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Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
von Pfarrer Klaus Klein-Schmeink - 26.08.07
Schwestern und Brüder!
„Die Hölle gibt es doch gar nicht!“ oder „Die Hölle
ist leer!“
So höre ich viele Menschen reden. Auch viele Christen.
Die Menschen glauben zwar größtenteils daran, dass es nach dem
Tode irgendwie weitergeht;
aber den Glauben daran, dass im Jenseits die Guten von den Bösen geschieden
werden, die einen in den Himmel, die anderen an einen Ort der ewigen Verdammnis
kommen – diesen Glauben verweisen die meisten Menschen –eben auch
viele Christen- in das Reich der Legenden.
Nun, an einer gewissen Ablehnung des Gerichtsgedanken ist auch etwas Richtiges
dran:
Ein Glaube der sich nur an Gott und an das Gute hält, weil man Angst
hat, in der Hölle zu landen, ist ein nicht sehr befreiender Glaube.
Gott und den Menschen soll man lieben, weil beide liebenswert sind, und nicht
allein, weil sonst das ewige Feuer droht.
Eine Ehe, die nur aufrechterhalten wird, weil sonst Unterhaltszahlungen drohen,
ist keine echte Ehe mehr, erst recht keine Liebe.
Dennoch: Das Leben aus der Sicht des berühmten Karnevalsliedes „Wir
kommen alle, alle, alle in den Himmel“ zu beurteilen hat verheerende
Folgen.
Das wäre ein Freibrief für jeden und jede, das zu tun, wonach es
einem gerade gelüstet. Nach dem Motto:
Ob ich kaufe oder stehle, ob ich die Wahrheit sage oder lüge, ob ich
töte oder das Leben der anderen achte, ist ja egal:
Zum Schluss komme ich ja ohnehin in den Himmel.
Der barmherzige Vater im Himmel degeneriert dann zum treudoofen Onkel.
Ein Glaube, der ein Gericht ablehnt, nimmt unser Leben dann nicht wirklich
ernst.
Sowohl das Leben der Heiligen und Seligen, als auch das Leben, der Hitlers
und Stalins aller Zeiten.
Aber auch Ihr Leben und das meinige nimmt eine solche Haltung nicht ernst.
Machen wir uns nichts vor:
Es gibt so etwas wie das persönliche Gericht eines jeden Menschen vor
Gott.
Bei Gericht dürfen wir nicht daran denken, dass dort ein willkürlicher
Despot sitzt und nach Lust und Laune verurteilt. Ein Richter nimmt sorgfältig
auf, was war und ist. Danach entscheidet er.
Denn Gott nimmt unser Leben ernst. Er nimmt das ernst, was wir sind und was
wir tun.
Das ist keine Drohung, keine Drohbotschaft, mit der ich Ihnen Angst einjagen
will.
Das ist eine Frohbotschaft, die die Liebe Gottes zu uns Menschen ausdrückt.
Nur wer wirklich liebt, nimmt den Geliebten auch wirklich ernst.
Es ist Gott eben nicht egal, was wir tun und wie wir leben, so wie es Eltern
nicht egal sein kann, was ihre Kinder tun und wie sie leben.
Gott nimmt uns ernst.
Nichts anderes hat Jesus, unser Herr, immer und immer wieder gesagt.
Zum Beispiel beantwortet er die Frage aus dem Evangelium heute: „Herr,
sind es nur wenige, die gerettet werden?“
indem er auf den Ernst des Lebens verweist: „Bemüht euch mit allen
Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!“
Es geht Jesus nicht darum, stur und leblos irgendwelche Gebote einzuhalten,
um mit einer weißen Weste durchs Leben zu kommen.
Es geht ihm darum, dass wir auf das unbedingte JA! der Liebe Gottes zu uns
mit einem ebenfalls unbedingten JA! zu Gott antworten. Darauf kommt es am
Ende an. Nicht mehr. Nicht weniger.
Aber dieses JA! gilt es einzuüben. Und dazu helfen uns die Gebote Gottes,
die Gottes- und die Nächstenliebe.
Wir müssen dieses JA! schon hier und jetzt leben. Wir können dieses
JA! nicht auf die Ewigkeit verschieben. Dann ist nämlich die Türe
zu, und wir stehen draußen.
Wessen Leben immer nur aus halbherzigen „JA, irgendwie schon“,
„JA, morgen“ „JA, vielleicht“ bestanden hat,
oder wessen Leben eine ganze Reihe von bewussten, deutlichen und ausdrücklichen
„NEIN!“ beinhaltet hatte, für den wird es unter Umständen
in der Ewigkeit zu spät sein. Dann nämlich ist die Tür ein
für alle mal verriegelt. Das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums.
Liebe Schwestern und Brüder!
Noch einmal: Dies ist keine Drohbotschaft.
Das Evangelium endet ja schließlich mit einer hoffnungsfrohen Vision:
Aus allen Himmelsrichtungen kommen Scharen von Menschen, die im Reich Gottes
zu Tische sitzen, die also „Drin“ sind.
Übrigens hat die Kirche nie gesagt, wer in der Hölle sei, sondern
nur die Seligen und Heiligen genannt, von denen wir glauben, dass sie schon
im Himmel sind.
Für uns Christen gilt, dass wir die begründete Hoffnung auf einen
„Freispruch“ haben, weil Jesus Christus selbst für uns eintritt.
Schließlich ist er genau darum Mensch geworden, um für uns einzutreten.
Und mit einem solchen Anwalt können wir das Gericht wirklich bestehen
Wenn wir uns bemühen, dann dürfen wir – egal, ob es uns immer
gelingt oder vielleicht auch nicht- uns auch getrost auf die Barmherzigkeit
Gottes verlassen.
Bemühen müssen wir uns aber schon: „Müht euch mit allen
Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.“
2. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Ein erfolgreicher Vertreter verliert wegen Alkohol am Steuer seinen Führerschein
und damit auch seine Arbeit; er kann die monatlichen Zinsen und Tilgung
für seinen Neubau nicht mehr bezahlen, verliert auch noch sein Haus
und sackt ein paar Stufen ab. Seine früheren Freunde gehen ihm nun
öfter aus dem Weg, seine drei Kinder werden von ihren ehemaligen
Freunden geärgert, weil sie sich die angesagten Klamotten nicht mehr
leisten können. Und Sprüche kann er sich genug anhören:
Das kommt davon, wenn man zu hoch hinaus will! Man sollte auch nicht
soviel trinken! Und ein ganz aktuelles Beispiel: Ein Politiker
und Bürgermeisterkandidat hat seinen Lebenslauf gefälscht und
unrechtmäßig vorgegeben, einen Doktortitel zu besitzen. Kurz
vor der Wahl fliegt seine Hochstapelei auf. Er muss seine Kandidatur zurückziehen,
verliert alle Anerkennung und muss mit einem Strafverfahren rechnen. Die
neue Existenz, die er sich gerade aufzubauen im Begriff war, ist ein Scherbenhaufen.
Zwei Streiflichter durch unsere Welt, beliebig lassen sich ähnliche
Beispiele finden. Wer zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht
fällt, mahnt schon der Apostel Paulus (1 Kor10,12). Und der
Volksmund sagt: Hochmut kommt vor dem Fall. Das ist
die eine Seite: Wer zu den Ersten gehört hat, kann plötzlich
auf der Verliererseite stehen, auf dem letzten Platz. Aber rechtfertigt
das die Häme und Schadenfreude der anderen? Das ist die andere Seite:
Mit Hinweis auf den eigenen guten Leumund neigen wir Menschen dazu, andere
zu verachten, die aus welchem Grund auch immer auf einen der letzten Plätze
abgerutscht sind. Es ist immer leicht, die Fehltritte anderer aufzudecken
und sich darüber zu erheben, aber wir sollten, bevor wir das tun,
das Wort Jesu bedenken: Ja, es gibt Letzte, die Erste sein werden,
und es gibt Erste, die Letzte sein werden.
Dieses Wort Jesu wie auch sein Bildwort von der engen Tür sind eine
Mahnung an uns, jeden Tag umzukehren. Herr, Herr sagen allein
genügt nicht, auch nicht die regelmäßige Mahlgemeinschaft
mit Jesus bei der Heiligen Messe und das Hören der Verkündigung,
denn wir sollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat
und Wahrheit (1 Joh 3,18). Bemüht euch mit allen Kräften!,
sagt Jesus, denn die Umkehr, die von uns gefordert ist, ist schwer, und
auch uns gilt die Mahnung: Wer zu stehen meint, der gebe acht, dass
er nicht fällt.
Das Wort Jesu von den Ersten und den Letzten hat diese zwei Seiten: Mahnung
für diejenigen, die sich allzu sicher wähnen, und Trost für
diejenigen, die verzweifelt sind. Jesus ist weit davon entfernt, ein Schwarz-Weiß-Bild
zu zeichnen, das es uns ermöglichen würde, die Menschheit in
Gute und Böse einzuteilen und schnell unseren Platz auf der Seite
der Guten zu finden. Es soll uns vielmehr helfen, beide Seiten in uns
selbst zu entdecken: den Hochmut zu bändigen und der Verzagtheit
mit Mut zu begegnen.
Jesus nennt keine Zahlen, wie viele Menschen gerettet werden. Das hätten
wir vielleicht gerne, um uns eine Sicherheit zu verschaffen und uns dann
auf unseren Lorbeeren ausruhen zu können. Gegen ein solches Missverständnis
setzt Jesus das Wort von der engen Tür. Nicht um damit zu sagen,
dass die Chance, gerettet zu werden, gering ist, sondern um uns vor trügerischer
Selbstsicherheit zu bewahren.
Das Bildwort von der Tür sagt doch zuerst dies: Die Tür steht
für alle offen; Gott will, dass alle gerettet werden und zur
Erkenntnis der Wahrheit gelangen. (1 Tim 2,4) Die Frage ist nur:
Schätzen wir das auch recht ein? Schätzen wir uns selber richtig
ein? Ich meine damit: Sehen wir, dass wir selber zuerst der Gnade Gottes
bedürfen, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder? Wenn ich
die Fehler anderer so klar erkenne, sind mir meine eigenen genauso bewusst?
Wenn ich mich unter den Ersten wähne, halte ich das dann für
mein Verdienst? (Oder bin ich vielleicht nur bisher nicht erwischt worden?)
In einem Hochgebet heißt es: Wäge nicht unser Verdienst,
sondern schenke gnädig Verzeihung. Das ist die richtige Haltung
vor Gott, und wer sie einnimmt, der wird sich schwerlich über einen
anderen Menschen erheben, ihn verurteilen oder abschreiben. Wenn wir diese
Haltung einnehmen, können wir immer wieder Trost, Kraft und Mut gewinnen
und eine Geborgenheit in Gott erfahren, die unser Glaube in erster Linie
schenkt. Und dann ist es auch selbstverständlich und leicht, diese
Aufrichtung des Glaubens auch anderen zuzugestehen, gerade den vermeintlich
Letzten. Sonst kehrt sich das Verhältnis von Ersten und Letzten leicht
um.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder,
jede Messe, die wir hier in unserer Kirche feiern, ist ein Vorgeschmack
auf das himmlische Hochzeitsmahl. Sie ist ein Bild - aber auch ein Prüfstein.
Vor allem ein Prüfstein für die Frage, die "einer"
heute an Jesus stellt: "Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?"
Wir stellen uns oft vor, dass wir irgendwann vor der Himmelstür
stehen und um Einlass bitten. Ob Petrus uns dann hineinlässt, scheint
uns eine Frage der Größe Gottes zu sein - es liegt nunmehr
nicht in unserer Hand. Soll er doch seine Barmherzigkeit zeigen.
Aber Jesus beantwortet nicht die Frage, wenn Petrus hineinlässt und
wen nicht. Sondern er lenkt den Blick auf das, was sich VOR der Himmelstür
abspielt: Denn ist es wirklich so, dass wir vor der Türe sehen und
anklopfen? Oder haben wir längst den Weg verlassen und suchen unser
Heil woanders? Aber: Warum sollte einer nicht in den Himmel wollen? Warum
sollte jemand zu dieser Einladung Gottes "Nein" sagen?
Natürlich ist die Gemeinde hier in der Kirche nicht wirklich deckungsgleich
mit denen, die dereinst im Himmel gemeinsam da Hochzeitsmahl feiern werden.
Aber wenn wir einmal so tun, als wenn alle, die hier sind, sozusagen an
die Himmelstüre klopfen und um Einlass bitten - warum sind dann soviel
nicht hier und bitten erst gar nicht? Warum suchen so viele Menschen nicht
im Glauben Halt und Freude? Warum klopfen so viele Menschen überhaupt
nicht an?
Da hilft uns vielleicht die Lesung aus dem Hebräerbrief weiter.
"Gott züchtigt" heißt es dort. Gott lässt es
zu, dass wir gefordert werden, uns bewähren müssen. Ja, er lässt
es sogar zu, dass uns Leid geschieht, Hoffnungen zerbrechen und Liebe
versagt. Dass Ehe scheitern und liebe Menschen sterben. Wir leiden, trauern
und sind der Verzweiflung nahe sind - und wo ist Gott?
Nicht wenige Fragen: "Warum tut Gott nichts? Will er mich nicht in
seinem Himmel? Ist er kein guter Gott? Er hat die Welt doch in sieben
Tagen - ja, sogar in sechs Tagen erschaffen! Warum nimmt er nicht einfach
alles Leid aus dieser Welt? Warum sortiert er nicht einfach alle bösen
Menschen aus?"
Und der Gedanke wächst schnell: Mit diesem Gott ist kein Brotkorb
zu gewinnen. Was soll ich bei ihm?
Warum soll ich mich bemühen, in ein Hochzeitsmahl mit diesem Gott
einzutreten? Einen Himmel mit diesem Gott? Nein danke.
Der Hebräerbrief gibt darauf eine Antwort: "Glaube nicht, dass
Gott dich nicht liebt, nur weil Du leiden musst. Zweifle nicht daran,
dass er von Dir weiß und sich um Dich kümmert. Er züchtigt
Dich, weil er Dich liebt!"
In den Unglücken meines Lebens Gottes Nähe zu erkennen...?
Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?
Das, meine lieben Schwestern und Brüder, ist der enge Weg. Das Bemühen
mit allen Kräften. Das schaffen viele nicht und versuchen es doch:
Im zänkischen Nachbarn Gottes Anfrage an meine Liebesfähigkeit
zu sehen. Im Autounfall eines guten Freundes meinen Glauben an das ewige
Leben zu prüfen und wachsen zu lassen. Im Verlust meiner Sicherheit
(durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Behinderung) mein Gottvertrauen
zur Reife zu führen. Betrogen zu werden, missbraucht und verletzt,
und deshalb die Größe zu erlangen, wirklich zu verzeihen.
Sehen Sie im nervenden Freund die Gelegenheit, an ihrer Geduld zu arbeiten
- er ist ein Geschenk Gottes. Sehen Sie im Unglück die Gnade, tröstende
Menschen neu zu entdecken. Sehen Sie im Leid des Anderen Gottes Aufruf,
selbst Trost zu spenden und Liebe zu zeigen.
Wer hier anklopft - in jeder Eucharistiefeier - dem wird geöffnet.
Zuallererst die Augen für das Wirken Gottes selbst in jeder Not.
Und dadurch auch die Tür zum ewigen Leben. Amen.
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Wer kommt eigentlich alles so in den Himmel rein? Alle? Nur 144.000,
wie die Zeugen Jehowas glauben - dann wäre der Himmel schon voll
- auch die noch lebenden Zeugen Jehovas hätten dann konsequent gedacht
dort keinen Platz mehr. Ich sag denen dann immer: aber bei uns im Himmel
ist noch Platz! Wir haben es heute wieder in der 1. Lesung und auch im
Evangelium gehört: Gott ruft unsere Brüder aus allen Völkern
zusammen, damit sie seine Herrlichkeit sehen - bzw. bei Lukas vorhin:
"Und man wird von Osten und Westen, Norden und Süden kommen
und im Reich Gottes zu Tisch sitzen." - aus allen Himmelsrichtungen
werden die Himmelsbewohner kommen, alle Menschen sind eingeladen.
Sind also auch alle drin? Oder sind es nur wenige, die gerettet werden?
So war ja auch die Ausgangsfrage im heutigen Evangelium. Und Jesus antwortet
nur indirekt: bemüht Euch mit allen Kräften, durch die Enge
Tür zu gelangen, denn vielen wird es nicht gelingen. Ihr selbst werdet
ausgeschlossen sein. Ziemlich deutlich sagt Jesus hier, dass nicht alle
einfach so in den Himmel kommen, die auch rein wollen, dass es doch auch
wohl Bewohner in der sogenannten Hölle gibt. Anders weiß ich
diese Worte Jesu nicht zu deuten. Und sie sind Ihm auch nicht im Nachhinein
in den Mund gelegt worden. Im Gegenteil: es gilt als sicher, dass Jesus
diese Worte so gesagt hat. Und er hat damit auch etwas beabsichtigt. Er
wollte uns keine Angst machen: buhhh - die Hölle; sondern er will
uns ermahnen, erinnern, nicht alles so selbstverständlich zu nehmen,
so automatisierend: ich gehöre ja zum Volk Gottes: zum auserwählten
Volk Israel oder durch den Taufschein zu den erretteten Christen - mir
kann ja nichts passieren. Sondern die Zugehörigkeit zu Gott erwartet
auch ein gottgefälliges Leben.
Die 2. Lesung hat es so deutlich gemacht, dass Gott uns züchtigt
und dadurch etwas Gutes tun möchte, so wie der Vater seinen Sohn
auch mal etwas verbieten muss, damit er zum Guten geführt wird. Diese
Rede von der engen Tür zum Himmelreich erinnert uns daran, dass der
breite Weg der Gesellschaft nicht automatisch der Richtige ist, dass es
manchmal Mühe kostet, den gottgefälligen engen Weg zu gehen,
aber dass er nötig ist!
5. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, wir schieben die Frage gerne von uns
und tun so, als ob sie schon längst beantwortet wäre: Die Frage
nach Himmel und Hölle - und auch die Frage, wo wir denn unseren Platz
haben.
Ob es ein Leben nach dem Tode gibt, ist bei den meisten Menschen nicht
strittig. Mehr als 70 % aller Menschen glauben daran, dass es nach dem
Tode irgendwie weiter geht.
Der Glaube aber daran, ob im Jenseits die Guten von den Schlechten geschieden
werden, die einen in den Himmel kommen - und die anderen an den Ort ewiger
Verdammnis - das verweisen sogar die meisten Christen als längst
überholt in das Reich der Legenden.
An dieser Ablehnung des Gerichtsgedanken ist etwas richtiges dran: Ein
Glaube, der sich nur an Gott und das Gute hält, weil man Angst hat,
in der Hölle zu landen, ist kein Glaube. Gott und die Menschen sollte
man lieben, weil beide liebenswert sind, und nicht, weil sonst das ewige
Feuer droht. Eine Ehe, die nur noch aufrechterhalten wird, weil sonst
Unterhaltszahlungen drohen, ist keine Ehe mehr, von Liebe ganz zu schweigen.
Aber so richtig diese Kritik ist, der Vermutung, alle Menschen kämen
- ohne Unterschiede - in die himmlische Herrlichkeit würde unser
Leben hier restlos entwerten. Nicht nur unser Leben: Das Leben einer Mutter
Theresa bspw. wäre reinste Lebensverschwendung. Und auf der anderen
Seite: Was ist denn mit den Schlächtern in Bosnien-Herzegowina oder
im Kosovo, die Menschen auf brutalste Weise quälen und töten,
und die - bis jetzt zumindest - ungestraft davon kommen? Was ist mit den
KZ-Wärtern, die sich ein schönes Leben in Südamerika machen?
Was ist mit den bezahlten Mördern der Straßenkinder in Brasilien?
«Schön, dass ihr auch hier seid...» - ???
Machen wir uns nichts vor: Es gibt so etwas wie das persönliche
Gericht eines jeden Menschen. Denn Gott nimmt unser Leben hier auf Erden
ernst, nicht nur das der Kriegsverbrecher und Mörder, sondern dann
auch das eines jeden Menschen. Das ist keine Drohung, keine Angstmacherei,
sondern Ausdruck der Liebe Gottes: Es ist eben nicht egal, was wir tun,
wie wir leben. Nichts anderes hat Jesus uns immer wieder gesagt. Er antwortet
nicht auf die Frage, wieviel gerettet werden. Er antwortet, indem er uns
auf den Ernst des Lebens verweist. «Müht euch mit allen Kräften!»
Unser Leben darf allerdings nicht darin bestehen, Punkte zu sammeln,
bis wir ein Konto haben, das zum Eintritt in den Himmel berechtigt. Unser
Leben ist auch kein stures befolgen von Geboten und Vorschriften, um dann
mit einer weißen Weste vor Gott stehen zu können.
Wenn wir einmal vor Gott stehen, dann ist das einzig entscheidende, ob
wir zu Gottes unbedingter Liebe ein ebenso unbedingtes «Ja!»
sprechen. Nicht mehr, und nicht weniger.
Aber in dieses «Ja» müssen wir uns einüben, das
«Ja» zu Gott und den Menschen müssen wir hier schon Leben
lernen. Wir können dieses «Ja» nicht auf die Ewigkeit
verschieben: Dann ist die Türe zu, und wir stehen draußen.
Wessen Leben immer nur aus halbherzigen «Ja, vielleicht»,
«ja, morgen schon» oder «ja, wenn, dann» bestanden
hat, oder - was ich persönlich durchaus schon erfahren habe - wessen
Leben eine ganze Reihe von deutlichen, bewussten und ausdrücklichen
«Nein!» zu Gott zum Inhalt hatte, für den wird es - so
die Botschaft des heutigen Evangeliums - in der Ewigkeit zu spät
sein. Dann ist die Türe nämlich verriegelt.
Das Evangelium schließt aber sehr hoffnungsvoll: Da ist die Rede
von Scharen aus dem Osten, Westen, Norden und Süden, die vom Reich
Besitz ergreifen. Denn für uns Christen gilt, dass wir die begründete
Hoffnung auf «Freispruch» haben, weil Jesus Christus selbst
für uns eintritt. Schließlich ist er genau darum Mensch geworden,
um für uns eintreten zu können. Und mit einem solchen Anwalt
kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Wenn wir uns bemühen, dann dürfen wir - egal, wie weit es uns
gelingt - uns auch getrost und in aller Seelenruhe auf die Barmherzigkeit
Gottes verlassen.
Amen.
6. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, die Frage ist bei uns Christen heutzutage
allgegenwärtig: Warum werden wir eigentlich immer weniger? Weniger
im Gottesdienst, weniger in der aktiven Mitarbeit der Gemeinde, weniger
im gemeinsamen Gebet... - und so stehen die Befürchtungen bei der
Kandidatensuche für den Pfarrgemeinderat im Raum: Wird da überhaupt
noch einer mitmachen?
In den letzten Jahrzehnten der Experiment und gegenseitigen Vorwürfen
wird es immer deutlicher: Das Problem liegt gar nicht zuerst in der Kirche
selbst begründet. Zugegeben, vieles liegt auch bei unserem kirchlichen
Tun im Argen und wir Katholiken müssen immer wieder kritisch auf
das schauen, was wir tun. Aber die eigentlichen Gründe liegen in
den gesellschaftlichen Veränderungen, die wir heute erleben. Immer
mehr distanzieren sich die West-Europäer von christlichen Werten,
die mancher noch für selbstverständlich und für ein Allgemeingut
gehalten hat. Es ist doch einfacher, das zu tun, was bequem ist, als das,
was moralisch ist. «Bevor ich mir von den Kirchen ein schlechtes
Gewissen machen lasse, gehe und höre ich dort einfach nicht mehr
hin. Denn wenn die Kirchen mir kein gutes Gefühl vermitteln, sondern
eher den Finger in die Wunden der Gesellschaft und damit auch bei mir
legen, dann haben die Kirchen mir eben nichts mehr zu sagen.»
Da ist das heutige Evangelium und die Lesung aus dem Hebräerbrief
eine heilsame Kritik und kann als "Zurechweisung" Gottes verstanden
werden: Das Reich Gottes liegt nicht auf der Straße. Es ist nicht
das Vielbesuchte, Selbstverständliche und Bekannte. Man kann es nicht
wie ein breites, freundliches Portal betreten, ohne anzuecken. Man muss
sich hineinzwängen. Es ist die tägliche Mühe, Gottes Willen
zu erkennen und anzuerkennen. Er ist nicht mein Wille, meistens läuft
er dem völlig entgegen, was ich will. In dieses Reich Gottes (und
damit ist nicht der Himmel gemeint, sondern der Glaube, der mich hier
auf Erden schon erfüllt!) kann nur der gelangen, der den Willen Gottes
freudig tut.
Liebe Schwestern und Brüder, Der Hebräerbrief, aus dem wir die
Lesung gehört haben, ist am Ende des ersten Jahrhunderts an die zweite
Generation der Christen geschrieben worden. Sein Ziel ist es nicht (wie
in den meisten Paulusbriefen), Irrlehren zu bekämpfen, sondern einer
wachsenden Ermüdung und Gewöhnung der Christen entgegenzutreten.
Das Anliegen Jesu, die Weckung des Glaubens und die Sammlung des Gottesvolkes,
war in Gefahr, verloren zu gehen. Die tätigen Hände der ersten
Generation waren abgearbeitet und die Knie derer, die berufen waren, Neues
zu wagen, waren müde geworden.
Das ist doch genau das, was wir heute erleben, oder? Da fällt das
Beten schwer, die Kinder wollen nicht zur Kirche, man erwischt sich immer
wieder bei Lügen und bei kleinen und großen Lieblosigkeiten,
und trotzdem liegt mir die Beichte so fern wie die Hauptstadt von Timbuktu.
Wie einfach wäre es, ohne Gott und ohne Moral, ohne Kirche und ohne
religiösen Pflichten! Müdigkeit macht sich breit.
Liebe Schwestern und Brüder, nichts ist dem Hebräerbrief fremder
als in das dumpfe Klagen über diese Zustände einzustimmen. Er
vergleicht den Weg des Glaubens mit der Schule. Das Vertrauen auf Gottes
Fügung wird schließlich nicht mit Genen vererbt. Es muss gelehrt
und gelernt werden, von Generation zu Generation. Auch das Lesen, Rechnen
und Schreiben zu lernen macht Mühe; bequemer wäre es, die Schrift
und die Mathematik abzuschaffen, als sie immer wieder mühsam zu erlernen.
Ich kenne wenige Schüler, die sich auf die Abiturprüfungen freuen.
Auch die erste Generation, die Apostel, die Männer und die Frauen,
die Jesus gefolgt waren, hatten eine harte Schule mitmachen müssen,
deren größte Prüfung das Aushalten unter dem Kreuz war.
Diese Schule kann keiner Generation erspart bleiben, und diese Schule
ist immer auch eine harte Schule: «Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt
werdet! Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht
Freude zu bringen, sondern Schmerz, später aber schenkt sie dem,
der durch diese Schule gegangen ist, als Frucht Frieden und die Gerechtigkeit.»
Klagen wir nicht, sondern tun wir, was Gott uns aufträgt. So werden
"die erschlafften Hände wieder stark und die wankende Knie wieder
fest!" Gott gibt immer wieder Freude zu unserem Tun, egal, wieviele
wir sind. Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du bist unsere Hoffnung und unser Beistand auf all
unsere Wegen. Zu Dir können wir komm und Dich bitten:
-
Schenke allen Menschen, die gedankenverloren durchs Leben gehen,
die liebende Aufmerksamkeit für ihre Mitmenschen.
-
Schenke allen Seelsorgern, Priestern und Laien, die Gabe, von der
Freude zu leben und sie anderen weiterzugeben.
-
Schenke den Mutlosen Kraft, den Schwachen Deinen Beistand, den Unentschlossenen
Zielstrebigkeit, allen aber Deine Barmherzigkeit.
-
Schenke unserer Kirche immer wieder junge Menschen, die sich zu deinem
Dienst berufen wissen; sei bei denen, die aus unserer Gemeinde deinem
Ruf folgen.
-
Schenke den Kranken und Sterbenden Deinen Trost, sei Ihnen nahe in
aufmerksamen Menschen.
-
Schenke den Verstorbenen, die auf Dich gehofft haben und die sich
an Dir erfreut haben, ewiges Leben bei Dir. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr, Du weist keinen ab, der sich bittend an Dich wendet. Du bist allen
nahe, die zu Dir rufen. Hilf uns, dass wir nicht verlernen, zu bitten,
durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 644, 1 - 4
Kyrie: 463
Gloria: 486
2. Lesung: Hebr 12, 5-7.11-13
Zwischengesang: 289, 1
Evangelium: Lk 13, 22-30
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 642, 1 - 3
Sanctus: 491
Agnus Dei: 492
Danksagung: 289, 2
Schluss: 644, 5-7