als vernunftgemäß, als aufrichtig, als besonnen und klar. Der Glaube braucht das Licht der kritischen Nachfrage nicht zu scheuen. Aber zugleich kommt immer eine wichtige Voraussetzung ins Spiel: Wie stelle ich mir Gott vor? Was glaube ich wirklich von ihm? Traue ich ihm wirklich das Unfaßbare, das Unwahrscheinliche, das, was unsere menschlichen Erfahrungen sprengt, auch zu, oder sage ich von vorneherein: Dies und jenes, zum Beispiel die Auferstehung von den Toten, kann nicht sein. Das kann Gott nicht bewirken. –

Damit habe ich von mir aus eine Grenze gezogen, an die Gott sich halten muß. Damit habe ich aber auch gezeigt, wie ich mir Gott vorstelle: Gott ist dann für mich der, der einmal die Welt ins Dasein gerufen hat mit all ihren Bereichen und Gesetzmäßigkeiten. Er ist Baumeister der Welt und hat alles wunderbar ausgedacht und ausgestaltet. Die Naturgesetze, von ihm geschaffen, gelten für alle Zeiten, und an die hält sich Gott auch selber. - Das ist die Vorstellung von Gott als einem unendlich intelligenten Baumeister, der sein Werk, das er sich ausgedacht hat, nur noch in Gang setzen muß, wie ein Uhrmacher seine Uhr, und dann läuft sie.

In einem solchen Denken ist allerdings nicht vorgesehen, daß Gott in sein Werk eingreift. Die Gesetze der Natur gelten unerbittlich, und wenn Gott in sie eingriffe, zeigte er damit, daß er Nachbesserungen vornehmen müßte, die beweisen würden, daß sein Werk doch nicht vollkommen ist. In einem solchen Denken über Gott wäre auch die Auferstehung von den Toten nicht möglich. Denn sie widerspräche den ewig geltenden Gesetzen von Natur und Zeit.

Dieses Bild von Gott ist aber nicht das Bild, das die Offenbarung der Bibel uns schenkt.

Die Bibel offenbart uns eine andere Sicht von Gott: Gott ist Schöpfer, und er ist treu. Er begleitet sein Volk. Er leitet es und offenbart sich durch machtvolle Taten. Es ist ein Zeichen seiner Liebe und väterlichen Treue, daß er in Jesus Christus wunderbar handelt.
Und für den, der an Gott glaubt als Schöpfer und Vater, als fürsorgender Erhalter dieser Welt, sind gerade die Wunder, die das Neue Testament von Jesus berichtet, nun nicht erstaunlich. Denn er weiß: Gott hat ja dieses Wunder gewirkt. Erstaunlich wäre, wenn ein Mensch es gewirkt hätte.

Wie können wir uns das verständlich machen? Wenn Gott wirklich Schöpfer ist, dann ist die Schöpfung nicht ein Geschehen in grauer Vorzeit. Nein, Schöpfung ist fortwährendes Geschehen; und die schöpferischen Vorgänge zeigen das: wir sehen in der Schöpfung, wie alles wunderbar wächst und gedeiht; wir sehen, wie die Gaben der Schöpfung sich vermehren, wir sehen, wie etwas entsteht und geboren wird. Alles das weist auf die Schöpfermacht Gottes hin. Für uns Menschen sind diese Vorgänge im Grunde gar nicht vollkommen durchschaubar. Es sind Geheimnisse der schöpferischen Liebe Gottes. Und genau so dürfen wir die Wunder Jesu sehen und begreifen. Die Wunder Jesu sind im Kern nichts Außergewöhnliches für den, der an Gott glaubt, sondern nur verdichtete Zeichen und Beweise der Schöpfermacht Gottes in der Natur, die uns umgibt.

Der heilige Bischof Augustinus sagt: „Denn der an jenem Tage bei der Hochzeit den Wein in den sechs Krügen machte, die er mit Wasser zu füllen befahl, ist derselbe, der dies jedes Jahr in den Weinstöcken tut. Wie das, was die Diener in die Krüge gossen, durch das Tun des Herrn in Wein verwandelt wurde, so wird auch, was die Wolken ausgießen, durch das Tun desselben Herrn in Wein verwandelt.“
Ähnlich sieht Augustinus auch die wunderbare Brotvermehrung: Gott vervielfältigt aus wenigen Saatkörnern die Saat der Erde. So vermochte auch Christus die fünf Brote, die ihm in die Hand gegeben wurden, zu vervielfältigen, so daß alle satt wurden.

Und wenn ein Mensch geboren wird, erkennt der gläubige Mensch die Macht Gottes, die alles in Leben ruft. Die Auferweckung des Lazarus ist dann im Grunde nichts anderes als das, was Gott in der Natur durch seine schöpferische Liebe ohnehin geschehen läßt: „Der hat einen Menschen erweckt, der den Menschen erschaffen hat. Denn er ist der Eingeborene des Vaters, durch den, wie ihr wißt, alles geworden ist. Wenn also durch ihn alles geworden ist, was Wunder, wenn einer durch ihn aufersteht, da doch täglich so viele durch ihn zum Leben kommen? Es ist mehr, Menschen zu erschaffen als zu erwecken ... Er hat einen bereits Riechenden wieder erweckt, aber dennoch war in dem riechenden Leichnam noch die Gestalt der Glieder ...“ - So sagt es der heilige Augustinus. - Wie Gott in dieser Welt immer wieder Leben hervorbringt, so hat er uns in Jesus gezeigt, daß er Leben in Fülle schenken will, Leben, das bleibt. Jesus ist auferstanden von den Toten - in der Macht des lebendigen Gottes. Jesus hat ganz in der Liebe des Vaters gelebt. In dieser Liebe ist er Sieger über den Tod.

Die Auferstehung Jesu von den Toten ist das größte Wunder, das die Welt je gesehen hat. Wie groß muß Gottes Liebe sein, daß er uns ein solches Zeichen schenkt, das seine Macht und Größe zeigt, und wie groß muß die Freiheit sein, die er uns schenkt, daß wir daran glauben und darauf vertrauen, daß Gottes Liebe stärker ist als der Tod und sein Licht mächtiger als alles Dunkel dieser Welt.

2. Predigtvorschlag

Welttag der geistlichen Berufe

Jesus, der Gute Hirte - Jesus, das Lamm Gottes

Die Gestalt Jesu zieht immer wieder Menschen in ihren Bann. Anders ist es nicht zu verstehen, daß derzeit wieder Jesusbücher Hochkonjunktur haben: Bücher, in denen uns Jesus vorgestellt wird, wie er wirklich war, was er wirklich gesagt oder nicht gesagt hat, daß er nach seiner Kreuzigung in Indien gelebt hat, daß er überhaupt nicht gekreuzigt, sondern in Wirklichkeit gesteinigt worden sei ... und vieles mehr. Für jede neue Erfindung gibt es ein neues Jesus-Buch. Und diese Bücher werden verkauft und - so muß man es wohl befürchten - zum Teil auch gelesen. Nach so viel verwirrender und sich natürlich auch widersprechender Literatur tut es gut, einmal das wichtigste und beste Jesus-Buch aufzuschlagen: die Bibel. Die Bibel, das Buch der Bücher. Die Bibel, das Buch der Kirche. Beides gehört zusammen: Bibel und Kirche. Nicht die Bibel hat die Kirche hervorgebracht, sondern die Kirche hat - teilweise nach langem Ringen - gesagt, was zur Bibel gehört und was nicht. Aber die Kirche ist nicht Herrin über die Bibel. Was in der Bibel bleibend als Offenbarung Gottes ausgesagt ist, ist und bleibt für die Kirche verbindlich. Sonst würde sie aufhören, Kirche zu sein.

Wir schlagen also die Bibel und darin das Neue Testament auf und machen sehr bald eine wichtige Entdeckung: So einheitlich und gleichmäßig, wie wir uns eine Personenbeschreibung vorstellen möchten, finden wir in den Evangelien Jesus nicht gezeichnet. Da gibt es nicht nur den sanften und gütigen Jesus, sondern auch den, der in heiligem Zorn mit Stricken um sich schlägt (Joh 2,15) und die Pharisäer und Schriftgelehrten "Nattern und Schlangenbrut" (Mt 23,33) und "übertünchte Gräber" (vg. Mt 23.27) nennt. - Da gibt es nicht nur Frohbotschaften mit beglückenden Verheißungen, sondern auch Drohungen mit Gericht und Feuer. - Da gibt es nicht nur den armen Jesus, der nicht weiß, wo er abends sein Haupt hinlegen kann (Lk 9,58), sondern auch den, der es geschehen läßt, daß kostbarstes Öl über seine Füße gegossen wird (Mk 14,2). - Diese Spannungen und Gegensätzlichkeiten sind nicht erst von unserer Zeit erkannt. Die Christen aller Zeiten haben darum ringen müssen, die Mitte der Botschaft zu finden, sozusagen das Herz des Erlösers zu entdecken und zu befragen. - Jesus kann nicht einfach in eine vorgefertigte Schablone gepreßt werden. Sondern seine Worte und seine Taten müssen immer neu mit unserem Leben, mit unseren Fragen in einen lebendigen Glaubenszusammenhang gebracht werden. Wir müssen die Mitte finden, von der wir Jesus verstehen und ihm folgen können.

Ich glaube, diese Mitte finden wir in diesem "Ich-bin"-Wort, das uns heute neu im Evangelium aufleuchtet: "Ich bin der gute Hirt", sagt Jesus (Joh 10,11). Die Menschen brauchen einen Hirten. So wie sie Brot zum Leben brauchen und einen, der ihnen sagt: "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35.48) und so wie sie nach Wahrheit und Orientierung suchen und einen, der sagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), so brauchen sie auch einen Hirten. Einen, der sie vor den Wölfen bewahrt und auch davor, mit den Wölfen zu heulen. Einen guten, das heißt einen wirklichen Hirten brauchen sie, einen, dem wirklich an der Herde liegt; eben daran, daß die Schafe, die ihm anvertraut sind, leben. Daran können wir den wirklichen Hirten erkennen: ihm liegt an den Schafen, an jedem einzelnen. Er läßt auch die neunundneunzig sicheren in der Steppe zurück und geht dem einen verlorenen nach, bis er es findet (Lk 15,4). Der gute Hirte - ein Bild für die Sorge, die unter uns in der Kirche wach sein müßte, die Sorge nicht um die große Zahl und um den sichtbaren Erfolg und schon gar nicht um den Beifall der Wölfe, sondern um jeden einzelnen.

Bisweilen wird das Bild des guten Hirten verdächtig gemacht. Es wird gesagt: Da haben wir es ja mal wieder! Die Kirche, starr in ihren Institutionen und hierarchisch in ihrer Befehlsgewalt von oben nach unten, sie untermauert ihren Anspruch mit diesem Bild, das ja zutiefst patriarchalisch ist: der Hirt, der mächtig ist, kümmert sich um die fromm blökende Herde. - Und so wird dieses biblische Bild von Grund auf in Frage gestellt, was die Bedeutung für die Kirche heute angeht.

Diesen Vorwurf muß man ernst nehmen. Aber wiederum muß man die ganze Bibel nehmen, nicht nur einen kleinen Teil. Jesus stellt sich uns vor als der Gute Hirte. Aber Johannes, der vierte Evangelist und tiefe Kenner des Herzens Jesu, hat noch ein anderes Bild, ein Bild, das das vom Hirten ergänzt und vollständig macht. Wir müssen immer das Ganze sehen, dann erst können wir eine Aussage machen darüber, was gemeint ist und was das für uns bedeutet.

Ebenso wichtig wie das Bild vom Guten Hirten ist für Johannes das Bild vom Lamm Gottes. Jesus ist nicht nur der Hirt, er ist zugleich auch das Lamm! "Seht, das Lamm Gottes!" ruft Johannes der Täufer über Jesus aus (Joh 1,36). Jesus wird ein Mensch unter Menschen: er geht den Weg der Erniedrigung und des Mit-Leidens. - Nach der Chronologie des Johannes stirbt Jesus am Kreuz genau zu dem Zeitpunkt, an dem im Tempel die Opferlämmer geschlachtet werden (Joh 19,31.42). Der gute Hirt, der sein Leben hingibt für die Schafe (Joh 10,11), ja der sogar den Schafen gleich wird in ihrem Schicksal und sie dadurch erlöst.

Es gibt viele Bücher über Jesus und viele Ansichten und es wird auch immer wieder weitere geben. Gute und weniger gute. Die Wahrheit findet aber nur der, der sich wirklich auf Jesus selbst einläßt. Und der seiner Verheißung glaubt, die er gegeben hat: "... und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten" (Joh 10,16).

3. Predigtvorschlag

Lieber Schwestern und Brüder,

Die Kirche denkt am heutigen Sonntag an die geistlichen Berufe, an den Priesterberuf und die Ordensberufe; Gelegenheit, viele Fragen aufzuwerfen, Fragen zu stellen und Antwortversuche zu beginnen.
Eine der brennendsten Fragen in diesem Zusammenhang ist die Frage nach dem Priestermangel, die Frage nach dem Mangel an geistlichen Berufen.

Die Gründe, die für diesen Rückgang der Priesterberufungen angeführt werden, sind vielfältig: Da ist die Rede davon, dass es sich weniger um einen Priestermangel - einem Hirtenmangel also - handelt, als vielmehr um einen Christenmangel, einem Herdenmangel. Denn verglichen mit der Zahl der Kirchenbesucher ist die Zahle der Priesterberufungen fast konstant geblieben. Da ist dann auch die Rede davon, dass das Priesterbild geändert werden müsse, da viele Erwartungen den Priester überforderten. Das Priesterbild müsse neu überdacht werden. Und da ist die Rede davon, dass die Zulassungsbedingungen geändert werden müssen, die Bedingungen also, die ein Priesteramtskandidat erfüllen muss, damit er zur Priesterweihe zugelassen wird.

In diesem Zusammenhang ist eine Überlegung fast immer dabei: Es wird überlegt, den Priester vom Pflichtzölibat zu befreien, ihm also freizustellen, ob er ehelos leben will - oder nicht. So auch gerade in einem Beschluss des Diözesanforums.

Ja, es stimmt, dass theologisch das Zölibat nicht notwendig mit dem Priesterberuf gekoppelt sein muss. Es stimmt auch, dass das Zölibat keine Forderung der Bibel ist.
Was hindert also unsern Bischof, endlich mit diesem Ärgernis, das verantwortlich gemacht wird für den so drängenden Priestermangel, aufzuräumen?

Liebe Schwestern und Brüder, stellen Sie sich einmal vor, Sie seien Bischof. Es wäre nun Ihre Aufgabe, die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt festzulegen. Was erscheint Ihnen notwendig erforderlich, damit ein junger Mann Priester werden kann? Dass Zulassungsbedingungen überhaupt notwendig sind, liegt doch auf der Hand: Es gibt - leider - zu viel "schlechte" Priester, als dass jeder nach eigenen Vorstellungen Priester werden könnte. Wenn also Zulassungsbedingungen erforderlich sind, welche würden Sie aufstellen?

Vielleicht würden Sie als erstes sagen: «Der Priester muss Ahnung vom Glauben haben. Er muss Glaubensfragen beantworten können, er muss im Glauben Rede und Antwort stehen können. Er muss Zeugnis von unserem Glauben geben können. Er muss zumindest versuchen, Zweifel am Glauben zu beseitigen.»
Nun, diese Bedingung ist sicher sinnvoll, und eine Überprüfung des Glaubenswissen eines Kandidaten ist relativ einfach: Sie können, als Bischof, beispielsweise ein Studium anordnen, zumindest aber eine Prüfung über den Umfang des Glaubenswissen verlangen.

Vielleicht würden sie aber auch sagen: «Der Kandidat muss eine gewisse menschliche Reife an den Tag legen. Er muss zuhören können, er muss auf Menschen eingehen können, er darf nicht verklemmt sein, er muss eine gewisse Lebenskultur besitzen. Er muss Kompromisse schließen können und Leitung übernehmen können.»
Nun, dies ist schon etwas schwieriger zu überprüfen. Mit einem Prüfungsgespräch von 20 Minuten ist es hier nicht getan. Aber vielleicht kommen Sie als Bischof auf die Idee, das Leben in einer Seminarsgemeinschaft zu verlangen, das dann von dem Seminarleiter begutachtet wird. Vielleicht schlagen sie aber auch ein Praktikum in der Gemeinde vor, oder sie verlegen, wie in vielen Bistümern Hollands, die Ausbildung direkt in die Gemeinden und lassen den Kandidaten in einem Pfarrhaus wohnen. Nach einiger Zeit bewertet dann der Pfarrer die menschliche Reife des Kandidaten. Vielleicht haben Sie aber auch noch andere Ideen.

Weiterhin könnten sie ein Mindestalter festlegen. Vielleicht 30 Jahre, vielleicht 25 Jahre. Sie haben da als Bischof eine große Freiheit.

Vielleicht fallen Ihnen noch ganz andere Kriterien ein, die sie aufstellen und überprüfen lassen würden. Das Wichtigste aber fehlt bisher, die Wichtigste Voraussetzung, die einen Kandidaten zum guten Priester werden lässt:

Die Liebe zu Christus und die Liebe zur Kirche.

Das, was den Hirten im heutigen Evangelium ausmacht, ist, dass er die Seinen kennt. Und Kennen heißt im biblischen Sprachgebrauch nichts anderes als Lieben.

Der Priester muss von dieser Liebe Zeugnis geben, sie versprühen, sie leben. Sie ist seine Berufung: Er ist dazu berufen, Gottes Liebe zu leben, sie zu feiern, zu verkünden und weiterzugeben.

Aber - wie will man das überprüfen? Mit einem Prüfungsgespräch? Wohl kaum. Durch einen Gutachter dürfte eine Überprüfung ebenso schwierig sein. Und mit einem Mindestalter ist es erst recht nicht getan.

Vor Jahrhunderten standen die Bischöfe vor der gleichen Frage, und sie haben sich gesagt: Wir wollen von dem Priesteramtskandidat ein deutliches Zeichen, dass er bereit ist, nur aus der Liebe zu Christus und aus der Liebe zur Kirche zu leben. Er soll bereit sein, nur diese Liebe als Grundlage zu nehmen. «Wir wollen nur die jungen Männer zu Priestern weihen, die bereit sind, aus Liebe zu Christus und aus Liebe zur Kirche auf die Ehe - und auf die Familie - zu verzichten. Die Männer, die von sich aus sagen: Meine Beziehung zu Gott ist so intensiv und so personal einmalig, dass ich keine weitere einmalige personale Beziehung in meinem Leben brauche. Und aus diesen Menschen, die von sich aus den Weg der Ehelosigkeit gewählt haben, erwählen wir unsere die Priester.» Es gilt also nicht: Wer Priester werden will, muss sich überlegen, ob er auf die Ehe verzichten will - weil es das Gesetz so vorschreibt. Die Bischöfe wählen vielmehr ihre Priester aus den Kreis derjenigen, die aus Liebe zu Gott den Weg der Ehelosigkeit als ihren Lebensweg gewählt haben.

Ja, das ist ein großes Opfer; aber wer von dieser Liebe erfüllt ist, wird dieses Opfer gerne bringen. Nur wer bereit ist, aus Liebe das Zölibat auf sich zu nehmen, der soll in den Dienst des Priesters treten.
Somit ist das Zölibat zwar Verzicht: Es ist aber zuerst eine Liebesentscheidung.

Vergleichen Sie dies einmal mit einer Hochzeit: Selbstverständlich bedeutet das «Ja» zu dem einen Ehepartner auch ein «Nein» zu - wer weiß wie vielen - anderen möglichen Menschen, die nun von dieser Liebesgemeinschaft ausgeschlossen sind. Aber wer käme auf die Idee, bei der Hochzeit diesem «Nein» hinterherzutrauern? Was im Vordergrund steht - und nur das allein zählt - ist das Ja zu dem einen Geliebten.

Das Zölibat ist also nicht zuerst eine Gesetzespflicht, ein Zwang, eine Verordnung von oben - es ist eine Entscheidung aus Liebe.

Als ich mein Versprechen zur Ehelosigkeit gegeben habe, war das keine Gesetzespflicht und kein Grund zur Trauer: Es war schlicht und einfach Liebe - und damit ein Grund zur Freude.

Ich habe zu meiner Weihe damals natürlich viele Glückwunsch und Briefe bekommen. In einigen Briefen war die Rede von dem schweren Weg, den ich vor mir habe, der sicher schwierigen Entscheidung zur Ehelosigkeit und zur Weihe. Es wurde Mitleid bekundet, aber auch Bewunderung, dass ich diesen Weg nun doch gehe.

Liebe Schwestern und Brüder, stellen Sie sich einmal vor, Sie bekämen einen solchen Brief zu Ihrer Hochzeit. Darin hieße es, sie hätten bestimmt einen schweren Weg vor sich, ebenso, dass es sicherlich eine schwierige Entscheidung zu dieser Frau - zu diesem Mann gewesen ist. Stellen Sie sich vor, man drücke Ihnen Mitleid aus, aber auch Bewunderung, dass sie sich nun doch mit diesem Partner verheiraten würden.

Das wäre nicht nur seltsam, das wäre peinlich. Sehr peinlich.

Dahinter steckt doch die Vermutung, dass diese Frau, die sie heiraten wollen (oder dieser Mann), überhaupt nicht liebenswert ist. Sie werden bedauert, weil ihr Ehepartner ihnen alles andere als Glück und Liebe schenken wird! Was für eine Verachtung gegen ihren auserwählten Ehepartner käme in einem solchen Brief zum Ausdruck!

Ist es bei meinen Briefen denn wirklich so anders? Steckt hinter diesem Mitleid denn nicht auch die Vermutung, dass diese Kirche überhaupt nicht liebenswert ist?! Steckt hinter diesem Mitleid nicht auch eine Verachtung der Kirche?! Der Kirche, der ich mein Leben weihe?

Man kann eine Ehe kaputtmachen, indem man immer wieder Mitleid mit einem der Ehepartner bekundet: «Ach, was hast du es doch schwer! Wie kannst du mir leid tun! Du musst ja wirklich sehr unglücklich sein!» Auf Dauer ist es ohne weiteres möglich, so eine Ehe zu zerstören.

Und genauso kann man einen Priester kaputtmachen, wenn man ihm immer wieder sein Mitleid bekundet: «Ach, was hat es dieser Mann doch schwer, wie unglücklich muss er doch sein!»

So zerstört man Priester. Und so verhindert man Priesterberufungen.

Nur, wenn wir als Christen wieder mehr Freude als Mitleid leben, wieder mehr die Liebe in den Vordergrund stellen und nicht den Verzicht, nur wenn wir als Christen wieder glauben, d.h. Christus und die Kirche lieben, dann kann nicht nur der Priestermangel ein Ende haben, dann gibt es vielleicht auch bald keinen Christenmangel mehr.

Amen.

4. Predigtvorschlag

Lieber Schwestern und Brüder,

Ich hätte jetzt ja ganz große Lust. Es würde mich unheimlich reizen, heute einmal mit den Worten: "Meine lieben Schafe!" zu beginnen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es dann eine Fülle von Protesten hageln würde. Und einige würden wahrscheinlich sogar recht sauer reagieren.

Wer will denn auch schon ein Schaf sein! So viel den Menschen in früherer Zeit der Vergleich mit dem Hirten und seiner Herde möglicherweise auch einmal gesagt haben mag, heute wird man damit kaum noch große Begeisterung hervorrufen.
Aber warum ist das so? Was macht die Vorstellung, ein Schaf zu sein und in der Herde eines Hirten zu leben, denn so furchtbar? Was widerstrebt mir denn so bei dem Gedanken ein Schaf zu sein?

Liebe Schwestern und Brüder,
ich habe versucht, das wirklich einmal ganz konkret durchzudenken: Was ist denn das furchtbare daran, ein Schaf zu sein?
Stellen Sie sich ganz einfach einmal vor: Ich wäre ein Schaf; ich wäre ein kleines, putziges, niedliches Schaf. Und wie alle normalen Schafe, lebe ich unter vielen anderen Schafen, in einer großen Herde, die ganz gemächlich vorwärts trottet, und gefräßig wie sie ist, jeden Tag eine ungeheure Fläche abweidet.
Es ist mir bekannt, dass ein Leben an der frischen Luft mit ständiger Bewegung, und kräftiger, aber vegetarisch ausgewogener Ernährung äußerst natürlich und gesund ist. Und ich habe daher auch allen Grund mit mir und meinem Schafsein zufrieden zu sein. Als intelligentes Schaf weiß ich darüber hinaus natürlich auch nur zu gut wie wichtig und hilfreich die soziale Absicherung im Herdenverband ist.
Es sind nur die dummen Schafe, die sich immer wieder darüber aufregen, dass sie nicht alleine irgendwo hinlaufen können und der Ort, an dem wir abends lagern, immer am Morgen schon vorgegeben ist. Wer ein klein wenig nachdenkt, so wie ich als Schaf das tue, der weiß, wie wichtig es ist, dass jemand, der den Überblick hat, für so eine große Herde vorausdenkt und -plant. Ich habe gesehen, wie Kollegen sich in den Dornen verblutet und in Gruben zu Tode gestürzt haben, weil sie es partout besser wissen wollten.
Ein intelligentes Schaf ist deswegen intelligent, weil es um seine Grenzen weiß und nicht dem Wahn verfällt, alles alleine machen zu können. Ich weiß daher, was ich an unserem Hirten habe.
Glücklich die Herde, die von sich behaupten kann, sie hätte einen guten Hirten, einen, der sich die Mühe macht, bei aller Unwegsamkeit des Geländes, doch noch die besten Weideplätze zu finden, darauf zu hören, wenn einer von uns ganz gequält blökt, weil er sich einen Dorn in den Fuß getreten hat; und vor allem einen Hirten, der nicht nur darauf aus ist, in den Ortschaften am Wegrand, immer ein paar von uns unter der Hand zu verkaufen, um seinen persönlichen Profit dadurch zu steigern.

Selbst der große Stock in seiner Hand, der zugegebenermaßen auch schon das ein oder andere Mal auf meinem Hinterteil landete, vor allem dann, wenn ich im Eigensinn halt unabänderlich und unbedingt geradewegs auf den Abgrund zusteuern wollte, selbst dieser Stock macht mir keine Angst mehr. Ich hab' mit eigenen Augen gesehen, wie der Hirte mit diesem Stock Bestien verprügelte, um uns dadurch zu schützen.

Nein, auf unseren Hirten lasse ich nichts kommen; genauso wie ich das Leben, das ich führe, durch kein anderes auf der Welt eintauschen wollte.

Ja, ich könnte mich wohlfühlen, ich würde mich als Schaf im Paradiese wähnen, wenn in unserer Herde, wenn da der Hund nicht wäre.

Vielleicht liegt es weder an den Schafen noch am Hirten, dass das Bild aus dem heutigen Evangelium, für viele Menschen unserer Tage seine Faszination verloren hat. Vielleicht liegt es ja gerade an denen, die weder Schaf noch Hirtn, sondern Hund sind; an denen, die eigentlich Hirten sein wollten, und sich immer häufiger als Hirtenhunde entpuppen, die der Herde nicht zutrauen, dass sie Herde sein will. Und die sich selbst für zu gut halten, ein Teil der Herde zu sein.
Liebe Schwestern und Brüder, das schöne am Schaf-Sein ist, dem Hirten vertrauen zu können. Das Schöne am Hirtensein ist, dass der Hirte von diesem Vertrauen weiß und darauf baut.

Das, was dieses Bild so unbeliebt macht, ist das mangelnde Vertrauen: Menschen, die einer Schafherde nichts zutrauen und Menschen, die dem Hirten nicht vertrauen. Deswegen feiern wir heute den Sonntag vom Guten Hirten - der seiner Herde Gutes will und Gutes zutraut. Und wir feiern heute auch das Fest der »Guten Herde« - die Herde nämlich, die sich Gott anvertrauen kann, weil sie ihn an der Stimme erkennt. Amen.

Fürbitten

Jesus liebt die Menschen. Er wünscht nichts sehnlicher, als dass diese Liebe Kreise zieht. Darum bitten wir:

  • Für unsere Priester: Dass sie ihr Amt freudig und glaubwürdig ausüben.

  • Für die Gemeinden: Dass sie in ihrer Liebe zum fruchtbaren Boden für geistliche Menschen wird.

  • Für die Familien: Dass sie in Geduld und gegenseitigem Verständnis zu einander stehen.

  • Für die Menschen, die in Not leben: Lass die Hungernden, die Flüchtlinge, die Heimatlosen und die Kranken nicht allein.

  • Für unsere Priesteramtskandidaten; besonders für Michael Ostholthoff und alle anderen jungen Menschen aus unserer Gemeinde, die mit dem Gedanken spielen, ein geistliches Amt zu übernehmen.

  • Für unser Verstorbenen: Nimm sie auf in deine Gemeinschaft der Liebe. Wir feiern diesen Gottesdienst...

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirt. Du lässt uns nicht allein. Erhöre unsere Bitten, der du mit dem Vater lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.