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Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder!
Sind sie gut versichert? Haben sie neben der Krankenversicherung,
der Arbeitslosenversicherung, der Pflegeversicherung, der
Haftpflichtversicherung auch noch eine Hausratversicherung?
Eine Unfallversicherung? Wie sieht's mit einer Fahrradversicherung,
Kaskoversicherung, Glasversicherung, Urlaubsversicherung und
Lebensversicherung - und was man sonst noch alles versichern
kann - aus?
Wir sind eine Gesellschaft der Versicherten. Versicherungen
bieten guten Schutz, wenn plötzlich Unglücksfälle
auftreten. Das Geschäft mit den Versicherungen läuft,
weil wir alle ein großes Bedürfnis danach haben,
gesichert zu leben.
Durch Versicherungen aller Art versuchen wir unser Leben in
den Griff zu bekommen, vor allem: Die Zukunft in den Griff
zu bekommen. Wir wissen nicht, was da alles auf uns zukommt.
Wir wissen nur, daß so einiges passieren kann.
Außerdem planen wir gerne. Mit den Versicherungen planen
wir unseren Schutz vor bösen Überraschungen. Der
Urlaub war seit Monaten geplant, vielleicht auch schon der
im nächsten Jahr. Karriere und Hausbau, Familienfeierlichkeiten
und besondere Ereignisse wollen ebenfalls von langer Hand
geplant sein.
Gerade hier aber warnt uns sowohl die Lesung als auch Jesus
im Evangelium: Es kommt nicht auf unsere großen und
kleine Pläne an. Worauf es Gott ankommt, ist nämlich
nicht das, was noch in der Zukunft liegt. Was haben wir schon
von der Zukunft in der Hand?
Wenn wir «jetzt» sagen und die Zeit meinen, in
der wir leben, so sind einige schon so bescheiden und meinen
damit nicht unser Zeitalter, unser Jahrhundert, sondern nur
das Jahr 2004, in dem wir gerade leben. Doch was haben wir
von diesem Jahr schon in der Hand? Die eine Hälfte ist
vergangen, daran läßt sich nichts mehr ändern
- auch wenn wir das gerne würden. Und die andere Hälfte
des Jahres liegt noch im verborgenen. Was wird da noch kommen?
Aber selbst nur diesen Sommer - diesen Monat - oder diese
Woche liegt gar nicht in unseren Händen. Nichts können
wir noch von dem ändern, was allein dieser Tag schon
gesehen hat, nichts können wir endgültig voraussehen,
von dem, was heute noch kommt.
Allein in unseren Händen liegt der Augenblick, das Jetzt.
Nichts anderes. Weder die Zukunft, noch die Vergangenheit.
Nur das, was im Moment, im Augenblick geschieht, können
wir beeinflußen.
Nun gut, ich gebe zu: Machen Sie ruhig Plänen, schließen
sie ruhig Versicherungen ab. So weltfremd bin weder ich noch
die Bibel, daß ich nicht sehe, wie sinnvoll solche Einrichtungen
sind. Aber: Leben müssen wir jetzt! Leben können
wir immer nur im Augenblick, nicht in der Zukunft und nicht
in der Vergangenheit.
Und Leben - das heißt, die Welt, die Natur, das Wetter
genießen und sich daran freuen. Die Menschen genießen
und sich mit ihnen freuen. Gott genießen - und sich
an ihm freuen. Das Gebet zu genießen.
Sind sie hier? Sind sie in Gedanken jetzt hier? Bei ihren
Nachbarn, in dieser Kirche, mit Gott? Oder sind sie in Gedanken
schon beim Grillen heute abend, im Freibad morgen oder bei
der Arbeit am Montag?
Jetzt haben sie die Möglichkeit, in diesem Augenblick.
Aber dieser Augenblick ist nicht nur unser Augenblick. Letztlich
sind es die Augen Gottes, die uns anblicken und dadurch unsere
Antwort, unser Mittun, unser Danken erwarten.
Und nur diese Augenblicke machen uns reich. Reich sind wir
nicht durch das, was wir haben und uns leisten können.
Reich ist der, dem der Augenblick gehört, und der jeden
neuen Augenblick aus Gottes Hand nimmt.
Amen.
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2004)
Liebe Gemeinde!
Nicht selten höre ich, wie Menschen stolz über sich und ihre
Familie sagen: Wir verstehen uns alle prima. Bei uns gibt es keinen
Streit. Dann lockt es mich jedesmal, die Frage zu stellen: Haben
Sie schon mal geerbt?
Unglaublich viel Geld lagert auf den Banken und ähnlich viel Wert
steckt in Immobilien und nicht wenige Menschen meiner Generation
spekulieren auf ein ansehnliches Erbe. Doch fast ganz gleich, um wieviel
Geld es geht, wenn der Erbschaftsfall eintritt gibt es fast immer einen
Mordskrach zwischen den Verwandten. Das war schon immer so wir
hörten gerade, daß jemand Jesus als Schlichter im Erbenstreit
vereinnahmen wollte. Doch dieser läßt sich gar nicht erst in
diese Rolle stecken: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter
bei euch gemacht? Und er warnt vor der Habgier, die zu allen Zeiten
der Grund für Zank und Streit gewesen ist. Seine Mahnung ist jederzeit
gültig: Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, daß
ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluß
lebt.
Das Gleichnis, das Jesus zur Veranschaulichung erzählt, führt
ein wohlbekanntes Verhalten vor Augen: Ein reicher Bauer will die Logik
des Marktes ausnutzen und seinen ohnehin reichlichen Profit dadurch vergrößern,
daß er das Getreide hortet, die Ernte zurückhält und so
den Preis hochzutreiben versucht. Sein Besitz ist für ihn zur Ware
geworden. Er hätte ja auch zufrieden sein können mit dem, was
er hat aber nein! er will die alten Scheunen sogar abreißen
und größere bauen lassen. Seine ganzen Überlegungen kreisen
um sein Ich. Dabei genießt er noch nicht einmal sein Leben. Sein
Besitz erweckt in ihm keine Dankbarkeit, sondern neue Sorgen, und diese
Sorge ist Vorsorge für sein Planen.
Dieses Verhalten erzeugt Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, es spaltet
die Gemeinschaft in Gewinner und Verlierer. Es ist heute nicht anders
als gestern. Ein Arbeiter in Indonesien bekommt für einen Turnschuh,
den er für Nike anfertigt, 12 Cent, und dieser Schuh wird bei uns
für 120 Euro, das Tausendfache verkauft. Gewinnmaximierung auf Kosten
anderer! Ein Kaffeebauer in Brasilien kann sich heute den Kaffee nicht
mehr leisten, den er mühsam von den Feldern erntet das war
vor dreißig Jahren noch anders. Da konnte er es, und wir mußten
damals noch einen fairen Preis bezahlen. Da es auf der Welt genügend
Arme gibt, die für einen Hungerlohn arbeiten, können die multinationalen
Konzerne die Regierungen und Gewerkschaften erpressen, Zug um Zug die
sozialen Gesetze abzubauen. So verlagert VW einen Teil seiner Produktion
nach Polen und zahlt dort einen Stundenlohn von einem Euro.
Jesus prangert dieses Streben nach Gewinn, der nur wenigen zugute kommt,
an. Dazu muß er an die Wurzel des Übels gehen, die Habsucht.
Gott spricht im Gleichnis zum habgierigen Mann: Du Narr! Noch in
dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert. Jedem
geschieht so, wie er gelebt hat. Wer das Leben als ein Geschäft auffaßt,
als ein Leihen und Spekulieren, dessen Leben fordert Gott zurück,
denn er hat es als Leihgabe gegeben. Wer sein Leben aber annimmt als Geschenk,
als Gelegenheit zu lieben und zu dienen, der darf sein Leben behalten,
und es wird ihm sogar das Ewige Leben dazugegeben.
Wer für sich selbst Schätze sammelt, der ist vor Gott nicht
reich. Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motte und Rost
sie verderben, sondern sammelt euch Schätze im Himmel. (Mt
6,19f) Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (Mt
6,21), sagt Jesus an anderer Stelle. Niemand kann zwei Herren dienen
(Mt 6,24). Wenn Gott unser Herr und unser Schatz ist, dann muß unser
ganzes Streben darauf gerichtet sein, vor ihm reich zu werden, d.h. unser
Herz ihm und dem Mitmenschen zuzuwenden. Diese Wahrheit müssen wir
uns früh genug bewußt machen, sagt Jesus, jetzt schon, wo wir
noch jung sind und es uns gut geht, damit wir nicht nur für uns Schätze
sammeln, die doch nur Windhauch sind und vor Gott nicht zählen.
Fürbitten
Zu Gott, dem allmächtigen Vater, der unsere Erde erschaffen
hat und sie in liebender Sorge erhält, beten wir voll
vertrauen:
-
Führe alle, die an Dich glauben, zu Einigkeit und
Frieden.
-
Halte die Mächtigen der Erde zurück vor dem
Mißbrauch der Macht und vor jedem Unrecht.
-
Steh den Menschen bei, die unter Unglück und Katastrophen
zu leiden haben; besonders beten wir für die Opfer
der Flutkatastrophe in China.
-
Bewahre uns vor Versuchung, Geld und Reichtum mehr zu
lieben als Dich und unseren Nächsten.
-
Erbarme Dich unserer Verstorbenen und gewähre ihnen
den ewigen Frieden. Besonders beten wir für ...
Allmächtiger Gott, schenke uns eine rechte Ordnung der
Welt, daß wir Dir in Freiheit und Frieden dienen. Darum
bitten wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 263, 1 - 3
Kyrie: 463 (nicht anzeigen)
Gloria: 464
1. Lesung: Koh 1, 2; 2, 21-23
Zwischengesang: 295, 1 - 3
Evangelium: Lk 12, 13-21
Credo: 467
Gabenbereitung: 259
Sanctus: 469
Agnus Dei: 470
Danksagung: 263, 4 - 5
Schluß: 690, 1 + 3