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Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
zur Lesung Genesis 18,20-32
Seit meinem sechsten Lebensjahr nehme ich an der Sonntagsmesse
teil. Als Kind war mir der Gang zur Kirche, meist allein,
ohne die Eltern, die für sich gingen, völlig selbstverständlich.
Ich hatte meinen festen Platz und bedauerte, daß die
Erstkommunion erst im dritten Schuljahr möglich war.
Natürlich verstand ich längst nicht immer alles,
was gebetet oder gesungen wurde. Aber durch das eigene Mittun
konnte sich mir nach und nach der Sinn der Gebete, der Gesänge
und der heiligen Handlungen erschließen. Auch das Vaterunser
habe ich zu Hause zuerst nur mitgeplappert, aber durch das
ständige Wiederholen hat dieses Gebet einen festen und
zentralen Platz im eigenen Gedächtnis bekommen. Ich bin
davon überzeugt, daß das der normale und natürlichste
Zugang zu dem ist, was wir im Glauben besitzen und bekennen.
Was früh grundgelegt worden ist, kann sich mit der Zeit
festigen und ausfalten.
An einige Momente in der Kirche, die ich als Kind erlebt
habe, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Zu diesen Momenten
zählt auch der Vortrag der Lesung aus dem Buch Genesis,
die wir gerade gehört haben. Abraham erlaubt sich, mit
Gott zu reden, so wie man eine Verhandlung führt, und
Gott läßt sich darauf ein. Es geht darum, daß
Gott auch Richter ist und völlig souverän handelt
und entscheidet. Gott ist gerecht, und seine Gerechtigkeit
fordert eine Bestrafung der Städte Sodom und Gomorrha.
Schon das ist für unsere neuzeitlichen Ohren ungeheuerlich.
Straft Gott wirklich mit dem Tode? Ist er wirklich der Rächer?
Haben wir nicht von Jesus gelernt, daß Gott der Barmherzige
ist, daß er verzeiht? - Solche Fragen sind berechtigt,
aber wenn wir miteinander Gottesdienst feiern, bedeutet das
ja nicht zuerst, daß wir Fragen stellen, sondern daß
wir Gottes Wort hören. Zuerst müssen wir uns also
hier die Mühe machen, nachzusehen, worin denn die Sünde
bestanden hat, die für die Städte Sodom und Gomorrha
so sprichwörtlich geworden ist.
Es heißt einige Kapitel vor unserem Text: Die
Leute von Sodom aber waren sehr böse und Sünder
gegen Jahwe (Gen 13,13). Nachdem Abraham mit Gott gesprochen
hat, wird eine Erzählung geboten, die die ganze menschliche
Niedertracht und Gottes Antwort darauf in sehr deutlichen
Farben darstellt. Die zwei Männer, Boten Gottes, kehren
als Gäste ein bei Lot und seiner Familie in der Stadt
Sodom. Die Bewohner des Ortes erfahren davon und umringen
zu später Abendstunde das Haus der Familie Lot. Sie verlangen:
Wo sind die Männer, die heute abend zu dir gekommen
sind? Bring sie zu uns heraus ...! (Gen 19,5) Die Bewohner
- und das ist auch für unser Verständnis blanke
Gewalt und Mißachtung jeder menschlichen Würde
- haben nichts anderes vor, als die Gäste Lots zu mißbrauchen
und zu vergewaltigen. Das ist nicht nur aus Sicht der offenbarten
Gebote Gottes ein gründlicher Verstoß gegen die
Ordnung der Schöpfung und der Natur, sondern - was in
der Sicht jedes Orientalen noch mindestens ebenso schlimm
ist - ein besonders übler Fall von Verletzung der Gastfreundschaft.
Die persönliche Unversehrtheit jedes Gastes mußte
jedem Gastgeber und jeder Stadt, die Fremde beherbergt, am
Herzen liegen, und schon deshalb war das Verhalten der Bewohner
Sodoms unentschuldbar. Hier gab es keine Möglichkeit
zur Umkehr mehr. Daß ein solches Verhalten nach dem
unbestrittenen Sitten- und Glaubenskodex den Tod nach sich
ziehen mußte, stand völlig außer Frage.
Jetzt können wir wenigstens in Ansätzen verstehen,
was in Wirklichkeit Abraham unternahm, als er anfing, mit
Gott über diesen Punkt in eine Verhandlung zu treten.
Abraham stellt nicht in Abrede, daß Gott auch Richter
ist. Aber er will Gottes Gerechtigkeit ganz ernst nehmen und
fragt daher: Wieviele Gerechte muß es eigentlich in
der Stadt geben, damit die Vernichtung abgewendet wird? Abraham
setzt immer wieder von neuem an. Er läßt nicht
locker. Schließlich hat er den notwendigen Anteil auf
zehn Gerechte heruntergeschraubt. Nicht diese Zahl, sondern
daß Gott überhaupt bereit ist, sich von einem Menschen
auf eine Vereinbarung festlegen zu lassen, - das ist in meinen
Augen die Wende. Nun entscheidet nicht mehr die Schuld der
Vielen, sondern die stellvertretende Gerechtigkeit der Wenigen
über das Geschick der Menschen und ihre Zukunft. Nun
handelt die Gerechtigkeit Gottes nicht mehr danach, was sich
alles an Üblem, Niederträchtigem und Bösem
in aller Öffentlichkeit präsentiert, heute noch
durch Medien verbreitet, sondern entscheidend ist die stellvertretende
Sühne einiger Weniger. Sie haben die Aufgabe, die Wende
herbeizuführen.
Unter einem anderen Blickwinkel ausgedrückt, heißt
das ganz einfach: Nicht die vielen, die sich um den lieben
Gott nicht scheren, die ihn einen alten Mann sein lassen und
ansonsten nur sich selbst und den eigenen Vorteil kennen,
können den Lauf der Welt bestimmen, sondern diejenigen,
die im Vertrauen auf Ihn ihren Dienst tun, die beten, die
zum Gottesdienst zusammenkommen, die bitten und auch flehen:
die haben die meiste Macht und den größten Einfluß,
auch wenn man das nicht sofort sieht und es auch nicht immer
diesen Anschein hat. Aber es ist so. Gott selbst hat uns das
gezeigt. Am Ende genügt ein Gerechter, der Gerechte schlechthin:
Jesus Christus, der Sohn Gottes - um die Welt zu retten und
die Menschen zu Gott zurückzuführen.
Als Kind, aber auch oft als Erwachsene verstehen wir nicht
immer sofort, was Gott uns sagen will. Wir verstehen auch
in der Heiligen Messe nicht immer alles. Aber in Treue bereit
sein und die Saat des Gotteswortes in sich aufnehmen, das
ist, glaube ich, heute wichtiger denn je, für Junge wie
für Alte.
2. Predigtvorschlag
Da hilft nur noch beten
Da hilft nur noch beten: Können Sie sich
noch an eine Situation erinnern, in der jemand so gesprochen
hat? Da hilft nur noch beten? - Meistens ist es
eine ausweglose Lage, ein hoffnungsloser Fall, wo man das
hört.
Aber ist das schon alles, was wir über das Beten sagen
können? Ist Beten nur die Rettungsleine am Notfallschirm,
die dann im letzten Moment gezogen wird, wenn alle anderen
Sicherungen versagt haben? Dann würde Beten heißen:
Wir lassen Gott machen, wo wir selber nicht mehr weiterkönnen.
Dann ist Gott der Lückenbüßer. Er muß
die Lücke stopfen, die unsere Unzulänglichkeit nun
mal so mit sich bringt.
Jesus hat offenbar das Gebet ganz anders verstanden. Er
hat nicht gesagt: Betet, wenn ihr nicht mehr weiterwißt.
Wenn ihr am Ende seid. Wenn es euch dreckig geht. - Für
ihn war Beten mehr als die Rettungsleine kurz vor dem tödlichen
Aufprall. - : Für Jesus ist Beten das Selbstverständlichste,
weil Gott selbstverständlich für uns da ist - so
wie die Luft, die uns umgibt, die wir ein- und ausatmen, über
die wir meist nicht viel nachdenken ... um im Bild zu bleiben:
Beten kann so etwas sein wie ein Fallschirm oder ein Gleiter,
der uns wunderbar trägt und uns durch die Lüfte
schweben läßt, so daß man staunen kann, wie
es möglich ist, daß ein Mensch schwerelos dahingleitet.
Die Jünger hatten ihre Schwierigkeiten beim Beten.
Wie sollte man das anstellen? Soll man laut schreien, oder
sich mit Steinen die Brust wundschlagen, wie es früher
oft der Fall war, wenn einer Buße tun wollte? Oder sollte
man sich irgendwo hinstellen, wo alle Leute einen sehen können,
damit sie sehen, wie ich bete? Die Jünger hatten ihre
Schwierigkeiten. So wie wir unsere Schwierigkeiten mit dem
Beten haben. Und wenn wir dabei sind und doch anfangen zu
beten, dann haben wir unsere Schwierigkeiten beim Beten. Dann
will das Beten nicht recht gelingen. Entweder haben wir zuwenig
Zeit (zumindest meinen wir das, aber das ist nicht nur beim
Beten so, sondern auch mit viel zu vielen anderen Dingen)
oder wir werden abgelenkt oder finden das Beten langweilig
oder ermüdend. - Das alles läßt uns das Beten
problematisch erscheinen. - Für Jesus aber war Beten
nicht ein Problem, sondern ein Die-Arme-ausbreiten nach Gott
hin, zum Vater, der uns ruft. Jesus sagt: Zu Gott sollt ihr
sprechen: Unser Vater.
Interessant ist also, wie Jesus Gott anspricht. Er sagt:
Abba. Wollte man das möglichst wörtlich übersetzen,
müßte man sagen: Papa oder Papi:
das Wort eben, das schon kleine und kleinste Kinder sprechen,
die das Gesicht ihres Vaters erkennen. - Diese Anrede zeigt
schon, worum es beim Beten im tiefsten geht: Um ein Sprechen
mit Gott, nicht über Gott. Im Glaubensbekenntnis sagen
wir: Ich glaube an Gott. Beten heißt nun, diesen Satz,
diese Aussage, die ihre Wichtigkeit behält, zu einem
Du-Wort, das heißt zu einem Gespräch werden zu
lassen. Dann wird aus dem Satz Ich glaube an Gott
das Gebetswort: Unser Vater. Die ganz persönliche
Annahme der Gerechtigkeit und Liebe Gottes formt sich zu einer
Antwort, die einmündet in das Sprechen der Gemeinschaft:
Es heißt dann nicht etwa: Mein Vater ... mein tägliches
Brot gib mir heute ... sondern wer betet, betet als Gemeinschaft.
Wer betet, ist nie allein. Wer betet, hat Unterstützung
von oben - durch den Heiligen Geist - und von allen Seiten
- indem die Kirche das Gebet des Einzelnen mitträgt und
es dahin führt, wo es von Gott gehört und angenommen
wird. - Seitdem Jesus die Worte des Vaterunser den Jüngern
und damit auch uns heute vorgesprochen hat, beten wir diese
Worte nicht aus eigener Kraft und eigenem Vermögen, sondern
durch und mit Christus! Das sollten wir bedenken, wenn wir
anfangen zu beten und wenn wir vom Gebet sprechen: Es bedeutet
Gemeinsamkeit mit Jesus, der unser Mittler zum Vater ist.
Er spricht für uns, wenn unsere Worte versagen. Er tritt
für uns ein, wenn wir schwach und mutlos sind. Er macht
gut, wo wir etwas verbaut haben. Und er beschenkt uns mit
der Gewißheit, daß wir mit unserem Gebet Gott
nie lästig werden. Ja, er fordert uns geradezu auf, Gott
zu belästigen wie ein nächtlicher Besucher, der
dem schon schlafenden Nachbarn höchst unwillkommen ist,
aber der dennoch erhält, um was er bittet - nicht, weil
dem Nachbar die nächtliche Störung gefallen hätte,
sondern weil der Störenfried nicht locker läßt
und seine Zudringlichkeit so groß ist, daß der
andere keine andere Wahl hat, als ihm das Gewünschte
durch die Tür zu reichen.
So, will Jesus sagen, ist Gott zu uns in seiner Güte:
Er hört sich unsere armseligen Wünsche an. Er läßt
sich stören von uns. Er will gesucht und gefunden werden
von denen, die wissen, daß sie Bedürftige sind.
Der Mensch ist ein Armer, der Gott um alles bitten muß,
sagt der heilige Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney.
- Das heißt doch mit anderen Worten nichts anderes als
dies: Da hilft nur noch Beten.
3. Predigtvorschlag
Gott, die Sicherheit unseres Lebens
Gott, die Sicherheit unseres Betens
Immer, wenn ich nach einigen Tagen Abwesenheit in unsere
Gemeinde zurückkehre, dann freue ich mich auf das Läuten
der Angelus-Glocke unserer Kirche. Dreimal am Tag lädt
dieses Läuten uns ein, kurz innezuhalten und sich daran
zu erinnern, wie nahe uns Gott doch gekommen ist durch die
Menschwerdung seines Sohnes.
Heute morgen wurde ich enttäuscht. Die Glocke läutete
nicht. Es funktionierte wohl das Anschlagen dreimal drei Mal.
Das ist schon ein schönes Zeichen, ein Sinnbild für
die Dreifaltigkeit Gottes, für die überströmende
Liebe, die in Gott selbst ist. Doch das Geläut, das sich
daran anschließen sollte, war nicht zu hören.
Man muß in den Glockenturm hinaufsteigen, dort einen
alten schwarzen Sicherungskasten öffnen und sieht ein
Gewirr von alten und neuen Kabeln, von Schaltern und Sicherungen,
die schon eingebaut wurden, seit das erste Geläut installiert
wurde, und von solchen, die angebracht worden sind, als vor
einigen Jahren die große Dreifaltigkeitsglocke angebracht
werden konnte. Und dann muß man in diesem bunten Allerlei
ein einziges winziges Knöpfchen aus Plastik drücken,
und schon läuft der Motor der Angelusglocke wieder an.
Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man es nur weiß.
Es ist ganz einfach, wenn man es nur weiß. Dieser
kleine Knopf, der gedrückt werden muß, damit die
Sache läuft, ist für mich so etwas wie ein Sinnbild.
Er steht sozusagen für das Ganze. Die Jünger bitten
Jesus: "Herr, lehre uns beten!" (Lk 11,1). In der
Tat ist Beten das Größte, was wir Menschen tun
können. Die Jünger haben gesehen, daß Jesus
betete und wie er betete. Sie haben gesehen und erfahren,
wie er es immer wieder und lange getan hat. Beten gehört
zum Richtigsein des Menschen. Beten heißt nicht oder
muß nicht heißen, selber viele Worte zu machen.
Sondern Beten heißt, still zu werden, zu hören
und Gott in sich sprechen zu lassen. Beten heißt, zu
vertrauen und im Vertrauen beständig und treu, ja direkt
hartnäckig zu sein, wie einer, der wieder und immer wieder
um das Gleiche bittet. Beten heißt auch nicht, zu meinen,
wir seien Menschen, die Gott lieben. Beten heißt vielmehr,
aus dem Glauben zu leben, daß Gott mich liebt und mich
immer liebt. Er liebt mich so, daß er seinen Sohn für
mich hingegeben hat, schon als es mich noch gar nicht gab.
Das ist das große Geschenk Gottes, daß Gott jeden
Menschen von Anfang an geliebt hat und daß Jesus für
alle Menschen gestorben und auferstanden ist.
Wenn so das Beten etwas Schönes und Gutes ist, warum
konnte es dann so weit kommen, daß das Gebet vielfach
abgestorben und aufgegeben ist? Daß - im Bild ausgesprochen
- die Sicherung heraus ist und die Glocke nicht mehr läutet?
Wo ist das tägliche, das gemeinsame Gebet noch etwas,
das wirklich gelebt wird? Wo machen Eltern ihren Kindern noch
wirklich vor, was das heißt: zu Gott zu beten, der unser
guter Vater ist? Viele Kinder, die getauft sind, kennen das
Vaterunser nicht mehr, nicht weil sie es nicht sprechen wollen
oder weil sie zu dumm wären, es zu behalten, sondern
weil sie es überhaupt nicht mehr hören. - Was ist
da passiert? Ich könnte mir vorstellen, da ist das gleiche
passiert wie mit unserer Angelusglocke: Die Glocke selbst
ist da, sie hängt in einem wunderbaren Turm und in einem
aufwendigen Glockenstuhl, aber das ganze nützt nichts,
wenn da kein Strom fließt, der den Motor und die Glocke
in Bewegung setzt. Erst dann kann etwas erklingen, die Melodie
der Glocke, die wir weithin hören können.
Und genauso ist es auch mit uns: Erst wenn wir in uns den
Strom der Gnade fließen lassen, erst wenn wir Gott an
uns heranlassen, dann kommt es in uns zu einem Klang, zu einer
Melodie, zu einem Gebet. Gebet ist ja nicht nur trockenes
Wort, Gebet ist auch der Gesang, die Musik, die Sprache des
Körpers. Ich habe in Lourdes Menschen gesehen, krank,
im Rollstuhl, in sich versunken, nur mit einer brennenden
Kerze in der Hand, und jeder konnte sehen: Dieser Mensch betet.
Alles weist darauf hin, daß er jetzt, in diesem Moment,
ganz auf Gott vertraut.
Wir haben in Lourdes viele Jugendliche gesehen, die oben
im Camp des Jeunes, im Zeltlager, wohnen und unten, im heiligen
Bezirk und in den Krankenstationen, Dienst tun für die
Pilger und die Kranken. Diese jungen Leute sitzen oft abends
zusammen, singen und erzählen, und man sieht: Das, was
sie leben und tun, ist schon Gebet, ist schon Dienst am Nächsten,
der unsere Hilfe braucht, und Dienst an Gott, der uns Maria
geschenkt hat, die große Betende, die mit uns und für
uns betet.
Und für viele wird eine solche Wallfahrt, eine solche
Begegnung mit Menschen, die beten und vertrauen, wieder zu
etwas, das dann den Strom wieder freigibt, so daß dann
das eigene Herz wieder frei zu schwingen beginnt wie eine
Glocke, die weiß, daß sie nicht für sich
selbst da ist, sondern um hinzuweisen auf das Größere,
auf den Größeren, der sie in seinen Dienst gerufen
hat.
Hoffen wir, daß der Strom für die Angelusglocke
unserer Kirche nicht allzuoft unterbrochen wird, damit sie
ihren Dienst tun kann. Und hoffen wir auch, daß auch
der Strom frei fließen kann, der in uns wirksam werden
will, damit wir unser ganzes Leben ausrichten auf Gott und
ihn immer neu erkennen als den Vater, der uns über alle
Maßen liebt.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Gott kommt bei Abraham zu Besuch und erzählt, so nebenbei,
dass er gerade auf dem Weg ist nach Sodom und Gomorra. Er
will nachschauen, ob alles wirklich so schlimm ist, wie man
sagt; und wenn es sich bestätigt - na, dann ist Feierabend
in den Städten. Gott hat beschlossen, diese beiden Städte
auszurotten, wenn sie nicht von ihrer Sünde lassen wollen.
Wie würden Sie reagieren, wenn ein Prophet an Ihre Haustüre
klingelt und so etwas ähnliches sagt? Wahrscheinlich
würden wir uns abwenden und sagen: An einen solchen Gott
glaube ich nicht - ein strafender und zorniger Gott ist nichts
für mich. Zu einem solchen Propheten würden wir
schnell "Geh weiter" sagen - auch, wenn es Gott
selbst wäre. Dieser Gott ist für mich nicht diskutabel.
Abraham mag vielleicht ebenso gedacht haben - aber er hat
sich nicht abgewandt; er hat nicht gesagt: Diesen Gott kannste
vergessen. Nein, er wollte glauben, er möchte diesen
Gott lieben und er will nicht von ihm lassen. Deshalb, nicht
weil er es besser weiß als der Herr selber, macht er
ihm Vorwürfe, er handelt mit ihm und feilscht. Im Grunde
handelt er nicht um das Leben der Menschen in Sodom und Gomorra,
sondern er ringt um seinen Glauben: Wie verhält sich
dieser Gott, wenn ich ihn bitte? Steckt vielleicht doch mehr
dahinter? Was passiert wohl, wenn ich noch einmal bitte?
Liebe Schwestern und Brüder, nicht umsonst nennt die
Tradition Abraham den "Vater des Glaubens". Sehr
demütig hat sich nicht benommen, das mag sein. Aber er
hat sich auch nicht hochmütig abgewandt. Er hat mit diesem
Gott gerungen, gebetet und nicht locker gelassen. Vielleicht
ist es das, was Gott von ihm erwartet hat. Vielleicht ist
es das, was Gott von uns erwartet: Das wir ihn bitten, mit
ihm reden, wenn uns etwas nicht passt; das wir nicht locker
lassen. Nicht umsonst tut Jesus im heutigen Evangelium nichts
anderes als: "Betet! Um Himmelswillen - betet doch!"
zu sagen.
Warum? Warum lässt sich Gott auf den Handel mit Abraham
ein? Warum will er, dass wir beten? macht er denn nicht sowieso,
was er will? - Ja klar, Gott macht, was er will. Deshalb ist
er ja auch Gott. Aber - was will er überhaupt?
Er will eben nicht eine Stadt zerstören. Er will nicht
seine Ruhe. Er will nicht unser Leid, unseren Tod, unser Unglück.
Er will auch nicht verleugnet werden, verspottet und ausgelacht.
Er will nicht, dass wir uns von ihm abwenden und unsere eigene
Wege gehen. Und doch passiert es immer wieder, seit jeher
bis auf den heutigen Tag. Deshalb fleht er um unser Gebet:
Denn er will mit uns reden; er möchte unsere Zuneigung;
er möchte unser Herz. Er will uns nicht verlieren.
Sodom und Gomorra sind zerstört worden - es haben sich
noch nicht einmal zehn Gerechte dort gefunden. Aber uns wird
er nicht im Stich lassen, um des einen Gerechten willen: Jesus.
Wenn wir uns an ihn halten - im Gebet und ihm Leben - dann
sind wir sicher.
Amen.
5. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Herr, lehre uns beten! Ich betrachte diese Bitte der Jünger
als eines der aktuellsten Anliegen der ganzen Menschheit. Herr, lehre
die modernen Menschen beten, zeige ihnen, was sie gewinnen, wenn sie mit
dir sprechen, und hilf ihnen, in der richtigen Weise zu beten!
Ich bin nicht der einzige, der so empfindet. In jeder Gemeinde gibt es
eine gewisse Zahl von Betern, die darunter leiden, daß ihre Mitmenschen
das Beten weitgehend oder ganz aufgegeben haben. Andere empfinden selbst
große Schwierigkeiten beim Beten, sie können es nicht mehr
und sind darüber sehr betrübt. Dann gibt es immer wieder Leute,
die zu wissen meinen, warum die Menschen so wenig beten: Ihnen fehle die
Erfahrung der Bedürftigkeit und der Grenze. Sie haben alles und leiden
keine Not. Und so wird gern das Sprichwort bemüht: Not lehrt
beten.
Ich gebe zu, daß ich manchmal selbst so denke. Aber immer, wenn
ich tiefer darüber nachdenke, erscheint mir das Sprichwort zum einen
töricht und zum andern zynisch. Gewiß, wir haben die Erfahrung
unseres Angewiesenseins auf Gott nötig, denn wir sind auf ihn angewiesen,
wir sind seine Geschöpfe. Es ist schlicht wahr, daß unsere
Kraft begrenzt ist, daß sie nicht ausreicht, um uns gegen den Tod
zu wappnen. Diese Wahrheit zu verdrängen, bedeutet maßlose
Selbstüberschätzung, und die stürzt uns ins Unheil. Gegen
solche Selbstüberschätzung kann in der Tat die Erfahrung der
Not helfen: sie stößt uns wieder auf die Wahrheit unseres Geschöpfseins.
Aber Gebet entsteht dadurch noch lange nicht. Viel wahrscheinlicher ist
sogar Auflehnung und Empörung: Wie kannst du, Gott, der du
doch gut genannt wirst, diese Not, dieses Leid zulassen? Manche,
die in ihrem Leben nicht viel über Gott nachgedacht und erst recht
kaum gebetet haben, werden durch die Erfahrung des Leidens zu grimmigen
Gottesleugnern. Aber auch die anderen, die nicht zu Atheisten werden,
sind ratlos, wie sie ihre Not zum Gegenstand des Betens machen sollen.
Sie haben es nie gelernt und nie geübt.
Nicht durch Not wird Beten gelernt, sondern durch das Vorbild anderer
und dann vor allem durch das eigene Tun. Beten lernt man nur durch Beten.
Die Jünger sehen Jesus zum Vater im Himmel sprechen, sie sind ergriffen
von der innigen Verbundenheit ihres Meisters mit Gott und möchten
dies von ihm lernen. Es mußte nicht erst die Not im Ölgarten
und am Kreuz kommen, bis sie Jesus beten sahen und selber beten wollten.
Eine solche Vorstellung ist nicht nur gänzlich absurd, sondern auch
zynisch: so als ob das Leiden etwas Positives wäre, das man geradezu
herbeisehnen müsse, damit die Menschen so endlich lernen, was ihnen
wirklich guttut! Nur ein Zyniker kann einen Krieg oder eine andere Katastrophe
herbeisehnen mit dem Ziel, daß die Menschen endlich aufwachen.
Warum wünsche ich mir mit etlichen anderen Christen so sehnlich,
daß die Menschen wieder beten, das Beten wieder ernster nehmen und
sich dafür mehr Zeit nehmen? Was gewinnen wir, wenn wir beten? Es
gibt einen neuen Trend in der Theologie, er findet zunehmende Beachtung
und Zustimmung und verkauft sich auch sehr gut: Da wird auf die positiven
psychischen Folgen des Betens aufmerksam gemacht. Empirische Tests zeigen:
Gebete bauen Streß ab, genau wie Meditation. Sie machen innerlich
stark, bringen neue Kraft. Solche Forschungen sind gewiß wichtig
und richtig, aber sie bleiben doch an der Oberfläche und können
nicht den wirklichen geistlichen Gewinn des Betens zum Vorschein bringen,
im Gegenteil, sie verdecken ihn womöglich noch. Denn so betrachtet,
wäre das Gebet doch nicht wirklich unterschieden von anderen Übungen
und Techniken zur Lebenshilfe, es bliebe anthropozentrisch und hätte
nicht Gott zum Inhalt und Ziel.
Der wahre Gewinn des Betens besteht indessen darin, daß es Ausdruck
der unvergleichlichen Würde des Menschen ist, Ausdruck seiner personalen
Beziehung zu Gott, seiner Gotteskindschaft und Gottesfreundschaft. Es
ist ja gar nicht selbstverständlich, daß Gott mit sich reden
läßt. Schließlich ist Gott der Schöpfer und Herr,
und wir sind seine Geschöpfe. Was können wir ihm schon sagen,
das er nicht wüßte? Aber wenn wir da aus der Heiligen
Schrift und durch das Vorbild von Betern aus den Jahrhunderten erfahren,
daß Gott den Menschen würdigt, seine Anliegen zu hören
und in seine Vorsehung einzubauen, dann öffnet sich für uns
eine ganz neue Dimension unseres Lebens, dann fällt ein seliger Lichtstrahl
aus dem Himmel auf unsere vergängliche Erde. Wer erfahren hat, daß
Gott Anteil nimmt an seinen Sorgen und Mühen, an seinen Erfolgen
und an seinem Scheitern, der besitzt eine Tiefe, die ihn wohltuend von
der Banalität des Alltags abhebt. Ein bekanntes Kirchenlied drückt
diese Erfahrung so aus: Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und
Schmerz mich drücken? Wem künd ich mein Entzücken, wenn
freudig pocht mein Herz? Zu dir, zu dir, o Vater, komm ich in Freud und
Leiden; du sendest ja die Freuden, du heilest jeden Schmerz. Ach,
wenn ich dich nicht hätte, was wär mir Erd und Himmel? Ein Bannort
jede Stätte, ich selbst in Zufalls Hand. Du bists, der meinen
Wegen ein sichres Ziel verleihet und Erd und Himmel weihet zu süßem
Heimatland.
"Herr, lehre uns beten!" Den angesprochenen Gewinn des Betens
kann freilich nur derjenige erfahren, der es sich zur guten Gewohnheit
gemacht hat, Gott in alle Ereignisse seines Lebens einzubeziehen. Und
da, fürchte ich, haben wir einiges an Gebetserziehung aufzuholen.
So wird vielen Kindern leider gesagt, sie brauchten Gott nur einfach zu
bitten, dann werde er, der liebe Gott, schon alles tun, was
man sich wünscht. Oftmals wird ihnen verschwiegen, daß das
Gebet kein Chip für einen Wunschautomat ist! Kein Wunder,
wenn viele Kinder nach einigen scheinbar erfolglosen Versuchen das Gebet
bald aufgeben. Der heilige Augustinus gibt uns da eine wichtige Weisung:
Gott hört auf dein Rufen, wenn du ihn dabei suchst. Er hört
dich nicht, wenn du durch ihn anderes suchst. Das erste und Wichtigste
beim Beten ist, daß wir dabei unsere Beziehung zu Gott verlebendigen.
Das schließt auch ein, daß wir ihn um dies und das bitten,
mahnt uns Jesus doch selbst dazu: Bittet, dann wird euch gegeben;
sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
Gott hört uns an, auch in unseren nichtigen Anliegen. Er nimmt uns
ernst und darum auch das, was wir ihm mitteilen. Kein Gebet bleibt unerhört,
auch wenn Gott manche Wünsche nicht erfüllt, solche nämlich,
die sie sich im Spiegel der seiner unendlichen Weisheit als nicht sinnvoll
erweisen.
Stellvertretend für all die, die das Beten verweigern, bittet die
heilige Theresia von Avila : O mein wahrhaftiger Gott, um welch
widersinnige Sache bitte ich dich heute: daß du den liebst, dem
du gleichgültig bist, daß du dem öffnest, der nicht an
deine Tür gepocht, daß du dem Heilung bringst, der krank sein
möchte und alles daran setzt, es zu sein!
Fürbitten
Bittet, dann wird Euch gegeben werden: Das hast Du uns versprochen,
Herr. So vertrauen wir Dir voller Zuversicht unsere Bitten
an:
-
Dass die Kirche, unsere Missionare und ein jeder von
uns sich - trotz Not und Verfolgung - unbeirrbar für
die Armen und Entrechteten einsetzt.
-
Dass die Reichen und die Satten die Leere der Welt durchschauen
und den wahren Weg des Lebens finden.
-
Dass die Armen, die Hungernden und Trauernden Gottes
Liebe spüren und die Hoffnung nicht verlieren.
-
Schenke uns ein Leben, das Stunde für Stunde durchdrungen
ist von Glauben, Hoffnung und Liebe.
-
Schenke den Kranken und Schwerkranken Gesundheit und
Heil; gib, dass sie ihr Leid nicht einsam ertragen müssen.
-
Schenke unseren Verstorbenen die Erfüllung ihrer
Sehnsüchte. Wir feiern diesen Gottesdienst...
O Gott, du unser Halt und unsere Kraft, höre das Beten
deines Volkes. Lass uns erlangen, um was wir dich bitten durch
Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 474, 1 - 3
Kyrie: sprechen
Gloria: 486
1. Lesung: Gen 18, 20-32
Zwischengesang: 268, 1 + 3
Evangelium: Lk 11, 1 - 13
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 263
Sanctus: 988
Agnus Dei: sprechen
Danksagung: 258, 1 + 2
Schluss: 474, 5 - 7