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Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis
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1. Predigtvorschlag
(Pfr. Dr. Axel Schmidt, 2007)
Liebe Gemeinde!
Die Schriftlesungen des heutigen Sonntags empfehlen eine Tugend, die
heute nur selten genannt wird und für viele sogar negativ besetzt
ist: die Demut. Viele verstehen unter Demut oft nur ihr Zerrbild: sie
haben einen schwachen, mit Minderwertigkeitskomple-xen beladenen Typ vor
Augen oder einen schmierigen Kriechertyp, deren falsche Be-scheidenheit
vorwiegend dazu dient, ihrer eigenen Verantwortung aus dem Weg zu gehen.
In Wahrheit geht es jedoch um das Ideal des Menschen, der sich selbst
recht ein-zuschätzen weiß und sich nichts auf seine Charaktereigenschaften,
Titel und Erfolge ein-bildet.
Der hl. Pfarrer von Ars hat gesagt: Die Demut ist das Fundament
aller anderen Tugen-den. Wenn sie uns fehlt, nützen uns alle anderen
Tugenden nichts.
Das klingt übertrieben. Wir können es aber nachvollziehen,
wenn wir uns das entge-gengesetzte Laster vergegenwärtigen, den Hochmut
oder Eigendünkel. Unsre Sprache hat dafür noch weitere Ausdrücke:
Überheblichkeit, Arroganz, Hybris, Eitelkeit und Aufgeblasenheit.
Es gilt zwar erstens: Kein Fehler macht einen anderen so unbeliebt wie
der Hochmut. Aber andererseits gibt es auch keinen Fehler, den wir so
schwer bei uns selbst bemerken. Je hochmütiger wir selber sind, um
so weniger fällt es uns auf, aber um so mehr verdammen wir den Hochmut
bei anderen. Je mehr ich selbst im Mittelpunkt stehen will, um so mehr
ärgert es mich, wenn ein anderer sich in den Mittelpunkt stellt.
Je mehr ich mich in meiner eigenen Überlegenheit über andere
sonne, um so mehr trifft es mich, wenn ein anderer seine Überlegenheit
über mich herausstellt, mich von oben herab behandelt oder mich zurücksetzt.
Der Hochmut lebt wesensmäßig von der Konkurrenz, vom Vergleich
mit anderen; er ist das Vergnügen, anderen überlegen zu sein.
Er verlangt nach Wettbewerb und kennt darum keine Grenzen. Der Hochmut
macht die Menschen untereinander zu Feinden, ja, er ist die Feindschaft
schlechthin. Er ist der Hauptgrund für alles Elend in jedem Volk
und jeder Familie. Er ist ein geistiger Krebs, der den letzten Rest von
Liebe, von Zufrie-denheit und sogar von gesundem Menschenverstand zerstört.
Dies sehen wir heute z.B. an einer Unterart des Hochmuts, der Eitelkeit
und dem Körperkult. Studien der letzten vierzig Jahre belegen, dass
die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem eigenen Aussehen dramatisch gesunken
ist, gerade weil für die Selbstverschönerung ein immer höherer
Aufwand betrieben wurde. Je mehr man investiert, um so größer
sind die Chancen, un-zufrieden zu sein.
Wo der Hochmut die Herzen der Menschen bestimmt, da herrscht eine Hackordnung,
die keine Rücksicht kennt. Jeder benutzt den anderen als Mittel zur
eigenen Selbststei-gerung, als Trittbrett um höherzukommen. Die anderen
werden klein gemacht, damit man selbst als der Größere dasteht.
Das gibt es schon bei Kindern, in Jugendgruppen, nicht selten auch in
Ehen und Familien. Ins Maßlose gesteigert, ist der Hochmut das Strukturprinzip
der Hölle.
Wir dürfen nicht verkennen, dass auch wir selbst infiziert sind
von Hochmut und Selbst-herrlichkeit. Wir haben im Herzen böse Antriebe.
Aber wir können auch auf gute Erfah-rungen zurückblicken: Wenn
wir z.B. ganz selbstvergessen beim anderen waren und die Sorge um unser
eigenes Ich gar keine Rolle spielte ging es uns da nicht besser
als bei anderen Gelegenheiten, wo wir uns fast zwanghaft mit anderen vergleichen
mussten und ständig das Gefühl hatten, zu kurz zu kommen? Haben
wir es nicht schon wieder-holt erlebt, dass andere Menschen uns gerade
dann sympathisch fanden, wenn wir uns bescheiden zurückgehalten haben,
anstatt unsere Person in den Vordergrund zu schie-ben? Zeigt uns also
nicht die Selbstbeobachtung, dass der Hochmut in der Tat Unzufrie-denheit
und Unfrieden erzeugt?
Jesus sagt prägnant: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt
werden, und wer sich selbst er-niedrigt, wird erhöht werden.
Damit will er keine rein menschliche Klugheitsregel aufstel-len, in dem
Sinne, wie Friedrich Nietzsche das Wort verdreht hat: Wer sich selbst
er-niedrigt, will erhöht werden. Vielmehr meint er den ewigen
Ausgleich durch den gött-lichen Richter, wie es im Spruch heißt:
Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt
er seine Gnade. (Jak 4,6; 1 Petr 5,5) Doch das ewige Gericht zeichnet
sich schon in diesem Leben ab: die Hochmütigen sind unbeliebt und
voller Verbitterung, und allein die wahrhaft demütigen Menschen haben
nicht nur viele Freunde, sondern auch ein frohes Herz wie Maria,
die von sich sagt: Meine Seele preist die Größe des Herrn,
denn auf die Demut seiner Magd hat er geschaut. (Lk 1,46.48)
2. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, sicher erinnern sie sich noch an Pater
Nicholas, der hier in der Samstagsabendmesse zu Beginn die Gäste
- also die Gottesdienstbesucher - von den letzten Plätzen nach vorne
geholt hat. Jesus hat es vorgemacht: "Mein Freund, rück weiter
hinauf!"
Aber vermutlich habe Sie sich gar nicht so geehrt gefühlt wie das
in dem Gleichnis gemeint ist. Denn einem Sprichwort zufolge sind "die
besten Plätze in der Kirche, im Krieg und im Kino hinten".
Warum eigentlich?
Nun, wahrscheinlich auch aus praktischen Gründen. Wer ganz hinten
sitzt, ist am Ende des Gottesdienstes schneller zuhause, bei Familie und
Kindern oder bei Theissen. Wer ganz hinten sitzt, fühlt sich nicht
so beobachtet. Wer ganz hinten sitzt, der kann eher seiner eigenen Frömmigkeit
nachgehen und ist nicht so dem direkten Blick des Priesters ausgeliefert.
Alles gute Gründe - und von mir aus dürfen Sie auch gerne -
erst einmal - hinten sitzen bleiben.
Aber es gibt auch etwas anderes zu bedenken.
In einer Zeit, in der das ganze Dorf zur Kirche ging, an den Wallfahrten
teilnahm, den Anbetungsstunden oder Prozessionen, war es sicher ein Zeichen
von Bescheidenheit, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Demut
und Einfachheit sind dann gefragt, wenn wir alle den gleichen Weg gehen.
In einer Zeit aber, in der es nicht mehr selbstverständlich ist,
einen bestimmten Weg auch konsequent zu gehen, ist vielleicht der Mut
inzwischen wichtiger. Der Mut, einfach mal mit gutem Beispiel voranzugehen.
Der Mut, der erste zu sein, der sich in eine Liest einträgt. Der
Mut, vielleicht der einzige zu sein, der sich für eine Anbetungsstunde
einträgt. Der Mut, einer von wenigen zu sein, die zu einem Gottesdienst
kommen.
Früher, als alle kamen, war dazu keine Überwindung nötig.
Da war die Bescheidenheit, die Demut wivhtiger. Heute schauen viele auf
uns - das mag uns peinlich sein, wenn wir bei der Fronleichnamsprozession
an Häusern vorbeigehen, in denen die Menschen hinter den Gardinen
hervorschauen und uns belächeln. Was gefragt ist, ist die Bereitschaft,
zurückzulächeln. Den eigenen Weg mit einer größeren
Selbstverständlichkeit zu gehen und sich nicht zu schämen, nicht
zu fratgen, was andere denken oder ob sie uns für frömmer halten.
Es wäre ja schon viel geholfen, wenn sie uns überhaupt nur
ein wenig für fromm - für gläubig - für gottesfürchtig
halten. Geben wir den Menschen Anlass dazu!
Und nicht nur denen, die wir für "ungläubig" halten.
Auch denen, die mit uns zum Gottesdienst gehen, mit uns auf Wallfahrt
und mit uns zu Anbetung. Wir alle brauchen das gegenseitige Zeugnis des
Glaubens: "Du bist nicht allein, ich bin auch dabei. Ich stehe dazu!"
Glauben Sie mir, liebe Schwestern und Brüder: Die größere
Demut hat heute der, der mehr Mut zeigt. Amen.
3. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Am letzten Mittwoch war es soweit: unsere Kinder aus dem Ferienlager
waren im Fernsehen! "Hallo Niedersachsen" war zu Gast beim Platzwart
des Holdorfer Ferienlagers und hat dort den Abbau des Lagers gefilmt.
Der Platzwart, so ein richtiger gemütlicher Friese, unterhält
den Pfadfinderplatz seit vielen Jahren und freut sich daran, wesentlich
dazu beitragen zu können, Kindern und Jugendlichen eine gute Ferienzeit
zu ermöglichen; so nach dem Motto von Robert Baden-Powell, dem Gründer
der Pfadfinderbewegung: "Jeden Tag eine gute Tat".
Im heutigen Sonntagsevangelium klingt es ganz ähnlich: "Wenn
du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein, denn sie können es Dir nicht vergelten."
Den Anderen Gutes tun, gerade dann, wenn man keinen Lohn dafür erwarten
kann.
Anlässlich der Taufe besuche ich immer die jungen Familien zu Hause
und spreche es dann auch an, wenn die Paare noch nicht kirchlich verheiratet
sind. Immer wieder stellt sich dabei heraus, dass die Einstellung der
Eltern zu Gott gar nicht das Hindernis ist, sondern das Fest soll groß
gefeiert werden und man möchte alle die einladen, bei denen man selber
auch schon eingeladen war, die eine Gegeneinladung erwarten. Da kommen
dann so einige Freunde, Nachbarn, Verwandte, Kegelbrüder, Sportsbrüder,
Arbeitskollegen, ... zusammen, so dass durch das fehlende Geld für
solch eine große Feier dieselbige wohl auf den "Sankt Nimmerleinstag"
verschoben wird. Jesus: "Wenn Du ein Essen gibst, so lade nicht deine
Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn
ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten."
Jesus rät dazu einzuladen, um den anderen zu beschenken, sich daran
freuen, dass der andere einen schönen Abend hat, sich satt essen
kann. Den anderen eine Freude bereiten, weil man selber so voller Freude
ist, weil man geheiratet hat, den Partner fürs Leben gefunden hat
oder weil man sich freut, 50 gemeinsame Jahre gelebt zu haben, oder 70
Jahre auf Erden ist und immer noch morgens aus dem Bett kommt. Man ist
von Gott reich beschenkt worden und möchte diese Freude weitergeben.
Gott hat uns beschenkt, ohne dass wir es ihm auch nur annähernd zurückgeben
könnten und so selbstlos sollen auch wir schenken.
Wenn man es einmal probiert hat, merkt man wie schön es ist
4. Predigtvorschlag
Liebe Schwestern und Brüder, «Wenn Du ein Essen gibst, dann
lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.»
Damit ist unser Verhalten gemeint - nicht nur in den eigenen Kreisen zu
verkehren, sondern sich zu öffnen.
Aber haben Sie es schon einmal aus dem Blickwinkel Jesu gesehen, der
es uns vormacht? Der uns eingeladen hat, weil wir eben die Armen, Krüppel,
Lahme und Blinde sind?
Und die Aussage: «Du wirst selig sein, denn sie können es
Dir nicht vergelten» heißt dann soviel wie: Gut machen, uns
Gott gegenüber revanchieren, das geht nicht.
Das mag viele ärgern. Sie möchten Gott gegenüber gerne
alle Rechnungen bezahlen und frei von seinen Ansprüchen sein.
Aber das ist der Tod einer jeden Liebe - ob im menschlichen Bereich oder
Gott gegenüber: Liebe kann man niemals vergelten.
Und darum geht es: Die Liebe. Im eucharistischen Mahl lädt er uns
ein, um uns zu bedienen. Er dient uns in göttlicher Demut, nämlich
so, dass wir es kaum bemerken, es nicht sehen. Aber der Glaube sagt uns:
Es ist der Herr.
Demut ist etwas herrliches, für den, der es schon einmal ausprobiert
hat. Sich das Gute nicht anzurechnen, dass man getan hat, sondern alles
auf Gott zurückzuführen, ist befreiend. Ganz im Augenblick zu
leben, nichts zu tun, um Punkte zu sammeln; auf Gottes Fügung zu
vertrauen. Nicht in der Vergangenheit zu wühlen - was war gut, was
war schlecht. Vielmehr in dem Bewusstsein den neuen Augenblick anzugehen,
dass ich aus mir heraus sowieso nichts leiste, sondern wenn, dann immer
nur Gott durch mich.
Demut, Bescheidenheit ist keine Selbstversklavung, sondern Befreiung.
Wer auf sich selbst vertraut und sich seine eigenen Leistungen aufrechnet,
der muss auch seine Schuld aufrechnen und sich selbst zuschreiben. Für
alles bin ich dann verantwortlich und haftbar. Und ein gutes Ergebnis
setzt mich unter Erfolgsdruck. Nicht nachlassen, jeder Stillstand ist
Rückschritt. «Früher war ich ruhiger, lebendiger, zielstrebiger,
energievoller.» Jetzt nicht mehr, o Gott, ich beginne zu Versagen.
Ein Mensch aber, der sich selbst sowieso nichts anrechnet, kann auch
nichts verlieren.
Gut - wir brauchen unsere Streicheleinheiten, wir brauchen Zuwendung
und Lob. Und wenn es uns versagt wird, dann müssen wir uns manchmal
selbst sagen, dass wir etwas gut gemacht haben.
Ein von Gott geliebtes Kind hat das aber nicht nötig. Wer ernst
macht mit dem Bewusstsein, dass Gott mich liebt, immer, mit tiefer Sehnsucht
mich liebt - der braucht keine selbstgemachten Streicheleinheiten, keine
erarbeiteten Zuwendungen und provoziertes Lob.
Demut heißt eben nicht Depression und mangelndes Selbstbewusstsein.
Demut heißt, alle Lebensfreude nicht aus meinem Tun, sondern aus
der Nähe Gottes zu schöpfen. Und alles Selbstbewusstsein aus
der Tatsache, dass ich ein geliebtes Kind Gottes bin - und nicht aus meinen
eigenen, oft zweifelhaften Leistungen.
Demut ist etwas herrliches, für den, der es einmal ausprobiert und
sich darin übt. Demut ist aber auch etwas herrliches für den,
der einem solchen Menschen begegnet. Denken Sie nur daran, wie heute oft
Gespräche ablaufen: Ich - Ich - Und ich...
Wer seine Lebensfreude aus der Begegnung mit Gott in dieser Messe erhält,
der gewinnt eine Demut, die uns sicherer und fröhlicher macht, als
jede andere falsche Bescheidenheit. Amen.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, Du hast Dich zu uns herab geneigt und bist Mensch
geworden. Damit wir Deinem Vorbild folgen können, bitten wir Dich:
-
Schenke allen Menschen ein deutliches Gespür dafür, dass
sie von Dir geliebt sind.
-
Bleibe bei denen, die in ihrem Leben ihre Hoffnung ganz auf dich
setzen
-
Begleite die Unsicheren und Verängstigten auf ihrem Weg zu Dir;
führe sie zur Freiheit und Weite des christlichen Lebens.
-
Stehe denen bei, die schwer zu tragen haben: An Krankheit, Ausweglosigkeit,
Schuld oder Verachtung.
-
Sei den Schwerkranken und Sterbenden nahe und nimm unsere Verstorbenen
auf in Dein Reich. Wir feiern diesen Gottesdienst...
Herr Jesus Christus, in Dir zeigt sich die Demut Gottes und die Größe
seiner Liebe. In Dir können wir uns von allen inneren Zwängen
befreien und zur Freude gelangen. Darum bitten wir dich, Christus, unseren
Herrn. Amen.
Liedvorschläge (GL Bistum Münster)
Einzug: 258, 1 + 2
Kyrie: 852 (im Ganzen 2 x)
Gloria: 978
1. Lesung: Sir 3,17-18.20.28-29
Zwischengesang: 857, 1
Evangelium: 14, 1.7-14
Credo: sprechen
Gabenbereitung: 882
Sanctus: 862
Agnus Dei: 435
Danksagung: 886
Schluss: 638, 1 - 5